Müde vom Leben – Was sind Depressionen?

Depressionen: eine Person auf die Knie gestützt in Schwarz Weiß.

Schwarz-Weiß: Die Depression kann Gefühle der Hoffnungslosigkeit und Einsamkeit auslösen.
(Bild: M.E. / pixelio.de)

Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) leiden rund vier Millionen Menschen in Deutschland an ärztlich attestierten Depressionen. Solche können bei manchen Menschen bereits auftreten, wenn der Winter hereinbricht und das Sonnenlicht nur noch selten zu sehen ist. Diese Menschen leiden dann unter dem sogenannten Winterblues, der sie müde und antriebslos macht. Auch weltbekannte Persönlichkeiten wie die Sängerin Demi Lovato oder die Harry Potter-Autorin Joanne K. Rowling sind Leidtragende von Depressionen, welche sogar Suizidgedanken hervorrufen können. Durch beide Persönlichkeiten wird deutlich, dass unterschiedliche Auslöser der Grund für eine Depression sein können. Was genau eine Depression ist, wie sie entstehen und behandelt werden kann, das lest ihr hier.

Was sind Depressionen?
Laut einer Definition der Weltgesundheitsorganisation ist eine Depression „eine weit verbreitete psychische Störung, die durch Traurigkeit, Interesselosigkeit und Verlust an Genussfähigkeit, Schuldgefühle und geringes Selbstwertgefühl, Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, Müdigkeit und Konzentrationsschwächen gekennzeichnet sein kann.“ Es gibt also unzählige Anzeichen, die auf eine solche Erkrankung hinweisen können. An dieser Stelle möchte ich zwei prominente Beispiele nennen, die sich bereits in einer solchen Situation befunden haben.
Die Sängerin und Schauspielerin Demi Lovato litt unter einer bipolaren Störung. Hierbei wechseln sich Phasen des Hochgefühls mit Phasen einer Depression ab. So kommt es zuerst zu einem übersteigerten Glücksgefühl, welches gefolgt ist von einer Phase tiefer Traurigkeit und Antriebslosigkeit. Auch Mobbing-Attacken können Auslöser für eine Depression sein. So wurde der Disney-Star bereits in der Schulzeit von Klassenkameraden beleidigt und bloßgestellt. In solchen Situationen suchen Leidtragende oftmals den Fehler bei sich selbst und geraten dadurch in eine Dauerstress-Situation, von der sie sich in manchen Fällen nicht erholen können. Erste Anzeichen einer solchen Situation können körperliche Beschwerden wie Rückenschmerzen oder Schlafstörungen sein. Oftmals ziehen sich Betroffene in sich selbst und aus dem Leben zurück. Wenn diese Verhaltensweisen nicht behandelt werden, können daher Depressionen auftreten, die in schlimmen Fällen zum Suizid führen können.

„Die dunklen Gedanken kamen oft wieder und meine Mutter hatte morgens immer Angst, sie würde meine Zimmertüre aufmachen und mich nicht mehr lebend auffinden.“ – Demi Lovato

Leben an der Armutsgrenze
Dass auch andere Faktoren Auslöser einer Depression sein können, zeigt sich bei der Harry Potter-Autorin Joanne K. Rowling. Als im Jahr 1990 ihre Mutter starb und Rowling nach einer gescheiterten Ehe nach Großbritannien zog, lebte sie als alleinerziehende Mutter knapp über der Armutsgrenze. Mit ihren Büchern blieb sie zu diesem Zeitpunkt erfolglos und sah sich selbst aus diesem Grund als gescheitert an. Auch die Flucht aus dem Leben und den schlechten Lebensbedingungen hatte sie erwogen.
Aus diesem Tiefpunkt heraus nahm sie professionelle Hilfe an und kämpfte gegen ihre Depressionen. Heute werden ihre Harry Potter-Bücher millionenfach verkauft, was Rowling zu einer der bekanntesten Roman-Autorin weltweit gemacht hat. Ihre Tochter und das Schreiben waren die Lichtpunkte dieser dunklen Phase in ihrem Leben, die sie auch in ihren Büchern verarbeitet. Die Dementoren, die jegliches Glücksgefühl aus den Menschen saugen und die Welt in eine dunkle, kalte und triste Landschaft verwandeln, symbolisieren in einer unglaublich machtvollen Weise die Auswirkungen einer Depression auf den Menschen. Gefühle wie Einsamkeit und Hoffnungslosigkeit werden dargestellt als schwarze lumpige Kreaturen, deren unheilvolles Erscheinen dem Zuschauer einen Schauer über den Rücken laufen lässt.

Zwischen Selbstzweifeln und Angstzuständen

Depressionen: Eine Person schreit

Der Schrei: Angstzustände sind bei Depressionen nicht selten.
(Bild: günther gumhold / pixelio.de)

Demi Lovato und Joanne K. Rowling machen deutlich, dass sowohl Mobbing, als auch erschwerte Lebensumstände oder Verlustsituationen die Ursache für eine Depression sein können. In diesem Abschnitt möchte ich einige Situationen nennen, die im Kindesalter prägen und ebenfalls eine Depression hervorrufen können.
Die Ablehnung der Eltern oder nahestehender Personen kann für erhebliche Schäden sorgen. Traumatische Ereignisse wie eine Vergewaltigung oder Gewalt im Elternhaus stellen sensible Faktoren für die Entwicklung von Depressionen dar. Auch wenn die Wunden nach einer Weile verschwinden, leiden einige Betroffene an den mentalen Schäden noch ein Leben lang. Vor allem ohne eine richtige Behandlung bzw. insofern sie sich keine Hilfe gesucht haben. Diese Szenarien in der Kindheit können dafür sorgen, dass Betroffene negative Einstellungen gegenüber sich selbst entwickeln. Diese beschränken sich nicht nur auf die eigene Person, sondern auch auf das Umfeld und ihr Leben allgemein. Symptome wie ein geringes Selbstwertgefühl und Selbstzweifel, sowie Minderwertigkeitsgefühle und Angstzustände können daraus hervorgehen. Diese Einstellung gegenüber der eigenen Person kann daher rühren, dass die betroffenen Personen in ihrem elterlichen Umfeld den Umgang mit Problemen nicht gelernt haben oder Fürsorge und Liebe nie erfahren haben.
An dieser Stelle möchte ich jedoch erwähnen, dass in diesem Abschnitt lediglich ein Fall aus Vielen beschrieben wird. Jeder Betroffene erlebt individuelle Lebenssituationen, die wiederrum unterschiedliche Auswirkungen haben können. Aus diesem Grund ist es mir besonders wichtig zu verdeutlichen, dass die oben genannten Ereignisse und Auswirkungen in keiner Weise alleine für Depressionen verantwortlich sind.

Licht ins Dunkle bringen – Darüber reden hilft
Depressionen können das Leben erschweren. Doch sie müssen es nicht. Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, diese Form der Erkrankung zu behandeln. Reden hilft. Solltest du bemerken, dass du dich überfordert, müde oder antriebslos fühlst, sprich darüber. Auch wenn du an anderen Menschen zutreffende Symptome wahrnimmst, kannst du selbst ein offenes Ohr bieten oder aber eine Unterstützung bei der Suche nach geeigneter Hilfe sein. Therapeutische Beratungsstellen oder Selbsthilfegruppen bieten einen Austausch mit Gleichgesinnten und helfen, dem Gefühl der Einsamkeit entgegenzuwirken.
Auch Entspannungsverfahren werden als Mittel gegen leichte bis mittelschwere Depressionen angeboten. Dabei werden Muskelpartien durch gezielte Übungen entspannt. Allerdings ist diese Art der Behandlung weniger wirksam als die sogenannte kognitive Verhaltenstherapie.
Hierbei dreht sich alles darum, sich seinen Gedanken, Einstellungen und Erwartungen bewusst zu werden und belastende Haltungen zu ändern oder ganz abzulegen. Denn in vielen Fällen ist es die persönliche Sichtweise auf belastende Dinge im Leben, denen zu viel Bedeutung beigemessen wird. Basierend auf der Annahme, dass Verhaltensweisen erlernt und verlernt werden können, ist das Ziel dieser Therapie, negative Einstellungen zu ändern und somit auch Traumata aus der Kindheit hinter sich zu lassen.
Neben Licht- oder Elektrokrampftherapien ist auch die medikamentöse Behandlung von Depressionen möglich. Vor allem für schwere und wiederkehrende Depressionen kann die Einnahme von Medikamenten sinnvoll sein, besonders dann, wenn Gedanken an Selbstgefährdung aufkommen. In akuten Fällen werden zusätzlich zu einer Psychotherapie sogenannte Antidepressiva eingenommen.
Sängerin Demi Lovato setzt auf Sport als ein gutes Mittel um unnötige Stressfaktoren aus ihrem Leben zu verbannen. Allerdings ist noch nicht nachweislich bewiesen, dass Sport Depressionen nachhaltig lindern kann. Trotzdem bietet Bewegung eine sinnvolle Ergänzung zu anderen Behandlungen, um den eigenen Antrieb zu steigern und die Stimmung zu heben.
Wie man also sieht, gibt es nicht einen einzelnen Auslöser für Depressionen. Vielmehr spielen die individuelle Lebensweise und der Umgang mit Herausforderungen eine Rolle. Psychotherapeutische Betreuung ist in vielen Fällen ein gutes Mittel, um sich mit sich selbst auseinander zu setzen und das Leben wieder in vollen Zügen genießen zu können.

Solltest du selbst oder jemand aus deinem Bekanntenkreis mit Depressionen zu kämpfen haben, kannst du gebührenfrei die Seelsorge kontaktieren +49 (0)800 111 0 111 und Hilfe finden oder dich beraten lassen.

Lemminge- Selbstmörder der Natur?

Sie rennen in einer Reihe auf den Abgrund zu oder ertränken sich selbst im See. Selbst Comics von Nicht-Lustig illustrieren mit Freude die suizide Haltung der Lemminge. Schon in den Anfangsjahren der PCs konnte man das Spiel „Lemmings“ spielen, bei dem kleine grünhaarige humanoide Wesen ebenfalls stur gerade aus liefen, ob sie nun dabei starben oder nicht . Man selbst musste versuchen die meisten von ihnen vor dem sicheren Tod zu bewahren und sie ins Ziel zu navigieren. Doch bringen Lemminge im wahren leben sich wirklich selbst um? Sterben sie einfach nur gern? Oder sichern sie vielleicht so ihren Artbestand bei Überbevölkerung?

Natürlich nicht. Die Gattung der Lemminge sind Teil der Wühlmäuse und somit auch mit den Mäusen verwandt. Drei bis fünf Arten zählen zur Gattung der Echten Lemminge. Besonders bekannt ist hierbei der Berglemming, der in den arktischen und subarktischen Gebieten Skandinaviens lebt. Diese nur knapp über zehn Zentimeter großen 100 Gramm schweren Nager halten keinen Winterschlaf. Sie bleiben aktiv und suchen sich ihre Nahrung, wie Laub, Gras und Körner im Winter, indem sie sich durch den Schnee graben.

Im 16 Jahrhundert glaubte man, dass die Tiere einfach vom Himmel fielen. So wurde behauptet, dass sie durch Winde in die Höhe gerissen wurden und an ihrem jetzigen Standort wieder herunter fielen. Nur so konnte man sich erklären, dass diese Tiere nur selten anzutreffen waren und sie unüblicher Weise keinen Winterschlaf hielten.

Lemminge sind Einzelgänger und treffen sich nur zur Paarung. Jedoch haben sie, wie andere Nagetiere auch, eine hohe Reproduktionsrate und können sich schnell vermehren. Die Paarungszeit liegt im kurzen Sommer. Nach 20 Tagen wirft die Mutter drei bis sieben Junge, mehrmals im Jahr.

Die Lemminge haben eine der stärksten Populationsschwankungen im Tierreich, dessen Gründe bis heute nicht vollständig erklärt sind. Im Extremfall ist ihre Anzahl so gering, dass sie durch Raubtiere und Witterung am Rande des Aussterbens sind. Im besten Fall verzehnfacht sich ihre Population innerhalb eines Jahres. Alle drei bis fünf Jahre sind es so viele, dass zahlreiche Nager ihr Gebiet verlassen und sich einen neuen Lebensraum suchen. Diese Massenmigrationen, die alle dreißig Jahre ungefähr bis zu tausend Individuen auf einmal betreffen, führen auch durch Flüsse und über Strecken bis zu 100 Kilometer.

Da die Tiere sich nacheinander ins Wasser stürzen und auch einige den Kampf mit der Strömung verlieren und sterben, kam es zum Irrglauben Lemminge würden Massenselbstmord begehen. Begünstigt wurde dies durch die Dokumentation „Wild Wilderness“ von Disney im Jahre 1958, die Bilder von Lemmingen zeigte, die sich eine Klippe herunterstürzten. Der Film gewann sogar den Academy Award, jedoch stellte sich heraus, dass die Tiere von der Klippe geworfen wurden und die Szenen gefälscht waren.

 Vorschau: Nächste Woche geht es um Polo-Reiten