Vom Fernsehen auf die Festivalbühne – Wiesbaden feiert deutsche Fernsehkrimis

Krimis sind nicht nur im Buchformat ein beliebtes Genre. Verschiedene deutsche Fernsehkrimis, wie zum Beispiel „Ein Fall für zwei“, „Der Kriminalist“, „Tatort“ oder „Polizeiruf 110“, locken von Freitag bis Sonntag Millionen von Zuschauern vor die Bildschirme. In Wiesbaden gibt es ein eigenes Festival dafür und das findet vom 12. bis zum 17. März 2019 schon zum 15. Mal statt. Das Deutsche FernsehKrimi-Festival ist eine Veranstaltung des Kulturamtes der Landeshauptstadt Wiesbaden und wird vom Hessischen Rundfunk und der HessenFilm und Medien GmbH unterstützt. Im Rahmen des Festivals wird jedes Jahr auch der Deutsche FernsehKrimi-Preis verliehen. Sender und Produktionsfirmen können dafür noch bis Anfang November ihre aktuellen deutschen Krimiproduktionen einreichen. Die zehn besten Krimis werden dann nächstes Jahr auf dem Festival gezeigt. Abgesehen von den verschiedenen Krimis, die dort präsentiert werden, gibt es noch einen Fernsehkrimi-Drehbuchwettbewerb für Nachwuchsautoren sowie Diskussionen, Gespräche und Lesungen mit Filmschaffenden.

Vom Fernsehen auf die Festivalbühne – Wiesbaden feiert deutsche Fernsehkrimis

Verantwortlich für das Deutsche FernsehKrimi-Festival: Leiterin Cathrin Ehrlich (Foto: Barbara Dietl)

Wir haben mit Leiterin Cathrin Ehrlich über deutsche Fernsehkrimis und das Deutsche FernsehKrimi-Festival gesprochen.

Face2Face: Wie kam es zur Gründung des Deutschen FernsehKrimi-Festivals in Wiesbaden?

Ehrlich: Man hat mir erzählt, dass Liane Jessen (Fernsehfilmchefin des Hessischen Rundfunks), ihr damaliger Mann und die damalige Kulturdezernentin aus Wiesbaden, Rita Thies, diese schöne Idee bei einem oder auch zwei Gläschen Wein entwickelt haben.

Face2Face: Wieso wurde Wiesbaden als Veranstaltungsort ausgewählt?

Ehrlich: Rita Thies hat an der Idee festgehalten und ermöglicht, dass das Festival in Wiesbaden Fuß fassen konnte.

Face2Face: An welchen Orten im Rhein-Main-Gebiet werden die meisten Fernsehkrimis gedreht?

Ehrlich: Ich denke in Frankfurt, Wiesbaden und Offenbach.

Face2Face: Was ist das Besondere an deutschen Fernsehkrimis, dass es dafür ein eigenes Festival gibt?

Ehrlich: Die hohe Qualität, was z. B. Drehbuch, Regie, Kamera und DarstellerInnen betrifft.

Face2Face: Welche Themen sind derzeit in deutschen Fernsehkrimis am beliebtesten bei Filmemachern?

Ehrlich: Das wechselt natürlich ständig. Im letzten Jahr war das Thema Kindesmissbrauch und Kindesentführung sehr „beliebt“, aber auch die Themen Banden- und Cyberkriminalität und Fälle von rechtsextremem Terror waren häufig zu finden.

Face2Face: Was zeichnet das Deutsche FernsehKrimi-Festival aus?

Ehrlich: Es gibt sehr sehr viele Fernsehkrimis im deutschsprachigen Fernsehen, zu viele. Das Deutsche FernsehKrimi-Festival widmet sich dem anspruchs- und qualitätsvollen Fernsehkrimi.

Face2Face: Wofür sind Sie als Leiterin des FernsehKrimi-Festivals zuständig?

Ehrlich: Tja, eigentlich für alles: die Teamzusammenstellung, das Programm, die Gäste, die Finanzierung, Presse und Marketing und organisatorische Dinge wie Catering, Reisen und Hotel. Glücklicherweise habe ich ein wundervolles Team und dies schon seit Jahren. Es nimmt mir inzwischen die meiste Arbeit ab, hat großartige eigene Ideen und immer eine große Portion Humor, was mir sehr wichtig ist.

Face2Face: Auf dem Festival wird jährlich der Deutsche FernsehKrimi-Preis verliehen. Welche Fernsehkrimis haben eine Chance auf den Preis bzw. nach welchen Kriterien wird ausgewählt?

Ehrlich: Auch hier wird nach Qualität und Anspruch gesucht. Und wenn eine Produktion etwas Neues, Experimentelles wagt. Pro Jahr gibt es in etwa 60 Einreichungen dafür.

Face2Face: Wer sitzt in der Jury, die über die Vergabe des Preises entscheidet?

Ehrlich: Ich versuche immer eine heterogene Gruppe aus „Fachleuten“, wie SchaupielerInnen, RegisseurInnen, AutorInnen etc., aus der Branche zusammenzusetzen. Gerne fragen wir auch ehemalige PreisträgerInnen an. Dann suchen wir aber auch „Branchenfremde“. Diesmal wird zum Beispiel ein Strafverteidiger aus Frankfurt dabei sein. Fest gesetzt ist die oder der Krimistipendiat(in) der Stadt Wiesbaden. Das war beim letzten Mal Volker Kutscher und ist jetzt Zoë Beck.

Vom Fernsehen auf die Festivalbühne – Wiesbaden feiert deutsche Fernsehkrimis

Keine einfache Aufgabe: die fünfköpfige Jury, die 2018 über die Vergabe des Deutschen FernsehKrimi-Preises entschieden hat, v.l.n.r. Hanna Doose, Dennenesch Zoudé, Alexander Schubert, [Moderatorin Bärbel Schäfer], Roswitha Ester und Volker Kutscher (Foto: Martin Ohnesorge)

Face2Face: Welche Fernsehkrimis haben 2018 gewonnen?

Ehrlich: In der Jury waren Regisseurin und Drehbuchautorin Hanna Doose, Produzentin Roswitha Ester, Schriftsteller Volker Kutscher, Schauspieler Alexander Schubert und Schauspielerin Dennenesch Zoudé. Sie haben über die Preisvergabe entschieden. Den Hauptpreis hat „Tatort: Stau“ (SWR) von Dietrich Brüggemann (Regie, Buch) und Daniel Bickermann (Buch) gewonnen. Außerdem gab es Sonderpreise für herausragende Einzelleistungen: Petra Schmidt-Schaller wurde als beste Darstellerin für „Keine zweite Chance“ (Sat.1), Heino Ferch als bester Darsteller für „Ein Kind wird gesucht“ (ZDF/Arte) und Hans-Christian Schmid für die Gesamtleistung (Regie, Buch, Produktion) in „Das Verschwinden“ (BR/ARD Degeto/NDR/SWR) ausgezeichnet. Der Publikumspreis ging an „Ein Kind wird gesucht“.

Vom Fernsehen auf die Festivalbühne – Wiesbaden feiert deutsche Fernsehkrimis

Strahlende Gesichter: die Preisträger des Deutschen FernsehKrimi-Festivals 2018 (Foto: Martin Ohnesorge)

Face2Face: 2019 wird außerdem zum dritten Mal Deutschlands spannendster Fernsehkrimi- Drehbuchnachwuchs gesucht. Was hat es damit im Detail auf sich?

Ehrlich: Wir suchen unverfilmte Krimi-Drehbuchstoffe talentierter und kreativer Nachwuchs-Drehbuchautorinnen und -Drehbuchautoren, die ideenreich unterhalten, fesseln und mitfiebern lassen. Eine fachkundige Jury wählt aus allen Einreichungen vier vielversprechende Vorschläge aus, die dem Publikum während der Festivalwoche im Rahmen einer Lesung vorgestellt werden. Die Gewinnerin oder der Gewinner wird bei der Preisverleihung des Festivals bekannt gegeben und erhält die Chance, unter professioneller Betreuung den Drehbuchstoff vom Exposé bis zum Treatment weiterzuentwickeln und vor Fachpublikum zu pitchen.

Face2Face: Wieso kam es 2017 zu dem Entschluss, erstmals einen Drehbuchwettbewerb für Nachwuchsautoren zu veranstalten?

Ehrlich: Ich hatte diese Idee. Drehbuchautoren fristen häufig ein Schattendasein. Es gab sogar Preisverleihungen, bei denen sie gar nicht eingeladen waren. Dabei ist das Drehbuch doch das Wichtigste für einen guten Film bzw. guten Krimi. Wir wollen deswegen die Drehbuchautoren hervorheben und junge Menschen fördern. Ich habe die Idee vor vier Jahren bei Herrn Mendig von der HessenFilm und Medien GmbH vorgetragen und er hat uns sofort seine Unterstützung zugesagt.

Vom Fernsehen auf die Festivalbühne – Wiesbaden feiert deutsche Fernsehkrimis

Vertieft in ein Nachwuchskrimi-Drehbuch: Synchronsprecher und Schauspieler Max Felder bei der Lesung auf dem Deutschen FernsehKrimi-Festival 2018 (Foto: S. Holitzner)

Face2Face: 2018 wurden die vier vielversprechendsten Nachwuchskrimi-Drehbücher dem Publikum während der Festivalwoche im Rahmen einer Live-Lesung von Synchronsprecher und Schauspieler Max Felder vorgestellt. Wie und nach welchen Kriterien wählen Sie aus, wer diese Live-Lesung machen darf?

Ehrlich: Auch hier entscheiden wir gemeinsam. Max Felder hatten wir ausgesucht, weil er als Schauspieler und Synchronsprecher einfach sehr gut vortragen kann und er vielen bekannt ist.

Face2Face: Was waren die Highlights des Deutschen FernsehKrimi-Festivals der letzten drei Jahre?

Ehrlich: Das sind immer wieder unsere Filmgäste und die Gespräche mit ihnen. Wir konnten zum Beispiel Ulrich Tukur, Senta Berger, Hannelore Hoger, Heino Ferch oder Desirée Nosbusch beim Festival begrüßen. Das war jedes Mal ein Highlight.

Face2Face: Welche Veranstaltungen sind bereits jetzt für das Deutsche FernsehKrimi-Festival 2019 geplant?

Ehrlich: Wir werden wieder zehn spannende, tolle Krimis zeigen und prominente und interessante Filmgäste zu Gast haben. Außerdem gibt es einen Serien- und einen Dokutag und wir planen eine größere Ausstellung.

Face2Face: Ist schon bekannt, welche Schauspielerinnen und Schauspieler 2019 vor Ort sein werden?

Ehrlich: Bisher nicht, da die Filme für den Wettbewerb noch nicht ausgewählt wurden, weil die Jurysitzung erst Mitte Dezember ist, und auch die JurorInnen noch nicht zugesagt haben.

Face2Face: Was kostet der Eintritt für die Veranstaltungen 2019?


Ehrlich: Zwischen 7 und 9 Euro. Eventuell wird es im nächsten Jahr einen Festivalpass geben.

Face2Face: Haben Sie selbst einen Lieblingsfernsehkrimi?

Ehrlich: Ich finde immer wieder einen neuen Liebling. Ich mag eher kleine, kluge Krimi- Geschichten mit überraschenden Wendungen. Ich mag eher nicht, wenn zu viel Brutalität gezeigt wird.

Mehr Infos zum Deutschen FernsehKrimi-Festival gibt es auf der Homepage oder der Facebookseite der Veranstaltung.

Erlebnis Buchkauf – drei preisverdächtige Heidelberger Buchhandlungen

Zum ersten Mal wird am Donnerstag, 17. September der Deutsche Buchhandlungspreis verliehen. Das Ziel der Auszeichnung: Sie soll inhabergeführte Geschäfte gegenüber dem Internethandel und den großen Ketten fördern. Mit von der Partie sind auch drei Heidelberger Buchhandlungen.

„Sie müssen nicht in den Amazonas reisen, wenn es Bücher bei Ihnen um die Ecke gibt.“ – Eine Tafel mit diesem Werbeschriftzug des Diogenes Verlags steht vor der kleinen Bücherstube an der Tiefburg in Handschuhsheim.
Neben Hassbeckers Galerie & Buchhandlung und artes liberales ist sie eine von drei Heidelberger Buchhandlungen, die für den Deutschen Buchhandlungspreis nominiert sind.
Er wird in der kommenden Woche in Frankfurt durch Prof. Monika Grütters, die Staatsministerin für Kultur und Medien, vergeben.
108 Buchhandlungen in ganz Deutschland sind nominiert. Laut der offiziellen Seite des Preises sollen sie alle folgenden Kriterien erfüllen: Sie müssen ein kulturelles Veranstaltungsprogramm bieten, sich für die Lese- beziehungsweise Literaturförderung einsetzen, ein besonderes literarisches Sortiment vertreten und ein innovatives Geschäftsmodell haben. Dabei darf ihr durchschnittlicher Jahresumsatz der letzten drei Jahren eine Million Euro nicht überschritten haben. Der Preis ist in drei Kategorien von Gütesiegeln unterteilt, sodass alle 108 prämiert werden können.

Erlebnis Buchkauf - drei preisverdächtige Heidelberger Buchhandlungen

Eine freundliche Einladung zum Stöbern (© Bücherstube an der Tiefburg)

Die Bücherstube an der Tiefburg setzt sich vor allem für die Leseförderung bei Grundschulkindern ein und bietet ein äußerst vielfältiges Kulturprogramm. Dieses reicht von einer Kinderlesenacht über ein Gartencafé im Sommer bis hin zu Autorenlesungen und Literaturreisen auf den Spuren verschiedener Schriftsteller.
Seit 1982 gibt es die Bücherstube. Sie ist trotz des zweimaligen Umzuges schon seit langem ein fester Bestandteil des kulturellen Lebens in Handschuhsheim. Obwohl sie in 33 Jahren auch um 85 m² gewachsen ist, herrscht hier immer noch eine familiäre Atmosphäre. Im kleinen Hof neben der Buchhandlung befindet sich ein Garten, der teilweise mit Ranken überwachsen ist und mit Cafétischen und Strandkorb bei gutem Wetter dazu einlädt, eine Weile zu verweilen.

„Wir legen besonders großen Wert auf persönliche Beratung und eine enge persönliche Bindung zu unseren Kunden. Es ist wichtig die Kunden zu kennen“, erklärt Regina Kaiser-Götzmann, die Inhaberin der Buchhandlung. Sie findet es gut, dass durch den Preis gezeigt wird, was der Buchhandel leistet. Deshalb hat sie sich für die Bewerbung entschieden.

Die zweite Buchhandlung ist artes liberales am anmutigen Kornmarkt.
Auch sie ist von hier, nicht mehr wegzudenken. Nur aus einem einzigen kleinen Raum bestehend, ist das Sortiment nicht besonders groß, aber sorgfältig ausgewählt. Der

© artes liberales - Buchladen, Heidelberg 2015

Ein Ort zum Schmökern und Verweilen: Die Buchhandlung artes liberales (© artes liberales – Buchladen, Heidelberg 2015)

Schwerpunkt der Buchhandlung liegt auf der Philosophie, aber auch auf mit ihr verbundenen Gebieten wie Dichtung, Künsten und Wissenschaften. Es folgt demnach nicht den aktuellen Bestsellerlisten und Empfehlungen, sondern enthält auch Schriften, die mitunter über 2000 Jahre alt sind. Artes liberales bietet auch ein großes Kulturprogramm und zwar über die zugehörige Organisation artes liberales-universitas. Dazu gehören Kolloquien, Vorträge und Lesungen.
Sehr wichtig ist Clemens Bellut, Inhaber der Buchhandlung, eine einladende Atmosphäre. „Wenn jemand sich den ganzen Tag oder auch nur einige Stunden in den Liegestuhl setzt und ein Buch liest, ist das schon ein großer Gewinn für die Buchhandlung“, erklärt er. Willkommen sei auch immer das persönliche Gespräch. Tatsächlich steht in der Buchhandlung ein Liegestuhl, direkt am Fenster, das weit nach oben geschoben werden kann, sodass man den Eindruck hat, man sitze draußen. Drum herum reichen die Regale bis unter die Decke, doch die großen Fenster sorgen stets für viel Licht.

Hassbeckers Galerie & Buchhandlung in der Haspelgasse ist die dritte der nominierten Heidelberger Buchhandlungen. Inzwischen führt Barbara Schulz die Buchhandlung weiter, die ihr verstorbener Lebensgefährte Egon Hassbecker ursprünglich in Eberbach gegründet hatte.
Die Galerie und die Buchhandlung sind inzwischen untrennbar miteinander verbunden. Das Sortiment wird mit viel persönlichem Interesse ausgewählt und bietet eine große Bandbreite.
Zudem gehört zu der Galerie und der Buchhandlung auch das Museum im Haus Cajeth. Teil des Programms sind unter anderem Lesungen, Buchvorstellungen und natürlich die Ausstellungen des Museums. Sie zeigen Bilder naiver und primitiver Künstler, deren Bilder auch an den Wänden der Buchhandlung zu finden sind. Im ersten Zimmer sind die Wände frei von Regalen geblieben, um Platz für die Bilder zu bieten. Weiter hinten, im verwinkelteren Teil der Buchhandlung, sind die Regale so hoch wie die Räume selbst, das Ambiente erinnert an ein Antiquariat mit heimeliger Atmosphäre.

Wer sich also einmal wieder ein Buch kaufen möchte, sollte in jedem Fall einmal eine der Buchhandlungen ausprobieren. Und wer weiß – vielleicht hat er dann bald ein Buch aus einer der drei besten Buchhandlungen in Deutschland?

Vorschau: Am Freitag den 25. September lest Ihr Vanessas Filmkritik zu Fack ju Göhte 2.

„Wir sollten einen Seifenblasenflashmob organisieren!“

„Wir sollten einen Seifenblasenflashmob organisieren!“

Seifenblasen machen alles besser! Zum Beispiel das Mannheimer Universitätsschloss (Foto: Schwalb)

Seifenblasen sind klasse. Diese Erkenntnis ereilt uns Anfang des Sommers. Fortan haben wir überall welche dabei. Mit kindlicher Begeisterung beobachten wir die durch die Luft wabernden Wunder. Ob auf Musikfestivals oder abends beim Feiern: Seifenblasen machen alles besser! Und schließlich – die Idee! „Wir sollten einen Seifenblasenflashmob organisieren!“

Und wo ließe sich ein solches Event besser planen, als bei Facebook? Fix ist eine entsprechende Veranstaltung erstellt und die ersten Freunde eingeladen. „Ladet alle ein!“, verkünden wir, und plötzlich sind mehr als 2.000 Einladungen verschickt. Wahnsinn! Das wird groß!

„Dreamflash – Träume brauchen Freiräume“ nennen wir die Veranstaltung und beschließen, mit ihr ein Zeichen für den Weltfrieden zu setzen. Welche Dimensionen unser Projekt annimmt, wird uns zum ersten Mal bewusst, als Seifenblasenhersteller PUSTEFIX uns Unterstützung zusichert. Eine zuvor mehr aus Jux verschickte E-Mail mit der Bitte um Sponsoring hat das Unternehmen überzeugt. Und wir können es immer noch kaum glauben: Eine großzügige Seifenblasenspende erhebt die Idee von einer bloßen Spinnerei in die Realität.

Aber: Wie geht es weiter? Klar, wir brauchen Musik! Ein Aufruf in der Veranstaltungsgruppe mit dem Gesuch nach Musikern, die „irgendwas Hippiemäßiges halt“ spielen können, sichert uns neben einem Gitarristen auch ein Didgeridoo zu. Musik: Check! Erstmal erledigt!

Doch war da nicht was mit Facebookparty? Und jetzt? Ordnungsamt anrufen! Der Ordnungsbeamte am Telefon findet die Idee amüsant und freut sich, dass wir keine öffentliche Kissenschlacht veranstalten wollen. „Da bleibt immer so viel Müll liegen“, grummelt er. Doch das Ordnungsamt hat viel zu tun! Zwei Demonstrationen am kommenden Wochenende müssen dort geplant werden, und ich solle mich doch noch einmal melden, wenn die Veranstaltung unmittelbar bevorstünde: „Sachense einfach vorher nochmal Bescheid, gell?“

Aber machen wir wirklich keinen Dreck? Die ganze Seifenlauge tut der Umwelt sicher auch nicht gut! Also kontaktiere ich die lokale Greenpeace-Gruppe und erbitte Rat in Sachen Ökoseifenblasen. Die Antwort bleiben uns die Naturschützer leider schuldig und reagieren nicht auf die Mail.

Auch die Idee, Luftballons mit unseren Botschaften für den Weltfrieden steigen zu lassen, ist schnell wieder verworfen. Schön, aber unpraktikabel. Und so bleibt es doch bei den Seifenblasen allein.

Zahlreiche Fragen beschäftigen uns in den nächsten Wochen: Wie verteilen wir die Seifenblasen? Woher wissen die Leute, wann sie anfangen sollen? Warum antwortet uns Greenpeace nicht? Und: Wie viele Menschen passen denn eigentlich auf den Mannheimer Paradeplatz?

Es ist Montag-Morgen, der Montag vor dem Flashmob. Facebook sagt mir, dass 325 Personen ihre Teilnahme zugesagt haben, gar 441 Personen sind sich noch unsicher. Astronomische 3.621 Einladungen sind noch unbeantwortet. Sieht so aus, als könnten wir stolz auf uns sein!

Wenn auch ihr, liebe Face2Face-Leser, euch anschließen wollt: „Dreamflash – Träume brauchen Freiräume – Seifenblasenflashmob Mannheim“, Freitag, 14. September , 15.30 Uhr am Paradeplatz Mannheim.

Vorschau: Nächste Woche gibt es an dieser Stelle einen Bericht über die oben beschriebene Veranstaltung – direkt aus der Perspektive der Veranstalter!

Übrigens: Im Rahmen des zweijährigen Jubiläums von Face2Face hat auch das Panorama-Team ein Gewinnspiel auf die Beine gestellt. Mehr dazu hier.

Die neue Ess-Klasse

Kaufe ich mir eine Zeitschrift am Kiosk meines Vertrauens, bevölkern in letzter Zeit immer mehr Artikel zu den Themen „Supperclub“, „Diner en blanc“ und überhaupt der Wiederentdeckung des Genusses deren Seiten. Es scheint als kehren die Menschen wieder zurück zum gemeinsamen Abendbrot oder zum Essen in netter Gesellschaft. Und diese kann für viele durchaus auch aus einem Haufen wildfremder Menschen bestehen. Oder warum sonst sind solche „Ess-Events“ immer mehr im Kommen?

Die neue Ess-Klasse

Der „Supperclub“-Albtraum, den es wahrscheinlich gar nicht gibt: eine verdreckte und unappetitliche Küche (©Schomber/pixelio.de)

Ich esse immer noch am liebsten in Gesellschaft meines Freundes, meiner Familie oder meiner guten Freunde. Fremde am Esstisch? Ich kann Smalltalk da einfach nicht so gut gebrauchen. Worüber soll man mit denen reden? Wie gut die Pasta schmeckt? Wenn ich esse, will ich dabei eigentlich niemanden neu kennenlernen, das ist für mich nicht der entsprechende Rahmen dafür. Wäre ich dann in einem sogenannten „Supperclub“ gut aufgehoben? Eher nicht. Und dann auch noch in der Wohnung eines fremden Menschen? Nein danke, das ist, auch ohne spießig zu sein, nichts für mich.

Damit ihr wisst, wie solch ein „Supperclub“ funktioniert, hier eine kleine Erklärung: eine Gruppe von unbekannten Menschen verabredet sich via Internet zum Essen und dann trifft man sich in der Privatwohnung eines der Eingeweihten. Alles ist natürlich streng geheim, auf dem Weg dorthin muss man quasi die Klappe halten. Der Einladende kocht dann für alle anderen Anwesenden, die zuvor per Email eine persönliche Einladung mit Wegbeschreibung und ein paar Verhaltensregeln erhalten haben. Wer es bis zum Klingelschild geschafft hat, kann sich also glücklich schätzen. Da frage ich mich doch, wozu all die Heimlichkeit? Ist diesen Leuten langweilig? Das klingt für mich genauso, wie wenn ich bei Freunden zum Essen eingeladen bin, nur eben als extrakomplizierter Weg dafür. Ganz schön witzig. In Berlin jedenfalls sind diese „Supperclubs“ der letzte Schrei. Dazu kann ich nur sagen: Ich muss wirklich nicht alles mitmachen.

Die neue Ess-Klasse

So könnte sie aussehen: die „Diner en blanc“-Tafel, denn alles muss in Weiß gehalten sein (©Ferenc Jánosi/pixelio.de)

Im Gegensatz zum halblegalen „Supperclub“ spricht mich das Konzept des – leider auch nur halblegalen – „Diner en blanc“ schon mehr an. Dieses stammt ursprünglich aus Paris, wo im Sommer 1988 angeblich ein Franzose seine Gartenparty wegen zu vielen Gästen spontan auf einen öffentlichen Pariser Platz verlegte. Ab diesem Zeitpunkt wurde alljährlich im Juni an einem öffentlichen, aber bis zuletzt geheimen Ort ein Massen-Picknick veranstaltet. Da es nicht umsonst „Diner en blanc“ heißt, sind alle Teilnehmenden dazu verpflichtet, von Kopf bis Fuß weiß gekleidet zu erscheinen. Damit auch eine lange Tafel entsteht und jeder einen Sitzplatz hat, bringt jede Person zusätzlich einen kleinen Tisch und Stühle mit und außerdem ein aus drei Gängen bestehendes, kaltes Menü und Getränke. Ein Familienausflug in Weiß also, bei dem die Kinder aber am besten zuhause bleiben. Denn wie der „Supperclub“ ist auch diese Veranstaltung nicht so ganz legal, auch hier wird der Ort bis zuletzt geheim gehalten wird. Normalerweise müssen Veranstaltungen dieser Größenordnung vorher bei der Polizei angemeldet werden, um im Notfall unter anderem auch ausreichend Rettungskräfte beisammen zu haben. Ich frage mich, warum man das nicht einfach mal macht? Ich könnte mir vorstellen, dass viele so etwas toll finden würden und ich müsste mich dabei nicht wie einer der Panzerknacker fühlen.

Das Konzept gibt es auch in Deutschland. Das Diner fand bereits in Hamburg, Berlin, Düsseldorf, München und vielen anderen Städten, statt. Das finde ich – mal abgesehen von der Illegalität – eine tolle Sache! Wenn ich erfahren sollte, dass es in nächster Zeit in Stuttgart oder Karlsruhe stattfinden wird, dann nehme ich gerne teil. Zwar gibt es auch dort fremde Menschen, aber in direkter „Umgebung“ sind doch eher welche, die sich kennen. Und man nimmt an etwas Großem teil.

Denn groß ist die Veranstaltung in jedem Fall, wenn man sich einmal vor Augen führt, dass die Teilnehmeranzahl beim letzten „Diner en blanc“ in Berlin um die 2000 Personen betrug. Jeder, der gerne kommen mag, darf auch teilnehmen. Ein tolles Konzept oder? Wie sieht es bei auch aus, seid ihr eher die „Diner en blanc“-Kandidaten, oder würdet ihr diesem Massen-Ereignis einen „Supperclub“ im kleineren Kreise vorziehen?

Vorschau: Nächste Woche erwartet euch an dieser Stelle ein Bericht über die immer schwieriger werdende Wohnungssuche heutzutage.