Wie feiert ihr eigentlich Weihnachten?

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Von links: Christina Tsatsa, Milan Bartko, Cornelia Dudic mit dem Autor, Jusuf Nagobo, Alexander Staszewski (Foto: privat)

Überall wird heute Weihnachten gefeiert. Überall? Ist wirklich der 24. der entscheidende Tag? Bekommen alle Geschenke?  Und wie ist es Weihnachten zu feiern  wenn man gar nicht christlich ist? Fünf Personen geben heute Auskunft darüber, wie in anderen Kulturkreisen, im Ausland oder in Deutschland Weihnachten gefeiert wird.

Um 5 Uhr morgens – vor Sonnenaufgang – bricht Christina Tsatsa (24) mit ihrer Familie in die griechisch-orthodoxe Kirche auf. Am 25. Dezember begeht sie das Weihnachtsfest im Kreis von ungefähr 10 Verwandten und Freunden. „Traditionell isst man bei uns Lamm. Aber als Familie die mehrere Jahre in Deutschland lebt, haben wir auch die letzten Jahre Pute gegessen, “ berichtet Tsatsa.
Interessantes weiß sie von den Weihnachts-Bräuchen für griechische Kinder zu erzählen: „ Die Kinder ziehen um die Stadt und singen Weihnachtslieder (κάλαντα). Der Sinn des ganzen ist, dass, wenn Kinder Weihnachtslieder bei einem Haus singen, dann bringt es der Familie Glück fürs Jahr. Meistens werden die Kinder mit Weihnachtsgebäck beschert oder auch mit Geld.“ Für Christina –  abgeleitet von Christos –  selbst ist Weihnachten außerdem ein ganz besonderer Tag, da es ihr Namenstag ist und in Griechenland Namenstage wie in Deutschland Geburtstage gefeiert werden.

Ganz klassisch und ähnlich dem deutschen Weihnachtsfest feiert Milan Bartko (26) aus der Slowakei Weihnachten. Im kleineren Familienkreis mit Brüdern und Eltern geht er zusammen am 24. Dezember in die evangelisch-lutherische Kirche und genießt danach zu Hause Krautsuppe mit Fisch und Kartoffelsalat.
Auch Geschenke werden  bei ihm zu Hause – wie  bei uns in Deutschland –heute Abend  nach dem Essen verteilt. Schnee für Schneemänner gibt es in der Slowakei genug und Weihnachtsmarkt, Baum und Sterne gehören ebenfalls zur slowakischen Weihnacht. Einen Unterschied zum deutschen Weihnachten gibt es dann doch noch: Milan singt am Heilig Abend Kolleden. Auf Deutsch sind sie besser bekannt als Weihnachtslieder.

Eigentlich kommt Alexander Staszewski (23) aus dem Sauerland, „jedoch ist meine gesamte Verwandtschaft aus Polen“, berichtet er. Weihnachten feiern, dass heißt für ihn zusammenkommen mit der Familie und über ehemalige und kommende Ereignisse sprechen.  Gefeiert wird in der Familie der Staszewskis am 24. „Wir ziehen uns schick an, teilen das Brot vor dem Essen und einer aus der Familie spricht ein paar Wort“, erzählt er. In die Kirche geht die Familie traditionell am 25. Dezember.  Eine ganz spezielle Besonderheit am Weihnachtsabend schließt sich bei den Staszweskis noch an das Abendessen an: „Nach dem Essen und dem darauffolgende Tee schauen wir meistens Ekel Alfred zusammen an.“

Auch Jusuf Nagobo (24) lebt schon seit seiner Kindheit in Deutschland, seine Eltern, Geschwister und er kommen jedoch ursprünglich aus dem Iran und seine Familie ist muslimisch. Mit Weihnachten hat er eigentlich nicht viel am Hut, aber über die Jahre hinweg haben er und seine Familie doch ihren ganz eigenen Stil entwickelt Weihnachten zu feiern. „Kirche und Weihnachtslieder spielen bei uns natürlich keine Rolle“, erklärt Nagobo. „Wir schenken uns jedoch am 24. gegenseitig immer etwas, da wir als Kinder das ziemlich unfair fanden, dass alle anderen Geschenke bekamen außer uns.“
Eine Anekdote weiß Jusuf auch noch zu erzählen: „An unserem fünften Weihnachten hier in Deutschland hatte meine Mutter herausgefunden, dass der Weihnachtsmann eine Erfindung von Coca Cola sei und war deswegen fest davon überzeugt, dass Coca Cola ein fester Bestandteil von jedem Weihnachtsfest sei. Deswegen gab es bei uns dann viele Jahre am 24. immer zum Essen Coca Cola.“

Bei Cornelia Dudic (73) ist es schon lange her, dass sie Weihnachten nach rumänisch-orthodoxer Tradition gefeiert hat. Jedoch erinnert sie sich noch lebhaft an ihre Kindheit: „Es war immer eine wahnsinniger Betrieb in der Küche vor Weihnachten, da es immer 23 Speisen an Weihnachten gab. Warum 23? Für jeden Tag der Adventszeit eine, aber keine für den 13.“ Vor allem ihre Mutter berichtet Dudic stand tagelang vor dem Herd. „Geschenke gab es keine – oder zumindest keine großartigen“, fährt sie fort. „Aber das sei bestimmt im heutigen  Rumänien ganz anders als damals.“, schließt Dudic.

Vorschau: Am Dienstag, 7. Januarbegeben wir uns an die warmen Goldstrände an der bulgarischen Küste.


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Über Konstantin Homolka

Jahrgang 1989. Ist in Leonberg bei Stuttgart aufgewachsen und verbrachte nach seinem Schulab-schluss ein Jahr in Jerusalem/ Israel als Zivildienstleistender. Danach studierte er Soziologie und Germanistik an der Universität Mannheim. Seine ersten Medien-Erfahrungen sammelte er im Rahmen eines Praktikums beim SWR-Sportstudio in Stuttgart. Die Face2Face-Reiserubrik leitet er seit Gründung der Zeitschrift im Herbst 2010. Gerne unternimmt er Reisen und freut sich auf Begegnungen mit neuen Welten und Kulturen. Zurzeit ist er im Rahmen seines Masters der Wirtschaftssoziologie in Trier anzutreffen.

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