Vom Fernsehen auf die Festivalbühne – Wiesbaden feiert deutsche Fernsehkrimis

Krimis sind nicht nur im Buchformat ein beliebtes Genre. Verschiedene deutsche Fernsehkrimis, wie zum Beispiel „Ein Fall für zwei“, „Der Kriminalist“, „Tatort“ oder „Polizeiruf 110“, locken von Freitag bis Sonntag Millionen von Zuschauern vor die Bildschirme. In Wiesbaden gibt es ein eigenes Festival dafür und das findet vom 12. bis zum 17. März 2019 schon zum 15. Mal statt. Das Deutsche FernsehKrimi-Festival ist eine Veranstaltung des Kulturamtes der Landeshauptstadt Wiesbaden und wird vom Hessischen Rundfunk und der HessenFilm und Medien GmbH unterstützt. Im Rahmen des Festivals wird jedes Jahr auch der Deutsche FernsehKrimi-Preis verliehen. Sender und Produktionsfirmen können dafür noch bis Anfang November ihre aktuellen deutschen Krimiproduktionen einreichen. Die zehn besten Krimis werden dann nächstes Jahr auf dem Festival gezeigt. Abgesehen von den verschiedenen Krimis, die dort präsentiert werden, gibt es noch einen Fernsehkrimi-Drehbuchwettbewerb für Nachwuchsautoren sowie Diskussionen, Gespräche und Lesungen mit Filmschaffenden.

Vom Fernsehen auf die Festivalbühne – Wiesbaden feiert deutsche Fernsehkrimis

Verantwortlich für das Deutsche FernsehKrimi-Festival: Leiterin Cathrin Ehrlich (Foto: Barbara Dietl)

Wir haben mit Leiterin Cathrin Ehrlich über deutsche Fernsehkrimis und das Deutsche FernsehKrimi-Festival gesprochen.

Face2Face: Wie kam es zur Gründung des Deutschen FernsehKrimi-Festivals in Wiesbaden?

Ehrlich: Man hat mir erzählt, dass Liane Jessen (Fernsehfilmchefin des Hessischen Rundfunks), ihr damaliger Mann und die damalige Kulturdezernentin aus Wiesbaden, Rita Thies, diese schöne Idee bei einem oder auch zwei Gläschen Wein entwickelt haben.

Face2Face: Wieso wurde Wiesbaden als Veranstaltungsort ausgewählt?

Ehrlich: Rita Thies hat an der Idee festgehalten und ermöglicht, dass das Festival in Wiesbaden Fuß fassen konnte.

Face2Face: An welchen Orten im Rhein-Main-Gebiet werden die meisten Fernsehkrimis gedreht?

Ehrlich: Ich denke in Frankfurt, Wiesbaden und Offenbach.

Face2Face: Was ist das Besondere an deutschen Fernsehkrimis, dass es dafür ein eigenes Festival gibt?

Ehrlich: Die hohe Qualität, was z. B. Drehbuch, Regie, Kamera und DarstellerInnen betrifft.

Face2Face: Welche Themen sind derzeit in deutschen Fernsehkrimis am beliebtesten bei Filmemachern?

Ehrlich: Das wechselt natürlich ständig. Im letzten Jahr war das Thema Kindesmissbrauch und Kindesentführung sehr „beliebt“, aber auch die Themen Banden- und Cyberkriminalität und Fälle von rechtsextremem Terror waren häufig zu finden.

Face2Face: Was zeichnet das Deutsche FernsehKrimi-Festival aus?

Ehrlich: Es gibt sehr sehr viele Fernsehkrimis im deutschsprachigen Fernsehen, zu viele. Das Deutsche FernsehKrimi-Festival widmet sich dem anspruchs- und qualitätsvollen Fernsehkrimi.

Face2Face: Wofür sind Sie als Leiterin des FernsehKrimi-Festivals zuständig?

Ehrlich: Tja, eigentlich für alles: die Teamzusammenstellung, das Programm, die Gäste, die Finanzierung, Presse und Marketing und organisatorische Dinge wie Catering, Reisen und Hotel. Glücklicherweise habe ich ein wundervolles Team und dies schon seit Jahren. Es nimmt mir inzwischen die meiste Arbeit ab, hat großartige eigene Ideen und immer eine große Portion Humor, was mir sehr wichtig ist.

Face2Face: Auf dem Festival wird jährlich der Deutsche FernsehKrimi-Preis verliehen. Welche Fernsehkrimis haben eine Chance auf den Preis bzw. nach welchen Kriterien wird ausgewählt?

Ehrlich: Auch hier wird nach Qualität und Anspruch gesucht. Und wenn eine Produktion etwas Neues, Experimentelles wagt. Pro Jahr gibt es in etwa 60 Einreichungen dafür.

Face2Face: Wer sitzt in der Jury, die über die Vergabe des Preises entscheidet?

Ehrlich: Ich versuche immer eine heterogene Gruppe aus „Fachleuten“, wie SchaupielerInnen, RegisseurInnen, AutorInnen etc., aus der Branche zusammenzusetzen. Gerne fragen wir auch ehemalige PreisträgerInnen an. Dann suchen wir aber auch „Branchenfremde“. Diesmal wird zum Beispiel ein Strafverteidiger aus Frankfurt dabei sein. Fest gesetzt ist die oder der Krimistipendiat(in) der Stadt Wiesbaden. Das war beim letzten Mal Volker Kutscher und ist jetzt Zoë Beck.

Vom Fernsehen auf die Festivalbühne – Wiesbaden feiert deutsche Fernsehkrimis

Keine einfache Aufgabe: die fünfköpfige Jury, die 2018 über die Vergabe des Deutschen FernsehKrimi-Preises entschieden hat, v.l.n.r. Hanna Doose, Dennenesch Zoudé, Alexander Schubert, [Moderatorin Bärbel Schäfer], Roswitha Ester und Volker Kutscher (Foto: Martin Ohnesorge)

Face2Face: Welche Fernsehkrimis haben 2018 gewonnen?

Ehrlich: In der Jury waren Regisseurin und Drehbuchautorin Hanna Doose, Produzentin Roswitha Ester, Schriftsteller Volker Kutscher, Schauspieler Alexander Schubert und Schauspielerin Dennenesch Zoudé. Sie haben über die Preisvergabe entschieden. Den Hauptpreis hat „Tatort: Stau“ (SWR) von Dietrich Brüggemann (Regie, Buch) und Daniel Bickermann (Buch) gewonnen. Außerdem gab es Sonderpreise für herausragende Einzelleistungen: Petra Schmidt-Schaller wurde als beste Darstellerin für „Keine zweite Chance“ (Sat.1), Heino Ferch als bester Darsteller für „Ein Kind wird gesucht“ (ZDF/Arte) und Hans-Christian Schmid für die Gesamtleistung (Regie, Buch, Produktion) in „Das Verschwinden“ (BR/ARD Degeto/NDR/SWR) ausgezeichnet. Der Publikumspreis ging an „Ein Kind wird gesucht“.

Vom Fernsehen auf die Festivalbühne – Wiesbaden feiert deutsche Fernsehkrimis

Strahlende Gesichter: die Preisträger des Deutschen FernsehKrimi-Festivals 2018 (Foto: Martin Ohnesorge)

Face2Face: 2019 wird außerdem zum dritten Mal Deutschlands spannendster Fernsehkrimi- Drehbuchnachwuchs gesucht. Was hat es damit im Detail auf sich?

Ehrlich: Wir suchen unverfilmte Krimi-Drehbuchstoffe talentierter und kreativer Nachwuchs-Drehbuchautorinnen und -Drehbuchautoren, die ideenreich unterhalten, fesseln und mitfiebern lassen. Eine fachkundige Jury wählt aus allen Einreichungen vier vielversprechende Vorschläge aus, die dem Publikum während der Festivalwoche im Rahmen einer Lesung vorgestellt werden. Die Gewinnerin oder der Gewinner wird bei der Preisverleihung des Festivals bekannt gegeben und erhält die Chance, unter professioneller Betreuung den Drehbuchstoff vom Exposé bis zum Treatment weiterzuentwickeln und vor Fachpublikum zu pitchen.

Face2Face: Wieso kam es 2017 zu dem Entschluss, erstmals einen Drehbuchwettbewerb für Nachwuchsautoren zu veranstalten?

Ehrlich: Ich hatte diese Idee. Drehbuchautoren fristen häufig ein Schattendasein. Es gab sogar Preisverleihungen, bei denen sie gar nicht eingeladen waren. Dabei ist das Drehbuch doch das Wichtigste für einen guten Film bzw. guten Krimi. Wir wollen deswegen die Drehbuchautoren hervorheben und junge Menschen fördern. Ich habe die Idee vor vier Jahren bei Herrn Mendig von der HessenFilm und Medien GmbH vorgetragen und er hat uns sofort seine Unterstützung zugesagt.

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Vertieft in ein Nachwuchskrimi-Drehbuch: Synchronsprecher und Schauspieler Max Felder bei der Lesung auf dem Deutschen FernsehKrimi-Festival 2018 (Foto: S. Holitzner)

Face2Face: 2018 wurden die vier vielversprechendsten Nachwuchskrimi-Drehbücher dem Publikum während der Festivalwoche im Rahmen einer Live-Lesung von Synchronsprecher und Schauspieler Max Felder vorgestellt. Wie und nach welchen Kriterien wählen Sie aus, wer diese Live-Lesung machen darf?

Ehrlich: Auch hier entscheiden wir gemeinsam. Max Felder hatten wir ausgesucht, weil er als Schauspieler und Synchronsprecher einfach sehr gut vortragen kann und er vielen bekannt ist.

Face2Face: Was waren die Highlights des Deutschen FernsehKrimi-Festivals der letzten drei Jahre?

Ehrlich: Das sind immer wieder unsere Filmgäste und die Gespräche mit ihnen. Wir konnten zum Beispiel Ulrich Tukur, Senta Berger, Hannelore Hoger, Heino Ferch oder Desirée Nosbusch beim Festival begrüßen. Das war jedes Mal ein Highlight.

Face2Face: Welche Veranstaltungen sind bereits jetzt für das Deutsche FernsehKrimi-Festival 2019 geplant?

Ehrlich: Wir werden wieder zehn spannende, tolle Krimis zeigen und prominente und interessante Filmgäste zu Gast haben. Außerdem gibt es einen Serien- und einen Dokutag und wir planen eine größere Ausstellung.

Face2Face: Ist schon bekannt, welche Schauspielerinnen und Schauspieler 2019 vor Ort sein werden?

Ehrlich: Bisher nicht, da die Filme für den Wettbewerb noch nicht ausgewählt wurden, weil die Jurysitzung erst Mitte Dezember ist, und auch die JurorInnen noch nicht zugesagt haben.

Face2Face: Was kostet der Eintritt für die Veranstaltungen 2019?


Ehrlich: Zwischen 7 und 9 Euro. Eventuell wird es im nächsten Jahr einen Festivalpass geben.

Face2Face: Haben Sie selbst einen Lieblingsfernsehkrimi?

Ehrlich: Ich finde immer wieder einen neuen Liebling. Ich mag eher kleine, kluge Krimi- Geschichten mit überraschenden Wendungen. Ich mag eher nicht, wenn zu viel Brutalität gezeigt wird.

Mehr Infos zum Deutschen FernsehKrimi-Festival gibt es auf der Homepage oder der Facebookseite der Veranstaltung.

„Johnny Depp finde ich großartig“ – ein Interview mit Schauspieler und Regisseur Matthias Schweighöfer

2011 ist sein Jahr: Matthias Schweighöfer gehört zur obersten Riege der deutschen Schauspieler. Im Sommer diesen Jahres feiert der Berliner sein Regiedebüt mit seinem ersten selbstproduzierten Film „What a Man“. Seit Donnerstag, 15. Dezember ist er in der Romantik-Komödie von Detlev Bucks „Rubbeldiekatz“ zu sehen. Dort schlüpft er in die Doppel-Hauptrolle von Alexander beziehungsweise Alexandra Honk.
Schweighöfer sprach mit Face2Face unter anderem über Weihnachten, die Aussichten nach Hollywood und seine Pläne für das Jahr 2012.

Face2Face: Wie war es für Sie in die Rolle einer Frau zu schlüpfen?
Schweighöfer: Es war eine schöne Erfahrung eine Frau zu spielen. Vor allem wie man in High Heels läuft. Der Schuh macht schöne Beine und einen schönen Po, nur habe ich mir dabei die Knöchel verengt.

„Johnny Depp finde ich großartig“ – ein Interview mit Schauspieler und Regisseur Matthias Schweighöfer

Zum Anfassen: Schauspieler Matthias Schweighöfer auf seiner Kinotour zu „Rubbeldiekatz“ im Mannheimer „Cineplex“ (Foto: Jenowein)

Face2Face: Und von wem kam die ursprüngliche Idee, dass Sie eine Frau spielen?
Schweighöfer: Die Drehbuchautorin Annika Decker (Anm. d. Red.: Annika Decker schrieb auch schon zusammen mit Til Schweiger die Drehbücher zu den Filmen „Keinohrhase“ und „Zweiohrkücken“) ist eine gute Freundin von mir. Vielleicht weil sie gesehen hat, dass ich gewisse feminine Züge besitze.

Face2Face: Können Sie jetzt sagen, dass Sie die Frauenwelt durch Ihre Filmrolle als „Alexandra“ besser verstehen?
Schweighöfer: Ich habe gehofft, ich würde nach den Dreharbeiten Frauen besser verstehen, das hat aber leider nicht geklappt.

Face2Face: Welche Szene in „Rubbeldiekatz“ war für Sie die lustigste?
Schweighöfer: Die Szene, bei der ich immer wieder lachen muss, ist die, in der ich Max Giermann küsse.

Face2Face: Ist Max Giermann denn ein guter Küsser?
Schweighöfer (lächelt): Ja, er küsst phantastisch. Sehr stürmisch und intensiv. Gesagt habe ich ihm das aber so direkt jedenfalls nicht. Nur der doch sehr haarige Bart störte mich etwas.

Face2Face: Würden Sie in einem Ihrer nächsten Filme wieder einen Mann küssen?
Schweighöfer: Ich hoffe, dass es das letzte Mal war, dass ich einen Mann küssen musste.

Face2Face: Im Moment besuchen Sie drei verschiedene Städte am Tag und sehen täglich mehrere tausend Leute auf Ihrer Kinotour – wird das auf Dauer nicht zum Stressfaktor oder überwiegt die Freude?
Schweighöfer: Die Kinotour zu „Rubbeldiekatz“ macht mir auch Spaß, aber wenn ich ehrlich bin, freue ich mich jetzt auf Weihnachten und ein wenig Ruhe.

Face2Face: Wie gefällt Ihnen Mannheim und was haben Sie bisher von der Stadt gesehen?
Schweighöfer: Ich finde Mannheim ist eine wunderschöne Stadt. Ich habe bisher zwei Kinos gesehen.

„Johnny Depp finde ich großartig“ – ein Interview mit Schauspieler und Regisseur Matthias Schweighöfer

„Rubbeldiekatz“: die Romantik-Komödie des Winters von Detlev Buck mit Matthias Schweighöfer und Alexandra Maria Lara (Foto: Jenowein)

Face2Face: Wie kommen Sie mit dem kurpfälzischen Dialekt zu recht?
Schweighöfer: Es ist ein sympathischer Dialekt, der teilweise schwer zu verstehen ist, für einen Berliner.

Face2Face: Wie sieht Weihnachten bei der Familie Schweighöfer aus?
Schweighöfer: So wie bei fast jedem anderen auch: Christbaum, Geschenke, Plätzchen und Kirche.

Face2Face: Ich habe gelesen, Sie feiern Weihnachten von Ihrer Frau getrennt, stimmt das?
Schweighöfer: Ja, das stimmt. Wir haben so viele Verwandte und jeder will eben auch mal seine Familie sehen, deshalb haben wir uns in diesem Jahr so entschieden.

Face2Face: Wie schaffen Sie es sich immer fit zu halten bei all dem Stress berühmt zu sein?
Schweighöfer: Ich mache viele unterschiedliche Sportarten: Schwimmen, Joggen, Muskeltraining, Gymnastik oder Badminton spielen. Demnächst will mich mal an einem Teamsport versuchen.

Face2Face: Welcher ist für Sie der „Film des Jahres 2011“?
Schweighöfer: Für mich persönlich ist „What a man“ der Film des Jahres 2011, weil er einfach mein Werk ist, bei dem ich das erste Mal die Hauptrolle spiele und Regie geführt habe. Aber „Rubbeldiekatz“ von Detlev Buck ist ehrlich gesagt der bessere Film.

Face2Face: Wenn Sie die Wahl hätten, mit wem würden Sie gerne mal vor der Kamera stehen?
Schweighöfer: Johnny Depp finde ich großartig.

Face2Face: In der FAZ haben Sie einmal gesagt, dass Sie gerne in Hollywood spielen würden. Sind Sie durch den Erfolg dieses Jahr diesem Ziel ein wenig näher gekommen?
Schweighöfer: Ja spielen… Hollywood interessiert mich jetzt nicht wirklich – man kann auch in Deutschland gute Filme machen. Dadurch, dass ich mir jetzt in Deutschland etwas aufbauen möchte mit meiner Produktionsfirma „Pantaleon Films“ hat sich das geändert. Diese Arbeit beansprucht viel Zeit und füllt mich aus, ich habe jetzt sehr viele Möglichkeiten, darauf konzentriere ich mich.

Face2Face: Welches Filmgenre schauen Sie sich privat an?
Schweighöfer: Ich schaue mir alles an, was mir so in die Finger fällt. Zu Hause auf meiner großen Leinwand schaue ich mir die Filme auf DVD an. Dafür gucke ich mir nie einen Film oder eine Serie im Fernsehen an.

Face2Face: Welchen Film haben Sie als letztes gesehen?
Schweighöfer: Der letzte Film, den ich zu Hause geschaut habe, war „Blue Valentine“ mit Ryan Gosling.

Face2Face: Was haben Sie sich für das Jahr 2012 vorgenommen?
Schweighöfer: Im nächstes Jahr will ich viel mehr Zeit mit meiner Familie verbringen – insbesondere mit meiner Tochter Greta.

Face2Face: Mehr Zeit mit ihrer Tochter verbringen – was schwebt Ihnen da vor?
Schweighöfer: Ganz normale Dinge tun wie mit ihr einzukaufen oder ihr eine Brotstulle schmieren. Am meisten freue ich mich darauf meine Tochter von der Kita abzuholen, da kräht kein Hahn nach meinem Bekanntheitsgrad. Ich habe mir fest vorgenommen mit der Familie Reisen zu machen, Parks zu besuchen und dafür die Arbeit ein wenig ruhen zu lassen.

Face2Face: Wann können wir mit Ihrem neuen Film „Russendisko“ rechnen?
Schweighöfer: „Russendisko“ wird Ende März 2012 in die Kinos kommen.

Vorschau: Wie sieht eigentlich der Alltag einer Gogotänzerin aus? Das und vieles mehr lest ihr am Dienstag, 10. Januar im Portrait über Tänzerin „Kimstyle“. Am Dienstag, 03. Januar gibt´s außerdem das nächste Rätsel des Monats.

Interview mit dem Regisseur des preisgekrönten Kurzfilms “I remember Yesterday” Oliver Siegel, Teil l

Wenn man nach dem Abitur für ein Jahr nach Amerika geht, erlebt man einiges – so auch Oliver Siegel. Er allerdings hat sich einem eher exotischen Projekt gewidmet und einen Film gedreht. Face2Face gab er ein exklusives Interview über sein preisgekröntes Filmprojekt und erzählt darin, wie man Filme macht, über den Unterschied zwischen dem deutschen und amerikanischen Kulturkreis und wieso Regisseure eher Organisatoren sind als weltfremde Künstler.

Face2Face: Du hast ja bereits an Projekten hier in Deutschland gearbeitet. Inwiefern unterschied sich die Arbeit zu deinem Dreh in Amerika? Was war besser, was war weniger gut?
Oliver Siegel:
Grosse Frage… Geht in das Thema „Kultur“ mit dem ich mich seit der Vorbereitung meines Auslandsjahres im Sommer 2009 intensiv beschäftigen durfte! Also ich muss dazu sagen, dass ich nur an einem Projekt in Deutschland gearbeitet habe, welches ich nicht selbst organisiert habe. Dadurch kann ich natürlich kaum ein objektives Bild über die allgemeine Filmmaking-Kultur in Deutschland geben. Ausserdem hab ich auch nur Erfahrung im low/no budget/Independent-Bereich. Wie sehr sich deutsche Produktionen mit Hollywoodproduktionen vergleichen lassen, kann ich auch nicht sagen.

Aber: Der Ablauf und die Struktur sind quasi identisch, alles was anders ist sind die Worte. Statt „Ton läuft“ ist es „sound rolling“ statt „Scene Four, Shot two Take Three“ „Szene Vier, Einstellung Zwei die Dritte“ und statt „Action!“ sagt man „und Bitte!“. „Cut“ bleibt „Katt“ (lacht)
Das ist in der Hinsicht hilfreich und auch irgendwie beeindruckend, dass ich an Sets mitarbeiten konnte und auch meine eigenen Drehs organisieren konnte, mit wildfremden Leuten aus einem anderen Land – aber wir wussten trotzdem genau was zu tun ist. Interessant ist glaube ich auch an den Gemeinsamkeiten, dass es einige Filmtechnische Dinge gibt, die aus Deutschland in die Staaten importiert wurden. Eine ziemlich lustige Sache ist z.B. die Option „MOS“ die man bei einem Take auf der Klappe markieren kann. Das steht für „mit ohne Sound“ was eigentlich total Sinn macht, wenn man an „with out sound“ denkt…

Interview mit dem Regisseur des preisgekrönten Kurzfilms “I remember Yesterday” Oliver Siegel, Teil l

Klappe die erste! MOS - "mit ohne Sound" (Foto: Siegel)

Ein weiterer interessanter sprachlicher Unterschied ist „Director“ vs. „Regisseur“. Das interessante daran ist, dass es im amerikanischen viele Jobpositionen gibt, die „Direktor“ heißen – Filialleiter, Chefs, Führungskräfte, … alles „Directors“. Im Deutschen hat der Filmregisseur zusammen mit dem Theaterregisseur so ziemlich das Wortmonopol, soweit ich weiß. In der Realität so wie ich sie erfahren habe, finde ich dabei das Wort „Regisseur“ im Sinne von jemand der dem ganzen eine künstlerische Note verleiht und den Schauspielern unterschwellige Anweisungen gibt und artistische Entscheidungen trifft viel weniger angebracht als das Wort „Leiter“ im Sinne von jemand, der den kompletten Überblick über alles behalten muss und jedem einzelnen am Set eine Aufgabe gibt und dafür sorgt dass alles läuft, viel treffender. „Bring mir mal das Kabel von da hinten“ klingt eigentlich nicht so als hätte es viel mit „Regie“ zu tun – hat’s aber. Liegt wohl auch daran, dass ich bisher meistens vieles selber gemacht habe – Regie, Produktion und dann noch Kamera. Wenn ich erstmal bei einer Crew mit First Assistant Director, Second Assistant Director, Director of Photographie, First Assitant Camera, Second Assistant Camera, Unit Production Manager und Key Grip bin, dann hab ich wahrscheinlich meine Leute, die anderen Leuten sagen wo die Kabel hinzubringen sind… (lacht)

Was ist sonst anders… Wie ich schon sagte hat das viel mit Kultur zu tun. Kultur ist geprägt davon, was Menschen einer Gruppe umgibt, was sie dadurch prägt, und wonach sie dementsprechend handeln, und dadurch wieder ihre eigene Umgebung formen, die dann weitere Generationen prägt. Kultur hat etwas mit der Umwelt, also der Geographie usw. zu tun. Amerika ist riesig, es gibt viel Platz. In Hollywood, Kalifornien, ist das Wetter sehr beständig mit gemäßigten Temperaturen, Sonnenschein und nur wenigen Tagen im Jahr regen. Filmstudios hatten viel Platz sich auszubreiten und Bühnen zu bauen. Die USA haben fast alle Klimazonen, die es gibt – Kalifornien hat ebenso fast alles was es gibt. Ist also unglaublich praktisch dort zu filmen aus vielerlei Hinsicht. Das hat Hollywood zur führenden Metropole gemacht, was wiederum viele Filmschaffende dazu bewegt hat sich in dieser Gegend niederzulassen. Das gibt heute eine sehr gute Infrastruktur zum Filmemachen. Was auch immer man braucht, es ist alles da – egal ob Leute oder andere Resourcen.
Der Platz und die Einfachheit/Unkompliziertheit, aber auch Offenheit und Begeisterungsfähigkeit der Menschen hat mir hier drüben beim Filmemachen sehr gut gefallen. Weiterhin schien es mir als gäbe es mehr Leute, die gerne als Schauspieler im Film sein würden, oder sich leicht dazu überreden lassen. Leute, egal welchen Alters. Ich wüsste nicht auf Anhieb wie man „Ach nee du, lass mal, das ist nicht so mein Ding“ auf Englisch sagt. Ich war überrascht wie viele Erwachsene Menschen es gab, die sich freiwillig dafür gemeldet haben, mir kostenlos ihre Zeit zur Verfügung zu stellen, sogar Terminkalender neu zu strukturieren, und dann auch noch das zu machen was ich Ihnen sage – obwohl ich „just a kid“ bin. Ausserdem: Ein Amerikaner, der für längere Zeit in Deutschland war hat in seinem Blog geschrieben, dass „das geht nicht“ eine häufig verwendete Redewendung in Deutschland ist. Ich stimme ihm da zu. Im Bezug auf Filmemachen ist das dann natürlich problematisch, wenn man gerne etwas machen würde aber „das geht nicht“.
Ich muss allerdings auch sagen, dass ich in Amerika an Grenzen gestossen bin – und zwar aus dem dummen Grund, dass hier so gerne geklagt wird. Manchmal kann es passieren, dass jemand in eine sture, unlogische Angst verfällt, dass er verklagt werden könnte, wenn er dich auf sein Grundstück lässt. In Deutschland sind die Leute zwar auch besorgt wegen Versicherungsschutz „falls was passiert“, aber die Amerikaner scheinen mir in der Hinsicht paranoider.

Interview mit dem Regisseur des preisgekrönten Kurzfilms “I remember Yesterday” Oliver Siegel, Teil l

Ausgezeichnet: Regisseur Oliver Siegel (Mitte) mit seiner Hauptdarstellerin Linda C. Luke (links) und einem Model auf dem Huston International Filmfestival (Foto: Siegel)

Dann scheint es mir auch noch, als ob es im Land der Dichter und Denker – wie der Name schon sagt – mehr Theoretiker gibt. Das wirkt sich in der Filmbranche (und Filmkultur) dann meiner Meinung nach so aus, dass deutsche Filme häufig als Kunstwerk gemacht wurden, statt als Produkt dass sich verkaufen lässt und Mainstream Unterhaltung bringt. Das ist meine Beobachtung vom Filme ansehen, ich kann das nur mit sehr wenig Erfahrung belegen aus der Arbeit mit Filmemachern, aber doch scheint es mir, dass die Amerikaner mit denen ich gearbeitet habe eher „Macher“ sind als Denker. Das Machen des Films steht mehr im Vordergrund, anstatt wie man das Drehbuch später interpretieren könnte.
Die vielen kulturellen Nuancen passen einfach nur zu gut zu Filmen, die Art der Leute lässt sich perfekt auf die Leinwand übertragen – man kann es sogar übersetzen und in anderen Ländern und anderen Kulturen macht es auch noch Sinn! Für mich gehörte die unnatürliche, aber filmtypische Art und Weise wie Leute in den deutsch synchronisierten Filmen reden zum Kino, wie das Popcorn! Jetzt habe ich mich natürlich so an die Originalversionen gewöhnt, dass die Asynchronität verwirrend ist.

Deutsche Filme fand ich immer grau, langweilig und habe sie nicht so richtig verstanden. Bitte nicht falsch verstehen, es gibt natürlich auch Deutsche Filme, die mir sehr gut gefallen! Und letztendlich sind die synchronisierten, perfekten, vollen Bassreichen Stimmen, die wir im deutschen Kino hören etwas sehr einmaliges, was mich – nachdem ich es längere Zeit nicht mehr gehört hatte – sofort an die Einmaligkeit eines Besuchs im Deutschen Kino mit gesüßtem Popcorn erinnert hat.
Aber am Ende finde ich, wie gesagt, dass Amerika das perfekte Land zum Filme machen ist. Das Land passt, die Leute passen, die Kultur passt. Und Hollywood, die Nummer eins im Filmbusiness, befindet sich sogar in den USA.

Face2Face: Wie wurde der Filmdreh organisatorisch für dich und dein Team überhaupt möglich?
Siegel:
Durch verdammt gute Organisation meinerseits: Am Abend vorher, so kurz nach Mitternacht, bekam jeder in einer E-mail gesagt wo sie am nächsten Tag um 8 Uhr morgens sein sollen! Nein, Spass beiseite, es war wirklich nicht immer leicht… Mir wurde zwar gesagt, dass das einer der besser organisierten Drehs gewesen sei – und letztendlich sind wir auch im Zeitrahmen und Budget geblieben (ach nee, hatten ja kein Budget!) Aber es war auch mir sehr viel Stress meinerseits verbunden, und manchmal wusste ich tatsächlich nicht bis am Abend vorher wo wir drehen würden.

Ich hatte bewusst VIEEEL Zeit für Preproduction (die Planungsphase vor Drehbeginn) eingeräumt, nachdem ich von meinem vorherigen Projekt gemerkt hatte, dass eine Woche nicht genug ist um alles auf die Reihe zu bekommen, aber trotzdem gehen immer wieder Dinge schief, man vergisst was usw.

Obwohl wir no budget waren hatten wir aber verdammt viel Glück alles so hinzubekommen, wie es am Ende passiert ist. Das Senior Center als Organisationszentrale zu haben war natürlich sehr vorteilhaft – dazu noch den lokalen Fernsehsender, der im selben Verwaltungsgebäude (Township) ist wie das Senior Center: Gold wert!! Dadurch konnten wir viel Equipment, viele Freiwillige zum Helfen und auch viele Kostüme und Requisiten kostenlos bekommen. Vom Senior Center konnte ich ausserdem Rescourcen wie einen Van und einen Bus bekommen.

Und es haben sich glücklicherweise einige Leute für das Projekt gemeldet, die sehr engagiert waren und auch schon einige Connections hatten um an Locations oder Requisiten heranzukommen.
Und ich sage es noch einmal: Viele Leute waren vom Projekt so begeistert, beziehungsweise ließen sich begeistern, „they went out of their way to help us“.

Homepage von I Remember Yesterday

Vorschau: Im zweiten Teil des Interviews erfahrt ihr mehr über die Hintergründe der Filmthematik Alzheimer und Oliver Siegels Plänen für die Zukunft.