Bodyshaming in der Schwangerschaft

Schwangere nehmen zu. Nicht alle gleich stark und manchmal nehmen sie sogar ab, zum Beispiel wenn sie durch eine Erkrankung wie Hyperemesis nichts mehr bei sich behalten können. Aber auch dann wächst der Bauch. Was im vierten Monat noch wie ein gut gefülltes Bäuchlein nach einem üppigen Abendessen aussieht, wird zu einer runden Kugel, die bald nicht mehr zu übersehen ist. Spätestens dann erfährt die Schwangere einen plötzlichen Anstieg von Bodyshaming-Kommentaren, die sich auch auf die Begutachtung ihres Essens auswirken.

Schwangere und Bodyshaming

Unsere Gesellschaft ist so besessen von schlanken Körpern, dass sogar Schwangere nicht davon verschont bleiben, ihren Körper daran messen zu müssen. „Du bist sicher, dass es keine Zwillinge werden“ oder „na, lang kann es ja nicht mehr dauern“ beim Anblick des Schwangerschaftsbauches sind keine seltenen Kommentare. Mit ihnen kommen auch Sticheleien wegen der Ernährung. Wenn sie sich eine Leckerei gönnt oder man ihr beim Essen ihren Appetit ansieht, passiert es nur zu schnell, dass jemand sie daran erinnert, dass sie ja nicht wirklich „für zwei“ essen müsse. Akribisch wird in der Frauenarztpraxis die monatliche Gewichtsveränderung gemessen. Selbst Frauen, sie sich sonst nie Sorgen um ihr Gewicht machen, werden in das System aus statistischen Zahlen eingespannt.

Bodyshaming in der Schwangerschaft
Riesig, eine Kugel, kurz vorm Platzen – Schwangere müssen sich einige Bodyshaming-Kommentare zu ihrem Bauch anhören (Foto: Obermann)

Mehr oder weniger

Jede Frau nimmt anders zu. Manche gewinnen gerade in den ersten Monaten durch die zunehmende Blutmenge in ihrem Organismus und der wachsenden Plazenta Kilos dazu, dann stagniert das Gewicht, bis es ab Mitte der Schwangerschaft durch das wachsende Kind langsam wieder hoch klettert. Andere nehmen gerade in den ersten Monaten durch Übelkeit ab. Jeder Körper reagiert anders auf Hormone und jedes Baby wächst mit leichter Varianz unterschiedlich schnell. Einige Frauen nehmen gerade am Ende der Schwangerschaft wieder leicht ab, da das Baby auf den Magen drückt und sie keine großen Mengen mehr essen können. Und natürlich nehmen manche auch einfach kontinuierlich zu.

Alles ist möglich

…und fast alles erlaubt. Diäten in der Schwangerschaft werden generell kritisch gesehen, da Giftstoffe freigesetzt werden und das Kind beeinträchtigen können. Bei ausgewogener Ernährung ist aber auch das kein Problem. In der fortgeschrittenen Schwangerschaft sind auch Wassereinlagerungen für die Gewichtszunahme verantwortlich. Wer dann die Versorgung reduziert, schadet sich selbst. Auch Verdauungsprobleme können für Gewichtsschwankungen sorgen. Solange weitere Werte im gesunden Rahmen bleiben und das Gewicht nicht sprungartig ansteigt (oder abnimmt), braucht sich niemand wegen ein paar Kilos mehr oder weniger Sorgen zu machen. Wichtig ist, die Schwangerschaft nicht einfach als Ausrede zu nutzen, den Teller doppelt so voll zu schöpfen.

Bodyshaming in der Schwangerschaft
Im Zentrum der Aufmerksamkeit: In der Schwangerschaft werden Ernährung und Bauch argwöhnisch beäugt (Foto: Obermann)

Zahlen leben nicht

Leider schaut manches medizinische Personal nur auf eine Zahl und blendet andere Anzeichen aus. Genauso schaut das Umfeld nur auf den Bauch und sieht das Außenherum nicht. Dabei gerät die Schwangere schnell unter Druck, auch mit Baby im Bauch, Schönheitsidealen gerecht zu werden, die schon in nicht schwangerem Zustand nahezu unmöglich zu erreichen sind. Das ist gefährlich. Nicht nur in der Schwangerschaft, sondern auch in der Zeit nach der Geburt, in der die Frau ohnehin unter emotionalem Druck steht. Immer wieder verlieren Frauen dadurch den Bezug zum eigenen Körper. Im Internet gibt es tausende Bilder von postpartalen Körpern zu sehen, die nicht nur realistisch, sondern auch deswegen so schön sind, weil sie die Spuren ihrer Leistung zeigen, so wie auch ein Schwangerschaftsbauch zeigt, was in ihm steckt. Zu schade, dass wir das alles vergessen, nur weil jemand uns sagt, „schlank“ sei wichtiger.

(Vegane) Ernährung in der Schwangerschaft — was meinen die Experten?

Ich ernähre mich selbst seit ca. zwei Jahren vegan. Vorher habe ich ungefährer vier Jahre vegetarisch gelebt. Häufig wird mir die Frage gestellt, wie ich denn später meine Kinder ernähren möchte. Obwohl der Kinderwunsch bei meinen zarten einundzwanzig Jahren noch wenig präsent ist, hat mich diese Frage zum Nachdenken angeregt. Eng damit zusammen hängt natürlich auch die Frage, wie eine gesunde Ernährung in der Schwangerschaft aussieht.

Die unterschiedlichsten Ernährungs-Mythen

Passend zu unserem Monatsthema „Ernährung in der Schwangerschaft“ habe ich zwei Ärzte interviewt und wollte von ihnen wissen, wie sie zu einer veganen Lebensweise bei werdenden Mütter stehen.
Bei der „richtigen“ Ernährungsweise gehen die Meinungen ja stark auseinander. Manche Ärzte oder Ernährungsexperten befürworten eine omnivore (omnis „alles“), andere eine vegetarische und wieder andere eine vegane Ernährung. Andere Experten schwören auf Rohkost oder Low Carb.

Der vegane Lebensstil


Menschen, die sich vegan ernähren, meiden alle Nahrungsmittel tierischen Ursprungs. Dazu gehören Fleisch, Fisch, Milchprodukte und Honig. Diese Lebensweise hat häufig ethische Gründe, kann aber auch durch den Umweltfaktor oder die eigene Gesundheit geprägt sein. Zwei Experten legen im Folgenden ihr Ideal einer ausgewogenen Ernährungsweise dar und verdeutlichen dies vor allem im Hinblick auf eine vegane Ernährung in der Schwangerschaft.

Die traditionelle chinesische Medizin und die 5-Elemente-Ernährung


Dr. Henryk Kuhlemanns Fachgebiet ist die traditionelle chinesische Medizin, kurz TCM. Er bildet seit zwanzig Jahren Ärzte aus und ist nebenbei auch in der Hebammenausbildung für Akupunktur / TCM tätig. In seiner Arbeit nimmt die Ernährungsberatung einen hohen Stellenwert ein.


Ein Schwerpunkt der TCM ist die 5-Elemente-Ernährung. Dabei wird die Lebensenergie, also das Qi, durch die Nahrung gewonnen. Die chinesische Medizin bezeichnet das Verdauungssystem als Milz, wobei auch der Magen und die Bauchspeicheldrüse dazugehören. Aufgabe der Milz ist es, die Energie aus der Nahrung aufzunehmen und umzuwandeln.

Das Yin und Yang der Lebensmittel

Eines der wesentlichen Konzepte neben dem Qi ist das von Yin und Yang, welches in der TCM eine entscheidende Rolle spielt. Yin steht hierbei für Kälte, Nacht und Ruhe, wohingegen Yang Hitze, Sonne, Aktivität und Bewegung beinhaltet. Die Lebensmittel werden in energetisch wärmende und energetisch kühlende Nahrungsmittel eingeteilt und sollten an die Jahreszeit, aber vor allem auch an die eigenen Konstitution angepasst werden. 

Hinzu kommen die fünf Geschmäcker süß, scharf, salzig, sauer und bitter, in die die Lebensmittel eingeteilt werden. Unter süße Nahrungsmittel fallen beispielsweise Reis Kartoffeln, Rind und Ananas. Als bittere Lebensmittel werden unter anderem Spargel, Basilikum, Kaffee und Kakao verstanden. Diese fünf Geschmäcker werden zudem mit ihrer unterstützenden Wirkung jeweils einem Organsystem innerhalb der 5 Elemente zugeteilt. So beeinflusst der saure Geschmack die Leber und Gallenblase, die Schärfe die Lunge und den Dickdarm und stärkt zudem das Immunsystem.


Die TCM bevorzugt keine explizite Ernährungsweise, wie eine vegetarische oder vegane Ernährung. Wichtig ist, dass Menschen, die häufig frieren, energetisch warme Speisen zu sich nehmen. Dazu gehören zum Beispiel Ingwer, Fenchel, aber auch Hühnerfleisch. Und umgekehrt sollten Menschen, denen ständig warm ist, eher zu kühlenden Lebensmitteln greifen, angepasst an die aktuelle Jahreszeit. Kalte Nahrungsmittel sind beispielsweise Rohkost, Milchprodukte sowie Schweinefleisch.

Ernährung — eine individuelle Betrachtungsweise

Laut Kuhlemann kann eine effektive Ernährungsweise nicht allgemein betrachtet werden, „wie es die westliche Medizin häufig tut und alle Menschen über einen Kamm schert“. Hier leben viele Menschen, nach Auffassung des Arztes, zu sehr die Yang-Seite aus, wobei Yin häufig viel zu kurz kommt. Bei jedem Menschen müssen die Umstände individuell betrachtet und die Bedürfnisse dementsprechend angepasst werden.

Allgemein rät der Arzt schwangeren Frauen von Gluten, zu viel Zucker und Lactose ab und empfiehlt hingegen Getreide wie Hirse, Quinoa oder Amaranth. Zudem sollten Gemüse in gekochter Form, Trockenfrüchte und Nüsse auf dem Speiseplan stehen. Dazu nur eine geringe Menge an Fleisch und Fisch, wenn es sich um keine vegetarische oder vegane Ernährung handelt. Rohkost sieht der Experte eher als schwierig an.

Eine vegane Ernährung, sei es allgemein oder eben während der Schwangerschaft, befürwortet Kuhlemann generell nicht, da diese „zu einseitig und vor allem zu Yin-lastig“ sei. Der Arzt betont die Abhängigkeit vom Konstitutionstyp. Denn ein hitzeanfälliger Mensch habe nicht die gleichen Bedürfnisse wie ein lethargischer, schnell frierender Typ. Zudem ist die Stärkung der Milz, also des Verdauungssystems, und damit verbunden eine positive Umwandlung der aufgenommenen Energie, für ihn grundlegend für eine gesunde Lebensweise.

(Vegane) Ernährung in der Schwangerschaft — was meinen die Experten?
Was meinen die Experten zu einer veganen Ernährung in der Schwangerschaft? (Bild:Bokskapet, pixabay.com)

Vegane Ernährung unter ärztlicher Begleitung

Dr. med. Brigitte Karner vom Zentrum für ganzheitliche Medizin Freiburg ist Fachärztin für Allgemeinmedizin, Naturheilärztin und Ernährungsmedizinerin.
Ihre Doktorarbeit hat sie über vegetarische Ernährungsformen im Vergleich geschrieben und dabei insbesondere die Frage nach Eiweiß, Vitamin B12 und Eisenmangel bei veganer Ernährung untersucht. Zudem begleitet die Ernährungsmedizinerin viele Vegetarier und hat gemeinsam mit drei anderen Autorinnen ein Buch geschrieben, in dem ein ganzes Kapitel der Ernährung in der Schwangerschaft gewidmet ist („Der Keto Kompass“).


Eine vegane Ernährung während der Schwangerschaft hält die Expertin für problematisch. Wichtig sei, dass regelmäßige Laborkontrollen erfolgen und die Schwangerschaft durch einen in der Ernährungsmedizin erfahrenen Arzt begleitet wird. Ihrer Ansicht nach können erhebliche Mangelerscheinungen bei dieser Art der Ernährung auftreten. Insbesondere durch einen Mangel an Eiweiß, Eisen und Vitamin B12. Dies sei heutzutage vielen Veganern bekannt, doch was nur wenige wüssten, sei die meist unzureichende Zufuhr an Jod, Zink, Omega-3-Fettsäuren, Vitamin D, Selen und Kalzium. Danach sollte gezielt geschaut werden. Zudem ernähren sich Veganer laut der Ärztin oft zu kohlenhydratreich und nehmen hingegen zu wenig hochwertige Fettsäuren zu sich. Insbesondere in der Schwangerschaft würden dadurch die für die gesunde Gehirnentwicklung des Fötus notwendige Ketonkörper fehlen und es könne durch die zu hohe Kohlenhydratzufuhr leicht zu Blutzuckerschwankungen kommen. Zudem sollten die werdenden Mütter auf „Analog-Lebensmittel“, also auf Ersatzprodukte für Fleisch, Wurst und Milchprodukte, verzichten, „da diese häufig sehr große Mengen an Geschmacksverstärkern, Emulgatoren, Konservierungsstoffen, Aromen und Farbstoffen enthalten“, so Karner. Stattdessen sollten Veganer alternative Käsesorten wählen, die durch Fermentation und Reifung produziert werden, zum Beispiel aus Cashews ohne Hilfs- und Geschmacksstoffe. Die Expertin erklärt, dass unsere genetische Ausstattung nicht an die Chemie in Nahrungsmitteln gewohnt sei und es deshalb zu Störungen der Immunregulation und des Mikrobioms des Darms kommen könnte. 

Power-Pflanzen: Algen und Avocados


Karner empfiehlt schwangeren Frauen, die sich vegan ernähren, die Menge an grünem Gemüse zu erhöhen. Um den Bedarf an Omega-3-Fettsäuren auszugleichen, reiche die Quelle aus Leinöl definitiv nicht aus, daher seien Supplemente mit Braunalgen, welche ein enormes Potenzial haben und viele bedeutende Mikronährstoffe beinhalten, geeignet. „Diese gibt es speziell für Veganer“. Die Ärztin legt besonderen Wert auf die ausreichende Aufnahme von Omega-3-Fettsäuren während der Schwangerschaft, da diese wie schon beschrieben maßgeblich an der Gehirnreife des ungeborenen Kindes beteiligt seien. Der höhere Bedarf an Magnesium und anderen Mineralien in der Schwangerschaft könne hervorragend durch Samen und Saaten ausgeglichen werden. Insbesondere durch Kürbiskerne, welche einen hohen Eisengehalt aufweisen, und Sesam, das sehr kalzium- und magnesiumhaltig sei. „Gute Quellen für sekundäre Pflanzenstoffe sind Beeren, Kurkuma und Wildkräuter“, erklärt Karner. Eiweißkombinationen könnten aus Hülsenfrüchten und Getreide wie Quinoa und Amaranth gewonnen werden. Aber auch Soja, Hanf und Lupinenprotein sollten den Speiseplan ergänzen. Laut der Expertin gelten Avocados in der Schwangerschaft als Allrounder, nach dem Motto „One avocado a day keeps the doctor away.“

Nach Aussagen von Karner ist eine vegane Ernährung in der Schwangerschaft prinzipiell möglich, jedoch betont die Ärztin, dass dies nach ihrer Empfehlung nur mit ärztlicher Begleitung durchgeführt werden sollte.

Kommentar der Autorin

Die Ansprechpartner für diesen Artikel habe ich durch Recherche im Internet gefunden. Wie bei all unseren Artikeln legen die darin befragten Personen ihre subjektive Meinung dar, die nicht zwingend von der Redaktion geteilt wird. Wir möchten, dass ihr euch selbst eine Meinung bildet. Im speziellen Fall empfehle ich daher weitere Meinungen von Experten einzuholen.  Was für euch und euer ungeborenes Kind die richtige Ernährung ist, entscheidet nur ihr. 

Hauptsache, es bleibt drinnen – wenn Hyperemesis gesundes Essen erst mal nebensächlich macht

Kein rohes Fleisch, viel Calcium, viel Trinken sowieso und wenig Industrieprodukte. Wer schwanger ist, bekommt von allen Seiten eine ganze Palette an Lebensmittel genannt, die es zu meiden gilt oder solche, die unbedingt täglich auf dem Speiseplan landen sollen. Aber was, wenn das alles nebensächlich wird, weil es nicht im Körper bleibt? Hyperemesis gravidarum macht jede Mahlzeit zum Kampf und manchmal überfordert selbst Wasser den Körper.

Schwanger und krank

Schwangerschaftsübelkeit ist eine normale Begleiterscheinung mit vor allem hormonellem Hintergrund, die nach den ersten drei Monaten wieder abebbt. Viele merken nur ein leichtes Unwohlsein, manche bleiben ganz verschon. Doch es gibt auch Schwangere, die jeder Bissen aufs Klo treibt, die jeder Geruch würgen lässt und die bis in den Kreißsaal eine Spucktüte in der Tasche haben. So eine Schwangere war ich. Dieselbe Erkrankung, die ungefähr fünf Prozent aller Schwangeren betrifft (genaue Zahlen fehlen, da Hyperemesis nicht immer diagnostiziert wird) und die auch Herzogin Kate bei ihren Schwangerschaften ins Krankenhaus trieb, sorgte dafür, dass ich vor fast genau einem Jahr an einem Tropf hing. Ich war schwanger und ich war krank.

Hauptsache, es bleibt drinnen - wenn Hyperemesis gesundes Essen erst mal nebensächlich macht
Intravenös – Hyperemesis gravidarum macht oft Infusionen nötig ( Foto: Obermann)

Eine Krankheit, die alles möglich macht

Im Krankenhaus fand sich ein Medikament, das mir half, Flüssigkeit und Nahrung wieder bei mir behalten zu können. Es wird normalerweise nach einer Chemotherapie eingesetzt. Darüber habe ich auf meinem Blog geschrieben. Doch auch mit den Tabletten konnte ich noch nicht das essen, was sonst auf meinem Teller landet. Alles Cremige machte mir große Probleme. Milch, Joghurt, Quark, aber auch Suppen, Brei oder Eis (bis auf eine spezielle Sorte). Da weder die Ursachen von Hyperemesis gravidarum geklärt sind, noch welche Therapiemöglichkeiten es gibt, wird meist von Fall zu Fall getestet, was hilf. Akkupunktur und Homöopathie, leichte Medikamente gegen Übelkeit oder auch verschiedene Nahrungsmittel. Manchen Frauen hilft es, quasi gar nicht mehr mit dem Essen aufzuhören. Ich konnte noch nicht einmal Wasser bei mir behalten.

Hauptsache, es bleibt drinnen - wenn Hyperemesis gesundes Essen erst mal nebensächlich macht
Schwanger und krank: Hyperemesis beeinträchtigt manchmal die gesamte Schwangerschaft (Foto: Obermann)

Darfst du das überhaupt?

Bei Schwangerschaftsübelkeit werden verschiedene Tricks genannt. Schon im Bett essen, kleine Portionen, trinken, statt essen. Bei Hyperemesis sind diese Strategien machtlos. Im Gegenteil, manchmal sind es gerade solche Nahrungsmittel, die eigentlich in der Schwangerschaft verpönt sind, die Erkrankte besser bei sich behalten können. Chips zum Beispiel, fettige Pommes oder Fruchtgummi. Ausgerechnet frisches Obst und Gemüse sind oft keine Option. Dieser Umstand bringt es mit sich, dass den Frauen immer wieder vorgeworfen wird, sie würden ihre Übelkeit nur vorspielen. Auch die Medikamente sorgen bei den Mitmenschen oft für Unverständnis. Doch bei Hyperemesis gravidarum handelt es sich nicht um einfache Übelkeit. Betroffene verlieren oft bis zu zehn Prozent ihres Körpergewichts und dehydrieren stark. Der Zustand kann zu einer extremen Gefahr für die Schwangere und das Ungeborene werden.

Hauptsache, es bleibt drinnen - wenn Hyperemesis gesundes Essen erst mal nebensächlich macht
Gesunde Ernährung in der Schwangerschaft? Bei Hyperemesis gravidarum ist erst mal wichtig, dass überhaupt etwas im Körper bleibt (Foto: Obermann)

Sozialer Druck

Unsere Ernährung ist immer wieder Grund für sozialen Druck. Wieviel und was wir essen wird schnell für andere zum Anstoß, über uns zu urteilen. Schwangere stehen dabei noch mehr im Fokus, als andere Menschen. Dabei weiß die Umwelt nie, was dahintersteckt. Eine Schwangerschaft ist immer eine enorme Veränderung. Hyperemesis gravidarum dazu eine ernste Erkrankung, die die Betroffene auch psychisch fordert. Hinzu kommt der soziale Druck durch fremde Meinungen, die glauben, der Schwangeren diktieren zu müssen, was „richtig und falsch“ ist. Vielleicht lassen wir die anderen lieber essen, was sie essen möchten, ohne das zu kommentieren oder die Augenbrauen hochzuziehen. Das gilt übrigens auch, wenn sie nicht schwanger sind.

Vegetarisch, vegan oder doch „normal“ – Ernährung in der Schwangerschaft

Ein gesundes Kind – Eltern wünschen sich nichts sehnlicher. Aber kann man bei der Ernährung in der Schwangerschaft etwas falsch machen und gibt es vielleicht den einen, richtigen Weg? Das können wir euch leider nicht beantworten – was wir aber können, ist Frauen mit unterschiedlichsten Ernährungsgewohnheiten und -einschränkungen zu ihrer Schwangerschaft zu befragen. Also los!

Kein Salat im Restaurant

Vor zehn Monaten brachte Sophia Hegemann aus Speyer eine gesunde Tochter zur Welt. „Ich habe mich „normal“ ernährt“, sagt die 23-jährige. Am Anfang ihrer Schwangerschaft habe sie sehr darauf geachtet, täglich Obst und Gemüse zu essen. „Gegen Ende der Schwangerschaft gab es aber dann oft auch mal Fast Food, weil die Kilos da dann eh schon drauf waren“, gesteht Sophia. In der Schwangerschaft nahm sie insgesamt 18 Kilo zu. Bei ihren Gelüsten nach Schokolade, Chips und Obst habe sie sich nicht zurückgehalten – „ich bin der Meinung, dass es erlaubt ist, solange es in Maßen ist.“ Um sich und ihr Ungeborenes trotzdem mit allen wichtigen Nährstoffen und Vitaminen zu versorgen, habe sie seit Beginn ihrer Schwangerschaft täglich ein Schwangerschaftsvitaminpräparat eingenommen. Auf rohes Fleisch, rohe Eier verzichtete die junge Mutter komplett. Bei Obst und Gemüse sei sie sogar extrem gewesen: „Ich habe alles immer gut abgewaschen. Im Restaurant habe ich keine Salate gegessen, weil ich nicht wusste, wie sie gewaschen sind.“ Von ihrem Arzt fühlte sie sich in dieser Zeit gut beraten. Er habe ihr empfohlen auf einige Lebensmittel zu verzichten, aber betont, dass die Entscheidung, ob sie seiner Empfehlung folgen wolle, bei ihr liege. „Ansonsten habe ich auch viel gegoogelt, was nicht immer von Vorteil ist, weil man laut Internet eigentlich gar nichts mehr essen dürfte“, sagt Sophia. Durch ihre Internetrecherche habe sie oft Panik bekommen.

Sophias Ernährung in der Schwangerschaft

„Normal“: So beschreibt Sophia ihre Ernährung während der Schwangerschaft (Foto: Hegemann)

Einem niedrigen Eisenwert im Blut gegen Ende der Schwangerschaft wirkte Sophia mit einem eisenhaltigen Getränk und einer eisenreichen Ernährung aus viel Rindfleisch und eisenhaltigem Gemüse entgegen. Eine Ernährung mit Fleisch ist aus ihrer Sicht während der Schwangerschaft von Vorteil, da Fleisch viele wertvolle Nährstoffe enthalte. „Fisch liefert Omega-3 und -6-Fettsäuren. Weil ich leider keinen Fisch vertrage, habe in der Schwangerschaft pflanzliche Kapseln eingenommen“, berichtet sie.

In einer zweiten Schwangerschaft würde sie durchgehend gesund, weniger Süßigkeiten und kleinere Portionen essen. Anderen Schwangeren rät sie: „Ernährt euch ausgewogen und gesund, nehmt zusätzlich Vitaminpräparate zu euch, da ihr heutzutage nicht alle Nährstoffe allein mit der Ernährung aufnehmen könnt. Hört auf euren Körper, er weiß meistens, was er braucht, und esst ruhig genug, denn „das Baby muss ja schließlich was werden“.“    

Nach Lehrbuch Ernährungspyramide

„Ich habe einfach normal weitergegessen wie bisher“, sagt Lisa-Sophie Keiber. Ihr Sohn Noah Emanuel ist inzwischen 20 Monate alt, gesund und altersgerecht entwickelt, wie die 29-Jährige aus Lingenfeld sagt. Fleisch, Fisch, Gemüse, Salat, Obst, Brot, ab und an Süßes – ihr Speiseplan habe „so ziemlich nach Lehrbuch Ernährungspyramide“ ausgesehen. Da sie gerne selbst koche, seien Restaurantbesuche und Lieferservicebestellungen eher selten gewesen. „Ich habe mich auf meinen normalen, gesunden Menschenverstand und sprichwörtlich auf mein Bauchgefühl verlassen“, sagt Lisa-Sophie. Alkohol, medium gebratenes Steak, Sushi, rohe Eier und Rohmilchkäse seien während ihrer Schwangerschaft tabu gewesen. Groß zugenommen habe sie nicht – durch den großen Energieverbrauch beim Stillen und durch das viele Spazierengehen mit Kinderwagen, so Lisa-Sophie, habe sie wenige Wochen nach der Geburt sogar weniger auf die Wage gebracht als vor der Schwangerschaft. „So richtige krasse Gelüste nach zum Beispiel Süßigkeiten oder sauren Gurken hatte ich nicht. Dafür konnte ich Hähnchenfleisch nicht einmal riechen, geschweige denn essen.“, erzählt sie, „ich hatte eher Lust auf kalte Speisen als auf warme. Tomaten gingen auch immer in jeglicher Form. Und jeden Morgen musste unbedingt gefrühstückt werden. Ohne ging nicht.“ Dass man während der Schwangerschaft „für zwei“ essen müsse, halte sie für ein Vorurteil und befürchtet, dass viele Frauen ihre Schwangerschaft als „Ausrede“ nutzen, um so richtig reinzuhauen.

Lisa Sophies Ernährung in der Schwangerschaft
Ganz nach Lehrbuch: Lisa-Sophie ernährte sich während ihrer Schwangerschaft „normal“ (Foto: Thomas Keiber)

Um Neuralrohrdefekten beim Embryo, also Fehlbildungen im Kopf- und Rückenbereich, habe sie bereits ab Kinderwunsch ein Folsäure-Präparat eingenommen. Ansonsten seien ihre Blutwerte während der Schwangerschaft unauffällig gewesen, weshalb sie keine weiteren Nahrungsergänzungsmittel zu sich nahm. „Mein Frauenarzt war sehr lapidar, was das Thema Ernährung angeht“, berichtet sie. „Er sagte, in Deutschland sei alles sauber und geprüft und ich solle ruhig Sushi, Fisch, Käse und so weiter essen. Meiner Meinung nach war das etwas zu locker – mir zumindest fehlten da fundierte Infos. Ich weiß allerdings von Freundinnen, dass deren Ärzte da mehr aufgeklärt haben bzw. strenger waren.“ Neben Arzt und Hebamme als Ansprechpartner, habe sie zusätzlich in Büchern und ein bisschen im Internet nachgelesen.

„Mein gesundes Kind, eine komplikationslose Schwangerschaft und meine eigene Gesundheit bisher haben mir gezeigt, dass meine Ernährungsweise für mich bzw. uns richtig ist, deshalb würde ich bei der nächsten Schwangerschaft auch alles wieder genauso machen“, sagt Lisa-Sophie. Ihr Tipp an alle Schwangeren: „Überlegt selbst mit gesundem Menschenverstand und ernährt euch „ausgewogen“! Hört nicht auf Horrorstorys im Internet oder hysterische Mitschwangere.“

Schoko-Gelüste einer Vegetarierin

„Da ich mich schon seit 19 Jahren vegetarisch ernähre und keine Mangelerscheinungen und auch sonst keine gesundheitlichen Probleme habe, war für mich klar, dass ich auch in der Schwangerschaft dabei bleibe“, erzählt Ramona Dörr. Die 31-Jährige aus Saarwellingen hat am 29. Oktober 2018 ein gesundes Mädchen zur Welt gebracht. Wegen ihrer gewohnten, vegetarischen Ernährungsweise sei es ihr leicht gefallen auf vieles zu verzichten, was man in der Schwangerschaft nicht essen solle, wie rohes Fleisch und rohen Fisch. „Rohmilchkäse und Schimmelkäse habe ich schon vorher nicht gegessen, da musste ich also auch nicht aufpassen“, sagt Ramona. „Das Einzige, was ich während der Schwangerschaft anders gemacht habe, war, darauf zu achten, dass nirgends rohe Eier drin sind wegen der Salmonellengefahr und dass ich Obst und Gemüse immer frisch gewaschen und zubereitet habe wegen der Gefahr von Listerien.“ Ihre Ärztin habe wegen der vegetarischen Ernährungsweise nur darauf hingewiesen, dass sie darauf achten sollte, genügend Eisen zu sich zu nehmen, da der sogenannte HB-Wert in der Schwangerschaft generell eher niedriger werde. Dieser wurde dann auch bei jedem Vorsorgetermin kontrolliert. „Da meine Frauenärztin überhaupt keine Bedenken wegen der vegetarischen Ernährung in der Schwangerschaft hatte, habe ich mich auch an sonst niemanden gewendet und zu dem Thema nur im Internet noch ein bisschen recherchiert“, berichtet Ramona. Das Kombipräparat aus Folsäure, Vitamin B12, Vitamin D3 und Jod, das laut Ramona allen Schwangeren empfohlen wird, habe sie vorsorglich genommen. Einen kurzzeitigen Eisenmangel glich sie mit Tabletten aus. „Ich habe während dieser vier Wochen aber auch verstärkt darauf geachtet, mich gesund zu ernähren“, ergänzt sie. Ausgefallene Gelüste habe sie nicht gehabt – „außer ganz am Anfang: Da hatte ich extrem Lust auf Schokolade, obwohl ich die sonst eher selten esse. Da habe ich meinen Mann sogar extra losgeschickt, welche zu kaufen“, erzählt Ramona schmunzelnd. In der Schwangerschaft habe sie rund neun Kilo zugenommen. Ob sie beim nächsten Mal etwas anders machen würde? „Nein, meine Schwangerschaft ist ja gut verlaufen, ich würde es wieder genauso machen“, sagt sie, „außerdem bin ich davon überzeugt, dass es sogar gesünder sein kann, sich vegetarisch zu ernähren, wenn man ausgewogen isst.“ Aus ihrem Umfeld gab es keine Vorurteile – „die sind ja alle schon jahrelang daran gewöhnt, dass ich Vegetarierin bin“.

Jede Frau müsse selbst wissen, wie sie sich in der Schwangerschaft ernährt, findet Ramona. „Generell würde ich dazu raten, sich zwar zu informieren, sich aber nicht verrückt machen zu lassen.“

Späte Diagnose: Fructoseintoleranz

Obst, Saft, Fruchtjoghurt, Müslimischungen – diese Produkte stehen bei fructoseintoleranten Menschen wie Sabine Kesberger auf der roten Liste. Die 41-jährige Mutter zweier gesunder Söhne (neun und zehn Jahre alt) bemerkte schon bei ihrer ersten Schwangerschaft 2008, dass etwas nicht stimmte. Sie nahm 32 Kilo zu. „Meine Mutter und meine Ärztin haben mir gesagt, ich solle es mir gut gehen lassen – die paar Kilos mehr hätte ich nach der Schwangerschaft schnell wieder weg“, erzählt sie. Durch eine Diät nach der Stillzeit, bei der sie unter anderem den Fruchtzuckerkonsum einschränkte, fühlte sie sich plötzlich wacher und munterer, ihr Hautbild verbesserte sich und ihre Verdauung schien wieder in geregelten Bahnen zu verlaufen. „In der zweiten Schwangerschaft habe ich „nur“ 26 Kilo zugenommen“, sagt Sabine, „bei der Diät, die ich anschließend gemacht habe, habe ich fast völlig auf Obst und Süßigkeiten verzichtet. Beide Ernährungsumstellungen haben mir gezeigt, dass da etwas sein muss, was meinem Magen und meinem Darm Probleme bereitete. Deshalb habe ich mich auf eine lange Suche gemacht. Letztendlich hat es acht Jahre gedauert, bis ich endlich auf die Lösung gekommen bin.“ Erst eine Magenentzündung und fünf Ärzte später stand die Diagnose fest: Fructoseintoleranz.

Vegetarisch, vegan oder doch „normal“ – Ernährung in der Schwangerschaft
Schwanger und fructoseintolerant: Kein Problem, findet Sabine Kesberger (Foto: www.karenzzeit.blog)

Ärzte und auch viele Ernährungsberater seien mit einer Fructoseintoleranz oft völlig überfordert, weiß Sabine. „Dafür ist die Fruchtzuckerunverträglichkeit einfach zu wenig bekannt und vor allen Dingen sehr, sehr individuell“, erklärt sie, „der Grad wie auch die Symptome sind schwer zu definieren. Ein normaler Mensch verträgt ungefähr 30g Fruchtzucker ohne Probleme, danach zeigt er auch fructoseintolerante Beschwerden. Als fructoseintolerant gilt man, wenn man weniger als 10g Fruchtzucker verträgt. Danach ist es der individuelle Grenzwert, den man herausfinden muss, um beschwerdefrei zu leben.“ Auch Alkohol, Gemüse, Knoblauch, Agavendicksaft, Honig und ganz normaler Haushaltszucker enthalten laut Sabine Fructose. „Außerdem gibt es sehr wenige verarbeitete Lebensmittel ohne Fruchtzucker. Zudem werden Fertigprodukte gerne gezielt mit Fructose angereichert, weil diese süßer ist als normaler Haushaltszucker“, sagt die 41-Jährige.

Trotz Verdauungsbeschwerden seien ihre Blutwerte während ihrer beiden Schwangerschaften normal gewesen. „Wer schon vor der Schwangerschaft weiß, dass er fructoseintolerant ist und sich mit der Thematik befasst hat, kennt seinen Körper und weiß, was er verträgt“, meint Sabine. Aus ihrer Sicht sei eine erworbene Fructoseintoleranz nichts Schlechtes für das ungeborene Kind – „eher im Gegenteil!  Die Mutter achtet automatisch auf weniger Zucker und verzichtet auf Fertigprodukte.“ Um Mangelerscheinungen auszuschließen, empfiehlt Sabine fructoseintoleranten Schwangeren, sich regelmäßig beim Arzt untersuchen zu lassen. „Bei einer angeborenen Fructoseintoleranz der Mutter würde ich dazu raten, auch das Kind auf Fructoseintoleranz testen zu lassen. Auch eine Laktoseunverträglichkeit ist nicht ungewöhnlich. Zu wissen, dass ein Kind keinen Milchzucker verträgt, kann schlaflosen Nächten mit Blähungen, Neurodermitis und vielem mehr vorbeugen.“

Das vollständige Interview mit Sabine findet ihr auf ihrem Blog „Karenzzeit nach der Diagnose Fructoseintoleranz“ unter diesem LINK.

Mit Grapefruits und Bananenshakes durch die vegane Schwangerschaft

„Vor sowie während der Schwangerschaft habe ich mich vegan ernährt“, erzählt Nadine Filler. Die 31-Jährige ist Mutter einer gesunden, zweieinhalb Jahre alten Tochter und ist mit ihr und ihrem Mann aktuell auf Weltreise.

Vegetarisch, vegan oder doch „normal“ – Ernährung in der Schwangerschaft
Gesunde Mama, gesunde Tochter – trotz oder wegen der veganen Ernährung in der Schwangerschaft? (Foto: wild & wundervoll)

„In der ersten Hälfte meiner Schwangerschaft war ich sehr geruchsempfindlich und mir wurde schnell übel. Deshalb habe ich nicht so viel gefuttert und immer nur das, was gerade ging. Mal waren das ganz viele Grapefruits, mal nur Bananenshakes“, sagt Nadine. In der zweiten Hälfte der Schwangerschaft habe sie dann deutlich mehr gegessen und so insgesamt etwa zehn Kilo zugenommen. Besonders wichtig war es ihr, alle Nährstoffe zu sich zu nehmen: „Ich habe zum Beispiel versucht, ganz bewusst mehr eisenhaltige Sachen zu essen wie Haferflocken, Linsen, Kichererbsen oder grünes Blattgemüse, das ich dann immer in meine Frühstückshakes getan habe. Zusätzlich habe ich täglich etwas veganes Kräuterblut für Schwangere getrunken. Ich wollte einfach auf Nummer sicher gehen.“ Auch ihre Blutwerte habe sie regelmäßig überprüfen lassen. „Ich musste ziemlich schnell hochdosiertes Vitamin D als Nahrungsergänzungsmittel einnehmen, weil meine Kleine alle meine Vorräte verputzt hatte. Vitamin D hat im Übrigen nichts mit der Ernährungsweise zu tun. Ansonsten habe ich nur Kräuterblut in der zweiten Hälfte der Schwangerschaft getrunken“, erklärt Nadine. Bis zur 38. Schwangerschaftswoche seien ihre Werte immer bestens gewesen, doch dann stellte ihre Hebamme Schilddrüsenprobleme fest. „Weil meine Ärztin in der Frühschwangerschaft eine Untersuchung versäumt hatte, wurde meine Schilddrüse in den ersten Monaten der Schwangerschaft nicht ausreichend versorgt und hat sich ziemlich abgearbeitet.“ Diese Problematik wäre ihr aber auch als schwangere Fleischesserin nicht erspart geblieben, so Nadine. In den letzten Schwangerschaftswochen habe sie dann zusätzlich Jod und Schilddrüsenhormone einnehmen müssen – „zum Glück hatte das aber keine Auswirkungen auf die Gesundheit meiner Tochter. Bis heute hat sie noch nie Antibiotika nehmen müssen, hat selten Fieber und höchstens mal eine Erkältung.“ 

Bezüglich ihrer veganen Ernährungsweise habe sie ihre Ärztin gar nicht beraten – sie habe sich lediglich vergewissert, dass Nadine gut informiert und verantwortungsbewusst sei. „Um ehrlich zu sein, verbreiten viele Ärzte meiner Meinung nach unnötig Angst und falsches Halbwissen, wenn es um Ernährung geht“, findet die junge Mutter, „nur die allerwenigsten Mediziner haben auch nur ansatzweise genügend Kenntnisse über das Thema. Die Gebiete Schulmedizin und Ernährungswissenschaften haben einfach nichts miteinander zu tun, obwohl das natürlich unbedingt nötig wäre.“ Ihre Hebamme sei eine deutlich bessere Ansprechpartnerin zu diesem Thema gewesen, aber eben auch nicht perfekt. „Ich habe mich hauptsächlich bei seriösen Quellen im Internet, zum Beispiel beim Albert-Schweitzer-Institut, und anderen veganen Familien informiert“, sagt Nadine. Aufgrund der hohen Nährstoffdichte in ausgewogenen, frischen, veganen Speisen und der geringen Schadstoffbelastung, da Gifte und Medikamente in Fleisch enthalten sein können, sei die vegane Ernährung für sie in der Schwangerschaft genau richtig gewesen. Bei einer erneuten Schwangerschaft würde sie sofort mehr Jod supplementieren, ansonsten würde sie aber alles machen wie damals. Anderen Schwangeren rät Nadine: „Informiert euch gut und vielseitig. Bitte nicht zu sehr von Ärzten verunsichern lassen und immer auf die eigene Intuition hören. Ihr seid die Experten für euren Körper und euer Baby.“

Ständige Übelkeit „dank“ Laktoseintoleranz

„Als der Arzt mir aufzählte, was ich alles besser nicht mehr essen sollte, dachte ich erst mal Hui, jetzt musst du aber aufpassen“, erzählt Vanessa Palmen aus Neuss. Als die heute 36-Jährige mit ihren Zwillingen schwanger war – im März werden June und Nicolas zwei – wurde bei ihr eine Laktoseintoleranz diagnostiziert. Vanessa erinnert sich: „Zu dem Zeitpunkt, wo bei anderen die erste Übelkeit endlich vorbei ist, ging es bei mir erst richtig los. Weil niemand eine Ahnung hatte, dass es an der Laktose liegen könnte, habe ich sie natürlich auch nicht gemieden. Mir war ständig übel, ich hatte dauernd Durchfall und konnte irgendwann gar nichts mehr essen, weil es entweder oben oder unten sofort wieder rauskam. Deswegen musste ich auch mehrmals ins Krankenhaus, hatte vorzeitige Wehen und bekam meine beiden Kinder acht Wochen zu früh.“ Erst zwei Wochen vor der Entbindung fand der Gastroenterologe heraus, dass Vanessas Darm allergisch auf Laktose reagierte. Auf Anraten ihrer Gynäkologin habe sie während der Schwangerschaft Sushi, Rohwurst, Rohkäse, blutiges Fleisch und flüssiges Ei vom Speiseplan gestrichen. „Weil mein Blutdruck recht hoch war, habe ich auch komplett auf Koffein verzichtet“, erzählt sie, „kein Alkohol versteht sich hoffentlich von selbst. Ich war aber nicht dogmatisch dabei.“ Als die Intoleranz einsetzte und sie dadurch ständig Magen-Darm-Probleme hatte, sei sie froh gewesen, über „alles, was drinblieb“. Einen Arzt hält die Zwillingsmutter zwar für einen guten Ansprechpartner in Sachen Ernährung, wissenschaftlich fit sei er aber oft nicht. Da sie selbst eine medizinische Ausbildung habe, habe sie sich eingelesen – „mittlerweile gibt es so viele schwarze Schafe in diesem Bereich, die einem ihren Detox-Unsinn verkaufen wollen. Ich verlasse mich da lieber auf die Wissenschaft und mich selbst.“ Ihre Blutwerte ließ Vanessa regelmäßig überprüfen. Einen Eisenmangel ab dem sechsten Monat ihrer Schwangerschaft versuchte sie mit vom Arzt verschriebenen Tabletten auszugleichen. „Die habe ich aber nicht vertragen“, berichtet sie, „was dann ging waren eisenhaltige Fruchtsäfte. Da gibt es extra welche für Schwangere. Außerdem habe ich versucht mehr eisenhaltige Gemüsesorten und rotes Fleisch zu essen.“ Eine gute Schwangerschaft als Laktoseintolerante zu haben – ist das überhaupt möglich? „Definitiv ja“, findet Vanessa, „es hat ja nicht jeder so ein Pech wie ich. Wenn man weiß, dass man laktoseintolerant ist und schwanger wird, hat man sogar sehr oft das Glück, dass man in der Schwangerschaft komplett wieder alles essen kann. Das ist ein bekanntes Phänomen. Sollte die Intoleranz jedoch bleiben, sollte man unbedingt auf das Calcium achten, denn gerade in der Schwangerschaft hat man einen erhöhten Bedarf für die Knochenbildung des Kindes.“

Vegetarisch, vegan oder doch „normal“ – Ernährung in der Schwangerschaft
Schwanger und plötzlich laktoseintolerant: Vanessa Palmen mit ihren zwei gesunden Kindern (Foto: Palmen)

In der Schwangerschaft habe Vanessa nur neun Kilo zugenommen, da sie ja kaum etwas bei sich behalten konnte. Anschließend, als die Laktoseintoleranz dann bekannt war und sie wieder etwas essen konnte, kamen dafür weitere 15 Kilogramm dazu. „Mein Körper hat sich nach der langen Durststrecke wohl gedacht: Her damit, jetzt lagere ich für schlechte Zeiten alles ein, was ich kriegen kann.“ Während der Schwangerschaft habe sie eine Zeit lang besonders viel Lust auf Chips gehabt – „die esse ich sonst nie und mag sie eigentlich gar nicht.“ Später in der Schwangerschaft wollte sie dann gerne und oft rote Grütze. „Ich denke, dass der Körper und das Kind einen mit den Gelüsten zum Teil auch auf etwas hinweisen wollen und vielleicht diese Nährstoffe gerade einfach benötigen. Darum finde ich es in Ordnung diesen auch nachzugeben. Hat man natürlich Schwangerschaftsdiabetes und ständig Lust auf ein Kilo Eiscreme, würde ich aber schon die Reißleine ziehen“, sagt Vanessa. Inzwischen hat sie gelernt mit der Laktoseintoleranz zu leben und würde bei einer erneuten Schwangerschaft von Anfang an Laktose wieder komplett meiden. „Meine sonstige Ernährungsweise hat ja scheinbar funktioniert, denn ich habe trotz der schwierigen Schwangerschaft zwei gesunde Kinder mit einem ordentlichen Geburtsgewicht bekommen“, sagt sie. Anderen laktoseintoleranten Schwangeren würde sie raten, entspannt zu bleiben, gut und gesund zu essen und die Werte regelmäßig kontrollieren zu lassen.

Endlich und nie wieder – das eigene Haus

Ein Haus voller Kartons: Nach dem Umzug muss erst alles seinen Platz finden (©Rainer Sturm / pixelio.de)

Ein Haus voller Kartons: Nach dem Umzug muss erst alles seinen Platz finden (©Rainer Sturm / pixelio.de)

Seit einigen Wochen lebe ich inmitten von Kartons. Meine frische Wäsche hole ich aus einem Korb, die großen Teller habe ich noch nicht gefunden, zum Schreiben dieses Artikels habe ich mir das Ladegerät meiner Mutter geliehen, weil meines noch verschollen ist, der Laptop zum Glück nicht. Ich bin im Umzug, erraten. Im letzten Monat habe ich eingepackt, aussortiert, renoviert, geplant, gehoben, getragen, abgestellt – und nur das wenigsten wieder ausgepackt. Ab ins Eigenheim dachten mein Mann und ich uns. Heute denken wir: Nie wieder!

Schuld daran mag die magische Zahl drei haben, die sich im Alter meines Mannes an vorderste Stelle geschoben hat und uns demnächst was die Anzahl unseres Nachwuchses betrifft entgegenkommt. Das passende Objekt haben wir nach langem Suchen, der Überlegung zu Bauen und dem Durchstöbern tausender Inserate gefunden. Dann begann ES. Das Verhandeln um den Preis, das Verhandeln mit der Bank, das Verhandeln um Termine, den Druck hier, die Nachfrage da. Jeder meinte etwas anderes zu brauchen und zu wollen, Makler, Verkäufer und Bank, und wir, die wir noch nie ein Haus gekauft hatten, wussten nicht, wer recht hatte. Und Erklärungen gibt es wie Sand am Meer, zur Genüge und in allen möglichen Formen. Schon da schwand unser Enthusiasmus. Die Bürokratie stellte Stolpersteine und eigentlich wollten wir einfach nur in unser Haus.

Stress pur: Der Weg zum eigenen Haus ist lang und voller Stolpersteine (©jelep / pixelio.de)

Stress pur: Der Weg zum eigenen Haus ist lang und voller Stolpersteine (©jelep / pixelio.de)

Im Stress der vergangenen Wochen haben wir beide an Gewicht verloren. Nicht besonders praktisch bei dem ohnehin schon stressigen Beruf meines Mannes und dem achten Schwangerschaftsmonat, der sich nun schon sehr gemächlich dem Ende neigt. Jeden Tag kam ein neues Problem hinzu. Während das Dach neu gemacht wurde, tropfte es bei Regen in mehrere Zimmer, ein Problem an der Heizung ist nicht, wie vorher abgesprochen, behoben wurden, die Küche kommt erst Ende Oktober, die Türen vom neuen Schlafzimmerschrank waren kaputt. Die Liste ließe sich fortsetzten. Manchmal will ich einfach nur wegrennen, mich verkriechen, vorspulen, bis alles überstanden ist. Denn das ist es doch irgendwann, oder?

Gleichzeitig bleibt doch die Gewissheit, einen wichtigen Schritt getan zu haben. Ein Eigenheim ist heute für viele nicht mehr selbstverständlich oder gar erstrebenswert. Gerade jüngere Menschen ziehen die Ungebundenheit einer Mietwohnung vor, berufliche und private Flexibilität rücken dabei in den Vordergrund. Städte- oder gar Länderwechsel sind so kein Problem. Und mal ehrlich, ist so ein eigenes Haus mit Garten nicht in der Kleinstadt nicht furchtbar spießig? Mit Sicherheit ist es auch das. Aber eben genau das bietet es auch: Sicherheit. Wir sind nicht mehr auf Vermieter und deren Meinungen angewiesen. Und kann nicht nach Jahren gekündigt werden und wir müssen etwas Neues suchen, wie ich es schon bei vielen erlebt habe. Statt Miete zahlen wir die nächsten Jahre Darlehen – und eines schönen Tages sind wir damit durch.

Endlich: das eigene Haus bietet Vorteile, die sich lohnen (©lichtkunst.73 / pixelio.de)

Endlich: das eigene Haus bietet Vorteile, die sich lohnen (©lichtkunst.73 / pixelio.de)

Vielleicht schaffe ich es bis dahin auch, die Schränke aufzustellen, das Büro einzurichten und meine neue Leseecke einzuweihen. Vielleicht, ganz so sicher bin ich mir da nicht. Immerhin habe ich einen Kellerraum, in dem irgendwo mein Föhn sein muss, der aber von vorne bis hinten so zugestellt ist, dass ich an nichts mehr rankomme. Einen neuen Föhn zu kaufen wäre da wohl die sinnvollere Variante. Und auf der Matratze schläft es sich eigentlich auch nicht schlecht, wer braucht da schon ein Bettgestell? Endlich haben wir es in die eigenen vier Wände geschafft und noch einmal machen wir die Aktion nicht mit. Nie wieder Miete, nie wieder umziehen, nie wieder Hauskauf – endlich.

Vorschau: Sascha erklärt euch hier nächste Woche, warum unsere Gesellschaft Lügen braucht, um zu funktionieren.

Brust zeigen – vom Leben als Stillende

Stillzeit: intimie Momente zwischen Mutter und Kind (Foto: Obermann)

Stillzeit: intimie Momente zwischen Mutter und Kind (Foto: Obermann)

Seit vier Monaten gehöre ich zu einer besonderen Spezies Mensch – zu den Stillenden. Und obwohl Ärzte, Mütter, Werbung und die Welt- Gesundheits- Organisation (WHO) mittlerweile einstimmig proklamieren, dass Stillen das Beste für ein Baby ist, ist der Anblick einer Stillenden oft immer noch befremdlich. Immerhin war Stillen noch in den 80er Jahren eher verpönt. Die neu emanzipierten Mütter wollten ihre Unabhängigkeit bewahren und bei den weniger emanzipierten scheiterte der Versuch dann oft an falschen Informationen. Noch heute bekommen viele jungen Mütter schnell gesagt, sie hätten zu wenige Milch, wenn das Kind mal ein oder zwei Tage öfter Hunger hat. Tatsächlich hat jedes Kind Wachstumsschübe, in denen es vermehrt trinkt, Tage, an denen es einfach keinen Hunger bekommt, und gerade im Sommer einfach nur viel Durst. Auch Babys sind eben Menschen.

Hunger? Viele Neugeborene versuchen gleich nach der Geburt das erste Mal an der Brust zu trinken (Foto: Obermann)

Hunger? Viele Neugeborene versuchen gleich nach der Geburt das erste Mal an der Brust zu trinken (Foto: Obermann)

Zum Stillen gehört also immer noch viel Selbstsicherheit. Wer sich von dem ganzen Gerede unserer Großmütter, Väter, Bekannten nicht aus der Ruhe bringen lässt, ist schon mal klar im Vorteil. Richtig ist allerdings, dass etwas Unabhängigkeit erst mal flöten geht – Unabhängigkeit dem Neugeborenen gegenüber, denn Stillen kann nur die Mutter. Doch auch hier gibt es Möglichkeiten, wie Abpumpen und Muttermilch einfrieren. Funktioniert bestens und so kann auch mal der Papa „stillen“. Denn die intime Stillbeziehung zwischen Säugling und Mutter wird von manchem Vater auch sehr eifersüchtig beäugt.

Dass Stillen für das Kind gesund ist, wird uns oft gesagt. Tatsächlich erfährt der Säugling durch die Abwehrstoffe in der Muttermilch etwa sechs Monate lang den sogenannten Nestschutz, der vor den meisten Krankheiten schützt. Immer wieder werden statistische Untersuchungen durchgeführt, die dem gestillten Kind ein niedrigeres Potential für Allergien, Übergewicht und sonstige Probleme nachweisen. Selbst die Intelligenz soll angeblich durch das Stillen angeregt werden. Inwieweit aber solche statistischen Erhebungen tatsächlich stimmen, bleibt immer die Frage. Richtig ist aber, dass auch die Mutter vom Stillen profitiert. Das Brustkrebsrisiko sinkt erheblich und auch die angefutterten Schwangerschaftskilos schmelzen geradezu dahin.

Doch nicht alles am Stillen ist eitel Sonnenschein. Die ersten Tage sind die Brustwarzen schmerzlich gereizt, können mitunter sogar leicht reißen und bluten. Umso sorgfältiger müssen sie gepflegt werden, um Brustentzündungen zu vermeiden. Hat die Mutter viel Milch, fängt die zweite Brust oft an zu tropfen, während das Kind noch an der  ersten Brust trinkt. Ich laufe regelmäßig aus. Nebenbei ist es auch gar nicht so leicht, praktikable und hübsche Stillkleidung zu finden. Will ich als Stillende dann auch mal für mehr als zwei Stunden meine Wohnung verlassen, muss ich mir überlegen, ob ich unterwegs auch stillen kann und will.

Einfach natürlich - Gestillt werden kann immer und überall wie hier beim Arbeiten in Asien (©RK by Jerzy Sawluk/ pixelio.de)

Einfach natürlich – Gestillt werden kann immer und überall wie hier beim Arbeiten in Asien (©RK by Jerzy Sawluk/ pixelio.de)

Glücklicherweise gibt es auch viele gute Tipps und Ratschläge, die helfen können. Beispielsweise kann ein Kind im Notfall auch im Tragetuch, einem für mich unerlässlichem Helfer bis zum dritten Lebensjahr, gestillt werden. Und die Stillbibel, das Stillbuch von Hannah Lotrop, ist voller Informationen. Nicht nur der frühere Umgang mit dem Stillen wird beschrieben, auch Anlegetechniken oder homöopathische Mittel werden erklärt.

Wer stillt, muss sich aber gleich die Frage stellen: Wie lange möchte ich stillen? Mein erstes Kind hat sich mit zwei Jahren selbst abgestillt. Bis dahin hat er morgens nach dem Aufwachen immer noch etwas genascht, und irgendwann hat er nicht mehr danach gefragt. So ein sanftes Abstillen ist meiner Meinung nach wichtig. Keinem von beiden  tut es gut, wenn zu einem Zeitpunkt von 100 auf 0 umgestellt wird. Auch meinem zweiten Kind will ich die Gelegenheit bieten, selbst zu entscheiden, wann es genug hat. Schwierig wird das vor allem in der Zeit des Zahnens. Jedes Kind versucht dann, oft auch aus dem Schmerz heraus, in den Nippel zu beißen. Bei meinem Sohn hat ein klares „Nein“ Wunder gewirkt. Die Kinder merken schnell, dass sie damit niemandem einen Gefallen tun, auch sich selbst nicht. Manch einer Mutter wird es dann aber auch zu viel und sie schwenkt auf Flaschennahrung um. Und andere Kinder werden von der ersten richtigen Schimpfe so eingeschüchtert, dass sie plötzlich Angst vor der Brust haben.

Bei allem Hin und Her war für mich auch vor meiner ersten Schwangerschaft klar, dass ich stillen will. Einmal hat mir die Natur (und Gott, wenn man es so betrachten will) die Milchdrüsen nicht einfach so gegeben, sie haben ja einen Nutzen. Zum anderen gibt es kaum etwas Schöneres, als die Freude im Gesicht deines Kindes, wenn es die Brust sieht und schwungvoll anlegen kann. Wirklich.

Vorschau: Nächste Woche schreibt Alexandra hier über die fortschreitende Kategorisierung unsers Lebens.

Jung und schwanger

Der Trend ist ungebrochen. Immer mehr Frauen bekommen in späteren Jahren Kinder, wenn überhaupt. Das Statistische Bundesamt zeigt auf, dass 2010 100 von 1000 Frauen mit 31 Jahren Mutter wurden, im Vorjahr lag die Zahl noch bei 97. Der Schnitt hat sich dabei nur um eine Nachkommastelle verschoben. 30,5 Jahre ist eine Frau demnach bei der Geburt ihres Kindes, wobei Erstgebärende in der Regel 28,9 Jahre alt sind. Viele von uns sehen den Trend in den eigenen Familien. Meine Großmutter wurde mit 19 zum ersten Mal Mutter, meine Mutter dann mit 28. Hätte ich also bis 37 warten sollen?

Jung und schwanger

Zu früh? Nur wenige Frauen werden mit 20 Mutter (© Andreas-Zöllick / pixelio.de)

Habe ich nicht. Ich gehöre zu den 22 von 1000 Frauen, die mit 20 Mutter geworden sind. Damit bin ich eine gesellschaftliche Randerscheinung. Zu jung, um in den Augen vieler ernsthaft als Mutter wahrgenommen zu werden, zu alt, um als Teenie-Mama durchzugehen. Und auch jetzt, da mein Kind vier ist und ich mein zweites erwarte gehöre ich zu einer Minderheit in Sachen Geburtenstatistik. Dabei sind viele Reaktion allein deswegen weniger schlimm, da die Menschen in meiner Umgebung bereits wissen, dass ich schon ein Kind habe. Bei meinem ersten Kind war der Schock für viele groß. Für mich und meinen damaligen Freund, der heute mein Ehemann ist, allerdings nicht. Uns war klar, was passieren kann und so hatten wir nie einen „Was machen wir jetzt nur“- Moment. Wir haben uns von Anfang an gefreut.

Die Reaktionen in unserem Umfeld dagegen waren gespalten. Von Menschen, die dachten, das wäre eine totale Katastrophe, bis hin zu den Konservativen, die schon das Hochzeitsdatum festlegen wollten, gab es alles. Reaktionen, die eine „normale“ Schwangere nicht zu erwarten hat. Junge Schwangere müssen gegen einen Haufen Vorurteile ankämpfen und stehen immer in Gefahr, dass alles, was schief läuft, auf ihr Alter zurückgeführt wird. „Die ist doch selbst noch ein Kind“, heißt es da oder es gibt Aufregung, weil die Ausbildung ja noch gar nicht beendet ist. Die gesellschaftlichen Konventionen sind hier klar verteilt. Dabei bietet eine junge Mutterschaft durchaus ihre Vorteile. Jung heißt eben nicht immer gleich zu jung. Und laut der Biologie ist etwa mit 24 für eine Frau das beste Alter erreicht, um schwanger zu werden.

Mal davon abgesehen, dass allein die Wahrscheinlichkeit, schwanger zu werden mit zunehmendem Alter immer mehr abnimmt und die Gefahr von Genfehlern dagegen steigt, gibt es weitere Vorteile, die gern unter den Teppich gekehrt werden. Sei es, dass die Großeltern des Nachwuchses selbst noch fit und agil sind und so die Möglichkeit einer guten Beziehung besteht, die für das Kind von Vorteil sind. Sei es, dass manches Verständnis von den jungen Eltern kommt, da sie ihrer eigenen Kindheit näher sind. Doch wie immer sind das situationsabhänge Vorteile. Auf der anderen Seite gibt es vieles zu bedenken. Ist die Partnerschaft beispielsweise nicht gefestigt, bricht sie dann genauso kompliziert auseinander, wie eine Ehe nach 20 Jahren. Auch die Ausbildungssituation ist natürlich ein Faktor. Als Studentin bin ich flexibel, kann wählen welche, und wie viele Kurse ich belege, und werde unterstützt, wenn beispielsweise mein Kind krank ist. Eine Ausbildung ist nicht so leicht zu unterbrechen, wie mit einem Urlaubssemester das Studium. Auch die Wiederaufnahme danach ist schwieriger. Als Studentin dagegen hat die Karriere selbst noch nicht begonnen, wird also für das Kind auch nicht unterbrochen.

Jung und schwanger

Dazu gehören zwei. Eine stabile Partnerschaft ist für ein Kind wichtig, egal ob die Mutter 20 oder 30 ist (© JMG / pixelio.de)

Dass die Meinungen hier gespalten sind, zeigt gerade, wie andere junge Menschen auf junge Schwangere, junge Mütter und junge Familien reagieren. Beliebte Aussage hier ist: „Also ist könnte mir das nicht vorstellen“. Die Angst, irgendwie in Freiheiten beschnitten zu werden ist natürlich nicht unberechtigt. Ich persönlich hatte dagegen noch nicht das Gefühl, etwas Wichtiges wegen meines Kindes verpasst zu haben. Stattdessen höre ich jeden Tag „Mama, ich hab dich ja so lieb“, worauf ich nicht verzichten wollte. Die persönliche Einstellung macht hier wie immer den Unterschied. Manche Frauen sind früh bereit, Mutter zu werden und schlüpfen dann mit Leichtigkeit in diese Rolle, andere haben auch mit 30 noch Probleme mit der Vorstellung. Das kann sich aber schnell ändern. Erst gestern haben sich mir gegenüber im Zug zwei junge Frauen um die 22 unterhalten. „Also, vor einem Jahr hab ich noch gesagt, ich könnte mir das nie vorstellen, jetzt ein Kind zu bekommen. Und jetzt denk ich, wenn ich den richtigen Mann hätte, wäre das schon schön“.

Das Problem der Diskriminierung junger Mütter liegt vor allem an der gesellschaftlichen Norm. Viele Frauen bekommen erst nach ihrem 30ten Lebensjahr ihr erstes Kind. Aber eben nicht alle. Und viele Frauen, die früh Mutter werden, sind keineswegs schlechte Mütter, sondern eben mindestens genauso fähig. Zu der persönlichen Entscheidung, wann es für ein Kind die beste Zeit ist, fällt aber die Reaktion der Umwelt als Punkt mit Sicherheit auf. In meinem Fall habe ich nicht das Gefühl, etwas falsch gemacht zu haben und hatte es auch nie. Ich bin gern Mutter und ich bin gerne jung. Wer sagt, dass nicht beides geht?

Vorschau: Nächste Woche lüftet Sascha, wie sehr wir doch am Aberglaube hängen und schon kleine Rituale und Ängste unser Leben beeinflussen.

Die Freiheit zu wählen – Konfliktberatung für ungewollt Schwangere

Die Freiheit zu wählen - Konfliktberatung für ungewollt Schwangere

Nicht immer eine gute Nachricht: schwanger (© TiM Caspary/pixelio.de)

Schwanger – und dann? Wenn der Gedanke an ein Baby einem den Angstschweiß ins Gesicht treten lässt. Weil die Berufsausbildung noch lange nicht fertig ist. Weil das Geld nicht reicht um die Kinder, die schon da sind, zu versorgen. Weil mit der Geburt und der Schwangerschaft Beruf oder Beziehung elementar gefährdet werden. Viele Gründe gibt es, die ungewollt Schwangere verfolgen, wenn diese über eine entscheidende Sache nachdenken. Leben oder nicht. Kind oder Abtreibung.

Manchen Frauen ist der Gedanke an eine ungewollte Schwangerschaft so furchtbar und , oft mit ihrer momentanen Situation verbunden, sodass sie nicht wissen wohin. Die familiäre und berufliche Situation ist hier oft entscheidend. Immer wieder kommen sie zu dem Schluss, dass sie – jetzt – kein Kind wollen. Das statistische Bundesamt spricht für 2011 von 108.867 Schwangerschaftsabbrüchen. Mehr als die Hälfte der abtreibenden Frauen hatte bereits ein Kind. Die große Mehrheit der Abbrüche geschah, ohne dass es einen medizinischen oder kriminologischen Grund dafür gab. Die Gründe lagen in anderen Bereichen.

Jede Frau, die ihr Kind nicht bekommen will, denkt gut darüber nach. Ausschlaggebend ist oft, wie viel Unterstützung sie aus ihrem Umfeld bekommt. Die Entscheidung wird nicht nur im Stillen gefällt, denn vor einer Abtreibung muss jede Schwangere mehrere Beratungsgespräche führen mit amtlichen Stellen, die auf die Konfliktberatung während der Schwangerschaft eingestellt sind. Zu den Beratungsstellen in Deutschland gehört auch beispielsweise der „Pro Femina e. V.“ Auch online kann die Schwangere dort erste Informationen erfragen und Termine ausmachen. Mit dem „Projekt 1000plus“ hat „Pro Femina e.V.“ ein Netzwerk geschaffen, in dem mehrere Beratungsstellen zusammenarbeiten, um mehr Frauen in Konfliktsituationen beistehen zu können.

Die Freiheit zu wählen - Konfliktberatung für ungewollt Schwangere

Freie Wahl? Sich für das Kind zu entscheiden ist nicht immer leicht (© Bettina-Stolze/poxelio.de)

Ziel der Beratung ist es natürlich nicht, die Schwangere zum Abbruch zu bewegen. Wer aber meint, dort würden Frauen zur Schwangerschaft und Geburt regelrecht überredet und gezwungen, ist genauso auf dem Holzweg. Zwar verbuchen diese Beratungsstellen es als Erfolg, wenn eine Schwangere ihr Kind nicht abtreiben lässt, sie drängen es ihr aber nicht auf. „1000plus heißt 1000 und mehr Schwangeren helfen, um ihnen in ihrer Not eine Perspektive für ein Leben mit ihrem Kind zu bieten“, schreibt die Organisation auf ihrer Internetseite. Perspektive heißt in diesem Moment, Möglichkeiten aufzeigen. Wo können Schwangere, Mütter und Familien Geld beantragen, wie können sie ihren neuen Alltag regeln. „In einem Schwangerschaftskonflikt, bei dem die Frau nur die eine „Lösung“ Abtreibung sieht, hat sie keine Freiheit. Ohne Wahl gibt es keine Freiheit. Gemeinsam an einer echten, alternativen Lösung arbeiten, schafft andere, neue Perspektiven und stellt Wahlfreiheit her“, heißt es weiter.

Ein weiterer Vorteil der Vernetzung ist der, dass die Schwangeren sich „online“ austauschen können. In verschiedenen Foren können sie sich ihre Sorgen von der Seele schreiben und bekommen Antwort von Frauen, denen es genauso geht, und von Betreuerinnen, die Lösungswege aufzeigen können. Wer sich dann dank der neuen Perspektiven für sein Kind entscheidet, wird nicht plötzlich allein gelassen. Die Beratungsstellen versuchen, die gesamte Schwangerschaft hindurch und darüber hinaus mit den Müttern Kontakt zu halten. Sie helfen bei der Wohnungssuche, organisieren größere Autos, geben Vorschüsse, wenn der Job erst mal wegfällt. Natürlich können auch diese Stellen keine Wunder vollbringen, doch sie können den Müttern helfen, die nicht prinzipiell kein Kind wollen, sondern Gründe sehen, keines bekommen zu können. Auf der Seite von „1000plus“ werden regelmäßig anonymisierte Schreiben von Frauen veröffentlicht, denen die Beratungsstelle helfen konnte und die nun glücklich mit ihrem Kind sind.

Das Thema Abtreibung ist nach wie vor ein sehr prekäres. Es wird nicht viel darüber gesprochen, kaum eine Frau erzählt, dass sie abgetrieben hat. Oft wird ein Schwangerschaftsabbruch jungen Mädchen nachgesagt, die „nicht aufgepasst haben“ oder Frauen, die „in jedes Bett hüpfen“. Die Ignoranz, dass Gründe weit über Alter und Anzahl der Sexualpartner hinaus eine Schwangere zur Verzweiflung bringen können und sie keinen anderen Ausweg sieht, ist meiner Meinung nach erschreckend. Jede Frau sollte die freie Wahl haben, darüber zu entscheiden, ob sie ihr Kind bekommt oder nicht. Das gilt für alle, die sich dagegen entscheiden und deswegen mit schiefen Blicken angesehen werden. Und es gilt für die, die äußeren Umständen trotzen müssen, um sich dafür zu entscheiden. Beratungsstellen wie „Pro Femina e.V.“ und Netzwerke wie „1000plus“ leisten für alle diese Frauen eine wichtige Arbeit. Darum ist es nur gerecht, wenn sie ab und an dafür gewürdigt werden, wie „Pro Femina e. V.“ Der Verein erhielt vor einem Jahr den Stiftungspreis der STIFTUNG „JA ZUM LEBEN“.

 Vorschau: Nächste Woche geht es hier um „Müllkultur“ und wie wir damit leben.

 

Eine Kugel für die Liebe

Es gibt solche Worte, die sich im ersten Moment einfach nett anhören, bis im zweiten Moment die Bedeutung mitschwingt. „Liebeskugel“ ist so ein Wort. Eine Kugel für die Liebe. Und klar ist: Eigentlich geht es nicht um Liebe an sich, sondern um das Liebesspiel. Um Sex. Und in vielen Köpfen schweben Vorstellungen von Frauen, die mit Liebeskugeln Gott weiß was anstellen. Tatsächlich ist das Internet voll von Foren, in denen die Frage „Wie verwende ich Liebeskugeln“ ausführlich diskutiert wird. Dabei ist die Anwendung nicht kompliziert. Wichtiger ist aber, dass Liebeskugeln eben kein (oder nicht nur) Sexspielzeug sind, sondern nüchtern ausgedrückt: Beckenbodentrainingsgeräte.

Eine Kugel für die Liebe

Liebeskugeln: Gibt es einzeln oder paarweise (Foto: Obermann)

Nun kommt aber kaum einer auf die Idee, sich ein nüchternes Beckenbodentrainingsgerät zu besorgen, wenn das Ganze auch wesentlich anzüglicher verkauft werden kann, am besten noch in knalligen Bonbonfarben. An mancher Stelle etwa werden Liebeskugeln als Lustkugeln oder gar Orgasmuskugeln verkauft. In Ursprung haben sie in Japan, wo sie im Alltag getragen wurden. Im Alltag kann man moderne Liebeskugeln wie etwa die von „FunFactory“ auch tragen. Je nach Belieben gibt es in verschiedenen Größen und Farben eine Kugel oder mehrere, wobei sie immer verbunden sind. Eine Art Rückholbändchen gibt es auch, die Sorge mancher Frauen, sie könnten die Kugeln in sich verlieren, ist also unberechtigt. Tatsächlich ist der Sinn von Liebeskugeln kein dumpfes Rein-Raus, wie manch einer denken mag. Die Kugeln werden eingeführt und bleiben dann erst mal wo sie sind. Einige Minuten, mehrere Stunden, oder etwas dazwischen.

Nur dann kann der Effekt der Kugeln auch zur Geltung kommen. Denn wenn die Frau sich bewegt, kommen die Kugeln in Schwingung. Das kann zwar durchaus auch anregend sein, ist im ersten Moment aber gewöhnungsbedürftig. Durch das Gewicht und die zusätzlichen Schwingungen wird vor allem der sogenannte PC-Muskel, der Musculus pubococcygeus, trainiert, aber auch der gesamte Beckenbodenmuskel. Während die Muskel dann tatsächlich auch für die sinnliche Erfahrung während des Sex verantwortlich sind, wirkt sich das Training noch auf weitere Teile aus.

Eine Kugel für die Liebe

Sinnliches Training: Zur Beckenbodenstärkung nach einer Schwangerschaft sind Liebeskugeln ideal (© Mikhael Timofeev / pixelio.de)

Beckenbodentraining hilft bei Inkontinenz, die in der Menopause auftreten kann, aber unter bestimmten Umständen auch schon davor. Und das Training ist absolut notwendig, beispielsweise nach einer Schwangerschaft. Denn durch Schwangerschaft und Geburt werden Gebärmutter, Blase und Enddarm stark belastet. Die Gebärmutter wird gedehnt und muss darum im Nachhinein wieder trainiert werden. Das ist wie mit dem Training für die Bauchdecke.

Natürlich hört es sich wesentlich schöner an, von Liebeskugeln und Orgasmustrainern zu reden, als von Beckenbodentraining, das dafür sorgen soll, Frauen nach der Geburt zu helfen, Wasser zu halten. Aber auch dann bleiben Liebeskugeln Trainingsgeräte und weniger Masturbationshelfer. Errötende Wangen und verfängliche Blicke, sobald eine Frau das Wort „Liebeskugeln“ in den Mund nimmt, zeugen nur mal wieder vom Unverständnis für solch abstrakte Begriffe. Die Kugel für die Liebe kann zwar Auswirkungen auf das Liebesspiel haben, muss es aber nicht. Einen positiven Effekt, eben auf den Beckenboden, hat sie trotzdem. Alle Frauen, die denken: „Inkontinent werde ich eh nicht und schwanger bin ich noch lange nicht“ sollen dann eben die Kugeln als Orgasmustrainer verwenden und der positive Effekt bleibt dennoch. Denn frühzeitiges Training hilft auch später noch.

Wer den Kugeln aber doch zu skeptisch gegenübersteht, kann es ja mal mit einfachem Beckenbodentraining versuchen. Die Hürde dabei ist, erst mal den Beckenbodenmuskel zu finden und gezielt anzuspannen. Dazu gibt es unzählige Übungen, bei denen es nicht immer leicht ist, zu wissen, ob es denn so richtig ist. Liebeskugeln sind da tatsächlich die einfachere Variante.

Vorschau: Sascha schreibt nächste Woche über Fremdsprachen und wie es ist, nochmal eine neue zu lernen.