Smarte Frauen sparen

Mit dem Sparen sollte jeder so früh wie möglich anfangen, findet Margarethe Honisch, Gründerin des Blogs Fortunalista. Das gilt ihrer Meinung nach gerade für Frauen, weil sich mit dem Thema oft eher weniger auseinandersetzen. Wir haben mit ihr über Sparen, den richtigen Zeitpunkt für den Beginn und Bitcoins geredet.

Smarte Frauen sparen

Margarethe Honisch kennt sich mit dem Thema Finanzen aus (Foto: Honisch)

Face2Face: Margarethe, an wen richtet sich Dein Blog Fortunalista?

Margarethe: Mein Blog richtet sich an Frauen, die eigentlich keine Lust haben, sich mit dem Thema Finanzen zu auseinanderzusetzen und bisher eher einen Bogen darum gemacht haben. So war ich nämlich früher auch und habe mein ganzes Geld immer gleich ausgegeben anstatt zu sparen. Deswegen möchte ich Tipps geben, wie man sich dem Thema annähert und anfangen kann, seine Finanzen selbst in die Hand zu nehmen.

Face2Face: Wie bist Du zu dem Thema gekommen?

Margarethe: Ich habe irgendwann meine Finanzen durchgerechnet und bin aus allen Wolken gefallen, wie viel Geld ich im Monat ausgebe, ohne genau sagen zu können, wofür. Da habe ich angefangen, mich zu informieren, habe Bücher gelesen, Geld gespart und angelegt. Danach habe ich dann den Blog gegründet, um meine Erfahrungen weiter zu geben.

Face2Face: Warum denkst Du ist es gerade für Frauen wichtig, sich mit dem Thema Finanzen auseinanderzusetzen?

Margarethe: Ich habe in meinem Freundeskreis gesehen, dass es tendenziell eher die Männer sind, die sich mit dem Thema Finanzen beschäftigen und ihr Geld anlegen. Ich habe neulich erst wieder mit Freundinnen über das Thema Bitcoins geredet und die meinten nur so „Ach, darüber wissen wir doch nichts und wir geben unser Geld eher viel lieber aus“. Das fand ich gar nicht lustig. Denn wenn man das ganze Geld ausgibt, hat man eine Versorgungslücke im Alter. Ich glaube, es ist vielen gar nicht bewusst, dass man sich hier nicht nur auf den Staat verlassen kann, sondern auch selbst aktiv werden muss. Zudem ist es oft so, dass Frauen, die Kinder bekommen, beruflich kürzer treten und dann auch weniger Rente bekommen. Ich finde, sie sollten sich dann finanziell nicht auf ihre Partner verlassen müssen, sondern auf eigenen Beinen stehen.

Face2Face: Das Thema Bitcoins ist derzeit in aller Munde. Was reizt dich daran und was würdest Du unseren Lesern diesbezüglich empfehlen?

Smarte Frauen sparen

So früh wie möglich anfangen: Das rät Margarethe Honisch zum Thema Finanzen (Foto: )

Margarethe: Bitcoins sind gerade ein Riesenhype geworden. Ich selbst beschäftige mich seit dem vergangenen Sommer damit. Was mich an diesem Thema reizt, ist die Idee, ohne Institutionen Geld zu transferieren und so eine größere Unabhängigkeit von diesen zu haben. Denn man verfügt nicht wirklich über sein Geld, wenn es in der Bank liegt, wie die Finanzkrise gezeigt hat. Meiner Meinung nach ist es bei diesem Thema sehr wichtig sich einzulesen, denn es gibt viele verschiedene Coins mit unterschiedlichen Zukunftsaussichten. Man muss die Idee hinter dem Coin verstehen und dann überlegen, ob man diese gut findet und sein Geld investieren will. Zudem sollte man immer nur so viel investieren, wie man auch schmerzlos verlieren kann – auf keinen Fall sein ganzes Vermögen.

Face2Face: Was würdest Du sagen, wann ist der beste Zeitpunkt, um sich mit den Themen Finanzen und Sparen auseinanderzusetzen?

Margarethe: So früh wie möglich! Ich habe erst mit 30 angefangen, mich damit zu beschäftigen und wenn ich es nochmal machen könnte, würde ich schon mit meinem ersten Gehalt anfangen, ein Tagesgeldkonto anlegen und monatlich 50 Euro sparen. Zudem empfehle ich ein Aktiendepot mit ETF Sparplan. Ich vergleiche das immer mit einer Haribotüte: Jede Tüte (ETF-Sparplan) hat einen bestimmten Anteil an Gummibärchen (Aktien) und einen Preis (Kurs). Manchmal fällt die eine Aktie und die andere steigt. Durch diese Streuung ist das Risiko eines Verlustes relativ gering. Ein weiterer Vorteil ist, dass man sich nicht so viel darum kümmern muss, weshalb es besonders für Einsteiger geeignet ist. Ansonsten gilt: Einfach machen!

„Wie werde ich ein echter Geizhals?“

Die meisten von uns sind gerade zu Beginn des Jahres motiviert, etwas am eigenen Leben zu ändern. Auch mich hat es gepackt: Das Buch „Wie werde ich ein echter Geizhals? Knausern Sie sich reich!“ von Hanneke van Veen ist sicher nicht die neueste Erscheinung auf dem Markt. Trotzdem hat es mir dieses Büchlein angetan – verspricht es doch, dass man mit kleinen Änderungen im Alltag viel Geld sparen kann. Klingt doch nach einem idealen Vorsatz fürs neue Jahr.

Der Trick mit der Zahnpasta

Unscheinbar: Auch beim Zähneputzen kann man ein paar Cent sparen

Unscheinbar: Auch beim Zähneputzen kann man ein paar Cent sparen (Foto: EME/pixabay.de)

In dem Buch gibt es allerhand interessanter Tipps und ich picke mir zu Beginn ein paar davon heraus. Ganz nach dem Motto: Man muss es ja nicht gleich übertreiben. Eine sehr simple, aber wirklich effektive Idee ist mir ins Auge gesprungen: das Aufschneiden von Zahnpastatuben. Sobald sich der Inhalt meiner Zahnpasta dem Ende neigt, drücke und quetsche ich normalerweise wie ein Verrückter, um noch den letzten Rest rauszuholen. Meine aktuelle Zahnpasta ist schon ziemlich am Ende, deshalb erprobe ich diesen Tipp gleich in der Praxis. Und siehe da: In der Tat steckt noch jede Menge Creme in der Tube, obwohl ich mit purer Gewalt nichts mehr rausbekomme. Nicht übel!

Es gibt immer und überall Sparpotenzial

Das gefällt mir sehr gut. Durch mein kleines Erfolgserlebnis motiviert, suche ich in dem Buch nach weiteren Sparmöglichkeiten. Bald habe ich etwas gefunden, dass mich anspricht. Als zwangsweise sparsamer Student kaufe ich mein Essen meistens nicht in der Mensa oder im Café, sondern ich nehme mir etwas von zu Hause mit. Da fragt man sich: „Wo kann man da noch sparen?“ Mein Geizkragen-Buch liefert die Antwort. Anstelle von teuren Butterbrottüten könnte ich auch bereits benutzte Papiertüten nochmals verwenden. Also die Tüte vom Bäcker einfach ausschütteln und mit dem Pausenbrot befüllen. Geniale Idee wie ich finde! Klar, ich könnte auch eine Tupperbox benutzen. Aber gegen diese sperrigen und schweren Dinger habe ich mich schon immer vehement gewehrt. Mit den Tüten vom Bäcker habe ich eine tolle Lösung und man sieht mir nicht sofort an, dass ich jetzt ein „Geizkragen“ bin! Ist ja frisch vom Bäcker!

Die Tipps werden gewagter

Kleinvieh macht aus Mist: Mit kleinen Tricks kann man viel Geld sparen

Kleinvieh macht aus Mist: Mit kleinen Tricks kann man viel Geld sparen (Foto: Olichel/pixabay.de)

Langsam traue ich mich auch an die etwas ausgefalleneren Tipps heran. Die bisherigen waren ja doch ziemlich simpel und nicht besonders spektakulär. Eine etwas gewagtere Idee: Duschen im Dunkeln. Der Autor behauptet, man könne sich ruhig im Dunkeln fertigmachen, denn fast alle Handgriffe und Bewegungen seien ohnehin automatisiert. Klingt interessant! Gleich am nächsten Morgen probiere ich den Spaß aus. Und Tatsache: Es funktioniert. Auch ohne Licht finde ich Duschgel und Co., selbst das Rasieren klappt perfekt, auch wenn ich zugeben muss, dass das mit einem Trockenrasierer auch kein Kunststück ist. Trotzdem gibt es beim „Dunkelduschen“ ein paar Dinge zu beachten. Einerseits sollte man aufpassen, dass nichts herunterfällt. Als ich mein Deo aus dem Schrank krame, kommt mir gefühlt der halbe Inhalt des Faches entgegen. Nach langem Getaste und Gefühle im Dunkeln sind zwar alle Sachen wieder beisammen. Ich werde mir aber meine Sachen besser schon am Abend zuvor zurechtstellen, dann spare ich mir das riskante Gewühle im Schrank.

Skeptische Mitbewohner

Andererseits sollte man seine Mitbewohner im Vorfeld informieren, bevor man sich im Dunkeln der Morgentoilette widmet. In unserer Wohnung kommt nämlich erschwerend hinzu, dass das Bad kein Fenster hat. Um also das Dunkelduschen halbwegs auf die Reihe zu kriegen, muss ich die Badezimmertür leicht geöffnet lassen. Deswegen gibt es bei meinem ersten Versuch im Dunkeln zu duschen auch mehrere Störungen. Kann ja keiner wissen, dass schon einer im Bad ist. Außerdem ernte ich skeptische Blicke, ein Mitbewohner meint sogar, ich sei jetzt vollkommen übergeschnappt. Aber so schnell gebe ich nicht auf!

Sarkasmus oder wirklich ernst gemeint?

Trotz Sparwut - ein bisschen Kultur muss sein, z.B. ab und an ein Theaterbesuch

Trotz Sparwut – ein bisschen Kultur muss sein, z.B. ab und an ein Theaterbesuch (Foto: Sascha Resch)

Zugegeben, das mit der Dusche ist schon grenzwertig. Auch andere Tipps in dem Buch muten extrem an und mancher „Ratschlag“ kann nur sarkastisch und nicht ernst gemeint sein. So wie die Idee, einfach immer die Hälfte zu essen. In der Tat stopfen wir oftmals viel zu viel in uns hinein. Aber kategorisch einfach nach dem Motto „Friss die Hälfte“ zu leben, ist ja genauso ungesund. Oder der Rat, einfach auf kulturelle Unterhaltung wie Theater oder Kino zu verzichten. Man könne ja auch ein Buch lesen oder einfach spazieren gehen. Schön, ich muss nicht jede Woche ins vornehme Münchner Residenztheater, aber ab und zu muss auch das sein. Immer nur im Wald zu laufen schadet irgendwie auch dem Sozialleben.

Nicht alles persönlich umsetzbar

Dann sind da noch Tipps, die für meinen persönlichen Alltag einfach nicht relevant sind. So z.B. die Idee, auf das Auto zu verzichten. Da kann ich absolut nichts mehr einsparen, denn ich bin ohnehin nur mit dem Fahrrad oder den Öffentlichen unterwegs. Oder der Vorschlag, statt eines elektrischen Rasenmähers (oder noch moderner eines Rasenmähroboters) einen mechanischen zu kaufen. Nun ja, wo kein Garten, da kein Rasen – dieser Tipp ist also auch nichts für mich. Andere Dinge habe ich schon selbst herausgefunden. So gehe ich seit Jahren nicht mehr zum Friseur. Stattdessen schneide ich meine Haare selbst. Das ist der Vorteil, wenn man auf den pflegeleichten 4-Millimeter-Schnitt setzt.

Kompromiss zwischen Sparen und Lebensqualität

Unterm Strich muss ich sagen: „Wie werde ich ein echter Geizhals?“ ist ein ganz nettes Buch. Viele plausible Ideen, die man gut und gerne ausprobieren kann. Trotzdem sollte man seine persönliche Schmerzgrenze wahren – nicht jeder kann und will jeden Cent einsparen, ein bisschen Lebensqualität muss schon sein. Trotzdem hat mich das Buch dazu animiert, etwas bewusster durch den Alltag zu gehen. Es gibt überall Potenzial zum schmerzlosen Sparen. Und sei es nur, dass man Fehlkopien als Notizzettel wiederverwertet und erst dann entsorgt. Ich werde definitiv weiter versuchen, zu sparen – ein kleiner  Geizhals zu sein, macht eben auch ein bisschen Spaß.

Zeitmanagement, Teil 3: Die Win-Win-Win-Situation

Abnehmen – aber an den richtigen Stellen. Was für eine gelungene Diät gilt, gilt fürs Zeitsparen ebenso. Heute zeigen wir euch wie ihr die Zeit, die ihr ratlos und hungrig auf der Suche nach etwas Essbaren vor dem Kühlschrank verbringt, sparen und in die wirklich schönen Dinge des Lebens – zum Beispiel essen – investieren könnt.

Gemüsepfanne oder Tiefkühlpizza?
Der Arbeitstag war stressig. Dann hatte auch noch der Zug Verspätung. Und mein Magen knurrt. Hab ich einen Hunger… Ich hätte jetzt Lust auf eine knackige Gemüsepfanne und ein Stück Lachs – kross gebraten, versteht sich. Mir läuft schon das Wasser im Mund zusammen, als mich der Inhalt meines Kühlschranks unsanft aus meinen Futterträumen reißt. Eine halbe, schon leicht verschrumpelte Salatgurke blickt mich traurig aus dem ansonsten leeren Gemüsefach an. Dann wird´s wohl doch die Tiefkühlpizza…

Essensplanung für Anfänger
Mit ein bisschen cleverem Zeitmanagement könnt ihr solche Situationen ganz einfach vermeiden. Investiert am Wochentag eurer Wahl eine paar Minuten in die Essens- und Einkaufsplanung. Einfach für jeden Tag ein Gericht notieren, die Zutatenliste mit den vorhandenen Produkten abgleichen und einen Einkaufszettel schreiben. Wer so gut vorbereitet in den Supermarkt geht, kauft meist auch nur das ein, was er braucht. So spart man nicht nur Geld, sondern wirft auch weniger Lebensmittel weg. Tipp: Spart einen Tag in der Woche bei der Planung aus, falls doch mal spontan etwas dazwischen kommt.

Ausgewogen essen dank guter Planung (Foto: T. Gartner)

Ausgewogen essen dank guter Planung (Foto: T. Gartner)

Essensplanung für Fortgeschrittene
Jede Woche aufs Neue den Kühlschrank mit den Essenswünschen abgleichen, Gericht für Gericht planen? Selbst diese Zeit könnt ihr nach ein paar Wochen einsparen. Hebt einfach eure wöchentlichen Essenspläne auf und macht nach ein paar Wochen eine Auswertung: Markiert euch die besten Gerichte, die weniger guten fliegen raus. Jetzt könnt ihr aus euren Lieblingsmahlzeiten Wochenpläne erstellen, die ihr nummerieren und einen nach dem anderen nutzen könnt. Also kein lästiges Nachdenken und von neuem Planen mehr. Der positive Nebeneffekt: Ihr könnt jetzt viel bewusster essen, indem ihr darauf achtet, kein Lebensmittel inflationär zu verzehren und zum Beispiel einmal die Woche ein Fischgericht einzuplanen: Fisch enthält ein Vielfaches mehr an essentiellen Omega-3-Fettsäuren als Fleisch.

Die Win-Win-Win-Situation
Ihr schlagt mit der Essensplanung also drei Fliegen mit einer Klappe: Ihr spart Zeit und Geld, esst bewusster und ausgewogen und werft weniger Lebensmittel weg. Also eine Win-Win-Win-Situation!

Mehr Zeit sparen?
Wer seinen Schönheitsschlaf gerne etwas länger genießt, sollte einen Blick auf Teil 1 und Teil 2 unserer Zeitmanagement-Serie werfen. Viel Spaß beim Lesen!

Zeitmanagement, Teil 1: Der frühe Vogel kann mich mal!

Abnehmen – aber an den richtigen Stellen. Was für eine gelungene Diät gilt, gilt fürs Zeitsparen ebenso. Ob ihr euch ein Butterbrot schmiert oder die Klamotten für die Arbeit raussucht – alles kostet Zeit. Aber wäre es nicht traumhaft, sich die Zeit für die alltäglichen Handgriffe dann zu nehmen, wenn es gerade gut passt, anstatt in den Momenten, in denen sie häufig ganz „unerwartet“ anfallen: direkt nach dem Aufstehen, in Eile zwischen Tür und Angel, nach einem stressigen Arbeitstag, an dem man eigentlich nur eines will: Schnell aufs Sofa.

Wir zeigen euch wie ihr eure Zeit optimal ausnutzen könnt!

Mealprep: Wer sein Vesper für Uni der Arbeit frühzeitig richtet, kann morgens länger schlafen (Foto: T. Gartner)

Mealprep: Wer sein Vesper für Uni oder Arbeit vorbereitet, kann morgens länger schlafen (Foto: T. Gartner)

Total verpennt schlurfe ich in die Küche. Das Licht blendet total und mir ist kalt. Sechs Uhr früh verkündet die Uhr. Draußen ist es noch dunkel. In einer halben Stunde muss ich los zum Bahnhof – die Arbeit ruft. Schnell was zu essen richten und dann anziehen, denke ich mir. Aber leider ist außer einem trockenen Brötchen und einer braunen Banane nichts da. Verdammt, dann halt doch zum Bäcker…

Wer keine Lust hat in aller Herrgottsfrühe in dieselbe Situation zu kommen, der kann mit etwas cleverem Zeitmanagement einen gesunden Snack für Arbeit oder Uni zaubern. Das Schlüsselwort hier lautet „mealprep“ – Instagram-Deutsch für vorbereitetes Essen. Von Salat, über Falafel bis hin zu Joghurt – Inspiration für gesunde Snacks, die ihr am Tag vorher oder aber sogar schon sonntags für die Woche vorbereiten könnt, findet ihr in unserer Snack-Serie:

Was ihr davon habt? Ein paar Minuten mehr Schlaf am Morgen und natürlich einen guten, stressfreien Start in den Tag mit der Aussicht auf einen leckeren und gesunden Snack.

Vorschau: Advents- und Weihnachtstipps gibt´s nächste Woche hier in der Tipps&Tricks-Rubrik.

Wasserverbrauch in Deutschland – eine Recherche

„Das Wasser, das du nicht trinken kannst, lass fließen“ – dieser schöne Spruch aus Mexiko bedeutet, dass man nicht gierig sein sollte. Das, was man nicht bekommt, kann man eben so anderen gönnen. Wir in Deutschland haben keine Trinkwassernot, im Gegenteil: wir können unser Wasser in Flaschen verpackt oder direkt aus dem Hahn trinken. Welch ein Luxus! Wie hoch jedoch ist unser Trinkwasserverbrauch, und was bedeutet dies für die Umwelt? Eine Recherche.

Im deutschen Wasserverbrauchs-Atlas von 2015 ist der Verbrauch nach Bundesländern aufgezeigt. Es wird in Litern pro Tag pro Kopf gerechnet.

Trinkwaser ist in Deutschland nicht knapp - so wirkt es zumindest. (c) pixelio.de

Trinkwaser ist in Deutschland nicht knapp – so wirkt es zumindest. (c) pixelio.de


Eindeutiger Spitzenreiter im Wasserverbrauch ist das Land Nordrhein-Westfalen mit 135 Litern Verbrauch! Dicht auf dem Fuße folgen Hamburg und Schleswig-Holstein mit jeweils 134 Litern Wasserverbrauch.
Am sparsamsten ist der Osten Deutschlands: Sachsen-Anhalt verbraucht 91 Liter am Tag, Thüringen 89 und Sachsen sogar nur 84.
Wenn man sich diese Art des Verbrauches anschaut, fällt trotz dessen auf: Dies ist eine sehr hohe Summe für einen einzigen Weltbürger, wenn man überlegt, dass momentan 2,1 Millionen Menschen keinen Zugang zum Trinkwasser haben
. Der Weltatlas Haack schreibt zu dieser Problematik: „Die jährliche Zahl der Menschen, die an durch verunreinigtes Trinkwasser ausgelösten Krankheiten sterben, liegt bei etwa 2,2 Millionen. Mehr als 250 Millionen Menschen leiden an derartigen Krankheiten. Die Abwässer von ca. 2,4 Milliarden Menschen gelangen ungeklärt in Oberflächengewässer oder versickern im Boden, in Entwicklungsländern werden etwa 90 % der Abwässer nicht behandelt. Nach UN-Angaben liegt der minimale Wasserbedarf eines Menschen bei 50 Litern am Tag, fünf Liter zum Trinken, zehn für die Nahrungszubereitung und der Rest für die Hygiene. Milliarden Menschen jedoch müssen heute schon mit weniger als zehn Litern am Tag auskommen.“
Dies sind erschreckende Zahlen.
Wofür jedoch nutzen die Deutschen dieses Wasser?
Zum Baden, Duschen und zur Körperpflege werden täglich etwa 36 Liter Wasser verbraucht. 
Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. veröffentlichte 2014 folgende Zahlen:
Die Toilettenspülung verbraucht 33 Liter Wasser, das Waschen der Wäsche 14 Liter. Die Reinigung des Hauses, das Putzen des Autos und der Garten verbrauchen 7 Liter Wasser, das Geschirrspülen 5 Liter und das Essen und Trinken insgesamt ebenfalls etwa 5 Liter.
Da für Warmwasser im Schnitt 12 mal mehr Energie benötigt wird als für Beleuchtung, lohnt sich das Wassersparen besonders: Nicht nur der Wasserverbrauch sinkt, sondern auch der Energieverbrauch und die CO2-Emissionen sinken. 

Am Tag fünf Liter zu trinken ist ein Richtwert, den die wenigsten von uns erreichen. (c) Pixelio.de

Am Tag fünf Liter zu trinken ist ein Richtwert, den die wenigsten von uns erreichen. (c) Pixelio.de


Wir haben daher fünf Tipps für euch vorbereitet, wie ihr selbst täglich Wasser sparen könnt:
1.) Während man Zähne putzt oder sich rasiert, sollte das Wasser abgestellt werden.
2.) Beim Einseifen oder Shampoonieren in der Dusche muss das Wasser ebenfalls nicht laufen!
3.) Das Duschen kann dem Baden immer vorgezogen werden, es verbraucht lediglich einen Bruchteil des Wassers.
4.) Geschirrspüler immer erst komplett füllen vor dem Waschgang. Bei Handwäsche: Das Becken volllaufen lassen, nicht unter laufendem Wasser spülen.
5. Bei Toilettenspülungen: Start- und Stopp-Taste benutzen.


Viel Erfolg wünschen wir euch beim zukünftigen Wassersparen! So schont jeder mit nur ein bisschen Mühe unsere Umwelt.

Vorschau: Am Donnerstag, 18. Juni berichtet Bernd euch von den Top 10 der neuen Spezies 2015.

Nicht schon wieder Shopping …

Der Gang in die nächstgelegene Einkaufsmeile ist für viele etwas Entspannendes. Das ist ein Erlebnis, hilft, abzuschalten und Abstand vom Alltag zu bekommen. Nichts geht doch über Menschenmassen, die sich durch die Straße pressen und in wohl klimatisierten Läden dem Konsum frönen.

Hektisch: In einer Einkaufsmeile geht es meist sehr stressig zu.

Hektisch: In einer Einkaufsmeile geht es meist sehr stressig zu. (©romelia/Pixelio.de)

Leider gehöre ich zu den Menschen, die diesem Erlebnis nichts abgewinnen können. Dabei hätte ich jede Gelegenheit dazu, reiht sich in München doch eine Einkaufsmeile an die andere. Die weithin bekannte Fußgängerzone in der Innenstadt und in fast jedem Stadtteil ein gigantisches Einkaufszentrum. Nur zehn Minuten von mir entfernt liegt das Olympia-Einkaufszentrum, doch trotzdem bin ich dort nur selten, immer dann, wenn es eben sein muss. Einkaufen, vor allem wenn es um Kleidung geht, ist einfach nicht mein Fall.

Der große Einkaufsbummel kostet auch jede Menge Geld. Wenn ich jede Woche regelmäßig zum „Shoppen“ gehen würde, dann würde der ohnehin schon schmale Geldbeutel schnell noch schmaler werden. Und das kann ich mir in einer ohnehin teuren Stadt wie München einfach nicht leisten. Wenn die Miete schon drei Viertel des Azubi-Gehalts verschlingt, die Monatskarte für die Öffentlichen auch ordentlich zu Buche schlägt und ich abends auch mal etwas unternehmen möchte, dann ist regelmäßiger Konsum von Klamotten einfach nicht drin.

Wechselhaft: Regelmäßig gibt es einen neuen Trend, zum Beispiel bei Hosen.

Wechselhaft: Regelmäßig gibt es einen neuen Trend, zum Beispiel bei Hosen. (Foto: T. Gartner)

Doch das ist auch gar nicht so schlimm, denn das ständige Kaufen von neuer Mode ist unglaublich schlecht für die Umwelt. Nur weil es wieder einen neuen Trend gibt, nur weil auf einmal Slim-Fit-Jeans der letzte Schrei sein mögen, muss ich doch nicht in das nächste Geschäft stürmen und mir eine solche Hose kaufen. Dann bin ich eben nicht hip, was soll’s. Die Umwelt wird es mir danken, dass ich zu meiner alten Hose stehe.

Denn auch wenn meine Kleidung alt und ausgewaschen sein mag, ist sie noch lange nicht kaputt. Sie sieht gebraucht aus, aber das darf sie ja auch – wer aktiv ist, dem darf man das gerne auch an seiner Kleidung ansehen. Und sollte die Hose tatsächlich mal ein Loch haben, dann kann ich es auch flicken. Das passiert zwar recht häufig, da Radfahren wahrer Hosenmord ist. Aber sei’s drum. Kaum ist das Löchlein geflickt, schon hält die Hose den Arbeitsweg auf dem Drahtesel wieder aus.

Andere Leute in ärmeren Ländern wären sicher froh, wenn sie noch eine Hose wie die meine hätten. Mag so mancher hier in unseren Gefilden auch die Nase rümpfen und sich denken: „Also so etwas würde ich nie und nimmer tragen“. Das macht mir nichts aus. Ich halte mir immer vor Augen, dass meine Kleidung noch gut ist und ihren Zweck erfüllt: Im Winter hält sie mich warm, damit ich nicht ganz so schlimm friere. Und sie sorgt dafür, dass ich nicht nackt durch die Welt rennen muss, leistet also gleich noch einen Beitrag zum Allgemeinwohl.

Wenn es doch mal so weit ist und meine Jeans wirklich und beim besten Willen nicht mehr zu tragen ist, muss ich halt einmal einkaufen gehen, hilft ja alles nichts. Dann geht es am besten in den Second-Hand-Laden, auf diese Weise entkomme ich dem ganzen Designer-Wahn und habe am Ende trotzdem etwas Vernünftiges zum Anziehen.

Doch bis es soweit ist und ich ein paar von meinen Sachen ausrangieren muss, habe ich einfach Besseres zu tun, als mich durch ein überfülltes Kaufhaus zu zwängen. Ein bisschen Bewegung an der frischen Luft ist meiner Meinung nach viel entspannender und gesünder als alles andere.

Vorschau: Das kennen sicher viele: Die Not, sich selber verplanen zu müssen. Deshalb widmet Eva ihre Kolumne nächste Woche ganz dem Thema Organisation.

Besser billig?

Billiger gekauft: irgendwer hat darum weniger (Tony Hegewald / pixelio.de)

Billiger gekauft: irgendwer hat darum weniger (©Tony Hegewald / pixelio.de)

Heute beim Einkaufen habe ich die Preisschilder verglichen. Muss ich für den Namen auf der Packung wirklich so viel mehr zahlen? Kann ich meinem Kind nicht auch die preiswerte Variante der Zahnpasta kaufen, statt der bekannten aus der Werbung? Und wie ist das bei Joghurt, Chips, Saft, Kleidung und den tausend anderen Produkten, mit denen wir tagtäglich konfrontiert sind? Billig heißt das Zauberwort. Nicht günstig, oder preiswert. Billig. Ob Mietwagen, Elektronik, Hosen oder Haarschnitt. Geschäfte und Firmen werben mittlerweile nicht nur mit geilem Geiz, sondern mit dem Begriff „billig“ als wertsteigerndes Adjektiv.

Und mal unter uns: wenn ich weniger bezahlen kann, mache ich das doch gerne. Ein paar Cent hier, ein paar Euro hier. Kleinvieh macht auch Mist. Und mit dem billig Erspartem kann ich ja noch etwas kaufen. Möglichst billig. Onkel Dagobert wäre stolz und unser Geldspeicher mangels Zinsen auf der Bank auch prall gefüllt. Discounter expandieren, Händler unterbieten einander im Preis, wir zahlen immer weniger.

Schön billig? In nur einer Frucht steckt wertvolle Arbeit (Foto: Obermann)

Schön billig? In nur einer Frucht steckt wertvolle Arbeit (Foto: Obermann)

Aber Momentchen mal. Da ist doch ein Haken, da ist doch immer ein Haken. Ist billig wirklich besser? Ich habe einen Garten, ich weiß, was es heißt, Obst und Gemüse anzubauen, abhängig von der Witterung zu sein, wenn auch reich geerntet werden soll. Ich kenne die Probleme mit Unkraut, Trockenheit und den Schwankungen die Menge der Früchte betreffend. Und das nur in meinem wirklich kleinen Garten. Ein Landwirt, dessen Existenz von seinem Ertrag abhängt, kann mir da nur leidtun. Was der an Arbeit, Zeit und Geld investieren muss, ist für mich kaum vorstellbar. Und dann wird der Preis seiner Ware bestimmt von Händlern, die möglichst billig einkaufen wollen, um sich gegenseitig unterbieten zu können. Billiges Essen heißt auch geringe Bezahlung für die Hersteller, heißt geringen Lohn für alle, die in dem Sektor arbeiten, heißt weniger Kaufkraft, und so weiter und so weiter. Irgendwann hat jeder weniger Geld und der Preis muss weiter gedrückt werden. Wen wundert es, wenn Tiere auf furchtbare Art gehalten und schließlich geschlachtet werden, wenn es einen Preis zu unterbieten gilt.

Und das ist kein Problem, dass nur die Landwirtschaft hat. Billigmodeketten wie auch Markenklamottenhersteller lassen nicht umsonst in unterentwickelten Ländern ihre Kleidung produzieren. Wer wenig zahlen muss, kann auch geringe Preise verlangen, anders herum kann jemand, der möglichst billig produziert auch möglichst großen Gewinn erzielen, wenn er teuer verkauft. Klingt logisch. Sorgt aber auch dafür, dass Kinderarbeit, unwürdige Arbeitsbedingungen und Gerüchte um sklavenähnliche Angestellte oder Zwangsarbeit nicht so einfach ins Reich der Legenden zu verbannen sind. Man ist nicht nur, was man isst, sondern auch, was man trägt. Selbe Problematik gilt auch für Elektronikprodukte und ich will gar nicht daran denken, was noch alles unverschämt und billig hergestellt wird und bei uns dann in den Haushalt kommt. Kein Markenname schützt davor, denn auch diese Firmen sind vom Profit abhängig.

Billig und glücklich? Nicht nur bei Kühen schwer zu glauben (©kunst-wach / pixelio.de)

Billig und glücklich? Nicht nur bei Kühen schwer zu glauben (©kunst-wach / pixelio.de)

Mein schlechtes Gewissen wächst und wächst. Besser ist anders. Und vielleicht auch gar nicht billig. Mein Gemüse und Obst von regionalen Händlern ist nicht schwer zu bekommen, zwar teurer, aber nicht nur frischer und ökologisch besser, weil keine langen Wege zurück gelegt werden müssen. Gleiches gilt übrigens auch vom Metzger des Vertrauens oder hochwertigen Fleischprodukten, die auch gerne mal mehr als das Doppelte des Billigpreises kosten, bei denen aber Haltung und Pflege tatsächlich einen respektvollen Umgang mit Tier und Fleisch zeigen. Auch gibt es Kleidermarken, die auf gute Arbeitsbedingungen wert legen, sogenannte Fairtrade-Produkte in vielen Bereichen und oft ist nur etwas Interesse in den Hintergrund des Produktes notwendig, um differenzieren zu können, was nun wirklich besser ist und was einfach nur billig.

Beim wöchentlichen Familieneinkauf ist zwischen den Regalen, mit einem hungrigen Kind im Einkaufswagen und einem konsumgezeichnetem in der Spielzeugabteilung diese Differenzierung kaum zu leisten. Wer einkaufen geht, geht kaufen, nicht recherchieren. Das muss zu Hause erfolgen. Besser davor als danach. Und wer sich informiert hat, muss abwägen, welchen Schritt er als Nächstes wagt. Mehr Geld ausgeben, weniger kaufen, aber dafür sinnvoller, möglicherweise besser, oder mehr, billiger, zentral. Eine persönliche Entscheidung, so viel ist klar. Aber wir sollten uns klar machen, dass billig nicht besser ist, sondern eben einfach nur billig, vielleicht sogar billiger.

Vorschau: Nächste Woche erzählt euch Sascha an dieser Stelle, warum Kleidung kaufen ein Albtraum für ihn ist.

Es muss nicht immer neu sein

Neulich war ich auf der Suche nach einem Städteführer für meine anstehende Romreise. Also eines dieser kleinen, handlichen Büchlein, das über die wichtigsten Sehenswürdigkeiten und „Geheimtipps“ einer Stadt informiert und hilft, sich zügig zurechtzufinden.

Ein Stapel neuer Bücher ist teuer und belastet die Umwelt.

Lesestoff: Wer viel liest, der kann mit gebrauchten Büchern Geld sparen und die Umwelt schonen. (Foto: T. Gartner)

Deshalb habe ich im Online-Shop meiner Wahl ein wenig gestöbert und nach kurzer Zeit hatte ich auch schon ein passendes Buch gefunden. Im Angebot: sowohl der neue Artikel, als auch eine gebrauchte Ausgabe.

Besonders auffällig war, dass der gebrauchte Reiseführer satte 50 Prozent günstiger zu haben war als das neue Exemplar. Das nenne ich mal ein Schnäppchen! Ich brauche das Büchlein ja ohnehin nur einmal, nach meinem Ausflug nach Rom wird es sowieso im Bücherregal einstauben. Insofern war die Entscheidung für das gebrauchte Buch schnell getroffen.

Sicher, ich habe mir damit ordentlich Geld sparen können. Aber das ist nicht der einzige Vorteil, sobald man zur gebrauchten Ware greift, auch wenn der monetäre Aspekt der wohl offensichtlichste und angenehmste sein mag.

Auch der gebrauchte Artikel tut noch seinen Dienst, es muss nicht immer alles nigelnagelneu sein. Vor allem, wenn es um Bücher geht, ist der Qualitätsunterschied zwischen neu und gebraucht marginal. Meistens sind die „gebrauchten“ Ausgaben sogenannte Mängelexemplare, die eigentlich druckfrisch sind, aber wegen eines kleinen Kratzers oder eines minimalen Streifens aus Druckerschwärze auf der Außenseite nicht mehr zum Normalpreis verkauft werden können. Selbst Angebote aus privater Hand sind in der Regel qualitativ nicht wirklich schlechter als die Ausgabe, die direkt aus der Druckerpresse kommt – ich persönlich kann bisher nur Gutes berichten.

Und insbesondere bei Büchern macht es einen großen Unterschied, ob sie weggeworfen werden oder nicht. Jedes gedruckte Buch belastet die Umwelt, weil Papier nun mal aus Holz hergestellt wird und das heißt, dass wir für Bücher Bäume fällen müssen. Und auch ein Buch, das im Keller verrottet, kann ökologisch sinnvoller genutzt werden, indem es eben nicht verstaubt, sondern durch Weiterverkauf die Produktion eines neuen Buches ersetzt. Wer gebrauchte Ware kauft, der reduziert die Menge an Müll, der trägt aktiv zum Erhalt der Umwelt bei.

Auf dem Flohmarkt gibt es vieles zu finden und entdecken.

Fundgrube: Auf einem Flohmarkt findet sich so manches gebrauchte Stück, das noch gut zu verwenden ist. (© Susanne Schmich/Pixelio.de)

Wer jetzt meint, dass der Handel mit Gebrauchtware nur eine neue, kurzlebige Modeerscheinung des vernetzten Zeitalters ist, bei der auf Auktionsplattformen und „Marketplaces“ geboten und gekauft wird, dem sei gesagt, dass die Idee mitnichten neu ist. Bereits als kleiner Junge – zu Zeiten vor dem Internet-Boom – besuchte ich mit meinen Eltern öfters mal Flohmärkte, Tauschbörsen und den guten alten Second-Hand-Laden. Letzterer ist nicht als Synonym für sozialen Abstieg zu verstehen, sondern vielmehr als eine Art Recycling-Stelle für „alte“ Ware, die noch zu gebrauchen ist.

Egal, ob ich nun in einen realen Second-Hand-Laden gehe oder eine Online-Plattform mit gebrauchten Artikeln besuche – die Idee dahinter ist die gleiche: Anstatt im Überfluss und Übermaß immer neue Produkte zu konsumieren, werden lieber gebrauchte Artikel gehandelt, die noch völlig in Ordnung sind. Und das zu einem günstigeren Preis als Neuware.

Da lacht der Geldbeutel und gleichzeitig ist es ein einfacher Beitrag zur Entlastung der Umwelt und zur Nachhaltigkeit. Also ich werde auch das nächste Mal genau hinsehen und zum gebrauchten Artikel greifen.

Vorschau: Ist es gut sein einjähriges Kind bereits in den Kindergarten zu schicken? Wen ein ähnliches Problem quält, der sollte die nächste Kolumne nicht verpassen – dort wird Eva Antworten auf diese Frage suchen.

Zwischen Verschwendung und Geiz

„Spare in der Zeit, so hast du in der Not“ – eine Weisheit, die schon seit Generationen gilt, denn Sparsamkeit ist wichtig. Trotzdem stellt sich mitunter die Frage: „Wie viel Sparen ist gut und richtig? Darf ich mir etwas leisten oder sollte ich besser verzichten und bescheiden sein?“

Zwischen Verschwendung und Geiz

Freizügig: Geld auszugeben macht Spaß, kann aber auch riskant werden (©PIXELIO/Andrea Damm)

Da gäbe es zum Beispiel die folgende Variante: Sparen ist vollkommen unnötig. Man muss sich doch auch was gönnen im Leben; was bringt mir Geld, wenn ich mir davon nichts kaufen kann? Und lieber jetzt konsumieren, als wenn die Inflation am Ende alles auffrisst und ich von meinem Geld gar nichts mehr habe. Anfangs mag dieses System noch aufgehen und ein angenehmes Leben bescheren, man erfüllt sich schließlich so manchen Traum. Doch allzu bald sind etwaige Reserven aufgebraucht, denn wer glaubt, dass man recht bald am Ende seiner Wünsche angelangt ist, der liegt falsch. In der klassischen Volkswirtschaftslehre wird angenommen, dass die Bedürfnisse des Menschen gar unendlich sind, dass der Mensch also nie wunschlos glücklich ist. Dort, wo ein Bedürfnis befriedigt ist, entsteht augenblicklich ein neues.

So gibt man immer wieder Geld aus, gönnt sich hier etwas, da etwas und bald hat man nichts mehr. Insbesondere Kreditkarten, Ratenzahlung und Darlehen verleiten dazu, über die eigenen finanziellen Verhältnisse zu leben. In längst vergangen Zeiten wurde wenigstens der Geldbeutel leer und leichter, wenn man etwas ausgab; heute sind es fast nur noch nackte Zahlen, die das Geld darstellen und so ein kleines Minus vor dem Kontostand ist doch leicht zu übersehen. Ehe man sich versieht, wächst die Schuldenlast auf ein schier unerträgliches Maß an.

Das war das eine Extrem. Und wie sieht das andere aus?

Zwischen Verschwendung und Geiz

Kleinod: Für den Geizhals gibt es nichts Wichtigeres als sein Erspartes (©PIXELIO/Claudia Hautumm)

Ein gewisses finanzielles Polster – davon träumen die meisten. Wer sparsam lebt und zu wirtschaften weiß, der hat nach einiger Zeit eine kleine oder auch größere Summe zusammengetragen. Doch der notorische Geizhals denkt ja gar nicht daran, auch nur einen einzigen Cent davon auszugeben. Für ihn ist das Geld nicht das, was es ursprünglich sein sollte, nämlich Tauschgegenstand, Mittel zum Zweck. Das Geld ist für den Geizigen selbst Zweck genug. Hauptsache, er muss nichts ausgeben. Selbst das natürlichste Verlangen unterdrückt er freiwillig, sogar beim Essen zu sparen, ist für den Geizhals ganz normal; auch wenn er es sich durchaus leisten könnte, sind Dinge wie ein Urlaub für ihn absolut undenkbar. Der Knauserer gibt meist vor für „schlechte Zeiten“ zu sparen, doch so schlecht kann es gar nicht werden, dass er auch nur einen Bruchteil seines Schatzes ausgeben würde. Und so lebt der über alle Maßen Sparsame ein freudloses Leben – zumindest sein Konto ist prall gefüllt.

Amüsant illustriert hat diese Art von Zeitgenossen übrigens der französische Schriftsteller Jean-Baptiste Poquelin, besser bekannt als „Molière“. Auch wenn sein Bühnenstück „Der Geizige“ schon etwas älter ist, so bringt er damit auf den Punkt, wie ein Geizhals sich und seinen Mitmenschen das Leben schwer macht. Und wem der Sinn weniger nach Lesen ist, der könnte sich die filmische Adaption „Louis, der Geizkragen“ von Louis de Funès anschauen.

Solche Extreme sind natürlich nicht die Regel, aber mehr oder weniger stark ausgeprägt gibt es sie doch. Für mich steht in jedem Fall fest, dass beide nicht erstrebenswert sein können. Der eine ruiniert sich wirtschaftlich, der andere dagegen seine Lebensqualität. Und am Ende laufen beide Varianten auf dasselbe hinaus, nämlich nichts. Beide können sich nichts gönnen. Der Verschwenderische hat einfach nichts mehr, das er ausgeben könnte, der Geizige rührt sein Geld ja aus Prinzip nicht an.

Welcher ist nun der optimale Weg? Theodor Heuss, erster deutscher Bundespräsident von 1949 bis 1959, hat es einst – wie ich finde – treffend formuliert: „Sparen ist die richtige Mitte zwischen Geiz und Verschwendung“. Diese Mitte könnte in der Praxis so aussehen: Wenn es die finanzielle Situation zulässt und am Ende des Monats noch Geld übrig ist, dann teile ich diesen Rest am besten auf. Die eine Hälfte stecke ich vorbildlich ins Sparschwein. Von der anderen Hälfte aber gönne ich mir etwas und sei es nur eine Kleinigkeit. So hat man beides: Sicherheit und Lebensfreude.

Vorschau: „Projekt 1001plus“ – ungeborene Kinder retten. Das ist das Thema der nächsten Woche in der Kolumne.