Von und Für Studierende: Ohne Stress durchs Studium

Prüfungsstress und Koffein

Prüfungsstress: wenn eine Deadline die Nächste jagt. (Foto: J. Feth)

Ich spreche aus eigener Erfahrung, wenn ich sage, dass ein Studium zu einer gewissen Zeit im Jahr mit sehr viel Stress verbunden ist. Meistens fällt dieser Zeitraum in die sogenannte Klausurenphase, in der eine Deadline die nächste jagt und Studierende sich vor Klausuren kaum retten können. Mit Tipps meiner Eltern wie „Fang doch einfach früher an zu lernen“, kann ich schon lange nichts mehr anfangen. Da wir uns nun langsam aber sicher dem neuen Jahr nähern, habe ich mich unter Studierenden mal umgehört und nachgefragt, welche Tipps sie haben, um stressfrei durchs Studium zu kommen. Ein neues Jahr bedeutet ja schließlich auch neue Vorsätze und wer freut sich nicht über ein bisschen weniger Stress während der Prüfungszeit?

Fünf Tipps für weniger Stress im Studium

Tipp Nummer 1: Genug Schlaf

Mit Schlaf während des Studiums, aber vor allem während der Klausurenphase ist das so eine Sache. Manche schaffen es tatsächlich, die von Experten empfohlenen acht Stunden einzuhalten, in denen der Körper Zeit hat seine Energiereserven wieder aufzufüllen. Andere hingegen schlagen sich mit fünf bis sechs Stunden Schlaf durch die Studienzeit. Allerdings ist genau das ein entscheidender Faktor, der in Stresssituationen beachtet werden sollte, um den Körper und auch das Gehirn nicht überzustrapazieren. Ausreichend Schlaf kann gut dabei helfen, das Stresslevel zu senken und für die nötigen Erholungsphasen zu sorgen, die der Mensch vor allem in Dauerstress-Situationen dringend braucht. Wer also von morgens bis abends am Schreibtisch verbringt und wieder einmal viel zu viel Lernstoff in viel zu kurzer Zeit in sein Hirn hämmern muss, sollte darauf achten, die Nacht mit mindestens acht Stunden Schlaf zu füllen.

Tipp Nummer 2: Organisation ist alles

Wenn die Klausur nun immer näher rückt und die Panik den Körper überfällt, ist Organisation der Schlüssel zur Stressreduzierung. Dabei helfen kann beispielsweise ein Arbeitsplan, in dem zu lernende Themen aufgelistet werden und eine Deadline bestimmt wird, bis wann die Themen gelernt sein sollen. Diese Methode unterstützt dabei, sich einen Überblick über die Lage zu verschaffen und die wirren Gedanken im Kopf zu ordnen. Auch Unterlagen sortieren oder To-Do-Listen schreiben kann hilfreich sein, um Struktur in den Lernprozess zu bringen.  Ist im Hirn erstmal Ordnung eingekehrt, ist es auch einfacher sich dem Lernstoff zu widmen und nach und nach die Themen abzuarbeiten. (Nur sollte das Aufräumen nicht zum Prokrastinieren genutzt werden!).
Auch ein ordentlicher Schreibtisch – befreit von jeglichen Störfaktoren wie Smartphones oder anderen elektronischen Geräten – ermöglicht eine stressfreie Lernatmosphäre.

Tipp Nummer 3: Anspannung und Entspannung

So wie ein erholsamer Schlaf in der Nacht dem Körper ermöglicht seine Energiereserven wieder aufzufüllen, ist es für den Körper während stressiger Phasen notwendig, auch einmal zu entspannen. Nach jeder Anspannungsphase sollte daher eine Entspannungsphase folgen. So ist es ratsam, nach ein bis zwei Stunden konzentrierten Lernens eine 20-minütige Pause einzulegen, in der man den Kopf auf andere Gedanken bringt und die Aufmerksamkeit auf etwas völlig anderes lenkt.

Sport, Menschen in Bewegung gegen Stress

In Bewegung: mit Sport gegen den Stress ankämpfen. (Foto: Klicker ( pixelio.de)

Da es unterschiedliche Arten von Menschen gibt, kann diese Entspannungsphase für jeden etwas anderes sein: Sport treiben, spazieren gehen, sich mit Freunden auf einen Kaffee treffen oder einfach nur etwas lesen. Das alles kann dem Körper helfen, sich einem Rhythmus anzupassen und dadurch das Stresslevel zu reduzieren. Wichtig dabei ist: Die Entspannungsphase sollte nicht zu lange dauern, da sonst der Einstieg in die Anspannungsphase erschwert wird.

Tipp Nummer 4: Einfach mal das Handy weg!

In Zeiten von sozialen Netzwerken und fortgeschrittenen Technologien kann auch das Smartphone einen der größten Stressfaktoren in unserem Leben darstellen. Das Gefühl, immer auf dem neusten Stand sein zu müssen oder einfach mal die Bilder durch zu schauen die auf Instagram gerade erscheinen kann in unserem Körper Stress auslösen, selbst wenn wir diese kurze „Auszeit“ nicht als Stress empfinden. Daher gilt: Während der Lernphase einfach mal das Smartphone auf lautlos stellen und außer Sichtweite platzieren. So wird man auch von einem aufleuchtenden Bildschirm nicht abgelenkt oder hat das Bedürfnis, schnell auf ankommende Nachrichten antworten zu müssen.

Ohne den Störfaktor Smartphone ist es besser möglich, sich auf den zu lernenden Stoff zu konzentrieren und ohne Abschweifungen bei einem Thema zu bleiben. Ganz anders sähe es aus, wenn das Smartphone durchgehend dafür sorgen würde, die Aufmerksamkeit auf alles andere zu lenken, nur nicht auf die Prüfungsvorbereitungen.
Dadurch können wir also unser Stresslevel deutlich reduzieren und uns auf eine Sache zu einem Zeitpunkt fokussieren. Pausen können dann dazu dienen, das Bedürfnis nach Neuigkeiten zu stillen oder den neuesten Trend auf Instagram, Twitter und Co. zu verfolgen.
Wer wissen will wie es sich eine Woche ohne Smartphone lebt und ob das unser Leben wirklich stressfreier macht, der kann hier mal vorbeischauen.

Tipp Nummer 5: Sport oder Meditation

Bereits zuvor wurde erwähnt, dass auf Anspannungsphasen auch Entspannungsphasen folgen sollten. Für viele Menschen ist daher Sport ein besonders guter Weg, den Kopf frei zu bekommen und für eine Weile abzuschalten. Des Weiteren wird durch Bewegung der Kreislauf angeregt und das Gehirn mit Sauerstoff versorgt. Dadurch lässt es sich nach einer kurzen Sporteinheit konzentrierter und fokussierter arbeiten, was auch den Stressfaktor lindert.

Auch das Meditieren kann eine stressreduzierende Wirkung auf den Körper haben. Durch Videos aus dem Internet ist es auf einfachstem Weg möglich zu lernen, wie man seine Atmung kontrollieren kann und sich seines Körpers bewusst wird. Besonders zwischen Lerneinheiten können ohne großen Aufwand Übungen eingelegt werden, die dem Körper auf eine spezielle Art und Weise helfen, sich zu entspannen. Mehr über das Thema Meditieren lest ihr hier.

Bloß keinen Stress!
Alles in allem kann Stress unterschiedlich bekämpft oder reduziert werden. Die hier aufgeführten Tipps stellen lediglich eine kleine Auswahl aus unzähligen Möglichkeiten dar, die anwendbar sind, aber nicht für jeden Typ geeignet sein müssen. Letztendlich ist es wohl doch besser den altbekannten Rat anzunehmen und rechtzeitig und früh genug anzufangen, für die Prüfungen zu lernen. Und wer diese Weisheit vor der nächsten Prüfungsphase wieder einmal nicht beherzigt hat, der sei beruhigt: An den meisten Universitäten gibt es einen Zweit- oder Drittversuch für Prüfungen, in denen man im ersten Durchgang durchgefallen ist. Also bloß keinen Stress, der nächste Versuch wird hoffentlich besser!

Als Straßenmusiker kann ich doch spielen, wo ich will – oder nicht?

„Bei schönem Wetter schnappe ich mir einfach meine Gitarre und stelle mich ein paar Stunden in die Stadt, um Straßenmusik zu machen und mein Gehalt ein bisschen aufzubessern.“ – Was so einfach klingt, ist nicht in jeder deutschen Stadt möglich und ist oft mit bestimmten Regelungen verbunden, die es Straßenmusikern teilweise erheblich erschweren, ihre Musik öffentlich an den Mann beziehungsweise die Frau zu bringen. Wir haben uns für euch schlau gemacht, welche Auflagen es unter anderem in der Rhein-Main-Region gibt und außerdem einen jungen Straßenmusiker nach seinen Erfahrungen und Tipps gefragt.

Sondernutzungserlaubnis nötig

Jede Stadt in Deutschland hat ihre eigenen Bestimmungen im Hinblick auf musikalische Darbietungen auf der Straße. Wer zum Beispiel in Darmstadt an einem öffentlichen Platz musizieren will, darf das generell nur in der Fußgängerzone zwischen 10 und 20 Uhr. Dazu kommt, dass man vorher beim Bürger- und Ordnungsamt einen sogenannten „Antrag auf eine Sondernutzungserlaubnis für Straßenmusik und Straßenkunst in der Fußgängerzone“ stellen und eine Verwaltungsgebühr von fünf Euro pro Tag zahlen muss. Außerdem vergibt die Stadt täglich überhaupt nur fünf Genehmigungen.

Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht?

Als Straßenmusiker kann ich doch spielen, wo ich will – oder nicht?

Auf dem Weg zum nächsten Straßengig: Musiker Johannes Marschall (Foto: S. Holitzner)

Noch komplizierter ist es beispielsweise in München. Bevor man dort Straßenmusik machen kann, muss man sich eine Erlaubnis in der Stadtinformation im Rathaus holen. Und wer so eine bekommen möchte, muss früh aufstehen: Die Stadtinformation erteilt gegen eine Verwaltungsgebühr von zehn Euro nur zehn Lizenzen pro Werktag und die gehen an diejenigen, die zuerst und das heißt ab 8 Uhr vor Ort sind. Ein Straßenmusiker, der zum ersten Mal in München spielen will, muss darüber hinaus zunächst sein Können im Rathaus präsentieren, bevor entschieden wird, ob er auf der Straße zugelassen wird. Weitere kleinteilige Regelungen, wie ein Spielverbot während des Glockenspiels am Marienplatz oder ein Ausschluss bestimmter Instrumente, kommen hinzu. Dieses strenge Reglement hängt damit zusammen, dass viele Geschäftsbetreiber und Anwohner sich von zu viel Straßenmusik gestört fühlen. Da kann es schon einmal vorkommen, dass sich die Musizierenden den einen oder anderen dummen Spruch anhören müssen. Johannes Marschall, der als Nebenerwerb zum Studium seit 2013 häufig mit einem oder zwei Freunden Rock’n’Roll- und Rockabilly-Klassiker aus den 50er Jahren mit Gesang und Gitarren auf der Straße performt, wurde schon öfter mit Sätzen wie „Hey guck mal, da ist Elvis“ konfrontiert. So etwas nimmt er sich allerdings nicht zu Herzen. Er ist der Meinung, dass sich diejenigen, die sich beschweren, erst einmal selbst trauen sollten, vor fremden Leuten auf der Straße zu spielen. Auf Anfeindungen von Anwohnern reagiert er mit dem Hinweis auf die Regelungen der Stadt für Straßenmusiker.

Es geht auch ohne Genehmigung

Solche Beschwerden waren in Wiesbaden der Grund für eine Verschärfung der Vorschriften im Dezember 2017. Dort darf ein Künstler seitdem einen Standort am gleichen Tag kein zweites Mal nutzen und nur noch zwischen 11 und 18 Uhr statt wie bisher zwischen 8 und 20 Uhr musizieren. Im Vergleich zu München ist Wiesbaden aber dennoch bei Straßenmusikern beliebt, weil keine Genehmigungen notwendig sind. Insbesondere Frankfurt schätzt Straßenmusik als kulturelle Bereicherung und belebendes Element, weshalb die Mainmetropole die kreativen Talente eher fördert als ihnen durch viele verwirrende Regelungen Steine in den Weg zu legen. Von Montag bis Samstag dürfen dort die Straßen zwischen 7 und 20 Uhr (von 1. Mai bis 31. August sogar bis 21 Uhr) bespielt werden, wenn nach maximal einer Stunde ein Standortwechsel erfolgt. Zwischen zwei Straßenkonzerten an der gleichen Stelle muss zudem knapp eine Stunde Pause liegen.

Nicht alles ist schlecht an einer Straßenmusikordnung

Als Straßenmusiker kann ich doch spielen, wo ich will – oder nicht?

Voll im Element: Johannes Marschall beim Konzert auf der Straße in Mainz (Foto: J. Marschall)

In Mainz brauchen Straßenmusiker ebenfalls keine Genehmigung, um auf der Straße aufzutreten. Trotzdem gibt es eine Straßenmusikordnung mit verbindlichen Regeln. Diese besagt, dass man genügend Abstand zu öffentlichen Veranstaltungen halten sollte. Des Weiteren ist die Stadt in verschiedene Spielzonen aufgeteilt, die nur an Werktagen zu festgelegten Zeiten für maximal 30 Minuten zum Musizieren genutzt werden dürfen. Johannes, der primär in Mainz Straßenmusik macht, kritisiert, dass sich nicht immer alle Künstler an diese Vorschriften halten. Viele wissen aber auch gar nicht, dass es einen solchen Regelkatalog für Straßenmusiker gibt. Positiv daran findet der 27-Jährige, dass man sich unter den Straßenmusikern nicht direkt in die Quere kommt oder sich sogar gegenseitig die Zuschauer abjagt. Insgesamt sorgt die Verordnung in Mainz für einen fairen Umgang miteinander und damit für einen fairen Wettbewerb.“ Aber solche Regelungen haben auch ihre Schattenseiten: „Wenn man gerade so richtig schön in Fahrt gekommen ist, muss man schon wieder umziehen. Wenn außerdem an bestimmten Tagen viele Straßenmusiker unterwegs sind, kann es schwer werden, den Ort immer gleich im Halbstundentakt zu wechseln, da viele Plätze belegt sind.

Haltet den Dieb!

Unabhängig von den Vorschriften sollte man als Straßenmusiker allgemein aufpassen, dass man nicht Opfer eines Diebstahls wird. Vielfach legen die Künstler einen Gitarrenkoffer oder einen Hut auf die Straße, in den Fußgänger bei Gefallen einen kleinen Obolus werfen können. Johannes hat in Mainz die Erfahrung gemacht, dass ein Mann, der rein äußerlich den Anschein eines Obdachlosen erweckte, mehrmals im Vorrrübergehen versucht hat, Geld aus dem Gitarrenkoffer zu nehmen. Da sie zu dritt musizierten, konnten zwei weiterspielen, während der Dritte den Diebstahl vereitelte, indem er den Mann anschrie und somit verscheuchte.

Wie werde ich ein erfolgreicher Straßenmusiker?

Abgesehen von den Regelungen, welche die Städte Straßenmusikern vorschreiben, gibt es verschiedene Dinge, die laut Johannes alle, die ihre Musik an öffentlichen Plätzen präsentieren wollen, beachten sollten: „Man sollte sein musikalisches Handwerk verstehen. Außerdem sollte man denselben Song nicht zu oft hintereinander spielen. Ich betrachte Straßenmusik auch immer als ein Konzert mit einem gewissen Grad an künstlerischem Anspruch. Außerdem spielt der Ort, an dem man sich auf der Straße aufstellt, eine große Rolle. Wenn man sich eher in die Mitte der Straße als an die Straße stellt, hat man größere Chancen wahrgenommen zu werden – und darum geht es ja auch: präsent sein, die Leute mit seiner Ausstrahlung und Musik fesseln und sich nicht in Seitengassen verstecken.

Straßenmusik = eine Bereicherung?

Neben denjenigen Passanten, denen die Johnny Cash-Coversongs von Johannes ein Lächeln ins Gesicht zaubern, gibt es aber immer noch viele, die Straßenmusik skeptisch beäugen. Der junge Musiker würde sich deshalb wünschen, dass sich Städte und vor allem die Anwohner und Menschen auf der Straße mehr der Straßenmusik öffnen. Er sieht eine lebendige Straßenmusikkultur als große Bereicherung für eine Stadt, denn „was gibt es Schöneres als an einem sonnigen Tag durch die Straßen zu flanieren und dabei gute Straßenmusik zu genießen.“ Andere Länder, wie zum Beispiel Italien, scheinen Straßenmusik offener gegenüberzustehen. So hat es zumindest Johannes erlebt: „Als ich vor zwei Jahren auf Studienfahrt in Neapel war, begannen auf einmal mehrere Straßenmusiker ein Konzert mitten unter den Restaurantgästen auf der Straße. Die haben fast eine Stunde eine Canzone Napoletana nach der anderen geschmettert und alle haben mitgemacht. Ich glaube, so etwas würde in Deutschland nicht so schnell passieren.

Deutschlandkarte für Straßenmusiker

Damit Straßenmusiker auf einen Blick sehen können, ob sie beim öffentlichen Musizieren in den einzelnen Städten Deutschlands mit Einschränkungen rechnen müssen oder erwünscht sind, hat DIE ZEIT im August 2017 eine hilfreiche Karte erstellt. Darin sind zum Beispiel auch Mannheim und Heidelberg zu finden. Etwas kleinere Städte, wie beispielsweise Speyer, sind dort jedoch nicht verzeichnet.

Wenn die Zeit nicht richtig tickt

Sommerzeit - und die Zeit läuft langsamer (Foto: www.helenesouza.com  / pixelio.de )

Sommer – an den See fahren, Eis essen und die Seele baumeln lassen (Foto: www.helenesouza.com / pixelio.de )

Unendlich kommen mir diese hitzigen, schwülen Sommertage, die die Zeit wie zähen Kaugummi in die Länge dehnen, vor.

Unzählige Eisportionen habe ich verputzt, im See geplanscht, Wolken beim Vorüberziehen betrachtet, mindestens 1000 Liter Sonnenstrahlen getankt und genauso viel Schweiß ist vermutlich aus meinen Poren geschossen. Ich habe ebenfalls Stunden im Büro zugebracht, der Sonne aus dem Bürofenster sehnsüchtig zugewinkt, mit trockener Kehle und schwitzigen Händen in die Tasten gehauen, was das Zeug hält. Es war ein Sommer der Extreme – der zwischen Faulenzerei und übertriebener Produktivität pendelte. Die Zeit läuft diesen Sommer langsamer als gewöhnlich. Irgendwie existiert da aber noch diese andere Zeit – eine imaginäre Uhr, die mich mit ihrem unruhigen Ticken in den Wahnsinn treiben will. Rasend schnell bewegen sich ihre Zeiger im Kreis und das Echo des Tickens lässt mein Herz bis zum Anschlag klopfen.

Wenn die Zeit mal wieder rast (Foto: Rudolpho Duba  / pixelio.de )

Wenn das Leben nur so an einem vorbeirast – kurz Mal den Stop Button betätigen (Foto: Rudolpho Duba / pixelio.de )

Ich habe das Gefühl, dass mir die Zeit entgleitet, wie heißer Sand, der mir durch die Hände rinnt. Endlich den Bachelor in der Tasche, ein Praktikum in Bonn, neue Freundschaften, ja ein neuer Lebensabschnitt sogar, der direkt vor der Haustür irgendwo auf mich wartet – es gibt wenig Grund, sich zu beschweren. Und trotzdem habe ich als frischgebackene Bachelorette erst Mal Trübsal geblasen. Schuld ist die Zeit, die mir große Angst einjagt. Statt Freudentänze zu vollführen, verkroch ich mich unter der Bettdecke und prophezeite mir selbst eine düstere Zukunft. „Ich will noch so viel machen und erreichen, wie soll ich das bloß alles schaffen“, schoss es mir durch den Kopf. Der Teenager in mir wurde wieder zum Leben erweckt. Andererseits tat ich gerade so als wäre ich mit meinen 26 Jahren auf einmal unsagbar alt. Für den Arbeitsmarkt schon gar nicht mehr zu gebrauchen. Insgeheim rechne ich mir aus, was ich bis 36 geschafft haben will – und wenn meine Pläne nicht aufgehen? Das will ich mir gar nicht ausmalen.

Die Zeit beherrscht unseren Alltag (Foto: Marvin Siefke  / pixelio.de )

Die Zeit bestimmt unseren Alltag – Wir richten uns nach ihr, Tag und Nacht (Foto: Marvin Siefke / pixelio.de )

Mal bin ich die Gelassenheit in Person und in der nächsten Sekunde verwandle ich mich in ein zuckendes Nervenbündel. Nachts bekomme ich kein Auge zu, sehe Bewerbungsfristen und To Do’s vor meinen Augen flimmern –  vielleicht nur eine  Fata Morgana? Mir ist jeden Falls schon ganz schwindelig. Neben mir vernehme ich das unveränderte Schnarchen meines Mannes, das mich ausnahmsweise nicht um den Schlaf bringt. Nein, schuld sind meine Gedanken, die sich im Kreise drehen. Das Schnarchen hat auf mich sogar eine beruhigende Wirkung. Etwas Konstantes, Bekanntes, an das ich mich sofort schmiegen will.

Wieso bloß setzt mich die Zeit so unter Druck? Wie war das eigentlich mit Momo von Michael Ende? Die hat doch durchschaut was die Männern in den grauen Anzügen im Schilde führen. Dass sie uns die Zeit klauen.

Tick Tack Tick Tack - wenn einen die Zeit in den Wahnsinn treibt (Foto: Wolfgang Dirscherl  / pixelio.de)

Tick Tack Tick Tack – wenn einen das Ticken der Uhren in den Wahnsinn treibt (Foto: Wolfgang Dirscherl / pixelio.de)

Alles soll immer schneller erledigt werden: Studium in Regelzeit, Auslandsaufenthalte, nicht ein sondern gleich mehrere Praktika – hopp, hopp! Bloß keine Zeit verlieren. Und was ist mit denen, die nicht mit Karacho auf der Überholspur zum Erfolg rasen wollen – denen dieser rasante Lebensstill gegen den Strich geht? Die auch mal am Straßenrand verschnaufen wollen, ein paar Blumen, ja ganz Hippie-Like, von dem Feld pflücken, das bei steigendem Tacho, sowieso nur noch als bunter Farbklecks zu erkennen ist.

Beppo der Straßenfeger, der die kleine Momo bei sich zu Hause aufnimmt, erzählt ihr in einer bekannten Szene, wie unendlich lang ihm die Straße oftmals vorkommt. Dann hetzt er sich, will seine Arbeit immer schneller erledigen und kommt gar nicht mehr zum Verschnaufen. Beppo gibt Momo den Rat einen „Besenstrich“ nach dem anderen zu  machen: „Atemzug und Schritt und Besenstrich, dann macht es Freude, dann machst du deine Arbeit gut.“ „Man soll nie die ganze Straße denken“, konstatiert der weise Straßenfeger Beppo.

Man, denke ich. Beppo hat verstanden worum es geht. Jetzt muss ich das nur selbst noch umsetzen. Kein Wunder das Momo eine meiner Lieblingsgeschichten ist, die ich erst mit dem Erwachsen werden entdeckte und jedem nur wärmstens ans Herz legen kann. Bevor es zu spät ist!

Der prüfende Blick auf die Uhr: Ich muss noch Einkaufen gehen, eine Bewerbung schreiben und zur Bibliothek. Das Ticken spielt sich schon wieder mächtig auf. Da packe ich die Zeit an der Gurgel und sage (ich werde sonst nie handgreiflich): „Ey, halt mal die Luft an! Du gehst mir mit deinem lauten Ticken und ständigem in den Mittelpunktstellen gehörig auf die Nerven!“

Manchmal hat die Zeit uns einfach zu sehr im Griff – höchste Zeit, dass wir den Spieß umdrehen!

Vorschau: Nächste Woche berichtet Anne hier von ihren Beobachtungen bei einer Kreuzfahrt.

Schule aus?!

Nie wieder Schule? Eine der größten Lebenslügen (©Dieter Schütz / pixelio.de)

Nie wieder Schule? Eine der größten Lebenslügen (©Dieter Schütz / pixelio.de)

Ich weiß noch, es gab diese Zeit, da jubelten wir „nie wieder Schule“ und ließen die Tore der Bildungsstätte, an der wir unseren Abschluss gemacht hatten, hinter uns. „Nie wieder Schule“ – ein Satz, den jeder mal sagt, eine der größten Lebenslügen schlechthin. Denn nicht nur diejenigen, die eine Lehre beginnen und zur Berufsschule (aha) gehen, sind das Bildungswesen noch lange nicht los. Studenten können ihre Schule gerne Universität nennen, in Zeiten von Bachelor und Master ist das Studium dermaßen verschult, dass kaum eine Wimper mehr zucken wird, wenn die Uni „Schule“ genannt wird. Immerhin passiert es mir oft genug, dass mir von älteren Mitbürgern gesagt wird „Ah, sie gehen noch auf die Schul?!“, wenn ich von meinem Studium erzähle.

Der Beruf des Lehrers: Eine Schulzeit, die kein Ende kennt (©knipseline / pixelio.de)

Der Beruf des Lehrers: Eine Schulzeit, die kein Ende kennt (©knipseline / pixelio.de)

Ganz böse hat es aber die getroffen, die aus unerfindlichen Gründen beschlossen haben, Lehrer zu werden. Lehrer? Also ehrlich. In einer Gesellschaft, in der ein Bundeskanzler Lehrer einst mit faulen Säcken verglich und die Gemeinschaft glaubt, ein Lehrer hätte ja schön viel Freizeit und würde Noten würfeln. Noch dazu mit einer Bezahlung, die immer weniger gesichert ist, denn Verbeamtungen werden in nahezu allen Bundesländern zurückgefahren. Lehrer werden angestellt, zu den Sommerferien entlassen und mit etwas Glück danach wieder an der gleichen Schule eingestellt. Vielleicht aber auch nicht.

Mein Mann ist Lehrer. Mehr kann ich eigentlich schon gar nicht sagen, denn viel mehr darf ich nicht wissen, um Schule und Staat zu schützen. Tut mir Leid, hier gibt es keine witzigen Geschichten über Schüler zu lesen, die ihren Namen nicht richtig schreiben können oder Kollegen, die Angst haben, ihre Klassen zu betreten. Aber darum soll es hier auch nicht gehen. Stilblüten kann jeder überall sammeln. Aber einen Lehrer zum Ehemann zu haben ist mitunter keine leichte Aufgabe, vom Lehrersein ganz zu schweigen. Um mal die gängigsten Klischees abzuarbeiten:

Lehrer und Klischees: Nicht nur in der Schule ein Thema (©Stefan Bayer / pixelio.de)

Lehrer und Klischees: Nicht nur in der Schule ein Thema (©Stefan Bayer / pixelio.de)

Um einst ist Feierabend? Pustekuchen. Dann folgen Besprechungen, Konferenzen, Vorbereitungen, Korrekturen, Elterngespräche, Elternemails (am liebsten so gegen 20:00). Ein Lehrer hat nie Feierabend. Er fängt übrigens auch oft vor der eigentlichen Arbeitszeit an. Vertretungsplan erstellen, Material besorgen, Kopien machen und dann noch vor der nervigen Kollegin, die jede Sekunde Zuspätkommen gleich im Direktorat vorträgt, im Klassenzimmer sein.

Mindestens sechs Wochen Ferien? Pustekuchen. Nachbereitungen, Vorbereitungen, neues Material sichten, Stundenplan erstellen, allzeit abrufbereit sein, gegebenenfalls Ferienprüfungen. Was unter der Woche gilt, gilt auch an Wochenenden und zu Ferienzeiten, Feierabend ist ein Gerücht. Da wird manch Lehrer auch schon mal für die Ferienwoche gesperrt, sprich, hat eben keine Freizeit, sondern Anwesenheit an der Schule.

Dass Lehrer bei diesem Aufwand nicht faul sein können, sollte klar sein. Dass ein Normalsterblicher bei diesem Druck und Arbeitsaufwand schnell die Grenzen des Möglichen erreicht, auch. Wie mein Mann es da schafft, noch mit etwas Elan und Engagement jeden Morgen zur Schule zu fahren, ist mir ein Rätsel. Und ehrlich: Als Schüler hat er mit Sicherheit nicht so viel für die Schule getan.

Erster Schultag: Davon erleben viele mehrere (©Tim Reckmann / pixelio.de)

Erster Schultag: Davon erleben viele mehrere (©Tim Reckmann / pixelio.de)

Schüler, das ist seit einer Woche auch unser Ältester, was unsere zukünftige Ferienplanung so ziemlich in die Schranken weist. Denn jetzt müssen wir uns nicht nur an die Ferienzeiten eines Bundeslandes halten, sondern haben gleich zwei Jahrespläne, aus denen wir so schnell nicht mehr herauskommen. Und wo mein Mann erschöpft um vier nah Hause kommt und mit einem müden Lächeln nach einer Kaffeepause im Arbeitszimmer verschwindet, hole ich das Schulkind um 12 von der Schule oder um 14 Uhr von der Betreuung ab, er strahlt, macht mit Begeisterung seine Hausaufgaben (dauern momentan noch keine 10 Minuten) und erzählt immer wieder, wie schön die Schule ist. Nie wieder Schule? Pustekuchen! Wer Kinder hat wird früher oder später wieder Fuß in diese Einrichtung setzten müssen, der er abgeschworen hat, wird sich mit Lehrern und anderen Eltern rumärgern. Und bei all dem bin ich vor allem eines: neidisch. So als Erstklässler war der Ernst des Lebens doch wirklich gemütlich.

Vorschau: Nächste Woche erzählt euch Sascha hier, wie es so ist, ohne Taktgefühl durchs Leben zu tänzeln.

Geplant – Verplant

Alles geplant? Wer seine Zeit einteilt, hat oft mehr davon (©Maurits Malgo / pixelio.de)

Alles geplant? Wer seine Zeit einteilt, hat oft mehr davon (©Maurits Malgo / pixelio.de)

Mein Alltag ist hektisch. Dafür sorgen, dass die Kinder gegessen haben, Kindergartentaschen richten, Spülmaschine ausräumen, Spülmaschine einräumen, Kinder in den Kindergarten bringen, Arbeiten gehen, Recherchieren, Artikel schreiben, Masterarbeit schreiben, Katze füttern, Schwangerschaftsvorsorge, Kinder aus dem Kindergarten abholen, Einkaufen, Aufräumen, Kochen, Kinder ins Bett bringen. Und dann habe ich eventuell noch ein paar Minuten, um ein Buch zu lesen, noch ein paar Zitate zu überprüfen und mich zu duschen, ehe ich scheintot ins Bett falle.

Hektisch, ja. Stressig, ja. Schlimm? Überhaupt nicht! Not macht erfinderisch, und meine Not kann nicht als solche bezeichnet werden. Ich habe mir ja die Eckpfeiler meines Lebens ausgesucht. Studium, Kinder, Ehe, Arbeit, das alles wollte ich und ich wollte nicht warten, bis ich eines abhaken konnte, um zum nächsten zu gelangen. Getreu dem Motto „I want it all and I want it now“ sammle ich stattdessen immer mehr Elemente, die mein Leben aus meiner Sicht vervollständigen. Marmelade kochen, Gurken einmachen, Vereinsarbeit. Alles geplant also. Wer hat gesagt, eine arbeitende Frau könne nichts mehr neben dem Beruf haben, oder eine Mutter nichts mehr neben ihren Kindern? Humbug! Geht alles.

Alle Termine im Blick: wer viel geplant hat, muss auch vieles beachten (©GG Berlin / pixelio.de)

Alle Termine im Blick: wer viel geplant hat, muss auch vieles beachten (©GG Berlin / pixelio.de)

Eines aber macht mein Leben nötig, so wie viele andere auch: Selbstorganisation. Das heißt nicht nur, dass ich wissen muss, wann die Spülmaschine ein oder auszuräumen ist, die Wäsche aufzuhängen oder zu waschen. Das heißt nicht nur, dass ich meine Termine und die meiner Familie immer im Blick haben muss. Ich muss koordinieren, wann ich was erledige, so dass ich weder in Verzug gerate, noch ein anderer Teil meines Alltags darunter leidet. Beispiel? Momentan schreibe ich täglich etwa fünf Seiten für meine Masterarbeit. Das versuche ich stets zu erledigen, ehe mein Mann heim kommt oder die Kinder abgeholt werden müssen. Meinem Mann bleiben für solche Aufgaben wegen der längeren Arbeitszeit nur die Stunden, wenn die Kinder im Bett sind. Geht auch.

Die Wahrheit ist doch, jeder von uns muss irgendwann anfangen sich selbst zu organisieren. Manche lernen schon zu Schulzeiten, für ihre Hausaufgaben und Hausarbeiten selbst verantwortlich zu sein, ohne dass Mama immer dahinter steht und den Zeigefinger schwingt. Andere werden auch im Studium noch so verhätschelt, dass sie keine Zugfahrt überstehen, ohne dass ihnen ein Elternteil übers Telefon Anweisungen gibt, wo sie aussteigen müssen oder wann der nächste Zug fährt. Viele schaffen es auch, sich vom Elternhaus gleich in eine Beziehung zu stürzen, in der der andere die Mehrheit der Entscheidungen trifft und damit auch die Verantwortung trägt. Es gibt sie also, die Menschen, die mit 30 noch nicht begriffen haben, wie sie ihren Alltag organisieren können. Die bis Nachmittags im Bett liegen und sich dann wundern, wenn die Geschäfte schon zu haben, weil Mittwoch ist. Die sich sorglos frei nehmen und nicht verstehen, dass andere auf Ferienzeiten oder Urlaubstage angewiesen sind.

Feierabend? Auch Erholung wird geplant (©Günther Gumhold / pixelio.de)

Feierabend? Auch Erholung wird geplant (©Günther Gumhold / pixelio.de)

Selbstorganisation ist wichtig. Durch sie wird mein Alltag zwar hektisch aber auch schön. Ich kann das Kuscheln mit meiner Tochter genießen, ohne an unkorrigierte Arbeiten denken zu müssen, die auf mich warten. Ich kann die Füße hochlegen, verschnaufen, lesen, fernsehen oder einfach nur nichts tun, weil ich weiß, dass ich meine Arbeit erledigt bekomme. Alles geplant. Und die Tage, an denen es nicht so gut funktioniert, wenn ein Kind krank wird, oder ich selbst einen Presslufthammer im Kopf habe, wenn jeder Zug Verspätung hat und mein Mann im Stau steht, diese Tage fallen nicht so schwer ins Gewicht. Sie gehen vorbei, denn schon meine Mutter wusste: Morgen sieht alles ganz anders aus.

Für viele von uns ist Selbstorganisation selbstverständlich. Doch sich in Erinnerung zu rufen, dass wir sie erst lernen musste und dass andere sie vielleicht noch lernen müssen, hilft uns nicht nur zu erkennen, wie wichtig sie ist. Wir erkennen auch, wo unsere Planung  vielleicht nicht so rund läuft, und bei wem wir gar keine entdecken können. Organisation ist die Ordnung unseres Alltags, aber sie muss nicht perfekt sein. Denn nur, wo es Chaos gibt, kann es auch Ordnung geben. Nur, wenn wir wissen, wie es ist, wenn nichts mehr klappt, können wir uns freuen, wenn einfach mal alles aufgeht. Denn mal ehrlich: wir lieben es, wenn ein Plan funktioniert.

Vorschau: Nächste Woche gibt es von Sascha einen Perspektivenwechsel, wenn er über eine Stadtführung in einer Fremdsprache berichtet.

Reise in die Modebranche: Fashion Stylistin Sabrina Heim im Interview

Sabrina Heim hat den Traum vieler junger Frauen verwirklicht und sich für eine Karriere in der Modeindustrie entschieden.  Face2Face hatte die Gelegenheit, mit ihr über das Studium in Italien und ihre beruflichen Anfänge zu sprechen. Heim gewährte uns dabei spannende Einblicke hinter die Kulissen der Modeindustrie.

Fashion Stylistin Sabrina Heim (Foto: Heim)

Fashion Stylistin Sabrina Heim (Foto: Heim)

Face2Face: Sabrina, du hast am Istituto Europeo di Design in Mailand „Fashion Stylist“ studiert. Was genau kann man sich unter diesem Studiengang vorstellen?

Heim: Das Studium ist eigentlich ein Gesamtwerk aus vielen einzelnen Puzzleteilen. Wir haben beispielsweise Kurse in Filmtechnik, Bildbearbeitung und der Erstellung von Internetseiten besucht. Darüber hinaus haben wir aber natürlich auch Styling- und Fotounterricht erhalten und selbst Shootingprojekte entwickelt und bearbeitet. Zu Anfang des Studiums stand allerdings der Theorieunterricht im Mittelpunkt, wie zum Beispiel Mode- und Kunstgeschichte.

Face2Face: Modegeschichte – das hört sich recht theoretisch an…

Heim: Das war es auch tatsächlich! Anfangs fand ich es wirklich trocken und langweilig. Aber wie ich schon gesagt habe, ist das Studium die Summe vieler verschiedener Einzelteile und im Nachhinein stellte sich gerade diese theoretische Grundlage als ungemein hilfreich heraus. Davon profitiere ich noch heute! Wenn es zum Beispiel darum geht, Trends zu analysieren, kann ich durch den theoretischen Hintergrund erkennen, auf welche Epoche ein Designer zurückgreift.

Face2Face: Du hast vor deinem Studium keine Schneiderlehre oder Ähnliches gemacht, wie es bei Designstudenten häufiger vorkommt. War das unter deinen Kommilitonen auch üblich und hat dich das anfangs eingeschüchtert?

Heim: Eine Voraussetzung war das an unserem Institut nicht, dennoch gab es schon einige Kommilitonen, die ausgeprägte Vorkenntnisse hatten. Ich hatte bis dato aber auch schon ein Praktikum absolviert und in Miami ein Praktikum in einer Modelagentur abgeschlossen. Natürlich ist man anfangs manchmal überfragt, weil man nicht jeden Designer kennt, der im Unterricht zur Sprache kommt.

Face2Face: Unter denen, die in der Modeindustrie arbeiten wollen, ist doch bestimmt auch die Markenverrücktheit ein Thema. Wie stehst du dazu?

Heim: Das kommt tatsächlich vor! Es gibt Leute, die nur in der Mode arbeiten wollen, um Markenkleidung zu tragen und sich zu profilieren. Ich kann dazu nur sagen, dass das für den Erfolg in der Branche nicht ausreicht und auch schnell durchschaut wird. Für mich geht es bei Mode vielmehr um Kunst und um den Ausdruck der eigenen Persönlichkeit.

Face2Face: Inwiefern würdest du sagen, dass der Standort Mailand die Qualität der Lehre beeinflusst hat?

Heim: Mailand ist natürlich eine der großen Modemetropolen der Welt. Allein schon durch die räumliche Nähe entsteht ein großer Bezug zu den großen Modehäusern wie Prada, Armani und Co. Dies hatte zur Folge, dass viele unserer Dozenten aus der Praxis kamen und wir natürlich auch Vorteile bei der Praktika- oder Jobsuche hatten.

Face2Face: Du hast ja direkt nach dem Studium zu den Glücklichen gehört, die sofort eine Arbeitsstelle gefunden haben. Wie glamourös darf man sich den Job denn vorstellen?

Heim: Ich habe in einem Korrespondenzbüro für die deutschen Zeitschriften in Mailand gearbeitet. Ein solches Korrespondenzbüro ist der Mittelsmann zwischen den Zeitschriften und den Designern. Falls also eine deutsche Modezeitschrift ein Shooting plant, werden wir kontaktiert, um die Kleider bei den italienischen Designern zu organisieren und an die Zeitschrift zu versenden. Zum Thema Glamour kann ich hier nur sagen, dass ich anfangs viele, viele Stunden auf meinen Knien verbracht und schwere Boxen aus-, um- und wieder verpackt habe. Das war ein echter Knochenjob! Als ich dann Modeassistentin wurde, bekam ich einen eigenen Schreibtisch und auch die Verantwortung für drei Zeitschriften: die deutsche Madame, Grazia und Gala.

Face2Face: Und wie sieht es mit der “Arbeitskleidung” aus? Waren im Büro alle top modisch und ausgefallen gekleidet?

Heim: Genau so habe ich mir das vor meinem ersten Tag im Büro auch vorgestellt und habe mich dementsprechend aufgebrezelt. Allerdings wurde ich schnell eines besseren belehrt: Das Team war völlig leger angezogen. Vielleicht ist das sogar typisch für Leute, die den ganzen Tag von Mode umgeben sind.

Ein Model gestylt von Sabrina Heim (Foto: Heim)

Ein Model gestylt von Sabrina Heim (Foto: Heim)

Face2Face: Vor Kurzem hast du, nach zwei Jahren im Korrespondenzbüro in Mailand, zur ELLE in München gewechselt. Wie ist dein Eindruck bisher und was genau machst du dort?

Heim: Bisher bin ich begeistert. Meine Teamkollegen sind offen und sehr freundlich. Im Moment herrscht noch die Ruhe vor dem Sturm, da gerade die Fashionweeks stattfinden und danach für uns der Trubel beginnt. Nach den Schauen werden bei uns viele verschiedene Meetings stattfinden, in denen festgelegt wird, welche der gezeigten Trends in der Zeitschrift erscheinen werden und wo die Shootings stattfinden sollen. Im Anschluss daran werden wir die Kleidungsstücke der jeweiligen Designer in den Korrespondenzbüros anfordern und dann zum Shooting aufbrechen. In der Zeit assistiere ich einer Moderedakteurin, mit der ich auch zum Shooting fliegen werde. Vor Ort unterstütze ich die Redakteurin in organisatorischen Belangen und beim Anziehen der Models. Aber auch das Bügeln der Designerstücke oder Bedienen der Windmaschine kann zu meinen Aufgaben gehören.

Face2Face: Liest du in deiner Freizeit überhaupt noch Modezeitschriften?

Heim: Oh ja, natürlich. Während des Studiums war das Lesen von Modezeitschriften sogar ein Muss. Allerdings nicht nur die Mainstream-Modezeitschriften sondern auch Nischenmagazine. Die kosten dann schon mal um die 20€, erscheinen dafür aber auch nur halbjährlich, sind etwas verrückter und dienen mehr der Inspiration.

Face2Face: Zum Schluss noch eine Frage zum Träumen: Welchen Star würdest du gerne mal stylen und warum?

Heim: Da fällt mir direkt Kate Hudson ein. Sie gefällt mir in ihren Filmen immer sehr gut, ist unheimlich wandelbar und sie hat diesen gewissen Hippie-Style, der mir auch persönlich sehr gut gefällt. Ich glaube, wir würden auf einer Wellenlänge liegen. Ich stehe gerade erst am Anfang meiner Karriere und ich träume definitiv davon, irgendwann auch einmal das Styling in Filmen zu übernehmen. Vielleicht sprechen wir uns ja dann wieder. Da gibt es bestimmt wieder einiges zu erzählen.

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Deine Qualifikationen:

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Studieren heute: Angst, Stress, Burnout?

Studieren heute: Angst, Stress, Burnout?

Studieren im Bachelor beziehungsweise Master: Ute Müller, Laura Ehlenberger, Florian Guldan (Foto: g.gradeneker), Tobias Helling und Kira Gantner (Foto: Das Atelier Mainz) (von links) (übrige Fotos: privat)

Vereinheitlichung der Strukturen der Hochschulbildung in Europa – klingt erst einmal nicht schlecht. Aber was halten Studierende verschiedener Hochschulen und Fachrichtungen ganz konkret vom Bachelor-Master-System? Face2Face hat drei Bachelor- und einen Masterstudenten befragt:

Studieren heute: Angst, Stress, Burnout?

Soll Theorie und Praxis vereinen: Das Bachelor-Master-System (© Gerd Altmann/Carlsberg1988 / pixelio.de)

 „Viele Menschen haben mir gesagt, dass die Studienzeit die schönste Zeit in ihrem Leben war und sie nie mehr so viel frei hatten. Na danke, jetzt hab ich den Salat, denn in meinem Studium sieht die Welt ein bisschen anders aus“, erzählt Ute Müller. Die 21-Jährige studiert zurzeit im vierten Semester Integrative Sozialwissenschaft an der Technischen Universität Kaiserslautern. Für Hobbys oder andere „normale“ und spaßige Dinge fehle ihr oftmals die Zeit, berichtet Müller, ihr Studium beschäftige sie fast rund um die Uhr. Das Bachelor- Master-System habe das Studentenleben ihres Erachtens stark erschwert. Bei ihrem Studiengang könne sie eine Klausur nur zwei Mal wiederholen, danach sei ein Härtefall-Antrag fällig oder das Studium ist sofort beendet. „Die Angst bei einer Klausur zu versagen ist dadurch enorm hoch und wird meines Erachtens zu einer ständigen Belastung“, weiß Müller. Auch die verkürzte Studienzeit sorge neben dem Leistungsdruck für zusätzlichen Zeitdruck – „bei einigen meiner Kommilitonen hat sich der Stress schon negativ auf die Gesundheit ausgewirkt und das kann nun wirklich nicht sein.“
Dennoch liebe sie ihr Studium trotz des ganzen Stresses sehr, so die 21-Jährige. „Es ist das Drumherum, was mein Studium so lohnenswert macht: Die Freunde, die Erfolgserlebnisse, die liebevolle Unterstützung vom Partner oder der Familie, die Möglichkeit das Beste aus sich herauszuholen und seine Zukunft selbst zu gestalten“, fügt sie an.

 Auch Laura Ehlenberger kennt die Beschwerden über den hohen Druck, der durch das Bachelorsystem auf den Studierenden lastet. Die 21-Jährige studiert im fünften Semester Publizistik an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz und weiß zu berichten, dass das heutige Studieren von vielen als „verschult“ wahrgenommen wird. „Die Veranstaltungen sind vorgegeben, sprich, bei der Legung des Stundenplans gibt es keine großen Freiräume“, erzählt sie, „zudem zählen schon zu Beginn des Studiums die einzelnen Noten. Dadurch wird von den Studenten in den Semestern mehr Leistung gefordert.“ Das erinnere viele ein wenig an das Schulsystem in der Oberstufe, so die Bachelor-Studentin, und sei mit dem früheren Studentenleben nicht vergleichbar. Weiterhin kritisiert sie: „Das Studium ist hauptsächlich theoretisch angelegt, was durchaus interessant und eine gute Grundlage ist. Bei den Studieninhalten fehlt mir jedoch ein wenig der Bezug zu realen Arbeitswelt.“
Sie glaube, dass der Bachelor für mehr Leistungsdruck innerhalb des Studiums sorgt. Ein völlig unbeschwertes Studentenleben sei demnach aus ihrer Sicht nicht möglich. Trotzdem ist sie sich sicher: „Wenn man sich die Arbeit und das Lernen aufteilt, ist es machbar, immer noch genügend Freiraum für sich selbst zu haben.“

Studieren heute: Angst, Stress, Burnout?

Massen an Büchern: Graue Realität für Studenten? (Foto: T. Gartner)

 „Von der Schule, wo man noch mehr Unterstützung von Lehrern erhält, zum Studium, wo man ganz auf sich allein gestellt ist, war es eine große Umstellung“, findet Florian Guldan (23). Obwohl er sich am Anfang unschlüssig war, entschied er sich nach der direkten Zusage der Fachhochschule Mainz für ein International Business-Studium. Inzwischen ist er im fünften Semester und mit diversen Exkursionen und einem Praxissemester erfüllt sein Studiengang ganz seine Erwartungen auf die optimale Vorbereitung auf das Berufsleben. Doch auch er sieht Probleme im Bachelor-Master-System: „Es hat das Studium definitiv anstrengender gemacht, da jetzt erst richtiger Leistungsdruck aufkommt.“ Als das Diplom System noch aktiv war, hätten die Studierenden seines Wissens nach je nach Studiengang zum Teil unbefristete Versuche zum Bestehen einer Prüfung gehabt. Beim Bachelor-Master-System habe man drei Versuche – „man setzt sich viel mehr unter Druck, vor allem unter zeitlichen Druck, was sich negativ auf das Lernverhalten auswirkt.“ Auch wenn der 23-Jährige teilweise von 8:15 bis 20:15 Uhr Vorlesungen hat, berichtet er, dass am Anfang des Semesters immer noch „alles recht entspannt“ zugehe. „Je näher jedoch die Prüfungen rücken, desto stressiger wird es“, weiß er, „oft liegt es auch am falschen Timing der Klausurvorbereitung.“ Richtig stressig würde es, wenn Klausuren aus dem letzten Semester wiederholt werden müssen und sich Vorlesungen der beiden Semester überschneiden. Nach Abschluss seines „eher trockenen Studiums“ freut sich Guldan ein weiteres, etwas kreativeres Studium zu beginnen.

Kreativ ist auch Kira Gantner in ihrem Masterstudium. Die 24-Jährige studiert im zweiten Semester Journalismus an der Johannes Gutenberg Universität Mainz. „Ich habe schon als Kind sehr gerne geschrieben, daher war für mich schnell klar, dass ich Journalistin werden will und das geht eben nur über ein Studium“, erzählt sie, „außerdem ist das Studium natürlich eine sehr aufregende Zeit. Diese Erfahrung wollte ich nicht verpassen.“ Dennoch empfinde sie den Leistungsdruck als sehr hoch. „In unserem Studiengang wurden aus über 200 Bewerbern 20 ausgewählt, die alle sehr gut sind“, berichtet die junge Frau, „es kann einen verrückt machen, wenn man das Gefühl bekommt, nicht gut genug zu sein.“ Auch von einigen Kommilitonen habe sie gehört, dass diese gestresst oder einfach unsicher seien, was von ihnen erwartet werde. „Ich habe mir das Studium weniger verschult vorgestellt“, so die Masterstudentin. In andere Fächer hinein zu schnuppern sei neben dem vollen Stundenplan schwierig – „das ist schade!“ Allerdings sieht Gantner auch Vorteile im Bachelor-Master-System: „Es ist einfacher seine Veranstaltungen zu wählen und seinen Stundenplan zu füllen, da im Prinzip das meiste vorgegeben wird.“

 Dass Studieren trotz Bachelor-Master-System Spaß machen kann, findet Tobias Helling. Der 26-Jährige hat seinen Bachelor bereits hinter sich und studiert zurzeit im zweiten Semester Umweltwissenschaften mit Schwerpunkt Biomaterials and Bioenergy auf Master an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. „Der Workload ist ok, Stress gibt es nur bei unorganisierten Gruppenarbeiten“, erzählt er, „und wenn es Spaß macht, ist der Stress eh einfach zu ertragen!“ Da es der erste Jahrgang des Studiengangs ist, laufe es manchmal noch etwas chaotisch ab. Von den anderen höre man oft Beschwerden, vor allem von den Studierenden mit anderen Schwerpunkten, weiß Helling zu berichten. Von den Inhalten habe sich seines Wissens nach mit der Umstellung auf Bachelor und Master nichts geändert. „Was aber etwas cooler ist, ist dass man mit dem Bachelor mehr Wahlmöglichkeiten bezüglich der Studienrichtung hat als mit dem Vordiplom“, findet er.

Vorschau: Nächste Woche erwartet euch im Panorama Teil 2 der Geschwister erzählen-Serie.

 

Diagnose: Heimscheißer. Symptomatiken des Nach-Hause-Pendlers

Es bedarf keines Arztes, um dieser Tage zu erkennen, welche Krankheit sich bei Studenten aller Fakultäten in extremer Ausprägung eingeschlichen hat: Kaum sind die Semesterferien angebrochen, schon fehlt von den meisten Kommilitonen jede Spur. Wer glaubt, sie wären bloß unterwegs auf reichlich ausgedehnter, für Studenten vermeintlich typischer Kneipentour, der muss sich schnell eines Besseren belehren lassen. Die Damen und Herren befinden sich in ihrem sogenannten „Zuhause“, welches mitnichten mit ihrem „eingetragenen Wohnsitz“ zu verwechseln ist.

 Ich habe mir das Phänomen kürzlich von einer Kommilitonin darlegen lassen – Sie leidet selbst seit Beginn ihres Studiums unter dem von mir spöttisch als „Heimscheißer-Syndrom“  betitelten Drang, an Wochenenden und zu jeder denkbaren Gelegenheit die sieben Sachen zu packen und zurück zu ihrem Elternhaus fahren. Zurück an den Ort des Grauens, würde manch einer behaupten, der sich an den Kleinkrieg vor und in der Abiturphase erinnert, als man es kaum noch erwarten konnte, endlich sein eigener (Haus-)Herr zu sein, sein Geschirr überall stehen und das Zimmer wochenlang ungeputzt zu lassen, ohne den erhobenen Zeigefinger mütterlicherseits fürchten zu müssen. Erstaunlicherweise gibt es allerdings mehr als genug junger Menschen, unter ihnen die besagte Kommilitonin, die den Freitag so ungeduldig erwarten wie Robinson Crusoe.

Diagnose: Heimscheißer. Symptomatiken des Nach-Hause-Pendlers

Heimatliebe: Home is where your heart is.
(Foto: C.Gartner)

Sie jedenfalls erklärte mir, dass „daheim“ dort sei, wo sich ihre Freunde befänden. Das leuchtet natürlich ein. Doch was ist mit all den Studiengefährten, die sie in ihren mittlerweile sage und schreibe zwei Jahren an der Universität kennengelernt hat? Ganz einfach – die machten es ja genauso. Mir drängte sich sogleich die Frage auf, ob sie nicht begreife, dass Freundschaften erst durch gemeinsam verbrachte Zeit, und dazu zählt für mich definitiv besonders die nach den Vorlesungen, wachsen. Wenn sich ihre Interaktionen mit allen aus Langeweile oder Not heraus gebildeten Bekanntschaften nur werktags abspielten, würde es mich nicht wundern, wenn sie ein Leben lang mit den immer gleichen Leuten aus dem Heimatdorf beisammen sitzt und über gute alte Zeiten plaudert – was doch wie 40 Jahre vorgespult klingt; Eindeutig eine Sache, der man sich im Alter widmen sollte, auf Klassentreffen oder bei unregelmäßigen Kaffeekränzchen. Aber jedes Wochenende dieselben Gesichter sehen müssen, mit denen man schon in der Grundschule auf dem Pausenhof schaukeln war? Nein danke, ich verzichte. Ganz offensichtlich bin ich nicht in der Provinz aufgewachsen, wo man sich beim einzigen Bäcker in der einzigen Straße begegnet und, jeden namentlich kennend, in grausigem Dialekt über das Wetter plauscht. Offenbar bin ich tatsächlich eine von denen, die der Auszug und damit das neue, eigenverantwortliche Leben nicht schnell genug ereilen konnte.

Das alles heißt natürlich nicht, dass ich mich nicht auf das Wiedersehen mit alten Schulfreunden oder das Abendessen made by Mutti freue. Es sollte nur eben etwas Besonderes bleiben. Der Alltag, Wochenende und ein Großteil der Semesterferien inklusive, findet hier statt. In der Wohnung, die ich, ganz im Gegensatz zu der Kommilitonin mit Heimscheißer-Marotte, heimelig hergerichtet habe. Die Betonung liegt hier ganz eindeutig auf „heim“! Dort, wo mein Kleiderschrank und mein Bücherregal stehen, wo ich studiere, um zu leben und nicht umgekehrt. Und auch wenn meine Ernährung seit dem Auszug von „Zuhause“ ein einziger McDonalds-Besuch ist: Geschissen wird weiterhin daheim.

Vorschau:  Und in der nächsten Woche meldet sich Kolumnist Sascha mit der Frage nach nützlichem Wissen in der Welt von Google und Co. zu Wort.

International Fashion School „ESMOD“ – Der Weg in die Modebranche

Viele Modeinteressierte träumen davon später als Designer ihre eigenen Kollektionen auf den größten Modeschauen der Welt zu präsentieren und in die Liga der Top-Modeschöpfer aufzusteigen. Doch der Weg dahin ist mühsam  und vielen unbekannt.  Eine Möglichkeit, den Weg als Designer einzuschlagen, besteht in einem Studium beziehungsweise einer Ausbildung an der International Fashion School „ESMOD“, die in Berlin oder München beheimatet ist.

Die private Modeschule „ESMOD“ wurde bereits 1841 von dem Schneidermeister Guerre Lavigne unter selbigem Namen gegründet und umfasst heute 21 Schulen in 14 Ländern, beispielsweise in Dubai, São Paolo in Brasilien und auch in Chinas Hauptstadt Peking. Dieses weltweite Netzwerk ermöglicht es den Studenten und Auszubildenden, das zweite Jahr ihrer Ausbildung an einer internationalen „ESMOD“-Schule zu verbringen. Jedoch ist nicht nur die internationale Ausrichtung der Ausbildung oder des Studiums ein wesentliches Charakteristikum dieser Modeschule, sondern auch der praxisnahe Unterricht durch Kooperationen mit renommierten Designern, Dozenten und Unternehmen, wie zum Beispiel „Galeries Lafayette Berlin“, „Calvin Klein NYC“ und „Heatherrette – Richi Rich NYC“.

Während man an der „ESMOD“ in Berlin seinen Bachelor in „Modedesign – Styliste/Modeliste“ (wahlweise auch in Englisch) oder seinen Master in „Sustainability in Fashion“ absolvieren kann, kann man an der Münchner Modeschule die Ausbildung „Stylist“ in drei Jahren abschließen. Doch bevor man überhaupt starten kann, gilt es, die Bewerbungsphase zu überstehen: Zum einen muss man eine eigene Mappe präsentieren und zum anderen ein Bewerbungsgespräch führen. „Vor dem Gespräch muss man einen Fragebogen ausfüllen, in dem getestet wird, wie gut man sich auskennt und inwieweit der Sinn für Ästhetik ausgebildet ist, es gibt aber auch psychologische Fragen. Anschließend spricht man über den Fragebogen und über die Mappe und je nachdem wie man sich präsentiert, wird man genommen oder nicht. Ich war einfach tierisch aufgeregt, wie ein zitterndes, kicherndes Nervenbündel, aber dann auch überglücklich, als ich am selben Tag noch angerufen wurde und ich aufgenommen war“, so die diesjährige Absolventin Réka Probst.

Hinter dem Begriff Stylist versteckt sich das Berufsbild des Modedesigners, zu dessen Aufgaben unter anderem der Entwurf von Kollektionen, die Auswahl der Materialien, die visuelle Umsetzung durch Skizzen, aber auch die Präsentation der eigenen Kollektionen auf Modeschauen gehören. Das Ziel der Ausbildung sollte die Entstehung eines Labels mit eigener Identität sein. Dass dies auch realisierbar ist, zeigen die Alumni Johanna Kühl und Alexandra Fischer-Roehler, besser bekannt unter dem Namen ihres Labels „Kaviar Gauche“, die beide 2003 ihren Diplomabschluss an der ESMOD Berlin machten. Jeder Schüler muss im dritten Jahr eine eigene Diplomkollektion entwerfen, die schließlich der Öffentlichkeit, Presse sowie einer internationalen Jury präsentiert wird, deren Präsident kein geringerer als Paco Rabanne ist. Was bei einer Diplomkollektion alles zu erarbeiten ist, erzählte uns Probst: „Die Erstellung des Diploms findet hauptsächlich ab Januar, also in der zweiten Hälfte des dritten Schuljahres, statt. Die Abgabe ist dann bereits Anfang Mai. Als erstes muss man sich seine Spezialisierung aussuchen, also ob man Couture, DOB (Damenoberbekleidung), HAKA (Herren – und Knabenoberbekleidung), KIKO (Kinderkonfektion) oder Lingerie macht. Man sollte möglichst schnell ein Thema finden, das einen inspiriert und worauf dann die Kollektion aufbaut. Man erstellt ein Stimmungsbild, das das Thema der Kollektion wiedergibt. Auf diesem Stimmungsbild basieren dann auch die Farbwelt und die Stoffauswahl der Kollektion. Ziel ist es, 25 Outfits à drei Teile zu entwerfen. Realisiert werden letztendlich jedoch nur vier Outfits. Zusätzlich erstellt man ein Dossier mit Stimmungsbild, Farbreihe, Stoffkonzept, 25 illustrierte Outfits, detaillierte technische Zeichnungen zu den Outfits, Accessoires. Man erfindet sein eigenes Label, mit Zielgruppe, Marketingstrategie und Office Equipment.“ Doch wo genau nimmt man immer wieder die Inspiration für neue Entwürfe her? Eine allgemeine Antwort gibt es darauf nicht, Probst beschreibt dies folgendermaßen: „Es kann ein Traum sein, ein kurzer Augenblick, in dem man meint, etwas im Augenwinkel zu sehen, ein altes Kleidungsstück, Gekritzel – es kommt meist in den Momenten, in denen man es nicht erwartet.“
Einen theoretischen Prüfungsteil müssen die Absolventen nicht ablegen, da man alle theoretischen Kurse bereits im zweiten Jahr abschließt, jedoch sind alle Noten im Abschlusszeugnis vermerkt. In den Theorie-Kursen lernt man beispielsweise etwas über die Mode- und Kunstgeschichte, textile Rohstoffe, Fachenglisch und -deutsch sowie Modemarketing.

Der Unterricht findet montags bis freitags täglich von 9:00 bis 16:00 Uhr statt und das Mindestalter der Auszubildenden ist 18 Jahre. Während der Ausbildung sind zwei Pflichtpraktika vorgesehen, die je im ersten und zweiten Jahr absolviert werden müssen. Wie bereits erwähnt, können die Schüler in ihrem zweiten Ausbildungsjahr auch einen Austausch an eine andere „ESMOD“-Modeschule absolvieren.

Auf die letzten drei Jahre zurückblickend stellt Probst fest, dass sie „im Großen und Ganzen echt schön waren. Es gab zwar Höhen und Tiefen, sehr viel Stress, auch mal Tränen, aber insgesamt habe ich echt viel gelernt, im Bereich Mode genauso wie über mich selbst“.
Für alle zukünftigen Bewerber noch einen Rat von Probst, die die Ausbildung dieses Jahr mit ihrer ersten eigenen Kollektion abschließen wird: „Man sollte sich seiner Sache sicher sein, man sollte wissen, dass man einiges opfern muss und man sollte bereit dazu sein. Es reicht nicht, wenn man sich gern schön anzieht und ein paar Luxusmarken kennt, genau das ist eigentlich total egal. Man braucht das Talent, den Ehrgeiz und den Willen, alles zu geben.“

Vorschau: Nächste Woche erfahrt ihr etwas über die Mode der diesjährigen Hochzeitssaison!