Alkohol – Freund oder Feind?

Wer kennt das nicht: Man besucht eine nette Feier, verbringt einen angenehmen Abend mit Freunden und Bekannten oder es steht mal wieder eine Hochzeit an. Was wird sicher nicht fehlen? Klar, Alkohol. Für viele Menschen gehören Bier, Wein oder auch ein kleiner Schnaps zu geselligen Anlässen einfach dazu. Doch wie sieht es mit den Folgen des Alkoholgenusses aus?

Alkohol und Gesellschaft

Gute Laune: Für viele gehören Feierlichkeiten und etwas Alkohol einfach zusammen
Gute Laune: Für viele gehören Feierlichkeiten und etwas Alkohol einfach zusammen (Foto: bridgesward/pixabay)

Zum Thema Alkohol existieren unzählige Studien, was alleine schon die gesellschaftliche Relevanz verdeutlicht. Außerdem hat das Statistische Bundesamt auf Grundlage der gemeldeten Verbrauchssteuern ermittelt, dass auf jeden Bundesbürger im Jahr 2017 beispielsweise 94 Liter Bier kamen, also für jeden ein ganzes Hektoliterfass für den Eigenbedarf. Natürlich handelt es sich hierbei um Hochrechnungen, die die Realität nur teilweise abbilden. Trotzdem lässt sich die gesellschaftliche Bedeutung des Alkoholkonsums anhand dieser Zahlen erahnen.

Haben wir also ein Problem? Wie sieht es denn individuell aus – ist Alkohol ein Risiko für die eigene Gesundheit? Leider gibt es hierauf mehr als nur eine Antwort, denn in verschiedenen Studien kommen die Wissenschaftler zu jeweils unterschiedlichen Ergebnissen und bereits die Fülle an Veröffentlichungen zu diesem Thema ist schier erdrückend.

Alkohol in Maßen gesünder als Abstinenz

Datenflut: Unzählige Studien wurden zum Thema Alkohol veröffentlicht
Datenflut: Unzählige Studien wurden zum Thema Alkohol veröffentlicht (Foto: vjohns1580/pixabay)

So kommt eine Studie von Queens’s University in Belfast, die 2018 im Magazin PLOS Medicine veröffentlicht wurde, zu dem Ergebnis, dass moderates Trinken von Alkohol mit dem geringsten Sterberisiko korreliere. Mittels Fragebogen wurden die fast 100.000 Probanden auch zu ihren Trinkgewohnheiten befragt. In einer Nachstudie knapp neun Jahre später wurden die Todesfälle und die neuerlichen Krebserkrankungen dokumentiert. Am Ende der Untersuchungen kamen die Forscher zu dem Ergebnis, dass eine J-förmige Korrelation zwischen Alkoholgenuss und Sterblichkeit vorliegt. Das bedeutet im Klartext: Wer abstinent lebt, hat ein höheres Sterberisiko als jemand, der im Durchschnitt ein bis drei alkoholische Getränke konsumiert. Und das auch dann, wenn man das erhöhte Krebsrisiko, das Alkoholgenuss mit sich bringt, gegenrechnet – so die Studie.

Auch wenig Alkohol schädigt das Hirn

Bedeutet das, wir sollten alle regelmäßig Alkohol trinken? Eher nicht, denn es gibt auch Studien, die zu anderen, beunruhigenderen Ergebnissen kommen. Eine Studie der Universität Oxford aus dem Jahr 2017 im Magazin The BMJ kommt beispielsweise zu der Schlussfolgerung, dass jeglicher Alkoholkonsum das Gehirn langfristig schädige. Dazu wurden zwischen 1985 und 2015 550 Probanden untersucht: Mittels MRT wurden die Veränderungen im Gehirn analysiert. Am Ende war klar, dass Alkohol den Hippocampus schädigt. Der Hippocampus ist eine Region im menschlichen Gehirn, die unter anderem für unser Gedächtnis maßgeblich ist. Das bedeutet im Endeffekt, dass Trinken auf lange Sicht unser Gedächtnis beeinträchtigt. Außerdem kam die Studie zu dem Ergebnis, dass auch moderates Trinken Schäden hervorruft. Am besten schnitten tatsächlich die Abstinenzler ab.

Dies sind nur zwei von unzähligen Studien, die mittels verschiedener Methoden die Auswirkungen von Alkohol beurteilen. Doch im Grunde läuft es immer wieder auf das Problem der widersprüchlichen Ergebnisse hinaus. Während Studie A positive Effekte moderaten Alkoholkonsums verzeichnet, kommt Studie B zu dem Schluss, dass jeder Tropfen Alkohol zu körperlichen Schäden führt.

Was also tun?

Verheerend: Die Nebenwirkungen von zu viel Alkohol sind nicht von der Hand zu weisen
Verheerend: Die Nebenwirkungen von zu viel Alkohol sind nicht von der Hand zu weisen (Foto: Alexas_Fotos/pixabay)

Einig sind sich alle Studien – und das entspricht wohl auch dem gesunden Menschenverstand – dass ein hoher Alkoholkonsum und Alkoholmissbrauch schädlich sind. Viel ist definitiv schädlich. Problematisch wird es bei der Entscheidung, ob geringer Alkoholkonsum oder Abstinenz gesünder ist. Leider gibt es hier keine eindeutige Antwort. Am Ende läuft es wie so oft darauf hinaus, dass jeder für sich entschieden muss, was für ihn oder sie richtig ist. Wer abstinent lebt und damit zufrieden ist, sollte es weiterhin dabei belassen. Wer sich jedoch ab und zu und in Maßen etwas Alkohol genehmigt, der sollte auch kein schlechtes Gewissen haben. Solange man sich unter Kontrolle hat und der moderate Alkoholgenuss mit Lebensfreude einhergeht, sind die Risiken gering und bewegen sich in den meisten Studien im einstelligen Prozentbereich. Vielleicht sollten wir uns von den vielen Studien auch nicht verwirren lassen und auf die alte Weisheit hören: „Die Dosis macht das Gift“.

Zum Tod Jassir Arafats – Schweizer Wissenschaftler legen ersten Bericht vor

Es ist politischer Sprengstoff und klingt wie ein Szenario aus einem James-Bond-Film: Der im November 2004 verstorbene Palästinenserpräsident Jassir Arafat soll durch den Einsatz der radioaktiven Substanz Polonium vergiftet worden sein. Diese Theorie über den Tod Arafats legt jedenfalls eine Untersuchung des Instituts für Radiophysik des Universitätsklinikums Lausanne nahe. Einen entsprechenden Bericht legten die für die Untersuchung verantwortlichen Wissenschaftler in der vergangenen Woche vor.

Aus dem 108 Seiten langen Bericht der Experten geht hervor, dass die untersuchten Gewebeproben eine 18-mal höhere Konzentration des Isotops Polonium-210 aufwiesen als im Normalfall zu erwarten gewesen wäre. Dies legt den Verdacht nahe, dass Arafat keines natürlichen Todes starb, sondern den Folgen einer Strahlenvergiftung erlag.

Am 29. Oktober 2004 wurde Arafat wegen seines sich schnell verschlechternden Gesundheitszustands in das französische Militärkrankenhaus Percy nahe Paris verlegt. Nach einem kurzen Koma starb er am 11. November schließlich an einer Hirnblutung. Bereits damals machten radikale Palästinenser Israel für den Tod Arafats verantwortlich. Zu einer Autopsie des Leichnams oder einer toxikologischen Untersuchung kam es zunächst jedoch nicht.

Von Israel als letzte Ruhestätte für Arafat abgelehnt: Die Al-Aqsa-Moschee in Jerusalem ( © Rosel Eckstein  / pixelio.de )

Von Israel als letzte Ruhestätte für Arafat abgelehnt: Die Al-Aqsa-Moschee in Jerusalem ( © Rosel Eckstein / pixelio.de )

Die Spekulationen über die tatsächliche Todesursache des Palästinenserführers rissen seither nicht ab. Anfang des Jahres 2012 wurde schließlich eine Tasche mit persönlichen Gegenständen Arafats an das Institut für Radiophysik in Lausanne übergeben, welches die enthaltenen Kleidungsstücke und Hygieneartikel, die Arafat kurz vor seinem Tod verwendete, untersuchen sollte. Im Juli des gleichen Jahres gaben die mit dieser Aufgabe betrauten Schweizer Experten bekannt, dass auf den persönlichen Habseligkeiten Arafats erhöhte Poloniumwerte gemessen wurden. Daraufhin erstattete die Witwe des Verstorbenen, Suha Arafat, Anzeige gegen Unbekannt und stimmte einer Exhumierung des Leichnams ihres Mannes zur Entnahme von Gewebeproben zu.

Der nun vorliegende Bericht scheint den Anfangsverdacht zu bestätigen. Für Suha Arafat ist der Fall eindeutig: „Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass er keines natürlichen Todes starb“, sagte sie gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch in Paris. Die Palästinensische Autonomiebehörde hat hierzu bislang noch nicht offiziell Stellung genommen. Doch bereits jetzt steht für viele Palästinenser fest, dass nur Israel hinter der Ermordung ihres langjährigen politischen Führers stecken kann. Von israelischer Seite wurde jedoch bereits eine Verwicklung in den Fall dementiert und die Wissenschaftlichkeit des vorliegenden Berichts in Zweifel gezogen: „Das ist alles nicht seriös“, sagte Jigal Palmor, Sprecher des israelischen Außenministeriums, der „Jerusalem Post“ am vergangenen Mittwoch.

 Tatsächlich bestehen an dem Ergebnis der Gewebeuntersuchungen erhebliche Zweifel. Wegen der langen Zeit, die vor der Entnahme der Proben bereits verstrichen war, sind eindeutige Ergebnisse nicht mehr zu erwarten. So beschreiben die Forensiker aus der Schweiz auch nur mit „moderater“ Sicherheit die Zuverlässigkeit ihrer Ergebnisse.

 Die Experten des Universitätsklinikums Lausanne waren auch nicht die einzigen, die sich mit diesem Fall beschäftigten. Insgesamt wurden drei Wissenschaftlergruppen mit der Untersuchung von Haar- und Knochenproben beauftragt. Neben den Schweizern erhielten auch russische und französische Experten einen entsprechenden Auftrag. Von russischer Seite wurde bereits angedeutet, den Befund aus der Schweiz nicht bestätigen zu können. Ein Bericht der französischen Wissenschaftler wird in den nächsten Tagen erwartet. Ob dieser und der endgültige russische Bericht abschließende Klarheit in den Fall bringen werden, darf jedoch bezweifelt werden.