Foodsharing – Lebensmittel teilen statt wegwerfen

Laut der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen landen in Deutschland jedes Jahr elf Millionen Tonnen Lebensmittel im Wert von ca. 25 Milliarden Euro im Müll. Der Überfluss in unserer modernen Gesellschaft führt dazu, dass mit Nahrungsmitteln verschwenderisch umgegangen wird und eine totale Entwertung der Produkte stattfindet.

Gesund und frisch: Gemüse reif für den Container? (©Peter von Bechen/Pixelio.de)

Gesund und frisch: Gemüse reif für den Container? (©Peter von Bechen/Pixelio.de)

Diese Problematik wurde 2011 in dem Film „Taste the Waste“ von Filmemacher Valentin Thurn erstmals eindringlich thematisiert. Um den Menschen den Wert von Nahrungsmitteln wieder näher zu bringen und der Verschwendung etwas entgegenzusetzen, hatte Thurn die Idee für die Internetplattform „foodsharing.de“. Nicht mehr benötigte Lebensmittel aus den Händen von Produzenten, Händlern und Privatpersonen können auf dieser Plattform kostenlos angeboten und anderen Menschen zur Verfügung gestellt werden.

Das Konzept dahinter ist dabei ganz einfach: Wer zuhause Lebensmittel übrig hat, zum Beispiel weil er in den Urlaub fährt und der Kühlschrank voll mit verderblicher Ware ist, muss diese nun nicht mehr wegwerfen, sondern kann sie in Form eines Essenskorbes im Internet anbieten. Eine andere Person, die gerade Lust darauf hat, kann sich diese nun bei dem Anbieter abholen. Mit einer mobilen App fürs Smartphone – aber auch vom heimischen PC aus – kann man sich Essenskörbe mittels eines elektronischen Tickets reservieren, um sich dann zu dem entsprechenden Anbieter navigieren zu lassen.

Damit soll nicht nur etwas gegen die immense Verschwendung von Nahrungsmitteln getan werden. Das Ziel von Foodsharing ist es auch eine Gemeinschaft von Gleichgesinnten zusammenzubringen, die gemeinsam Essen teilen und sich für einen gesünderen Umgang mit unseren Lebensmitteln einsetzen. So kann sich jeder als sogenannter „Foodsaver“ selbst engagieren, indem er gezielt Firmen auf die Problematik anspricht und so versucht noch genießbare Lebensmittel vor dem Container zu bewahren.

Bisher sind 21.850 Nutzer auf der Website aktiv und es konnten nach dortigen Angaben 8300 kg Lebensmittel gerettet werden. Die Einrichtung der mobilen Foodsharing-App wird über Spenden finanziert und befindet sich aktuell noch in der Entwicklung. Damit die Plattform in Zukunft noch bekannter wird und sich das Tauschen von Lebensmitteln einfacher gestaltet, ist das Engagement von vielen tatkräftigen Menschen gefragt.

 Vorschau: Nächste Woche schreibt Bernd etwas über die Harpyie, eine der größten Greifvogelarten der Welt.

Der Mann mit dem Mantel

Der Mann mit dem Mantel

Der Mann mit dem Mantel: die Geschichte der Nächstenliebe (© Dieter Schütz / pixelio.de)

Der November naht und mit ihm das Fest der Nächstenliebe. Nein, ich habe mich nicht vertan und Weihnachten nach vorne datiert. Zwischen dem amerikanischen Geisterfest, Allerheiligen und der Adventszeit liegt ein Festtag, den manche von uns schon wieder vergessen haben, obwohl fast jeder ihn eigentlich kennt. Vielleicht, weil er kein Feiertag ist. Ich spreche vom 11.11, an dem nicht nur die sogenannte fünfte Jahreszeit beginnt, sondern Tausende jährlich eines Mannes gedenken, der Nächstenliebe vorgelebt hat. Dem Mann mit dem Mantel, dem Reiter und Soldat. Der Martinstag ist dennoch vielen aus dem Gedächtnis verschwunden, sofern sie Kindergarten und Grundschule hinter sich gelassen haben und keine Kinder haben, die in dem betreffenden Alter sind.

Der Mann mit dem Mantel

Laterne, Laterne – der heilige Martin steht für mehr als Lichterfeste (© S. Hofschlaeger / pixelio.de)

Dabei wird mit dem Lichterfest, den Laternenumzügen, zu denen die Kinder „Laterne, Laterne“ singen und immer wieder der gleichen Geschichte zusehen, eigentlich die Todesfeier des heiligen Martin nachgeahmt, zu der es eine Lichterprozession gab. Und selbst die Kinder kennen meist nur die berühmteste Geschichte vom Mann im roten Mantel. Die ist aber, um alle Zweifel aus der Welt zu schaffen, tatsächlich mehr mit Nächstenliebe erfüllt, als die Geschichte von Jesu Geburt. Dem verzweifelten Paar, dem einfachen Mann und der hochschwangeren Frau wurde, so die Überlieferung stimmt, immerhin jede Tür vor der Nase zugeschlagen, sodass sie zuletzt in einem Stall unterkriechen mussten. Wenig Nächstenliebe, wenn ihr mich fragt. Martin aber, so sagt es die bekannte Überlieferung, hat im eisigen Winter seinen Mantel mit einem Bettler geteilt und den so vorm Erfrieren gerettet.

Gut, das allein ist wohl noch kein Grund für ein jährliches Gedenken, aber zeugt von der Nächstenliebe des einfachen Soldaten, denn das war Martin schon früh. Und obgleich er sich auch früh zum Christentum bekannte und die Armee verlassen wollte, konnte er das erst, als seine Dienstzeit beendet war. Danach wurde der religiöse Mann Bischof von Tours, gründete Pfarreien, versuchte dabei aber stets asketisch zu leben und seine Position nicht auszunutzen, wie es manch anderer tat. Als Nothelfer war er bekannt und Wundertäter, selbst als Totenerwecker soll er sich gezeigt haben. Nachdem er dem Bettler die Mantelhälfte gegeben hatte, soll Christus ihm erschienen sein mit den schönen Worten: „Was ihr an einem der Geringsten getagt habt, das habt ihr an mir getan“. Und ist dieser Spruch allein nicht Grund genug, mal darüber nachzudenken, etwas Uneigennütziges zu tun, etwas voll von Nächstenliebe?

Der Mann mit dem Mantel

Arme Gans: gebraten aus Rache (© Harry Hautumm / pixelio.de)

Der andere Brauch aber, den einige am Martinstag begehen, klingt schon sehr nach Rache. Die Martinsgans wird deswegen im Ofen gebraten und serviert, weil Martin eigentlich kein Bischof sein wollte. Er hatte sich vor seinen Anhänger nirgendwo anders versteckt als in einem Gänsestall und die schnatternde Schar verriet ihn schließlich. Grund genug für einen Schmaus? Eigentlich den Gänsen gegenüber ziemlich unfair, die wenig für ihre Artgenossen und angeborene Schnatterhaftigkeit können. Noch dazu wäre Martin sonst kaum Martin von Tours geworden.

Diese Figur, die wir im Kindergarten kennengelernt und danach meist einfach wieder vergessen haben, hat es auf jeden Fall verdient, dass wir etwas mehr mit ihr in Verbindung bringen, als selbstgebastelte Laternen, einen halben Mantel und gebratene Gänse. Martin lebte Nächstenliebe vor, statt sie nur zu predigen. Und heute sollte sein Andenken mehr sein, als das des ominösen Manns mit dem Mantel. Wenigstens einmal im Jahr, am 11.11., am Fest der Nächstenliebe.

Vorschau: Nächste Woche schreibt Sascha für euch über den Mond und seinen Einfluss auf unser tägliches Leben.