Vegetarisch essen, Teil 1: Fakten, Fakten, Fakten

Kaum mehr Federn am Körper, ausgebleichter Kamm und Schnabel, verzweifelte Klagelaute – wenn man sich Bilder der Massentierhaltung von zum Beispiel Hühnern ansieht, jagt es einem eiskalte Schauer den Rücken hinunter.

Vegetarisch essen, Teil 1: Fakten, Fakten, Fakten

Frisch und gesund: Obst (Foto: Beutler)

 Die eigene Moralvorstellung, aber auch Ekel oder schlicht gesundheitliche Gründe – man denke nur an den als BSE bezeichneten Rinderwahn – können Auslöser für eine Ernährungsumstellung hin zum Vegetarismus bedeuten. Dass sich der Verzicht auf Fleisch positiv auf den menschlichen Organismus auswirken kann, zeigen zahlreiche Studien, die bei Vegetariern unter anderem günstiger Blutdruckwerte, sowie eine höhere Lebenserwartung nachweisen konnten. Ein Beispiel: Die „London School of Hyhiene and Tropical Medicine“ beobachtete 11.000 Vegetarierinnen über einen Zeitraum von zwölf Jahren hinweg und verglich diese Ergebnisse mit einer Kontrollgruppe, die bis auf den Fleischkonsum eine ähnliche Lebensweise aufwies. Das Ergebnis: Die Sterberate der Vegetarierinnen lag um 20 Prozent unter, die Krebstodrate sogar um 40 Prozent unter der der fleischessenden Kontrollgruppe. Na, wenn das kein Argument für eine dauerhafte Ernährungsumstellung ist.

 Aber was ist mit Mangelerscheinungen? – höre ich da jemanden fragen. Klar ist, dass Fleisch wichtige Nährstoffe enthält, so zum Beispiel Eisen und Eiweiß. Verzichtet der Vegetarier jedoch nicht auf Milchprodukte und Eier ist zumindest die Zufuhr von Kalzium und Eiweiß gesichert. An dieser Stelle ein kleiner Exkurs, bevor wir zum Thema Eisen kommen, denn Vegetarismus ist nicht gleich Vegetarismus: Da hätten wir die Ovo-lacto-Vegetarier, die Milchprodukte und Eier zu sich nehmen, die Lacto-Vegetarier, die auf Eier verzichten – schließlich würde auch dort irgendwann Leben entstehen – dafür aber Milchprodukte akzeptieren, die Pescetarier, die zwar kein Fleisch von Warmblütern, wohl aber das von Fischen essen und schlussendlich die Veganer, die auf sämtliche tierische Produkte verzichten. Letztere Form der Ernährung wird aus wissenschaftlicher Sicht kritisch beäugt, da ein Ausgleich der fehlenden Nährstoffe so gut wie unmöglich ist.

Vegetarisch essen, Teil 1: Fakten, Fakten, Fakten

Nicht nur schön anzusehen: Tomaten sind sehr gesund (Foto: Beutler)

 Nun zurück zum Eisen: Ein Mangel an diesem Spurenelement kann zu Schwindelgefühl und Konzentrationsstörungen führen. Eine ausreichende Versorgung mit Vitamin C, beispielsweise durch frisches Obst oder Saft, kann die Aufnahme des sonst nur schwer für den Körper aufnehmbaren, pflanzlichen Eisen gewährleisten. Von der Einnahme von Eisenpräparate ist eher abzuraten, da diese leicht überdosiert werden können. Eine erhöhte Einnahme kann für Kleinkinder sogar tödlich enden. Besonders viel natürliches Eisen steckt zum Beispiel in Kräutern wie Petersilie, Brennnessel und Thymian, aber auch in Kürbiskernen, Erbsen und Spinat. Verzichtet werden sollte indessen auf Kaffee, Kakao, Knoblauch oder schwarzen Tee, da diese Produkte die Eisenaufnahme hemmen. Es ist auf jeden Fall ratsam bei körperlichen Beschwerden nach der Ernährungsumstellung einen Arzt aufzusuchen. Dieser kann einen Bluttest durchführen, mögliche Mängel feststellen und mit hoher Wahrscheinlichkeit auch Tipps für die weitere Ernährung geben. Ist der Mangel zu gravierend und kann nicht anderweitig ausgeglichen werden, sollte auf jeden Fall eine zumindest geringfügige Aufnahme von Fleisch wieder eingeführt werden, schließlich geht die Gesundheit eindeutig vor.

 Wer sich beim besten Willen nicht vorstellen kann auf Milch, Eier, Fleisch und Fisch zu verzichten, der sollte in Verantwortung für sich selbst und als Vorbild für andere möglichst auf Bio- beziehungsweise Freilandprodukte zurückgreifen.

 Übrigens: Laut einer im Jahr 2007 durchgeführten Studie der Friedrich-Schiller-Universität Jena unter 2517 Teilnehmern ergab sich, dass der typische Vegetarier weiblich, jung sowie überdurchschnittlich gebildet ist und in einer Großstadt lebt – nur als kleiner Denkanstoß.

Spinner oder Helden des Alltags – was denkt ihr über Vegetarier?

Vorschau: Nächste Woche gibt es dann ein paar Rezepte- sowie Produkttipps, die sicherlich nicht nur dem eingefleischten Vegetarier schmecken werden. Außerdem erfahrt ihr was ein Vegetarier zur Grillparty mitbringen kann. Zu Teil 2 gelangt ihr hier.


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Tatjana Gartner

Über Tatjana Gartner

Jahrgang 1989. Sie ist in Heidelberg geboren und in Speyer aufgewachsen, schloss ihr Germanistik-Studium an der Universität Mannheim 2012 mit dem Bachelor, ihr Medien- und Kommunikationsmanagement-Studium an der SRH Hochschule Calw 2013 mit dem Master ab. Während ihres Studiums absolvierte sie mehrere Praktika, unter anderem bei der Rheinpfalz, dem ZDF und der Deutschen Presse-Agentur. Im Herbst 2010 gründete sie gemeinsam mit Kommilitoninnen an der Universität Mannheim „Face2Face – das Online-Magazin“, das sie bis heute leitet. Sie schreibt am liebsten über spannende Persönlichkeiten und bewegende Schicksale, aber auch „leichte Koste“, wie Tutorials und Tipps und Tricks, zählen zu ihrem Repertoire. Und wenn ein Lifestyle-Thema auf den Prüfstand muss, stellt sie sich auch gerne mal einem Selbstversuch.

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