„In jedem Teil steckt ein kleines Stückchen Oma oder Opa“ – Designerin Nadine Psotta im Interview

Von Indonesien ins waschechte Schwabenland. Schwabenkind Designerin Nadine Psotta legte einen langen Weg für ihren Modetraum zurück. Bereits mit 12 Jahren entdeckte sie ihre Liebe zur Mode und arbeitete ab diesem Zeitpunkt hart an ihrem Traum. Nach einer Second-Hand-Boutique, Arbeiten für die Filmbranche und die Produktion ihrer ersten Kollektion in Indonesin, ist die Modedesignerin an ihrem großen Traum angekommen und führt nicht nur eine erfolgreiche Modelinie, sondern produziert inzwischen, ganz getreu dem Namen, ausschließlich im Schwabenland.

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Schwabenkind ganz privat: Designerin Nadine Psotta in ihrem Atelier. (© Ilona Schneider)

Face2Face: Wann wusstest du, dass du etwas mit Mode machen möchtest?
Nadine: Ganz genau am 06.07.1989, meinem ersten Tagebucheintrag. An diesem Tag habe ich Modeschöpferin gespielt. Von meinen Eltern habe ich viel Lob bezüglich meines Talents erhalten. Auch wenn dies eher große Elternliebe war, mein Weg ebnete sich damals genau in diesem Moment. Am Abend dieses Tages interviewte ich mich selbst und beendet des Interview mit folgendem Satz: „Und heute ist sie eine ganz bekannte Modeschöpferin“. Jedes mal, wenn ich diesen Satz lese, muss ich schmunzeln – Ich möchte definitiv einmal die Entwürfe von damals mit meinem heutigen Wissen umsetzen.

„In jedem Teil steckt ein kleines Stückchen Oma oder Opa“ – Designerin Nadine Psotta  im Interview

Verspielt und unkonventionell: Schwabenkind-Dirndl mit Blumenschmuck. (© www.lichtformstudios.de)

Face2Face: Dein Modelabel wurde ja nach deinen Großeltern benannt, welche Geschichte steckt da dahinter?
Nadine: Meine Großeltern hießen Karl und Maria. Meine Oma war eine ganz begeisterte Näherin und hat viele Dinge mit mir umgesetzt. Aufgrund ihrer gradlinigen Phantasie, haben wir haben uns zwar immer die Köpfe eingeschlagen, ich konnte mich am Schluss aber immer gut durchsetzen. Wir haben sehr viel zusammen gearbeitet. Meine Oma war auch diejenige, die mir die Liebe zum Nähen und Designen beibrachte. Leider ist sie ein halbes Jahr vor meinem Modedesign Abschluss verstorben. In Anlehnung an meine Oma und meinen Opa habe ich deshalb die Modelinie Karla Maria begonnen, wobei Schwabenkind heute präsenter ist bzw. Karla Maria die Exklusivmarke von Schwabenkind ist.

Face2Face: Neben den Basics und Kindersachen gibt es auch die Kollektionen King Karl und Queen Maria. Wofür stehen diese Kollektionen?
Nadine: King Karl steht für meinen Opa den Karl und Queen Maria für meine Oma Maria.

Face2Face: Wie wird denn dein ganz eigener Stil und damit auch deine Kollektionen beeinflusst?
Nadine: Ich reise sehr viel und schaue mir auch gerne Dokumentationen über andere Länder und Kulturen an. Darüber erhalte ich immer ganz witzige Ideen.

Face2Face: Deine Kollektionen sind ja sehr farbenfroh – welche ist denn deine Lieblingsfarbe?
Nadine: Meine Lieblingsfarbe ist Petrol. Petrol oder Türkis, das sind meine persönlichen Favoriten.

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Ein Traum in Pink: Eines der vielen farbenfrohen Designs von Nadine Psotta. ( © www.lichtformstudios.de)

Face2Face: Was möchtest du mit deinen Designs ausdrücken?
Nadine: Ich möchte zeigen, dass alles was nicht zusammen passt, am Schluss definitiv passend gemacht werden kann. Für meine Phantasie gibt es keine Grenzen und ich vertrete die Meinung, dass Schönheit immer im Auge des Betrachters liegt. Was mich auch immer genervt hat ist, dass wenn ich in einen Kinderladen rein gegangen bin, ich immer so viele Kleidungsstücke gesehen habe, die ich auch so gerne haben wollte, allerdings gab es diese natürlich nie in meiner Größe. Deshalb habe ich beschlossen, dass ich auch solch eine bunte und verrückte Mode machen möchte, allerdings für Erwachsene.

Face2Face: Symbolisieren diese Kollektionen deine Großeltern?
Nadine: In den Kollektionen steckt meistens ein kleines Stück Oma oder Opa. Sei es ein alter Stoff den ich verarbeite oder Rüschen und Knöpfe, die ich noch von meiner Oma geerbt habe.

Face2Face: Deine Kleidungsstücke werden ausschließlich im Schwabenland produziert. Was ist dir daran besonders wichtig?
Nadine: Die Produktion im Schwabenland ist mir auf Grund meiner guten Zusammenarbeit mit meinen Geschäftspartnern Brigitte und Gerhard von der Schwäbischen Alb besonders wichtig. Die hohe Qualität die sie mir bieten, ist einfach unschlagbar. Auch der kurze Anfahrtsweg und der rechtliche Schutz der mir im Inland zusteht, sind grundlegende Kriterien für meine Wahl. Was mir natürlich auch gefällt ist, dass man mich hier versteht, wenn ich „schwätze“, was in Asien generell nicht der Fall war, vor allem wenn ich „gemotzt“ habe.

Face2Face: Soll die Produktion im Schwabenland auch die Marke Schwabenkind symbolisieren?
Nadine: Ich will Schwabenkind definitiv nur noch im Schwabenland produzieren.

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Traditionell und doch verrückt: Das Waldmädchen von Schwabenkind. (© www.lichtformstudios.de)

Face2Face: Wie sieht denn der typische Kunde/die typische Kundin aus, die Schwabenkind kauft?
Nadine: Typische Kunden gibt es bei mir gar nicht. Bei mir kauft wirklich von der kleinen Prinzessin, die von ihrer Mutti etwas bekommt, bis zur Oma mit lila gefärbten Haaren. Das beste Erlebnis war auf einer Messe, als ich von weitem zwei Personen gesehen habe, die komplett in Lack und Leder gekleidet waren. Ich wunderte mich schon wo diese hin möchten, als ich an ihrem Namen erkannte, dass sie Stammkunden von mir waren. Im Endeffekt richtig geile Leute. Ich habe noch nie einen meiner Kunden kennengelernt der mir unsympathisch war.

Face2Face: Was hast du, was andere nicht haben?
Nadine: Ich denke meine Stärke liegt darin, dass ich mich nicht darum schäre was gerade Mode ist. Ich höre auf mein Herz und mache nur die Dinge, die mir Spaß machen. Mein großes Geheimrezept liegt wohl darin, dass es mir nicht darum geht das große Geld zu machen, sondern mich selbst in meiner Arbeit widerzuspiegeln.

Danke Nadine Psotta für den Einblick, dass hinter der Mode nicht nur Trends und schöne Schnitte stecken, sondern auch viel tiefgründige Bedeutung und ganz viel Herz.

http://schwabenkind.com

Vorschau:

Wie findest du deinen eigenen Stil?

Stil

Stilgefühl: Der eigene Stil hat keine Regeln – erlaubt ist alles, was Spaß macht.
(Foto: Ilona Schneider)

Du läufst auf der Straße und siehst Menschen mit ganz unterschiedlichem Stil. Eine Dame, elegant und schick in einem Bleistiftrock mit luftiger Bluse. Ein Mädchen im sportlichen Look mit Denim-Jeans, Sneakers und weißem Tank Top. Oder einfach in einem romantischem Outfit mit Maxikleid und flachen Sandaletten. Doch ist der Stil dieser Menschen nun elegant schick, sportlich oder romantisch? NEIN!

Es ist wichtig, sich bei der Definition eines Looks, vor allem bei seinem eigenen, sich nicht selbst in eine Schublade zu stecken. Willst du denn nur in der Schublade glamourös und schick feststecken? Unsere Persönlichkeit hat so viele Facetten, die wir mittels unserer Kleidung ausleben können, dass diese unmöglich nur einem einzigen Stil zugeordnet werden können. Es macht also wenig Sinn, seinen persönlichen Stil lediglich in eine bestimmte Schublade zu stecken und strikt an diese zu halten. Stattdessen kann man seinen Stil mit einer großen Fotocollage vergleichen, in der man viele Dinge anbringen, kombinieren und so etwas Wunderschönes kreieren kann. Unser Stil ist also alles, was uns glücklich macht und die Person ausdrückt und verkörpert, die wir sind.

Wie kannst du deinen Stil also weiterentwickeln und ständig neu entdecken?

Lass dich inspirieren: Inspiration lässt sich überall finden. Ob Modezeitschriften, Fashion-Blogs oder auch Menschen, die du täglich auf der Straße triffst – wir werden permanent mit spannenden Looks konfrontiert. Dabei können Dinge die dir vor zwei Jahren noch nicht gefallen haben, dich heute inspirieren. Du musst lediglich die Augen offen halten.

Führe ein Fashion-Tagebuch: Du kannst einen Fashion-Blog eröffnen oder auch einfach nur deine Looks abfotografieren und in deiner Smartphone-Galerie sammeln, falls du nicht alles online stellen willst. Das Schöne an einem Fashion-Tagebuch ist nämlich, dass du deinen Stil dokumentieren und deine eigene Entwicklung beobachten kannst. Es macht wirklich Spaß jeden Tag ein Outfit festzuhalten und sich später davon inspirieren zu lassen, es mit anderen Teilen anzupassen und deinen Stil wieder neu zu kreieren.

Frage nach: Um deinen eigenen Stil zu erfinden und zu verhindern, dass du dich durch einen einzigen Stil definierst, kannst du dir immer einfache Fragen stellen, wie: Wenn ich ein Paar Schuhe wäre, welches wäre ich? Beispielsweise eine rote Sandale mit Absatz von ASOS. Dann ist die Frage nach dem Stil leicht beantwortet mit farbenfroh, elegant und feminin. Wenn du eine Halskette wärst, welche wärst du? Eine Statement Kette oder eher eine schmale Halskette mit Anhänger? Mit diesen simplen Fragen kann man immer schnell herausfinden wie der eigene Stil gerade aussieht.

Mit all diesen Tipps erreicht man also, dass der eigene Stil sich ständig weiterentwickelt und man sich selbst verwirklichen kann. Stil und Fashion sollte etwas sein, das einen nicht begrenzt oder Druck ausübt, sondern Spaß bringt und glücklich macht. Wenn du gut angezogen bist und dich wohl in deinen Klamotten fühlst, dann strahlst du vor allem Selbstbewusstsein aus. Also Ladies legt eure persönlichen Lieblingsklamotten an und lasst uns die Welt regieren, denn mit dem Selbstvertrauen und der Power von unserem eigenen Stil gibt es nichts was wir nicht tun können.

Vorschau: Nächste Woche zeigen wir euch die No-Gos des Sommers.