Sommeranfang in Frankreich mit Musik zelebriert

Am Donnerstag, den 21. Juni, war der längste Tag im Jahr und somit kalendarischer Sommeranfang. Dieser Tag wird in Frankreich seit 1982 mit dem Fest „La Fête de la Musique“ zelebriert. Amateur-, Berufsmusiker, DJ’s, Performer usw. dürfen in den Städten zum Sommerbeginn honorarfrei auftreten. Nicht nur an jeder Ecke der Fußwege und Plätze ist ein neuer Act zu sehen, sondern auch in den Gärten, Cafés, Restaurants, Kneipen usw. Sogar Balkone oder offene Fenster der Wohnungen werden für das DJ-Pult genutzt.

Was einst in der Hauptstadt Paris begann, wird nun landesweit zelebriert. Und das nicht nur in Frankreich: Viele andere Städte weltweit haben das Konzept der Franzosen übernommen und feiern den Beginn des Sommers mit ordentlich Musik. In Deutschland nehmen bis heute über 50 Städte an dem Fest teil – darunter neben München, die als erste deutsche Stadt mit dabei war, unter anderem auch Berlin, Karlsruhe und Stuttgart.

Die Grundidee des Festes ist es, die regionale Musikszene – egal ob Laien oder Profis – zu motivieren, an diesem Tag honorarfrei aufzutreten. Die Stadt soll – von ca. 18 Uhr bis Mitternacht – voller Musik, Klänge und tanzender, fröhlicher Menschen sein, denen ein kostenfreier Zugang zu allen Konzerten gewährleistet wird.

Sommeranfang in Frankreich mit Musik zelebriert

Groß und Klein ahmen die Tanz-Choreografie beim Zumba nach (Foto: M. Boudot)

Ich habe den Tag des Sommeranfangs mit zwei Freundinnen in Straßburg verbracht, wo das Fest zum 37. Mal stattfand, und dort viele verschiedene musikalische Performances genießen können.

Los ging es mit einer Runde Zumba. Zwei Tänzer gaben verschiedene Schritte vor und forderten ihre Zuschauer zum Mitzumachen auf. Mittanzen durfte jeder – Jung und Alt stellten sich zusammen in verschiedene Reihen und ahmten die Choreografien nach. Das konnten wir uns natürlich nicht entgehen lassen und haben gleich mitgezappelt.

Sommeranfang in Frankreich mit Musik zelebriert

Die Klänge der afrikanischen Trommeln bereiten gute Laune (Foto: M. Boudot)

Gut gelaunt ging es direkt weiter ins Stadtinnere. Auf dem Weg dorthin hielt ich vor einem Garagentor an, vor dem die nächste musikalische Attraktion stattfand. Mit viel Finger- und Taktgefühl auf ihren afrikanischen Trommeln brachte die Musikgruppe den Menschenkreis um sich herum zum Tanzen und Klatschen.

 

 

 

Sommeranfang in Frankreich mit Musik zelebriert

Ein Orchester spielt in einem Innenhof französische Volkslieder (Foto: M. Boudot)

In einem Innenhof legten wir eine kurze Rast in einem kleinen Restaurant ein und genossen ein Gläschen Wein. Dazu spielte dort ein Orchester, das zum Großteil aus Blasinstrumenten bestand, französische Volkslieder. Rund herum standen viele Franzosen, die voller Stolz, nach dem 1 : 0 Sieg gegen Peru bei der diesjährigen Fußball-WM, die Lieder mitträllerten.

 

 

 

Sommeranfang in Frankreich mit Musik zelebriert

DJ Arthur hat sein Mischpult auf einem Balkon aufgebaut (Foto: M. Boudot)

Nach unserer Verschnaufpause waren wir bereit für DJ Arthur. Der junge Musiker hatte sein DJ-Pult einfach auf einem Balkon in einer der Fußgängerzonen aufgebaut. Ein paar Leute feierten mit ihm zusammen über den Köpfen der tanzenden Meute unten auf der Straße. Hierunter befanden sich vor allem junge Leute, die ganz unbeschwert die Techno-Beats von Arthur verwirklichten.

 

 

 

Zum Schluss ließen wir den Tag, so wie es sich für einen Ausflug nach Frankreich gehört, natürlich bei einem leckeren Nutella-Crêpe ausklingen.

Tim Anders – von der Straße zum Plattenvertrag

Schon als kleines Kind wurde Tim Anders, während er beim Schaukeln vor sich hin sang, von einem Nachbarn auf seine schöne Stimme angesprochen. Damals hätte vermutlich noch niemand gedacht, dass der inzwischen 24-Jährige tatsächlich einmal Sänger werden würde. Bereits in seiner Schulzeit wirkte Tim im Schulmusical mit und war in der Schulband aktiv. Im Alter von 15 Jahren lernte er, Gitarre zu spielen und gründete gemeinsam mit Freunden seine erste Band. Beruflich schlug Tim jedoch erst einmal eine andere Richtung ein und absolvierte eine Ausbildung zum Koch. Die Liebe zur Musik setzte sich allerdings durch und so zog Tim nach Berlin, um Straßenmusik zu machen. Wir haben mit ihm über sein Leben als Straßenmusiker und seine dadurch entstandene Musikkarriere gesprochen.

Face2Face: Wie würdest du selbst deine Musik beschreiben?

Tim: Musik verändert sich stetig und so ist es auch bei mir. Ich warte immer noch auf eine passende und gute Beschreibung, aber ich schätze, die neuen Lieder bewegen sich zwischen Liedermacher, Blues und Jazz.

Face2Face: Was inspiriert dich zu deinen Songs?

Tim: Alles kann mir Inspiration schenken: Gespräche, Begegnungen, Momente, Orte. Kurz gesagt: Das Leben ist die Inspiration! Die Kreativität steckt in unserem Ursprung, der Natur, und die Inspiration ist der Impuls, den wir brauchen, um diese Kreativität fließen zu lassen.

Tim Anders – von der Straße zum Plattenvertrag

Musik belebt die dunkle Gasse: Tim Anders beim Musizieren in einer Berliner Unterführung (Foto: Tim Anders)

Face2Face: Wie kamst du auf die Idee, Straßenmusik zu machen?

Tim: Ich wollte frei sein und Musik machen. Ich wollte ins Ungewisse springen, die harte Schule der Straße spüren und mich selbst dabei ausprobieren und kennenlernen. Mein Lehrer hatte mir irgendwann den Film „Once“ gezeigt und ich glaube, dabei bin ich ein wenig hängen geblieben. Ich wollte diese eine Erfahrung, Straßenmusiker zu werden, in vollen Zügen auskosten.

Face2Face: Wann war dein erster Auftritt als Straßenmusiker?

Tim: Mein allererster Straßenmusik-Auftritt war 2015 unter der Bahnunterführung in Tübingen. Es war Sommer und viele Leute waren unterwegs. Ich habe einen vermutlich obdachlosen Mann gefragt, ob ich mich ein paar Meter neben ihm platzieren dürfte, um ein bisschen Musik zu machen. Er gab mir das „OK“ und ich legte los. Knapp acht Euro waren am Ende im Koffer und somit das Zugfahrticket gesichert.

Face2Face: Hast du schon gemeinsam mit anderen Musikern auf der Straße gespielt?

Tim: Ja, mit Fabio Shanti. Er ist ein langjähriger Freund und Multiinstrumentalist. Wir schreiben zusammen Lieder, touren in der Regel gemeinsam und lernen voneinander auf musikalischer und menschlicher Ebene. Wir sind ein Team und werden hoffentlich noch viele weitere schöne Momente teilen können!

Tim Anders – von der Straße zum Plattenvertrag

Zu zweit spielt es sich leichter: Tim Anders und Fabio Shanti beim Straßenkonzert in Berlin (Foto: Tim Anders)

Face2Face: Was ist das Schönste für dich, wenn du Straßenmusik machst?

Tim: Was mich sehr berührt, ist, wenn wir es schaffen, eine Traube von Menschen zum Zuhören zu bewegen und ich mich in einer Blase befinde, aus der ich am liebsten nie wieder austreten möchte.

Face2Face: Hast du auch schon in anderen Ländern Straßenmusik gemacht?

Tim: Nicht nur die Straßenmusik, sondern auch Clubauftritte haben mich und meinen Mitmusiker Fabio Shanti durch Europa geführt! Neben Deutschland waren wir in Frankreich, Italien, Schweden und Russland unterwegs, haben Straßenmusik gemacht und zum Teil Gastauftritte und Interviews gegeben! Schweden war verdammt teuer, denn selbst mit einem dicken Beutel an erspieltem Geld konnte man sich gerade mal einen Döner leisten. In Italien kam sogar die Polizei vorbei und schmiss ein paar Münzen in den Hut. Auf unserer Tour in Südfrankreich fanden wir einen abgelegenen Platz an den Klippen einer großen Bucht, sodass wir die Zeit vor unserem Zelt für ein paar Tage vergaßen. In Marseille haben wir Francois getroffen. Der hat uns den besten Pizzaladen für mittellose Straßenmusiker gezeigt, seine Weinkrüge mit uns geteilt und sein „Zuhause“ zu „unserem Zuhause“ werden lassen! Außerdem haben wir seinen mexikanischen Freund Israel kennengelernt, der uns am Tag der Abfahrt zum Essen einlud und uns über sein wundervolles Land aufklärte. In Russland wurden wir auf der Straße von wildfremden Leuten zum Wodka-Frühstück eingeladen und durften die wärmste und ehrlichste Gastfreundschaft genießen! Wir haben aber auch weniger angenehme Momente gehabt und sind an unsere Grenzen gestoßen. Wir haben zum Beispiel gestritten und waren kurz vor dem Aus einer musikalischen Freundschaft. Das alles gehört dazu und wir sind dankbar für diese Intensität der Momente und Begegnungen.

Face2Face: Was waren die außergewöhnlichsten Orte, an denen du je als Straßenmusiker gespielt hast?

Tim: Wir haben vergangenen Sommer mal in einem öffentlichen Bus gespielt. Das war eine coole Nummer. Wir hatten unser Straßenequipment dabei und sind damit von Bus zu Bus gestiegen, um es auf- und abzubauen und für die Leute zu spielen. Es kam ziemlich gut an und mein Mikrofon ist ständig abgehauen, sobald sich der Bus in eine Kurve gelegt hat. Auch wenn es so schräg und unprofessionell war, war es genau richtig. In Italien habe ich mal ein spontanes Strandkonzert gegeben. Die Leute schienen mir nicht wirklich zuhören zu wollen und ich wurde immer deprimierter. Ich habe gedacht: „Naja, dann spiele ich solange für die drei Personen, die vor mir saßen, bis sie nicht mehr wollen.“ Dazu kam es nicht, da ich von einem grauhaarigen, alten Mann unterbrochen wurde. Der fragte mich, ob er mal spielen dürfte. Als er anfing zu spielen, saß innerhalb kürzester Zeit eine Schar von Leuten um ihn herum und sang lautstark mit. Der alte Herr sang seine eigenen Lieder, die ich sogar vom Hören kannte. Das hielt dann für zwei Stunden an, bis der gefühlte Höhepunkt des Abends erreicht war und eine Gitarrensaite riss! Eine meiner schönsten Erinnerungen ist auch die Begegnung mit Norbert auf dem Marktplatz im südfranzösischen Menton. Nach meinem Set stand er in Tränen aufgelöst da und hat sich bei mir bedankt. Wir sind ins Gespräch gekommen und haben rausgefunden, dass wir in derselben Stadt wohnen! Fast drei Jahre ist es her und eine gute Freundschaft ist entstanden. Er kommt zu jedem unserer Konzerte in Berlin.

Face2Face: Du wurdest auf der Straße von einer Plattenfirma „entdeckt“, hast dadurch einen Plattenvertrag bekommen und 2016 dein Debütalbum „Thoughts, Words & Moments“ veröffentlicht. Wie haben sie dich angesprochen?

Tim: Ich stand in der Brandenburger Straße in Potsdam und habe Musik gemacht. Ein paar Wochen später erhielt ich eine Nachricht über Facebook, in der ich gefragt wurde, ob ich Interesse an einer musikalischen Zusammenarbeit mit einem jungen Label in der Gründungphase hätte. Ich bin den Deal eingegangen und Fabio kam mit ins Boot. Es war für alle Beteiligten ein schöner Anfang, ins Musikgeschäft einzusteigen und sich auszuprobieren. Dafür bin ich sehr dankbar.

Face2Face: Was hat sich dadurch für dich als Straßenmusiker geändert?

Tim: Für mich hat sich als Straßenmusiker nichts verändert, außer dass ich nicht mehr versuche, mit meiner Musik auf der Straße Geld zu verdienen. Ich möchte Kunst machen und für mich ist wichtig, dass Kunst wahrgenommen wird. Egal, ob es eine Person ist, die sich mit der Kunst identifizieren kann oder ob es 100.000 Personen sind. Wenn die Kunst nur eine Person erreicht, bei der sie eine Wirkung hat und etwas hinterlässt, dann ist es genau so, wie es sein soll.

Face2Face: Ist man mit einem Plattenvertrag in der Tasche ein sorgenloserer Straßenmusiker?

Tim: Ich denke, es spielt keine Rolle. Sorgen hat man mal mehr und mal weniger.

Tim Anders – von der Straße zum Plattenvertrag

Nie ohne Gitarren: Tim Anders und Fabio Shanti machen gemeinsam Straßenmusik in der Nähe der East Side Gallery in Berlin (Foto: Tim Anders)

Face2Face: Wie oft bist du als Straßenmusiker unterwegs?

Tim: In den ersten beiden Jahren habe ich von der Straßenmusik gelebt und war knapp fünf Tage die Woche auf der Straße. Ich habe in der Sonne, im Regen und sogar bei Minusgraden gespielt. Mittlerweile spielen wir mehr Konzerte und fahren gezielte Straßenmusiktouren, wie zum Beispiel eine Nord- und Ostsee-Straßenmusiktour im August 2018.

Face2Face: Wie du gerade schon erzählt hast, spielst du mittlerweile nicht mehr nur auf der Straße, sondern auch in Clubs und anderen Konzertlocations. War das eine bewusste Entscheidung von dir?

Tim: Die Straße war und ist für mich eine gute Schule und das, was ich da gelernt habe, nehme ich mit auf die Bühne. Konzerte zu spielen ist eine andere Herausforderung neben der Straßenmusik und gehört dazu. Mit meinem ersten Auto kam die erste Konzerttour und es wurde automatisch mehr.

Face2Face: Was macht dir mehr Spaß: Auf der Straße oder in Konzertlocations spielen?

Tim: Ich habe mehr Spaß an Konzerten, da du einen Raum hast, wohin die Leute kommen, um dir zuzuhören. Du musst nicht erst mal hart dafür arbeiten, dass dir Leute überhaupt ein offenes Ohr schenken. Trotzdem sind Konzerte jeglicher Art für mich eine kleine Überwindung, aber wenn ich das geschafft habe, genieße ich es sehr.

Face2Face: Du warst auch schon als Supportact von Mellow Mark mit ihm auf Tour. Wie kam es dazu?

Tim: Mellow Mark habe ich irgendwann nach unserer ersten Begegnung auf einem Videodreh wiedergetroffen und bin anschließend als Roadie mitgefahren. Irgendwann konnte ich nicht mehr einfach so danebenstehen und ihm auf der Bühne lauschen. Bei einem kleinen Konzert stellte er mich spontan auf die Bühne – in der Hoffnung, dass ich ihn nicht enttäuschen würde. Danach ging alles seinen Weg und ich durfte viele schöne Erfahrungen als Vorband von Mellow Mark und Jamaram sammeln. Außerdem haben wir auf seiner 2017 erschienenen Platte „Nomade“ den gemeinsamen Song „Easy“ veröffentlicht und sind auf irgendeine Art seelenverwandt.

Face2Face: Übst du nebenher noch einen anderen Beruf aus oder kannst du allein von der Musik leben?

Tim: Ich habe drei Jahre versucht, von meiner Musik zu leben und das war eine schöne Erfahrung mit vielen Höhen und Tiefen. Seit ein paar Monaten versuche ich allerdings, das Geldverdienen und die Kunst – so gut es geht – zu trennen, denn ich habe noch einen Job neben der Musik.

Face2Face: Was ist für dieses Jahr noch alles geplant?

Tim: Momentan planen wir eine Konzert- und Clubtour im Dezember. Bis dahin haben wir noch ein paar vereinzelte Konzerte und im August steht die schon erwähnte Straßenmusiktour entlang der Ost- und Nordseeküste an. Außerdem arbeiten wir hart an einer weiteren Platte.

Mehr Infos zu Tim Anders gibt es auf seiner Homepage oder seiner Facebookseite. Musikalische Kostproben findet man auf Youtube.

Als Straßenmusiker kann ich doch spielen, wo ich will – oder nicht?

„Bei schönem Wetter schnappe ich mir einfach meine Gitarre und stelle mich ein paar Stunden in die Stadt, um Straßenmusik zu machen und mein Gehalt ein bisschen aufzubessern.“ – Was so einfach klingt, ist nicht in jeder deutschen Stadt möglich und ist oft mit bestimmten Regelungen verbunden, die es Straßenmusikern teilweise erheblich erschweren, ihre Musik öffentlich an den Mann beziehungsweise die Frau zu bringen. Wir haben uns für euch schlau gemacht, welche Auflagen es unter anderem in der Rhein-Main-Region gibt und außerdem einen jungen Straßenmusiker nach seinen Erfahrungen und Tipps gefragt.

Sondernutzungserlaubnis nötig

Jede Stadt in Deutschland hat ihre eigenen Bestimmungen im Hinblick auf musikalische Darbietungen auf der Straße. Wer zum Beispiel in Darmstadt an einem öffentlichen Platz musizieren will, darf das generell nur in der Fußgängerzone zwischen 10 und 20 Uhr. Dazu kommt, dass man vorher beim Bürger- und Ordnungsamt einen sogenannten „Antrag auf eine Sondernutzungserlaubnis für Straßenmusik und Straßenkunst in der Fußgängerzone“ stellen und eine Verwaltungsgebühr von fünf Euro pro Tag zahlen muss. Außerdem vergibt die Stadt täglich überhaupt nur fünf Genehmigungen.

Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht?

Als Straßenmusiker kann ich doch spielen, wo ich will – oder nicht?

Auf dem Weg zum nächsten Straßengig: Musiker Johannes Marschall (Foto: S. Holitzner)

Noch komplizierter ist es beispielsweise in München. Bevor man dort Straßenmusik machen kann, muss man sich eine Erlaubnis in der Stadtinformation im Rathaus holen. Und wer so eine bekommen möchte, muss früh aufstehen: Die Stadtinformation erteilt gegen eine Verwaltungsgebühr von zehn Euro nur zehn Lizenzen pro Werktag und die gehen an diejenigen, die zuerst und das heißt ab 8 Uhr vor Ort sind. Ein Straßenmusiker, der zum ersten Mal in München spielen will, muss darüber hinaus zunächst sein Können im Rathaus präsentieren, bevor entschieden wird, ob er auf der Straße zugelassen wird. Weitere kleinteilige Regelungen, wie ein Spielverbot während des Glockenspiels am Marienplatz oder ein Ausschluss bestimmter Instrumente, kommen hinzu. Dieses strenge Reglement hängt damit zusammen, dass viele Geschäftsbetreiber und Anwohner sich von zu viel Straßenmusik gestört fühlen. Da kann es schon einmal vorkommen, dass sich die Musizierenden den einen oder anderen dummen Spruch anhören müssen. Johannes Marschall, der als Nebenerwerb zum Studium seit 2013 häufig mit einem oder zwei Freunden Rock’n’Roll- und Rockabilly-Klassiker aus den 50er Jahren mit Gesang und Gitarren auf der Straße performt, wurde schon öfter mit Sätzen wie „Hey guck mal, da ist Elvis“ konfrontiert. So etwas nimmt er sich allerdings nicht zu Herzen. Er ist der Meinung, dass sich diejenigen, die sich beschweren, erst einmal selbst trauen sollten, vor fremden Leuten auf der Straße zu spielen. Auf Anfeindungen von Anwohnern reagiert er mit dem Hinweis auf die Regelungen der Stadt für Straßenmusiker.

Es geht auch ohne Genehmigung

Solche Beschwerden waren in Wiesbaden der Grund für eine Verschärfung der Vorschriften im Dezember 2017. Dort darf ein Künstler seitdem einen Standort am gleichen Tag kein zweites Mal nutzen und nur noch zwischen 11 und 18 Uhr statt wie bisher zwischen 8 und 20 Uhr musizieren. Im Vergleich zu München ist Wiesbaden aber dennoch bei Straßenmusikern beliebt, weil keine Genehmigungen notwendig sind. Insbesondere Frankfurt schätzt Straßenmusik als kulturelle Bereicherung und belebendes Element, weshalb die Mainmetropole die kreativen Talente eher fördert als ihnen durch viele verwirrende Regelungen Steine in den Weg zu legen. Von Montag bis Samstag dürfen dort die Straßen zwischen 7 und 20 Uhr (von 1. Mai bis 31. August sogar bis 21 Uhr) bespielt werden, wenn nach maximal einer Stunde ein Standortwechsel erfolgt. Zwischen zwei Straßenkonzerten an der gleichen Stelle muss zudem knapp eine Stunde Pause liegen.

Nicht alles ist schlecht an einer Straßenmusikordnung

Als Straßenmusiker kann ich doch spielen, wo ich will – oder nicht?

Voll im Element: Johannes Marschall beim Konzert auf der Straße in Mainz (Foto: J. Marschall)

In Mainz brauchen Straßenmusiker ebenfalls keine Genehmigung, um auf der Straße aufzutreten. Trotzdem gibt es eine Straßenmusikordnung mit verbindlichen Regeln. Diese besagt, dass man genügend Abstand zu öffentlichen Veranstaltungen halten sollte. Des Weiteren ist die Stadt in verschiedene Spielzonen aufgeteilt, die nur an Werktagen zu festgelegten Zeiten für maximal 30 Minuten zum Musizieren genutzt werden dürfen. Johannes, der primär in Mainz Straßenmusik macht, kritisiert, dass sich nicht immer alle Künstler an diese Vorschriften halten. Viele wissen aber auch gar nicht, dass es einen solchen Regelkatalog für Straßenmusiker gibt. Positiv daran findet der 27-Jährige, dass man sich unter den Straßenmusikern nicht direkt in die Quere kommt oder sich sogar gegenseitig die Zuschauer abjagt. Insgesamt sorgt die Verordnung in Mainz für einen fairen Umgang miteinander und damit für einen fairen Wettbewerb.“ Aber solche Regelungen haben auch ihre Schattenseiten: „Wenn man gerade so richtig schön in Fahrt gekommen ist, muss man schon wieder umziehen. Wenn außerdem an bestimmten Tagen viele Straßenmusiker unterwegs sind, kann es schwer werden, den Ort immer gleich im Halbstundentakt zu wechseln, da viele Plätze belegt sind.

Haltet den Dieb!

Unabhängig von den Vorschriften sollte man als Straßenmusiker allgemein aufpassen, dass man nicht Opfer eines Diebstahls wird. Vielfach legen die Künstler einen Gitarrenkoffer oder einen Hut auf die Straße, in den Fußgänger bei Gefallen einen kleinen Obolus werfen können. Johannes hat in Mainz die Erfahrung gemacht, dass ein Mann, der rein äußerlich den Anschein eines Obdachlosen erweckte, mehrmals im Vorrrübergehen versucht hat, Geld aus dem Gitarrenkoffer zu nehmen. Da sie zu dritt musizierten, konnten zwei weiterspielen, während der Dritte den Diebstahl vereitelte, indem er den Mann anschrie und somit verscheuchte.

Wie werde ich ein erfolgreicher Straßenmusiker?

Abgesehen von den Regelungen, welche die Städte Straßenmusikern vorschreiben, gibt es verschiedene Dinge, die laut Johannes alle, die ihre Musik an öffentlichen Plätzen präsentieren wollen, beachten sollten: „Man sollte sein musikalisches Handwerk verstehen. Außerdem sollte man denselben Song nicht zu oft hintereinander spielen. Ich betrachte Straßenmusik auch immer als ein Konzert mit einem gewissen Grad an künstlerischem Anspruch. Außerdem spielt der Ort, an dem man sich auf der Straße aufstellt, eine große Rolle. Wenn man sich eher in die Mitte der Straße als an die Straße stellt, hat man größere Chancen wahrgenommen zu werden – und darum geht es ja auch: präsent sein, die Leute mit seiner Ausstrahlung und Musik fesseln und sich nicht in Seitengassen verstecken.

Straßenmusik = eine Bereicherung?

Neben denjenigen Passanten, denen die Johnny Cash-Coversongs von Johannes ein Lächeln ins Gesicht zaubern, gibt es aber immer noch viele, die Straßenmusik skeptisch beäugen. Der junge Musiker würde sich deshalb wünschen, dass sich Städte und vor allem die Anwohner und Menschen auf der Straße mehr der Straßenmusik öffnen. Er sieht eine lebendige Straßenmusikkultur als große Bereicherung für eine Stadt, denn „was gibt es Schöneres als an einem sonnigen Tag durch die Straßen zu flanieren und dabei gute Straßenmusik zu genießen.“ Andere Länder, wie zum Beispiel Italien, scheinen Straßenmusik offener gegenüberzustehen. So hat es zumindest Johannes erlebt: „Als ich vor zwei Jahren auf Studienfahrt in Neapel war, begannen auf einmal mehrere Straßenmusiker ein Konzert mitten unter den Restaurantgästen auf der Straße. Die haben fast eine Stunde eine Canzone Napoletana nach der anderen geschmettert und alle haben mitgemacht. Ich glaube, so etwas würde in Deutschland nicht so schnell passieren.

Deutschlandkarte für Straßenmusiker

Damit Straßenmusiker auf einen Blick sehen können, ob sie beim öffentlichen Musizieren in den einzelnen Städten Deutschlands mit Einschränkungen rechnen müssen oder erwünscht sind, hat DIE ZEIT im August 2017 eine hilfreiche Karte erstellt. Darin sind zum Beispiel auch Mannheim und Heidelberg zu finden. Etwas kleinere Städte, wie beispielsweise Speyer, sind dort jedoch nicht verzeichnet.

Straßenmusiker: Musikalische Bettler oder kreative Talente?

Straßenmusiker: Musikalische Bettler oder kreative Talente? (Foto: Karl-Heinz Laube  / pixelio.de)

Straßenmusiker: Musikalische Bettler oder kreative Talente? (Foto: Karl-Heinz Laube  / pixelio.de)

In einer Zeit, in der Straßenmusiker zu Stars avancieren, frage ich mich, ob ich vielleicht die Einzige bin, die beim Stichwort „Straßenmusik“ an ältere Männer mit Zopf, Hund und Gitarre denkt, oder die beim ersten Klang in der Fußgängerzone sofort eine Panflöte und Trommel spielende Gruppe vor Augen hat. Nicht falsch verstehen: Mit der Qualität der Musik oder dem Talent der Musizierenden hat das rein gar nichts zu tun. Es ist schlicht das Bild, das mir in den Kopf schießt, wenn ich das Stichwort „Straßenmusiker“ höre. Aber damit bin ich scheinbar längst nicht mehr „up to date“. Wie hat sich die Wahrnehmung von Straßenmusikern in unserer Gesellschaft gewandelt? Über Facebook, Twitter und Instagram wollten wir von euch wissen: Was sind Straßenmusiker in euren Augen?

Vom Straßenmusiker zum Star

Rund 83% von euch sehen Straßenmusiker als „kreative Talente“, für knapp 17% sind sie eher „musikalische Bettler“. Wobei sich die zwei Umschreibungen ja nicht zwingend ausschließen. Wieso auch sollte jemand musikalisch Begabtes bei seinen Zuhörern nicht um einen kleinen Obolus bitten dürfen? Oder anders herum gefragt: Warum sollten wir anstatt Geld für Musikdownloads auszugeben, nicht auch einmal dem Straßenmusiker ein paar Euro zustecken, wenn uns die Musik gefällt? Und wer weiß – vielleicht wird aus ihm ja mal ein großer Star? Wikipedia führt eine ganze Liste von erfolgreichen Musikern, die mal auf der Straße angefangen haben. Neuzugang, wenn auch nicht mehr taufrisch (natürlich in Bezug auf den Newswert dieser Info) ist Michael Hirte. Nach einem Unfall wurde der ehemalige LKW-Fahrer arbeitslos. Durch sein Mundharmonikaspiel auf der Straße konnte er sich über Wasser halten. 2008 gewann er die zweite Staffel der Castingshow „Das Supertalent“.

Talentscout dank Social Media

Was? Castingshows sind genauso oldschool wie mein Bild von Straßenmusikern? Heute, zehn Jahre nach Michael Hirte ist es das World Wide Web, genauer: die Sozialen Medien, die aus Straßenmusikern Stars machen.

Sieht so der Straßenmusiker von heute aus? (Foto: S. Holitzner)

Sieht so der Straßenmusiker von heute aus? (Foto: S. Holitzner)

Das kann selbst ich nicht verpassen. Erst vor zwei Tagen hat mir mein Facebook-Feed ein Video angezeigt, in dem eine bunte Truppe Musiker aus einem Lied eine ganze Show macht. Überall scheinen sie aus dem Boden zu sprießen, ihre zarten Äste in die Sozialen Netzwerke zu bohren und in unseren Köpfen Wurzeln zu schlagen: Meist junge – Spießer würden sagen „hippe“ Leute – mit (teilweise) umwerfendem Talent. Wo sie auftauchen, drängen sich binnen Minuten die Massen, tanzen oder singen mit und – ganz wichtig – zücken ihre Smartphones, um das Erlebte aufzuzeichnen. So sind wir eben. Mir selbst fällt es oft schwer einen Moment einfach „nur“ zu genießen ohne ihn aufzuzeichnen – für meine Freunde, meine Familie, meine Instagram-Follower. Bescheuert, oder?

Straßenmusik im Trend

Und wahrscheinlich kommt genau daher das Gefühl – das Gefühl, dass Straßenmusik plötzlich zum Trend wird. Aus älteren Männer mit Zopf, Hund und Gitarre werden wahre Showacts, die ihre Stimme und/ oder Instrumente in Vollendung beherrschen, ihre Zuhörer unterhalten und mitreißen. Aus musikalischen Bettlern werden kreative Talente – dass diese Wahrnehmung längst in unserer Gesellschaft angekommen ist, zeigt ja auch unsere Umfrage. Tausende Follower, vielleicht ein Plattenvertrag und irgendwann die große Bühne – der Traum vom Straßenmusiker zum Star zu werden, war gefühlt noch nie so greifbar nah.

Zurück zur Realität

So neu ist das Phänomen aber gar nicht – wer erinnert sich nicht wenigstens düster an die Kelly Family? Von bettelarm zu stinkreich in den 1970er Jahren – so schnell kann´s gehen. Und da ist es auch wieder: Mein Bild vom verzottelten, leicht abgeranzten Straßenmusiker. Übrigens: Einer der Kellys kehrte nach den großen Erfolgen auf die Straße zurück. Um seine Familie zu ernähren, war Jimmy Kelly gezwungen, das Gitarrespielen, das er vorher laut eigener Aussage nur „leidlich“ beherrschte, zu üben und natürlich sich durchzuschlagen – auf dem harten (Straßen-)Pflaster. Man kann also nicht nur die Stars von morgen, sondern auch die von gestern auf der Straße treffen…

Gregor Jonas – Musiker aus Leidenschaft

Schon im Alter von fünf Jahren sauste der inzwischen 29-jährige Gregor Jonas, der ursprünglich aus dem hessischen Friedberg stammt, laut singend die Ski-Pisten hinunter. Nachdem er zuvor sechs Jahre lang Schlagzeugunterricht hatte, schnappte er sich im Alter von 16 Jahren die Gitarre seiner Schwester und brachte sich selbst das Spielen bei. Seitdem schreibt Gregor auch eigene Songs. Präsenz im Fernsehen erlangte er durch seine Teilnahme an der letzten Staffel der Castingshow „The Voice of Germany“, bei der er es in die Blind Auditions schaffte. Mit einem abgeschlossenen Architekturstudium in der Tasche widmete sich Gregor im letzten halben Jahr vor allem der Straßenmusik und brachte im April diesen Jahres seine erste EP heraus.

Die Gitarre immer mit dabei: Sänger Gregor Jonas (Foto: S. Holitzner)

Die Gitarre immer mit dabei: Sänger Gregor Jonas (Foto: S. Holitzner)

Face2Face: Wie würdest du selbst deine Musik beschreiben?

Gregor: Ich schreibe Musik über die Gegebenheiten, die mich definieren und beschäftigen. Englischsprachige Alternative-Songs, in denen Gitarre und Stimme gleichermaßen Raum finden sollen. Oft steht hierbei die Wechselbeziehung von Euphorie und Melancholie im Fokus der Texte und musikalischen Klangfärbung.

Face2Face: Du schreibst alle deine Songs selbst. Was inspiriert dich dazu?

Gregor: Alles und nichts. Manche Ideen entstehen aus Geschichten, die ich erlebe oder erzählt bekomme, durch Menschen, die ich treffe, oder Erfahrungen, die ich auf Tour mache. Andere Songs entstehen unwillkürlich von selbst.

Face2Face: Wie kamst du auf die Idee, Straßenmusik zu machen?

Gregor: Zur Straßenmusik kam ich, weil ich mich nicht direkt getraut habe, mich auch alleine auf Bühnen zu stellen. Ich fand es vermessen, Konzerte mit meinen eigenen Songs zu organisieren und den potenziellen Zuhörern zu vermitteln, dass die Sachen so gut sind, dass sie sie hören wollen. Auf der Straße bekommt man ein direktes Feedback. Passanten gehen entweder vorbei oder sie bleiben stehen. Die offensten unter ihnen sagen dir direkt, ob das, was du machst, schrecklich klingt, oder eben nicht. Diese gnadenlose Kritik hat mich zu Beginn gereizt. Die schönen Eindrücke der letzten Jahre lassen mich weitermachen.

Face2Face: Durch die Straßenmusik bist du schon viel durch Deutschland gereist und hast einige Städte gesehen. Wo spielst du am liebsten und warum?

Mit Spaß bei der Sache: Sänger Gregor Jonas beim Straßenkonzert in Wiesbaden (Foto:   S. Holitzner)

Mit Spaß bei der Sache: Sänger Gregor Jonas beim Straßenkonzert in Wiesbaden  (Foto:         S. Holitzner)

Gregor: Das stimmt allerdings. Es gibt auch tatsächlich einige Städte, wie beispielsweise Hamburg, Wiesbaden, Cottbus oder Kiel, in denen ich besonders gerne spiele. Auf jeden Fall hängt es von den Menschen ab. Offene Ohren sind die größte Belohnung.

Face2Face: Welche Erfahrungen nimmst du aus deiner Teilnahme an der Castingshow „The Voice of Germany“ im letzten Jahr mit?

Gregor: Obwohl ich vor meiner, eher durch Spaß als durch Erfolgserwartungen motivierten Teilnahme bei „The Voice of Germany“ alles andere als ein Casting-Show-Enthusiast war, kann ich rückblickend ein durchweg positives Resümee abgeben. Es war eine tolle Erfahrung mit großartigen Menschen auf Seiten der Organisation und Teilnehmer und ich bin sehr froh, diese Zeit durchlebt zu haben.

Face2Face: Wer sind deine musikalischen Vorbilder und mit wem würdest du gerne ein Duett singen?

Gregor: Ich glaube, dass meine Musik stark durch Bands wie Rise Against, City and Colour, Hot Water Music, aber auch Exoten wie Dream Theater oder Say Anything geprägt wurde. Ein Duett? Gute Frage… Ina Müller?! Vielleicht wirklich einfach mit Dallas Green (City and Colour/Alexisonfire) oder Hayley Williams (Paramore). Zwei wirklich fantastische Stimmfarben!

Face2Face: Am 1. April ist deine erste EP „Home“ erschienen. Darauf zu finden sind fünf Songs. Unter welchem Aspekt hast du die Songauswahl getroffen und wie lange hat es gedauert, bis du die fertige EP in den Händen gehalten hast?

Gregor: Die EP entstand aus dem Wunsch, den Zuhörern bei Konzerten oder auf der Straße etwas mitgeben zu können, wenn sie mich darauf ansprechen. Die Zusammenstellung der Songs kann als Momentaufnahme meines musikalischen Schaffens gesehen werden. Ich wollte ein möglichst breites Spektrum präsentieren. An der Scheibe habe ich zusammen mit Moritz Herrmann von Breadmaker Records viele Monate gearbeitet und es macht mich wirklich stolz, dass sie nun tatsächlich fertig und darüber hinaus noch so schön geworden ist, sowohl graphisch, als auch akustisch.

Face2Face: Was war dein schönstes musikalisches Erlebnis bisher?

Gregor: Da gibt es zu viele, als dass ich hier sicher sagen könnte, das eine Ereignis steht besonders über allen. Alleine schon, wenn mir Menschen, die eigentlich in Fußgängerzonen unterwegs sind, weil sie etwas vor haben, ihre Aufmerksamkeit schenken, finde ich das nach wie vor sehr schön. Manche bleiben sogar für mehrere Songs bei mir und lassen alles andere warten, nur um mir weiter zuzuhören. Ein tolles Gefühl!

Face2Face: Du hast in Weimar und Cottbus Architektur studiert und bist jetzt vor kurzem nach Kiel gezogen, um als Architekt zu arbeiten. Was würdest du gerne einmal entwerfen?

Gregor: Ein kleines Theater, das wäre mal was. Einen schönen Raum für Kunst, für Licht, Klang und Raum selbst. Darauf hätte ich große Lust.

Face2Face: Wie vereinst du deine beiden Berufe – Architekt und Musiker?

Gregor: Natürlich habe ich jetzt, da ich nach einer Auszeit als Berufsmusiker zur Architektur zurückgekehrt bin, etwas weniger Zeit für die Musik selbst. Ich werde aber sicher nicht aufhören, Musik zu machen und auf die Bühne zu bringen. Denn gerade diese Kombination, der Kontrast und der Ausgleich, den ich durch Architektur und Musik bekomme, ist es, was mir Spaß macht.

Face2Face: Was ist für dieses Jahr noch alles geplant?

Gregor: Jetzt, wo ich hier oben im Norden wohne, gibt es ganz neue Straßen und Bühnen zu erobern! Ich werde in den kommenden Wochen versuchen, ein paar neue Konzerte zu buchen und die Idee weiter voranzutreiben. Die ersten bestätigten – zugegeben nicht unbedingt im Norden Deutschlands gelegenen – Konzerte sind am 16. Juli im Kulturpark Wiesbaden und am 18. Juli beim Sparkling Vibes in Bad Nauheim. Ich freue mich schon sehr darauf, endlich wieder vor Publikum spielen zu können.

Mehr Infos zu Gregor Jonas gibt es auf seiner Facebookseite. Musikalische Kostproben findet man auf seinem Youtube-Kanal

Vorschau: Nächste Woche erscheint der zweite Teil der Reihe  „Artists to watch“.

„Komm spiel doch mal, freunde dich mit den anderen Songs an“

"Komm spiel doch mal, freunde dich mit den anderen Songs an"

Vier Jungs mit viel Talent: "Ohrbooten" (offizielles Pressefoto)

In Berlin trafen wir zwei von vier Mitgliedern der Spaßkapelle „Ohrbooten“, zu Tee und Obst in Matze´s Zuhause. Sie alberten rum, erklärten uns wie sie sich gefunden haben, erzählten aber auch, was die Fans in der nächsten Zeit so erwartet.

Face2Face: Wie habt ihr euch als Band gefunden?
Matze: Also es spielen mehrere Stränge eine Rolle. Damals haben Ben und ich Straßenmusik gemacht und Onkel hatte uns ein paar mal gesehen und Not hab ich auch schon einmal getroffen auf einer Jamsession aber wir wussten nicht, dass wir irgendwann mal so tief verknüpft zusammen in einer Band spielen würden.
Onkel: Nää (lacht)
Matze: und magst du mal weiter erzählen?!
Onkel: Ja und bevor wir dann eine Band wurden, war ein Teil noch ein Jahr in Australien und ich hatte damals Liebeskummer. Dann hatte ich Not und Ben getroffen und die hatten gesagt „Ja haste Lust in Berlin was zu machen?“ und ich dachte mir, gut eigentlich mach ich nur Metal aber man kanns versuchen und dann als Andi wieder da war, waren wir das erste Mal als Band zusammen, hatten auch relativ schnell Gigs.

Face2Face: Wenn ihr an einem Song arbeitet, wie entsteht er dann?
Matze
: dat is eine gute Frage. Wir arbeiten gerade an unserer vierten Platte und sind am Aufnehmen. Wie entsteht ein Song? Keine Ahnung eigentlich, aber die besten Songs kommen von Ben. Der arbeitet wirklich hart daran und macht seine Sache sehr gut. Eigentlich, machen wir unsere Songs wie Gedichte, so entstehen sie und wenn´´s dann zur Musik geht, machen wir das zu viert.
Onkel
: dat is keene Arbeitstätigkeit
Matze
: Dat is och Arbeit aber da gibt es kein Schnittmuster. Das wissen die Leute die selber Musik machen auch, aber am besten ist der Song wenn er sich von alleine spielen lässt.
Onkel
: Es gibt aber auch Songs die brauchen lange, da haben wir einen der ist schon zwei Jahre alt. Also eigentlich ist der Song schon in der Kita und man muss ihn halt auf dem Spielplatz noch immer ein bisschen schubsen, aber wir sind halt auch gute Eltern,
Matze
: Jetzt spiel halt mal! (lacht)
Onkel
:Ja jetzt spiel halt mal, jetzt mach halt mal, freunde dich mit den anderen Songs an
Matze
: Ja wir reden sehr metaphorisch aber so erklärts sich´s am besten.

Face2Face: Wann wird das Album rauskommen?
Matze
: Also vorgenommen haben wir uns nächstes Jahr, so im frühen Sommer, aber wir haben noch nicht mal das Studio. Wir haben ja auch keine Deadline aber wir arbeiten dran.

Face2Face: Ein neues Album zieht ja mit sich, dass man dann auch, wenn sie dann draußen ist, viel unterwegs ist. Wie ist es für euch, dann nach längerer Zeit von daheim weg zu sein?
Onkel
: Dat is weit aus weniger aufregend als die meisten denken
Matze
: Du redest ja jetzt auch von einer Clubtour bei der man viele Konzerte auf einmal spielt, also bei der letzten Platte haben wir 62 Konzerte gespielt und waren viel unterwegs im Bus und auf der Bühne und das ist wirklich sehr anstrengend. Du musst dann auch jeden Abend am Start sein und da gibt es dann Situationen wo du dir denkst „ Ick würd mir jetzt gerne mal n Tee machen und in der Küche chillen“ , aber da sind dann über 100 Menschen draußen, die dich dann auch wieder reißen und jetzt nach so langer Zeit in der nicht viel los war, freut man sich auch wieder richtig darauf.

Face2Face: Was sind eure Wünsche und Ziele für 2011?
Onkel
: dat is ja fast vorbei (lacht)
Matze
: Also wir arbeiten an unserem Album, viele Live Auftritte und ja der Rest spielt sich dann 2012 ab.

Vorschau: Nächsten Samstag lest ihr an dieser Stelle das Portrait eines Magdeburger Chores.