Tod am Seeufer (Leseprobe) – Heike Grigoleit / mit Gewinnspiel

Rosemarie Walters schloss die Haustür auf. Sie hatte einen anstrengenden Arbeitstag hinter sich und hoffte auf einen ruhigen Abend. Sie wusste, dass ihr Mann bereits mit dem Essen auf sie wartete. Sie hing ihren Mantel an die Garderobe, als sie schon den Streit aus der Küche hörte.

Rosemarie schloss genervt die Augen: „Guten Abend, was habt ihr zwei denn jetzt schon wieder?“ Sie ging in die Küche und hoffte, zwischen ihrem Mann und ihrer Tochter vermitteln zu können. Thomas sah ihr entgegen: „Guten Abend, Romy“, Thomas ging nicht auf ihre Frage ein. „Hattest du einen sehr anstrengenden Tag?“ Er war etwas jünger als seine Frau und gerade mit dem Kochen beschäftigt. Romy sah ihn fragend an, und dann zu ihrer Tochter: „Tine, was war hier los?“ Der Teenager sah sie an und es war ihr anzusehen, dass etwas nicht stimmte: „Interessiert dich das überhaupt? Du glaubst doch sowieso nur ihm.“

Tod am Seeufer (Leseprobe) - Heike Grigoleit / mit Gewinnspiel

Bei uns zu gewinnen: der neue Roman „Tod am Seeufer“ (Foto: Grigoleit)

Thomas ließ seiner Frau nicht die Möglichkeit, zu antworten: Kannst du nicht erst einmal Guten Abend sagen? Hast du denn wirklich gar kein Benehmen? Und jetzt deck endlich den Tisch!“ Die Wut, die Romy im Flur gehört hatte, wirkte etwas gedämpfter, war aber noch lange nicht verflogen. Der Teenager griff nach den Tellern, die auf der Arbeitsplate standen: „Du bist nicht mein Vater, Tom! Also hör auf, mich erziehen zu wollen.“ Kerstin ging an ihrer Mutter vorbei: „Hi, Mutti!“ Romy sah ihrer Tochter hinterher: „Thomas, wo war diesmal das Problem? Ich habe euch doch streiten gehört.“ Sie verschränkte die Arme vor der Brust und lehnte sich an den Türrahmen. Thomas legte ihr lächelnd die Hände auf die Schultern: „Du kennst sie doch. Du hast sie einfach zu sehr verwöhnt.“ Romy konnte ihm nicht widersprechen und hoffte, dass ihr Mann Recht hatte.

Sie hatten erst vor einem halben Jahr geheiratet, und Romy wusste, dass ihre Kinder darüber geteilter Meinung waren. Während der 15jährige Michael sich mit seiner Mutter freute, war sie sich bei der 13jährigen Kerstin nicht mehr wirklich sicher. „Thomas, ich habe sie nicht verwöhnt. Worüber habt ihr gestritten?“ Er zuckte mit den Schultern und sah sie unschuldig an: „Romy, sie sollte nur den Tisch decken. Ist das zu viel verlangt, wenn ich schon koche? Das sollte sie aber auch langsam lernen. Ich bin schließlich nicht ihr Dienstbote.“ Romy war zu müde, um darüber zu diskutieren. Beim Essen sagte niemand ein Wort und auch danach sah Thomas das Thema als erledigt an. Er schickte Kerstin in die Küche zum Abwaschen. Rosemarie sagte nichts dagegen, sie fand, dass Kerstin alt genug war, im Haushalt zu helfen. Auf die wütenden Kommentare ihrer Tochter achtete sie nicht weiter. Sie schaltete die Nachrichten ein, doch wie an fast jedem Abend schlief sie auf der Couch ein. Thomas weckte sie, als er ins Bett gehen wollte.

Am nächsten Morgen fiel es Romy schwer, aufzustehen. Sie hatte das Gefühl, dass diese Nacht wieder viel zu kurz gewesen war. Sie nahm sich vor, nicht wieder auf der Couch einzuschlafen. Romy setzte den Kaffee auf und ging dann in Michaels Zimmer, um ihn zu wecken. Ihr Sohn drehte sich noch einmal um, aber das kannte sie bereits. Romy ging in das Zimmer ihrer Tochter. „Kerstin?“ Hektisch lief sie zum Bad und klopfte an: „Kerstin? Kerstin, bist du da drin?“ Michael kam aus seinem Zimmer: „Was schreist du denn so rum?“ Sie antwortete nicht und lief durch das Haus, aber sie konnte ihre Tochter nicht finden.

Michael sah seiner Mutter eine Weile zu und hielt sie dann in der Küche am Arm: „Vielleicht ist sie ja schon los, oder holt Schrippen.“ Romy hob die Augenbraue: „Mike, deine Schwester steht genauso gut auf wie du. Und warum sollte sie Schrippen holen, wir haben Brot im Haus. Zieh dich an, ich muss Thomas wecken.“ Ihr Sohn sah sie ungläubig an: „Der wird auch nicht wissen, wo sie ist. Der wird doch eher froh sein, wenn sie nicht da ist.“ Romy gab ihm einen liebevollen Klaps auf den Arm: „Sag nicht sowas. Einem von euch muss sie doch etwas gesagt haben.“ Michael verzichtete darauf, seiner Mutter zu antworten. Er ging ins Zimmer seiner Schwester. „Warum war ihr Bett schon gemacht?“ fragte er sich. Mike hörte wie seine Mutter ihren Mann aufgeregt weckte. „Das konnte jetzt ja etwas werden!“ dachte er und beschloss sich am besten für heute unsichtbar zu machen.

Thomas konnte nicht glauben, womit seine Frau ihn weckte: „Was ist mit Kerstin?“ Romy stand neben dem Bett: „Tom, sie ist nicht in ihrem Zimmer.“ Er sah verschlafen auf den Wecker: „Dann ist sie sicher schon früher los. Ich glaube, sie sagte mal sowas. Lass mich einfach weiter schlafen.“ Er drehte sich um, um genau das zu tun. Romy konnte es nicht fassen, sie war dicht davor, die Nerven zu verlieren. „Thomas bitte! Wir müssen doch irgendetwas tun?“ Er drehte sich noch einmal zu ihr um: „Ruf sie doch auf ihrem Handy an.“ Damit war für ihn das Thema erledigt.

Romy ging zurück ins Zimmer ihrer Tochter und sah sich um. Vielleicht würde sie ja irgendwo einen Hinweis finden können. Sie fand aber nur das abgeschaltete  Handy auf dem Schreibtisch ihrer Tochter. Sie merkte nicht, wie schnell die Zeit verstrich und erschrak als ihr Sohn sie ansprach: „Bekomme ich eigentlich noch Frühstück, oder fällt das heute aus?“ Romy wischte sich die Tränen aus dem Gesicht: „Entschuldige, Mike. Wo kann sie nur sein? Du weißt wirklich nichts?“ Der Junge schüttelte den Kopf: „Ich habe null Ahnung, Mama. Mach dir keine Sorgen, es gibt bestimmt eine Erklärung dafür. Was ist jetzt mit dem Frühstück?“ Sie nickte und sah auf ihre Uhr: „Oh Gott, es ist schon so spät? Mike, komm mit.“

Sie suchte in ihrer Handtasche nach ihrem Portemonnaie und gab ihrem Sohn etwas Geld: „Hier, aber nur ausnahmsweise. Was sollen wir jetzt nur der Schule sagen?“ Michael steckte das Geld ein: „Vielleicht ist sie ja doch dort. Sollte ich sie sehen, dann ruf ich dich an. Soll ich mir was für ihre Lehrer ausdenken?“ Romy schüttelte den Kopf: „Nein, mit so etwas fangen wir erst gar nicht an. Du fahr zur Schule, ich werde euren Vater anrufen, vielleicht ist sie ja bei ihm.“ Michael unterdrückte eine Antwort und verabschiedete sich nur noch.

© Heike Grigoleit

Tod am Seeufer (Leseprobe) - Heike Grigoleit / mit Gewinnspiel

Schreibt seit 2008: Autorin Heike Grigoleit (Foto: Grigoleit)

Die Autorin

Heike Grigoleit ist 1967 in Berlin geboren und seit 1989 verheiratet. Mit dem Schreiben hat sie 2008 mit einer Fanfiction angefangen, allerdings erschien „Hot August“ ein halbes Jahr vor der Fanfiction zur Krimiserie „The Beast“. Durch gesundheitliches Handicap wurde das Schreiben zu einer Situationsbewältigung und so erschien 2010 „Real life meets Internet“ und 2011 „Verhängnisvolle Verhältnisse“. 2012 folgte „Mord an der Schule“ und gerade erschien „Tod am Seeufer“.

Bisher hat Heike Grigoleit an zwei Autorenwettbewerben teilgenommen. 2010 belegte sie bei WebWalpurga mit „The Beast“ und den 17. Platz und 2012 mit „Mord an der Schule“ bei „derneuedeutschebuchpreis“ den 15. Platz.

Zu Gewinnen

Exklusiv auf Face2Face verlosen wir ein Exemplar des Romans „Tod am Seeufer“. Was ihr zum Gewinnen tun müsst: Schreibt bis einschließlich Sonntag, 28. April, 23:59 eine Mail an eva-maria.obermann@face2face-magazin.de. In der Mail enthalten sein sollte eurer Vor- und Nachname, euer Alter und natürlich eure Adresse. Mitarbeiter von Face2Face, sowie der Rechtsweg sind von der Verlosung ausgeschlossen. Die Bekanntgabe der Gewinner erfolgt via Mail.

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§ 1 Gewinnspiel (1) Das Gewinnspiel wird von der Online-Zeitschrift Face2Face durchgeführt.

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Eva-Maria Obermann

Über Eva-Maria Obermann

Jahrgang 1987. In Schifferstadt aufgewachsen, bestand sie im Mai 2012 den Bachelor of Arts mit Auszeichnung und beendet aktuell ihr Master-Studium an der Universität Mannheim. Ihr Gedichtband „Seelentropfen – 100 Gedichte“ erschien 2009, ihr Kinderbuch „In Mamas Bauch“ 2010. 2013 veröffentlichte sie die Sammlung „DichterZusammen“ als Mitherausgeberin und -autorin und ist außerdem in einigen Anthologien vertreten. 2017 erscheint ihr Fantasy-Roman "Zeitlose - Simeons Rückkehr" sowie ihr Liebesroman "Ellas Schmetterlinge". Sie schreibt für das „Schifferstadter Tagblatt“ und ihren Blog „Schreibtrieb“. Die dreifache Mutter ist seit 2012 verheiratet und hat auch schon für das dm-Glückskind-Magazin geschrieben. Für die Kolumne von Face2Face verfasst sie seit der Gründung Beiträge und genießt dabei die Themenvielfalt und den freien Stil. Als Rubrikenleiterin organisiert sie Themenfindung und -verteilung. Im Lektorat arbeitet sie mit mehreren Autoren und ihren vielseitigen Themen zusammen.

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