Sind wir nicht alle ein bisschen Mädchen?

Neulich fand ich beim Umräumen das erste Paar Hausschuhe meines Ältesten. Und war geschockt. Reumütig übergab ich sie meine Tochter. Es waren Schuhe, die ich ihr nie hatte kaufen wollen, die ich ihr im Schuhgeschäft ausgeredet hätte. Schweinchenrosa. Mit Glitzer. Und Einhörnern. Damals war ich stolz, dass mein Junge den hochgezogenen Augenbrauen seines Großvaters zum Trotz „Mädchenschuhe“ gewollt hatte. Die Konvention war gebrochen. Alle für alles, geschlechtsunabhängig. Wenn aber meine Tochter rosa will, lila, pink, kneife ich. Dabei war es völlig normal, wenn mein Junge blau und grün trug. Warum aber haben wir so eine Farbkritik an Rosa?

Mädchen sind doof? Nein, nur unsere Vorstellungen (©angieconscious / pixelio.de)

Mädchen sind doof? Nein, nur unsere Vorstellungen (©angieconscious / pixelio.de)

Mädchen sind doof. Ja, ehrlich. Sie ziehen nur Rüschenkleidchen an, tragen Lippenstift und lackierte Nägel, klemmen sich Blinkesteine in die Haare, heule, ziehen an den Haare, zicken. Nö? Nö! Dennoch hält sich in unseren Köpfen das Bild vom kleinen Mädchen im pinken Kleidchen hartnäckig. Versteht die Welt nicht, spielt nur mit Puppen, ist selbst eine. Wir bekommen dieses Bild täglich in den Medien serviert. In der Hustensaftwerbung lässt das kleine Mädchen einen Feenstab fallen, als die Mutter sich „krankmeldet“, ein anderes schlüpft ins Prinzessinnenkleidchen und Mamas hochhackige Schuhe, wenn die Freundinnen kommen und eine Puppe ohne rosa Accessoire zu finden, ist eine Mammutaufgabe. Rosa, das verbinden wir automatisch mit klein, schwach, unterwürfig und unterdrückt. Niedlich ist ein Schimpfwort, das nur durch süß gesteigert werden kann.

Wir wollen starke Frauen sein, unabhängig, frei. Wir verdienen unser eigenes Geld, haben unsere eigenen Regeln, bilden unsere eigene Meinung. Rosa haben wir abgelegt, denn wir wollen nicht klein und schwach erscheinen. Eine Tussi, das zeigen uns Fälle wie Daniela Katzenberger und Heidi Klumm wird nicht für voll genommen, sie wird als hohle Kuh überzeichnet, die nur auf Rosa setzt, weil es das einzige ist, was sie hat: Ihr Aussehen. Und wir tun gerne so, als käme es uns auf den Inhalt an.

Vor kurzem las ich, dass immer weniger Puppen verkauft würden. Das seien geschlechterspezifische Spielsachen. Eltern aber wollten Geschlechterunabhängiges. Lego beispielsweise. Anstatt aber zu versuchen, Puppen für alle Geschlechter schmackhaft zu machen, wird die Notwendigkeit zur Bemutterung ausgebaut. Puppen heutzutage können nicht nur die Augen schließen und Pipi machen. Sie scheiden auch ihren Brei wieder aus, werden krank, müssen schlafen, haben Spielzeug und Haustiere. Der Phantasie wird Raum genommen. Gleichzeitig würden Kinder weniger lang mit ihren Puppen spielen. Eben weil Puppen kleinmädchenhaft seien, niedlich und süß. Außer Mode.

Dürfen Frauen und Mädchen noch rosa tragen? Warum eigentlich nicht (©Denise / pixelio.de)

Dürfen Frauen und Mädchen noch rosa tragen? Warum eigentlich nicht (©Denise / pixelio.de)

Die rosa Glitzerhausschuhe haben mich zum Nachdenken gebracht. Als mein Sohn den Vorhang um seinen Kopf geschwungen hat und mit verstellter Stimme flötete „Ich bin eine Prinzessin“, war ich froh. Bei meiner Tochter mache ich mir Sorgen. Dass sie in eine Rolle gedrängt wird und ich es nicht verhindern kann. Ich runzle die Stirn, wenn sie – nicht selten – pinke Kleidungsstücke geschenkt bekommt und mein Mantra „Alle Farben sind für alle da“, wirkt angesichts dessen wie ein Paradox. Sei, wie du bist, aber bitte kein „Girly“.

Dass wir rosa als Farbe der Schwäche verstehen, als eine oberflächliche und doofe Erscheinung, liegt an uns selbst. Wenn aber ein Mann kein Problem mit seiner Männlichkeit zu haben braucht, wenn er pink trägt, warum muss ich es dann als Frau? Der Wunsch nach Gleichberechtigung hat uns einen Schritt zu weit gehen lassen. Er hat uns das Rosa genommen. Ich plädiere dafür, dass auch Frauen rosa tragen dürfen. Wir dürfen weich sein und schwach. Ja, verdammt, an manchen Tagen sind wir das. So lange wir damit glücklich sind – ist doch egal. Pink stinkt nur dann, wenn wir es stinken lassen, wenn wir strikt trennen in „Jungen“ und „Mädchen“. Aber auch, wenn wir gerade deshalb manche Farben und Dinge auf die Ersatzbank schieben um diesen Klassifizierungen zu entgehen.

Meine Tochter wird aus den rosa Hausschuhen herauswachsen, wie mein Sohn seinerzeit. Aber ihren Weg wird sie trotzdem gehen. Am Ende vielleicht barfuß.

Vorschau: Nächste Woche schreibt Anne über die menschliche Unfassbarkeit von Abschiebung.

Chris & Taylor – Ein ungewöhnliches Duo

Chris & Taylor. Das ist zunächst einmal Sänger Chris Hastrich aus Wiesbaden. Schon als Kind liebte der inzwischen 27-Jährige Musik. So sang er im Chor und tanzte leidenschaftlich gerne. Im Alter von 15 Jahren nahm er dann seine erste Gesangsstunde. Danach dauerte es nicht mehr lange, bis er sich ein Klavier und eine Gitarre kaufte. Kurz vor seinem Abi entschied sich Chris 2008, die Schule zu schmeißen und Musiker zu werden. Dazu zog er erst mal ein Jahr nach London und schrieb Songs. 2008 gründete er dort auch das Duo Chris & Taylor. Taylor ist seine Gitarre der Marke Taylor. 2009 ging es wieder zurück nach Deutschland, wo Chris sein erstes Album aufnahm. Eine EP und ein weiteres Album folgten. Jetzt ist die neue Platte „Wake up“ erschienen. Auf Konzerten erlebt man Chris & Taylor mal als Duo und mal mit Band.

Unzertrennlich: Chris und seine Gitarre Taylor (Foto: T. Zak)

Unzertrennlich: Chris und seine Gitarre Taylor (Foto: T. Zak)

Face2Face: Wie definierst du deinen Musikstil?

Chris: Am liebsten gar nicht. Ich habe kein Problem damit, wenn andere Menschen meine Musik oder mich definieren möchten. Allerdings habe ich kein Interesse daran, es selbst zu tun. Meistens sage ich nur „Pop Singer/Song-writer mit Gitarre“ und der Rest ist dem Zuhörer selbst überlassen.

Face2Face: Welche Art von Songs beinhaltet dein neues Album „Wake up“?

Chris: „Wake up“ war eigentlich als EP mit vier Titeln in voller Bandbesetzung geplant, aber ich habe mich kurzfristig entschieden, noch drei weitere Titel in Unplugged-Version hinzuzufügen. Es wird meine vorerst letzte Platte in ausschließlich englischer Sprache sein. Ich hatte lange Zeit keine Lust darauf, deutsche Texte zu schreiben. Alin Coen, die eine befreundete Musikerin ist und geniale Texte in beiden Sprachen verfasst, hat mich schließlich dazu animiert, es mal zu versuchen. Seitdem habe ich Blut geleckt und nächstes Jahr wird mein erstes deutschsprachiges Album erscheinen.

Face2Face: Nach welchen Kriterien schreibst du deine Songs?

Chris: Kriterien gibt es nicht wirklich. Ich bin ein sehr intuitiver Songwriter. Meistens setze ich mich hin, spiele irgendwas auf der Gitarre und improvisiere dann Melodie und Text darüber. So passiert es oft, dass ich erst nach einiger Zeit und einem halbfertigen Lied anfange zu verstehen, worum es eigentlich geht. Mein Unterbewusstsein könnte die Frage sicherlich viel besser beantworten. Eine der wenigen bewussten Entscheidungen ist die der Sprache.

Face2Face: Woher nimmst du die Inspiration für deine Songs?

Chris: Auch hierzu kann ich nur sagen, dass ich die Themen meistens nicht plane. Aber grundsätzlich sind es Dinge, die mich mehr oder weniger bewusst beschäftigen. Das kann alles sein, von Alltagserfahrungen bis hin zu den verstecktesten Ängsten.

Face2Face: Was möchtest du mit deiner Musik erreichen?

Chris: Die Zuhörer berühren und mit dem ein oder anderen Lied zum Nachdenken anregen.

Face2Face: Wer sind deine musikalischen Vorbilder?

Chris: Da gibt es verdammt viele, zum Beispiel Alin Coen, Max Prosa, Pink und Joni Mitchell. Ich höre Musik kreuz und quer und könnte in den meisten Genres mehrere Künstler nennen.

Face2Face: Du hast früher mal sechs Jahre lang im Jugendclubtheater (jetzt Junges Staatsmusical) des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden gespielt. Würdest du gerne mal wieder in einem Musical mitspielen und singen?

Chris: Definitiv. Ich hätte auch am Ende dieses Jahres bei einem Gastspiel des Jungen Staatsmusicals des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden in Ludwigshafen bei „Hair“ mitspielen sollen. Leider musste ich absagen, weil ich bei der Premiere und der Generalprobe bereits Auftritte habe. Aber ich bin mir sicher, dass ich es irgendwann nochmal zeitlich gebacken kriege, ein kleines Musical-Revival zu machen.

Face2Face: Was war das Verrückteste, das du je getan hast?

Chris: Oh je, da muss ich aus einer ziemlich langen und nicht immer vorbildhaften Liste wählen. Ich habe fünf Tage, nachdem ich mich entschieden hatte, nach London zu ziehen, die Koffer in die Hand genommen und bin rüber geflogen, ohne dort jemanden zu kennen oder genau zu wissen, was ich dort tun will außer „Musik machen“.

Mit Spaß dabei: Chris & Taylor mit Band (Foto: S. Holitzner)

Mit Spaß dabei: Chris & Taylor mit Band (Foto: S. Holitzner)

Face2Face: Wo würdest du gerne mal auftreten?

Chris: Beim „Glastonbury Festival“ in Großbritannien, in der „Ellen DeGeneres Show“ in Los Angeles und bei den „Grammys“.

Face2Face: Was ist dieses Jahr noch alles geplant?

Chris: Ich gönne mir gerade eine kleine Auftrittspause, um Kräfte für´s neue Jahr zu sammeln und um mein erstes deutschsprachiges Album aufzunehmen. Ich werde jedoch am 11. und 12. Dezember im Kurhaus in Wiesbaden bei der „Night of Music“ mit Orchester singen.

Mehr Infos gibt es auf der Homepage oder der Facebookseite von Chris & Taylor.

Mainstream – Musik ohne Message?

Vor allem im Radio läuft Mainstream-Musik. (Foto: V.Wahlig)

Eintönig: Vor allem im Radio läuft Mainstream-Musik. (Foto: V.Wahlig)

Das ist ja mal wieder voll Mainstream, das neueste Lied in den Charts!“ – diesen Satz habt ihr bestimmt schon mal gehört, wenn ihr gerade beschwingt einen aktuellen Song im Radio gehört habt. Aber was ist eigentlich Mainstream und was soll daran so schlecht sein?

Unter Mainstream (zu Deutsch: Hauptstrom) versteht man den Geschmack, der einem Großteil der Gesellschaft gefällt. Aber bedeutet dies, dass Musik die von einer breiten Masse gehört wird, dann auch inhaltsleer ist?

Die meisten Lieder in den aktuellen Charts drehen sich um Liebe, Tanzen oder Party. Hinzu kommt noch eine Brise von Gute-Laune-Klängen und fertig ist der Song. So singt uns Pharrell Williams gut gelaunt ein „Happy“ (zu Deutsch: glücklich) entgegen und Miley Cyrus scheint nur mit ihrer halbnackten Performance auf einer Abrissbirne noch schockieren zu können. Muss man dann die Frage nach inhaltsleerer Mainstream-Musik klar mit einem Ja beantworten? Ist Gesellschaftskritik in Mainstream-Musik ein Tabuthema?! Ist das Ziel der Musiker wirklich nur schnell reich und berühmt zu werden? Müssen wir uns fragen, ob wir als Hörer lieber die inhaltsleeren Gute-Laune-Lieder kaufen und ob uns der Style des Musikers wichtiger ist, als der Text des Liedes?

Es wäre zu schnell geurteilt, wenn man behauptet, dass die Lieder in den Charts fern von Gesellschaftskritik sind. Unser Anspruch an politischer Beteiligung nimmt zu und so äußern sich auch viele Musiker in ihren Songs zu aktuellen Themen wie Gewalt oder Homophobie. Natürlich handelt nicht jedes Lied in den Charts von solch schwerer Kost. Doch es werden eben auch Gefühle zu den meist diskutierten Themen von Musikern in ihren Songs verarbeitet.

Bestes Beispiel ist der momentan bekannte und erfolgreiche Rapper Mackelmore zusammen mit seinem Produzenten Ryan Lewis. Mit dem Song „Same Love“ (2012) äußerte er sich öffentlich zum Thema Homophobie. „Same Love“ erschien während eines Volksentscheids in Washington zur Legalisierung der Homo-Ehe. Zudem ist Mackelmore ein Beispiel dafür, dass man mit kritischen Liedern die breite Masse für sich gewinnen kann. In 17 verschiedenen Charts konnte sich der Song über mehrere Wochen halten. Außerdem erhielt der Song einen VMA (MTV Video Music Award) für das beste Video mit einer sozialen Botschaft. Nach diesem Preis stieg „Same Love“ nochmals in den Charts auf, da immer mehr Leute den Song kauften.

Mackelmore ist keineswegs ein Einzelfall in der Mainstream-Musik. Pink griff 2006 mit ihrem Song „Dear Mr. President“ den damaligen Präsidenten der USA – George W. Bush an und landete damit in Europa und Kanada Chartplatzierungen. Aber auch deutsche Musiker stehen ihren amerikanischen Kollegen in nichts nach. Xavier Naidoo ist einer von ihnen. Er singt über Ungerechtigkeit, Ausländerfeindlichkeit oder Drogenmissbrauch und ist dabei einer der erfolgreichsten Musiker, der auch die breite Masse für sich begeistern kann.

Schlussendlich lässt sich also sagen, dass Mainstreammusik zwar hauptsächlich gute Laune und Liebe in den Fokus stellt. Aber sie kann eben auch gesellschaftskritisch sein und den Hörer auffordern, über diese Kritik nachzudenken.

Vorschau:     Nächsten Samstag gibt es einen Ausgeh-Tipp für das Rhein-Main-Gebiet.

„Mode ist eine zukunftsorientierte Industrie“ – die Vancouver Fashion Week

Bei strahlendem Sonnenschein denkt keiner gerne an die bevorstehende Herbst-Wintersaison – einzige Ausnahme: die Modebranche. Von Dienstag, 20. März, bis Sonntag, 25. März, präsentierten Designer und Models auf der Vancouver Fashion Week, kurz VFW, die Herbst- und Wintertrends 2012. Face2Face hat bei Francis Chiu, einem Mitglied des Managements der VFW nachgefragt, wie ein solches Event überhaupt organisiert wird und was denn nun die Trends der kühleren Jahreszeit sein werden.

„Mode ist eine zukunftsorientierte Industrie“ – die Vancouver Fashion Week

Präsentiert Pink- und Lavendeltöne: Das indisch-amerikanische Label "Pure Elegance" (© Eurgenio Flores 2012, VFW)

Face2Face: Was ist Ihre Funktion im Rahmen der VFW?
Chiu: Ich kümmere mich um alle Beteiligten. Außerdem helfe ich dabei, jede Facette der Organisation zu leiten – von Marketing, Öffentlichkeitsarbeit, Kundenkontakt, Unternehmensentwicklung bis hin zu besonderen Projekten.

Face2Face: Was ist das Konzept der VFW und was ist besonders daran?
Chiu: Die VFW ist das bekannteste Industrie-Event der Westküste. Anders als andere Industrie-Events in der Gegend präsentiert die VFW nicht nur die angesagten, sondern auch neue Designer aus der Region und preisgekrönte Talente der Modewelt aus kulturellen Hauptstädten wie London, Mailand und Paris, und aus der ganzen Welt. Außerdem stellt die VWF innovative und avantgardistische Designer aus Asien, Südamerika und anderen europäischen Ländern wie Deutschland und Polen vor.

Face2Face: Welche Designer waren vertretend? Woher kommen sie?
Chiu: Wir hatten den koreanischen Topdesigner Ha Sang Beg, der von seiner dritten Saison zurückkehrt, „AngelEye“ aus London mit dem London-inspirierten Vintagestoff und -look, das indisch-amerikanische Label „Pure Elegance“, was die am schnellsten wachsende südasiatische Modemarke in den USA ist, das sehr angesagte und aufstrebende Label „Xsenia&Olya“, das ursprünglich aus Moskau kommt, nun aber in London ansässig ist, die Marke „Vawk“ aus Toronto, die eine von Science-Fiction und Samurais inspirierte Kollektion für die Show haben wird, und viele andere, ebenso gute Designer.

Face2Face: Laufen auf der VFW auch prominente Models?
Chiu: Bisher hatten wir viele prominente Models auf der VFW, so wie Teresa Scanlan – sie war Miss Amerika 2011und hat für uns die letzte Saison eröffnet – Coco Rocha, die für uns drei Saisons lang gelaufen ist.

„Mode ist eine zukunftsorientierte Industrie“ – die Vancouver Fashion Week

Laut Organisator Chiu sehr angesagt: Gewagte Outfits, wie hier präsentiert vom Label "Xsenia&Olya" (© Eugenio Flores 2012, VFW)

Face2Face: Wie umfangreich ist die Organisation einer Fashionweek?
Chiu: Wie bei jeder großen Organisation glauben wir, dass unsere Leute unser größtes Kapital sind. Die VFW ist eine Organisation, die ihren Angestellten verpflichtet ist, und das Ziel hat, in jedem organisatorischen Aspekt zu wachsen und sich zu verbessern. Die VFW ist wirklich international, da wir Käufer, Sponsoren, Designer, Medienpartner und Models aus den fernsten Teilen der Erde haben. Traditionelle und soziale Medien helfen unseren Shows, eine hohe Zahl an Zuschauern zu erreichen. Wir haben viele großartige Leute aus allen Teilen der Welt und aus sehr verschiedenen Milieus, die eine fantastische Fashionweek auf die Beine stellen.

Face2Face: Warum wird die Herbst- und Wintermode schon im Frühling präsentiert?
Chiu: Mode ist eine zukunftsorientierte Industrie. Modesaisons werden früher präsentiert, damit Käufer und Einzelhändler sich für die bevorstehende Jahreszeit orientieren können.

Face2Face: Was werden die Trends der Herbst- und Wintersaison sein?
Chiu: Es wird einen bedeutenden Einfluss der 1960-er Swing-Mode geben. Wir werden weiche Pink-und Lavendeltöne für die Damenbekleidung zu sehen bekommen. Leder wird ein beliebtes Material sein. Die Militärmode wird wieder aufleben, besonders in der Oberbekleidung. Die Farben werden im Herbst und Winter gewagt sein.

Diese Interview wurde übersetzt von Louisa van der Does.

Vorschau: Nächste Woche erwartet euch an dieser Stelle ein Interview mit Makeup Artistin Jackie Asaro.

Die grüne Zitadelle in Magdeburg

Bei meinem ersten Besuch in Magdeburg hatte ich vor allem zwei Gedanken im Kopf: ehemalige-DDR und zerstört im dreißig-jährigen Krieg. Und so begann ich dann auch alles, was ich sah einzuordnen: DDR in Form von Hochhäusern. DDR in Form von sozialistischem Klassizismus. Der Marktplatz mit dem Till Eulenspiegel-Brunnen. Das Reiterstandbild Otto des 1. Und das Otto von Guericke Denkmal. Doch ein Gebäude passte nicht hinein: Friedensreich Hundertwasser hat hier eines seiner letzten Projekte fertiggestellt. Das Gebäude erinnert der Größe nach wirklich an einen Festungsblock, an eine Zitadelle. Doch die Architektur spricht eine andere Sprache: Kein Fenster gleicht dem anderen, kein Boden ist gerade und die unterschiedlichsten Säulen stützen das Gebäude nach oben. Eigentlich hätte jeder Bewohner das Recht im Umkreis seines Fensters die Wände neu zu bemalen, aber bis jetzt hat sich das noch keiner getraut. Jedoch erfüllen die Bewohner eine andere Besonderheit dieses Hauses mit viel Pflichtbewusstsein: Da jeder von ihnen der Natur einen Baum schuldet, der ihr durch den Bau der Zitadelle genommen wurde, gilt es die Veranden und Balkone mit kleinen grünen Wuschelköpfen und Kletterpflanzen zu begrünen. Daher auch der Name „grüne Zitadelle“, was auch durch das begrünte Dach ersichtlich wird. Ein besonderes Highlight dieses Hauses ist noch – außer das etwas teurere Privileg zu haben in ihm zu wohnen – die Möglichkeit sich im höchsten Turm im obersten Zimmer standesamtlich trauen zu lassen. Wer dann ein paar Jahre später immer noch an diesem Haus hängt, braucht nicht einmal seine Kinder hinaus zu schicken, denn es gibt auch einen Kindergarten. Nun aber zurück zum Anfangsparadoxon: Warum ist die grüne Zitadelle pink? Nebenan steht ein großes Bankgebäude. Erbaut aus einem seltenen blauen Marmor, soll es die Bank natürlich in ein elegantes Licht stellen. Doch laut Hundertwasser: „…wird das blau erblassen, sobald die Sonne zum Vorschein kommt und mein Gebäude erstrahlen.“