Zum Tod Jassir Arafats – Schweizer Wissenschaftler legen ersten Bericht vor

Es ist politischer Sprengstoff und klingt wie ein Szenario aus einem James-Bond-Film: Der im November 2004 verstorbene Palästinenserpräsident Jassir Arafat soll durch den Einsatz der radioaktiven Substanz Polonium vergiftet worden sein. Diese Theorie über den Tod Arafats legt jedenfalls eine Untersuchung des Instituts für Radiophysik des Universitätsklinikums Lausanne nahe. Einen entsprechenden Bericht legten die für die Untersuchung verantwortlichen Wissenschaftler in der vergangenen Woche vor.

Aus dem 108 Seiten langen Bericht der Experten geht hervor, dass die untersuchten Gewebeproben eine 18-mal höhere Konzentration des Isotops Polonium-210 aufwiesen als im Normalfall zu erwarten gewesen wäre. Dies legt den Verdacht nahe, dass Arafat keines natürlichen Todes starb, sondern den Folgen einer Strahlenvergiftung erlag.

Am 29. Oktober 2004 wurde Arafat wegen seines sich schnell verschlechternden Gesundheitszustands in das französische Militärkrankenhaus Percy nahe Paris verlegt. Nach einem kurzen Koma starb er am 11. November schließlich an einer Hirnblutung. Bereits damals machten radikale Palästinenser Israel für den Tod Arafats verantwortlich. Zu einer Autopsie des Leichnams oder einer toxikologischen Untersuchung kam es zunächst jedoch nicht.

Von Israel als letzte Ruhestätte für Arafat abgelehnt: Die Al-Aqsa-Moschee in Jerusalem ( © Rosel Eckstein  / pixelio.de )

Von Israel als letzte Ruhestätte für Arafat abgelehnt: Die Al-Aqsa-Moschee in Jerusalem ( © Rosel Eckstein / pixelio.de )

Die Spekulationen über die tatsächliche Todesursache des Palästinenserführers rissen seither nicht ab. Anfang des Jahres 2012 wurde schließlich eine Tasche mit persönlichen Gegenständen Arafats an das Institut für Radiophysik in Lausanne übergeben, welches die enthaltenen Kleidungsstücke und Hygieneartikel, die Arafat kurz vor seinem Tod verwendete, untersuchen sollte. Im Juli des gleichen Jahres gaben die mit dieser Aufgabe betrauten Schweizer Experten bekannt, dass auf den persönlichen Habseligkeiten Arafats erhöhte Poloniumwerte gemessen wurden. Daraufhin erstattete die Witwe des Verstorbenen, Suha Arafat, Anzeige gegen Unbekannt und stimmte einer Exhumierung des Leichnams ihres Mannes zur Entnahme von Gewebeproben zu.

Der nun vorliegende Bericht scheint den Anfangsverdacht zu bestätigen. Für Suha Arafat ist der Fall eindeutig: „Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass er keines natürlichen Todes starb“, sagte sie gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch in Paris. Die Palästinensische Autonomiebehörde hat hierzu bislang noch nicht offiziell Stellung genommen. Doch bereits jetzt steht für viele Palästinenser fest, dass nur Israel hinter der Ermordung ihres langjährigen politischen Führers stecken kann. Von israelischer Seite wurde jedoch bereits eine Verwicklung in den Fall dementiert und die Wissenschaftlichkeit des vorliegenden Berichts in Zweifel gezogen: „Das ist alles nicht seriös“, sagte Jigal Palmor, Sprecher des israelischen Außenministeriums, der „Jerusalem Post“ am vergangenen Mittwoch.

 Tatsächlich bestehen an dem Ergebnis der Gewebeuntersuchungen erhebliche Zweifel. Wegen der langen Zeit, die vor der Entnahme der Proben bereits verstrichen war, sind eindeutige Ergebnisse nicht mehr zu erwarten. So beschreiben die Forensiker aus der Schweiz auch nur mit „moderater“ Sicherheit die Zuverlässigkeit ihrer Ergebnisse.

 Die Experten des Universitätsklinikums Lausanne waren auch nicht die einzigen, die sich mit diesem Fall beschäftigten. Insgesamt wurden drei Wissenschaftlergruppen mit der Untersuchung von Haar- und Knochenproben beauftragt. Neben den Schweizern erhielten auch russische und französische Experten einen entsprechenden Auftrag. Von russischer Seite wurde bereits angedeutet, den Befund aus der Schweiz nicht bestätigen zu können. Ein Bericht der französischen Wissenschaftler wird in den nächsten Tagen erwartet. Ob dieser und der endgültige russische Bericht abschließende Klarheit in den Fall bringen werden, darf jedoch bezweifelt werden.


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