Die ungeschminkte Wahrheit

Gerade der Sommer ist auf Instagram für alle Daheimgebliebenen eine harte Zeit. Noch mehr perfekt gestylte Menschen als sonst strahlen mich von meinem Handydisplay an. Und das nervt. Gibt es mir doch das Gefühl, dass mein Leben weniger aufregend oder perfekt ist. Dabei gibt es zu jeder Jahreszeit genug Gründe sich über perfekt inszenierte Bilder aufzuregen: An Weihnachten ist es der wunderbar geschmückte Tannenbaum und an Ostern ein Bild vom gedeckten Frühstückstisch, der aussieht wie aus einem Werbekatalog. Dagegen rebellieren immer mehr Nutzer. Unter dem Hashtag #fürmehrrealitätaufinstagram findet man mittlerweile über 100.000 Beiträge. Auf Bildern und Videos zeigen sich dort gerade Nutzerinnen ungeschminkt und im Schlabberlook. Es gibt auch ganze Accounts, die sich gegen Perfektionismus und Makellosigkeit stellen. Schließlich sind wir ja eigentlich alle ein bisschen genervt von den perfekten Vorbildern.

Promi-Posen unter Beschuss

Eines dieser nicht ganz perfekten Vorbilder ist Celeste Barber. Gekonnt nimmt die Australierin Instagram-Bilder von Promisauf die Schippe. Auf ihrem Account stellt sie Posen von berühmten Menschen nach und zeigt, wie albern manche Bilder eigentlich sind. Das ist erst einmal ziemlich witzig. Es ist erfrischend Menschen

Die ungeschminkte Wahrheit

Nur einen Klick entfernt: Eine scheinbar makellose Welt

 zu sehen, die aussehen wie ich. Außerdem ist sie ziemlicherfolgreich damit. Mittlerweile folgen ihr über vier Millionen Menschen, sie veröffentlichtbald ihr erstes Buch und tritt in Australien im Fernsehen auf. Durch ihren Account kam sie weltweit indie Presse und wurde immer bekannter.

Auch die Kunststudentin Zilla van den Born schaffte es vor einigen Jahren mit ihrem Facebook-Account in die internationale Presse. Fünf Wochen lang dachten ihre Freunde und ihre Familie, dass sie durch Südostasien reise. Schließlich teilte sie regelmäßig Bilder von exotischen Orten. In Wahrheit hat Zilla aber die Niederlande nie verlassen. Im Rahmen ihrer Abschlussarbeit wollte sie darauf aufmerksam machen, wie leicht sich Menschen von Bildern im Internet täuschen lassen.

Natürlich ist das erst einmal nicht schlimm. Es ist schön durch soziale Medien vielfältige Meinungen, Geschichten und Ideen verbreiten zu können. Allerdings sind auch diese Bilder inszeniert und bilden nicht unbedingt die Realität ab. Im Fall von Celeste Barbers Bildern und Videos ist dies ziemlich offensichtlich. Bei anderen ist das nicht so. Auf Plattformen wie Instagram bekommen Fans das Gefühl ihren Stars ganz nah sein zu können. Und genau das ist das Problem. Auch der Account von Barber gibt mir das Gefühl zu wissen, was für ein Mensch sie ist. Dabei kenne ich sie gar nicht persönlich, sondern nur aus ihren Videos und von den Bildern auf ihrem Account.

Grenzen verschwimmen

Eigentlich sollte Selbstliebe kein Trend sein, sondern etwas, das jeder von uns schon im Kindesalter lernt. Im Moment greifen große Firmen das auf, weil etwa Kleidung für Frauen jenseits von Größe 44 ein vielversprechender Markt ist. Auf einmal tauchen auch in der Werbung unterschiedliche Frauen auf und es gibt auch modische Kleidung in Größe 46 oder 50. Die Bilder sind also gar nicht das Problem, sondern unser Umgang mit ihnen. Wir müssen lernen, Bilder zu hinterfragen und kritisch zu sein. Gerade wenn die Grenze zwischen Werbung und redaktionellen Inhalten immer mehr verschwimmt.

 

Hinweis: Übrigens hat Autorin Tatjana diese Woche einen Selbstversuch #fürmehrrealitätaufinstagram durchgeführt und täglich ein Bild und eine Geschichte dahinter auf ihrem Account gepostet, das bzw. die sie sonst nicht veröffentlicht hätte. Ihren Resümee zum Selbstversuch lest ihr dann nächsten Sonntag hier auf Face2Face.


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