Vom Fernsehen auf die Festivalbühne – Wiesbaden feiert deutsche Fernsehkrimis

Krimis sind nicht nur im Buchformat ein beliebtes Genre. Verschiedene deutsche Fernsehkrimis, wie zum Beispiel „Ein Fall für zwei“, „Der Kriminalist“, „Tatort“ oder „Polizeiruf 110“, locken von Freitag bis Sonntag Millionen von Zuschauern vor die Bildschirme. In Wiesbaden gibt es ein eigenes Festival dafür und das findet vom 12. bis zum 17. März 2019 schon zum 15. Mal statt. Das Deutsche FernsehKrimi-Festival ist eine Veranstaltung des Kulturamtes der Landeshauptstadt Wiesbaden und wird vom Hessischen Rundfunk und der HessenFilm und Medien GmbH unterstützt. Im Rahmen des Festivals wird jedes Jahr auch der Deutsche FernsehKrimi-Preis verliehen. Sender und Produktionsfirmen können dafür noch bis Anfang November ihre aktuellen deutschen Krimiproduktionen einreichen. Die zehn besten Krimis werden dann nächstes Jahr auf dem Festival gezeigt. Abgesehen von den verschiedenen Krimis, die dort präsentiert werden, gibt es noch einen Fernsehkrimi-Drehbuchwettbewerb für Nachwuchsautoren sowie Diskussionen, Gespräche und Lesungen mit Filmschaffenden.

Vom Fernsehen auf die Festivalbühne – Wiesbaden feiert deutsche Fernsehkrimis

Verantwortlich für das Deutsche FernsehKrimi-Festival: Leiterin Cathrin Ehrlich (Foto: Barbara Dietl)

Wir haben mit Leiterin Cathrin Ehrlich über deutsche Fernsehkrimis und das Deutsche FernsehKrimi-Festival gesprochen.

Face2Face: Wie kam es zur Gründung des Deutschen FernsehKrimi-Festivals in Wiesbaden?

Ehrlich: Man hat mir erzählt, dass Liane Jessen (Fernsehfilmchefin des Hessischen Rundfunks), ihr damaliger Mann und die damalige Kulturdezernentin aus Wiesbaden, Rita Thies, diese schöne Idee bei einem oder auch zwei Gläschen Wein entwickelt haben.

Face2Face: Wieso wurde Wiesbaden als Veranstaltungsort ausgewählt?

Ehrlich: Rita Thies hat an der Idee festgehalten und ermöglicht, dass das Festival in Wiesbaden Fuß fassen konnte.

Face2Face: An welchen Orten im Rhein-Main-Gebiet werden die meisten Fernsehkrimis gedreht?

Ehrlich: Ich denke in Frankfurt, Wiesbaden und Offenbach.

Face2Face: Was ist das Besondere an deutschen Fernsehkrimis, dass es dafür ein eigenes Festival gibt?

Ehrlich: Die hohe Qualität, was z. B. Drehbuch, Regie, Kamera und DarstellerInnen betrifft.

Face2Face: Welche Themen sind derzeit in deutschen Fernsehkrimis am beliebtesten bei Filmemachern?

Ehrlich: Das wechselt natürlich ständig. Im letzten Jahr war das Thema Kindesmissbrauch und Kindesentführung sehr „beliebt“, aber auch die Themen Banden- und Cyberkriminalität und Fälle von rechtsextremem Terror waren häufig zu finden.

Face2Face: Was zeichnet das Deutsche FernsehKrimi-Festival aus?

Ehrlich: Es gibt sehr sehr viele Fernsehkrimis im deutschsprachigen Fernsehen, zu viele. Das Deutsche FernsehKrimi-Festival widmet sich dem anspruchs- und qualitätsvollen Fernsehkrimi.

Face2Face: Wofür sind Sie als Leiterin des FernsehKrimi-Festivals zuständig?

Ehrlich: Tja, eigentlich für alles: die Teamzusammenstellung, das Programm, die Gäste, die Finanzierung, Presse und Marketing und organisatorische Dinge wie Catering, Reisen und Hotel. Glücklicherweise habe ich ein wundervolles Team und dies schon seit Jahren. Es nimmt mir inzwischen die meiste Arbeit ab, hat großartige eigene Ideen und immer eine große Portion Humor, was mir sehr wichtig ist.

Face2Face: Auf dem Festival wird jährlich der Deutsche FernsehKrimi-Preis verliehen. Welche Fernsehkrimis haben eine Chance auf den Preis bzw. nach welchen Kriterien wird ausgewählt?

Ehrlich: Auch hier wird nach Qualität und Anspruch gesucht. Und wenn eine Produktion etwas Neues, Experimentelles wagt. Pro Jahr gibt es in etwa 60 Einreichungen dafür.

Face2Face: Wer sitzt in der Jury, die über die Vergabe des Preises entscheidet?

Ehrlich: Ich versuche immer eine heterogene Gruppe aus „Fachleuten“, wie SchaupielerInnen, RegisseurInnen, AutorInnen etc., aus der Branche zusammenzusetzen. Gerne fragen wir auch ehemalige PreisträgerInnen an. Dann suchen wir aber auch „Branchenfremde“. Diesmal wird zum Beispiel ein Strafverteidiger aus Frankfurt dabei sein. Fest gesetzt ist die oder der Krimistipendiat(in) der Stadt Wiesbaden. Das war beim letzten Mal Volker Kutscher und ist jetzt Zoë Beck.

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Keine einfache Aufgabe: die fünfköpfige Jury, die 2018 über die Vergabe des Deutschen FernsehKrimi-Preises entschieden hat, v.l.n.r. Hanna Doose, Dennenesch Zoudé, Alexander Schubert, [Moderatorin Bärbel Schäfer], Roswitha Ester und Volker Kutscher (Foto: Martin Ohnesorge)

Face2Face: Welche Fernsehkrimis haben 2018 gewonnen?

Ehrlich: In der Jury waren Regisseurin und Drehbuchautorin Hanna Doose, Produzentin Roswitha Ester, Schriftsteller Volker Kutscher, Schauspieler Alexander Schubert und Schauspielerin Dennenesch Zoudé. Sie haben über die Preisvergabe entschieden. Den Hauptpreis hat „Tatort: Stau“ (SWR) von Dietrich Brüggemann (Regie, Buch) und Daniel Bickermann (Buch) gewonnen. Außerdem gab es Sonderpreise für herausragende Einzelleistungen: Petra Schmidt-Schaller wurde als beste Darstellerin für „Keine zweite Chance“ (Sat.1), Heino Ferch als bester Darsteller für „Ein Kind wird gesucht“ (ZDF/Arte) und Hans-Christian Schmid für die Gesamtleistung (Regie, Buch, Produktion) in „Das Verschwinden“ (BR/ARD Degeto/NDR/SWR) ausgezeichnet. Der Publikumspreis ging an „Ein Kind wird gesucht“.

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Strahlende Gesichter: die Preisträger des Deutschen FernsehKrimi-Festivals 2018 (Foto: Martin Ohnesorge)

Face2Face: 2019 wird außerdem zum dritten Mal Deutschlands spannendster Fernsehkrimi- Drehbuchnachwuchs gesucht. Was hat es damit im Detail auf sich?

Ehrlich: Wir suchen unverfilmte Krimi-Drehbuchstoffe talentierter und kreativer Nachwuchs-Drehbuchautorinnen und -Drehbuchautoren, die ideenreich unterhalten, fesseln und mitfiebern lassen. Eine fachkundige Jury wählt aus allen Einreichungen vier vielversprechende Vorschläge aus, die dem Publikum während der Festivalwoche im Rahmen einer Lesung vorgestellt werden. Die Gewinnerin oder der Gewinner wird bei der Preisverleihung des Festivals bekannt gegeben und erhält die Chance, unter professioneller Betreuung den Drehbuchstoff vom Exposé bis zum Treatment weiterzuentwickeln und vor Fachpublikum zu pitchen.

Face2Face: Wieso kam es 2017 zu dem Entschluss, erstmals einen Drehbuchwettbewerb für Nachwuchsautoren zu veranstalten?

Ehrlich: Ich hatte diese Idee. Drehbuchautoren fristen häufig ein Schattendasein. Es gab sogar Preisverleihungen, bei denen sie gar nicht eingeladen waren. Dabei ist das Drehbuch doch das Wichtigste für einen guten Film bzw. guten Krimi. Wir wollen deswegen die Drehbuchautoren hervorheben und junge Menschen fördern. Ich habe die Idee vor vier Jahren bei Herrn Mendig von der HessenFilm und Medien GmbH vorgetragen und er hat uns sofort seine Unterstützung zugesagt.

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Vertieft in ein Nachwuchskrimi-Drehbuch: Synchronsprecher und Schauspieler Max Felder bei der Lesung auf dem Deutschen FernsehKrimi-Festival 2018 (Foto: S. Holitzner)

Face2Face: 2018 wurden die vier vielversprechendsten Nachwuchskrimi-Drehbücher dem Publikum während der Festivalwoche im Rahmen einer Live-Lesung von Synchronsprecher und Schauspieler Max Felder vorgestellt. Wie und nach welchen Kriterien wählen Sie aus, wer diese Live-Lesung machen darf?

Ehrlich: Auch hier entscheiden wir gemeinsam. Max Felder hatten wir ausgesucht, weil er als Schauspieler und Synchronsprecher einfach sehr gut vortragen kann und er vielen bekannt ist.

Face2Face: Was waren die Highlights des Deutschen FernsehKrimi-Festivals der letzten drei Jahre?

Ehrlich: Das sind immer wieder unsere Filmgäste und die Gespräche mit ihnen. Wir konnten zum Beispiel Ulrich Tukur, Senta Berger, Hannelore Hoger, Heino Ferch oder Desirée Nosbusch beim Festival begrüßen. Das war jedes Mal ein Highlight.

Face2Face: Welche Veranstaltungen sind bereits jetzt für das Deutsche FernsehKrimi-Festival 2019 geplant?

Ehrlich: Wir werden wieder zehn spannende, tolle Krimis zeigen und prominente und interessante Filmgäste zu Gast haben. Außerdem gibt es einen Serien- und einen Dokutag und wir planen eine größere Ausstellung.

Face2Face: Ist schon bekannt, welche Schauspielerinnen und Schauspieler 2019 vor Ort sein werden?

Ehrlich: Bisher nicht, da die Filme für den Wettbewerb noch nicht ausgewählt wurden, weil die Jurysitzung erst Mitte Dezember ist, und auch die JurorInnen noch nicht zugesagt haben.

Face2Face: Was kostet der Eintritt für die Veranstaltungen 2019?


Ehrlich: Zwischen 7 und 9 Euro. Eventuell wird es im nächsten Jahr einen Festivalpass geben.

Face2Face: Haben Sie selbst einen Lieblingsfernsehkrimi?

Ehrlich: Ich finde immer wieder einen neuen Liebling. Ich mag eher kleine, kluge Krimi- Geschichten mit überraschenden Wendungen. Ich mag eher nicht, wenn zu viel Brutalität gezeigt wird.

Mehr Infos zum Deutschen FernsehKrimi-Festival gibt es auf der Homepage oder der Facebookseite der Veranstaltung.

Von der Bühne ins TV – AnnenMayKantereit

Wer zum Ersten Mal die rauchige Stimme von Frontmann Henning May hört, hat das Bild einer verruchten Bar und literweise Whisky vor sich. Die nachdenklichen Texte der Indie-Rocker lassen Männer mit jahrzehntelanger Lebenserfahrung hinter den Songs erwarten. Doch die Kölner der Rockband AnnenMayKantereit sind gerade in den Zwanzigern. Im kommenden Frühjahr stellen sie auch ihre schauspielerischen Fähigkeiten im beliebten TV-Format „Tatort“ unter Beweis.

Von den Straßen Kölns

 Christopher Annen, Henning May und Severin Kantereit gründeten AnnenMayKantereit 2011. Anfang  spielten sie auf den Kölner Straßen, wobei sie hier den Bassisten Lars Lötgering kennen lernten. Seit 2014 ist er nicht mehr Mitglied der Band, sein Nachfolger ist Malte Huck.

Steiler Aufstieg im Musikbusiness

2013 erschien das erste Album der vier Jungs, das teilweise während ihrer Auftritte auf den Kölner Straßen aufgenommen wurde. Danach folgten eine Deutschland-Tour und einige Auftritte auf Festivals, wie „Open Flair“ und dem „Hurricane Festival“.

Sie kamen in Berührung mit einigen deutschen Bekanntheiten: So waren sie Vorband von den Beatsteaks, Support von Clueso während seiner Tour und performten bei „Circus HalliGalli“.

May, der für seine raue Stimme bekannt ist, sang bei KIZs Nummer „Hurra die Welt geht unter“ den Refrain.

Gastautritt beim „Tatort“

Die Erfolgswelle für die Band scheint nicht abzuebben: So sind sie im Frühjahr 2017 mit Wotan Wilke Möhring vor der Kamera zu sehen. Die Dreharbeiten für den „Tatort – Böser Boden“ laufen bereits.

Lasst euch das auf jeden Fall nicht entgehen, wenn sich die Jungs neben Revolverheld und DJ Tomekk in die Musiker-Gastauftritte beim „Tatort“ einreihen.

Vorschau: Nächste Woche stellen wir euch niederländische Musiker vor, die in Deutschland bekannt sind oder es werden wollen.

 

Ganz offiziell: Das Tatort-Schauen meiner Freunde nervt mich

Bitte erschieß' mich: Wenn das manchmal nur wirklich möglich wäre (Foto: pixabay/NEMO)

Bitte erschieß‘ mich: Wenn das manchmal nur wirklich möglich wäre (Foto: pixabay/NEMO)

Wieder einmal ist Sonntagabend. Wie wäre es mit dem neuen Film von Jan Ole Gerster im Kino? Wie wäre es gemeinsam ein Rezept von Jaime Oliver auszuprobieren? Wie wäre der Bio-Rotwein und ein Gespräch über deutsches Fernsehen auf meinem Balkon? Sonntags praktisch nie möglich, denn jede SMS, jeder Anruf und jede Email von mir bekommt dieselbe Antwort: „Ich kann nicht, ich schau schon den Tatort mit Lena, Lisa, Lennart und Leon. Aber komm‘ doch einfach dazu.“ Noch lieber nennen sie es: „Wir tatorten.“ Nein! Ich möchte nicht dazu kommen: Ich mag den Tatort nicht. Der Tatort ist schlechtes Fernsehen für das ich meinen Haushaltsbeitrag opfere. Schon Sonntagnachmittags in Cafés und in der Straßenbahn höre ich junge Menschen diskutieren, ob heute der Münster – Tatort mit Jan Josef Liefers ebenso witzig wird, wie beim letzten Mal.

Allein, dass ich schon weiß, dass der Liefers im Münster – Tatort mitspielt, ist mir peinlich. Und ich finde: Jeder sollte sich schämen. Tatort schauen am Sonntag – das machen meine sechzig Jahre alten Eltern. Wenn ich Gesellschaft brauche, fällt mir etwas kreativeres ein, als 90 Minuten einer Handlung zu folgen, die vorhersehbar, langweilig und unrealistisch ist.

Es ist nicht so, dass ich es nicht auch probiert hätte. Es gab Phasen, da fühlte ich mich Sonntag abends so allein, dass ich mich diesem tatorten anschloss. Dabeisaß und zusah, und wissen wollte: „Warum findet ihr es witzig, wenn Liefers bei der Untersuchung eines Kuhhinterns von ebendiesem angepupst wird? Finde nur ich das irgendwie platt?“ Wen ich frage, warum man eigentlich den Tatort mag und anschaut, der nennt selten die Sendung selbst; und wenn doch, dann kommen Sätze wie: „Der Tatort ist Kult! Der Tatort gehört sonntags dazu!“ Nein, das Tatortschauen, in meist geräumigen WGs ist der pure Gruppenzwang. Ein gesellschaftliches Ereignis, das seine inhaltliche Leistung nicht nachweisen kann.

Ein Youtube-Video zum Suchbegriff „Tatort Münster“ demonstriert in den ersten Minuten schlecht geschriebenes, und viel schlechter gespieltes Krimi-Spiel. Natürlich: Das sind alles ausgebildete Schauspieler: Die Maria, die Ulrike, die Andrea, der Dietmar, der Klaus, der Jan – alles zu respektierende, gute, deutsche Schauspieler. Sicher macht ihnen der Dreh eines Tatorts auch Spaß, aber wagte man ein Gedankenexperiment: Wie wäre es, wenn diese guten Spieler besseres spielen dürften? Statt leicht verdaulichen Mist auswendig zu lernen, stellt jeder Dreh eine neue Herausforderung an sie und verbessert ihr Mienenspiel. Welch Experiment wäre das!

Was für eine deutsche Fernsehwelt wäre denkbar, die spannendes, logisches und unterhaltendes Krimi-Spiel zeigt? Also liegt es an den Drehbüchern, an den Dialogen, dass die Schauspieler gelangweilt wirken und die Story unrealistisch ist?

Folgende Tatortszene: Eine junge Frau trägt einen Karton durch einen langen Gang. Ein Mann mit Brille folgt ihr. Mann: „Lehrjahre sind keine Herrenjahre.“ Frau: „Besonders nicht für eine Frau.“ Mann: „Für eine Frau? Ach, Herrenjahre. Der ist gut. Ich bin übrigens Bulle.“ Frau: „Ja, interessant, ich auch.“ Mann: „Nein, nein ich heiße so. Bernd Bulle. Kommissaranwärter.“ Frau: „Das ist gut, das ist richtig komisch.“ Sie geht weiter. Die Szene ist vorbei. Besonders schlimm hier auch, dass er nicht etwa Daniel Bulle oder Thomas Bulle heißt, nein, es muss das doppelte B sein: Bernd Bulle. Alles an diesem Dialog ist grotesk.

Liegt es an den Drehbüchern? Unbedingt, und dennoch ist der 1970 gestartete Tatort die am längsten laufende und derzeit beliebteste Krimireihe im deutschen Sprachraum – ein Originalzitat auf Wikipedia. Das ist bizarr, vor allem, weil ich befürchte, dass sich meine Altersgenossen damit abgefunden haben, dass unser Fernsehen eben genau so ist: langweilig, vorhersehbar und unrealistisch.
Ein ZEIT-Interview aus den letzten Monaten mit Thomas Bellut und Volker Herres, Programmdirektoren des ZDF und der ARD war bedrückend: „Herres: Das ZDF hat ein gewisses Überangebot an Krimis, da gebe ich Ihnen völlig recht. Ich bin den US-Serien gegenüber aufgeschlossen. Es wäre bloß schwierig, einen regulären Sendeplatz im Programmablauf des Ersten dafür zu finden.“ Es wird demnach wohl noch viele Sonntagabende allein für mich geben: kein Homeland, kein Borgen, keine Kommissarin Lund, kein Game of Thrones zur besten Sendezeit zu sehen. Dann bleibe ich, trotz allem lieber weiter allein auf meinem Sofa und schaue mir die DVDs an, anstatt mit Lena, Lisa, Lennart und wem noch [?], zu tatorten.

Vorschau: Nächste Woche lest ihr im Kulturteil  über den Lieder Slam im Cafe Nelson „tu es day“.

Der Tatort – in Mannheim ein beliebtes Fernsehformat

Es ist Sonntag, kurz vor 20 Uhr. Reger Umtrieb herrscht auf den Planken vor dem Mannheimer Cineplex. Die Tickets für die nächste Vorstellung sind beinahe alle im Vorverkauf vergriffen, vereinzelt gibt es noch freie Plätze in den vorderen Reihen. Bei diesem Szenario handelt es sich keineswegs um die Premiere eines Hollywoodfilmes, sondern um die Übertragung des öffentlich-rechtlichen Fernsehprogramms sonntags abends zur Primetime. Die Rede ist von Deutschlands beliebtester Kriminalreihe: dem Tatort.

Längst hat es die seit mehr als 40 Jahren laufende Serie des ARD, ORF und SRF von der Mattscheibe im heimischen Wohnzimmer auf die Leinwände in großen Kinoketten und kleineren Kneipen und Cafés geschafft, wie zum Beispiel dem Café Vogelfrei in Mannheim. Anfangs konnte man dort einmal im Monat – mittlerweile beinahe jede Woche – den Ermittlerteams an 20 verschiedenen Schauplätzen dabei zusehen, wie sie brisante Fälle lösen, die immer mit aktuellen Diskursen und umstrittenen Themen verknüpft sind. Hinsichtlich des Vorspanns zeigt der Tatort gewohnte Kontinuität, denn seit der Erstausstrahlung 1970, hat sich dieser, bis auf geringfügige Modernisierungen, nicht verändert.

„In Deutschland gehört der Tatort mittlerweile einfach zur Fernsehtradition dazu“, erklärt der Lehramtsstudent Luis Gärtner, der regelmäßig Tatort schaut. „Besonders unter Studenten ist es geradezu zum Happening geworden, sich sonntags abends in einer Kneipe zu treffen und Tatort zu schauen. Am nächsten Tag wird viel darüber diskutiert und man will ja auch Bescheid wissen“, so der 20-Jährige.

Am häufigsten diskutiert wurde in letzter Zeit wohl das nur wenige Wochen auseinanderliegende Hamburger Doppeldebüt. Mit der actionreichen ersten Folge „Willkommen im Hamburg“ des eigensinnigen Ermittlers Nick Tschiller, gespielt von Til Schweiger, nahm die sonst eher moderat gehaltene Sendung Züge eines mit Kugelhagel und Explosionen bestückten Actionfilmes an. Weitaus ruhiger ging es bei der Folge „Feuerteufel“ letzten Sonntag zu, bei der Wotan Wilke Möhring in der Rolle des Kriminalhauptkommissars Thorsten Falke sein Debüt feierte. Anstatt an einen „Die Hard“-Teil erinnerte die Inszenierung jenes neuen Ermittlerteams vielmehr an die klassischen Detektivfilme der 40er Jahre. Parallelen lassen sich vor allem zu Robert Altmans Philip Marlowe Verfilmung „The Long Goodbye“ aus den 50er Jahren ziehen. Denn Kommissar Falke ist ebenso wie der Prototyp des Privatdetektivs ein milchtrinkender Einzelgänger.

Allgemein scheinen die Kreativteams des Tatorts gerne etwas von bewährten US-amerikanischen Produktionen abkupfern. So ähnelt der zu cholerischen Ausbrüchen neigende, traumatisierte Dortmunder Ermittler Peter Faber (Jörg Hartmann) einem tablettensüchtigen Dr. House aus der gleichnamigen amerikanischen Fernseherie.

Seien diese Analogien dahingestellt, so gehen die Meinungen über die verschiedenen Ermittler, die schauspielerischen Leistungen und den Plot weit auseinander. Von den Einen hoch gelobt, von den Anderen verpönt ist vor allem der Münsteraner Tatort mit dem ambivalenten Zwiegespann bestehend aus Axel Prahl als Kommissar Frank Thiel und Jan Josef Liefers als Rechtsmediziner Professor Karl-Friedrich Boerne.

Während man sich vielerorts noch über den obligatorisch gewordenen Rundfunkbeitrag empört, der es immerhin mit sich bringt, dass man sowohl den ARD-Radio Tatort, den es seit 2008 zu hören gibt, als auch alle Tatort-Folgen in einer umfassenden Mediathek immer wieder anschauen kann, sieht man in Mannheim jeden Sonntag einen Mann im Tatort-Vorspann um sein Leben rennen. Ob zum gemeinsamen Schmunzeln, zum Rätseln über den Ausgang der jeweiligen Folge oder zum Mitfiebern ist der Tatort allemal gut. „Außerdem kann man sich wunderbar drüber lustig machen, wenn der Tatort mal schlecht war“, erzählt Luis Face2Face.

Vorschau: Nächste Woche erscheint an dieser Stelle eine Buchrezension zu „Das Apple-Hasser Buch“.

Vegan in Mannheim, Teil I: „Café Vogelfrei“

Während sich immer mehr Menschen dazu entschließen, vegan (Anm. d Red.: vegan bedeutet, sich frei von tierischen Produkten zu ernähren) zu leben, zieht die Mannheimer Gastronomie nach und bietet Veganern immer mehr kulinarische Möglichkeiten, einfach an leckeres Essen zu kommen. In der Serie „Vegan in Mannheim“ werden in den nächsten Wochen drei verschiedene Angebote vorgestellt.

Vegan in Mannheim, Teil I: „Café Vogelfrei“

Umfangreich: Das Angebot im "Café Vogelfrei" (Foto: Rossel)

In C3, 20, also im Herzen der Quadratestadt , befindet sich seit einigen Monaten ein kleines Café, das „Café Vogelfrei“. Zu wohlklingenden Indie-Tönen wie beispielsweise dem neuen Album von „Florence and the Machine“ werden vegetarische und vegane Köstlichkeiten serviert.

Das Angebot besteht aus einem Grundgerüst, welches täglich wechselnde Variationen beinhaltet. Die Inhaberin, postet jeden Vormittag auf der „Facebook“-Seite des „Café Vogelfrei“ , welche Köstlichkeiten auf dem heutigen Speiseplan stehen. Täglich gibt es eine Suppe, je nach Jahreszeit warm oder kalt, und mindestens zwei verschiedene Quiches – eine vegetarisch, die andere vegan. Daneben wird auch immer vegane Pizza und ein Salat serviert, der in der Regel auch vegan ist.

Vegan in Mannheim, Teil I: „Café Vogelfrei“

Vegan: Schoko-Nugat-Kuchen (Foto: Rossel)

Neben den herzhaften Leckereien findet sich auch immer eine große Auswahl an diversen Süßspeisen. Fest im Programm sind ein laktosefreier Käsekuchen mit dem Namen „M´s Käsekuchen“ und „Mia´s Schokotörtchen“, kleine Schoko-Muffins. Des Weiteren gibt es immer einmal wieder Bananenbrot, Brownies, Torten und Kuchen, meistens mit frischem, saisonalen Obst, Cookies und oft auch kleine Kuchenlollies.

Auch die Getränkekarte kann sich sehen lassen: neben Kaffee und Espresso können auch Latte Macchiatto und Cappuccino bestellt werden, jeweils mit normaler, laktosefreier oder Soja-Milch. Die Sommerkarte, auf der auch köstlich-kühles Sorbet in verschiedenen Geschmacksrichtungen steht, beinhaltet einen leckeren Eiskaffee und verschiedene Milchshakes unter anderem in den Geschmackrichtungen Waldfrucht und Exotik. Im Kühlschrank gegenüber der Theke findet man Seltenheiten wie die Getränke „Club Mate“, ein koffeinhaltiges Getränk auf Mate-Basis, „Fritz Kola“, eine trendige Cola-Art und Bier der Marke „Astra“.

Neben den kulinarischen Köstlichkeiten finden sich im „Café Vogelfrei“ auch Kleinigkeiten zum Verschenken oder Selbst-Liebhaben: Die Besitzerin vertreibt Selbstgemachtes, was sie selbst bei dem Online Shop Dawanda.de bestellt. Wunderschöne Armbänder sind neben Ohrringen im Vintage-Look ausgestellt und in einem antiken Holzschrank findet man Nettigkeiten wie bedruckte Jute-Beutel und selbstgenähte Taschentücher-Täschchen.

Vegan in Mannheim, Teil I: „Café Vogelfrei“

Originell: Vegane Torte in Football-Form (Foto: Rossel)

An den meisten Sonntagen wird ab 20:15 Uhr der aktuelle „Tatort“ auf einer Leinwand gezeigt. Hierfür rücken alle Gäste im Raum zusammen. Ab und an bleibt der Beamer sonntags aber auch zugunsten kostenfreier Konzertabende aus. Auch hierüber wird via „Facebook“ informiert. Das „Café Vogelfrei“ erinnert mit seinen Vintage-Sesseln, der Tapete mit Waldmuster und den antiken Möbelstücken eher an ein Wohnzimmer als an ein Café und lädt einfach zum Verweilen ein. Ein Schrank, vollgepackt mit zerlesenen Büchern unterstreicht diese Atmosphäre noch.

Info:

Das „Café Vogelfrei“ hat von Dienstag bis Samstag jeweils von 11:00 Uhr bis 19:00 Uhr und sonntags von 11:00 Uhr bis 22:00 Uhr geöffnet. Montags ist Ruhetag.

Vorschau: Nächste Woche findet ihr hier Informationen über einen Gentest für Gewässer, mit dem die gesamte Tierwelt eines Teiches aufgespürt werden kann.