Von und Für Studierende: Ohne Stress durchs Studium

Prüfungsstress und Koffein

Prüfungsstress: wenn eine Deadline die Nächste jagt. (Foto: J. Feth)

Ich spreche aus eigener Erfahrung, wenn ich sage, dass ein Studium zu einer gewissen Zeit im Jahr mit sehr viel Stress verbunden ist. Meistens fällt dieser Zeitraum in die sogenannte Klausurenphase, in der eine Deadline die nächste jagt und Studierende sich vor Klausuren kaum retten können. Mit Tipps meiner Eltern wie „Fang doch einfach früher an zu lernen“, kann ich schon lange nichts mehr anfangen. Da wir uns nun langsam aber sicher dem neuen Jahr nähern, habe ich mich unter Studierenden mal umgehört und nachgefragt, welche Tipps sie haben, um stressfrei durchs Studium zu kommen. Ein neues Jahr bedeutet ja schließlich auch neue Vorsätze und wer freut sich nicht über ein bisschen weniger Stress während der Prüfungszeit?

Fünf Tipps für weniger Stress im Studium

Tipp Nummer 1: Genug Schlaf

Mit Schlaf während des Studiums, aber vor allem während der Klausurenphase ist das so eine Sache. Manche schaffen es tatsächlich, die von Experten empfohlenen acht Stunden einzuhalten, in denen der Körper Zeit hat seine Energiereserven wieder aufzufüllen. Andere hingegen schlagen sich mit fünf bis sechs Stunden Schlaf durch die Studienzeit. Allerdings ist genau das ein entscheidender Faktor, der in Stresssituationen beachtet werden sollte, um den Körper und auch das Gehirn nicht überzustrapazieren. Ausreichend Schlaf kann gut dabei helfen, das Stresslevel zu senken und für die nötigen Erholungsphasen zu sorgen, die der Mensch vor allem in Dauerstress-Situationen dringend braucht. Wer also von morgens bis abends am Schreibtisch verbringt und wieder einmal viel zu viel Lernstoff in viel zu kurzer Zeit in sein Hirn hämmern muss, sollte darauf achten, die Nacht mit mindestens acht Stunden Schlaf zu füllen.

Tipp Nummer 2: Organisation ist alles

Wenn die Klausur nun immer näher rückt und die Panik den Körper überfällt, ist Organisation der Schlüssel zur Stressreduzierung. Dabei helfen kann beispielsweise ein Arbeitsplan, in dem zu lernende Themen aufgelistet werden und eine Deadline bestimmt wird, bis wann die Themen gelernt sein sollen. Diese Methode unterstützt dabei, sich einen Überblick über die Lage zu verschaffen und die wirren Gedanken im Kopf zu ordnen. Auch Unterlagen sortieren oder To-Do-Listen schreiben kann hilfreich sein, um Struktur in den Lernprozess zu bringen.  Ist im Hirn erstmal Ordnung eingekehrt, ist es auch einfacher sich dem Lernstoff zu widmen und nach und nach die Themen abzuarbeiten. (Nur sollte das Aufräumen nicht zum Prokrastinieren genutzt werden!).
Auch ein ordentlicher Schreibtisch – befreit von jeglichen Störfaktoren wie Smartphones oder anderen elektronischen Geräten – ermöglicht eine stressfreie Lernatmosphäre.

Tipp Nummer 3: Anspannung und Entspannung

So wie ein erholsamer Schlaf in der Nacht dem Körper ermöglicht seine Energiereserven wieder aufzufüllen, ist es für den Körper während stressiger Phasen notwendig, auch einmal zu entspannen. Nach jeder Anspannungsphase sollte daher eine Entspannungsphase folgen. So ist es ratsam, nach ein bis zwei Stunden konzentrierten Lernens eine 20-minütige Pause einzulegen, in der man den Kopf auf andere Gedanken bringt und die Aufmerksamkeit auf etwas völlig anderes lenkt.

Sport, Menschen in Bewegung gegen Stress

In Bewegung: mit Sport gegen den Stress ankämpfen. (Foto: Klicker ( pixelio.de)

Da es unterschiedliche Arten von Menschen gibt, kann diese Entspannungsphase für jeden etwas anderes sein: Sport treiben, spazieren gehen, sich mit Freunden auf einen Kaffee treffen oder einfach nur etwas lesen. Das alles kann dem Körper helfen, sich einem Rhythmus anzupassen und dadurch das Stresslevel zu reduzieren. Wichtig dabei ist: Die Entspannungsphase sollte nicht zu lange dauern, da sonst der Einstieg in die Anspannungsphase erschwert wird.

Tipp Nummer 4: Einfach mal das Handy weg!

In Zeiten von sozialen Netzwerken und fortgeschrittenen Technologien kann auch das Smartphone einen der größten Stressfaktoren in unserem Leben darstellen. Das Gefühl, immer auf dem neusten Stand sein zu müssen oder einfach mal die Bilder durch zu schauen die auf Instagram gerade erscheinen kann in unserem Körper Stress auslösen, selbst wenn wir diese kurze „Auszeit“ nicht als Stress empfinden. Daher gilt: Während der Lernphase einfach mal das Smartphone auf lautlos stellen und außer Sichtweite platzieren. So wird man auch von einem aufleuchtenden Bildschirm nicht abgelenkt oder hat das Bedürfnis, schnell auf ankommende Nachrichten antworten zu müssen.

Ohne den Störfaktor Smartphone ist es besser möglich, sich auf den zu lernenden Stoff zu konzentrieren und ohne Abschweifungen bei einem Thema zu bleiben. Ganz anders sähe es aus, wenn das Smartphone durchgehend dafür sorgen würde, die Aufmerksamkeit auf alles andere zu lenken, nur nicht auf die Prüfungsvorbereitungen.
Dadurch können wir also unser Stresslevel deutlich reduzieren und uns auf eine Sache zu einem Zeitpunkt fokussieren. Pausen können dann dazu dienen, das Bedürfnis nach Neuigkeiten zu stillen oder den neuesten Trend auf Instagram, Twitter und Co. zu verfolgen.
Wer wissen will wie es sich eine Woche ohne Smartphone lebt und ob das unser Leben wirklich stressfreier macht, der kann hier mal vorbeischauen.

Tipp Nummer 5: Sport oder Meditation

Bereits zuvor wurde erwähnt, dass auf Anspannungsphasen auch Entspannungsphasen folgen sollten. Für viele Menschen ist daher Sport ein besonders guter Weg, den Kopf frei zu bekommen und für eine Weile abzuschalten. Des Weiteren wird durch Bewegung der Kreislauf angeregt und das Gehirn mit Sauerstoff versorgt. Dadurch lässt es sich nach einer kurzen Sporteinheit konzentrierter und fokussierter arbeiten, was auch den Stressfaktor lindert.

Auch das Meditieren kann eine stressreduzierende Wirkung auf den Körper haben. Durch Videos aus dem Internet ist es auf einfachstem Weg möglich zu lernen, wie man seine Atmung kontrollieren kann und sich seines Körpers bewusst wird. Besonders zwischen Lerneinheiten können ohne großen Aufwand Übungen eingelegt werden, die dem Körper auf eine spezielle Art und Weise helfen, sich zu entspannen. Mehr über das Thema Meditieren lest ihr hier.

Bloß keinen Stress!
Alles in allem kann Stress unterschiedlich bekämpft oder reduziert werden. Die hier aufgeführten Tipps stellen lediglich eine kleine Auswahl aus unzähligen Möglichkeiten dar, die anwendbar sind, aber nicht für jeden Typ geeignet sein müssen. Letztendlich ist es wohl doch besser den altbekannten Rat anzunehmen und rechtzeitig und früh genug anzufangen, für die Prüfungen zu lernen. Und wer diese Weisheit vor der nächsten Prüfungsphase wieder einmal nicht beherzigt hat, der sei beruhigt: An den meisten Universitäten gibt es einen Zweit- oder Drittversuch für Prüfungen, in denen man im ersten Durchgang durchgefallen ist. Also bloß keinen Stress, der nächste Versuch wird hoffentlich besser!

Geplant – Verplant

Alles geplant? Wer seine Zeit einteilt, hat oft mehr davon (©Maurits Malgo / pixelio.de)

Alles geplant? Wer seine Zeit einteilt, hat oft mehr davon (©Maurits Malgo / pixelio.de)

Mein Alltag ist hektisch. Dafür sorgen, dass die Kinder gegessen haben, Kindergartentaschen richten, Spülmaschine ausräumen, Spülmaschine einräumen, Kinder in den Kindergarten bringen, Arbeiten gehen, Recherchieren, Artikel schreiben, Masterarbeit schreiben, Katze füttern, Schwangerschaftsvorsorge, Kinder aus dem Kindergarten abholen, Einkaufen, Aufräumen, Kochen, Kinder ins Bett bringen. Und dann habe ich eventuell noch ein paar Minuten, um ein Buch zu lesen, noch ein paar Zitate zu überprüfen und mich zu duschen, ehe ich scheintot ins Bett falle.

Hektisch, ja. Stressig, ja. Schlimm? Überhaupt nicht! Not macht erfinderisch, und meine Not kann nicht als solche bezeichnet werden. Ich habe mir ja die Eckpfeiler meines Lebens ausgesucht. Studium, Kinder, Ehe, Arbeit, das alles wollte ich und ich wollte nicht warten, bis ich eines abhaken konnte, um zum nächsten zu gelangen. Getreu dem Motto „I want it all and I want it now“ sammle ich stattdessen immer mehr Elemente, die mein Leben aus meiner Sicht vervollständigen. Marmelade kochen, Gurken einmachen, Vereinsarbeit. Alles geplant also. Wer hat gesagt, eine arbeitende Frau könne nichts mehr neben dem Beruf haben, oder eine Mutter nichts mehr neben ihren Kindern? Humbug! Geht alles.

Alle Termine im Blick: wer viel geplant hat, muss auch vieles beachten (©GG Berlin / pixelio.de)

Alle Termine im Blick: wer viel geplant hat, muss auch vieles beachten (©GG Berlin / pixelio.de)

Eines aber macht mein Leben nötig, so wie viele andere auch: Selbstorganisation. Das heißt nicht nur, dass ich wissen muss, wann die Spülmaschine ein oder auszuräumen ist, die Wäsche aufzuhängen oder zu waschen. Das heißt nicht nur, dass ich meine Termine und die meiner Familie immer im Blick haben muss. Ich muss koordinieren, wann ich was erledige, so dass ich weder in Verzug gerate, noch ein anderer Teil meines Alltags darunter leidet. Beispiel? Momentan schreibe ich täglich etwa fünf Seiten für meine Masterarbeit. Das versuche ich stets zu erledigen, ehe mein Mann heim kommt oder die Kinder abgeholt werden müssen. Meinem Mann bleiben für solche Aufgaben wegen der längeren Arbeitszeit nur die Stunden, wenn die Kinder im Bett sind. Geht auch.

Die Wahrheit ist doch, jeder von uns muss irgendwann anfangen sich selbst zu organisieren. Manche lernen schon zu Schulzeiten, für ihre Hausaufgaben und Hausarbeiten selbst verantwortlich zu sein, ohne dass Mama immer dahinter steht und den Zeigefinger schwingt. Andere werden auch im Studium noch so verhätschelt, dass sie keine Zugfahrt überstehen, ohne dass ihnen ein Elternteil übers Telefon Anweisungen gibt, wo sie aussteigen müssen oder wann der nächste Zug fährt. Viele schaffen es auch, sich vom Elternhaus gleich in eine Beziehung zu stürzen, in der der andere die Mehrheit der Entscheidungen trifft und damit auch die Verantwortung trägt. Es gibt sie also, die Menschen, die mit 30 noch nicht begriffen haben, wie sie ihren Alltag organisieren können. Die bis Nachmittags im Bett liegen und sich dann wundern, wenn die Geschäfte schon zu haben, weil Mittwoch ist. Die sich sorglos frei nehmen und nicht verstehen, dass andere auf Ferienzeiten oder Urlaubstage angewiesen sind.

Feierabend? Auch Erholung wird geplant (©Günther Gumhold / pixelio.de)

Feierabend? Auch Erholung wird geplant (©Günther Gumhold / pixelio.de)

Selbstorganisation ist wichtig. Durch sie wird mein Alltag zwar hektisch aber auch schön. Ich kann das Kuscheln mit meiner Tochter genießen, ohne an unkorrigierte Arbeiten denken zu müssen, die auf mich warten. Ich kann die Füße hochlegen, verschnaufen, lesen, fernsehen oder einfach nur nichts tun, weil ich weiß, dass ich meine Arbeit erledigt bekomme. Alles geplant. Und die Tage, an denen es nicht so gut funktioniert, wenn ein Kind krank wird, oder ich selbst einen Presslufthammer im Kopf habe, wenn jeder Zug Verspätung hat und mein Mann im Stau steht, diese Tage fallen nicht so schwer ins Gewicht. Sie gehen vorbei, denn schon meine Mutter wusste: Morgen sieht alles ganz anders aus.

Für viele von uns ist Selbstorganisation selbstverständlich. Doch sich in Erinnerung zu rufen, dass wir sie erst lernen musste und dass andere sie vielleicht noch lernen müssen, hilft uns nicht nur zu erkennen, wie wichtig sie ist. Wir erkennen auch, wo unsere Planung  vielleicht nicht so rund läuft, und bei wem wir gar keine entdecken können. Organisation ist die Ordnung unseres Alltags, aber sie muss nicht perfekt sein. Denn nur, wo es Chaos gibt, kann es auch Ordnung geben. Nur, wenn wir wissen, wie es ist, wenn nichts mehr klappt, können wir uns freuen, wenn einfach mal alles aufgeht. Denn mal ehrlich: wir lieben es, wenn ein Plan funktioniert.

Vorschau: Nächste Woche gibt es von Sascha einen Perspektivenwechsel, wenn er über eine Stadtführung in einer Fremdsprache berichtet.

Wer ist hier der Boss?

Der eine nennt es Hierarchie, der andere salopp Hackordnung. Gemeint ist das Gleiche: Es geht um eine Regelung, wer Entscheidungen treffen darf, wer das Sagen hat, also wer der Chef ist.

Wer ist hier der Boss?

Majestätisch: In einem Löwenrudel ist ganz klar, wer das Sagen hat. (© Jürgen Hüsmert/Pixelio.de)

Hierarchien gibt es auch im Tierreich: Jedes Rudel hat seinen Anführer, in jedem Hühnerstall gibt es einen Hahn, oft nennt man das stärkste und erfahrenste Tier auch Alpha-Tier. Überall, wo mehrere Vertreter einer Art zusammenleben, gibt es eine klare Struktur. Einer hat das Sagen, die anderen müssen oder sollten wenigstens spuren.

Da ist es nur logisch, dass auch wir Menschen eine Ordnung in unserem Zusammenleben brauchen. Ganz offensichtlich ist sie in Unternehmen, wo es einen Chef gibt, dann einen Vorstandsvorsitzenden, einen Abteilungsleiter, oder auch den „schlichten“ Angestellten. Genauso findet sich beispielsweise vor Gericht eine Rangordnung. Der vorsitzende Richter hat die höchste Entscheidungsgewalt, die Anwälte können auch noch etwas bewirken, dürfen Fragen stellen. Der Zeuge soll eigentlich nur Antworten liefern und der unbeteiligte Zuschauer hat überhaupt nichts zu melden.

Selbst in Familien gibt es so etwas wie eine Hierarchie. Meistens sind es die Eltern, die dem Kind Vorschriften machen, doch manchmal drehen die Kinder den Spieß auch um, vor allem, wenn sie älter werden. Oft ist es auch so, dass sich die älteren Geschwister den jüngeren überlegen fühlen und so entsteht ein gewisses Gefälle in den Positionen, die jeder innehat.

Hierarchien sind eigentlich überall, sie sind aber auch notwendig. Denn nur so entsteht eine Struktur im Zusammenleben oder Zusammenarbeiten und diese Struktur bedeutet Handlungsfähigkeit. Ohne wären Stillstand und Chaos auf der Tagesordnung.

Die einzige Frage, die sich stellt: Wie flach ist die Hierarchie? Es gibt sehr stark vertikal ausgerichtete Ordnungen, in denen klar feststeht, wer der Boss ist, wer auf der nächsten Stufe steht bis hinunter zu dem, der eigentlich kaum etwas zu entscheiden hat. Bei einer flachen Hierarchie ist es im Gegensatz dazu so, dass die Stellung aller angeglichen ist, ein Gefälle im „Rang“ wird mehr oder weniger nivelliert.

Wer ist hier der Boss?

Alle in einem Boot: Doch einer ruht sich lieber aus, während die anderen rudern. (© Pascal Werth)

Ganz klar: Flache Hierarchien sind optimal, wenn es um die Entfaltung des Einzelnen geht, schließlich hat jeder die Möglichkeit, sich einzubringen. Doch genau das ist auch die Schwachstelle dieser Ordnung. Jeder hat nicht nur die Chance, mitzureden, er trägt auch die entsprechende Verantwortung. Wer Entscheidungen trifft, muss diese auch vertreten – bei flachen Hierarchien ist das so ziemlich jeder. Außerdem kann ein System mit geringem Gefälle im Rang ein wenig träge sein. Vor allem dann, wenn einige sich lieber ausruhen, anstatt mitzuarbeiten. Denn die flache Hierarchie lebt gerade vom Engagement eines jeden – Faulpelze sind da Sand im Getriebe.

Eine straff organisierte vertikale Struktur hat demgegenüber den Vorteil, dass nur wenige entscheiden dürfen und müssen. Beispiel Unternehmen: Die Verantwortung trägt der Boss, in jeder Abteilung ist der Abteilungsleiter zuständig und muss geradestehen für das, was unter ihm geschieht. Wer ganz unten in der Hierarchie steht, muss sich zwar deutlich weniger mit Entscheidungen und Verantwortung abmühen, die das Unternehmen betreffen. Aber dafür muss er sich auch mit dem abfinden, was „oben“ ausgehandelt wird. Der Einfluss von unten ist nicht so einfach, muss erst wieder strukturiert erfolgen. Wer wirklich etwas zu sagen haben will, der muss sich hocharbeiten und auch das ist oftmals schwerer als gedacht, vor allem wenn die nötigen Kontakte fehlen.

Struktur brauchen wir zum Leben und zum effektiven Arbeiten sowieso. Wie diese Struktur aussieht, ist eine Frage des Geschmacks sowie der eigenen Ambitionen und des persönlichen Engagements. Flache Hierarchien geben uns viel, fordern aber auch genauso viel von uns ein; vertikale Systeme können als starres, einengendes Korsett empfunden werden, bieten aber auch ein relativ hohes Maß an Sicherheit. Man muss sich eben entscheiden, wo die persönlichen Prioritäten liegen.

Vorschau: In der Kolumne der nächsten Woche gibt Eva Tipps, wie man am besten entrümpelt und wieder etwas Ordnung schafft.

Der Hochzeitswahnsinn

Es ist also soweit. Noch im letzten Jahr konntet ihr an gleicher Stelle lesen, wie furchtbar ich den Hochzeitstwahnsinnswettbewerb auf Facebook finde. Und jetzt? Ich habe geheiratet und tatsächlich erfolgreich vermieden, im Vorfeld Planungsstand, kritische Momente und Vorfreuden öffentlich zu machen. Doch schon am Tag nach dem großen Fest kursierten 30 Fotos im globalen Netz, ganz ohne mein Zutun. Irgendwo hört der Arm der Braut auf, vor allem, wenn sie keine Braut mehr ist. Doch darum soll es hier nicht gehen, sondern um Chaos und Ordnung und den ganz normalen Wahnsinn.

Der Hochzeitswahnsinn

Stilecht: Mit Kutsche zur Kirche (Foto: Bernatz)

Den Anfang macht ein goldener Tipp an alle Hochzeitsplanenden: macht so viel wie möglich selbst. Verteilt die Planung nicht, denn was am Anfang Arbeit nimmt, wird später purer Stress, wenn die Teile sich zusammenfügen, überlappen und durcheinander geraten. Wer die Fäden in der Hand hält weiß, wo Probleme auftreten und wie sie zu umgehen sind. Und Rat kann sich der Planer dann immer noch holen. Das sollte er auch. Bei Menschen, die Feiern schon öfters geplant haben, in Ratgebern, bei den Eltern, den Freunden und am Wichtigsten: dem Partner.

Und die zweite goldene Regel ist: Egal wie gut ein Fest geplant ist, es wird immer etwas schief gehen. Beispiele? Am Vorabend der Hochzeit mussten wir feststellen, dass der Raum doch kleiner war, als gedacht. Die komplette Tischordnung wurde innerhalb von zwanzig Minuten umgeschmissen, neu geordnet und mit Kompromissen versehen. Plötzlich fehlten zwanzig Tassen und Untertassen, die Tischdecken wurde in den letzten Tagen fertig genäht, die Kuchenliste wurde in der letzten Nacht verdoppelt und nach der Trauung konnten wir feststellen, dass zwei fest eingeplante Gäste schon mal gar nicht gekommen waren. Doch da hört der Spaß nicht auf.

Der Hochzeitswahnsinn

Unikate: die raffinierten Ringe für die Ehe (Foto: Obermann)

Zu unserer großen Überraschung war uns das Wetter gut gesinnt. Schon beim Standesamt blieb der angekündigte Regen aus, und am Samstag fand tatsächlich die Sonne den Weg zu uns. Doch dieses Wetter im Zwischenbereich führte dazu, dass es nicht warm genug war, um unseren Getränkevorrat wirklich zu verdünnen, und nicht kalt genug, um unser Büffet zu leeren. Aber lieber zu viel haben, als zu wenig. Und vor allem: locker bleiben. Der in letzter Minute aufgestellte Geschenktisch wurde so nahe an unser Gästebuch gestellt, dass viele das Buch für ein Geschenk hielten und die Einträge deswegen etwas mau ausgefallen waren. Locker bleiben solltet ihr auch bei den vielen Spielen und Aktionen. Bei dem Tanzwettbewerb zwischen Braut und Bräutigam, dem obligatorischen Er-oder-Sie-Quizz, dem gemeinsamen Baumstammzersägen, …

Im Großen und Ganzen lief aber alles gut. Der vergessene Brautstrauß erreichte die Kutsche, bevor wir an der Kirche waren, der Reifrock wurde dank fachkundiger Hilfe schnellstens wieder repariert. Unsere einmaligen Eheringe von der Goldschmiede Eckart passten wie angegossen, der Hochzeitslikör für die Gäste wurde mit Freude angenommen, die Fotografin wartete geduldig, bis der Vater des Bräutigams wieder aufgetaucht war und das französische Brautkleid nahm keinen Schaden. Die Einwegkameras landeten brav im bereitgestellten Karton. Der DJ  von Evergreen Entertainment und die Karaoke war im Übrigen eine grandiose Idee. Noch um vier Uhr grölten Bräutigam, Brautbruder, sein bester Freund und der Trauzeuge „Quit playing games with my heart“. Mit allem Chaos und aller Planung kamen wir auf eine wundervolle Hochzeit. Nur mein Mann muss sich noch an seinen neuen Nachnamen gewöhnen.

Vorschau: Nächste Woche geht es hier um den Masochismus beim Rennradfahren.