„In jedem Teil steckt ein kleines Stückchen Oma oder Opa“ – Designerin Nadine Psotta im Interview

Von Indonesien ins waschechte Schwabenland. Schwabenkind Designerin Nadine Psotta legte einen langen Weg für ihren Modetraum zurück. Bereits mit 12 Jahren entdeckte sie ihre Liebe zur Mode und arbeitete ab diesem Zeitpunkt hart an ihrem Traum. Nach einer Second-Hand-Boutique, Arbeiten für die Filmbranche und die Produktion ihrer ersten Kollektion in Indonesin, ist die Modedesignerin an ihrem großen Traum angekommen und führt nicht nur eine erfolgreiche Modelinie, sondern produziert inzwischen, ganz getreu dem Namen, ausschließlich im Schwabenland.

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Schwabenkind ganz privat: Designerin Nadine Psotta in ihrem Atelier. (© Ilona Schneider)

Face2Face: Wann wusstest du, dass du etwas mit Mode machen möchtest?
Nadine: Ganz genau am 06.07.1989, meinem ersten Tagebucheintrag. An diesem Tag habe ich Modeschöpferin gespielt. Von meinen Eltern habe ich viel Lob bezüglich meines Talents erhalten. Auch wenn dies eher große Elternliebe war, mein Weg ebnete sich damals genau in diesem Moment. Am Abend dieses Tages interviewte ich mich selbst und beendet des Interview mit folgendem Satz: „Und heute ist sie eine ganz bekannte Modeschöpferin“. Jedes mal, wenn ich diesen Satz lese, muss ich schmunzeln – Ich möchte definitiv einmal die Entwürfe von damals mit meinem heutigen Wissen umsetzen.

„In jedem Teil steckt ein kleines Stückchen Oma oder Opa“ – Designerin Nadine Psotta  im Interview

Verspielt und unkonventionell: Schwabenkind-Dirndl mit Blumenschmuck. (© www.lichtformstudios.de)

Face2Face: Dein Modelabel wurde ja nach deinen Großeltern benannt, welche Geschichte steckt da dahinter?
Nadine: Meine Großeltern hießen Karl und Maria. Meine Oma war eine ganz begeisterte Näherin und hat viele Dinge mit mir umgesetzt. Aufgrund ihrer gradlinigen Phantasie, haben wir haben uns zwar immer die Köpfe eingeschlagen, ich konnte mich am Schluss aber immer gut durchsetzen. Wir haben sehr viel zusammen gearbeitet. Meine Oma war auch diejenige, die mir die Liebe zum Nähen und Designen beibrachte. Leider ist sie ein halbes Jahr vor meinem Modedesign Abschluss verstorben. In Anlehnung an meine Oma und meinen Opa habe ich deshalb die Modelinie Karla Maria begonnen, wobei Schwabenkind heute präsenter ist bzw. Karla Maria die Exklusivmarke von Schwabenkind ist.

Face2Face: Neben den Basics und Kindersachen gibt es auch die Kollektionen King Karl und Queen Maria. Wofür stehen diese Kollektionen?
Nadine: King Karl steht für meinen Opa den Karl und Queen Maria für meine Oma Maria.

Face2Face: Wie wird denn dein ganz eigener Stil und damit auch deine Kollektionen beeinflusst?
Nadine: Ich reise sehr viel und schaue mir auch gerne Dokumentationen über andere Länder und Kulturen an. Darüber erhalte ich immer ganz witzige Ideen.

Face2Face: Deine Kollektionen sind ja sehr farbenfroh – welche ist denn deine Lieblingsfarbe?
Nadine: Meine Lieblingsfarbe ist Petrol. Petrol oder Türkis, das sind meine persönlichen Favoriten.

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Ein Traum in Pink: Eines der vielen farbenfrohen Designs von Nadine Psotta. ( © www.lichtformstudios.de)

Face2Face: Was möchtest du mit deinen Designs ausdrücken?
Nadine: Ich möchte zeigen, dass alles was nicht zusammen passt, am Schluss definitiv passend gemacht werden kann. Für meine Phantasie gibt es keine Grenzen und ich vertrete die Meinung, dass Schönheit immer im Auge des Betrachters liegt. Was mich auch immer genervt hat ist, dass wenn ich in einen Kinderladen rein gegangen bin, ich immer so viele Kleidungsstücke gesehen habe, die ich auch so gerne haben wollte, allerdings gab es diese natürlich nie in meiner Größe. Deshalb habe ich beschlossen, dass ich auch solch eine bunte und verrückte Mode machen möchte, allerdings für Erwachsene.

Face2Face: Symbolisieren diese Kollektionen deine Großeltern?
Nadine: In den Kollektionen steckt meistens ein kleines Stück Oma oder Opa. Sei es ein alter Stoff den ich verarbeite oder Rüschen und Knöpfe, die ich noch von meiner Oma geerbt habe.

Face2Face: Deine Kleidungsstücke werden ausschließlich im Schwabenland produziert. Was ist dir daran besonders wichtig?
Nadine: Die Produktion im Schwabenland ist mir auf Grund meiner guten Zusammenarbeit mit meinen Geschäftspartnern Brigitte und Gerhard von der Schwäbischen Alb besonders wichtig. Die hohe Qualität die sie mir bieten, ist einfach unschlagbar. Auch der kurze Anfahrtsweg und der rechtliche Schutz der mir im Inland zusteht, sind grundlegende Kriterien für meine Wahl. Was mir natürlich auch gefällt ist, dass man mich hier versteht, wenn ich „schwätze“, was in Asien generell nicht der Fall war, vor allem wenn ich „gemotzt“ habe.

Face2Face: Soll die Produktion im Schwabenland auch die Marke Schwabenkind symbolisieren?
Nadine: Ich will Schwabenkind definitiv nur noch im Schwabenland produzieren.

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Traditionell und doch verrückt: Das Waldmädchen von Schwabenkind. (© www.lichtformstudios.de)

Face2Face: Wie sieht denn der typische Kunde/die typische Kundin aus, die Schwabenkind kauft?
Nadine: Typische Kunden gibt es bei mir gar nicht. Bei mir kauft wirklich von der kleinen Prinzessin, die von ihrer Mutti etwas bekommt, bis zur Oma mit lila gefärbten Haaren. Das beste Erlebnis war auf einer Messe, als ich von weitem zwei Personen gesehen habe, die komplett in Lack und Leder gekleidet waren. Ich wunderte mich schon wo diese hin möchten, als ich an ihrem Namen erkannte, dass sie Stammkunden von mir waren. Im Endeffekt richtig geile Leute. Ich habe noch nie einen meiner Kunden kennengelernt der mir unsympathisch war.

Face2Face: Was hast du, was andere nicht haben?
Nadine: Ich denke meine Stärke liegt darin, dass ich mich nicht darum schäre was gerade Mode ist. Ich höre auf mein Herz und mache nur die Dinge, die mir Spaß machen. Mein großes Geheimrezept liegt wohl darin, dass es mir nicht darum geht das große Geld zu machen, sondern mich selbst in meiner Arbeit widerzuspiegeln.

Danke Nadine Psotta für den Einblick, dass hinter der Mode nicht nur Trends und schöne Schnitte stecken, sondern auch viel tiefgründige Bedeutung und ganz viel Herz.

http://schwabenkind.com

Vorschau:

Es muss nicht immer neu sein

Neulich war ich auf der Suche nach einem Städteführer für meine anstehende Romreise. Also eines dieser kleinen, handlichen Büchlein, das über die wichtigsten Sehenswürdigkeiten und „Geheimtipps“ einer Stadt informiert und hilft, sich zügig zurechtzufinden.

Ein Stapel neuer Bücher ist teuer und belastet die Umwelt.

Lesestoff: Wer viel liest, der kann mit gebrauchten Büchern Geld sparen und die Umwelt schonen. (Foto: T. Gartner)

Deshalb habe ich im Online-Shop meiner Wahl ein wenig gestöbert und nach kurzer Zeit hatte ich auch schon ein passendes Buch gefunden. Im Angebot: sowohl der neue Artikel, als auch eine gebrauchte Ausgabe.

Besonders auffällig war, dass der gebrauchte Reiseführer satte 50 Prozent günstiger zu haben war als das neue Exemplar. Das nenne ich mal ein Schnäppchen! Ich brauche das Büchlein ja ohnehin nur einmal, nach meinem Ausflug nach Rom wird es sowieso im Bücherregal einstauben. Insofern war die Entscheidung für das gebrauchte Buch schnell getroffen.

Sicher, ich habe mir damit ordentlich Geld sparen können. Aber das ist nicht der einzige Vorteil, sobald man zur gebrauchten Ware greift, auch wenn der monetäre Aspekt der wohl offensichtlichste und angenehmste sein mag.

Auch der gebrauchte Artikel tut noch seinen Dienst, es muss nicht immer alles nigelnagelneu sein. Vor allem, wenn es um Bücher geht, ist der Qualitätsunterschied zwischen neu und gebraucht marginal. Meistens sind die „gebrauchten“ Ausgaben sogenannte Mängelexemplare, die eigentlich druckfrisch sind, aber wegen eines kleinen Kratzers oder eines minimalen Streifens aus Druckerschwärze auf der Außenseite nicht mehr zum Normalpreis verkauft werden können. Selbst Angebote aus privater Hand sind in der Regel qualitativ nicht wirklich schlechter als die Ausgabe, die direkt aus der Druckerpresse kommt – ich persönlich kann bisher nur Gutes berichten.

Und insbesondere bei Büchern macht es einen großen Unterschied, ob sie weggeworfen werden oder nicht. Jedes gedruckte Buch belastet die Umwelt, weil Papier nun mal aus Holz hergestellt wird und das heißt, dass wir für Bücher Bäume fällen müssen. Und auch ein Buch, das im Keller verrottet, kann ökologisch sinnvoller genutzt werden, indem es eben nicht verstaubt, sondern durch Weiterverkauf die Produktion eines neuen Buches ersetzt. Wer gebrauchte Ware kauft, der reduziert die Menge an Müll, der trägt aktiv zum Erhalt der Umwelt bei.

Auf dem Flohmarkt gibt es vieles zu finden und entdecken.

Fundgrube: Auf einem Flohmarkt findet sich so manches gebrauchte Stück, das noch gut zu verwenden ist. (© Susanne Schmich/Pixelio.de)

Wer jetzt meint, dass der Handel mit Gebrauchtware nur eine neue, kurzlebige Modeerscheinung des vernetzten Zeitalters ist, bei der auf Auktionsplattformen und „Marketplaces“ geboten und gekauft wird, dem sei gesagt, dass die Idee mitnichten neu ist. Bereits als kleiner Junge – zu Zeiten vor dem Internet-Boom – besuchte ich mit meinen Eltern öfters mal Flohmärkte, Tauschbörsen und den guten alten Second-Hand-Laden. Letzterer ist nicht als Synonym für sozialen Abstieg zu verstehen, sondern vielmehr als eine Art Recycling-Stelle für „alte“ Ware, die noch zu gebrauchen ist.

Egal, ob ich nun in einen realen Second-Hand-Laden gehe oder eine Online-Plattform mit gebrauchten Artikeln besuche – die Idee dahinter ist die gleiche: Anstatt im Überfluss und Übermaß immer neue Produkte zu konsumieren, werden lieber gebrauchte Artikel gehandelt, die noch völlig in Ordnung sind. Und das zu einem günstigeren Preis als Neuware.

Da lacht der Geldbeutel und gleichzeitig ist es ein einfacher Beitrag zur Entlastung der Umwelt und zur Nachhaltigkeit. Also ich werde auch das nächste Mal genau hinsehen und zum gebrauchten Artikel greifen.

Vorschau: Ist es gut sein einjähriges Kind bereits in den Kindergarten zu schicken? Wen ein ähnliches Problem quält, der sollte die nächste Kolumne nicht verpassen – dort wird Eva Antworten auf diese Frage suchen.

Der Mannheimer Krempelmarkt- der größte Kultflohmarkt der Region

Wenn sich an einem Samstagmorgen ungewöhnlich viele Studenten schon in den frühen Morgenstunden aus dem Bett quälen, auf dem neuen Messplatz kein freier Parkplatz mehr zu bekommen ist, und Menschen mit einem Tisch, Fernseher oder Sessel unter dem Arm herum wuseln, dann ist es wieder soweit: es ist Mannheimer Krempelmarkt!

Der Mannheimer Krempelmarkt- der größte Kultflohmarkt der Region

Für jede Wetterlage gerüstet: die erfahrenen Aussteller des Krempelmarktes (Foto: Betz)

An diesen Tagen herrscht ein ganz besonderes Flair auf dem neuen Messplatz. Bereits nachts um zwei Uhr sind die ersten Aussteller auf den Beinen, um sich die besten Plätze für ihre Verkaufsstände zu sichern, „denn um vier Uhr morgens ist hier schon die Hölle los“, berichtet Karl Schwenkel, einer der Frühaufsteher.

Wenn dann um sieben Uhr morgens die ersten Besucher über den Platz schlendern, liegt die freudige Erwartung auf ein kleines Schnäppchen, eine verborgene Kostbarkeit und die Kunst des Verhandelns spürbar in der Luft. Auch die 67-jährige Rentnerin Hannelore Herzig kann dies bestätigen. Sie ist seit mehr als 20 Jahren als Verkäuferin auf dem Krempelmarkt tätig..

So wie viele andere Aussteller weiß sie besonders die geringen Standgebühren, die sich bei drei Euro pro Meter, oder wenn man es in den Einheiten des Flohmarktes ausdrücken möchte, pro Tapeziertisch, deutlich von anderen Flohmärkten abheben, zu schätzen.

Aber nicht nur die niedrigen Preise locken immer wieder auf’s Neue bis zu 300 Aussteller an. „Hier herrscht einfach eine ganz besondere Atmosphäre, alle sind nett, niemand nimmt das allzu ernst, es macht einfach immer wieder einen Rießenspaß. Wenn man einmal dabei ist, kann man nicht mehr aufhören“, erzählt Ulla Müller, die langjährige Standnachbarin von Frau Herzig.

Neben den „Stammausstellern“ sind auch immer wieder neue Leute dabei, die ihren „Krempel“ loswerden und dabei ein bisschen Geld verdienen wollen. So auch die drei 19-21 jährigen Erstausstellerinnen Isabell (19), Larissa (21) und Monika (21). Sie haben zwei Tische voller Kleidungsstücke, die sie nicht mehr brauchen. Mit dem Verkauf wollen sie ihren gemeinsamen Sommerurlaub finanzieren. Auf der anderen Seite des Marktstandes freut sich im Gegenzug eine junge Frau über den Gürtel, den sie zu einem Schnäppchenpreis von zwei Euro ergattert hat.

Hier gehen einfach alle mit dem Gefühl nach Hause, ein gutes Geschäft gemacht zu haben, wodurch sich auch die durchweg entspannte und positive Stimmung auf dem gesamten Markt erklären lässt. Ringsum sieht man hier die unterschiedlichsten Menschen, die sich alle gut verstehen, miteinander lachen, handeln und erzählen.

Die Chance, Teil dieser ganz besonderen Gemeinschaft zu sein, haben interessierte Käufer und Verkäufer sieben Mal verteilt über das ganze Jahr, wobei jede Jahreszeit ihren besonderen Charakter hat.

Ob man nun Ende November in warme Kleidung eingemummelt, mit einer Thermoskanne heißen Teees ausgestattet, auf die Suche nach originellen und ausgefallenen Geschenken für die Liebsten geht, nach schönem günstigen Weihnachtsschmuck für die Studentenbude Ausschau hält oder doch lieber bis Mitte April wartet, um bei den ersten Sonnenstrahlen des Jahres nach einem neuen Fahrrad, Inlinern oder einem Skateboard zu stöbern, auf dem Krempelmarkt ist für jeden etwas dabei. Unmengen von Brettspielen, Puppen, Spielzeugautos für die Kleinen, Wohnaccessoires, die vom Kronleuchter bis zur Couchgarnitur reichen, unzählige DVD’s, Kameras und Videospiele für die Technikbegeisterten oder Bücher, Figuren und vieles mehr für die Sammler unter den Kremplern. „Egal ob man etwas Bestimmtes sucht, oder einfach nur mal so drüberschaut, hier findet man wirklich immer etwas Schönes“, schwärmt die 34-jährige Grundschullehrerin und Mutter Birgit Herzelberger.

Der Mannheimer Krempelmarkt- der größte Kultflohmarkt der Region

Von Brettspielen über Kleidungsstücke bis hin zu Elektrogeräten: das Angebot auf dem Krempelmarkt ist groß (Foto: Betz)

Damit man für das Suchen, Finden und Stöbern auch genügend Kraft hat, ist selbstverständlich auch für das leibliche Wohl bestens gesorgt: Ob man nun sich nun lieber am Bratwurst- oder dem klassischen Brezelstand auf dem Krempelmarkt stärkt, bleibt jedem selbst überlassen. Fest steht allerdings, dass alle Einnahmen, die auf diese Weise entstehen, auf direktem Wege in die unterschiedlichsten Projekte i n der Rhein-Neckar Region fließen. Denn die Veranstalter des Krempelmarktes, der Verein „Freiraum e.V.“ legt großen Wert darauf, keinen Profit aus der Organisation zu schlagen. Daher betonen sie auch immer wieder, dass auch die ohnehin schon sehr gering gehaltene Standgebühr nur dazu gedacht ist, die anfallenden Kosten zu decken. Auf diese Weise sind nun seit 1970 schon über 300 000 Euro in die verschiedensten Projekte im kulturellen, sozialen und ökologischen Bereich investiert worden, erzählt Frank Gärtner, einer der Organisatoren des Krempelmarktes..

 Info:

Der nächste Krempelmarkt findet am Samstag, 16. Juni statt.

Vorschau: Nächste Woche wird an dieser Stelle ein Artikel über Kultur während der EM abseits des Fußballs stehen.

Trash Pop Party – möglichst schlecht gut aussehen

Trash Pop Party - möglichst schlecht gut aussehen

Trash Pop Party: Wenn ein mieses Outfit genau das richtige ist. (© Stefan Bayer / PIXELIO)

Vor einiger Zeit bekam ich eine Einladung zu einer Party. Keiner gewöhnlichen Party. Einer Trash Pop Party – diese komischen Dinger mit uralter Musik, die wir trotzdem noch auswendig kennen, und lauter seltsam aussehenden Menschen. Und, um von Anfang an wirklich trashig zu sein, bekam ich die Einladung über „Facebook“. Blöd nur, dass ich keine Ahnung hatte, was eine Trash Pop Party sein soll. Also machte ich mich auf den Weg durch Second-Hand-Läden und Wühltische, auf der Suche nach einem möglichst poppigen, miesen Outfit. Yeah.

‚Trash‘ kommt aus dem Englischen und bedeutet ‚Müll‘. Trash Pop soll also den Stil beschreiben, denn ausgediente Popstars tragen. Ein bisschen Neue Deutsche Welle, etwas 80er und ein wenig Ballermanngefühl. Ganz einfach, oder? Mein Kleiderschrank fand das leider nicht. Weite Kuschelpullis, die schon meine Mama getragen hat, finden sich da zwar, Jogginghosen, die ich meinem Verlobten gemopst habe, ebenso aber nichts, was auf Anhieb Trash oder Pop wäre. Zum Glück, oder? Wer will schon ein perfektes Trash Pop Outfit bei seinen Alltagsklamotten haben.
Zusammen mit meinem Bruder startete ich eine Shopping-Tour durch Second-Hand-Läden. Nachdem wir den ersten dank Smartphone-Navigation gefunden hatten, standen wir vor unzähligen Regalen. Dort tummelten sich dutzende Kleider, die zwar oft sehr trashig waren, aber wenig poppig. Zwei Krawatten, eine in schillernden Farben, die andere mit Mickey Mouse-Aufdruck waren schnell gefunden, und das war es dann auch. Pinke Jogginghosen, die ein Double für Cindy aus Marzahn hätte tragen können, fielen dann doch aus dem Rahmen und eine Bluse, die aus dem gleichen Stoff, wie die bunte Krawatte gemacht zu sein schien, war mir dann doch zu bunt. Es war immerhin keine Kanarienvogelparty. Weder Disco-Hosen noch Shirts aus den 80ern waren da. Selbst bei den Kostümen fanden wir nichts, was wir hätten tragen wollen.

Trash Pop Party - möglichst schlecht gut aussehen

Erste Regel: Es darf nichts zusammenpassen, dann passts schon (Foto: Obermann)

Also ging es weiter, zum nächsten Laden, der mittlerweile den Besitzer gewechselt hatte, und damit auch kein Second-Hand-Laden mehr war. Aus Zeitnot gingen uns auch die Alternativen aus. Ich überlegte schon: Wenn ich die roten, kurzen Sporthosen über die weißen Leggins anzöge, das wäre immerhin etwas trashig. Unsere letzte Station war ein Kaufhaus, wo wie Haarbänder, knallige Ohrringe und bunte Ketten fanden. Zumindest mit Accessoires waren wir damit bedient. Eine Packung künstliche Wimpern in Pink sollten mein Make-up für den Abend perfektionieren. Immerhin wies mich mein Begleiter immer wieder darauf hin: „Die Kleider dürfen gar nicht zusammenpassen.“ Wenn ich also zur roten Sporthose das beige Shirt nehme, und darunter vielleicht das schwarze mit den langen Ärmeln. Das passte ja gar nicht zusammen. Also ideal für ein mieses Outfit.

Das Ergebnis konnte sich sehen lassen: Die künstlichen Wimpern waren der Hit, die langen, bunten Ketten klimperten den ganzen Abend um meinen Hals. Lieder zum Mitsingen, die wir schon fast vergessen hatten, sorgten für Stimmung. Die Partygäste waren alles andere als Trash. Und ich musste feststellen, wie viele an dem Abend: Es war verdammt gemütlich, sich keine Gedanken darüber machen zu müssen, ob die Kleider auch gut aussehen, denn sie sollten es ja gar nicht. Und schlecht kann manchmal auch gut sein. Ein Partygast, der mit gefleckten Leggins der Mutter kam, wurde dafür gelobt; selbst Werbegeschenke kamen groß in Mode, weite Oberteile, neongelbe Sporthosen – alles, was hinten im Schrank lag, von dem wir uns aber noch nicht trennen wollten. Ein bisschen Fasching mitten im Dezember, weniger Gedanken um das Aussehen. Und das bei der ganzen Suche nach dem perfekten miesen Outfit.

Vorschau: Sonja schreibt nächste Woche über „Stillstand“ im Beruf und wie es trotzdem weiter gehen kann.

Stockholm hat Stil – der Shoppingguide

Passend zu meinem Artikel „Fünf Tage in Stockholm- Shopping und Schnee“ möchte ich euch auch einen Shoppingguide für diese wundervolle Stadt mitgeben. Denn wie bereits erwähnt ist Stockholm ein Paradies zum Einkaufen, Bummeln und sich inspirieren lassen von den hübschen, stylishen und stilbewussten Schweden.

 Ich möchte gerne von vornherein anmerken, dass es teilweise furchtbar deprimierend sein kann, durch die Straßen Stockholms zu schlendern und ein Auge auf den Streetstyle der jungen Schweden zu werfen. Während ich dick eingepackt wie das „Michelin-Männchen“ versuchte, auf den riesigen Eisplatten, die die Gehwege überzogen, mein Gleichgewicht zu halten, begegneten mir zahlreiche Schweden Mädchen mit Sportschuhen, Leggins und dünner Übergangsjacke. Sie schienen geradezu über die glatten Stellen zu gleiten, von frieren keine Spur. Keine Ahnung wie die das schaffen.

 Hinzu kommt noch, dass die meisten jungen Leute in der Hauptstadt Schwedens unheimlich sportlich wirken, strahlende Augen haben und ganz nebenbei alle aussehen wie Topmodels. Daran muss man sich erst einmal gewöhnen. Wer diesen Schock überwunden hat, sollte sich einfach von den stilbewussten, kreativen Köpfen des Nordens begeistern und vor allem inspirieren lassen.

 Und so kann es auch schon losgehen mit dem eigentlichen Shoppingguide!

 Los geht es, wo eigentlich jede Shoppingtour durch Stockholm beginnen sollte: in der „Fußgängerzone“, der „Drottninggatan“. Am besten erreicht man diese mit der U-Bahn, Haltestelle „T-Centralen“, hier hält jede Linie. Hier findet man alle möglichen Geschäfte, vor allem die größeren Kaufhäuser und typischen Schwedenmarken wie „H&M“. „H&M“ gibt es in dieser Straße gleich mehrmals und wer denkt, dass er „H&M“ schon zur Genüge kennt, sollte trotzdem einen Blick in die verschiedenen Filialen werfen, da die schwedischen „H&M“s um einiges mehr zu bieten haben als die deutschen. Besonders interessant ist die Filiale von „H&M Home“ und die Filiale, zu der eine eigene Schuhabteilung gehört. Kaum zu übersehen ist das Kaufhaus „Åhléns City“ (Klarabergsgatan 50/Ecke Drottninggatan). Hier gibt es alles von Kleidung über Make-Up bis zu einem Supermarkt mit Gourmet Abteilung. Ein weiteres Muss für jeden Musikfan ist der Record Store „Bengans“ (Drottninggatan 20). Hier gibt es alles, was das Musikherz begehrt und nicht selten geben hier bekannte schwedische Bands wie „Mando Diao“ oder „The Hives“ kleine Konzerte oder Autogrammstunden. Weiter nördlich auf der Drottninggatan befindet sich „Weekday“ (Drottninggatan 65). Hier kaufen die Fashionistas Europas ein. Zu „Weekday“ gehört beispielsweise die inzwischen sehr verbreitete und bekannte Marke „Cheap Monday“ und wer Glück hat, kann hier super Schnäppchen machen oder auch schon die Trends von morgen aufspüren. Die Verkäufer sind übrigens sehr hilfsbereit und präsentieren zu 100% den typisch schwedischen Streetstyle. Wer die Fußgängerzone weitergeht, findet noch alle möglichen weiteren Shops und Kaufhäuser; auch in den Seitengassen rund um die „Drottninggatan“ gibt es einiges zu entdecken.

 Ganz in der Nähe der Fußgängerzone (Hamngatan 10) befindet sich eine der zahlreichen Filialen von „Gina Tricot“, was man sich so ähnlich vorstellen kann wie „H&M“. Direkt nebendran liegen die Filialen von dem Nobelabel „Acne“ sowie „Tiger of Sweden“. Beide Marken stehen für skandinavischen Purismus, gepaart mit einer ordentlichen Portion Rock’n’Roll. Weiter Richtung „Sergels Torg“ innerhalb der Passage „Gallerian“ gibt es eine kleine Filiale des britischen In-Kaufhauses „Topshop“ (Hamngatan 37). Diese „Topshop“ Filiale ist wohl für Frauen interessanter, da die Männerabteilung recht klein ist.

 Weiter in den noblen Stadtteil „Östermalm“: Hier befindet sich mein persönlicher Shopping Favorit, „Urban Outfitters“. Leider sind die Klamotten etwas teurer, jedoch kann man sicher gehen, dass die Teile von „Urban Outfitters“ hier in Deutschland noch lange nicht so bekannt sind (bis jetzt gibt es nur eine Filiale in Hamburg) wie z.B. die von „Zara“ oder „H&M“. Aber am imposantesten bei diesem Geschäft ist die Architektur. Diese Filiale ist nämlich in einem alten, restaurierten Kino untergebracht. Man shoppt hier auf zwei Ebenen zwischen Stuckwänden und roten Samtvorhängen und kann auf der alten Kinoempore entlang spazieren. Sonst sind in „Östermalm“ sehr viele internationale  und skandinavische Nobelmarken wie „Agent Provocateur“, „Hugo Boss“, „Filippa K“ oder „Fifth Avenue Shoe Repair“ vertreten.

 Für Vintage und Second Hand Fans ist der Stadtteil „Södermalm“ wohl am interessantesten. Hier verkehrt die junge, kreative und weltoffene Szene. Nicht selten begegnet man hier dem ein oder anderen bekannten Gesicht wie den Jungs von Mando Diao, Sugarplum Fairy oder The Hives. Mit dem Shoppen beginnt man am besten direkt an der U-Bahn Station „Slussen“ und arbeitet sich ab der Götgatan vor Richtung Süden. In den Seitenstraßen gibt es zahlreiche schöne Secondhandläden, mir persönlich besonders gut gefallen hat „Emmaus“, wo es wirklich alles gibt, von Hässlich über Kitschig bis absolut stylish. Die üblichen Verdächtigen Shops wie Weekday (Götgatan 21) und Monki (Götgatan 19)  tauchen auch hier in noch einmal auf. Geht man nun weiter und ab Medborgarplatsen nach Osten tauchen immer mehr kleine Vintageparadiese auf. Unschlagbar und nicht mehr unbekannt ist „Beyond Retro“ (Åsögatan 144), wo es wirklich aus jeden Jahrzehnt etwas gibt. Außerdem ist dieser Vintage Store perfekt sortiert und alle Teile sind Originale, hier ist nichts nur „auf alt gemacht“. Nicht umsonst ist das der Shop des Vertrauens von Miss Li, Robyn und Lykke Li.

 Am Interessantesten ist jedoch immernoch, das Selbstentdecken und die zufälligen Glückstreffer. Weitere Tipps sind immer willkommen.

Ein paar hilfreiche Links:

 www.monki.com

 www.weekday.com

 www.urbanoutfitters.com

 www.bengans.se

 www.ginatricot.com

 www.shoerepair.se

 www.filippa-k.com

 www.acnestudios.com

 www.beyondretro.com

 www.lesmads.de/2010/08/shopping_in_stockholm_sodermalm.html#more