Mit Deadpool durch die vierte Wand

Superheld? Antiheld? Liebestoller Romeo? Schlagfertiger Witzbold? Nur eins ist klar: Den Titel „Sexiest Man Alive“ kann Deadpool (Ryan Reynolds) sicher nicht abstauben. Die Marvel-Figur und der gleichnamige Film sind derart vielschichtig, dass eine Genre-Festlegung schwerfällt. Chronologisch gesehen beginnt Deadpools Geschichte mit einer Schreckensnachricht.

Ein Drama
Gerade hat er seiner Freundin Vanessa (Morina Baccarin) einen Heiratsantrag gemacht. Sein Job als roter Rächer und Beschützer der Armen bei einer Untergrundorganisation macht dem Ex-Soldaten Wade Wilson sichtlich Spaß. Doch sein Glück beim „Deadpool“, einem leicht fragwürdigen Wettspiel, verlässt ihn plötzlich.
„Der Krebs sitzt nur in Leber, Lunge, Prostata und Gehirn – alles Dinge, die ich nicht brauche.“ Wade kann sich nur zu einem resignierten Lächeln durchringen. Er möchte nicht, dass Vanessa ihn leiden und sterben sieht. Sein Lebensmut scheint ihn zu verlassen. Bis – ja bis ihm ein „Man in Black“ ein Angebot macht, das er nicht abschlagen kann: Eine zwielichtige Organisation verspricht den Krebs zu heilen und aus Wade einen Superhelden zu machen.

Eine satirische Komödie voller Anspielungen
Eingesperrt in einer Truhe voller Eiswasser, stahlharte Prügel und stundenlanges fingiertes Ersticken – durch brutale Folter-Experimente sollen Mutanten-Gene in Wades Körper den Krebs besiegen und ihm besondere Kräfte verleihen. Dabei wird „eine Sache das hier nicht überleben – sein Sinn für Humor“, ist sich der Ober-Folterknecht Ajax alias Francis (ACHTUNG: So möchte der Gute in der Öffentlichkeit keinesfalls genannt werden) sicher. Doch damit liegt er vollkommen daneben. Auch wenn Wade nach dem Experiment völlig entstellt ist – „als hätte ne Avocado Sex mit na älteren Avocado gehabt“ – sein satirischer Humor scheint sich dadurch nur noch zu verstärken. Als unsterblicher Deadpool im roten Anzug (irgendetwas Gutes müssen die Folterexperimente ja gebracht haben) schwört er Rache an Posh Spice alias Ajax alias Francis alias Ed Skrein. Bei seiner Jagd durchbricht Deadpool nicht nur die vierte Wand, wendet sich also direkt an den Zuschauer, um ihm beispielsweise mitzuteilen, dass sich die Produktionsfirma nur zwei X-Men leisten konnte, sondern spielt auch auf andere Comic-Helden und Schauspieler an (sehr beliebt: Hugh Jackman, dessen Gesicht er sich als Maske ans Gesicht tackert, um Vanessa keinen Schreck einzujagen). Einen Überblick über diese sogenannten „Easter Eggs“ liefert dieses Video von Sunday Movies.
Übrigens sehen sogar die Drehbuchautoren Rhett Reese und Paul Wernick ihren Film eher als Komödie denn als Actionfilm, wie ihr HIER nachlesen könnt.

Ein knallharter Actionfilm
Und doch: Die Action kommt nicht zu kurz bei Deadpool – ganz im Gegenteil! Neben rasanten Verfolgungsjagden, Explosionen und Schießereien beeindrucken Moment- und Zeitlupenaufnahmen, die die Kämpfe aus Perspektiven zeigen, die dem Zuschauer ganz neue Blickwinkel und außergewöhnliche Einblicke eröffnen. Fehlt nur noch der passende Sound ála DMX – um es mit Deadpools Worten zu sagen „Musik ab!“

Ein romantischer Liebesfilm
Und trotzdem darf man nicht vergessen: Sämtliche seiner Entscheidungen fällt Wade bzw. Deadpool aus Liebe zu seiner Freundin Vanessa. Um mit ihr zusammen sein zu können, lässt er die Folterungen über sich ergehen. Für sie setzt er alles daran, nicht mehr auszusehen als hätte „Freddy Krueger einer topografischen Karte von Utah ins Gesicht gefickt“. Ob sie ihn auch ohne die provisorisch ins Gesicht getackerte Hugh Jackman-Maske zurücknimmt, solltet ihr euch selbst ansehen.

Vorschau: Nächsten Freitag lest ihr hier einen Nachruft auf Peter Lustig.