Die Würfel rollen – mein erstes Rollenspiel

Mehr braucht es nicht: Stift und Papier ( Foto: EsaRiutta / pixabay.de)

Mehr braucht es nicht zum Rollenspiel: Stift und Papier ( Foto: EsaRiutta / pixabay.de)

Die Würfel explodieren. Aus sechs Augen werden 12, dann 18, 23. Ein anerkennendes Raunen geht durch den Raum. Der Golem fällt um wie ein Becher auf dem Kinderessplatz. Laut, aber wirkungsvoll. Noch ein zwei Würfe und das Spiel ist vorbei. Natürlich gab es keinen echten Golem, keine echten Dämonen oder Monsterspinnen. Nach drei abendfüllenden Treffen habe ich nun mein erstes Rollenspiel hinter mich gebracht. Es schäme sich, wer nun an etwas Schmutziges denkt. Ich meine ein einfaches „Pen & Paper“ Rollenspiel, zu dem ich mich habe verleiten lassen. Und ich fand es grandios.

Der Weg dorthin

Nun gibt es bestimmt Augenrollen und Schulterzucken. Gerne werden Rollenspiele mit Stift und Papier als Kram für sogenannte ‚Nerds‘ oder ‚Geeks‘ abgetan. Manche behaupten auch, die Spielart sei auf dem Rückzug, längst überholt. Immerhin gibt es virtuelle Möglichkeiten in andere Welten einzutauchen und Abenteuer zu erleben, ‚Quests‘ zu absolvieren und Erfahrungspunkte (EPs) zu sammeln. Und auf der anderen Seite gibt es die, die aufs Ganze gehen und Rollenspiele als ‚live Rollenspiele“ erleben wollen. In Gewandung und mit einer Biografie, die aus dem Geschichtsbuch stammen könnte. Ich aber bin um diese Bereiche immer wieder herumgestreunt, habe aber weder das eine noch das andere ausprobiert. Bis jetzt.

Mit Stift oder Gewandung

Wie Sitting Bull und Buffalo Bill: Wild West live Rollenspiele (Foto: skeeze / pixabay.de)

Wie Sitting Bull und Buffalo Bill: Wild West live Rollenspiel (Foto: skeeze / pixabay.de)

Es wäre zu einfach mal wieder dem Mann die Schuld zu geben, der ‚Pen & Paper“ während der Schulzeit gespielt hat. Und außerdem irgendwie sexistisch. Wahrscheinlich wäre dies aber eine Erfahrung gewesen, die ich zwar immer interessant gefunden hätte, aber nie vom Gedanken zur Tat gekommen wäre, gäbe es da nicht unsere Freunde. Diese Freunde meinen es ganz ernst. Am liebsten tauchen sie in ihre Rollen beim Wild West ‚live‘ Rollenspiel, mit Kind und Kegel, historischem Kinderwagen und selbstgenähten Kleidern, die hier nicht Kostüme heißen, sondern Gewandung. Historische Rollenspiele also. Aber sie kennen sich auch aus in der Welt der Star Trek Rollenspiele, bei Herr der Ringe, Star Wars, und und und. Und neben der Begeisterung für das vollständige Eintauchen in eine selbst gewählte Rolle mögen diese Freunde auch noch das klassische ‚Pen & Paper‘. Nach einem gemeinsamen Krimi Dinner hatten sie mich schließlich soweit. Wir kauften uns Würfelsets und der Spaß konnte beginnen.

Spielleiter …

Zu viert bestritten wir unser erstes Abenteuer, zusätzlich muss es immer einen Spielleiter geben, der kreativ auf die Entscheidungen der Spieler eingeht, die Regeln beherrscht, die Handlung sowieso. Außerdem gibt es solche Figuren, die nicht von den Spielern gesteuert werden, NSCs. Das können Dorfbewohner, Helfer, fantastische Wesen, aber auch die Gegner sein. Dass wir dabei in eine fantastische Welt gerieten lag dann wohl wirklich an mir, denn dieses Genre ist mein liebstes. Genauso gut wäre aber ein Horror-Plot, ein Science Fiction Abenteuer oder sonst eine Geschichte möglich gewesen.

… und Spieler

Werden gebraucht: viele, viele bunte Würfel (Foto: cocozi / pixabay.de)

Werden beim Rollenspiel gebraucht: viele, viele bunte Würfel (Foto: cocozi / pixabay.de)

Als Spieler gibt es erst einmal einen Charakterbogen, der erklärt, welche Eigenschaften die Figur hat, die im Spiel gesteuert wird. Entscheidungen und Aktionen hängen dann vom Würfelergebnis ab. Bei uns mussten wir mindestens eine Vier würfeln, um überhaupt Möglichkeiten auf Erfolg zu haben. Wer den höchstmöglichen Wurf schafft – beim klassischen Würfel mit maximal sechs Augen (ein W6) wäre das also eine Sechs – darf noch einmal würfeln. Es gibt aber noch mehr Würfel die beim ‚Pen & Paper‘ genutzt werden können. Vom W4 bis zum W100 ist eigentlich alles möglich. Ganz so wild wurde es bei uns dann nicht. Erstaunlich schnell war ich in der Materie, in meiner Rolle, in meinem Element. Spaß macht so ein Rollenspiel mit Stift und Papier – das nichts anderes als ein kreatives Gesellschaftsspiel ist – vor allem dann, wenn der Plot sich entwickelt. Wer direkt durch die Handlung marschiert, kommt zwar schneller ans Ziel, lernt aber auf ungeahnten Wegen auch weniger kennen. Wir jedenfalls haben uns direkt ins nächste Abenteuer mit unserer Gruppe gewagt. Mein Mann als narzisstischer Elf und ich als naturverbundene Animistin. Und die Würfel rollen.