Domestikation- Wie der Hund zum besten Freund des Menschen wurde

Die Deutschen halten schätzungsweise 30 Millionen Haustiere, vor allem sind dies Hunde und Katzen. Bist du ein Katzenmensch oder ein Hundemensch – dazu gibt es mitunter tiefgehende Debatten. Doch egal, welches Tier einem mehr zusagt, es nicht selbstverständlich, dass wir Haustiere halten.

Eines der wichtigsten domestizierten Tiere: Das Rind (Foto: Wolfgang Dirscherl  / pixelio.de)

Eines der wichtigsten domestizierten Tiere: Das Rind (Foto: Wolfgang Dirscherl / pixelio.de)

Das wohl älteste domestizierte Tier ist der Hund, der sich vor circa 30.000 Jahren aus dem Wolf entwickelt hat (obwohl molekulargenetische Berechnungen auf 100.000 Jahre kommen, so zeigt der Fossilrekord anderes auf). Über viele Generationen hinweg wurden die Tiere genetisch von der Wildform isoliert und auf viele Charakteristika gezüchtet. Das Schaf, welches vom Mufflon abstammt, das Rind, welches vom Auerochsen abstammt, das Schwein, die Ziege und die Katze, welche auch ihre jeweiligen Wildformen haben, folgten vor circa 10 000 Jahren. Zur gleichen Zeit wurden Pflanzen durch die gleiche Art zu Kulturpflanzen gezüchtet. Pferde, Hühner und viele andere Tiere, die oft speziell für die jeweilige Region der Welt waren, kamen vor einigen tausend Jahren nach.

Theoretisch kann jedes Tier domestiziert werden, jedoch gibt es sechs Eigenschaften, welche das Tier haben sollte, sodass es dazu kommt und die in dem Buch Guns, Germs and Steel beschrieben wurden: Kann sich das Tier von den Abfällen der Menschen ernähren und hat keine speziellen Anforderungen hinsichtlich der Ernährung, ist dies sehr hilfreich. Die Generationenfolge, also auch die Lebenserwartung, sollte die des Menschen nicht überschreiten. Ist sie kurz genug, ist die Züchtung besser möglich und eine kurze Zeit für das Erreichen des Erwachsenenalters ist wichtig, damit es seinen Zweck erfüllen kann. Die Fortpflanzung muss auch in der Gefangenschaft des Menschen stattfinden können. Sind die Tiere generell weniger aggressiv und leichter umgänglich, ist dies ebenfalls von Vorteil. Sie sollten ebenfalls ruhiger sein und nicht scheu. Zuletzt ist es ebenfalls wichtig, dass die Tiere eine flexible soziale Hierarchie haben und den Menschen als Herrchen anerkennen.

Viele domestizierte Arten weisen Gemeinsamkeiten auf. Schon Darwin beobachtete, dass menschennahe Spezies fallende Ohren besitzen. Die selektive Fortpflanzung hat also bestimmte folgen. 1950 wurde in Russland ein Langzeitversuch gestartet. Der russische Silberfuchs sollte domestiziert werden, der aufgrund seiner Aggressivität als nicht domestizierbar galt. Dieser Versuch dauert bis heute an. In jeder Generation wurden die weniger aggressiven Tiere ausgesucht. Als die ersten Tiere nach 20 Generationen und ungefähr 25 Jahren als Haustiere gehalten werden konnten, hatten sie kürzere Schnauzen, kleinere Zähne, weiche, fallende Ohren, einen kurvigeren Schwanz und eine andere Fellfarbe. Genetische Veränderungen führten zu hormonellen Veränderungen und so ist ein Fuchs mit einem kleineren Adrenalinlevel auch zahmer. Bei anderen Arten findet man ebenfalls kleinere Gehirne und verringerte akute Sinnesorgane, die in der freien Wildbahn noch überlebenswichtig waren.

Eine überzüchtete Hunderasse: die englische Bulldogge (Foto: M. Großmann  / pixelio.de)

Eine überzüchtete Hunderasse: die englische Bulldogge (Foto: M. Großmann / pixelio.de)

Rassenhunde zeigen uns heute auch die Schattenseiten der Züchtung auf. Reinrassige Hunde wurden vor gerade einmal Hundert Jahren durch Inzucht auf die verschiedenen Charakteristika gezüchtet. Rassen wie der Boxer und die Bulldogge haben zum Beispiel kürzere Schnauzen und diese Brachycephalie führt zu Atemwegsproblemen und einer gestörten Thermoregulation. Aber auch andere Rassen leiden unter den verschiedensten Krankheiten, welche zu einer kürzeren Lebenserwartung führt. Sogenannte Mischlinge sind die genetisch gesünderen Individuuen.

Doch der Mensch hat sich sogar selbst domestiziert. Der Übergang von einer Jäger und Sammler-Gesellschaft zu einer sesshaften Farmer-Gesellschaft, brachte Vor- und Nachteile. Mehr Nahrungsmittel waren vorhanden und die Abstände zwischen Geburten verringerten sich aufgrund der Sesshaftigkeit. Die Population stieg an. Dies führte aber auch dazu, dass sich neue Infektionskrankheiten entwickelten, die sich nur in einer dichten Population entwickeln konnten. Genetische Veränderungen führten zur Entwicklung von Resistenzfaktoren (unter anderen die AB0 Blutgruppen), einer adulten Laktose Persistenz und einem besseren Alkoholmetabolismus für das im westlichen Eurasien getrunkene, nährstoffreiche Bier. Die Verkürzung des Kiefers, im Gegensatz zu unseren Hominiden Vorfahren, zeigt ebenfalls, analog zum Fuchs-Experiment, ein Merkmal des weniger aggressiven und wilden Menschen auf.

Vorschau: Nächsten Monat geht es um die Kristalle in unserem Ohr.

Seepferdchen- Männer in einem neuen Licht

Seepferdchen- Männer in einem neuen Licht

Mythen um die Seepferde: Eine Skulpur in der schweizer Stadt Vevey (Foto: © tokamuwi/pixelio.de)

Anmutige Rösser zogen einst Poseidons Wagen. Ihre Nachfahren, die Hippokampen, waren Wesen, deren vordere Hälfte einem Pferd und die hintere Hälfte einem Fisch, nahezu schlangenähnlich lang, glich. Dieses Bild des Seepferdes ist wohl durch eine falsche Beschreibung eines echten Seepferdchens entstanden. Beide Wesen sind in der Heraldik, also in der Gestaltung eines Wappens, oft genutzte Wappentiere und sollten nicht miteinander verwechselt werden.

Seepferdchen kommen weltweit in allen tropischen Meeren vor, die meisten Arten leben um Neuseeland und Südaustralien. Sie ernähren sich von Plankton und sind einzigartig in ihrer Form. Anders als normale Fische, die ihren Schwanz zur Fortbewegung seitlich bewegen, nutzen die Seepferdchen ihren Wickelschwanz hauptsächlich, um sich an Seegras festzuhalten.

Seepferdchen gehören zu den Seenadeln, deren Gemeinsamkeit der langgezogene, dünne Körper ist. So gibt es unter den Seenadeln ebenfalls Nadelpferdchen, die aussehen wie langgestreckte, auseinandergezogene Seepferdchen, Fetzenfische, die wie Seepferdchen mit blätterförmigen Anhängen zur Tarnung scheinen, und Schlangennadeln, die kleinen langen Röhrchen in der Küstenlandschaft gleichen, ohne eine einzige Flosse.

Seepferdchen- Männer in einem neuen Licht

Verliebt: Ein Seepferdchenpaar bei der Balz (Foto: © Joachim-Reisig /pixelio.de)

Die größten Seepferdchen werden bis zu 35 Zentimeter lang. Die kleinsten unter ihnen, die Zwergseepferdchen, sind zwischen 13 und 22 Millimeter klein. Diese haben sich in ihrem Erscheinungsbild so stark an ihre Umgebung angepasst, dass Forscher sie in einer eigenen Gattung neben den eigentlichen Seepferdchen zusammenfassen.

Eine der bekanntesten Eigenarten der Seepferdchen ist ihre Fortpflanzung. Das Weibchen wählt sich das Männchen mit dem größten Bauch aus. Dort hinein legt sie nach dem langwierigen Balztanz im Seegras ihre Eier, die das Männchen befruchtet und ausbrütet. Das Seepferdchen ist das einzige Tier bei dem allein das Männchen die Eier ausbrütet und sozusagen schwanger wird. Nach neun bis 45 Tagen werden die klitzekleinen aber bereits voll entwickelten Jungen geboren. Von da an sind sie auf sich selbst gestellt.

Seepferdchen- Männer in einem neuen Licht

Einem Seepferd doch sehr ähnlich: Eine Seenadel (Foto: © joakant/pixelio.de)

Die umgekehrten Geschlechterrollen können auch evolutionäre Folgen haben. Zwar sind Seepferdchen innerhalb einer Brutsaison monogam, doch andere Seenadeln, die die gleiche Fortpflanzungsstrategie haben, nicht. Während sich in vielen Spezies Merkmale entwickeln mit denen das Männchen auf sich aufmerksam macht, zum Beispiel der Pfauenschwanz, so können sich bei manchen Seenadel – Weibchen ebenfalls Merkmale entwickeln mit denen diese auf sich aufmerksam machen, wie zum Beispiel eine leuchtend farbige Verzierung. Oft haben andere Spezies auch ein polygynes Fortpflanzungssystem, also ein Männchen paart sich mit vielen Weibchen. Seenadeln haben ein polyandrisches System, also ein Weibchen paart sich mit vielen Männchen.

Wieder einmal können die Menschen nur von der Natur lernen. Geschlechterrollen sind nicht strikt und können auch umgedreht sein. Wenn die männlichen Leser unter euch also einmal Väter werden, solltet ihr an das Seepferdchen denken. Denn so eine Schwangerschaft ist nicht leicht und ihr solltet euch überlegen, ob ihr dazu bereit wärt diese Rolle zu übernehmen.

Vorschau: Nächste Woche lest ihr in der Tier&Umwelt Rubrik was sich hinter dem Begriff der „Essbaren Stadt“ verbirgt.

„Garfield wäre der Prototyp für meine Traumkatze“

Die besinnliche Zeit drei Wochen vor dem Heiligabend will jeder bei seinen Liebsten, in tierischer und menschlicher Gestalt, verbringen. Face2Face wollte wissen, welches Tier für wen eine besondere Bedeutung hat und warum.
Dabei begegneten wir Katzen- und Hundeliebhabern, exotischen Geschichten und sehr extravaganten Lieblingstieren.

Mag es auch mal exotischer: Ann-Katrin Becker mit einem jungen Krokodil in Miami (Foto: Becker)

Mag es auch mal exotischer: Ann-Katrin Becker mit einem jungen Krokodil in Miami (Foto: Becker)

„Sie merken, wenn es dir schlecht geht und muntern dich auf. Wenn du fröhlich bist, kommen sie zum spielen“: Ann-Katrin Becker aus Karlsruhe spricht von dem typischen Freund des Menschen, dem Hund. Selbst habe sie zwar keinen Vierbeiner, aber irgendwann will sie mal einen Grauhaardackel haben, „und der soll dann Rüdiger heißen“. Ihren Nymphensittich sowie Vögel allgemein mag die 22-jährige ebenfalls sehr gerne. „Mein Sittich heißt Kamikaze, weil er nicht so ausgeprägte Flugkünste hat. Seine Flugversuche sind eher selbstmörderisch“, erzählt sie.

„Garfield wäre schon der Prototyp für meine Traumkatze“, stellt der 23-jährige Tom Neubert fest. Selbst hat er keine Katze, aber das solle sich später ändern. Bis dahin findet er jede „richtig flauschige Katze einfach cool“. Er habe dann immer das Verlangen, diese zu kraulen, wenn sie irgendwo herum liegen.
Besonders gefällt es dem Studenten aus Darmstadt, dass Katzen so selbstständig sind und von selbst kommen, wenn sie etwas wollen.

Dem stimmt auch Simone Hartmann aus Dietzenbach zu: „Mein Lieblingstier? Das ist hundertprozentig die Katze“. Die seien im Vergleich zum Hund viel pflegeleichter, gingen alleine Gassi und auf die Toilette und kämen nur zum kuscheln, wenn sie es wirklich mögen.

Bewundert ihren intelligenten Kater Shrecky: die Studentin Simone Hartmann (Foto: Hartmann)

Bewundert ihren intelligenten Kater Shrecky: die Studentin Simone Hartmann (Foto: Hartmann)

„Katzen sind Charaktertiere und ich mag es, dass sie ihren eigenen Kopf haben und so intelligent sind. Sie wissen sich immer selbst zu helfen“, erklärt die 26-jährige.

Die in Namibia geborene Arndis Werrlein ist hingegen etwas exotischer veranlagt: „Ich liebe Schlangen, Geckos, Giraffen, eigentlich alle Tiere Afrikas. Natürlich auch die aus Europa, aber die afrikanischen sind besonders schön.“

Sieht bedrohlich aus, ist aber ganz harmlos: Die Königsypython von Arndis Werrlein (Foto: Werrlein)

Sieht bedrohlich aus, ist aber ganz harmlos: Die Königsypython von Arndis Werrlein (Foto: Werrlein)

Eine 2,50 Meter lange Felsen-Python hatte sie in Namibia selbst schon auf dem Arm, zu Hause muss sich die 22-jährige mit einer Königspython, die bis zu 1,50 Meter lang werden kann, zufrieden geben.

Etwas außergewöhnlich kann man auch Gesa Seidels Lieblingstier, die Libelle, nennen. Die 21-jährige aus Bielefeld hat sogar eine Libelle an ihrer Halskette hängen. „Diese Tiere haben einfach schöne Farben und sehen nicht alle gleich aus. Man kann sie sich ansehen, aber nicht besitzen“, so die Journalistin aus Darmstadt.
Früher sei sie oft in der Lüneburger Heide gewesen, „da gab es viele Libellen und ich habe sie immer fotografiert“.

Gesa Seidel ist fasziniert von den zarten Flugtieren: Libellen sind eher seltene Lieblingstiere (Foto: Berger)

Gesa Seidel ist fasziniert von den zarten Flugtieren: Libellen sind eher seltene Lieblingstiere (Foto: Berger)

„Pferde. Es sind nicht unbedingt die Tiere an sich, sondern dass, was sie mir beigebracht haben. Verantwortung, Respekt, Dominanz“, erzählt die 20-jährige Lisa Maas aus Waldsee. Die edlen Vierbeiner haben sie von klein auf begleitet und seien dadurch zu ihrem Lieblingstier geworden.

Seit Jahren ein unzertrennliches Team: Waldseeerin Lisa Maas und ihr Lippizaner Lucky Boy (Foto: Maas)

Seit Jahren ein unzertrennliches Team: Waldseeerin Lisa Maas und ihr Lippizaner Lucky Boy (Foto: Maas)

„Es ist ein Gefühl von bedingungsloser Liebe, wenn ich Zeit mit meinem Pferd verbringe. Und es verlangt keine Gegenleistung.“

Yannick Müller, 21, aus Ortenberg liebt Eulen: „Die haben etwas mystisches und sind wie ich nachtaktiv.“ Die Faszination für die Waldtiere sei durch eine Eule, die mal in seinem Schuppen überwinterte, ausgelöst worden. „Seitdem erfreue ich mich immer an Eulen im Zoo oder am Fernsehen. Toll an ihnen sind ihre großen Augen und dass sie den Kopf um fast 360 Grad drehen können.“

Ein sehr beweglicher Kopf und große Augen: Das bewundert Yannick Müller (Foto: Lobig)

Ein sehr beweglicher Kopf und große Augen: Das bewundert Yannick Müller (Foto: Lobig)

„Es ist schön, wenn man nach Hause kommt und da ist jemand, der sich unheimlich freut“ findet Ines Vondracek, die bis vor zwei Jahren selbst einen ungarischen Jagdhund, einen Viszla hatte. „Ich habe seine großen, flauschigen Ohren geliebt und es war ein Familienhund, auch wenn er manchmal schwer zu erziehen war“, erinnert sich die 20-jährige.
Zwar sei ein Hund viel Arbeit, aber durch ihn kommt man viel nach draußen und hat mehr Bewegung.
Außerdem erzählt sie: „Obwohl er ein so großer Hund war, wollte er sich immer auf meinen Schoß legen und geschmust werden. Hunde bringen viel Freude.“

Hatte schön große flauschige Ohren: Der ungarische Vizsla Justus (Foto: Lobig)

Hatte schön große flauschige Ohren: Der ungarische Vizsla Justus (Foto: Lobig)

Vorschau: Am nächsten Donnerstag lest ihr den für dieses Jahr letzten Teil meiner Vegetarier-Serie.

„Jeder Mensch kann so einfach helfen“

Unvergesslich: Linda Tellington-Jones erzählt mir von ihrer Arbeit (Foto: Hoffmann)

Unvergesslich: Linda Tellington-Jones erzählt mir von ihrer Arbeit (Foto: Hoffmann)

„TTouch for you“ heißt das Buch von Linda Tellington-Jones, das über die Tellington-Arbeit mit den Tieren hinaus erklärt, wie man auch Menschen mit der Stimulierung ihrer Zellen glücklicher machen kann. Die interessantesten Geschichten entstehen meist durch Zufall: So wie auch an Lindas Seminartag in Dudenhofen, an dem sie zufällig an einen Burnout-Patienten gelangt, dem ihre Touches zu mehr Ruhe im Alltag verhelfen.

„Was ist dein Lieblingstouch, Linda?“, frage ich die kanadische Pferdefrau bei ihrem Besuch in Dudenhofen. Die 73-jährige legt ihren Handrücken auf meinen Oberarm, sieht mich an, und sagt „Dieser Touch steht noch in keinem meiner Bücher, der Orang-Utan Touch“. Sehr beruhigend und äußerst effektiv fühlt es sich an, wenn die Erfinderin der Tellington-Methode höchstpersönlich ihre Arbeit demonstriert.
„Und was ist deiner?“, entgegnet sie mir anschließend.  „Die tollsten Erfahrungen habe ich mit der Ohrenarbeit gemacht, bei Mensch, Pferd, Katze, Hund, Esel, Hase, wem auch immer.“
Linda sieht mich begeistert, aber auch neugierig an. Ich solle mehr erzählen.
Ich berichte ihr von dem faszinierensten Erlebnis, das ich durch den sogenannten „Ohren-Touch“, der für Entspannung und innere Ruhe sorgen soll, gemacht habe.

Einmalig beruhigend: Linda demonstriert an einem vierbeinigen Seminarteilnehmer die Ohrenarbeit (Foto: Hoffmann)

Einmalig beruhigend: Linda demonstriert an einem vierbeinigen Seminarteilnehmer die Ohrenarbeit (Foto: Hoffmann)

„Mein Papa leidet seit ein paar Jahren an dem Burnout-Syndrom. Wenn er Panikattacken hat oder eine innere Unruhe spürt, bin ich die einzige, abgesehen von Tabletten, die ihn dann entspannen kann“, erkläre ich. Linda ist hin und weg. „Immer, wenn ein Tier oder Mensch in meinem Umfeld Kreislaufprobleme hat, sich unsicher fühlt, aufgeregt ist oder nicht zur Ruhe kommen kann, wende ich diesen Touch mit dem Zeigefinger und dem Daumen an“, berichte ich weiter.

Was man damit erreichen kann? Die Ohrenarbeit ist deshalb so essentiell und effektiv, da man in sehr kurzer Zeit durch die Stimulierung der Zellen einem Lebewesen Entspannung in den ganzen Körper schicken oder den Kreislauf wiederherstellen kann.

Pferde werden mit Hilfe der Ohrenarbeit, durch die der Kreislauf angeregt wird, immer häufiger aus einer Kolik gerettet. Kleintiere, die kein Vertrauen in Menschen haben, entspannen sich zwischen Daumen und Zeigefinger eines Zweibeiners. Und ebendiese, die beispielsweise vor einer Prüfung beunruhigt sind, können sich kurzfristig entspannen.

„Kannst du den Seminarteilnehmern von deinen Erfahrungen berichten?“, fragt Linda mich nach dem Interview. Kurze Zeit später steht mein Papa in der Reithalle neben Linda, die kurzerhand die verschiedensten entspannenden Touches an ihm ausprobiert.

Spontan: Linda testet entspannende Touches an dem kurzfristig her bestellten Burnout-Patienten (Foto: Hoffmann)

Spontan: Linda testet entspannende Touches an dem kurzfristig her bestellten Burnout-Patienten (Foto: Hoffmann)

Das Publikum lauscht interessiert, als ich die Geschichte noch einmal durch das Mikrofon erzähle. „Was ich damit sagen will“, beende ich meine gedankliche Exkursion, „jeder von euch kann mit einer so kleinen, einfachen Berührung in den brenzligsten Situationen eine Menge bewirken. Wem die vorgestellten Problemsituationen bekannt vorkommen – macht euch ans Werk. Ihr könnt so einfach helfen.“

Glücklich: Mein Papa, ich und Linda Tellington-Jones nach einem etwas anderen Seminarteil (Foto: Hoffmann)

Glücklich: Mein Papa, ich und Linda Tellington-Jones nach einem etwas anderen Seminarteil (Foto: Hoffmann)

Vorschau: Am nächsten Donnerstag findet ihr hier den nächsten Teil der Serie „Tierisch gute Teams“, Alex und sein Papagei Lola. 

Tierisch gute Teams, Teil 4 – „Spontan auf den Hund gekommen“

Diana & Andy

Bis man zu einem Tier ein echtes Vertrauensverhältnis aufgebaut hat, bedarf es viel Geduld, Pflege und Ausdauer. Das beweisen die hier vorgestellten Teams, die anfangs noch gar nicht geglaubt hatten, eben ein solches mit ihrem Tier werden zu können. Diana geht seit sieben Jahren gemeinsam mit ihrem kleinen Hund Andy durch die Welt und hat in ihm einen lieben, anhänglichen Freund gefunden, der sie durch den Alltag begleitet.

„Eigentlich wollte ich ja gar keinen Hund, meinen Sohn wollte aber immer unbedingt einen“, erzählt Diana Sattel. Ihr Mann wollte damals einen Yorkshire – Terrier haben – und so hat sich die Familie bei einem Züchter erst einmal über die Rasse informiert. „Wir wollten aber eigentlich nicht sofort einen mitnehmen“, so die 43-jährige.
Aber dann sei alles anders gekommen. „Wir haben uns die Hunde angeschaut, ich habe mich auf den Boden gesetzt und einer hat sich auf meinen Schoß gesetzt und wollte da nicht mehr weg“, erinnert sie sich. „Das war dann Andy, ein Yorkshire-Terrier, der jetzt seit sieben Jahren bei uns ist“.
Damals war er 14 Wochen alt und Diana hatte zu Hause nichts für einen Hund vorbereitet. Da sei sie dann erstmal in den Kölle-Zoo gefahren und habe Zubehör gekauft.  

Treu und gehorsam: Andy im Grünen ohne Leine (Foto: Sattel)

Treu und gehorsam: Andy im Grünen ohne Leine (Foto: Sattel)

Auch wenn Diana eigentlich, wenn überhaupt, einen Dobermann wollte, bereut sie es nicht, damals Andy mit nach Haus genommen zu haben. „Er ist einfach nur lieb. Er will nur dabei sein und ist mit dem, was er hat und mit jeder Sekunde, in der du ihn beschäftigst, zufrieden“, erklärt die Römerbergerin.
Zudem vertrage er sich auch mit anderen Tieren, spielt sogar mit Katzen und ist „nicht so ein Kläffer wie viele andere kleine Hunde“, meint Diana. „Eigentlich ist er wie ein Großer. Putzig, aber mutig.“ Jetzt würde sie sich gar keinen großen Hund mehr kaufen. „Den kleinen Andy kann ich einfach überall mit hinnehmen, manchmal auch zu beruflichen Seminaren“, erzählt die Diplominformatikerin.

Sie ist zwar voll berufstätig, verbringt aber trotzdem so viel Zeit wie nur möglich mit Andy: „Nach dem Aufstehen gehe ich direkt mit ihm Gassi. Zwanzig Meter vor dem Haus bleibt er auf dem Rückweg dann stehen, weil er weiß, dass ich gleich auf die Arbeit gehe und er alleine ist“, berichtet die 43-Jährige. Wenn sie wieder nach Hause komme, renne er schwanzwedelnd auf sie zu und sie verbrächten den Rest des Tages meist zusammen.

Immer zusammen unterwegs: die Diplominformatikerin und ihr Yorkshire-Terrier (Foto: Sattel)

Immer zusammen unterwegs: die Diplominformatikerin und ihr Yorkshire-Terrier (Foto: Sattel)

Hin und wieder nimmt sie ihn mit zu ihrem großen Pferd, dem bayrischen Warmblut „Dino“. „Das ist total witzig, Dino ist total interessiert an Andy und beschnuppert ihn immer vorsichtig, aber der hält lieber einen gesunden Abstand, hat aber auch keine Angst“.
Auch wenn der Yorkshire-Terrier noch nicht einmal so groß ist wie der Kopf des Pferdes, laufe er neben Diana und Dino immer brav mit.
Eine ganz besondere Vorliebe des Hundes sei es aber, heimlich in Schränke zu kriechen. „Da haben wir ihn einmal aus Versehen eingeschlossen und sehr lange auf der Straße wie verrückt gesucht“, erinnert sich Diana.

Auch wenn sich Dianas Leben seit Andy komplett verändert hat und sie nicht einfach mal ohne ihn lange weg kann, ist er für sie wie ein Baby und unentbehrlich. „Wenn er nicht da ist, fehlt ein Stück von mir“, gibt die Hundebesitzerin zu.
Sie hat mittlerweile ihr Leben teilweise nach dem Vierbeiner ausgerichtet. „Weil er jede Nacht bei mir im Bett, im Sommer auf und im Winter unter der Decke, schläft, hat er zum Bett hin extra drei Stufen, damit er alleine hochsteigen kann“, erzählt sie.

Vorherige Serienteile „Tierisch gute Teams“: Teil 1: Steffi und Barney, Teil 2: Svenja und Pico, Teil 3: Sonja und Daisy

Vorschau: Am nächsten Donnerstag könnt ihr ein Exklusiv-Interview mit der kanadischen Pferdetherapeuthin und Erfinderin der Tellington-Touch Methode, Linda Tellington-Jones, lesen.

Mit Tieren an seiner Seite, nicht zwischen den Zähnen

Vegetarier-Serie Teil 1 

Hälfte der Tiere landet im Müll

Einige Tierarten werden heutzutage nur noch zum Verzehr gezüchtet – und das unter Lebensbedingungen, gegen die Tierschützer seit jeher kämpfen. Tierliebe, eine bewusste Ernährung, manchmal sogar Kostengründe: Das sind oft die Ursachen dafür, dass Menschen sich für ein Leben ohne Fleisch, für ein Leben als Vegetarier, entscheiden. Face2Face fragt nach, wodurch sie dazu kamen und wie sie nun ihr Leben gestalten. Susanne (17) geht gerade in die zwölfte Klasse und erzählt face2face von ihren Beweggründen für eine fleischfreie Ernährung.

Face2Face:Wie kamst du dazu, Vegetarierin zu werden?                                                  
Susanne:
Vor vier Monaten haben wir im Sozialkunde Leistungskurs den Film „We feed the world“ gezeigt bekommen. Darin hat man die Massenfabriken gesehen, in denen die Hühner maschinell gefüttert, gehalten und getötet wurden. Da wurde mir erstmal richtig bewusst, was für ein kurzes und dann auch noch schreckliches Leben die Tiere haben, nur damit wir Fleisch auf dem Teller haben. Mir ist da wirklich der Appetit vergangen. Ein Steak habe ich zum Beispiel auch nie gerne gegessen, weil ich währenddessen immer an das arme Tier denken muss.
Jeder sagt immer „Wenn ich jetzt aufhöre, Fleisch zu essen, bringt das ja nicht groß etwas“, aber irgendwie muss ja mal ein Anfang gemacht werden. Direkt nach dem Film habe ich dann auch beschlossen, ab jetzt auf Fleisch zu verzichten.

Mit Tieren an seiner Seite, nicht zwischen den Zähnen

Gemeinsam gesund essen: Susanne und ihr Pferd Negra in der Mittagspause im Stall (Foto: Lobig)

Face2Face: Was ist dein Beweggrund, kein Fleisch zu essen?
Susanne: Ich unterstütze es einfach nicht mehr, dass Tiere so ein grausames kurzes Leben haben müssen. Zudem wird immer viel zu viel Fleisch weggeworfen. Also werden die Tiere unnötig gezüchtet, schlecht gehalten und geschlachtet, da sie später teilweise sowieso im Müll landen. Früher wurden die Tiere ordentlich gehalten und nur so viel geschlachtet, wie auch gegessen wurde. Heute werden sie als Massenware abgefertigt und die Menschen gehen mit Lebewesen einfach unverantwortlich um.

Face2Face: Würden die Tiere artgerecht gehalten werden, würdest du dann Fleisch essen?
Susanne: Eventuell schon, aber dann nur in Maßen. Schwein oder Rind könnte ich aber gar nicht mehr essen, da wird es mir einfach übel. Geflügel, also Pute oder Hühnchen habe ich schon immer gerne gegessen, aber die werden ja am schlimmsten gehalten. Das ist mir jetzt erst so bewusst geworden. Wenn überhaupt, dann halten kleine Bauern ihre Tiere noch artgerecht, weil sie diese nur für den Eigenverbrauch und einen kleinen Verkauf züchten. Aber bei diesen Mengen, die heute konsumiert werden, ist eine artgerechte Haltung und Züchtung ja utopisch.

Face2Face: Was hat sich verändert seitdem? Fühlst du dich besser?
Susanne: Ja, und zwar in dem Sinne, dass ich ein reines Gewissen haben kann, keine Tiere zu essen, die unglücklich waren und nur für den Kochtopf auf die Welt kamen. Also psychisch fühle ich mich verändert, körperlich nicht, ich habe auch keine Mangelerscheinungen oder ähnliches. Ich stehe dazu und akzeptiere natürlich auch, dass andere das nicht so machen. Die meisten Leute kann man von dem Vegetarier-Dasein sowieso nicht überzeugen. Ich bin stolz, diese Einsicht gehabt zu haben, aber ich versuche nicht, andere dazu überreden, weil man das aus eigener Überzeugung tun sollte.

Face2Face: „Vegetarier essen den Tieren das Essen weg“: Provokante Sprüche wie dieser – was sagst du dazu?
Susanne: Über so einen Quatsch denke ich erst gar nicht nach. Wir essen doch sowieso keine Tiere aus der freien Wildbahn, sondern aus der Fabrik. Und die dort bekommen irgendwelches Industrierfutter, das nur dick machen soll. Von Obst und Gemüse ist in der Natur genug für alle vorhanden.

Mit Tieren an seiner Seite, nicht zwischen den Zähnen

Teilen gerne: Susanne und Pferd Negra (Foto: Lobig)

Face2Face: Wie stehst du selbst zu Tieren?
Susanne: Ich liebe Tiere, ich habe selbst eine Katze und ein Pferd, die für mich teilweise gleichgestellt sind mit menschlichen Freunden. Da kann ich auch nicht nachvollziehen, dass manche Pferd essen. Und ich kann mir auch nicht vorstellen, einen Freund zu essen.

Face2Face: Was würdest du dir wünschen in Bezug auf den Fleischverzehr in der heutigen Gesellschaft?
Susanne: Es sollte nur noch produziert werden, was auch wirklich gegessen wird, damit nicht so viel weggeworfen wird. Die Leute sollten bewusster mit dem Fleisch umgehen – das waren mal Lebewesen, die auch mehr Wertschätzung verdient haben, dafür dass die Menschen sich durch sie ernähren können. Eine gerechte Haltung der Tiere ist bei dem jetzigen Fleischkonsum meiner Meinung nach unmöglich.

Face2Face: Wie ernährt man sich ohne Fleisch? Dein Lieblingsrezept?
Susanne: Hauptsächlich fehlt ja das Eiweiß, wenn man kein Fleisch mehr isst. Aber das kann man wunderbar mit Milchprodukten und Obst und Gemüse ausgleichen. Solche typischen Vegetarier-Produkte wie Tofu mag ich gar nicht, ich komme auch ohne diese klar. Sehr gerne esse ich, seit ich Vegetarierin bin, eine chinesische Wokpfanne selbstgemacht. Das schmeckt auch nur mit Karotten, Bambussprossen, Paprika, Ingwer und Reis, ganz ohne Fleisch. Mittlerweile gibt es so viele Gerichte, die auch vegetarisch schmecken, da man das Fleisch so leicht durch Gemüse ersetzen kann.

Vorschau: Am nächsten Donnerstag erscheint der nächste Teil der Serie „Tierisch gute Teams“ – Diana mit ihrem kleinen Begleiter Andy.

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Mehr zum Thema Vegetarismus findet ihr hier:

Vegetarisch essen, Teil 1: Fakten, Fakten, Fakten
Vegetarisch essen, Teil 2: Tipps rund um den fleischfreien Genuss

Tiere, Bilder, Emotionen

Harte Hörner, weicher Kern: Auch Ziegen sind manchmal gerne beste Freunde des Menschen (Foto: Lobig)

Harte Hörner, weicher Kern: Auch Ziegen sind manchmal gerne beste Freunde des Menschen (Foto: Lobig)

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Ein Blick reicht als Aussage oft schon aus – das gilt auch bei Tieren. Jedes einzelne, selbst wenn es kein typischer bester Freund des Menschen ist, zeichnet einen eigenen Charakter aus. Fotos, die diesen zeigen, sind erst besondere Fotos. Immer wieder fällt Fotografen auf, dass die außergewöhnlichsten Bilder durch Zufall und in der Bewegung entstehen. Darum gibt es heute eine Fotogalerie der witzigsten, besondersten und ausdrucksstarksten Bilder von den verschiedensten Tieren zu sehen.

Höhenflug: So sieht es aus, wenn zwei junge Pferde zusammen frei laufen dürfen

Höhenflug: So sieht es aus, wenn zwei junge Pferde zusammen frei laufen dürfen (Foto: Lobig)

Motzig: Verschiedene Tiere, verschiedene Charaktere, verschiedene Launen

Motzig: Verschiedene Tiere, verschiedene Charaktere, verschiedene Launen (Foto: Lobig)

Menschlich: Manchmal könnten sich auch Katzen einfach nur an den Kopf fassen

Menschlich: Manchmal könnten sich auch Katzen einfach nur an den Kopf fassen (Foto: Lobig)

Edel: Erst in der Bewegung sind die Tiere besonders fotogen

Edel: Erst in der Bewegung sind die Tiere besonders fotogen (Foto: Lobig)

Gelenkig: Große Tiere werden, was ihre Körperbeherrschung angeht, oft unterschätzt

Gelenkig: Große Tiere werden, was ihre Körperbeherrschung angeht, oft unterschätzt (Foto: Lobig)

Faszinierend: Auch ein Waldkauz (Eule) trägt Charakterzüge, die man an seinem Ausdruck ablesen kann

Faszinierend: Auch ein Waldkauz (Eule) trägt Charakterzüge, die man an seinem Ausdruck ablesen kann (Foto: Lobig)

Auf dem Weg zum richtigen Weg – oder: Warum ich diese Rubrik hier schreibe

Auf dem Weg zum richtigen Weg - oder: Warum ich diese Rubrik hier schreibe

Nah dran: Alle Geschichten der Rubrik sind eigen erlebt und recherchiert mit viel Herz (Foto: Lobig)

 Es ist mir ein riesiges Anliegen, die Beziehung zwischen Mensch und Tier noch mehr in den Vordergrund zu rücken und den Menschen zu zeigen, wie besonders so ein vertrautes Verhältnis sein kann. Darum schreibe ich diese Rubrik – ich möchte einen Einblick in die Welt von besonderen Beziehungen zwischen Mensch und Tier bieten und unseren Lebensgefährten damit mehr Würdigung schenken. In unserer heutigen schnelllebigen Welt voller Hetze müssen wir lernen, wieder besser hinzuschauen, zu hinterfragen, aufmerksam zu sein. Und dabei können uns die Tiere helfen – denn sie geben viel zurück, und man lernt aus und mit ihnen so vieles, das Menschen niemals vermitteln können.

 Seit 11 Jahren habe ich nun mit Pferden zu tun und das Reiten und der Umgang mit den edlen Tieren sind zu meiner Leidenschaft geworden. Auf einem Reiterhof, der sich nach der FN richtet reiten gelernt, habe ich schnell gemerkt, dass für mich in dieser Reitweise die Entspannung und die Losgelassenheit sowie die Harmonie zwischen Mensch und Pferd zu kurz kommt. So kam ich zu Sonja Sattler, Reitlehrerin und Reittherapeutin, um regelmäßig mit Pferden zu tun haben zu können. Sie legt wert auf ein respektvolles Miteinander zwischen den Menschen und auch zwischen Mensch und Tier und achtet darauf, dass die Pferde mitdenken und reagieren dürfen und nicht das Maul verboten bekommen. Genauso wichtig ist es ihr und wurde es dadurch mir, zu spüren und beobachten, was unsere Gefährten gerade fühlen und wie es ihnen bei dem, was der Mensch mit ihnen anstellt, geht. In gefährlichen Situationen können unsere denkenden Pferde so oft schneller als wir reagieren und Schlimmeres umgehen. Bis heute ist Sonja meine Reitlehrerin und ich habe unglaublich viel, nicht nur in der Dressur, sondern auch im aufmerksamen Unterrichten, im harmonischen Pferdeumgang sowie natürlich über die Ecole de Legerete gelernt. Respekt gegenüber dem Pferd, das soviel für uns tut, obwohl es uns nichts schuldet, sollte für jeden Pferdemensch das wohl wichtigste sein. Was man aber heute im Turniersport und in den Reitclubs sieht, beweist traurigerweise das Gegenteil : Zwangsmittel, grober Umgang mit dem Pferd und die als „Rollkur“ titulierte Misshandlung des wehrlosen Tieres dominieren den Alltag, ohne dass es vielen bewusst ist. Die Menschen machen nichts dagegen, Reaktionen von seiten des Pferdes werden mit Hilfe von Sperrriemen und scharfen Gebissen clever unterbunden…Einfach schade, wie ich finde, was man heute im Umgang mit den Tieren zu sehen bekommt. Darum orientiere ich mich an der klassischen, französischen Reitweise, der Ecole de Legerete, die auf Harmonie zwischen Mensch und Pferd und eine schmerzfreie, sinnvolle Ausbildung abzielt.  Anhand mir und meinem treuen Begleiter, meiner Araberstute Waju, die sehr kompliziert war, aber für die, sowie für jedes Pferd dieser Welt, die Legerete kompatibel ist, konnte ich die „Leichtheit“ der Ausbildung und die schnellen, aber pferdefreundlichen Erfolge nachvollziehen. Ich fühle mich, seitdem ich diese Reitweise kenne, auf meinem Pferd erstmals auf dem Weg zum richtigen Weg.

Tiere – unsere Vorbilder und der Inbegriff von Menschlichkeit

Zehn Gründe, die Tiere zu besseren Menschen machen….

 „Liebe mich, wenn ich es am wenigsten verdient habe, denn dann brauche ich es am meisten“ – Allzu treffend ist dieser Spruch in Bezug auf Menschen, die bei Tieren Halt suchen. Den zu bekommen gestaltet sich anfangs vielleicht schwieriger. Beweist der Mensch aber Herz und Interesse, ist das Tier eine Stütze von langer Dauer.

Erstens : Tiere sind immer (für) dich da – bedingungslos. Sie spüren schneller, wenn es dir schlecht geht und leisten dir einfach Gesellschaft, ohne Fragen zu stellen.

Zweitens : Sie haben keine Vorurteile. Es geht ihnen nicht um Aussehen und sonstige äußere Dinge, sondern um Herz und Ausdruck.

Drittens : Die Beziehung zwischen Mensch und Tier basiert auf einem ausgeglichenen Geben und Nehmen. Wer aufmerksam ist und für das Tier vertrauensvoll wirkt, bekommt genau so viel zurück, wie er gibt.

Viertens : Tiere können nicht sprechen – zumindest nicht die Sprache der Menschen. Umso aufmerksamer müssen Menschen ihnen zuhören. Wer das kann, sollte es schätzen und der Welt erzählen.

Fünftens : Niemals werden dich Tiere verletzen. Sie sind durch und durch ehrliche Wesen, deren Augen dein Verhalten widerspiegeln.

Sechstens : Vergessen können unsere tierischen Begleiter nicht. Hast du einmal ihr Vertrauen gewonnen, gehört dir ein Platz in ihrem Herzen. Verbinden sie aber schlechte Erinnerungen mit dir, wirst du das nie wieder ändern können.

Siebtens : Tiere erziehen dich zu Ehrlichkeit – du kannst ihnen nichts vormachen.

Achtens : Mit ehrlichen Mitteln kannst du dir das Vertrauen eines Tiers erkämpfen. Dazu braucht der Mensch zwar mehr Geduld als bei Artgenossen – dafür schließt er dann aber einen Pakt für die Ewigkeit.

Neuntens : Tiere haben einen freien Willen, der niemals gebrochen werden kann. Du kannst sie zu nichts zwingen, da sie sich niemals verstellen würden. Sie bleiben sich selbst in jeder Lage treu – darauf ist Verlass. Ein Charakterzug, von dem sich so gut wie jeder Mensch eine Scheibe abschneiden kann.

Zehntens : Das, was wir menschlich nennen, verkörpern meist vielmehr die Tiere. Herz und Verständnis zeigen, fair und rücksichtsvoll sein, selbstlos zu jemandem stehen und den Gegenüber ohne Oberflächlichkeiten als einzigartig wahrnehmen: Das sind Dinge, die man unter Menschlichkeit. Menschen können scheinbar also noch viel von Tieren lernen…

Die zehn Herzensgebote unserer Vierbeiner

Die zehn Herzensgebote unserer Vierbeiner

Unzertrennlich: Wenn Mensch & Pferd sich lieben (Foto: Lobig)

Erstens :
Was du nicht willst, dass man dir tut, das füge niemals mir zu! – Verletze mich nicht, denn ich bin dir immer ein treuer Partner, auch wenn du nicht immer gerecht bist.

Zweitens :
Ich habe Nerven, Sehnen, Gelenke, mein Blut fließt, wie deins. Verletze mich nicht, denn ich kann dir meine Schmerzen nur schwer kenntlich machen, wenn du so blind bist.

Drittens :
Ich begleite dich von Tag zu Tag. Ich habe deinen Respekt verdient, wie du meinen. Verletze meinen Stolz nicht, von dieser Demütigung kann ich mich nie mehr erholen!

Viertens :
Ich lebe bei dir und mit dir, so wie du das willst. Doch meine Urinstinkte und Bedürfnisse werde ich nie ablegen, darum berücksichtige meine Natur.

Fünftens :
Du bist mein Freund. Das ist unbezahlbar – ich bin unbezahlbar. Gebe mich nur in gute Hände, lege nicht deine Verantwortung ab, nur weil du an dich denken musst.

Sechstens :
Lektionen kannst du mir lehren, meine Treue musst du dir mit der Zeit erarbeiten, gehorsam bin ich dir erst, wenn sich deine Vertrauenswürdigkeit bewährt hat. Missbrauche niemals mein Vertrauen, es kehrt nie wieder so zurück, wie es gegangen ist!

Siebtens :
Verliere niemals den Draht zu mir, unterbreche unsere Verbindung nicht, sonst verlernen wir, zu kommunizieren. Ohne Dialog kein Verständnis.

Achtens :
Habe Geduld mit mir, bestrafe mich nicht für das, was durch meine Natur vorbestimmt ist. Ich kann lernen, wie du. Eine ungezügelte Zunge aber beängstigt mich noch viel mehr.

Neuntens :
Ich stehe dir immer bei und spüre, was du fühlst und wie es dir geht. Doch ich bin nicht dazu da, deine Lasten zu tragen und für deine Fehler gerade zu stehen. Missbrauche nicht meine Gutmütigkeit und mein stilles Schweigen.

Zehntens :
Wirf dein Herz voraus, dein Tier wird ihm folgen!
Verletze nicht deine Pflicht, mich so artgerecht wie möglich zu halten.