Nicht schon wieder Shopping …

Der Gang in die nächstgelegene Einkaufsmeile ist für viele etwas Entspannendes. Das ist ein Erlebnis, hilft, abzuschalten und Abstand vom Alltag zu bekommen. Nichts geht doch über Menschenmassen, die sich durch die Straße pressen und in wohl klimatisierten Läden dem Konsum frönen.

Hektisch: In einer Einkaufsmeile geht es meist sehr stressig zu.

Hektisch: In einer Einkaufsmeile geht es meist sehr stressig zu. (©romelia/Pixelio.de)

Leider gehöre ich zu den Menschen, die diesem Erlebnis nichts abgewinnen können. Dabei hätte ich jede Gelegenheit dazu, reiht sich in München doch eine Einkaufsmeile an die andere. Die weithin bekannte Fußgängerzone in der Innenstadt und in fast jedem Stadtteil ein gigantisches Einkaufszentrum. Nur zehn Minuten von mir entfernt liegt das Olympia-Einkaufszentrum, doch trotzdem bin ich dort nur selten, immer dann, wenn es eben sein muss. Einkaufen, vor allem wenn es um Kleidung geht, ist einfach nicht mein Fall.

Der große Einkaufsbummel kostet auch jede Menge Geld. Wenn ich jede Woche regelmäßig zum „Shoppen“ gehen würde, dann würde der ohnehin schon schmale Geldbeutel schnell noch schmaler werden. Und das kann ich mir in einer ohnehin teuren Stadt wie München einfach nicht leisten. Wenn die Miete schon drei Viertel des Azubi-Gehalts verschlingt, die Monatskarte für die Öffentlichen auch ordentlich zu Buche schlägt und ich abends auch mal etwas unternehmen möchte, dann ist regelmäßiger Konsum von Klamotten einfach nicht drin.

Wechselhaft: Regelmäßig gibt es einen neuen Trend, zum Beispiel bei Hosen.

Wechselhaft: Regelmäßig gibt es einen neuen Trend, zum Beispiel bei Hosen. (Foto: T. Gartner)

Doch das ist auch gar nicht so schlimm, denn das ständige Kaufen von neuer Mode ist unglaublich schlecht für die Umwelt. Nur weil es wieder einen neuen Trend gibt, nur weil auf einmal Slim-Fit-Jeans der letzte Schrei sein mögen, muss ich doch nicht in das nächste Geschäft stürmen und mir eine solche Hose kaufen. Dann bin ich eben nicht hip, was soll’s. Die Umwelt wird es mir danken, dass ich zu meiner alten Hose stehe.

Denn auch wenn meine Kleidung alt und ausgewaschen sein mag, ist sie noch lange nicht kaputt. Sie sieht gebraucht aus, aber das darf sie ja auch – wer aktiv ist, dem darf man das gerne auch an seiner Kleidung ansehen. Und sollte die Hose tatsächlich mal ein Loch haben, dann kann ich es auch flicken. Das passiert zwar recht häufig, da Radfahren wahrer Hosenmord ist. Aber sei’s drum. Kaum ist das Löchlein geflickt, schon hält die Hose den Arbeitsweg auf dem Drahtesel wieder aus.

Andere Leute in ärmeren Ländern wären sicher froh, wenn sie noch eine Hose wie die meine hätten. Mag so mancher hier in unseren Gefilden auch die Nase rümpfen und sich denken: „Also so etwas würde ich nie und nimmer tragen“. Das macht mir nichts aus. Ich halte mir immer vor Augen, dass meine Kleidung noch gut ist und ihren Zweck erfüllt: Im Winter hält sie mich warm, damit ich nicht ganz so schlimm friere. Und sie sorgt dafür, dass ich nicht nackt durch die Welt rennen muss, leistet also gleich noch einen Beitrag zum Allgemeinwohl.

Wenn es doch mal so weit ist und meine Jeans wirklich und beim besten Willen nicht mehr zu tragen ist, muss ich halt einmal einkaufen gehen, hilft ja alles nichts. Dann geht es am besten in den Second-Hand-Laden, auf diese Weise entkomme ich dem ganzen Designer-Wahn und habe am Ende trotzdem etwas Vernünftiges zum Anziehen.

Doch bis es soweit ist und ich ein paar von meinen Sachen ausrangieren muss, habe ich einfach Besseres zu tun, als mich durch ein überfülltes Kaufhaus zu zwängen. Ein bisschen Bewegung an der frischen Luft ist meiner Meinung nach viel entspannender und gesünder als alles andere.

Vorschau: Das kennen sicher viele: Die Not, sich selber verplanen zu müssen. Deshalb widmet Eva ihre Kolumne nächste Woche ganz dem Thema Organisation.

Bloß keine Zeit verlieren

Aufbruchstimmung: Am Bahnhof Roma Termini kurz vor der Abfahrt des Nachtzuges gen Norden.

Aufbruch: Am Bahnhof Roma Termini kurz vor der Abfahrt des Nachtzuges gen Norden. (Foto: Resch)

In nur einem Tag von München nach Rom und wieder zurück. Klingt ein wenig schräg, ist es vielleicht auch, aber es ist möglich. Mit dem Nachtzug ab in die Ewige Stadt, sich so viel wie eben geht anschauen, und dann mit dem nächsten Nachtzug wieder zurück in die Bayern-Metropole. Stressig, aber zu schaffen – ich spreche aus Erfahrung.

Dass so etwas überhaupt möglich ist, ist nur die Konsequenz unserer immer mobileren Gesellschaft. Immer größere Distanzen in immer kürzeren Zeiten mit noch dichteren Taktungen. Hier in meiner Heimatstadt München gehören Nachtzüge und Express-Flüge in aller Herren Länder schon lange zum Alltag.

Immerhin haben wir keine Zeit zu verlieren. Die globalisierte Welt besteht aus Wirtschaftsbeziehungen über alle Länder und Kontinente hinweg. Außerdem ist Zeit bekanntermaßen Geld, und da wir das Geld im Sekundentakt verdienen wollen, muss unsere Mobilität eben genauso getaktet sein. Die Kehrseite der Medaille: Wir brauchen eine immer komplexere und ergo teurere Infrastruktur, die uns diesen Wahnsinn ermöglicht.

Allein hier innerhalb der Grenzen Münchens geht es schon ordentlich rund. Die Verkehrssysteme sind dem Bersten nahe, wenn es so weiter geht, dann droht meinem geliebten „Minga“ der Verkehrsinfarkt. Der „Mittlere Ring“, also die Schnellstraße innerhalb der Stadt ist genauso überlastet wie die A99, die Autobahn um München herum. Und auch bei den Öffentlichen sieht es nicht besser aus: Neue U-Bahnlinien sind schon in Planung, denn nicht einmal ein Zwei-Minuten-Takt scheint zu Stoßzeiten mehr zu reichen. Und bei der S-Bahn braucht man nur „Zweite Stammstrecke“ oder „Transrapid-Alternative“ zu nennen, und schon ist alles klar.

Wir sehen: Es ist eine Menge los und München ist dabei eben nicht die einzige Stadt, hier nur ein Beispiel unter vielen. Kann das gesund sein? Ist es gut, wenn wir immer mehr Verkehr brauchen? Sicher, Städteplaner und Lokalpolitiker freut’s, arbeitslos werden sie so ganz bestimmt nicht.

Doch wie sieht es mit uns normalen Leuten aus? Ist es sinnvoll, wenn es immer schneller und direkter geht? Die Erfahrungen von meiner Romreise haben mich eines gelehrt. Es geht, aber das heißt noch lange nicht, dass es auch so sein muss. Ich weiß noch, wie fertig ich war, nachdem ich zweimal zwölf Stunden nachts in meinem Sitzabteil verbracht hatte. Gott sei Dank waren alle in meinem Abteil sehr nett, sodass beide Fahrten noch erträglich waren. Ich möchte mir nicht vorstellen, wie unmenschlich es werden kann, wenn man die falschen Mitreisenden erwischt. Dann kommt zum Schlafentzug noch elender Frust dazu.

Gedrängt: Immer mehr Verkehr belastet Nerven und Gesundheit

Gedrängt: Immer mehr Verkehr belastet Nerven und Gesundheit (©Jens Märker/Pixelio.de)

In jedem Fall ist der menschliche Körper einfach nicht gemacht für unsere hyperaktive Mobilität. Wir Menschen sind von der Natur nicht für diesen Stress geschaffen, derartigen Zeitdruck haben wir uns schon selbst auferlegt – unser Organismus konnte da nicht mithalten und sich anpassen. Folglich bleibt es einfach nur eine Vergewaltigung von Körper und Psyche, wenn man sich so viel Stress zumutet. Ab und an als kleines „Abenteuer“ mag es ja noch in Ordnung und zu verkraften sein, aber wenn es anfängt, dass so ein Lebenstempo zum Alltag wird, dann ist es nur noch ungesund.

Da lob ich mir mein Fahrrad. Jetzt darf mich gerne jeder beschmunzeln oder auch herzlich auslachen, sei’s drum. Denn es tut mir einfach gut, wenn ich bewusst auf Hochgeschwindigkeit verzichte und dafür begrenztes Tempo und beschränkte Reichweite wähle. Ich finde, gerade das brauchen wir heute, eine „Entschleunigung“ des Alltags.

Vorschau: Nächste Woche wird es erfrischend in der Kolumne, denn Eva berichtet dann über Trinken und Getränke in unserer Gesellschaft.

Stressfreie Weihnachtszeit

„Oh du fröhliche, oh du selige – gnadenbringende Weihnachtszeit!“ – Ein allbekanntes Weihnachtslied, das wir immer wieder gerne singen und hören. Doch die Adventszeit ist auch die stressigste und konfliktreichste Zeit des Jahres. Hie und da müssen wichtige berufliche und private Termine eingehalten, Geschenke besorgt und die Festtage geplant werden. Außerdem treffen unterschiedliche Idealbilder sowie Wunschvorstellungen aufeinander, die zu Streits führen können.
Wie man trotz allem in den Genuss einer besinnlichen und schönen Weihnachtszeit kommt, verrät euch Face2Face:

1. Tipp: Auf dem Boden bleiben

Um sich vor Enttäuschungen oder falschen Vorstellungen zu schützen ist es wichtig seine Erwartungen nicht allzu hoch zu setzen. Das medial verbreitete Idealbild von weißen Weinachten im harmonischen Beisammensein der Familie entspricht leider oft nicht der Realität. Ebenso bringt es nichts, Kindheitserinnerungen nachzueifern.

2. Tipp: Den Überblick nicht verlieren

Weihnachten: Die schönste und auch stressigste Zeit im Jahr (Foto: Sharifi)

Weihnachten: Die schönste und auch stressigste Zeit im Jahr (Foto: Sharifi)

Es empfiehlt sich bereits Anfang Dezember einen Plan zu erstellen, auf dem die Geschenke, die Dekoration, die Gäste und das Essen vermerkt sind. Vor allem erleichtert es einem, wenn die Aufgaben verteilt werden und die Liste der Erledigungen gemeinsam bis zur Feier abgearbeitet wird. Selbst ein grober Organisationsplan beruhigt die Nerven und kann Druck damit reduzieren.

3. Tipp: Absprachen treffen

Der Austausch von Bedürfnissen und Vorstellungen ist wichtig, geht aber oftmals in der stressigen Weihnachtszeit unter. Für Paare entstehen hier die häufigsten Konfliktpunkte wie zum Beispiel, bei welchen Eltern dieses Jahr das Essen stattfindet. Hierbei müssen Kompromisse bereits im Vorfeld getroffen werden, sonst werden die Feiertage alles andere als harmonisch. Mögliche Lösungen: Das Weihnachtsessen bei der Familie jährlich abzuwechseln oder die Tage aufzuteilen.

4. Tipp: Überflüssigen Stress vermeiden

Zweitrangige Termine, Herbst-Winterputz oder unwichtige Reparaturen bis nach Weihnachten vertagen. Generell sollte man sich nicht all zu viel vornehmen, denn damit sind Enttäuschungen und eine negative Stimmung vorprogrammiert.

5. Tipp: Lernen „Nein“ zu sagen

Wer es allen Recht machen möchte, gerät schnell in eine unangenehme Situation oder ist mit rastlosen Besuchen an den Feiertagen überfordert. Daher sollte man sich ab und zu die Freiheit nehmen mal „Nein“ zu sagen und Dinge tun, die man selbst gerne machen würde.

6. Tipp: Zeit zum Genießen nehmen

Damit die Adventszeit nicht nur nervenaufreibend vorbeizieht, können Genussmomente etwas Erholung und ein Weihnachtsgefühl schaffen. Wichtig ist es sich hierfür Zeit zu nehmen. Ein Spaziergang durch die weihnachtlich geschmückten Straßen, der Duft von Apfel-Zimt-Kerzen oder Tee wie auch das Singen und Hören von Weihnachtsliedern bringt einen auf andere Gedanken. Vor allem lässt es sich nach einem anstrengenden Arbeitstag mit einer Tasse Tee, einer kuscheligen Decke bei Kerzenlicht oder Weihnachtsbaumbeleuchtung schön entspannen.

Vorschau: Nächste Woche geht es weihnachtlich weiter und wir verraten euch jede Menge Ideen zum Einpacken von Geschenken.

Was weißt du denn schon von Arbeit?

Wir sind in einer Kneipe, es ist Montagabend und am Tresen sitzen zwei alte Bekannte, ein Vertriebsleiter und ein Malermeister. Beide sind geschafft und glücklich, dass endlich Feierabend ist, und bestellen sich gerade ihr zweites Bier.

Handwerkliche Arbeit ist anstrengend.

Ermüdend: Wer körperlich arbeitet, dem steckt abends die Arbeit buchstäblich in den Knochen (©Rainer Sturm/Pixelio.de)

„Was ist denn los? Du siehst ja so fertig aus“, will der Maler von seinem Freund wissen. Der meint nur: „Ach der Stress in der Arbeit, man hat kaum fünf Minuten zum Verschnaufen, da bin ich froh, dass es für heute Schluss ist. Vertriebsleiter ist einfach ein harter Job“ Der Malermeister lacht nur: „Wie kann das denn harte Arbeit sein? Ihr sitzt doch den lieben langen Tag im Büro und schlürft eine Tasse Kaffee nach der anderen. Du solltest mal mit auf den Bau kommen, das siehst du, was harte Arbeit ist.“ Und so entsteht eine heftige Diskussion zwischen den beiden, wer nun härter arbeitet.

Nun, wer von beiden arbeitet denn härter? Sicher ist, dass die Arbeit als Maler oder allgemein als Handwerker oder Bauarbeiter körperlich anstrengend ist. Jede Art von physischer Arbeit schlaucht und ermüdet. Wer auf dem Bau rackert, der mutet dem eigenen Organismus einiges zu, oftmals schaffen es die Betreffenden gar nicht, bis zum Renteneintrittsalter zu arbeiten. Viele werden stattdessen in Altersteilzeit oder Frührente geschickt, weil sie für das Unternehmen nicht mehr effizient genug arbeiten oder zu viele Krankheitstage aufweisen, um noch unternehmerisch lukrativ zu sein. Eines steht fest: Körperliche Arbeit bedeutet Anstrengung, Erschöpfung und als Folge davon oft Krankheit und Gebrechen.

Demgegenüber muss doch Büroarbeit das reinste Vergnügen sein! Keine Arbeit im Freien, wenn es regnet oder schneit, auch keine schweren Lasten heben. Stattdessen ein bequemer Schreibtischstuhl und jede Menge heißer Kaffee …

Ohne Kaffe geht es im Büro kaum.

Kleiner Helfer: Ohne Kaffee zwischendurch, würden viele den Stress im Büro nicht so locker wegstecken (©Jorma Bork/Pixelio.de)

Wenn es immer so schön wäre. Büroarbeit bedeutet eben nicht nur Ruhe und Gelassenheit, auch wenn es für Außenstehende ab und an so erscheint. Auch am Schreibtisch kann es heiß hergehen. Arbeit unter enormen Zeit- und Termindruck kann den Job am Computer zur Hölle machen. Dann noch schwierige Gespräche mit verärgerten Kunden oder langsamen Kollegen; und wenn es hart auf hart kommt, gibt es obendrein noch technische Schwierigkeiten: Dann darf man sich zwei Stunden lang damit abmühen, den alten Rechner wieder zum Laufen zu bringen, bevor die eigentliche Arbeit weitergehen kann. Und am Ende eines solchen Tages plagen unseren armen Büroangestellten Migräne, ein steifer Nacken und Rückenschmerzen vom langen Sitzen.

Da können die Leute vom Bau doch zufrieden sein. Die haben immerhin frische Luft, ausreichend Bewegung und sie müssen nicht den ganzen Tag konzentriert sein …

Im Endeffekt ist es so: Egal auf welcher Seite wir uns befinden, unsere Arbeit ist uns lästig und wir finden, dass es ein anderer doch viel leichter hat als wir selbst. „Soll der doch erst mal meine Arbeit machen! Der weiß doch gar nicht, was ein wirklicher Knochen-Job ist!“ Arbeiten wir körperlich, dann beklagen wir uns über die physische Anstrengung und die Belastung unseres Körpers, würden uns vielleicht gerne mal etwas schonen; sitzen wir im Büro, dann schreien wir dagegen nach mehr Bewegung und weniger Denkarbeit.

Abhilfe könnte da die Freizeitgestaltung schaffen: Wer körperlich schwer schuftet, sollte vielleicht abends etwas Ruhe geben. Dagegen könnte ein Angestellter im Büro für die Bewegung sorgen, nach der sein Körper schreit.

Und was ist nun mit unseren beiden Freunden, dem Vertriebsleiter und dem Malermeister? Die sitzen auch nach dem vierten Bier noch am Tresen und debattieren heftigst darüber, wer nun mehr in der Arbeit leisten muss. Da schreitet der Wirt ein und brummt: „Ihr beiden Streithähne, genießt einfach euren Feierabend, ihr habt ihn euch beide redlich verdient. Und ganz nebenbei: Den härtesten Job habe immer noch ich, schließlich muss ich mir solche sinn- und endlosen Debatten ständig anhören!“ – Wo er Recht hat, hat er Recht.

Vorschau: „Schwing die Hüfte“ – Evas Plädoyer fürs Tanzen findet ihr nächste Woche hier in der Face2Face-Kolumne.

Endlich Schluss mit dem Abi-Chaos!

Selbstständig werden ist nicht schwer – selbstständig sein dagegen sehr. Sebastian Richter (26) und Florian Dyballa (23), beide aus Frankfurt am Main, haben den Sprung in die Selbstständigkeit dennoch gewagt und kurzerhand ihr eigenes Start-Up-Unternehmen gegründet. Was es mit ihrem Herzensprojekt „abilife“ auf sich hat und wie sie das Jungunternehmertum meistern, verraten sie im Face2Face-Interview.

Face2Face: Kurz und knackig zusammengefasst: Was ist „abilife“?
Florian: „abilife“ ist eine Organisationsplattform und gleichzeitig Ansprechpartner speziell für Abiturienten. Wir decken alle Bereiche rund um das Thema Abiturplanung ab.

Face2Face: Welche sind das konkret?
Sebastian: Das Hauptaugenmerk liegt auf Abi-Büchern – den wichtigsten, mit Bildern und Zitaten gefüllten Erinnerungsstücken an die Schulzeit – und Abi-Shirts mit Logo, Motto und meist auch einer Namensliste des Jahrgangs. Doch mitunter lässt „abilife“ auch Flyer beispielsweise für die Abi-Vorfinanzierungs-Fete drucken.

Endlich Schluss mit dem Abi-Chaos!

Stehen Abiturienten mit Rat und Tat zur Seite: (v.links) „abilife“-Gründer Florian Dyballa und Sebastian Richter (Pressefoto abilife.de)

Face2Face:Wie schafft ihr es, dass Schüler auf euch aufmerksam werden? Lernt ihr eure Kunden persönlich kennen?
Sebastian: Wir setzen auf bewährte Suchmaschinen wie Google. Dank unserer verschiedener Internetdomänen (Anm. d. Red.: Es existieren neben der Hauptwebpräsenz www.abilife.de noch insgesamt sechs weitere Internetseiten) erzielen wir dort immerhin schon mal eine recht hohe Trefferquote und erhalten bundesweit Aufmerksamkeit.
Florian: Hinzu kommt der persönliche Kundenkontakt. Sebastian fährt dafür auch gern mal selbst an die Schulen und berät die Abi-Komitees von Angesicht zu Angesicht. Besonders rege ist und bleibt allerdings der Kontakt via Telefon und E-Mail.

Face2Face: Wie vielen Abiturienten im deutschsprachigen Raum konntet ihr bereits helfen?
Sebastian: Wir haben bereits über 350 Abschlussjahrgänge in Deutschland und Österreich betreuen dürfen. Künftig wollen wir uns zudem noch auf die Schweiz ausweiten.

Face2Face:Fühlt ihr euch mit „abilife“ in eure eigene Schulzeit zurückversetzt?
Sebastian: Wenn ich vor Ort bin, um die Schüler zu beraten, fühle ich mich total an meine Zeit als Abiturient erinnert. Der direkte Kontakt mit den Schulabsolventen macht ohnehin viel Spaß – er bietet eine willkommene Abwechslung zum Büroalltag und ist für beide Seiten immer hilfreich.
Florian: Überhaupt war der Auslöser für die Idee, das Unternehmen „abilife“ zu gründen, mein eigenes Abitur. Die Abi-Organisation mündete in meinem Jahrgang damals im kompletten Chaos; ich wollte einfach, dass es anderen Schülern nicht länger genauso ergeht.

Face2Face: Wie viel Zeit investiert ihr in das Unternehmen? Bleibt daneben noch Zeit für euch selbst?
Florian: Wir haben keine reguläre 40-Stunden-Woche, sondern arbeiten mal mehr, mal weniger – je nachdem, was anfällt. Für dieses Jahr haben wir uns allerdings vorgenommen, unsere Work-Life-Balance wieder mehr in den Vordergrund zu rücken. Das schaffen wir, indem wir für Ausgleiche sorgen und uns die Zeit für Urlaub, Sport oder die Beziehung einfach nehmen.
Sebastian: Es gab schon Phasen, vor allem kurz nach der Unternehmensgründung, da habe ich sieben Tage in der Woche im Büro verbracht. Ich hoffe, dass wir solche Extreme mit unserer verbesserten Work-Life-Balance-Strategie künftig vermeiden können.

Face2Face: Welchen Anspruch habt ihr an „abilife“?
Florian: Wir wollen stets den Schüler in den Fokus rücken, um ihm einen echten Mehrwert bieten zu können. Wir unterstützen Schüler neben der Hilfe in den Abi-Komitees auch durch kostenlose Produkte. Ein gutes Beispiel dafür ist unsere letztjährige Aktion „Energie für deinen Abistreich“ in Kooperation mit der Energy-Drink-Marke „rhino’s energy“. Wir haben einen Wettbewerb zwischen den Schulen initiiert, bei dem diejenigen Jahrgänge mit den besten Abistreich-Einfällen belohnt wurden. Der Preis: So viele kostenlose Energy-Drinks, wie die Schüler trinken konnten.
Sebastian: Generell ist es unser Ziel, dem Schüler eine relativ große Bandbreite anzubieten; dazu gehört alles vom kostengünstigen Abi-Buch über kostenlose Abi-Party-Flyer bis hin zum preiswerten Ballkleid für den Abschlussball.

Face2Face: Was nehmt ihr als nächstes in Angriff? Habt ihr ganz aktuell Projekte in Planung?
Sebastian: Wir wollen uns weiter in Richtung Schulmarketing orientieren und die junge Zielgruppe, sprich den Abiturienten zwischen 16 und 21 Jahren, interessierten Unternehmen zugänglich machen.
Florian: Wir haben dabei das Bestreben, online und offline zu verbinden, sowie den Schülern in Zukunft noch viel mehr Unterstützung aus der freien Marktwirtschaft anbieten zu können.

Kontakt:
abilife.de ®
Trakehner Strasse 7-9
60487 Frankfurt/Main
Tel: 069/ 175 373 • 850
E-Mail: info@abilife.de

 Vorschau: Nächste Woche erfahrt ihr im Panorama mehr über den Trend hin zu Schönheitsoperationen.

Trautes Heim, Glück allein – drei Tipps für einen stressfreien Umzug

Trautes Heim, Glück allein – drei Tipps für einen stressfreien Umzug

Geschafft: Nach dem Umzug kann man sich in seinem Zuhause schön einrichten (Foto: T. Gartner)

Umziehen ist für viele Menschen ein wahrer Alptraum. Zwar freut man sich meist auf die neue Wohnung, aber auf das stressige Kisten packen, Möbel schleppen und dann in der neuen Wohnung alles wieder ausräumen haben nur wenige Lust. Ein Umzug ist nie stressfrei. Wie man ihn trotzdem leichter gestalten kann,  verraten wir euch jetzt:

1. Vorbereiten

Ein Umzug kommt meistens nicht überraschend.  Man muss sich vorher dafür entscheiden, die alte Wohnung kündigen und eine neue suchen. Dementsprechend kann auch schon viel vorbereitet werden. So kann man sich etwa schon frühzeitig um einen Nachsendeantrag bei der Post kümmern, damit nach dem Umzug die Briefe und Pakete auch an der richtigen Adresse ankommen. Dabei kann man beim Ausfüllen des Antrags einfach das Datum auswählen, ab dem die Post umgeleitet werden soll und schon hat man eine Sorge weniger. Auch um das Kündigen von Verträgen – etwa Telefon-, Internet, Gas-, oder Fernsehverträge – sollte man sich frühzeitig kümmern. Manche Verträge, etwa Telefonverträge, können beim Umzug auch mitgenommen werden. Darüber sollte man sich beim Anbieter informieren.

Vor dem Umzug sollte man noch einmal in den Mietvertrag der aktuellen Wohnung schauen, wie diese denn übergeben werden soll: Muss die Wohnung nur besenrein oder richtig sauber sein. Kann sie unrenoviert übergeben werden? Je früher man darüber Bescheid weiß, desto besser kann man planen, vor allem, wenn die alte Wohnung noch renoviert werden muss. Kisten können in den Wochen vor dem Umzug auch schon gepackt werden. Hierbei immer auf das Gewicht der Kiste achten. Lieber ein paar Kisten mehr, als nur wenige aber dafür zu schwere Kisten, die vielleicht sogar reißen könnten. Zudem sollten die Kisten beschriftet werden, um es sich beim Ausräumen später einfacher zu machen und beim Umzug die Kisten auch gleich ins richtige Zimmer bringen zu können.

Auch um Transportmöglichkeiten sollte man sich noch vor dem Umzug kümmern. Am besten so früh wie möglich, denn gerade bei Autovermietungen gilt: Je früher, desto billiger. Am besten macht man sich eine Umzugsliste, auf die man alles schreibt, was man erledigen will.

2.  Ruhe bewahren!

Ein Umzug läuft nie wirklich reibungslos ab. Irgendetwas passiert immer. Dessen sollte man sich bewusst sein und am Umzugstag die Ruhe und den Überblick bewahren. Man muss nicht alles selber schleppen, meist hat man ja liebe Freunde, die einem helfen und denen man sagen kann, wo was hinkommen soll. Beim Abbauen von Möbeln sollte darauf geachtet werden, dass man alle kleinen Schrauben und Teile mitnimmt. Diese Schrauben können dann etwa in eine kleine Plastiktüte getan und mit Klebeband fest an das Möbelstück geklebt werden. So hat man beim Wiederaufbauen gleich alle Schrauben beisammen. Beim Transport sind vor allem Sicherungsmöglichkeiten ganz wichtig. Deshalb sollte man genügend Sicherungsseile und Decken zum Schutz der Möbel bereithalten. Auch Pausen sollten eingeplant und in den Zeitplan eingerechnet werden.

Trautes Heim, Glück allein – drei Tipps für einen stressfreien Umzug

Das I-Tüpfelchen: Nach dem Auspacken kommt das Dekorieren (Foto: T. Gartner)

3. Neues Heim, Glück allein?

Jede Wohnung sieht nach einem Umzug erst einmal chaotisch aus. Das ist aber nicht schlimm und auch hier gilt: Ruhe bewahren. Nicht alle Kisten müssen am ersten Tag ausgepackt werden. Erst einmal alle Möbel aufbauen und dann langsam mit den Kisten beginnen. Manchmal hilft es auch sich eine Reisetasche für die ersten paar Tage zu packen, in der alles Notwendige zum Beispiel Kleider, Duschsachen, Zahnputzutensilien und so weiter eingepackt ist. Dann kann man das Kistenauspacken viel entspannter angehen. Wer mit kleinen Kindern umzieht, sollte sich zuerst um das Einrichten des Kinderzimmers kümmern, damit die Kleinen einen gemütlichen Rückzugsort in all dem Umzugschaos haben. Auch sollte man die neue Wohnung erst einmal gründlich putzen, denn durch den Umzug entsteht meistens viel Dreck. Wenn dann endlich alles geschafft ist, steht dem Glück in der neuen Wohnung auch nichts mehr entgegen.

Vorschau: Nächste Woche könnt ihr hier lesen, was man alles für einen gemütlichen Winterabend mit Freunden braucht.

Burnout – ein kulturelles Phänomen?

Immer mehr Menschen verschiedenster Berufs- und Altersgruppen fühlen sich ausgebrannt und leiden unter Erschöpfungserscheinungen. Dieses Phänomen wird landläufig als Burnout bezeichnet. Die Symptome sind nicht immer eindeutig, doch häufig leiden Betroffene unter Apathie, reduzierter Leistungsfähigkeit sowie psychosomatischen Erkrankungen wie beispielsweise Depressionen. Auch Aggressivität und eine erhöhte Suchtgefährdung können eintreten. Nichtsdestotrotz ist Burnout keine international anerkannte Krankheit, sondern wird bei der „Internationalen Klassifikation der Erkrankungen“ lediglich unter dem Punkt „Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung“ geführt.

Burnout – ein kulturelles Phänomen?

Zeit wird immer knapper: Arbeitnehmer stehen zunehmend unter Druck (© Gerd Altmann/clock:nemo / www.pixelio.de)

Doch warum entwickelt sich dieser Zustand völliger Erschöpfung, den viele Arbeitnehmer nur allzu gut kennen, immer mehr zur Volkskrankheit? Einer der möglichen Faktoren ist das Leben in einer beschleunigten, vernetzten Welt in der nicht jeder ohne Blessuren mithalten kann. Tatsächlich kann man Burnout als kulturelles Phänomen begreifen, da unsere natürlichen Instinkte oftmals Leistungs- und Konkurrenzdruck nachgeben müssen. In einer Weltwirtschaft, die von Ungleichheit gezeichnet ist, kann es nur wenige Gewinner geben. Deshalb lernen wir von klein auf, dass Anerkennung, Leistung und Gewinnen oft wichtiger sind als beispielsweise ein ausgeglichener Lebensstil und Kreativität. Wer mithalten will, muss oftmals im privaten Leben zurückstecken und im Wettkampf mit anderen dominieren.

So sind Arbeitswochen mit mehr als 60 Stunden heutzutage nichts Ungewöhnliches mehr. Es ist immer schwieriger soziale Beziehungen zu pflegen und angespannte Verhältnisse zu Chef oder Kollegen tragen zu weiterem Stress bei. Wenn dieser Stress überhand nimmt und nicht mehr bewältigt werden kann, führt dies oft zu Burnout.

Besonders besorgniserregend ist das Alter der Patienten, das laut der „Süddeutschen Zeitung“ immer weiter sinkt. Der gesellschaftliche Umbruch macht nicht nur Arbeitnehmern zu schaffen, sondern bereits Jugendlichen, die mit drohender Arbeitslosigkeit, fehlenden Bindungsstrukturen und Problemen in der Familie zu kämpfen haben. Strukturelle Probleme im Schulsystem führen zu hohem Leistungsdruck und einer frühen Leistungseinstufung, die oftmals nicht gerechtfertigt ist. So kann es zu Panikattacken, Angst vor der Schule und Isolation kommen.

Burnout – ein kulturelles Phänomen?

Ausgelaugt und kraftlos: Burnout (©Gerd Altmann / www.pixelio.de)

Wenn man Burnout als kulturelles Phänomen begreift, können viele solcher Fälle verhindert werden. Anstatt erst dann zu handeln, wenn der Patient bereits ausgelaugt ist, sollte die Gesellschaft vielmehr Maßnahmen ergreifen, um diesen Zustand gar nicht erst zuzulassen. Auch jeder Einzelne trägt eine Verantwortung sich selbst gegenüber und sollte versuchen, dem Druck in einer Gesellschaft, in der maximaler Leistungseinsatz die Norm ist, nicht nachzugeben.

Vorschau: Nächste Woche berichten wir von der Frankfurter Buchmesse.

Zu wenig Platz für zu viel Mensch

Wir brauchen eine größere Wohnung. Das wissen wir schon länger. Unsere Wohnung platzt aus allen Nähten. Überall, wo wir dachten, es passt kein Schrank mehr hin, haben wir doch noch einen hin gequetscht. Auf meinem Schreibtisch stapeln sich Bücher, weil die Regale voll sind und ich nicht darauf verzichten kann. Wir brauchen eine größere Wohnung. Hinzu kommt, dass unser vierjähriger Sohn kein eigenes Zimmer hat, weil sein Vater das dritte Zimmer als Arbeitszimmer braucht. Wir brauchen also so was von einer größeren Wohnung.

Übers Internet - so laufen heute viele Wohnungssuchen ab (©Rainer-Sturm_pixelio.de)

Übers Internet – so laufen heute viele Wohnungssuchen ab (©Rainer-Sturm/pixelio.de)

Seit einem Jahr etwa klicken wir uns auf Seiten wie „Immobilienscout24“ umher, sichten Angebote, reden darüber – und finden immer wieder Ausreden, doch nichts zu machen. Zuerst war es: „Jetzt warten wir erst mal bis sein Referendariat vorbei ist, vorher hat es keinen Sinn“. Klingt ja auch logisch. Also haben wir gewartet, gesichtet, geredet und Anfang des Jahres uns dann die ersten Objekte angeschaut. Eines der ersten war ein Haus, relativ günstig, passende Lage. Aber sonst passte nichts. Ein Innenhof zum Albträumebekommen, 90 Prozent Durchgangszimmer, ein riesiges Bad mit einer winzigen Wanne und irgendwie so ganz ohne Waschmaschinenanschluss. Also dann doch lieber nicht. Doch ein Haus wäre ja auch nicht verkehrt, überlegten wir. Immerhin, mit Kind und Katze, in der Kleinstadt, das könnte passen. Wäre doch schön.

Wir warteten wieder etwas und weil es keine Wohnungen zu geben schien, schauten wir uns im sonnigen Frühling ein zweites Haus an. Mit Dutzenden Wandschränken, geräumigen Zimmern, einer riesigen Garage, einem passablen Hof und etwas Garten. Aber: viel zu teuer. Momentan nicht bezahlbar, für einen Aushilfslehrer und eine Hilfskraft an der Uni. Wir bissen uns auf die Lippen, sagten ab und waren gefrustet. Wegen Eurokrise oder Wirtschaft, irgendeinen Grund musste es haben, gab es keine Wohnungen, die groß genug gewesen wären und erst recht keine Häuser, die wir uns leisten konnten.

Zu wenig Platz für zu viel Mensch

Angebote? Der Wohnungsmarkt ist momentan leer, dann statt Wohnung vielleicht doch gleich ein Haus (©Rainer-Sturm/pixelio.de)

Währenddessen wuchs unser Platzmangel. Unser Sohn hatte Geburtstag – noch mehr Spielsachen – wir heirateten – überhaupt mehr Sachen. Nur der Platz wollte nicht mehr werden. Während ich unseren neuen Bowle-Behälter auf das Bücherregal räumte und unser Buffet dank der vielen Tassen nicht mehr richtig zugeht, warteten wir und warteten. Hatte denn niemand Mitleid mit einer kleinen Familie, die einfach nur ein Zimmer mehr haben wollte? Wir fragten – Kleinstadt eben – Familie und Bekannte, blätterten in den örtlichen Wochenzeitungen. Alles, was wir fanden, war eine Wohnung im zehnten Stock, die miefte und auch nicht größer war als das, was wir schon hatten.

Ich sah uns schon auf ewig hier versauern, ohne Kinderzimmer, bald über sorgsam hingestellte Kartons steigend, weil auf den Regalen schon lange kein Platz mehr ist. Vielleicht im Herbst – hofften wir, denn unsere Suchanfragen hatten seit Wochen keine neuen Objekte rausgespuckt. Mit drei Zimmern wären wir überschüttet worden. Aber drei Zimmer haben wir, drei Zimmer reichen eben nicht. Mindestens vier brauchen wir.

Es war der Mittwoch vor den Kindergartenferien, dieser Artikel war schon angesetzt, mit offenem Ende noch – ob wir je etwas fänden? An der Pinnwand gegenüber der Garderobe meines Sohnes (Schicksal?) hing ein einfacher Zettel, den ich kurzerhand mit dem Handy fotografierte. Wenig Infos: Haus in zentraler Lage zu vermieten. Zwei Toiletten, stand da, und fünf Zimmer. „Kann ja nicht schaden“, sagte ich zu meinem Mann, als ich wieder zu Hause war, und rief gleich an. Keiner hob ab, also setzte ich mich an die Arbeit. Doch bald klingelte das Telefon und nach kurzer Verwirrtheit war klar: Das ist die Vermieterin. Wir machten nur kurz einen Termin aus, klärten das Wichtigste und ich war selig. Das Haus war bezahlbar. Günstiger als ein Haus, das wir uns erst ein paar Tage zuvor angeschaut hatten: Das hatte gemuffelt, wir brauchten eine neue Küche, null Dämmung, weiter weg von der KiTa, als mir lieb war, aber noch passabel. Nur etwas zu teuer. Der Makler wollte sehen, ob sich was machen lässt, wir warteten. Und dieses Haus? Ideal. Keine fünf Minuten von unserer Wohnung weg, kleiner Garten, gerade genug für mich, die ich ohnehin kaum Zeit habe neben Uni, Kind, Schreiben. Die Küche konnten wir übernehmen, nicht billig, aber ein Traum für jemanden, der bisher zwei Quadratmeter als Küche gehabt hat. Mit Kinderzimmer und Spielzimmer und Arbeitszimmer. Alles da. Wir waren sofort Feuer und Flamme, hätten am liebsten sofort unterschrieben. Einen Tag später weihten wir unseren Sohn ein, zeigten ihm das Haus, auch er war sofort begeistert, rannte auf dem Rasen seine Kreise.

Erst zu den Herbstferien ziehen wir um, doch die Zeit vergeht schnell. Hier einpacken, da ummelden, Nachmieter, neue Couch – alles ist plötzlich da und ging dann doch so leicht. Ganz ohne Makler, ganz ohne Internet, ganz ohne Stress. Hätten wir das nur früher gewusst.

 Vorschau: Nächste Woche schreibt Sascha gegen das Vorurteil, alte Menschen seien langweilig und träge.

„Nimm dich ernst!“ – wenn der Stress überhandnimmt

„Nimm dich ernst!“ – wenn der Stress überhandnimmt

Berät gestresste Menschen: Diplom-Psychologe Hubert Blanz (Foto: privat)

„Stress ist nützlich“, sagt Hubert Blanz. Der Diplom-Psychologe beschäftigt sich bereits seit vielen Jahren mit dem Thema Stress und veranstaltet in seiner Mannheimer Praxis regelmäßig Kurse zur Stressbewältigung. Was Stress eigentlich ist, wie man mit ihm umgehen kann und vor allem, was das Gute am Stress sein soll, verrät er in einem exklusiven Interview.

Face2Face: Was versteht man unter Stress?
Blanz: Stress ist die Auseinandersetzung einer Person mit ihrer Umwelt – so die klassische Definition. Es werden ständig Anforderungen an einen Menschen gestellt und dieser setzt dann seine individuellen Fähigkeiten zur Bewältigung dieses Stresses ein. So entwickelt das Individuum weitere Fähigkeiten und Fertigkeiten – ein nützlicher Effekt von Stress. Nehmen die Anforderungen zu und vielleicht sogar überhand – sind also für den Einzelnen nicht mehr zu bewältigen – entsteht negativer Stress, den man möglichst vermeiden sollte.

Face2Face: Was können die Ursachen für Stress sein?
Blanz: Sogenannte Stressoren können beispielsweise typische Prüfungssituationen sein, Vorstellungsgespräche, aber auch zu erledigende Telefonate. Theoretisch kann alles zum Stressauslöser werden, was die Person beschäftigt und womit sie in ihrem Alltag umgeht.

Face2Face: Wie sollte man denn reagieren, wenn man in eine Stresssituation gerät?
Blanz: Menschen, die in Stress sind, sind außer sich. Daher ist es notwendig sich zu zentrieren, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen. Ein Satz, den ich hier gerne anbringe, lautet: Ich traue mir und ich traue mich. Das heißt so viel wie: Wenn ich an mich selbst glaube, dann kann ich alles schaffen – auch eine Stresssituation meistern. In Kursen wie meinen kann man lernen sich selbst zu regulieren. Gelegentliche negative Gefühle, wie Ratlosigkeit, Verzweiflung und Ahnungslosigkeit gehören aber immer dazu und können auch mit der besten Therapie nicht aus der Welt geschafft werden.

Face2Face: Gibt es Techniken, die kurzfristig Erleichterung bei zu viel Stress schaffen können?
Blanz: Ja, die gibt es. Helfen kann es sich kontrolliert abzureagieren, also Dampf abzulassen, beispielsweise mittels Sport. Darüber hinaus gibt es diverse Entspannungstechniken, zum Beispiel Atemübungen, die spontan angewendet werden können. Auch positive Selbstgespräche oder Wahrnehmungsablenkung können schnell Abhilfe schaffen. Zur längerfristigen Stressbewältigung eignen sich unter anderem regelmäßiges Entspannungstraining, Sport oder der Aufbau sozialer Kontakte zur Unterstützung.

„Nimm dich ernst!“ – wenn der Stress überhandnimmt

Laden zum Entspannen ein: Die Räumlichkeiten der Lösungswege-Praxis in Mannheim (Foto: T. Gartner)

Face2Face: Was können die Resultate aus übermäßigem Stress sein?
Blanz: Durch nicht abgebaute körperliche Erregung, strake Belastung und fehlende Erholung kann sich ein chronisch erhöhtes Aktivierungsniveau entwickeln. Langfristig kann so die Immunkompetenz geschwächt werden – Stress kann also ernsthafte Gesundheitsgefahren mit sich bringen.

Face2Face: Wie kann man als Verwandter oder Freund einem von übermäßigem Stress Betroffenen helfen?
Blanz: Eine konkrete Hilfe gibt es nicht, es kann aber sinnvoll sein, dem Betroffenen dessen momentane Situation deutlich zu machen, indem man ihn darauf anspricht, dass er sich verändert hat, beispielsweise mit einem Satz wie „früher hast du viel mehr gelacht“. In keinem Fall sollte man versuchen dem Betroffenen seine Kompetenzen abzusprechen und ihm Vorschriften zu machen. Die Aufgabe eines professionellen Stresstherapeuten wie mir ist es, dann dem Patienten helfend zur Seite zu stehen, solange bis die Alltagstauglichkeit wiederhergestellt ist und sich der Profi somit überflüssig gemacht hat.

„Nimm dich ernst!“ – wenn der Stress überhandnimmt

Wie kann ich optimal mit Stress umgehen? Das zeigt Diplom-Psychologe Hubert Blanz in seiner Praxis (Foto: T. Gartner)

Face2Face: Gibt es eine Altersgruppe, die besonders stark von übermäßigem Stress betroffen ist? Lässt sich sagen, welches Geschlecht eher durch Stress gefährdet ist?
Blanz: Diese Fragen der Polarisierung stehen bei meinen Kursen nicht im Vordergrund, da ich finde, dass sie vom Wesentlichen ablenken. Der Einzelne – unabhängig von Geschlecht oder Alter – steht im Mittelpunkt. Ziel ist es sich auf seine eigenen Probleme zu konzentrieren und den Vergleich mit anderen zu vermeiden. „Nimm dich ernst!“, lautet hier das Motto. Schließlich hat man es ja mit Menschen zu tun, nicht mit Kategorien.

Face2Face: Einen Kurs bei Ihnen zu belegen kostet 120 Euro. Übernehmen die Krankenkassen einen Teil oder vielleicht sogar den gesamten Betrag?
Blanz: Die Krankenkassen übernehmen 2/3 der Kosten, also etwa 80 Euro. Ich habe feststellen müssen, dass Leute, die eine Behandlung ganz bezahlt bekommen, sich weniger engagieren.

Info:
Der nächste Stressbewältigungs-Kurs bei Herrn Blanz findet voraussichtlich im Herbst statt. Aktuelle Informationen finden sich auf seiner Homepage. Alle Teilnehmer erhalten ein kostenfreies persönliches Reflexionsgespräch von einer halben Stunde, sofern sie es wünschen.

Kontakt:
Lösungswege – Psychologische Praxis
Rennershofstraße 3
68163 Mannheim
Tel.: 0621/9783045
E-Mail: kontakt@loesungswege.info
Homepage: www.loesungswege.info

Vorschau: Nächste Woche startet eine neue Serie in der Tipps&Tricks-Rubrik: In „Ich hab die Haare schön, Teil I“ erfahrt ihr wie man eine missglückte Coloration schonend wieder los wird.

 

Ausgebrannt – das Volksleiden des 21. Jahrhunderts

Wer kennt sie nicht, die Traumjobs vieler Hochschulabsolventen der Wirtschaftswissenschaften: Investment Banker oder Unternehmensberater. Für viele ist dies mehr als nur ein Berufswunsch, eher eine Berufung und viele träumen von der steilen Karriere mit einem überdurchschnittlichen Gehalt. Dieses kann als Junior Berater bei bis zu 57.000 Euro liegen, als Junior Analyst in Banken sogar noch höher. Man vergisst dabei leicht, dass die hohe Entlohnung ihren Preis hat. 70 bis 90- Stunden Wochen und permanenter Termindruck sind keine Seltenheit, oft muss auch das Wochenende dran glauben. Einige Vertreter der Branche, die mit den harten Bedingungen zu kämpfen hatten, sprechen von einem „Leben von Wochenende zu Wochenende“ oder gar „Schmerzensgeld“, welches als Ausgleich für das fehlende Privatleben gezahlt wird. Beruflicher Stress geht oft mit einem extremen Leistungsdruck einher. Es geht darum, sich zu bewähren und, besonders im Investment Banking, um die Erfüllung bestimmter Umsatzvorgaben. Nicht hart genug gearbeitet und das Ziel verfehlt? Danke, Sie können gehen. Der Nächste, bitte!

Am Ende jahrelanger beruflicher Überforderung steht oft die heute allgegenwärtige Diagnose – Burnout. International noch nicht als Krankheit anerkannt bezeichnet dieser Begriff eine ausgesprochene emotionale Erschöpfung mit reduzierter Leistungsfähigkeit aufgrund beruflicher Überlastung. Damit einher geht häufig eine wahrgenommene „persönliche Ineffizienz“, leichte Reizbarkeit bis hin zu einer handfesten Depression. Obwohl sich die Fälle häufen, bezeichnen Kritiker das Syndrom oft als „Modediagnose“ die zahlreiche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen rechtfertigen würde, aber die Diagnose einer Depression behindere. Keineswegs ist das Burnout Syndrom auf Berufe mit extremen Arbeitszeiten und enormem Leistungsdruck beschränkt. Gefährdet ist jeder Beschäftigte, der eine deutliche Diskrepanz zwischen dem Geleisteten und der Entlohnung wahrnimmt – und damit ist nicht immer die monetäre Vergütung gemeint, auch Respekt und Anerkennung spielen eine Rolle. Dabei belastet die hohe berufliche Belastung auch das Privatleben. Bei einem 14- Stunden Tag bleibt wenig Zeit für Familie und Freunde.

Sogar immer mehr Studenten sind von Erschöpfungssyndromen betroffen. Die psychologischen Beratungsstellen der Unis kommen gar nicht mehr hinterher. Erhöhte Arbeitsbelastung, der Mangel an Freiräumen und steigender Konkurrenzdruck führen nicht selten dazu, dass bereits Studenten Präparate zur Steigerung der kognitiven Leistungsfähigkeit schlucken, die als „Doping“ kategorisiert werden. Viele machen das Bachelor/Master System dafür verantwortlich. Kritische Stimmen behaupten aber auch, dass dies die Folge davon ist, dass immer mehr junge Menschen studieren wollen, die eigentlich gar nicht dazu geeignet wären.

Was tun? Nun, ein jeder muss irgendwann für sich selbst erkennen, ob beruflicher Stress zu weit zu gehen droht. Auch ein Verweilen in einem Job, der zwar viele Annehmlichkeiten bietet, aber eigentlich nicht zu einem selbst passt, kann zu Depressionen führen. Die kritische Beurteilung der eigenen Situation ist genauso wichtig wie das Annehmen von Hilfe, sei es in Form einer Therapie oder eines Jobwechsels. Ein Bekannter sagte einmal zu mir: „Unternehmensberater war ein Job mit spannende Aufgaben und netten Kollegen. Ich habe mich aber für einen Ausstieg entschieden, als meine kleine Tochter mich eines Sonntagabends mit den Worten ‚Tschüss, Onkel!’ verabschiedete.“ Ein Statement, das für sich spricht.

Ist man davon überzeugt, dass die 70-Stunden Woche und wenige Freizeit es Wert sind, und man weiß noch wo sich die Notbremse befindet, dann kann Unternehmensberatung oder Investment Banking genau das sein, was viele darin sehen wollen: ein Traumjob.