Brauche ich das wirklich?

Immer besser, schneller, immer mehr… Unsere Gesellschaft schwimmt im absoluten Konsum und Luxus. Dabei vermittelt uns die Werbung immer wieder aufs Neue, dass wir etwas brauchen, wodurch wir uns besser, schöner, glücklicher fühlen. Darunter leidet nicht nur die Umwelt, sondern auch Tiere und andere Menschen, die entweder hungern oder unter unmenschlichen Verhältnissen für unseren Konsum arbeiten müssen. In Deutschland verbraucht jeder Mensch durchschnittlich doppelt so viele Ressourcen, wie ihm eigentlich zustehen. In welchen Lebensbereichen versteckt sich dieser Konsum und wie kann dieser eingeschränkt werden?

Das zwanzigste Paar Jeans 


Die Überproduktion fängt beispielsweise bei der Kleidung an. Nach den USA werden in Deutschland durchschnittlich am meisten Kleidungsstücke gekauft. Davon werden allerdings 40% entweder garnicht oder nur ein bis zwei Mal getragen. Doch trotzdem wird fleißig weiter gekauft, wodurch die Wirtschaft angekurbelt und somit wiederum immer mehr produziert wird. Die ständig wechselnden Kollektionen und Trends führen außerdem dazu, dass vermeintlich „alte“ Kleidung im Schrank verstaubt und Einkaufsbummel in kurzen Abständen zum normalen Alltagsprozess werden. Dass durch diesen Konsum Umwelt und Menschen sowie Tiere durch die Produktion von Leder, Wolle oder Fellen leiden, ist keine Frage. Doch Kleidung, die nicht mehr getragen wird kann noch jemanden glücklich machen: Ob beim Kleidertausch mit Freunden und Familie, auf einem Flohmarkt, wo man ganz nebenbei auch noch etwas Geld verdienen kann, oder als Spende an soziale Organisationen wie das Deutsche Rote Kreuz oder Sozialkaufhäuser. Wenn doch mal ein neues Kleidungsstück gebraucht wird, kann erst einmal im Second-Hand Laden oder auf Flohmärkten (auch online) nachgeschaut werden, ob ein Teil noch seinen weiteren Dienst leisten kann. Als „Notlösung“ könnt ihr auf Fair Fashion zurückgreifen. Diese wird in dafür speziellen Läden angeboten und meist nicht nur fair produziert, sondern auch unter hohen ökologischen Standards hergestellt. Dafür wird zwar wieder ein neues Produkt hergestellt, jedoch unter menschen-, tier- und umweltfreundlicheren Bedingungen. 

Erdbeeren im Dezember

Deutlich erkennbar wird unsere Wegwerfgesellschaft vor allem auch im Lebensmittelbereich. Heutzutage findet man im Supermarkt ein enormes Angebot an verschiedenen Nahrungsmitteln aus der ganzen Welt. Häufig wird auch hier nicht deutlich oder überhaupt darüber nachgedacht, wo das Produkt eigentlich herkommt und was dahintersteckt. Die Umwelt leidet unter den langen Export- bzw. Importwegen und der Ausbeutung des Bodens durch Intensivlandwirtschaft. Damit verbunden ist auch der Konsum tierischer Produkte, da beispielsweise 98% des Sojas für Tierfutter angebaut wird. Zudem leiden unter anderem Kleinbauern unter schlechten Arbeitsbedingungen oder können mit der technisierten Massenproduktion nicht mehr mithalten und verlieren so ihre Existenz. Um Mensch, Tier und Umwelt zu schonen, können regionale bzw. lokale und saisonale Produkte, beispielsweise auf dem Markt, eingekauft werden. Die Reduzierung von tierischen Produkten trägt zudem einen entscheidenden Teil dazu bei. Zum Beispiel kann der Fleischkonsum auf einmal pro Woche festgelegt und auf artgerechte Haltung geachtet werden, sodass der Konsum bewusster wird und auch der Genuss und das Privileg wieder eine konkretere Rolle spielen. 

Alles Sache der Politik 

Viele Menschen sehen die Schuld für diese miserablen Umstände in der Politik. Jedoch hängt der Markt von der Nachfrage der Konsumenten ab. So sind wir alle in der Lage durch ein zurückgeschraubtes Konsumverhalten die Überproduktion zu verhindern und somit die Politik zu einer Veränderung zu bewegen. Fragt euch einfach vor jedem Kauf „brauche ich das wirklich?“ und vor allem auch „was steckt hinter einem Produkt?“, „wo kommt es her?“ und „unter welchen Bedingungen wurde es hergestellt?“. Muss ich wirklich immer das neuste Smartphone haben, fünfmal im Jahr fliegen und 30 Paar Schuhe besitzen? Wir sollten weniger wegschmeißen, sondern das was wir haben wertschätzen, Dinge wiederverwerten oder sie verschenken bzw. spenden. Jeder Einzelne von uns sollte versuchen seinen Teil beizutragen, seine Möglichkeiten auszuschöpfen, um gemeinsam eine bessere Welt zu gestalten. 




Auf der Suche nach (m)einer Heimat

Es ist ein interessantes Phänomen: Sobald ich in einer Mitfahrgelegenheit sitze, tausche ich mich mit den Leuten voller Enthusiasmus über Reiseerfahrungen aus. Natürlich kommen auch andere Themen zu Sprache. Alles in allem vergeht die Fahrt so meist wie im Fluge. So hatte ich angenommen, dass auch meine Fahrt von Köln nach Mainz mit drei jungen, aufgeweckten, Frauen, zu dieser Sorte von bereichernden Erlebnissen gehören würde.

Auf der Suche nach der Heimat: Kolumnistin Anna-Sophie richtet den Blick in die Ferne (Foto: Maetzke-Hodzic)

Auf der Suche nach der Heimat: Kolumnistin Anna-Sophie richtet den Blick in die Ferne (Foto: Maetzke-Hodzic)

Bevor sich solch schöne Gespräche überhaupt ergeben, fällt zumeist aber die für mich eher unangenehme Frage, woher man denn eigentlich komme. Eine ganz harmlose, einfach zu beantwortende Frage. Könnte man meinen. Oft ist sie aber ein richtiger „Gesprächs-Killer“. Ich reagiere auf diese Frage allergisch und muss meist ein hysterisches Lachen unterdrücken. Jedes Mal aufs Neue treibt mir diese Frage die Schweißperlen auf die Stirn. Meine über die Zeit einstudierte Antwort, die durchaus noch Verbesserungspotenzial hat, lautet in etwa so: „Also, bevor ich nach Mainz kam, habe ich ein Jahr in Bosnien gelebt. Davor habe ich in München gelebt.“ Darauf entgegnet mein Gegenüber: „Achso. Schön. Dann bist du also eine richtige Münchnerin?“ Mein Gegenüber hatte sich naiver Weise schon am Ziel seiner Frage gewähnt. Weit gefehlt! „Nein, nein. Ich habe dort nur 3 Jahre gelebt.“ Ich hole einmal tief Luft, um mit meiner ganz persönlichen Version der unendlichen Geschichte fortzufahren. „Davor lebte ich ein Jahr in Singapur. Davor fünf Jahre in Karlsruhe. Meine Kindheit habe ich in Kassel verbracht. Geboren bin ich in allerdings in Neubrandenburg, in Mecklenburg-Vorpommern.“ Ein erleichtertes Verschnaufen meinerseits ertönt, als hätte ich glücklich vor Erschöpfung endlich die Zielgerade eines Halbmarathons erreicht.

Manchmal wünschte ich mir, ich könnte einfach nur einen Ortsnamen nennen und damit hätte sich die Sache. Das scheinen auch meine Zuhörer von mir zu erwarten. Meine Sitznachbarin wirkt latent gereizt und wirft mir einen vorwurfsvollen Blick zu. „Spielverderberin“, lese ich aus ihrem Blick. Ich wende meinen darauf schnell gen Fenster. Wie noch nie zuvor, wünsche ich mir, dass diese Fahrt wirklich wie im Fluge vergeht.

"Willkommen": Ein kleiner "Trödelladen" lädt zum Eintreten ein (Foto: Maetzke-Hodzic)

„Willkommen“: Ein kleiner „Trödelladen“ lädt zum Eintreten ein (Foto: Maetzke-Hodzic)

Aber was bezweckt man eigentlich mit dieser Frage? Geht diese Frage davon aus, dass es eben normal ist, von einem bestimmten Ort „herzukommen“. Ich bin ganz sicher nicht die einzige Person, die behaupten kann, von einem solchen Ort nicht sprechen zu können. Bin ich dann aber in den Augen der Anderen, die sich mit einer ach-so-wunderbaren Heimat rühmen können, heimatlos? Ich für meinen Teil, fühle mich zumindest ab und an so. Mein Verlangen nach diesem für mich fantastischen Ort steigt des Öfteren ins Unermessliche. Wo zu Hölle befindet sich diese ominöse Heimat von der alle Welt spricht? Braucht jeder Mensch eine? Macht es einen unglücklich keine Heimat zu haben? Das suggeriert diese Frage zumindest für mich. So bin ich nun schon eine Weile auf der Suche nach einer Heimat. Lauere ihr aufmerksam hinter jeder Ecke auf. Bin immer darauf vorbereitet meinem heimlichen Schwarm, der Heimat, doch noch über den Weg zu laufen. Bis jetzt hatte ich kein Glück. Leider wurden auch noch keine Zeitungsannoncen für Heimatsuchende erfunden — „Biete kuschelige Heimat inklusive Heimatgefühl.“

So sehr ich mich nach einer Heimat sehne, so sehr neige ich auch dazu Orten nach einer gewissen Zeit den Rücken zuzukehren. Irgendwann macht sich in mir wieder diese Unruhe bemerkbar, der ich nachgebe, sogar nachgeben muss und die nichts anderes sagen will als: Es ist Zeit. Auf zu neuen Horizonten. Ob das in irgendeinem Zusammenhang dazu steht, dass ich meinen ersten Umzug schon im jungen Alter von 3 Monaten vollzog (und zwar von der damaligen DDR in den Westen), kann ich nur vermuten. (selbstverständlich war damals meine Mutter die Initiatorin der Reise) Geblieben ist offensichtlich, dass ich mich gerne Hals über Kopf in Abenteuer stürze. Sich auf das „Fremde“ einzulassen, sich nicht immer in Sicherheit zu wiegen, das lässt einen als Person wachsen. Und deswegen genieße ich es auch, mir die Freiheit zu nehmen, selbst zu entscheiden, wo ich leben will. Aber woher jemand kommt? Das sucht derjenige sich für gewöhnlich ja nicht selbst aus. Manchmal fühle ich mich meiner Heimat beraubt! Tief in mir schlummert da die Sehnsucht nach einem Ort, den ich ganz fest in meine Arme schließen und zärtlich Heimat nennen will. Vielleicht wird es mich noch an einige Flecken der Erde verschlagen, bevor ich begreife was meine ganz persönliche Heimat ist, oder dass diese im schlimmsten Fall wohnmöglich gar nicht existiert.

Meine Sitznachbarin scheint auf einmal um 180 ° gewandelt und reißt mich jäh aus meinen Gedanken. Sie quasselt wie ein Wasserfall und erkundigt sich bei mir, was ein Besucher in Mainz Nettes machen und erkunden könne. Meine Mitfahrgelegenheit gleitet fast geräuschlos über die Theodor-Heuss-Brücke in Mainz. Die Stadt ist bereits in Dunkelheit gehüllt. Doch ich spüre in mir so etwas wie Freude aufsteigen. Fast automatisch verfasse ich im Kopf eine Liste der Dinge auf die ich mich, angekommen in Mainz, besonders freue: Ein Spaziergang an der Rheinpromenade, über den Wochenmarkt zu schlendern, ausgedehntes Kaffeetrinken mit Freunden in der Neustadt. Fast sieht es danach aus, als hätte es Mainz geschafft, sich heimlich still und leise einen Platz in meinem Herzen zu erkämpfen. Meine Sitznachbarin stellt sich letztendlich doch als liebenswürdige Person heraus. Ich verrate ihr sogar ein paar meiner Lieblingsorte, die sie sich dankend aufschreibt. Was es mit dem bösartigen Blick zu Beginn auf sich hatte, habe ich aber bis jetzt noch nicht herausgefunden.

Was meine Heimat anbelangt… Ich weiß, dass ich irgendwann noch zu dem Land aufbrechen muss, indem ich meine Heimat vermute. Bis dahin gebe ich mich aber sehr gerne mit Mainz als vorübergehender Heimat zufrieden.

Vorschau: Eva-Maria berichtet hier nächste Woche von Demenz und ihren Folgen für das Umfeld.

Die größten Nagetiere der Welt – Teil 1: Der Biber

Sie sind die artenreichste Gruppe unter den Säugetieren. Sie bewegen sich auf allen Vieren fort und haben zwei langgewachsene Schneidezähne. Die Nagetiere haben sich weltweit in den unterschiedlichsten Lebensräumen verbreitet. Labormäuse, Meerschweinchen als Haustiere, Eichhörnchen in jedem Park- sie sind überall. Doch die Meisten von ihnen sind nur mäusegroß. Zeit sich die Rekordhalter anzuschauen: Die zwei größten Nagetiere der Welt. Das zweitgrößte Nagetier ist der Biber.

Es gibt zwei Biberarten: den europäischen Biber und den kanadischen Biber. Der kanadische Biber ist mit einer Gesamtlänge – einschließlich Schwanz – von 1,2 Metern der größere von beiden. Er wiegt bis zu 45 Kilogramm und wird bis zu 12 Jahre alt. Der europäische Verwandte ist dagegen etwas kleiner. Der Riesenbiber erreichte eine Länge von 2,5 Metern und lebte ebenfalls in Nordamerika, bis er aber am Ende der letzten Eiszeit vor circa 10.000 Jahren ausstarb.

Biber sind vor allem dadurch bekannt geworden, dass sie mit ihren Zähnen ganze Bäume fällen, weshalb ein Biber das Maskottchen einer Zahnpasta geworden ist. Mit den gefällten jungen Bäumen, mit einem Durchmesser von bis zu 80 Zentimetern, Ästen und Schlamm bauen sie dann ihre ebenso berühmten Biberdämme und Wohnbauten, weshalb ein Biber als Maskottchen einer Baumarktkette geworden ist.

Die größten Nagetiere der Welt - Teil 1: Der Biber

Bei der Arbeit: Ein Biber verändert seine Umwelt immens (Foto: © Marion Heidemann-Grimm / pixelio.de )

Das Treiben der Nagetiere missfällt unter Umständen aber dem Menschen. Die Dämme führen zu Überflutungen an Uferbereichen und die angenagten Bäume schaden der Forstwirtschaft. Doch regulieren die Tiere den Wasserstand selbst, sodass er zum Beispiel bei starken Regenfällen nicht zu hoch wird, und halten das Biotop in Schuss. So können zum Beispiel die nordamerikanischen Gänse in Gewässern mit Bibern im Frühling schneller brüten. Der Damm soll den Wasserstand nur bei über 60 Zentimetern halten. Denn die Wohnbauten der Biber haben alle einen Eingang unter dem Wasserspiegel. Dies soll zu ihrem eigenen Schutz so bleiben.

Der Rest des Wohnraumes liegt im Trockenen. In zwei bis vier von diesen Biberbauten lebt die Biberfamilie, die aus einem monogamen Elternpaar und zwei Generationen Jungtieren besteht, in ihrem Revier. Sie ernähren sich rein pflanzlich aus Kräutern, Sträuchern, Wasserpflanzen und Laubbäumen. Im Winter halten sie Winterruhe und ernähren sich von der Rinde von Ästen, die sie im Herbst zwischengelagert haben.

Biber sind also wichtige Indikatoren für das Ökosystem. Und doch stehen sie oft in Konflikt mit dem Menschen. Doch wie jedes Nagetier sind sie ein wichtiger Teil der Natur.

Vorschau: Nächste Woche geht es in der Serie über Naturkatastrophen mit Unwettern weiter.

BookCrossing – die neue Form einer weltweiten Bibliothek

„Book – was?!“
Meine Schwester sieht mich irritiert an. Ich muss lächeln und wedele mit dem Buch vor ihrer Nase herum. „Na, BookCrossing! Die neue Art, Bücher zu lesen und neue Leute kennenzulernen“, kläre ich sie auf und stoße auf noch größere Verwirrung in ihrem Gesicht. Da wird mir klar, dass „BookCrossing“ noch nicht so bekannt ist und auch etwas für die nächste Kolumne bei face2face sein könnte. Gedacht, getan. Heute möchte ich euch also mit dieser neuen Form der weltweiten kostenlosen Bibliothek bekannt machen, denn nichts anderes ist BookCrossing im Grund genommen.

BookCrossing: Buch fangen, lesen und wieder freilassen... (Foto: Julia Konrad)

BookCrossing: Buch fangen, lesen und wieder freilassen... (Foto: Konrad)

Anstelle ein Buch zu kaufen, es zu lesen und in einem Schrank abzustellen, wo es dann Staub ansetzt und vielleicht in Vergessenheit gerät, wird das Buch auf eine Reise geschickt. An einen unbekannten Leser weitergegeben, der dann wiederum die Möglichkeit besitzt, das Buch zu lesen. Mitgliedern der Plattform „BookCrossing“ ist es möglich, das jeweilige Buch zu registrieren und seinen Aufenthalt nachzuverfolgen. Empfänger eines so genannten „freigelassenen“ Buches können wiederum Empfehlungen zu dem Buch abgeben, untereinander in Kontakt treten und sich über das Buch austauschen. Womit wir auch beim Ziel wären: Menschen durch Bücher miteinander zu verbinden.

Bücher haben eine gewaltige Macht, deren wir uns manchmal gar nicht wirklich bewusst sind. Sie können uns in ihren Bann ziehen, uns langweilen, aufregen, aggressiv oder traurig machen, nachdenklich stimmen und uns ein echter Freund oder eben Feind sein. Sie tragen zu unserer Bildung bei, sind Bestandteil unseres Lebens und unserer alltäglichen Kommunikation. Daher verbinden sie uns auf gewisse Weise miteinander und prägen unser Heranwachsen.

BookCrossing wurde von Ron Hornbaker mit Unterstützung seiner Frau Kaiori sowie den Mitgründern Bruce und Heather Pedersen 2001 ins Leben gerufen. Getreu Henry Millers Aussage („Ein Buch ist nicht nur ein Freund, es schafft dir neue Freunde. Wenn du ein Buch in Gedanken und im Geist besessen hast, bist du bereichert. Aber wenn du das Buch weitergegeben hast, bist du dreifach bereichert.“) werden Bücher also nicht länger nur gesammelt und ins Regal gestellt, sondern gelesen und „freigelassen“, damit ein anderer Leser sich seine Meinung zu dem Werk bilden kann und vielleicht eine Unterhaltung auf der Plattform entsteht.

Um die ganze Welt: Ein Buch auf Reisen (Foto: Julia Konrad)

Um die ganze Welt: Ein Buch auf Reisen (Foto: Konrad)

Mittlerweile gibt es BookCrossing auf der ganzen Welt verteilt, unter anderem in den USA, Finnland oder Australien. So existieren laut der offiziellen Homepage zur Zeit 965.501 BookCrosser und 8.230.600 Bücher, die durch 132 Länder unterwegs sind. Eine ganz schön beeindruckende Anzahl, wie ich finde. Das Team hat seinen Sitz in Idaho, einem Staat in den USA. Da BookCrossing mittlerweile weltweit bekannt ist, gibt es viele Freiwillige, welche das Team unterstützen.

Eine Plattform, die ich wirklich klasse finde und die für echte Bücherwürmer doch nahezu das Paradies sein dürfte! Ich werde mich auf jeden Fall registrieren und bin schon ganz gespannt, wann ich mein erstes Buch „freilassen“ und „fangen“ werde 😉

In diesem Sinne eine schöne, unterhaltsame Woche!

Eure Lea

Vorschau: Eva fragt sich nächste Woche, wie gläsern wir durch Facebook und Co. mittlerweile sind, in Zukunft werden, und ob das tatsächlich so schlimm ist.

Und Tschüss, Welt…

Facebook, studiVZ, mal eben die Mails checken, schnell mal etwas nachgooglen, um wieder im Bilde zu sein, und dann noch ein rascher Abstecher zur virtuellen H&M Seite. Nebenbei noch die SMS der besten Freundin beantworten und nicht den Rückruf bei einem Freund vergessen. Ganz wichtig! Tja, wer kennt das nicht? Immer und überall will und muss man erreichbar sein. Egal, wie – ob per Internet, Telefon, Handy. Wer schreibt heutzutage noch altmodische Briefe, wo es doch so etwas Praktisches wie die elektrische Post gibt? Aber das ist wieder ein anderes Kapitel…

 Denn heute geht es nicht um einen Aufruf zum mehr Briefeschreiben, sondern um einen Selbstversuch der besonderen Art. Und zwar habe ich mir für meinen Urlaub etwas ganz Besonderes überlegt. Ich habe nämlich sozusagen ganze 2 Wochen gefastet. Ja, ihr habt richtig gehört: Gefastet. Keine Schokolade oder so etwas in der Art, nein, ich habe dem ganzen „Immer-und-überall-erreichbar-sein-Müssen“ den Kampf angesagt und sowohl auf das Internet als auch auf das Handy verzichtet (Telefon hatte ich keines im Urlaub). Gut, das Handy hatte ich zwar dabei – für den Notfall, es aber nur zweimal eingeschaltet. Einmal bei einem Städtetrip und einmal als ich mit dem Rad in der Natur unterwegs war. Man weiß schließlich nie, was einem da so über den Weg läuft oder ob sich nicht vielleicht der Reifen überlegt, ein Eigenleben zu entwickeln und an einem ungünstigen Ort die Luft zu verlieren. Also habe ich an diesen zwei Tagen mein mir selbst auferlegtes Enthaltsamkeitsgelübde vernachlässigt und das Handy angeschaltet. Aber beim Internet war ich hartnäckig. Und ich muss sagen: Es hat nicht geschadet. Im Gegenteil.

 Gut, um ehrlich zu sein waren die ersten Tage ziemlich hart. Gerade wenn man viel im Internet unterwegs ist und oft in den sogenannten Social Networks vorbeischaut oder seine E-Mails checkt, ist das nicht gerade ein Spaziergang. Es hat mich starke Nerven und eiserne Disziplin gekostet, den vielseitigen Reizen der virtuellen Welt zu widerstehen. Aber ich bin stark geblieben und habe Verzicht geübt. Und nach einer Woche hatte ich mich wirklich schon soweit an meine Abstinenz gewöhnt, sodass ich nicht mehr wirklich einen Gedanken an das worldwideweb verschwendet habe.

 Es sei denn, es überkamen einem abends tiefsinnige Fragen über das Sein und Nicht-Sein im Allgemeinen und über die Geschichte der Menschheit im Allgemeinen. Oder es überkam mich der seltsame Drang die Namen sämtlicher Hauptstädte der Welt zu erfahren. Tja, normalerweise konnte man das ja schnell man googlen und – schwups! – schon hatte man die Antwort. Schwarz auf weiß. Vor sich auf dem Schirm und schon war man um eine Erkenntnis reicher. Bei mir leider weit gefehlt. Und wer jetzt denkt: Warum macht die nicht einfach ihr Handy an und schaut nach? Immerhin hat man doch jetzt auch auf dem Handy Internet. Tja, da muss ich euch Lieben leider sagen, dass ich noch zu der mittlerweile fast „altmodischen“ Sorte Mensch gehöre, die ein altes Nokia haben und somit keine Apps besitzen, einen Internetzugang vom Handy aus oder was es sonst noch mittlerweile so für das kleine, flache Mobiltelefon gibt. Also war googlen nicht drin, sprich: Ich musste bis zum nächsten Morgen warten, um mich dann in einer Buchhandlung schlau zu machen oder ich ließ es einfach bleiben. Der Einfachheit halber habe ich es dann auch nach dem zweiten Mal gelassen. War dann doch etwas umständlich und die Dame aus der Buchabteilung hat irgendwann auch seltsam geschaut…

 Um aber wieder auf meinen Selbstversuch zu sprechen zu kommen, kann ich abschließend wirklich mit Überzeugung sagen, dass ich das kleine Experiment nicht bereue. Es hat mir einmal mehr gezeigt, wie abhängig wir vom Internet geworden sind und mit welcher fast schon erschreckenden Selbstverständlichkeit wir das Netz nutzen. Zwei Wochen frei von all dem – das hat mir wirklich gut getan. Ich konnte den Urlaub dieses Mal wirklich genießen, weil ich mich durch nichts habe stören lassen. Keine Hiobsbotschaften per E-Mail, SMS oder über eines der social networks. Einfach nur Ruhe. Das hat die Urlaubsstimmung sehr beeinflusst. Ich konnte abschalten und neue Kräfte für den Alltag tanken. Mich ganz auf mich konzentrieren, ohne mich mit irgendetwas beschäftigen zu müssen, was nicht mit meinem Urlaub zu tun hatte. Von daher stimmt der Rat von Psychologen, im Urlaub das Handy ausgeschaltet und den Laptop zu Hause zu lassen.

 Natürlich bin ich nach den zwei Wochen auch wieder froh gewesen, wieder Internet zu haben und mein Handy wieder zu benutzen. Denn ganz ohne das geht es heutzutage wirklich schlecht, das hat mir gleich mein volles E-Mail Postfach und die Nachrichten auf facebook bestätigt. Auf der anderen Seite waren sie auch wieder ein Beweis dafür, dass ein wenig Abstand niemals verkehrt sein kann. Die Dinge einfach mal ruhen lassen und sich nur auf sich konzentrieren. Etwas, das ich so schnell nicht vergessen werde und deshalb heißt es auch im nächsten Urlaub wieder: „Und tschüss, Welt!“

 Und wie sieht das bei euch aus? Seid ihr im Urlaub jederzeit und über alles erreichbar oder könnt ihr auch darauf verzichten?

Eure Lea

Vorschau: Lea betrachtet mal die Wetterturbulenzen und berichtet, warum ihrer Meinung nach trotzdem Sommer ist.

Auf den Brettern, die die Welt bedeuten…

Stimmengemurmel. Rascheln. Lachen. Irgendwo hinter dem schwarzen Vorhang sitzen unsere Zuschauer und warten darauf, dass das Stück „Küsschen, Küsschen“ beginnt. Wir haben uns eingeschworen, jedem über die Schulter „Toi, toi, toi“ gewünscht und sind ganz nervös. Für mich ist es das erste Mal, dass ich selbst auf der Theaterbühne stehe und nicht Zuschauer bin. Einerseits freue ich mich wahnsinnig, gleich in eine andere Rolle zu schlüpfen, auf der anderen Seite habe ich Angst, dass etwas schief geht. Meine Hände zittern und mein Magen scheint einen Salto rückwärts hinzulegen, als es endlich losgeht.

 Acht Geschichten des bekannten englischen Schriftstellers Roald Dahl hat die Theatergruppe Dicke Luft aus Speyer unter Norbert Franck auf die Bühne gebracht. Roald Dahl wurde in den 50-iger und 60-iger Jahren durch seine Kindergeschichten wie „Charly und die Schockoladenfabrik“ oder „Matilda“ sowie durch seine makaberen, oftmals mit schwarzem Humor versehenen Kurzgeschichten für Erwachsene bekannt. Die berühmtesten Kurzgeschichten finden sich in den Sammelbänden „Küsschen, Küsschen“ oder „… und noch ein Küsschen“. Die Zuschauer durften sich also auf einen schaurig-schönen Abend freuen und auf die Umsetzung gespannt sein.

 Etwas über zwei Monate hatten wir an den einzelnen Stücken geprobt und viel Herzblut hineingelegt – und nun war es so weit: Wir durften vor einem Publikum spielen. Während ich auf meinen Einsatz als schwarzhaarige Hebamme wartete, lugte ich ab und an durch den schwarzen Vorhang, um einen kurzen Blick auf die Zuschauer und deren Gesichter zu erhaschen. Erleichterung durchflutete mich. Das Stück gefiel. Auf manchen Gesichtern erkannte ich ein breites Grinsen, auf anderen Skepsis, um bei manch einem Zuschauer auf Verwunderung oder gar leichten Ekel zu treffen. Alles in allem Reaktionen, die unsere kleinen Geschichten hervorrufen sollten.

 Schließlich war es auch für mich an der Zeit – zusammen mit Dorothea Förster, Bernhard Friedmann und Stefan Sold – die Bühne zu betreten und unsere Geschichte aufzuführen. Im schummrigen Dunkel traten wir nach draußen, nahmen unsere Plätze ein und warteten, bis das Scheinwerferlicht wieder anging und wir beginnen konnten. In diesem Augenblick schoss mir ein passender Auszug aus dem Lied von Juli durch den Kopf: „Elektrisches Gefühl, ich bin völlig schwerelos; elektrisches Gefühl, wie beim ersten Atemzug…“. Genauso fühlte ich mich, als das Licht anging und ich einfach alles um mich ausblendete. Adrenalin floss durch meinen Körper und ich konzentrierte mich nur noch auf das Spielen. Es war unglaublich – alles, was zählte, war das, was ich gerade tat. Nichts weiter…

 Der Abend verging wie im Flug. Keine Pannen und fast fehlerfrei brachten wir zweieinhalb Stunden hinter uns. Der Applaus der Zuschauer zum Schluss riss uns wieder zurück in die Realität. Die Premiere war geschafft, und wir mit unseren Leistungen zufrieden. Mittlerweile haben wir sechs weitere Aufführungen hinter uns und bisher eine gute Resonanz bekommen. Die vorerst letzte Aufführung von „Küsschen, Küsschen“ wird am 21. Juni 2011 um 20Uhr im Kulturbeutel im Domgarten in Speyer stattfinden.

 Ich habe während dieser Zeit viel über mich selbst gelernt. Rollenspiele können uns eine Menge erkennen lassen und uns einen Spiegel vorhalten. Ich bin über mich selbst hinausgewachsen, in dem ich in zwei verschiedene Rollen geschlüpft bin, die mit mir so gar nichts zu tun haben. Kein einfaches Unterfangen und dennoch ist es mir zum Schluss gelungen. Diese Erfahrungen sind wertvoll. Theaterspielen kann wirklich gut für die eigene Psyche sein, denn man lernt fast spielerisch – bedingt durch den Perspektivenwechsel – einerseits Fremdes aber auch sich selbst besser zu verstehen. Ansätze, die sich beispielsweise bei Kaspar H. Spinner und auch im heutigen Unterricht oft finden lassen. Außerdem wird die Imaginationsfähigkeit gefördert und das eigene Ich-Verständnis, da man sich teilweise recht intensiv mit der zu spielenden Figur auseinandersetzen muss.

 Aber nicht nur das zeichnet das Theaterspielen an sich aus, sondern auch der Kontakt zu neuen Menschen, das Sammeln neuer Erfahrungen und die Erinnerungen an lustige, schaurige und großartige Momente. Es kann uns dabei helfen, mehr über uns selbst zu erfahren und unseren oft hektischen Alltag hinter uns zu lassen. Denn mit dem Theaterspielen machen wir uns ja nicht nur selbst eine Freude, sondern schenken auch anderen – nämlich denjenigen, die uns zuschauen – einen Moment jenseits des Alltagsgeschehens. Voraussetzung ist natürlich, dass man selbst Theater spielen möchte und auch Spaß daran hat, sonst ist das Ganze wohl eher kontraproduktiv

 In diesem Sinne wünsche ich euch eine kreative Woche!

Eure Lea

Vorschau: Was EHEC eigentlich ist, und warum Eva der ganze Medienrummel suspekter ist, als der Erreger selbst, lest ihr hier nächste Woche.

 

Japan – ein Land gezeichnet von Schicksalsschlägen

Die Nachrichten und Bilder, die seit letzter Woche von Japan aus um die Welt gehen, sind schockierend: Menschen, die verzweifelt nach Angehörigen suchen, die aufgrund der Kälte näher zusammenrücken, um sich gegenseitig zu wärmen, und mehr als 300 Männer, die sich freiwillig den nuklearen Strahlungen aussetzend gegen den Super-Gau kämpfen. Sie sind bereits Volkshelden, auch wenn wir nicht viel von ihnen wissen. Die Welt setzt alle Hoffnung in sie.

 Japan – wer dieses Wort vor zwei Wochen hörte, dachte zuerst an ein hoch entwickeltes Industrieland und eine immer stärker zunehmende Wirtschaftsmacht. Mit circa 127 Millionen Einwohnern ist es eines der bevölkerungsreichsten Länder der Welt. Japan steckt voller Gegensätze, Traditionen sowie einer faszinierenden Kultur und Geschichte.

 Allerdings hat es auch keine rosige Vergangenheit vorzuweisen. So sei hier an die Atombombenangriffe auf Hiroshima und Nagasaki im August 1945 – unter dem damaligen US-Präsidenten Harry S. Truman – erinnert. Über 90.000 Menschen waren sofort tot; mehr als 100 000 Menschen starben erst in den darauffolgenden Jahren an den Folgen der nuklearen Strahlung. Im September 1945 unterzeichnete Japan dann die Kapitulationsurkunde; der 2. Weltkrieg fand nach Jahren unermesslichen Leids sowie Zerstörung ein Ende. Der Einsatz dieser Atombomben ist bis heute heftig umstritten. Musste es wirklich soweit kommen? Gab es keinen anderen Lösungsweg? Und gerade diesem Land droht nun der atomare Super-Gau.

Aufgrund seiner geographischen Lage wird Japan seit jeher von Erdbeben heimgesucht. Es liegt in einer Zone, in der gleich vier Kontinentalplatten aufeinandertreffen: die eurasische, die philippinische, die pazifische sowie die nord-amerikanische Erdplatte.

 Diese Kontinentalplatten sind nicht starr, sondern ständig in Bewegung und können sich im Jahr bis zu 18 cm verschieben. Folgen von solchen Verschiebungen sind unter anderem: Erdbeben, Tsunamis, verschiedene Gebirge, Vulkanismus.

 Bei Japans schwerem Erdbeben vergangene Woche (das eine Stärke von 9,0 auf der Richterskala erreichte) hat sich die pazifische Platte unter die philippinische sowie die nordamerikanische Platte geschoben. Diese beiden drückten sich wiederum unter die eurasische Platte. Die Konsequenz einer solchen Plattenverschiebung: das furchtbare Erdbeben verrückte laut dem Deutschen Geoforschungszentrum in Potsdam die Hauptinsel Japan um etwa 3 m. Wer weitere Informationen dazu haben möchte, findet eine anschauliche und gut verständliche Darstellung der Ereignisse unter folgender Webadresse:

http://www.br-online.de/wissen/forschung/erdbeben-japan-tektonik-ID1300358740181.xml

 Daraus resultierten: Großbrände, Tsunami, Nachbeben, Heimatlosigkeit, tausende Tote und eine drohende Atomkatastrophe. Selbst in den USA konnte eine durch das Beben ausgelöste Welle beobachtet werden.

 Erinnerungen an das schwere Erdbeben von Kobe im Jahr 1995 kommen hoch. Innerhalb von 20 Sekunden wurde eine Stärke von 7,3 erreicht. Die Katastrophe forderte etwa 6500 Menschenleben und machte über 300 000 Menschen obdachlos. Auch die Ereignisse des großen Kanto Erdbebens im September 1923 auf Honshu, einer der vier Hauptinseln Japans, sind fast greifbar. Das Beben hatte eine Stärke von 7,9 und zerstörte unter anderem Bereiche der Stadt Tokio sowie die Hafenstadt Yokohama. Eine Folge dieses Bebens war ein 12 m hoher Tsunami sowie mehrere Brände. 1,9  Millionen Menschen wurden in wenigen Minuten obdachlos. Weil Bauten aus Stahlbeton diesem Erdbeben getrotzt hatten, ist dieses Baumaterial seitdem für Japan von großer Bedeutung.

 Aktuell kämpft Japan an mehreren Fronten – und zugleich gegen die bekannte Ironie des Schicksals: In Japan, wo die Erde häufiger mal bebt und die Häuser erdbebensicher gebaut sind, lernen die Menschen schon von Kleinauf, mit dieser Gefahr umzugehen. Dennoch zeigt sich, dass die Natur unberechenbar ist und der Mensch sich nicht anmaßen sollte, sich über sie zu stellen. Trotzdem stellen sich die Japaner mit bewundernswerter Disziplin diesen Ereignissen, die wir uns nicht vorstellen können. Mit viel Mut, Ruhe und Entschlossenheit kämpfen sie gegen diese schrecklichen Geschehnisse an.

 Ganz anders verhält es sich bei uns in Deutschland, wo Experten seit heute mit minimal erhöhten Strahlenwerten rechnen, und wo durch die Ereignisse in Japan eine neue Debatte über die Atomkraftpolitik losgetreten wurde. So ruderte die CDU, die vor wenigen Monaten erst die Verlängerung der Atomkraftlaufzeit beschlossen hatte, zurück und zog die Notbremse. Ob aus wahltaktischen Gründen oder aus Vernunft wird sich bald zeigen…

 Ich finde es traurig und schockierend zugleich, dass es erst einer solchen Katastrophe bedarf, bis man die Wahrheit erkennt und nicht länger die Augen verschließt. Die Zeit der Veränderungen ist gekommen und wir müssen eindeutig umdenken lernen.

 Oder wie seht ihr das?

Eure Lea

Vorschau: Nächste Woche  geht es bei Eva um Wahlen, im großen und im kleinen Rahmen.

Am Aschermittwoch schließt sich der Kreis…

Was haben wir getanzt, gelacht, gefeiert und uns lauthals mit voller Inbrunst „Helau“ sowie „Alaaf“ zugerufen. Die Stimmung war ausgelassen, elektrisierend und mitreißend. Kaum einer konnte sich – wenn man einmal im Faschingstrubel drin war – dem Ganzen entziehen. Wir sind in die unterschiedlichsten Rollen geschlüpft und konnten einmal so ganz anders sein, als wir es sind. Sozusagen ein überdimensionales Rollenspiel – das allerdings die Menschheit spaltet. Es gibt solche, für die es nichts Schöneres als Fasching gibt, und diejenigen, die an Aschermittwoch erleichtert aufatmen, weil diese absurde Maskerade und überzogene Fröhlichkeit endlich ein Ende hat.

 Der Aschermittwoch ist der Tag, der das Ende der 5. Jahreszeit einläutet, und an dem uns die Realität wieder hat. Und nicht nur das! Jetzt beginnt auch die 40-tägige Fastenzeit bei den Christen (eigentlich 46 Tage, aber die Sonntage sind ausgenommen, da an ihnen die Auferstehung Christi gefeiert wird). Auch andere Religionen haben Fastenzeiten, diese unterscheiden sich aber zeitlich gesehen von der christlichen Fastenzeit.

 Nachdem wir also ausgelassen gefeiert und in Lebensfreude geschwelgt haben, können wir nun die Fastenzeit dafür nutzen, bewusst Verzicht zu üben. Auch hier finden wir wieder das Phänomen der Gesellschaftsspaltung. Die eine Partei findet Fasten sinnvoll und hält das auch tapfer durch, die andere Partei finden die Idee zwar gut, halten aber nicht 40 Tage durch, und dann gibt es noch diejenigen, die der ganzen Sache eher skeptisch gegenüberstehen.

Eine der am häufigsten gestellten Fragen in diesen Tagen lautet: Fasten – für was denn? Tja, diesen zweifelnden Kandidaten möchte ich mit dem folgendem „Fastenprojekt“ antworten: Das sogenannte „Autofasten“! Das Prinzip ist ein ganz Einfaches: Das Auto so oft es irgendwie möglich ist, stehen lassen. Eine gemeinsame Idee der Bistümer Speyer, Trier und Mainz, des Diözesanrats der Katholiken im Bistum Aachen, der Evangelischen Kirchen im Rheinland, in Hessen-Nassau und in der Pfalz sowie dem Rat christlicher Kirchen im Großherzogtum Luxemburg; das Ganze wird politisch unterstützt.

Meiner Meinung nach ein sehr guter Einfall, weil wir gleich auf zwei Aspekte aufmerksam gemacht werden: Einmal, dass wir oft dazu neigen, schnell mal ins Auto zu springen und kurze Strecken damit zurückzulegen, anstatt die Alternativen (zum Beispiel das Fahrrad oder den Bus) auch nur in Betracht zu ziehen. Und gerade jetzt, wo die Benzinpreise schwindelerregende Höhen erreichen, lohnt es sich, darüber zweimal nachzudenken.

 Der zweite Aspekt bezieht sich auf unser Klima. Immer mehr Autos fahren auf den Straßen entlang – mehr Autos bedeuten mehr Kohlendioxid, das schädlich für unser Klima ist. Um dies an einem konkreten Beispiel aufzuzeigen: In Deutschland kommen auf 82 Millionen Einwohner 43 Millionen Fahrzeuge, die laut Umweltbundesamt 1/5 der CO2-Emissionen ausmacht. Und habt ihr gewusst, dass wir mit jedem verbrauchten Liter Benzin 2,3 kg Kohlendioxid in die Luft blasen? (http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,451440,00.html).

 Natürlich wurde auf dieses Problem reagiert: mit der Produktion CO2 armer Autos, aber noch nicht alle Autohersteller können ein wirklich zufriedenstellendes Ergebnis aufweisen. Oder die nun neueste „Politikpleite“: Die Einführung des neuen Kraftstoffs E10, das laut Experten für die Motoren schädlich sein kann und in Deutschland auf Ablehnung stößt.

Autofasten ist durchaus eine Überlegung wert, weil wir bewusst Verzicht üben und uns dadurch  Gedanken über unsere Mobilität (die wir vielleicht manchmal zu selbstverständlich nehmen) machen. Welche anderen Möglichkeiten haben wir zu der Party am Wochenende zu kommen? Können wir eine Fahrgemeinschaft organisieren oder sogar mit der Bahn hinkommen (vorausgesetzt sie fährt)?

Denn eines sollten wir nicht vergessen: Wenn sich die Erde immer weiter aufheizt, betrifft das uns alle! Wer sich weiter informieren möchte, sei diese Internetseite ans Herz gelegt: http://www.autofasten.de/

 Ich kann euch bereits murmeln hören: Und was ist nach diesen 46 Tagen Fasten? Danach geht doch alles wieder seinen Weg. Jeder fährt wieder mit seinem Auto so oft er will und wohin er will. Das mag auf den ersten Blick stimmen. Aber es liegt immer auch an einem selbst. Was habe ich in der Zeit des Fasten gelernt? Wo liegen meine Grenzen? Kann ich das wirklich umsetzen, was ich mir vorgenommen habe, und dies nach der Fastenzeit in meinen Alltag integrieren? Ich denke, dass man die Fastenzeit eher als Anstoß zu einem Umdenken nutzen und verstehen sollte, als dass man es gleich von Anfang an ablehnt und mit negativen Gefühlen oder Gedanken verbindet. Fasten kann etwas Positives sein!

 Und wenn dann noch ein bisschen Lebensfreude und Humor, die man aus den Faschingstagen mitgenommen hat, in die Fastenzeit miteinfließt, kann auch dieser Zeit durchaus etwas Gutes abgewonnen werden.

 In diesem Sinne: Wagen wir doch einfach mal einen Versuch und fasten – oder um es mit den Worten von Hermann Hesse zu sagen: „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne…“

 Eure Lea

Vorschau: Nächste Woche schreibt Eva von ihren Beobachtungen zu den ersten Frühlingsgefühlen dieser und jener Art.

„Wir bedanken uns für Ihre Fahrt mit der deutschen Bahn…“

„And I think to myself, what a wonderful world“, singe ich in meinem Kopf, um meine Wut eindämmen zu können. Wobei dieses Lied eher ironisch in dieser Situation zu verstehen ist. Denn wenn ihr am Bahnhof steht und auf euren Zug wartet, der mit 10-minütiger Verspätung angesagt wird, dann doch ausfällt (was bedeutet, ihr steht noch einmal fast 20 Minuten in der Kälte), ärgert man sich zwar, aber es gibt deutlich Schlimmeres. Wie zum Beispiel, dass man beim Umsteigen das gleiche Spiel noch einmal erlebt. Ja, und genau das passiert gerade JETZT!

 Während ich heute Morgen beim Aufstehen die Hoffnung hatte, es könnte alles glatt gehen und ich würde wirklich „nur“ eine Stunde zu Uni brauchen, muss ich nun – alles andere als begeistert – feststellen, dass dem nicht so ist. Es ist kalt, es schneit und es ist früh am Morgen. Ich schaue mich um. Nein, leider niemand da, den ich kenne. Ich muss also weiterhin „Wonderful world“ von Louis Armstrong laut in meinem Kopf singen, damit ich nicht gleich meine Contenance verliere. Das wollen wir ja schließlich auch nicht!

 Und vielleicht singe ich angesichts der nassen Kälte lieber „Wenn jetzt Sommer wär“ von Pohlmann, dann wird mir vielleicht auch wärmer. Also wechsle ich die CD in meinem Kopf und trällere dort das besagte Sommerlied. Ich bilde mir sogar ein, dass es schon ein bisschen wärmer wird! Als allerdings die Ansage gemacht wird, dass auch die nächste Bahn 10 Minuten Verspätung hat, ist mir schlagartig wieder kalt. Ich habe noch nicht einmal die Hälfte der eigentlichen Strecke gepackt und eigentlich sollte ich jetzt schon längst da sein.

 „Das gibt’s doch nicht“, höre ich ein Mädchen wütend sagen. „Wie soll ich jetzt rechtzeitig zu meiner Klausur kommen?! Da fährt man schon früher los und dann so was!“ Tja, wenn man sich mal auf die Bahn verlässt, ist man verlassen… naja, trifft nicht immer zu, aber irgendwie haben die immer wieder Probleme mit der Pünktlichkeit. Dabei gilt das doch als eine der deutschen Eigenschaften, für die man uns doch so lobt: Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit. Aber es muss ja auch ab und an mal ein paar schwarze Schafe geben – Bahnstreiks hin oder her.

 Jetzt ist mir nicht mehr nach Pohlmann! Und während ich überlege, was ich nun singe, um meine Laune nicht weiter gen Gefrierpunkt sinken zu lassen, sehe ich, wie ein älterer Herr die Hände faltet und zu beten anfängt. In einer Sprache, die ich nicht ganz verstehe. Ich hoffe, er schließt in sein Gebet auch diesen elenden verspäteten Zug ein!

 „Meine Damen und Herren auf Gleis 3 fährt nun der verspätete Zug nach Homburg ein. Bitte Vorsicht bei der Einfahrt“, dröhnt es nach einer gefühlten Ewigkeit über das Gleis. Wunder geschehen scheinbar doch immer wieder – juhu! Meine Freude währt aber nicht lange, denn als die S-Bahn langsam zum Stehen kommt, bleibt mir fast die Luft weg. „Scheiße“, höre ich neben mir einen Jungen sagen. Der Zug ist propenvoll; kaum noch Platz für weitere Fahrgäste. Prompt fallen mir die Songzeilen von Glashaus ein: „Und wenn wir das hier überleben, dann fehlt nichts mehr zum Beweis, dass wir alles überstehen können…“ Wenn auch sehr melodramatisch, passt es doch irgendwie.

Die Türen gehen auf, ein paar Menschen steigen aus und eine Masse neuer Menschen drängt nach drinnen. Die Scheiben sind angelaufen und ich schaffe es gerade so, mich hineinzuzwängen. Neben mir ein Mann mit Wanderausrüstung. Toll, wahrscheinlich ist heute Morgen auch der ganze Pfälzerwald-Verein unterwegs.

 Es geht los. Vier Stationen bis ich wieder aussteigen kann und sich die Türen öffnen und schließen. Menschen ein- und aussteigen und sich gerne noch manch einer mit einem Fahrrad zu uns gequetscht hätte. Den müssen wir leider zurücklassen – nicht aus Boshaftigkeit, wir sind sogar noch ein wenig zusammengerutscht, sondern aus Platzmangel. Lautes Fluchen, Schimpfwörter und erzürnte Gesichter. Manchmal fällt auch eine Drohung. Tja, herzlich Willkommen im wirklichen Leben…

 Mir kommt es vor, als würden wir Ewigkeiten brauchen. Doch irgendwann ertönt wieder die metallene Stimme und ich weiß, dass ich gleich da bin. Ich stehe auf und stelle mich auf den Gang. Der Zug bremst leicht. Die Dame vor mir mit ihrem Gehwägelchen schwankt gefährlich. Oh weh, hoffentlich kann sie sich festhalten. Der Zug bremst abermals, dieses Mal etwas stärker. Die Dame und ihr Gehwägelchen schwanken gefährlich. Oh, oh…

 Und bevor ich noch irgendetwas anderes denken kann, bremst der Zug so stark ab, dass ein Ruck durch das Abteil geht, alle sich irgendwo festhalten, um nicht umzufallen. Nur die Dame vor mir schafft es nicht. Sie schwankt, dreht sich irgendwie mit ihrem Gehwägelchen in meine Richtung und fällt halbwegs. Ich versuche, sie abzufangen, schaffe es aber nicht, weil der Zug zum Stehen kommt und wieder ein Ruckeln das Abteil ergreift. Mir gelingt es irgendwie, mit der Dame auf dem Boden zu landen. Das Wägelchen zwischen uns. Aua!

 Spanische Wörter hageln auf mich ein wie Donnerschläge. Ich verstehe kein Wort, merke nur, dass die Dame sauer ist – und zwar auf mich! Dabei wollte ich ihr nur helfen…

 Die metallene Stimme über mir ertönt wieder: „Wir bedanken uns für ihre Fahrt mit der Deutschen Bahn!“ Das ist jetzt hoffentlich nicht ernst gemeint! Ich rappele mich auf. Mit hochrotem Kopf. Meine Reizschwelle ist deutlich gesunken. Mir ist zum Schreien zumute. „Alles in Ordnung?“, fragt ein Mädchen.

 Und alles, was mir nach diesem Höllenritt einfällt, ist Alanis Morissette: „Isn’t it ironic, don’t you think? A little too ironic… and, yeah, I really do think…“.

 In diesem Sinne: Starke Nerven – gerade jetzt – für all die Bahnfahrer unter euch

Vorschau: Bei Eva dreht sich das nächste Mal alles um das Thema Fasching und warum sie den Gruppenzwang, sich schon im Kindergarten zu verkleiden, furchtbar findet.