Kreativität und Spontanität – davon leben BarCamps

Willkommen im Jahr 2015 – dem Zeitalter von Social Media, BarCamps, kreativen Workshops und Vorträgen in lockerer Atmosphäre. Gleich vorweg BarCamps haben nichts mit Bars oder Campen zu tun. BarCamps sind ein offenes, interaktives Veranstaltungsformat als Alternative zur klassischen Konferenz. Die Teilnehmer sind per „Du“ und bloggen beispielsweise per Twitter live vor Ort.

Das fleißige Orga-Team des BarCamps in Erfurt (Foto: offensichtlich.de)

Das fleißige Orga-Team des BarCamps in Erfurt (Foto: offensichtlich.de)

Am vergangenen Wochenende fand im Kinder-Medien-Zentrum in Erfurt das vierte BarCamp statt. Durch die räumliche Nähe des Kinder-Medien-Zentrums zum KiKa, dem öffentlich-rechtlichen Fernsehkanal von ARD und ZDF für Kinder und Jugendliche, hat sich das BarCamp in Erfurt besonders den Themen von Jugend & Medien verschrieben.

 

Was ist eigentlich ein BarCamp?

Jugend & Medien: war das Thema des diesjährigen BarCamps in Erfurt (Foto: barcamp-erfurt.de)

Jugend & Medien: war das Thema des diesjährigen BarCamps in Erfurt (Foto: barcamp-erfurt.de)

„Das BarCamp ist eine sogenannte Mitmachkonferenz“ ist die Antwort von Martin Fache, einem der Organisatoren des BarCamps in Erfurt. Seit 2012 findet nun schon das kostenlose BarCamp „Jugend & Medien“, eine der größten Fachkonferenzen für Medienmacher, Entwickler, Designer und Pädagogen in der Landeshauptstadt von Thüringen statt. Im Fokus stehen dabei der Dialog zwischen Medien-Trends und Technik, über Wissen und Visionen. Dieses Jahr standen im Fokus vor allem pädagogische Konzepte sowie innovative Lehr- und Lernmöglichkeiten bei Medien für Kinder und Jugendliche.

Wie kann man sich so eine Mitmachkonferenz konkret vorstellen?

Die Teilnehmer des BarCamps schlagen am Tag der Veranstaltung – also sehr spontan – ihre Themen vor. Zu diesen Themen werden dann Workshops, Seminare oder Vorträge vorbereitet und vor den anderen Teilnehmern gehalten. Ein sehr offenes und modernes Format also, welches sich seit 2005 vor allem in der IT- und Medienwelt sehr stark etabliert hat. Übrigens eignet sich so ein kostenloses BarCamp auch hervorragend fürs Netzwerken, dabei entstehen neben vielen interessanten Kontakten auch Ideen für neue innovative Projekte.

Klingt spannend, oder? Dann begleite mich doch auf das BarCamp und überzeug dich selbst von den vielen Vorteilen. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde mit Namen und den drei Stichworten, die einen am besten beschreiben (meine sind in dem Fall: Social Media, Journalismus und Australien) ging es am Samstag um 9 Uhr morgens auch schon los. Die Teilnehmer im Alter von 20 bis 40 Jahren waren alle pünktlich erschienen, die Stimmung war von Anfang an sehr locker und ungezwungen. Die 150 angemeldeten Gäste waren bunt gemischt: Studenten, (Medien) Wissenschaftler, Journalisten und Blogger, Manager und Programmierer. Die Teilnahme war dank Sponsoren für alle Anwesenden kostenlos. Es gab kein festes Programm, keine Keynotes wie auf einer Konferenz. Alle Teilnehmer zusammen machen das BarCamp zu dem, was es ist.

 

Die Spannung steigt: die motivierten Teilnehmer waren sehr aktiv bei den Sessions (Foto: F. Teuchert)

Die Spannung steigt: Die motivierten Teilnehmer waren sehr aktiv bei den Sessions (Foto: F. Teuchert)

Wie geht es nach der obligatorischen Vorstellungsrunde weiter?

Im Anschluss an die Vorstellungsrunde durfte jeder Teilnehmer sein relevantes Thema vor den anderen Beteiligten vorschlagen. Die Vorträge werden in die Agenda aufgenommen, wenn genug Teilnehmer daran interessiert sind. Per Handzeichen entscheiden die Teilnehmer welche Themen es tatsächlich auf den Sessionplan schaffen. Da immer verschiedene Sessions zur gleichen Zeit gehalten werden, kommt keine Langweile auf.

Im Gegenteil: Durch die große Themenvielfalt hat man bei BarCamps eher das Problem nicht an zwei oder drei Orten gleichzeitig sein zu können. Wer dennoch ein bestimmtes Thema vermisst, kann sich und seine Kreativität einfach selbst miteinbringen und die Agenda auf diese Weise aktiv mitgestalten.

Was unterscheidet ein BarCamp von anderen Medien-Veranstaltungen?

Im Gegensatz zu den bekannten Medien-Veranstaltungen, wie z.B. der Social Media Week oder der re:publica Konferenz in Berlin, gibt es bei einem offen BarCamp grundsätzlich keine Unterscheidung zwischen den Referenten und Zuhörern. Im Mittelpunkt steht hier die Kommunikation auf Augenhöhe. Jeder Teilnehmer hat somit die Möglichkeit sich selbst und seine Expertise in das BarCamp einzubringen und kann gleichzeitig von den Anderen lernen. Es ist sprichwörtlich ein Geben und Nehmen von Wissen und Erfahrungen.

 

Alle Teilnehmer gestalten gemeinsam das BarCamp in Erfurt (Foto: barcamp-erfurt.de)

Alle Teilnehmer gestalten gemeinsam das BarCamp in Erfurt (Foto: barcamp-erfurt.de)

 

Dieses interaktive Verfahren stellt sicher, dass den Teilnehmern genau die Themen angeboten werden, die für sie am interessantesten sind. Denn alle Teilnehmer gestalten gemeinsam. Der daraus resultierende Sessionplan ist dann für alle Teilnehmer über die verschiedensten Medien (z.B. via Facebook-Fanpage, Twitter-Wall oder als PDF) online einsehbar.

 

 

 

BarCamps bestehen aus Interaktivität, Multimedialität und Viralität

Ein weiteres wichtiges Kennzeichen von BarCamps, neben der Interaktivität und Multimedialität ist übrigens ihre Viralität. Viral bedeutet in diesem Zusammenhang, dass Informationen in kürzester Zeit von Mensch zu Mensch weitergegeben werden. Sprich für jede Veranstaltung gibt es einen bestimmten Twitter-Hashtag, der vorher festgelegt wird. Für das Barcamp in Erfurt war es der Hashtag #bcef15. So können auf den verschiedensten Medien – wie beispielsweise Twitter – alles zu einer bestimmten Veranstaltung (BarCamp Erfurt), zu einem bestimmten Thema oder auch parallel laufende Sessions mitverfolgt werden.

Wie kann man sich eine Session vorstellen?

Eine Session ist nicht automatisch ein Frontalvortrag, sondern kann manchmal auch nur eine Diskussion zu einem bestimmten Thema sein oder eine Art Inspiration. Die Sessions sind grundsätzlich frei gestaltet und Rückfragen oder Diskussionen zu bestimmten Themen sind nicht nur wünschenswert, sondern oftmals die Grundlage der Sessions.

Der Sessionplan für Samstag den 24. Oktober sah beispielsweise so aus:

  • Videokonferenz mit dem Fernsehmoderator und zugleich Schirmherrn des Erfurter BarCamps Ralph Caspers („Sendung mit der Maus“ oder „Wissen macht Ah“)
  • „Bin ich wirklich (Medien) süchtig?“
  • Schülerzeitungsarbeit in Thüringen wurde von der Jugendpresse Thüringen gehalten
  • „Lernen mit Minecraft“ war eine Session von Sebastian
  • „3D-Scanning am Beispiel von Kompressionsstrümpfen“
  • HTML5-Spiele mit Flash DIE & Create.JS von Carsten
  • „360° Video-Konzeption, Design und Technik“
  • „Let’s talk about Netflix“
  • „Bedeutung des Mediennutzungsvertrags“ von Martin
  • Möglichkeiten zu einem papierlosen Büro von Hannes
Vielseitig: So sah der Sessionplan für das BarCamp in Erfurt am Samstag 24.10.2015 aus (Foto: F. Teuchert)

Vielseitig und abwechslungsreich: So sah der Sessionplan für das BarCamp in Erfurt am Samstag 24.10.2015 aus (Foto: F. Teuchert)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abschließend kann ich sagen: Ein BarCamp kann sehr inspirierend sein, man bekommt viele neue Ideen und noch mehr Freude an der eigenen Arbeit – vor allem im Medienbereich.

 

Mehr Infos zum BarCamp Erfurt findet ihr auch auf:


Vorschau: Nächste Woche wird Vanessa Betz in der Film-Kunst-Kultur-Rubrik über ein spannendes Thema berichten.

Ein Plädoyer für die Spontanität

Kaffeepause - sich spontan mit der Freundin auf einen Kaffee verabreden, ist immer eine gute Idee! (Foto: Rainer Sturm  / pixelio.de)

Kaffeepause – sich spontan mit der Freundin auf einen Kaffee verabreden und für einen Moment den Alltagsstress hinter sich lassen. Das ist immer eine gute Idee! (Foto: Rainer Sturm / pixelio.de)

Spontanität – das ist etwas Herrliches und eröffnet einem oftmals ganz neue Möglichkeiten. Doch natürlich muss man gewillt sein, sich darauf einzulassen und die Magie der Spontanität schätzen und lieben lernen. In gewisser Weise muss jeder sich auch mit der Ungewissheit anfreunden, dass spontane Vorhaben nicht unbedingt immer so ausgehen, wie jemand sie sich vorher ausgemalt hat. Sie können aber auch zu großartigen und unvergesslichen Erlebnissen und Begegnungen mit tollen Menschen führen, die einem noch lange im Gedächtnis bleiben. Doch einige scheinen mit dem Konzept der Spontanität nicht ganz so gut zurechtzukommen und ihm eher feindselig gegenüber zu stehen. Ich war schon immer geneigt mich spontan mit Freunden auf einen Kaffee zu treffen, wenn mir ganz plötzlich danach war. Oder aber wenn ich gerade etwas in einem Stadtmagazin herumstöberte und zufällig über ein interessantes Konzert oder eine Ausstellung stolperte, griff ich sodann zum Telefonhörer, um eine Freundin oder einen Freund mit meiner bereits bis ins kleinste Details ausgemalten Abendplanung vertraut zu machen.

Unter Zeitdruck - nicht immer bleibt Zeit für Spontanitiät, angesichts vieler Termine und Verpflichtungen (Foto: Bernd Kasper  / pixelio.de)

Unter Zeitdruck – angesichts vieler Termine und Verpflichtungen scheint Spontanität oftmals ein wirklicher Luxus zu sein (Foto: Bernd Kasper / pixelio.de)

Oft werde ich allerdings enttäuscht. Denn nicht alle meine Freunde sind für meine recht kurzfristigen Vorhaben zu begeistern oder haben schlicht und einfach schon eine Verabredung oder einen anderen wichtigen Termin. Natürlich habe auch ich meine Verpflichtungen und sitze nicht den ganzen lieben langen Tag zu Hause und drehe Däumchen. Allerdings vermute ich, dass meine Herangehensweise eine ganz andere, als die, der nicht so spontanen Menschen ist – wenn ich im Voraus weiß, dass die kommende Woche einen freien Tag zulässt, werde ich deshalb nicht zwangsläufig sofort eine Verabredung vereinbaren.

Bei anderen Freunden bemerke ich des Öfteren einen Mechanismus, ja förmlich den Drang, dass schnell alle Tage für die folgenden Wochen mit Terminen im bereits überquellenden Terminplaner gefüllt werden müssen. Eine freigebliebene Spalte im Wochenplan scheint dabei verwunderlicher Weise eine gewisse Panik und Unruhe in Ihnen auszulösen. Wenn ich dann bei der Losvergabe für eine begehrte Verabredung noch einen Hauptreis, nämlich einen einstündigen Kaffeetermin ergattere, der irgendwie noch zwischen am gleichen Tag, stattfindenden Terminen, reingequetscht wird, kann ich mich enorm glücklich schätzen.

Termine über Termine - das kann einem schon mal über den Kopf hinauswachsen (Foto: I-vista  / pixelio.de)

Termine über Termine – das kann einem schon mal über den Kopf hinauswachsen (Foto: I-vista / pixelio.de)

Manch einer würde wohl anmerken wollen, dass Spontanität viel mit Ungebundenheit oder weniger Verpflichtungen zu tun hat. Da ist mit Sicherheit etwas dran. Und auch mit der Berufstätigkeit kann ein jeder nicht mehr tun und lassen, wonach es ihm beliebt. Ich bin Studentin und habe bisher noch keine Kinder, um die ich mich kümmern oder die ich vor der Arbeit noch bei der KiTa vorbeibringen muss. Andere Lebensumstände können einen in der Spontanität einschränken und von einem viel Disziplin und einen meist durchgeplanten Tagesablauf abverlangen. Sonst würden die ganzen Aufgaben und Erledigungen wohl nicht gelingen und einem früher oder später über den Kopf hinaus wachsen. Da bleibt zugegebenermaßen wenig Platz für den Zauber der Spontanität.

Spontan etwas freie Zeit übrig?! Endlich mal wieder Pinsel sowie Farbe aus dem Schrank holen und seiner Kreativität freien Lauf lassen (Foto: www.hamburg-fotos-bilder.de  / pixelio.de)

Spontan etwas freie Zeit übrig?! Endlich mal wieder Pinsel sowie Farbe aus dem Schrank holen und seiner Kreativität freien Lauf lassen (Foto: www.hamburg-fotos-bilder.de / pixelio.de)

Aber vielleicht gibt es auch Menschen, die mehr den Drang nach Spontanität verspüren als andere. Ich werde mich nochmal zu Wort melden, sobald sich meine Lebensumstände drastisch verändert haben sollten – sprich, ich meine eigene Familie gründe. Vielleicht spreche ich dann nicht mehr in den höchsten Tönen von der Spontanität. Vielleicht werde ich dann meine damalige Naivität belächeln. Bis dem aber nicht so ist, gehe ich weiterhin meinem Impuls nach, verreise kurzentschlossen über das Wochenende, versuche Freunde von meinen brillanten Spontaneinfällen zu überzeugen, sie wenn möglich sogar mit meinem Spontanitäts-Fieber anzustecken und schwelge glücklich in meiner bunten Spontanitäts-Luftblase.

Vorschau: Eva geht nächste Woche dem Wahnsinn der Perfektion auf die Spur