Fasten – was ist denn das?

„Das ist ja kein richtiges Fasten“, meinte meine Stiefmutter, als ich im letzten Jahr zum Beginn der christlichen Fastenzeit beschloss, kein Fleisch mehr zu essen. „Du verzichtest ja auf nichts.“ Selbst wenn mir das Nichtessen von Fleisch keine großen Probleme bereitet, stimmt der Satz so natürlich nicht. Denn ich musste den kompletten Speiseplan der Familie umstellen, konnte nicht mehr viele „schnelle“ Mahlzeiten zubereiten und manche Gerichte zu umgehen, war durchaus nicht leicht. Gegrilltes Hähnchen beispielsweise. Irgendwann war da diese Vorstellung, wie Fleisch schmeckt, aber als ich eines Tages gekostet habe, musste ich merken, dass die Vorstellung nichts mit der Realität zu tun hat. Meine Idee von Fleischgeschmack war eine ganz andere als der tatsächliche Geschmack. Was hat dieses Fasten also gemacht?

Verzicht zur Selbstfindung
Fasten - was ist denn das?

Fasten bedeutet weniger essen. Oder? (Foto: braetschit / pixabay.de)

Zunächst ist der Grundsatz gar nicht so falsch. Im Fasten geht es darum, zu verzichten. Auf Annehmlichkeiten und Alltägliches. Es geht um Entbehrung und das Bewusstsein, etwas nicht zu tun. In den traditionellen Fällen ist das Essen. Gerade, als es Nahrung nicht wie heute im Überfluss gab, rief sich der Fastende ins Bewusstsein, was wirklich wichtig ist. Wie weit er Nahrung reduzieren kann, ohne sie zu vermissen. Wie er sich selbst beherrschen kann. Selbstregulation, Besinnung auf die Entbehrung, im Grunde ähnlich wie Meditationstechniken. Im christlichen Sinne geht es dabei auch darum, Gott näher zu kommen, sich des weltlichen Bedürfnisses bewusst zu werden. Nun ja. Ich erinnere mich da gerne an die Szene aus „Chocolat“, als der streng fastende Bürgermeister seinem Verlangen nachgibt und die Auslage des Schaufensters der Chocolaterie verputzt.

Verzicht, um mehr zu sehen

Gut gemacht ist Fasten allerdings viel mehr, als mal Zucker oder Fleisch wegzulassen. Hungern für den Weltfrieden? Funktioniert einfach nicht. Wer aber in der Fastenzeit nicht nur auf Nahrung achtet, sondern auch auf sein Verhalten, kann die Zeit tatsächlich nutzen, um umzudenken. Statt nur auf sich selbst gerichtet zu entbehren, lohnt es sich, den Radius zu erweitern. Wie gehe ich mit meinen Mitmenschen um? Wo fahre ich zu schnell und unnötig aus der Haut? Kann ich vielleicht mein Ego zurücknehmen Streit „fasten“, mehr Zeit mit meinen Freunden, meiner Familie verbringen und dadurch merken, was wirklich wichtig ist.

Verzicht ist persönlich
Fasten - was ist denn das?

Fasten heißt auch, sich auf das Wichtige zu konzentrieren: weniger ich, mehr wir (Foto: nastya_gepp / pixabay.de)

Gern genannt werden dazu heute Autofasten oder Handyfasten. Einfach mal sein lassen und sehen, dass es auch so funktioniert. Über die Bahn lässt sich genauso gut schimpfen wie über andere Autofahrer oder volle Autobahnen. Mal nicht täglich in den sozialen Medien rumhängen, stattdessen die Augen aufmachen und den Menschen anreden, der (wir fahren ja jetzt Bahn) neben uns sitzt. Sich ein bisschen neu justieren. Und ja, es ist eine Entbehrung, kein Auto zu nutzen oder Twitter nicht zu öffnen. Und manche Dinge sind aus verschiedenen Gründen für den einen nicht machbar, aber dann eben für den anderen. Fasten ist etwas sehr Persönliches.

Verzicht schlägt Wellen

Nicht nur, weil jeder auf etwas anderes verzichten kann, sondern eben auch, weil unsere Grenzen unterschiedlich sind. Für eine Sechzehnjährige ist das Ausschalten des Smartphones vielleicht wesentlich tragischer, als für ihre Mutter. Das heißt nicht, dass die Mutter dann nicht fastet. Im Gegenteil. Denn auch wenn sie ihr Handy liegen lässt, wird das einiges ändern. Auch die Tochter muss dann einen anderen Weg suchen, um mit ihr zu kommunizieren. Ein kleiner Stein, der Wellen schlägt. Mein Fleischfasten hat bewirkt, dass meine ganze Familie ebenfalls fast vollständig auf Fleisch verzichtet hat. Und dass schnell klar war, nicht nur ich vermisse es nicht. Verschiedene Kulturen kennen unterschiedliche Fastenzeiten und verschiedene Regeln dazu. Dahinter steht allerdings immer, sich der eigenen Vergänglichkeit bewusst zu werden, der Fesseln unserer Welt und der Überlegung, wie sehr wir ihnen Folge leisten müssen – und wie sehr wir ihnen Folge leisten wollen. Übrigens: Sonntags wird im Christentum nicht gefastet. Dann darf auch mal das Kuchenstück oder ein Glas Wein auf den Tisch.

Der Zero Waste-Selbstversuch – müllfrei für eine Woche

Übelriechende Müllberge, Mikroplastik in den Mägen von Fischen und Vögeln, hilflose Schildkröten und Robben, die sich in alten Netzen und weggeworfenen Seilen verfangen haben – jeder kennt sie, die schockierenden Bilder, die so eng mit unserer „Wegwerf-Gesellschaft“ verflochten sind, dass auch wir uns bald nicht mehr daraus befreien können. Aber was sollen wir tun – gegen die Millionen Tonnen an Müll, die jährlich in Deutschland „produziert“ werden?

Jetzt geht´s los: Eine Woche Zero Waste (Foto: T. Gartner)

Jetzt geht´s los: Eine Woche Zero Waste (Foto: T. Gartner)

Nach meinem Interview mit den Gründerinnen des damals gerade frisch eröffneten Original Unverpackt-Ladens in Berlin im Herbst 2014 hatte ich so etwas wie ein Aha-Erlebnis. Vorher waren mir die Massen an Müll, die selbst ein zweiköpfiger Haushalt verursacht, gar nicht so bewusst. Seitdem maße ich mir an verhältnismäßig stark auf Müllvermeidung oder -wiederverwertung zu achten. Vor allem Lebensmittel wandern bei mir nur sehr selten in die Tonne. Ein bisschen Kreativität und aus den Resten vom Vortag und ein paar frischen Zutaten wird eine angesagte Buddha-Bowl. Bei so einem Trend mache ich doch gerne mit! Aber es gibt ja immer noch Verbesserungspotenzial. Also habe ich einen Selbstversuch gestartet: Eine Woche Zero Waste mit Tipps, die ich zuvor so noch nicht kannte. Denkanstöße dafür kamen von Heike Mack, Inhaberin des Unverpackt Landau, und Nicole Pollakowsky, die sich als freie Journalistin dem Thema Nachhaltigkeit verschrieben hat. Lest hier, wie meine Zero Waste-Woche gelaufen ist:

Verpackungsmüll beim Lebensmitteleinkauf vermeiden

Geht doch: (fast) müllfreier Einkauf in der Zero Waste-Woche(Foto: T. Gartner)

Geht doch: (fast) müllfreier Einkauf in der Zero Waste-Woche (Foto: T. Gartner)

Meine Woche startet wie gewöhnlich mit einem Einkauf bei der Markthalle um die Ecke. Hier gibt es viel Regionales und das Tolle: Ich kann alles einzeln kaufen. Keine eingeschweißte Plastikschale voller Champignons, die wir zu zweit eh nicht schaffen würden, kein Netz Kartoffeln, wenn ich nur fünf brauche. Natürlich habe ich immer einen großen Korb dabei und inzwischen kennen mich auch die Verkäuferinnen und stöhnen nicht mehr, wenn sie alles einzeln raussortieren und wiegen müssen. Aber: Ein paar Sachen packe ich dann doch immer in Plastiktütchen. Zum Beispiel den Salat. Aber das geht in meiner Zero Waste-Woche logischerweise nicht. Also ziehe ich mit einer Schüssel, einem Pappkarton von irgendeinem Online-Kauf und ein paar Seiten Zeitung los. Meine sieben Champignons kommen direkt in eine Schüssel, den Salat wickle ich in das Zeitungspapier und die Kartoffeln und Zwiebeln landen im Pappkarton. Die Dunkelheit im Karton verhindert, dass die Pflanzen austreiben. Und das andere Gemüse hält sich in Papier bzw. in der Schüssel sogar länger als in den Plastiktüten, wie ich nach ein paar Tagen feststelle. So stolz war ich selten auf einen Einkauf. Abgelenkt durch mein Erfolgserlebnis greife ich an der Kasse dann aber doch noch zu Kresse im Plastikbehälter und bemerke meinen Fauxpas erst beim Nachhausefahren – zu früh gefreut. Aber der Anfang ist gemacht und meine neuen Shopping-Utensilien werden ab sofort fester Bestandteil meines montäglichen Obst- und Gemüseeinkaufs.

Peeling mit Grieß und Olivenöl

Lebensmittel für etwas anderes als zum Essen zu benutzen, widerstrebt mir. Die Idee ein Peeling aus Grieß und Olivenöl herzustellen, um Verpackung und Mikroplastik einzusparen, hat mich dann aber doch so neugierig gemacht, dass ich es einfach ausprobieren musste. Beide „Zutaten“ hatte ich ohnehin zuhause, sodass ich nichts extra kaufen musste. Ruckzuck ist das Peeling zusammengerührt. Der Geruch ist dank Olivenöl doch eher gewöhnungsbedürftig, der Peelingeffekt dafür umso erstaunlicher – ich wage sogar zu behaupten besser als bei meinem gekauften Peeling aus der Tube. Nach dem Einmassieren kommt das Abwaschen – dank Öl leider mit nur geringem Erfolg. Meine Haut glänzt fettig und der unangenehme Essensgeruch ist leider auch immer noch da… Ich wasche nochmal. Diesmal mit meinem Abschminkgel – besser! Das Ergebnis: Eine babypopozarte, glatte Haut. Das Gute beim Lebensmittel-Peeling: Um Mikroplastik, das sehr häufig in Kosmetikprodukten enthalten ist, braucht man sich keine Sorgen zu machen. Und auch die Mengen, die man benötigt (halber Teelöffel Gries), sind in meinen Augen noch vertretbar. Beim nächsten Mal greife ich dann aber wohl doch eher zu Kokosöl – das wirkt nicht nur antibakteriell, sondern riecht auch noch gut.

Müsliriegel selbst backen

Puh, so eine Zero Waste-Woche kostet schon einiges an Zeit, wobei sich das Backen meiner eigenen Müsliriegel dann doch als weniger zeitaufwändig herausstellt als gedacht. Für die Basis greife ich zu einem einfachen Chefkoch-Rezept und ergänze das um die Zutaten, die ich ohnehin zuhause habe:

·       100g Mehl

·       250g Haferflocken

·       30g Zucker (ich habe Kokosblütenzucker verwendet)

·       1 Banane (mit einer Gabel zerdrücken)

·       1 TL Zimt

·       Ein paar Tropfen Vanillearoma

·       Eine Hand voll getrockneter Cranberries (hacken)

·       Eine Hand voll Erdnüsse (hacken)

·       Eine Hand voll Walnüsse (hacken)

·       Sesam

Alle Zutaten verrühre ich mit einem Löffel, dann kommt etwas Wasser dazu. Mit den Händen knete ich solange bis eine einheitliche, klebrige Masse entsteht. Die kommt dann auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech. Das klebrige Zeug zu einem maximal einen Zentimeter hohen Viereck zu formen ist eine kleine Herausforderung. Bei 180 Grad kommt das Ganze dann 30 bis 45 Minuten in den Backofen. Ich schaue immer wieder, ob es in der Mitte auch langsam fest wird. Bevor die Ränder verbrennen, kann „mein Werk“ raus. Nach einer kleinen Abkühlzeit, als die Masse noch lauwarm ist, schneide ich sie in Riegel – nicht gerade schön, aber sie duften schon mal gut. Natürlich kann ich mich nicht zusammenreißen und probiere direkt. Lecker! Mein Snack für die Woche steht! Und ein hübsches Geschenk sind die selbstgemachten Müsliriegel eigentlich auch – also vorausgesetzt ich gebe mir beim nächsten Mal mehr Mühe. In einer Tupperbox halten sie sich locker eine Woche – länger überleben sie bei mir auch gar nicht. Dass ich so wirklich viel Müll einsparen kann, glaube ich anfangs nicht. Wenn ich mir aber vorstelle, dass meine knapp 20 Riegel alle einzeln verpackt gewesen wären und das Ganze dann natürlich nochmal in einem Karton, bin ich doch ganz zufrieden mit dieser neuen Methode Müll einzusparen (und lecker zu naschen).

Kleiderkauf – Kleidertausch

Aussortieren und dann mit Freunden tauschen: "Alte" Klamotten (Foto: T. Gartner)

Aussortieren und dann mit Freunden tauschen: „Alte“ Klamotten (Foto: T. Gartner)

Gegen Ende der Woche soll es meinen Shoppinggewohnheiten an den Kragen gehen. Ich soll mir also vor jedem Kauf überlegen: Brauche ich das wirklich? Macht mich das glücklich? Außerdem gilt laut Müll-Experten: weniger kaufen, dafür hochwertiger. Schlecht für mich als Sparfuchs. Aber ich kann ja auch wirklich rein gar nichts dafür, dass gerade überall Winterschlussverkauf ist. Also erbeute ich drei Schnäppchen. Ganz objektiv betrachtet, brauche ich nur eines der drei Kleidungsstücke wirklich: Meine Lederimitathose ist nämlich kaputt. Müllfreier wäre natürlich Reparieren, aber die neue Hose ist halt auch noch schöner als die alte. Ein kleinwenig beruhigend für mein Gewissen ist die Tatsache, dass meine „alte“ Hose vorher meiner Schwester gehört hat, die sie auch schon ein paar Jahre getragen hat – immerhin. Also beim müllfreien Shoppen bin ich schon mal durchgefallen.
Jetzt kommt mein Kleiderschrank an die Reihe. Fehlkäufe und ungetragene Kleidung sollten natürlich nicht weggeworfen werden. Weiterverkaufen ist eine Methode, kostet aber viel Zeit. Deshalb entscheide ich mich für den Kleidertausch. Ich animiere also ein paar Freundinnen ihren Schrank ebenfalls auszumisten, dann treffen wir uns und durchstöbern die Sachen der jeweils anderen. Was für den einen Müll ist, ist für den anderen vielleicht ein kostenloser, kleiner Schatz! Meine Mädels freuen sich auf jeden Fall schon sehr auf unser Treffen. Was nach dem Kleidertausch übrig bleibt, bringe ich dann zum Warenkorb in Speyer – Wegwerfen ist bei Klamotten also wirklich keine Option!

Mein Fazit

Eine Woche Zero Waste. Eine Woche noch bewusster und achtsamer auf das Thema Müll schauen. Eine Woche voller Tipps, die auf den ersten Blick entweder leicht abgedreht – Stichwort Peeling – oder vielleicht sogar unangenehm wirken, zum Beispiel wenn es um die eigene Kleidung und Einkaufsgewohnheiten geht. Mal aus der Komfortzone herauskommen, Neues ausprobieren und dabei Lösungsansätze finden, die ohne großen Zeitaufwand zu einem müllfreieren Leben führen. Ich werde definitiv einige, wenn nicht sogar alle Tipps der Müll-Experten für die Zukunft übernehmen. Und wer weiß, vielleicht kann ich ja sogar den einen oder anderen von euch von einem ähnlichen Selbstversuch überzeugen. Was meint ihr?