Level up – Videospiele erobern die Wissenschaft

Eine Uni, die sich für Computer- und Videospiele interessiert – das Traumgebilde eines Gamers? Keineswegs. Die Japanologie der Universität Leipzig hat im Rahmen des Bereiches „Japan im Zeitalter der neuen bzw. digitalen Medien“ die Erforschung japanischer Videospiele zu einem ihrer zentralen Forschungsgebiete gemacht.

Seit mehr als vierzig Jahren haben sich digitale Spiele zu einer der beliebtesten Unterhaltungsmöglichkeiten entwickelt. Nicht nur in Japan sind seine Videospiele populär. Sie üben seither einen starken Einfluss auf die Spielkultur weltweit aus. Man denke nur an die Nintendoklassiker wie Super Mario Bros. oder The Legend of Zelda.

Level up - Videospiele erobern die Wissenschaft

Universität Leipzig Fakultät für Geschichte, Kunst- und Orientwissenschaften Ostasiatisches Institut / Japanologie Juniorprofessor Dr. Martin Roth (Foto: Swen Reichhold / Pressestelle der Universität Leipzig)

Die Japanese Videogames Research Initiative – die Initiative zur Erforschung japanischer Videospiele ist noch sehr jung. Erst 2015 wurde sie von Dr. Martin Roth, dem Leipziger Juniorprofessor für Japanologie, ins Leben gerufen. Schon seine Dissertation schrieb er über die politischen Potentiale japanischer Videospiele. Nun forscht er auf dem Gebiet „Japan im Zeitalter der neuen bzw. digitalen Medien“. Bei seiner Doktorarbeit stieß er auf das Problem, dass viele der japanischen Videospiele hier in Deutschland nicht oder zumindest schwer zugänglich sind. Genauso verhält es sich mit der benötigten Technik. Doch für die ernsthafte wissenschaftliche Beschäftigung ist die unbehinderte Zugänglichkeit unabdingbar. So kam ihm die Idee eine Sammlung der Spiele zu beginnen, um sie für Forschung, Studium und Lehre erreichbar zu machen.

Ein wichtiger erster Schritt zum Traum von einer der größten Sammlung japanischer Videospiele war kürzlich die Schenkung von 4500 Spielen der japanischen CERO – der Computer Entertainment Rating Organization. Sie kümmert sich um die Bewertung von Computer und Videospielen. „Damit war ein guter Anfang für eine solche Sammlung in Leipzig geschaffen, die wir nun erschließen und hoffentlich in Zukunft ausbauen können“, beurteilt Roth die Schenkung. Leider kann er bisher nicht viel über deren Inhalt sagen, da gerade erst damit begonnen wurde, die Kisten zu öffnen. Derzeit besteht die Sammlung außerdem noch aus den Spielen, die Roth im Rahmen eines Seminars für die Studenten angeschafft hatte.

Durch die Initiative sollen Informationen über die Spiele und deren Kultur gesammelt werden. Die Forschungsschwerpunkte liegen dabei in verschiedenen Richtungen. Zum ersten sind das die Inhalte und das Spielgeschehen. Dabei wird vor allem auf die Ausdrucksmöglichkeiten, Kreativität und deren Bedeutung geachtet. Eine zweite Perspektive ist der gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Einfluss, den die Spiele haben.
Weiterhin wird betrachtet, welche Auswirkungen die Globalisierung und die Ausdehnung eines weltweiten Marktes auf die Entwicklungs-, Produktions-, und Konsumbedingungen mit sich bringen.

Level up - Videospiele erobern die Wissenschaft

Noch ist nicht bekannt, welche Schätze man aus CEROs Kisten hervorholen wird (Foto: Martin Roth / Universität Leipzig)

Außerdem beschäftigt sich die Initiative sowohl mit der historischen Bedeutung, wie zum Beispiel dem Verhältnis zwischen der Nachkriegsgeschichte Japans und des Entstehens der Spielekultur, als auch mit den zukünftigen Entwicklungen der Spielkultur.
Zuletzt liegt ein besonderes Augenmerk darauf, wie die japanische Spielkultur von außen betrachtet wird. Dazu kann übrigens jeder beitragen, denn auf der Webseite jGames wird dazu aufgerufen, seine Assoziationen und Erinnerungen an die gefundenen Spiele mitzuteilen.
Die Ergebnisse der Forschungen sollen anschließend der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Doch nicht nur die Forschung interessiert sich für die Spiele. Sie können dazu verwendet werden die Geschichte, Kultur und Sprache Japans besser zu verstehen. Es soll sogar ein eigenes Spiel zum Erlernen des Japanischen entwickelt werden.

Um die Initiative voranzubringen, will Roth mit internationalen Forschern zusammenarbeiten. Workshops und Tagungen sollen den Austausch mit interessierten Organisationen, Spieleherstellern und Forschern unterstützen

Wie genau die Schenkung von CERO aussieht wird sich bald zeigen. Auf dem 1box/week blog wird in Kürze jede Woche über die Funde berichtet. Es bleibt also spannend!

Vorschau: Nächste Woche könnt Ihr hier Elisabeths Nachruf auf Henning Mankell lesen.

Nerdige Süßspeisen – Motiv-Biskuitrolle „Moss-Mango“

Da heute der „Sei-stolz-ein-Geek-zu-sein-Tag“ ist, bietet euch die Tipps&Tricks-Redaktion ein kulinarisches Nerdvana: Eine sommerliche Mango-Biskuitrolle mit der Figur des Moss aus der britischen Sitcom „The IT Crowd“. Schließlich befasst sich diese – ähnlich wie der US-amerikanische Nachfolger „The Big Bang Theory“ – mit den Differenzen zwischen sogenannten Nerds und normalen Menschen. Da alle Motive und Zutaten individualisierbar sind, ist für alle Geek-Geschmäcker etwas dabei. Natürlich dürfen auch nerdige Kekse und Brownies auf der Speisekarte nicht fehlen.

Sommerlich: Mit Mango gefüllte Motiv-Biskuitrolle (Foto: Onat)

Sommerlich: Mit Mango gefüllte Motiv-Biskuitrolle (Foto: Onat)

 

Zutaten für eine Motiv-Biskuitrolle:

Für die Dekoration:

  • ausgedruckte Motive

  • 100g Butter

  • 80g Puderzucker

  • drei Eiweiß

  • 120g Mehl

  • nach Belieben Lebensmittelfarbe

Für den Teig:

  • vier Eier

  • 100g Zucker

  • ein TL Backpulver

  • 60g geschmolzene Butter

  • 60g Mehl

  • nach Belieben 30g Kakao

Für die Füllung:

  • 300g Frosting

  • etwas Mango-Konfitüre

  • nach Belieben Marmelade, Früchte oder Kakao

Zubereitung:

  1. Die ausgedruckten Motive auf dem Backblech ausbreiten und Backpapier darüber legen.

    Bunt verziert: Aufgespritzte Motive für die Biskuitrolle

    Bunt verziert: Aufgespritzte Motive für die Biskuitrolle

  2. Die Butter bei Raumtemperatur in eine Schüssel füllen und den Puderzucker dazugeben. Beides mit einem Schneebesen oder einem Mixer zu einer cremigen Masse aufschlagen. Das Eiweiß und das Mehl hinzufügen und alles gut miteinander vermischen. Wer mag, kann der Dekoration etwas Lebensmittelfarbe dazugeben.

  3. Die Mischung in eine Spritztüte oder einen eingeschnittenen Gefrierbeutel füllen und die Motive auf dem Backpapier nachzeichnen. Anschließend das Papier im Gefrierfach auskühlen lassen, bis die Dekoration fest geworden ist.

  1. Währenddessen für den Teig die Eier trennen und jeweils separat in zwei Schüsseln das Eiweiß und das Eigelb hineingeben. Auch den Zucker jeweils halbiert in beide Behälter geben.

  2. Der Eiweiß-Mischung einen Teelöffel Backpulver hinzufügen und steif schlagen. Nun die Eigelb-Mischung gut verrühren und in die Eiweiß-Schüssel unterheben. Das Mehl und die geschmolzene Butter ebenfalls in die Masse geben und aufschlagen. Die Butter sollte dabei Raumtemperatur haben, da sie sonst die angefertigten Motive zum Schmelzen bringt.

  3. Das Backpapier aus dem Gefrierfach nehmen und den flüssigen Teig darüber verteilen, sodass alle Motive bedeckt sind. Das Backblech vorsichtig und wiederholt auf einem Tisch aufschlagen und für zehn Minuten in den Ofen geben. Das Aufschlagen verhindert dabei, dass potentielle Luftbläschen im Teig während des Backens aufsteigen.

    Auffallend: Bemalte Biskuitrolle (Foto: Onat)

    Auffallend: Bemalte Biskuitrolle (Foto: Onat)

  1. In der Zwischenzeit für die Füllung Frosting mit etwas Mango-Konfitüre vermischen.

  2. Den Kuchen aus dem Ofen holen und vorsichtig wenden. Langsam das Backpapier abziehen und erneut wenden. Nun den Kuchen zunächst ohne Füllung ein- und wieder ausrollen, damit er sich besser formen lässt. Die Frosting-Füllung gleichmäßig auf dem Teig verteilen und den Kuchen erneut zu einer fertigen Biskuitrolle rollen.

Tipps:

  • Mit einem Handtuch lässt sich das Rollen erleichtern: Einfach den Kuchen auf ein Tuch legen und ihn mit diesem sanft einrollen. Beim ersten Rollen ohne Füllung wiederum verhindert ein Backpapier auf dem Kuchen, dass er dabei verklebt.

    Bunt: Nerdige Süßspeisen (Foto: Onat)

    Bunt: Nerdige Süßspeisen (Foto: Onat)

  • Auch altbewährte Süßspeisen lassen sich schnell und unkompliziert neu gestalten: Runde Kekse, die als Pokébälle (Anm. d. Red.: Ein zentrales Motiv aus der japanischen Serien- und Spiele-Reihe „Pokémon“) getarnt werden, Plätzchen in Tetris-Form (Anm. d. Red.: Puzzleartiges Computerspiel) oder als Domo-Kun (Anm. d. Red.: Maskottchen des japanischen Fernsehsenders NHK) dekorierte Brownies – der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Vorschau: Nächste Woche gibt es Hilfestellung beim Nähen eines Kissens.

Von Atari bis Zelda – Das Computerspielemuseum in Berlin

In diesen Tagen wird das teuerste Videospiel aller Zeiten, Rockstars „Grand Theft Auto V“ veröffentlicht, welches aufgrund seiner Kosten von circa 266 Millionen US-Dollar laut Meinung der Medien – wie die „Welt“ berichtet – „Hollywood alt aussehen lässt“. Computerspiele lassen sich demnach längst nicht mehr als Nischenprodukte bezeichnen, sondern vielmehr als Massenmedium des digitalen Zeitalters. Dass die Spaßgaranten jedoch ebenfalls als Kulturgüter zu betrachten sind, verdeutlicht das Computerspielemuseum in Berlin. Hier wird Videospielen ein Raum geboten, der ansonsten archäologischen Artefakten, epochemachenden Gemälden oder historischen Schriftstücken zukommt: die Exponierung in einem Museum.

Einem normalen Museum gleichend: Das Computerspielemuseum in Berlin (© Computerspielemuseum Berlin)

Einem normalen Museum gleichend: Das Computerspielemuseum in Berlin (© Computerspielemuseum Berlin)

Mit der Prämisse, dass „Computerspiele mehr sind als nur ein Spielzeug und wert, ernst genommen zu werden“, hat Andreas Lange, der Direktor des Museums, sein Vorhaben begründet. Die Institution soll seine Besucher für die Faszination hinter dem Massenphänomen sensibilisieren. Videospiele hätten schließlich „nicht nur kulturelle Relevanz, sondern ebenfalls einen direkten Bezug zu unserem Leben“, so Lange. Mit über 70.000 Besuchern im Jahr scheint das Vorhaben geglückt zu sein, das Spielerherzen und Mausklick-Laien gleichermaßen erfreut. Dabei werden durch Rückbezüge zu den Olympischen Spielen und dem „Schachtürken“, aber auch durch die Veranschaulichung der Entwicklungen und Zukunftsperspektiven von Computerspielen verschiedene gesellschaftliche Anknüpfungspunkte geboten, die unterschiedliche Alters- und Zielgruppen ansprechen. Neben Spiele-Soundtracks und Gamedesign finden somit auch Werbeeinblendungen und Berichte über die Wii-Seniorenmeisterschaft ihre Berechtigung.

Klassisch: Computerspiele-Meilensteine im Computerspielemuseum Berlin (Foto: Jörg Metzner, © Computerspielemuseum Berlin

Klassisch: Ausgestellte Computerspiele-Meilensteine (Foto: Jörg Metzner, © Computerspielemuseum Berlin

Aber auch Kunstausstellungen erweitern die zahlreichen Exponate des Computerspielemuseums: „PC-Spiele können auch Kunst sein, auch wenn dies eher den Randbereich betrifft. Das primäre Ziel von Spielen ist die Unterhaltung. Das muss sich aber nicht widersprechen“ urteilt der Religionswissenschaftler Lange und beendet damit die Debatte, die vom Filmkritiker Roger Ebert in Gang gesetzt wurde. Mit seiner kontroversen Aussage, der zufolge Videospiele niemals Kunst sein können, hatte dieser nämlich den Unmut von Millionen von Spielern auf sich gezogen, die sich von der Abwertung des Mediums Videospiel gegenüber anderen, allgemein als Kunst anerkannten Ausdrucksformen wie dem Film oder der Literatur provoziert fühlten.

„Videospiele sieht man sich ja eigentlich am heimischem Computer an“, urteilt der 46-Jährige. Daher sei es die Aufgabe eines Museums, diese Abgeschiedenheit zu durchbrechen und die Spiele „in einen real-physischen Ausstellungsraum zu übersetzen“. Gerade das soziale Potenzial des Mediums Ausstellung wird genutzt, indem es als ein Ort der Begegnung und des Gesprächs fungiert. Kurzum: „Die Besucher sollen miteinander ins Gespräch kommen“. Nicht nur das kollektive, sondern auch das interaktive Entdecken stehen dabei im Vordergrund. Viele Spielklassiker wie das originale „Pong“, der kultige Adventure-Klassiker „The Secret of Monkey Island“ oder das Textabenteuer „Zork“ können vor Ort angespielt werden, was dem Besuch ein besonderes Maß an Authentizität verleiht. Wem die klassische Pong-Variante zu unspektakulär ist, kann auf die „Painstation“ zurückgreifen, bei der dem Verlierer mittels Elektroschocks Schmerzen zugefügt werden.

WipEout HD 3D

Futuristisch: Das WipEout HD 3D (Foto: Jörg Metzner, © Computerspielemuseum Berlin)

Die Dauerausstellung des privaten Computerspielemuseums, die 60 Jahre Games-Geschichte kompakt in einem Raum darstellt, verdeutlicht vor allem die Entwicklungen in der Szene. Klassiker und Meilensteine, aber auch die dahinter stehende Hardware verleihen den eigentlich nicht objekthaften Spielen ein Stück physischer Präsenz – unter anderem auch durch die Präsentation von Spielkonsolen auf einem Zeitstrahl, der es dem Besucher ermöglicht, die Genese der Spiele-Hardware von der ersten Atari-Konsole bis hin zur futuristisch wirkenden Xbox nachzuvollziehen. Neben der historischen Abfolge stellt eine Weltkarte, die die Spiele einzelnen Kulturkreisen zuordnet, wiederum eine synchrone Vergleichsmöglichkeit dar. Ein weiteres Herzstück der Ausstellung ist eine große Spielwand, bei der der Besucher mittels eines Fadenkreuzes Spielklassiker anwählen kann, zu denen dann kurze Videopräsentationen abgespielt werden.

„Das Museum wollte nie etwas Besonderes sein“, urteilt Lange resümierend über die Institution. Es ist gerade das Spannungsverhältnis von einem normalen Museum mit einem ungewöhnlichen Thema, das den Reiz eines Besuchs ausmache.

Vorschau: Nächste Woche lest ihr hier einen Bericht zum Kurzfilmfestival „Zum großen Hirsch“ in Mannheim.