Einmal um die Wette reisen

On the road - die Landschaft auf Reisen genießen (Foto: Mätzke-Hodzic)

On the road – die Landschaft auf Reisen genießen (Foto: Mätzke-Hodzic)

Was einem für Menschen auf Reisen begegnen. Da sind Weltenbummler, die ihren Job an den Nagel gehängt haben und für mehrere Monate die Welt bereisen. Rastlose Seelen, die einen kleinen Hafenort Tausende Kilometer vom eigentlichen zu Hause zu ihrem neuen Wohnsitz auserkoren haben. Da ist ein junger Schriftsteller, der zufälligerweise auch noch Ernest heißt und in einer marokkanischen Stadt deren Fassaden fast vollständig in blau leuchten, in einem ruhigen Garten an seinem Roman schreibt und hier neue Inspiration findet. Oder zwei ältere Berber, die kurzerhand unseren von uns ernannten Guide  (ein italienischer Schweizer, der uns unverhofft vom Straßenrand aufsammelte, wo uns die sengende Hitze fast einen Sonnenstich beschert hätte) darum baten einen Brief auf Italienisch zu übersetzen. Der tat ihnen den Gefallen und verschwand in einem Laden, der vor Berberschmuck, alten Spiegeln, Truhen und Möbeln nur so überquoll. Wenige Mintuen später saßen wir auf kleinen Hockern vor diesem lebenden Antiquariat, tranken Tee und der Inhaber wollte zum Dank für das Übersetzen (was ja nicht mein Verdienst war) mir Schmuck anbieten. Am Ende baumelte an meinem Arm ein riesiger Reif verziert mit kleinen Steinchen und ich war um ein Erlebnis reicher.

Lieblingshostel - ein Hostel, das uns in sehr guter Erinnerung bleibt (Foto: Mätzke-Hodzcic)

Lieblingshostel – ein Hostel, das uns in sehr guter Erinnerung bleibt (Foto: Mätzke-Hodzic)

Ich trefe auf Reisen auch immer auf eine besondere Spezies – junge Mitzwanziger, die schon die halbe Welt bereist haben. Ich begutachte sie meistens mit einer anfänglichen Skepsis. Eigentlich bin ich aber auch ein klein bisschen neidisch. Stampfe innerlich wie ein kleines Kind auf den Boden und schreie lauthals: Ich will aber auch für acht Monate am Stück weg.

Der Traum von der Weltreise -  zum Greifen nah? (Foto: M. Hermsdorf  / pixelio.de)

Der Traum von der Weltreise – zum Greifen nah? (Foto: M. Hermsdorf / pixelio.de)

Oft drehen sich die Gespräche während so einer Reise auch ums…genau Reisen. Jeder packt seine größten Abenteuer aus der Erzählkiste und der Stolz der in Stimme mitschwingt ist nicht zu überhören. Aber Reiseerinnerungen können einem sehr ans Herz wachsen. Manchmal fange ich dann auch an mich an diesem Wettstreit zu beteiligen, man schaukelt sich gegenseitig hoch und insgeheim geht es darum, dass jemand aus der Gruppe, die vorherige Urlaubsanekdote toppt. Ein Lieblingsspiel von Backpackern? Ich muss mich dann manchmal zurücknehmen und wieder darauf konzentrieren dem Verlauf des Gespräches zu lauschen. Ich muss doch nicht auf Teufel komm raus jedem meine für mich besondere Reisemomente ausplaudern – vor allem nicht, wenn ich das Gefühl habe, dass es eigentlich nicht um das Erlebnis geht sondern darum mächtig anzugeben.

Essen teilen - ein erster Freundschaftsbeweis (Foto: Mätzke-Hodzic)

Essen teilen – ein erster Freundschaftsbeweis (Foto: Mätzke-Hodzic)

Ja, auch ich würde gerne mal für eine Zeit aussteigen. Nicht nur einen Monat sondern gleich mehrere Monate am Stück verschiedene Länder bereisen. Doch dann kommen mir Zweifel auf. Während unserer Marokkoreise war ich oft völlig überwältigt von den vielen neuen Eindrücken. Wie ergeht es einem da, wenn man mehrere Monate quasi im Minutentakt mit neuen Eindrücken überflutet wird? Wenn man so viele Monate reist, lässt es das Budget auch nicht unbedingt zu bei den Übernachtungen wählerisch zu sein. Ich kann mich erinnern, wie sehr ich mich angekommen in Mainz auf mein Bett und eine richtige Dusche freute. In Marokko hatten wir in acht verschiedenen Hostels übernachtet – für den Preis waren alle akzeptabel. Eine Zeit lang kann man seine Bedürfnisse runterschrauben. Das ist eine super Sache und macht mal wieder deutlich was für einen Komfort wir in Deutschland gewöhnt sind. Die letzten Tage unserer Reise hatte ich dann aber genug. Eines Morgens war mein ganzer Körper mit roten Flecken übersät. Bisse von Bettwanzen. Das diese Mistviecher ausgerechnet an den letzten Tagen, die wir unbeschwert am Meer verbrachten, über mich herfielen und mein Mann völlig verschont von ihren mörderisch juckenden Bissen blieb. Ja, es gibt so einiges was man auf Reisen aushalten muss, wenn man backpackt. Und auch ein paar Sachen, die man nicht vermisst. Die Bettwanzen gehören definitiv dazu. Aber um eine weitere Reiseanekdote bin ich allemal reicher geworden.

Vorschau: Nächste Woche erwartet euch hier wieder eine spannende Kolumne.

„Ich war noch niemals in New York“ – Eine musikalische Weltreise

Sänger besingen in ihren Liedern Gefühle, Menschen und manchmal auch Städte. Über welche Städte am meisten gesungen wird und warum, verraten wir euch jetzt und gehen mit euch auf eine musikalische Weltreise.

Ob Udo Jürgens, Jay-Z oder Alicia Keys – sie alle haben Noten aufs Papier gebracht, um diese eine Stadt zu besingen. Die Rede ist von New York. Der Big Apple ist neben der britischen Hauptstadt die meist besungene Stadt der Musikbranche. Insgesamt gibt es rund 2.707 Lieder, die die amerikanische Metropole musikalisch in den Mittelpunkt stellen. Aber werden eigentlich auch Städte wie Ankara, Honolulu oder gar Vaduz besungen?

Der Programmierer Javier Arce entwickelte eine interaktive Karte namens „Spotimap“. Auf dieser musikalischen Weltkarte kann man sich als Hörer von Land zu Land und von Stadt zu Stadt klicken. So kann man sich mit einem Klick beispielsweise über tausend Lieder aus der Stadt der Liebe, Paris, anhören. So hört man Audrey Hepburn mit „Bonjour, Paris“ und Frank Sinatra, der seine Liebe zur französischen Hauptstadt besang. Viele verschiedene Lieder kann man erwarten einen in der Städteplaylist  und wenn man die Augen schließt, manchmal sogar in die Stadt entfliehen.

Aber auch deutsche Städte wurden besungen, zwar nicht so oft wie London, Paris oder New York aber immerhin. So gibt es Songs über Hamburg, Köln und natürlich auch über die Bundeshauptstadt Berlin. Herbert Grönemayer besang beispielsweisedie Liebe zu seiner Heimatstadt Bochum im gleichnamigen Lied und auch der deutsche Rapper Materia widmete seiner Heimat Rostock einen Song. In 154 Lieder ist Berlin vertreten und landete im Städteranking somit auf Platz fünf.

Insgesamt kann man sich in der „Spotimap“ durch über 200 Städte klicken und nahezu 8.000 Songs hören. Da ist es kein Problem von Australien über China und Frankreich mal einen Abstecher nach Amerika zu machen.

Mithilfe unsere Reiseredaktion könnt ihr euch nun auf eine musikalische Face2Face-Weltreise machen:  

In London wandeln wir nicht nur auf den Spuren der Beatles, sondern machen zusammen mit Duffy einen Halt an der „Warwick Avenue“. Über den Ärmelkanal zurück aufs Festland genießen wir zusammen mit David Bowie den „Port of Amsterdam“. Auf ein „Altbierlied“ in der Modestadt Düsseldorf sind wir dann mit den Toten Hosen verabredet. Weiter geht es in der italienischen Modemetropole „Milano“,wo wir Ivano Fossati begegnen, um die Weitereise nach Istanbul anzutreten. Hier treffen wir uns auf einem der zahlreichen Märkte mit Loreena McKennitt, um auf „The Gates of Istanbul“ zu schauen. Lustig wird es dann für uns in Seoul, wo wir zusammen mit Psy den „Gangnam Style“ tanzen. Mit den „Perth Girls“ von Abbe May legen wir uns in Australien an den Strand und umschwärmen wenig später Elvis in Las Vegas, wenn er „Viva Las Vegas“ singt. Einmal zurück über den großen Teich gesprungen, flanieren wir durch Porto, das uns zum Abschluss unserer Reise Rui Veloso besingt.

„Hasta Alaska“: Mit dem Kombi von Chile nach Alaska

Im November 2011 startete Ben (32) in Chile ein unglaubliches Abenteuer. Sein Ziel: Mit einem

Das ist er: Abenteurer Ben (Foto:Ben)

Das ist er: Abenteurer Ben (Foto:Ben)

Kombi und seinem Hund namens Alaska nach Alaska!

Doch schon zuvor zog es ihn von seinem Heimatort Jersey, einer kleinen Insel im Ärmelkanal, in die große weite Welt: Angefangen im November 2008 in Kanada, snowboardete er in den Bergen von Kanada und Neuseeland, surfte an der australischen Küste, lebte mit einem Mönch in den Bergen von Thailand, arbeitete als Tiger-Trainer und trampte durch Kambodscha. Furchtlos durch die Welt, immer nach der Suche nach einem nächsten Abenteuer. Nach Kanada, Südostasien, Australien und Neuseeland landete er schließlich im Winter 2011 in Chile, kaufte sich einen Kombi und startete sein Projekt „Hasta Alaska“. Begleitet von seiner Kamera, teilt er seine Erfahrungen mit Leuten aus

Farbenfroh und einzigartig: Bens Kombi (Foto: Ben)

Farbenfroh und einzigartig: Bens Kombi (Foto: Ben)

aller Welt auf seiner eigenen Homepage, seiner Facebook- und Twitter-Seite und seinem Youtube-Channel. Es liegt ihm sehr am Herzen jeden, der Interesse hat, an seiner Reise teilhaben zu lassen und wie gelingt dies einfacher als durch das Internet? Mittlerweile zählt er 6.199 „Gefällt mir-Angaben“ bei Facebook und 13.921 Abonnenten bei Youtube – die Tendenz ist weiter steigend. Nahezu täglich berichtet er mit Bildern und kleinen Anekdoten von seinem teilweise beschwerlichen Trip und erntet damit Respekt und Anteilnahme von allen Seiten. Laut eigenen Angaben verbringt Ben wöchentlich über 20 Stunden mit der Pflege und Erweiterung seiner diversen Kanäle und jede einzelne Sekunde, so Ben, lohnt sich.

Sein treuster Freund: Hund "Alaska" (Foto:Ben)

Sein treuster Freund: Hund „Alaska“ (Foto:Ben)

Ganz allein mit seinem Cocker Spaniel im Gepäck machte er sich also auf den weiten Weg. Er entschied sich bewusst diese Reise allein anzutreten, um sich die Freiheit zu bewahren, tun und lassen zu können, was er möchte. Jedoch begrüßt er nach dem CouchSurfing-Prinzip zwischendurch immer mal wieder Mitreisende, die mal kürzer und mal länger mit ihm auf Tour sind. Die Kosten für das Benzin teilen sie sich, sodass für Ben sein Projekt bezahlbar bleibt. Allerdings sind er und Hund Alaska die einzigen dauerhaften Mitglieder der Kombi-Crew.

Bis zum heutigen Zeitpunkt musste er seine Reise bereits zwei Mal nahezu abbrechen, da

Auch Pannen gehören dazu: Reparaturen am Straßenrand (Foto:Ben)

Auch Pannen gehören dazu: Reparaturen am Straßenrand (Foto:Ben)

der Kombi, noch bevor er Chile verlassen hatte, fast auseinanderbrach. Nachdem er in Costa Rica Ersatzteile gekauft hatte, der Kombi aber nach zehn Kilometern schon wieder streikte, war er kurz davor aufzugeben, seinen Kombi zu verkaufen und sich stattdessen zwei Esel zu kaufen. Er versicherte mir, dass dies ein ernsthafter Gedanke war! Jedoch ermutigten ihn seine Online-Freunde weiterzumachen und so ging seine Reise trotz mancher schwieriger Situation stetig weiter – bis heute!

Auf meine Frage, was seine Pläne für die Zukunft sind und wie lange er dies noch machen möchte, sagte er:“ Ich hoffe mit dem Eintreffen in Alaska im August oder September 2015. Allerdings kann ich dies natürlich nicht zu hundert Prozent vorhersehen. Was ich nach sieben Jahren machen möchte, in denen ich quer durch die ganze Welt gereist bin, weiß ich noch nicht. Aber eins weiß ich ganz genau: Ich werde bei meiner Ankunft in Alaska nicht derselbe Mann sein, der Chile im November 2011 verlassen hat!“

Euch begeistert, wie mich, das Projekt von Ben und ihr möchtet seine Reise weiter verfolgen und mehr Bilder von seinem abenteuerlichen Abenteuer sehen?

Um die halbe Welt in „Das Jahr des Tigers“– eine Rezension

Um die halbe Welt in „Das Jahr des Tigers“– eine Rezension

Das Titelbild: Das Gebirge des Himalaya in Tibet (Foto: Wagner Verlag)

Nach dem chinesischen Kalender war 2010  das Jahr des Tigers. Ein gutes Zeichen, um zu einer achtmonatigen Reise über Land von Marburg nach Singapur und zurück bis nach Lissabon aufzubrechen, fand die Autorin und Weltreisende Tatjana Kröger, die im Jahr des Tigers 1962 geboren wurde. Eine Rezension ihres Reisebuches lest ihr heute hier bei Face2Face .

„Auf dem Landweg zweimal quer durch ganz Europa und Asien? Und ganz allein als Frau?“, empört sich der Klappentext des Buches und stellt damit die Fragen, die sich wahrscheinlich jeder Leser dieses Reiseberichts zu Anfang des Buches stellt. „Eine wahnwitzige Idee“, so könnte man meinen, aber „es geht doch!“, weiß Kröger zu berichten.

Um eine Vorstellung von den Dimensionen der Reise zu bekommen, empfiehlt es sich einen Blick in das Nachwort zu werfen: „Ich legte auf dieser Reise eine Entfernung von 53.798 Kilometern zurück, davon 21.991 mit dem Bus, 18.783 Kilometer mit dem Zug, 9.436 Kilometer mit dem Auto und 3.083 Kilometer mit dem Jeep.“  Eine Reiselänge, die mit jeder Weltreise konkurrieren kann und bei einem Blick auf die Strecke ein bisschen an die Reise Marco Polos, des berühmten China-Reisenden aus dem 13. Jahrhundert, erinnert .

Die Reiseroute führte die Autorin durch alle Klimazonen von „klirrender Kälte“ bis „tropischer Schwüle“. Ein Jahr hatte Kröger im Voraus begonnen ihre Reise zu planen, um vorbereitet auf gefährliche Länder, wie den Iran oder Tibet zu sein. Auch Visa mussten rechtzeitig beantragt werden.: „Die Kosten für Visa erreichten ungeheure Dimensionen mit insgesamt 819 Euro, das russische Visum schlug dabei mit 153 Euro zu Buche, das iranische mit 145 Euro.“

Erlebt hat Kröger so einiges. „Sie fischt im zugefrorenen Baikalsee, lernt bei Nomaden in der Mongolei die tägliche Hausarbeit, streichelte Tiger in einem Waldkloster in Thailand, nimmt in Malaysia an einer traditionellen Hochzeitsfeier teil, macht Station am Basislager des Mount Everest, sieht in Pakistan die Prozessionen zum großen islamischen Fest Anschura.“ Dies alles berichtet Kröger in ihrem Buch in einer Mischung aus persönlichem Reisetagebuch und mit Fakten versehenem Reisebericht.  Im Vergleich mit dem Taj Mahal in Indien oder der Tempelstadt Angkor in Kambodscha werden deutsche Sehenswürdigkeiten, wie zum Beispiel der Rolandsbogen oberhalb des Rheins in einer anderen Relation gesehen: „Der Rolandsbogen ist ziemlich unspektakulär und bröckelig, erinnert eher an den Bogen im Zaubereiministerium im fünften Band von Harry Potter, und ein Bogen ist er eigentlich auch nicht, sondern ein stehen gebliebener Fensterrahmen.“

Für diejenigen, die das Buch nicht nur als Lesevergnügen kaufen , sondern auch zu Planungszwecken einer eigenen Reise verwenden möchten, hat Kröger am Ende ihres Buches noch einmal eine Liste ihrer persönlichen Highlights in den Kategorien „Natur Wunder“, „Architektonische Wunder“, Kulinarische Highlights“, „Kulturelle Highlights“ und „Schönste Strecken“ aufgestellt.  

Das Buch selbst beinhaltet aber vielmehr als nur eine Aufzählung von besuchten Monumenten und Wundern der Natur. Auch von viel Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft wissen Buch und  Autorin zu berichten und so endet auch das Buch mit einer Danksagung nicht nur an Freunde und Verwandte, die Kröger unterstützt haben, sondern auch an die „vielen Menschen in allen Ländern für ihre Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft in zahllosen Situationen meines Reisealltags. Ohne sie alle wäre diese Reise nicht möglich gewesen. Als Alleinreisende ist man ganz besonders auf Kontakte zu den einheimischen Menschen angewiesen, und gerade das ist es letztlich auch, was eine Reise wirklich reisenswert macht.“

Vorschau: Am Dienstag, 23. April geht es in der Reiserubrik weiter mit einem Artikel über die derzeitige Kulturhauptstadt Europas: Marseille.