Schule aus?!

Nie wieder Schule? Eine der größten Lebenslügen (©Dieter Schütz / pixelio.de)

Nie wieder Schule? Eine der größten Lebenslügen (©Dieter Schütz / pixelio.de)

Ich weiß noch, es gab diese Zeit, da jubelten wir „nie wieder Schule“ und ließen die Tore der Bildungsstätte, an der wir unseren Abschluss gemacht hatten, hinter uns. „Nie wieder Schule“ – ein Satz, den jeder mal sagt, eine der größten Lebenslügen schlechthin. Denn nicht nur diejenigen, die eine Lehre beginnen und zur Berufsschule (aha) gehen, sind das Bildungswesen noch lange nicht los. Studenten können ihre Schule gerne Universität nennen, in Zeiten von Bachelor und Master ist das Studium dermaßen verschult, dass kaum eine Wimper mehr zucken wird, wenn die Uni „Schule“ genannt wird. Immerhin passiert es mir oft genug, dass mir von älteren Mitbürgern gesagt wird „Ah, sie gehen noch auf die Schul?!“, wenn ich von meinem Studium erzähle.

Der Beruf des Lehrers: Eine Schulzeit, die kein Ende kennt (©knipseline / pixelio.de)

Der Beruf des Lehrers: Eine Schulzeit, die kein Ende kennt (©knipseline / pixelio.de)

Ganz böse hat es aber die getroffen, die aus unerfindlichen Gründen beschlossen haben, Lehrer zu werden. Lehrer? Also ehrlich. In einer Gesellschaft, in der ein Bundeskanzler Lehrer einst mit faulen Säcken verglich und die Gemeinschaft glaubt, ein Lehrer hätte ja schön viel Freizeit und würde Noten würfeln. Noch dazu mit einer Bezahlung, die immer weniger gesichert ist, denn Verbeamtungen werden in nahezu allen Bundesländern zurückgefahren. Lehrer werden angestellt, zu den Sommerferien entlassen und mit etwas Glück danach wieder an der gleichen Schule eingestellt. Vielleicht aber auch nicht.

Mein Mann ist Lehrer. Mehr kann ich eigentlich schon gar nicht sagen, denn viel mehr darf ich nicht wissen, um Schule und Staat zu schützen. Tut mir Leid, hier gibt es keine witzigen Geschichten über Schüler zu lesen, die ihren Namen nicht richtig schreiben können oder Kollegen, die Angst haben, ihre Klassen zu betreten. Aber darum soll es hier auch nicht gehen. Stilblüten kann jeder überall sammeln. Aber einen Lehrer zum Ehemann zu haben ist mitunter keine leichte Aufgabe, vom Lehrersein ganz zu schweigen. Um mal die gängigsten Klischees abzuarbeiten:

Lehrer und Klischees: Nicht nur in der Schule ein Thema (©Stefan Bayer / pixelio.de)

Lehrer und Klischees: Nicht nur in der Schule ein Thema (©Stefan Bayer / pixelio.de)

Um einst ist Feierabend? Pustekuchen. Dann folgen Besprechungen, Konferenzen, Vorbereitungen, Korrekturen, Elterngespräche, Elternemails (am liebsten so gegen 20:00). Ein Lehrer hat nie Feierabend. Er fängt übrigens auch oft vor der eigentlichen Arbeitszeit an. Vertretungsplan erstellen, Material besorgen, Kopien machen und dann noch vor der nervigen Kollegin, die jede Sekunde Zuspätkommen gleich im Direktorat vorträgt, im Klassenzimmer sein.

Mindestens sechs Wochen Ferien? Pustekuchen. Nachbereitungen, Vorbereitungen, neues Material sichten, Stundenplan erstellen, allzeit abrufbereit sein, gegebenenfalls Ferienprüfungen. Was unter der Woche gilt, gilt auch an Wochenenden und zu Ferienzeiten, Feierabend ist ein Gerücht. Da wird manch Lehrer auch schon mal für die Ferienwoche gesperrt, sprich, hat eben keine Freizeit, sondern Anwesenheit an der Schule.

Dass Lehrer bei diesem Aufwand nicht faul sein können, sollte klar sein. Dass ein Normalsterblicher bei diesem Druck und Arbeitsaufwand schnell die Grenzen des Möglichen erreicht, auch. Wie mein Mann es da schafft, noch mit etwas Elan und Engagement jeden Morgen zur Schule zu fahren, ist mir ein Rätsel. Und ehrlich: Als Schüler hat er mit Sicherheit nicht so viel für die Schule getan.

Erster Schultag: Davon erleben viele mehrere (©Tim Reckmann / pixelio.de)

Erster Schultag: Davon erleben viele mehrere (©Tim Reckmann / pixelio.de)

Schüler, das ist seit einer Woche auch unser Ältester, was unsere zukünftige Ferienplanung so ziemlich in die Schranken weist. Denn jetzt müssen wir uns nicht nur an die Ferienzeiten eines Bundeslandes halten, sondern haben gleich zwei Jahrespläne, aus denen wir so schnell nicht mehr herauskommen. Und wo mein Mann erschöpft um vier nah Hause kommt und mit einem müden Lächeln nach einer Kaffeepause im Arbeitszimmer verschwindet, hole ich das Schulkind um 12 von der Schule oder um 14 Uhr von der Betreuung ab, er strahlt, macht mit Begeisterung seine Hausaufgaben (dauern momentan noch keine 10 Minuten) und erzählt immer wieder, wie schön die Schule ist. Nie wieder Schule? Pustekuchen! Wer Kinder hat wird früher oder später wieder Fuß in diese Einrichtung setzten müssen, der er abgeschworen hat, wird sich mit Lehrern und anderen Eltern rumärgern. Und bei all dem bin ich vor allem eines: neidisch. So als Erstklässler war der Ernst des Lebens doch wirklich gemütlich.

Vorschau: Nächste Woche erzählt euch Sascha hier, wie es so ist, ohne Taktgefühl durchs Leben zu tänzeln.