Stephanie Neigel – Sängerin mit viel Gefühl

Am 5. November war die Singer/Songwriterin Stephanie Neigel für ein Konzert zu Gast in der Fabrik in Frankfurt-Sachsenhausen. Volker Engelberth am Piano, Alex Merzkirch am Bass, Thomas Sauerborn an den Drums und Philipp Brämswig an der Gitarre begleiteten die sympathische Sängerin bei ihrem über 90-minütigen Konzert auf der Bühne des gemütlichen Gewölbekellers. Die Zuhörer durften sich über eine Mischung aus Jazz und Pop freuen. Höhepunkt des Abends war die gefühlvolle Ballade „The Book“. Über diesen Song und über ihren ganz persönlichen Musikgeschmack haben wir mit der 29-Jährigen gesprochen.

Voll in ihrem Element: Stephanie Neigel bei ihrem Konzert in der Fabrik in Frankfurt-Sachsenhausen (Foto: S. Holitzner)

Voll in ihrem Element: Stephanie Neigel bei ihrem Konzert in der Fabrik in Frankfurt-Sachsenhausen (Foto: S. Holitzner)

Face2Face: Wie fandest du dein Konzert in Frankfurt?

Stephanie: Sehr schön. Wir hatten viel Spaß. Es war ein sehr nettes Publikum hier. Alle haben super mitgesungen und mitgeklatscht. Das erwartet man überhaupt nicht direkt. Da freut man sich immer, wenn das passiert, denn das ist keine Selbstverständlichkeit.

Face2Face: Wie kamst du überhaupt zur Musik?

Stephanie: Ich glaube eher, dass die Musik zu mir kam. Meine Mama hat mir erzählt, dass ich als Baby nur eingeschlafen bin, wenn sie mir vorgesungen hat. Ich habe von Anfang an schon so eine große Affinität für Stimme und Klang gehabt. Wenn ich dann später auf Konzerten war, war das für mich einfach das Größte. Das war wirklich so eine beeindruckende Welt, Musik zu hören, die mir gefällt, und nachzusingen. Die Musik war einfach schon immer da.

Face2Face: Was zeichnet dein aktuelles Album „Capture Time“ aus?

Stephanie: Es klingt sehr akustisch, sehr bandsoundmäßig. Es sind alles echte Instrumente, die gespielt wurden. Wenn ich mir das Album manchmal anhöre, dann habe ich immer noch ziemlich viel Spaß. Dann sehe ich immer noch die groovende Band und freue mich einfach über gute, im Moment gemachte Musik. Die meisten Songs sind im letzten Jahr entstanden. Konkret daran gearbeitet haben wir ein Jahr.

Face2Face: „The Book“ ist eine sehr berührende Ballade. Worum geht’s und wie ist der Song entstanden?

Stephanie: „The Book“ ist an einem Tag entstanden, als ich auf einer Wiese saß und im Sonnenschein in den Himmel geguckt habe. Es war ein warmer, schöner Sommer. Ich saß da zwar alleine, aber ich habe mich gefragt, wie ist das mit dem Leben? Ist vielleicht einfach alles schon vorbestimmt oder ist alles komplett frei und wir sind wie Teilchen, die ganz zufällig aneinanderstoßen und wieder woanders hingestoßen werden wie Billardkugeln. Oder ist im Prinzip schon alles geschrieben und ich kann mir nur wünschen, dass ich mit gewissen Menschen noch lange in dieser Story verbunden sein werde? Ich habe mich gefragt, ob ich überhaupt die letzte Seite aufschlagen würde, wenn ich wissen könnte, was noch alles kommt. Das waren meine Gedanken und die habe ich dann aufgeschrieben. Ich hatte auch schon eine Melodie und Akkorde im Kopf.

Sympathische Sängerin: Stephanie Neigel (Foto: S. Holitzner)

Sympathische Sängerin: Stephanie Neigel (Foto: S. Holitzner)

Face2Face: Was inspiriert dich im Allgemeinen zu deinen Songs?

Stephanie: Das kann ein Moment auf der Wiese sein, wo ich mich kurz frage, was hat das Leben mit mir gemacht, dass ich jetzt hier sitze. Es kann aber auch die schlaflose Nacht sein. Es können sehr persönliche Momente oder allgemeine Fragen sein, ganz banale Dinge. Ich plane das nicht. Das kommt mir einfach in den Kopf und wenn ein Thema stark genug in meinem Kopf ist, dann will es auch raus als Songtext.

Face2Face: Was hörst du selbst am liebsten für Musik?

Stephanie: Neulich hatte ich eine Amy Winehouse-Phase und habe eine Woche lang alles ausgecheckt, weil ich sie so beeindruckend fand und weil ich ganz viele Hintergrundinfos durch den Film, der jetzt gerade im Kino gelaufen ist, kennengelernt habe. Manchmal gibt es aber auch Phasen, da höre ich ganz alte Jazzladies. Auch höre ich John Mayer oder mal wieder was ganz Aktuelles, was vielleicht ein bisschen elektronisch ist. Immer wieder höre ich Joni Mitchell. Sie ist für mich eine sehr inspirierende Frau.

Face2Face: Hast du schon Pläne für 2016?

Stephanie: Nächstes Jahr im Frühling geht es weiter mit Konzerten durch ganz Deutschland. Vorher stehen noch ein paar Kooperationen an. Ich spiele mal wieder zusammen mit dem Jazzmusiker Daniel Stelter und dem Gitarristen und Sänger Kosho. Mit dem Frauen-a-capella-Quartett Les Brünettes bin ich auch immer viel unterwegs. Und dann bin ich jetzt so langsam am Planen, wie das nächste Album klingen kann. Ich bin schon ein bisschen am Schreiben.

Mehr Infos gibt es auf der Homepage oder der Facebookseite von Stephanie Neigel.

Vorschau: Nächsten Samstag gibt es einen Artikel zu Red Bull Flying Bach zu lesen.

Von Pazifikinseln, Weltuntergang, mangelnder Mainstreamkonformität und Selbstfindung – Ein Interview mit der Band Traversay

Im Jahre 2010 gründeten der Pianist Niklas Blumenthaler (21), Sänger und Gitarrist Simon Lindner (22) und Schlagzeuger Johannes Lindner (21), die Band Traversay. 2013 veröffentlichten sie ihre erste EP, mit dem pragmatischen Namen #EP. Seitdem spielten sie zahlreiche Gigs in der Metropolenregion Rhein-Neckar und haben sich mit ihrem Wechsel aus harten Gitarrenriffs und melodischen Klavierpassagen mittlerweile eine passable Fangemeinde aufgebaut. In ein spezifisches Genre lässt sich die Band nur schwer einordnen, jedoch kommt die Bezeichnung Progressive Rock der Musik noch am nähesten.Face2Face sprach mit zwei der drei Bandmitglieder über ihre Bandgeschichte und nahe Zukunft.

Face2Face: Traversay ist nicht nur der Name eurer Band, sondern auch die Bezeichnung für eine Inselgruppe im Südpazifik. Aus welchem Grund habt ihr diese unbewohnten Inseln für eure Namensgebung herangezogen?

Das Cover der ersten CD der Band Traversay: #EP (Foto: Traversay)

Das Cover der ersten CD der Band Traversay: #EP (Foto: Traversay)

Simon: Wie es so häufig vorkommt, haben wir zuerst unsere Band gegründet und uns dann auf Namenssuche gemacht. Wir hatten 40 oder 50 Namensvorschläge, die aber alle nicht unseren Vorstellungen entsprachen. In einer Bar beim Blick auf die Weltkarte haben wir dann entschieden, dass unsere Band jetzt Traversay heißt. Diese unbewohnten Inseln erschienen uns ideal, denn sie werden mit nichts anderem verbunden, als dass sie jetzt auch noch Namensgeber für unsere Band sind.

 Face2Face: Womit verbringt ihr eure Zeit, wenn ihr nicht gerade auf der Bühne steht oder an neuen Songs tüftelt?

Niklas: Ich studiere Lehramt an Gymnasien für die Fächer Mathe und Politik an der Universität Mannheim. Simon studiert Medizin und Johannes Realschullehramt für die Fächer Mathe, Physik und Musik. Nimmt man Studium und Musik zusammen, dann bleibt eigentlich nicht mehr viel Zeit für andere Dinge. Natürlich haben wir dennoch vielseitige Interessen, wie Sport treiben, Freunde treffen und was man eben so macht, dem gehen wir natürlich auch nach. Unser großes gemeinsames Hobby ist aber tatsächlich die Musik.

Face2Face: Die Gründe der Zusammenkunft von vielen Bands reichen über zufällige Begegnungen bis hin zu langen Sandkastenfreundschaften. Dass Johannes und Simon verwandt sind, kann man ja zumindest erahnen. Wie genau habt ihr drei nun zueinandergefunden?

Verkörpern die Band Traversay: Niklas Blumenthaler, Johannes Lindner und Simon Lindner (von links nach rechts) (Foto: Traversay)

Verkörpern die Band Traversay: Niklas Blumenthaler, Johannes Lindner und Simon Lindner (von links nach rechts) (Foto: Traversay)

Simon: Meine Freundin ist Niklas‘ Krabbelgruppenfreundin, irgendwann hat sie Niklas mal ins Schwimmbad mitgenommen und wir haben uns auf Anhieb gut verstanden. Umso mehr hat es uns gefreut zu merken, dass wir die gleiche Musik hören und idealerweise auch noch verschiedene Instrumente spielen.

Face2Face: Schon 2011, nur knapp zwei Jahre nach eurer Gründung, habt ihr den 1. Platz beim Newcomer-Festival des Café Central in Weinheim belegt und seitdem auch viele Gigs gespielt. Bei welchen Leuten kommt eure Musik an?

Niklas: Es ist auffallend, dass eher männliche als weibliche Personen auf unsere Musik stehen. Dadurch, dass wir etwas anspruchsvollere Musik machen, sprechen wir auch Leute an, die nicht die typischen Radiohörer sind. Traversay lässt sich wohl eher abseits des Mainstreams ansiedeln, weshalb diese Art von Musik vielleicht keine Massen anspricht.

Face2Face: Eure Songs erinnern mitunter an Radiohead und Muse. Welche Künstler haben euch beeinflusst oder inspiriert?

Simon: Gerade am Anfang hatten wir tatsächlich eine Phase, in der wir exzessiv Muse und Radiohead gehört haben, was wohl auch Einfluss in unsere Musik gefunden hat. Mittlerweile haben sich die Einflüsse erweitert, Muse und Radiohead nahmen aber in der Anfangszeit auf jeden Fall eine vorrangige Stellung ein. Inzwischen sind wir freier von direkten Einflüssen, ganz lassen sich diese wohl aber nie vermeiden.

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Über den Dächern Mannheims: Die Band Traversay (Foto: ChrisArtography)

Niklas: Dazu muss noch gesagt werden, dass es keine Band gibt, der wir nachgeeifert haben und uns gedacht haben „wir wollen so wie sie sein“. Zwar wäre es wohl einfacher sich eine Band als Ideal zu nehmen, aber wir haben schon immer versucht, unseren eigenen Stil zu finden. Mittlerweile ist uns das auch ganz gut gelungen.

Face2Face: Hört man sich beispielsweise den Track „Omega“ an, kann man sagen, dass eure Musik doch sehr sphärisch ist. Wie finden Musik und Lyrics bei euch zueinander?

Niklas: Wir versuchen, viele Dinge thematisch umzusetzen. Der Song Omega mit seinen Chören soll eine gewisse Endzeit und Weltuntergangsstimmung rüberbringen. Bei dem Lied Redeption dachte ich persönlich an den arabischen Frühling, aber das kommt bei jedem vielleicht anders rüber.

Bei den Lied Mirror 7 haben wir uns mathematisch mit der Zahl sieben auseinandergesetzt. Das Lied ist in sieben Teile aufgeteilt, besteht aus 7 Takten und das ganze Stück ist im 7/8 Takt geschrieben. Außerdem lässt sich das Stück inhaltlich in der Mitte spiegeln, zum Beispiel sind Anfang und Ende gleich. Das sind ein paar Spielereien, die uns wirklich Spaß gemacht haben.

Simon: Der Fokus liegt bei uns auf jeden Fall auf der Musik und nicht auf den Texten. Wir machen die Musik, um der Musik willen und nichts anderes. Wir wollen kein autobiographisches Material in unsere Texte mit einbringen. Vielmehr interessieren uns gesellschaftsrelevante aber auch abstrakte Themen, unter denen sich jeder etwas Eigenes vorstellen kann.

Face2Face: Schaut man sich eure Besetzung an, so seid ihr mit drei Mitgliedern und mit Gitarre, Schlagzeug und Keyboard doch spärlich besetzt. Viele Musikergeister scheiden sich in dieser Hinsicht, aber vermisst ihr manchmal einen Bassisten unter euren Reihen?

Im Rampenlicht: Traversay bei ihrer EP-Release im Peer23 in Mannheim (Foto: ChrisArtography)

Im Rampenlicht: Traversay bei ihrer EP-Release im Peer23 in Mannheim (Foto: ChrisArtography)

Niklas: Wir hatten schon zwei Anläufe, in denen wir einen Bassisten für uns gewinnen wollten, bisher hat es aber menschlich einfach nicht gepasst. Wir wollen jemanden finden, der sich perfekt in unser Team einspielt, und lassen uns dafür auch Zeit. Nachdem wir so lange Zeit ohne Bass unterwegs waren, ist es zudem schwer, sich aus diesem eingespielten Team herauszubewegen.

Face2Face: Was sind eure Pläne für die Zukunft? Gebt uns doch einen kurzen Ausblick!

Niklas: Im Herbst haben wir vor, eine neue Single und ein dazugehöriges Video rausbringen. Wir wollen uns neu erfinden, vielleicht mit einem komplett neuen Auftreten, sowohl medial als auch unser Bühnenauftritt. Wir gehen sogar so weit, dass wir unseren Bandnamen infrage stellen.

Simon: Kurz und knapp kann man sagen: Wir sind im Begriff, alles zu hinterfragen: Unsere Besetzung, unseren Auftritt und unseren Namen. Wir wollen unser Songwriting als Grundlage für diesen Prozess nehmen und von dem ausgehend Veränderungen durchführen. Erstmal sind jetzt keine neuen Konzerte geplant. Wir wollen uns auf eine Sache konzentrieren, das heißt, im Moment liegt der Fokus auf dem Songwriting. Erst danach können weitere Schritte eingeleitet werden.

Wem dieser Artikel nun Lust auf mehr gemacht hat, kann sich auf Bandcamp einige Lieder von Traversay aufhören. Hier geht es außerdem zur Facebook-Seite der Band.

Aber dem nicht genug. Ihr habt bis zum 03.05. die einmalige Möglichkeit, eines von 2 Traversay-Paketen zu gewinnen. Dieses enthält nicht nur die EP der Band, sondern auch ein Poster mit Unterschriften aller Bandmitglieder. Schreibt dazu eine Email mit eurem Namen und warum ihr das Paket gerne gewinnen würdet an nadine.schwalb(at)face2face-magazin.de.

Eine Kombination der Meisterklasse

Eine Kombination der Meisterklasse

Eine der schönsten CDs des Jahres 2012: DUO (Foto: © Mat Hennek/Deutsche Grammophon)

Schumann, Brahms, Debussy, Schostakowitsch – das Repertoire der französischen Pianistin Hélène Grimaud und der argentinischen Cellistin Sol Gabetta ist erstklassig. Wo die zwei Solistinnen auch auftreten, hinterlassen sie den Eindruck von fesselnden Interpretationen, passioniertem Spiel und einer charismatisch vereinnahmenden Performance.

Die im Oktober diesen Jahres erschienene CD Duo, die so reizvoll und gleichzeitig sensibel ist, beweist, wie außergewöhnlich und einzigartig die beiden Musikerinnen sind. Den Aufnahmen der CD im Frühjahr 2012 waren gemeinsame Konzerte vorangegangen, wie beispielsweise ein Auftritt beim Menuhin Festival 2011 in Gstaad, bei dem, sich die zwei renommierten Solistinnen auf der Bühne kennenlernten. Aufgrund des erfolgreichen Festivalauftritts beschlossen die beiden ein eigenes Programm zu entwickeln, das sie auf ihrer CD Duo festhielten. So ist nun eine CD-Produktion entstanden, die Fantasiestücke von Schumann sowie Cellosonaten von Brahms, Debussy und Schostakowitsch beinhaltet.

Mancher Takt mag wild expressiv, manche Phrase zart und sensibel, manches Largo voller wehmütiger Melancholie  sein – das Duo Gabetta/Grimaud verblüfft immer wieder durch harmonierende Musikalität und außerordentliche Wandlungsfähigkeit. Kurzum: Eine wahre Bereicherung der Klassik-Szene, die sicherlich nicht klassisch ist. Denn es ist vor allem die grundsätzliche charismatische Unterschiedlichkeit der beiden Solistinnen, mit der die beiden Musikerinnen ihr Publikum rund um die Welt begeisterten. Die im Wesen etwas ruhiger und zurückhaltend wirkende Französin am Klavier und die impulsive argentinische Cellistin bieten eine völlig neue Interpretation von Meisterwerken der deutschen Romantik bis hin zur klassischen Moderne und schaffen so ein Hörerlebnis, das in seiner Einzigartigkeit faszinierender nicht sein könnte.

Eine Kombination der Meisterklasse

Internationale Meisterklasse: Pianistin Hélène Grimaud und Cellistin Sol Gabetta(Foto: © Mat Hennek/Deutsche Grammophon)

Wirft man nur einen kurzen Blick auf die außergewöhnlichen Biografien der beiden Virtuosen wird deutlich, wie besonders das Duo Grimaud/Gabetta ist.

Die Pianistin Grimaud wurde 1969 in Aix-en-Provence in Südfrankreich geboren. Sie begann im Alter von sechs Jahren mit dem Klavierspiel. Sie erhielt anfangs Musikunterricht in ihrer Heimatstadt und studierte anschließend in Marseille. Im Alter von 13 Jahren wurde sie am Pariser Konservatorium angenommen und erhielt dort 1985 den ersten Preis im Fach Klavier. Spätestens seit ihren Auftritten 1987 in Cannes und mit dem Orchestre de Paris unter der Leitung von Daniel Barenboim ist Grimaud als Pianistin international gefragt. Ein Zusammentreffen mit der fast 30 Jahre älteren Pianistin Martha Argerich im Rahmen des Internationalen Kammermusikfests 1989 in Lockenhaus bestätigte Grimaud darin, trotz der einsetzenden Bekanntheit an ihrem eigenständigen und unkonventionellen Stil festzuhalten. Mit nur 26 Jahren debütierte sie mit den Berliner Philharmonikern unter der Leitung von Claudio Abbado, vier Jahre später brillierte sie mit dem New York Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Kurt Masur. Seither arbeitet sie regelmäßig mit europäischen, nordamerikanischen und asiatischen Spitzenorchestern zusammen. 2002 unterzeichnete Grimaud einen Exklusivvertrag mit dem Musiklabel Deutsche Grammophon. Seither hat sie zahlreiche Alben aufgenommen, die Solowerke, Kammermusik und Konzerte verbinden.

Gabetta wurde als Tochter französisch-russischer Eltern geboren. Bereits als Kind verblüffte sie durch ihr musikalisches Talent. Im Alter von nur zwölf Jahren verlässt sie gemeinsam mit ihrer Familie Argentinien, da ihre Eltern in Europa bessere Chancen für ihr begabtes Kind sehen. Nachdem sie 1992 ihr Studium in Madrid aufnahm, wo sie ein Stipendium an der „Escuela Superior de Música Reina Sofía“ erhalten hatte, studierte sie zunächst bei Ivan Monighetti einem ehemaligen Schüler des weltbekannten Cellisten Mstislaw Rostropowitsch an der Musik-Akademie der Stadt Basel. Ihre Hochschulausbildung schloss sie bei David Geringas, ebenfalls ein ehemaliger Schüler Rostropowitschs, an der Musikhochschule Hans Eisler in Berlin mit dem Konzertexamen ab. Aufsehen erregte die junge Solistin 2004, als sie ihr Debüt mit den Wiener Philharmonikern unter der Leitung von Valery Gergiev bei den Luzerner Festspielen gab und dort den renommierten Crédit Suisse Young Artists-Award, eine der höchst dotierten Auszeichnungen für junge Musiker gewann. Seit Oktober 2005 lehrt sie als Assistentin von Ivan Monighetti an der Musik-Akademie in Basel, ihrer derzeitigen Heimat. Ihr Repertoire reicht von Interpretationen von Werken Vivaldis über Stücke klassischer Komponisten wie Haydn und Mozart bis hin zur Romantik und frühe Moderne mit den Konzerten von Elgar, Saint-Saëns und Schostakowitsch und umfasst damit nahezu alle bedeutsamen Werke der Cello-Literatur.

Eine Kombination der Meisterklasse

Erfolgsduo Grimaud/Gabetta: Tosender Applaus rund um die Welt (Foto: © Mat Hennek/Deutsche Grammophon)

Beide Musikerinnen präsentieren sich als Meisterinnen ihres Instrumentes, die in ihrem Zusammenspiel als perfekte Partnerinnen ein Werk schaffen, das an musikalischer Energie, Spannung und Ausdruck nur so sprüht.

Von Grimauds  Fingern, die während Robert Schumanns romantischen Fantasiestücken nur so über die Klaviertasten fliegen über Gabettas passioniertem Spiel in glasklarer Höhe auf dem Cello bei Brahms bis hin zu ihrem raschen Wechsel zwischen Pizzicato-Passagen und gestrichenen Abschnitten in Debussys Cellosonate in d-moll: Die beiden Solistinnen liefern ein leidenschaftliches, temperamentvolles, und vor allem unbefangenes Spiel, in dem jede einzelne Note intensiv gespielt und erlebt wird. Wie ein Zauber des Gemeinsamen, in dem zwei Instrumente nahezu eine Seele formen.

So verkörpern die beiden Musikerinnen nicht nur modernen musikalischen Zeitgeist sondern haben mit ihrer CD Duo gleichzeitig eine Hommage an die Kammermusik geschaffen. Und so energisch auch der Abschluss von Schostakowitschs Allegro klingt, hofft der Zuhörer, dass dies nicht die letzten Töne eines brillianten, künstlerischen Miteinanders sind, wie man es sehr selten findet.

Info: Mehr Infos zu den beiden Musikerinnen findet ihr auf Hélène Grimauds Homepage, ebenso wie auf Sol Gabettas Homepage.