Vier Schwestern und der Kampf um den ESC

Spätestens seit Lenas „Satellite“ sind auch wir in Deutschland alle ein bisschen Eurovision Songcontest (ESC). Bereits seit über 50 Jahren ist dieser Wettbewerb eines der Highlights der europäischen Musikwelt. Ob Newcomer wie die Siegerin des letzten Jahres, Conchita Wurst, oder alt eingesessene Künstler, wie das schwedische Quartett ABBA – der ESC war und ist schon immer ein anziehendes Ereignis.

Spannend für die deutsche Musikwelt ist der Vorentscheid für die Auswahl des diesjährigen deutschen Vertreters. Seit einigen Jahren haben dabei nicht nur die großen Stars des Business die Möglichkeit für Deutschland anzutreten, auch Newcomer bekommen die Chance im Clubkonzert eine begehrte Wildcard zu ergattern. Am 19. Februar ist es in Hamburg wieder so weit, der Kampf um die Wildcard zum Vorentscheid wird eröffnet. Zehn junge Künstler und Bands werden an diesem Abend gegeneinander antreten, um ihrem Traum von einer Teilnahme am ESC ein Stückchen näher zu kommen. Mit dabei ist auch die Wiesbadener Band „Ason“ und genau mit ihnen waren wir für euch im Interview.

Vorab: Ason, das sind Dorotea (20), Lillie (18), Joella (16) und Mickelina (12). Musik steckt den vier Schwestern im Blut. Das Singen hat ihnen ihre schwedische Mutter, die Sängerin ist, mit auf den Weg gegeben. Ihr Gefühl für Rhythmus haben die Wiesbadenerinnen vom Vater, der Schlagzeuger ist. Neben Schlagzeug spielen die jungen Musikerinnen auch Klavier, Gitarre und Bass. Ihr Song für den ESC heißt „Hey You“ und erzählt die Geschichte von einem Wiedersehen und von gemeinsamen Erinnerungen zweier Personen. Ihre Musik bezeichnen die vier Künstlerinnen generell mit den Worten „New. Free. Sound“.

Musikalisch: Musik liegt den vier Schwestern in den Genen. (Foto: Ason/ Jonathan Gaubatz)

Musikalisch: Musik liegt den vier Schwestern in den Genen. (Foto: Ason/ Jonathan Gaubatz)

Face2Face: „Eure Band heißt Ason. Was bedeutet der Bandname?“

Ason: „Der Name Ason ist eine Abkürzung von unserem Nachnamen Andersson. In   Schweden gibt es viele ähnliche Namen wie Eriksson, Svensson, Pettersson oder eben auch Andersson. Manche Schweden schreiben dann ihren Nachnamen einfach verkürzt auf. Man nimmt den ersten Buchstaben ein Semikolon und dann „son“. Bei uns wäre das dann zum Beispiel A:son. Wir haben jedoch beschlossen das Semikolon einfach wegzulassen.“

Face2Face: „Seit wann macht ihr Musik und wie habt ihr die Liebe zur Musik entwickelt?“

Ason: „Gefühlt: schon immer. Wir sind einfach mit Musik aufgewachsen. Das geht wahrscheinlich nicht anders mit so musikalischen Eltern. Wir haben schon als kleine Kinder gesungen und getanzt. Musik war und ist schon immer Teil unseres Lebens. Mit richtigem Musikunterricht haben wir mit circa sechs Jahren angefangen. Als Ason machen wir jetzt seit etwa eineinhalb Jahren Musik.“

Dorotea: Vor allem kommt die Liebe zur Musik auch vom Hören und Erleben. Ich war schon sehr früh bei den Auftritten meines Vaters dabei und durfte Musik live erleben. Schön ist es, wenn man sieht was Musik bei Menschen auslöst. Wenn man anfängt Musik mit dem Herzen zu fühlen und vor allem zu verstehen, dann kommt alles andere von allein.

Face2Face: „Habt ihr musikalische Vorbilder? Und gibt es Künstler, mit denen ihr gerne zusammenarbeiten würdet?“

Ason: „ Musikalische Vorbilder sind für uns Künstler wie Ed Sheeran, Goythe, The Script, U2, Peter Gabriel, Peter Fox, Sting und noch so einige andere. Und nicht zu vergessen natürlich auch unser Papa. Natürlich würden wir gerne mit unseren musikalischen Vorbildern mal gerne zusammenarbeiten, auch Andreas Bourani, George Ezra, Darwin Deez, Robyn, Kiefer Sutherland, Benedict Cumberbatch oder Martin Freemann würden auf so einer Liste ganz oben stehen.“

Face2Face: „Wie beschreibt ihr eure Musik jemandem, der noch nichts von euch gehört hat?“

Ason: „ Das was wir mit unserer Musik vor allem erreichen wollen, ist das wir etwas in anderen auslösen. Deshalb ist die Musik so wie wir sind – einfach bunt.“

Face2Face: „Für euch steht nun ein ganz besonderes Konzert an. Im Clubkonzert kämpft ihr um eine Wildcard für den ESC Vorentscheid? Wie kam es dazu und vor allem was fühlt ihr dabei?“

Ason: „Wir haben noch am Tag des Anmeldeschlusses unser Video eingereicht. Einige Tage später wurden wir angerufen, mit der Nachricht, dass wir dabei sind Es war ziemlich überraschend. Im Moment sind wir sehr gespannt, denn diese Zeit ist besonders aufregend aber gleichzeitig total schön. Jetzt heißt es erst einmal proben, proben, proben. Aber die Freude auf die nächste Zeit überwiegt.“

Face2Face: „Zu guter Letzt die Frage: wann und wo können wir euch hören? Wann kommt euer Album raus?“

Ason: „Also erst einmal dürft ihr natürlich am 19.Februar um 22 Uhr im Norddeutschen Rundfunk (NDR) mit uns mit fiebern und für uns Voten. Das Album werdet ihr dann hoffentlich bald in den Händen halten. Für dieses Jahr stehen schon einige Termine an. Die findet ihr übrigens immer ganz aktuell auf unserer Facebook-Seite: www.facebook.de/asonband.“

Die Face2Face-Musikredaktion wünscht Ason viel Erfolg beim Kampf um die Wildcard. Auch wenn die Band mit einem kleinen Wermutstropfen in den Ring steigt. Das Mindestalter beim ESC liegt für Teilnehmer bei 16 Jahren. Mickelina, die erst zwölf Jahre alt ist, wird nicht live auf der Bühne stehen können, sondern legendlich beim Auftritt eingeblendet werden.

Neues Jahr – Neue Musik

Das neue Jahr hält nicht nur neue Modetrends, neue Geschichten und neue Lebensentwürfe bereit, sondern auch ganz viel neue Songs und Bands. Eure Face2Face-Musikrubrik hat sich mal umgeschaut und stellt euch diesmal einige Newcomer und noch unbekannte „Alte Hasen“ vor.

Bilderbuch

Es stimmt, der Name lässt eher nicht auf eine Hip-Hop – / Indie-Rock – Band schließen, aber genau diese Art von Musik macht die österreichische Band Bilderbuch. Unbekannte sind sie nicht, immerhin sind sie in ihrer Heimat bereits seit 2005 aktiv im Musikbusiness. Die in Wien lebende Band um Sänger Maurice Ernst überzeugt die Musikwelt Österreichs und räumte zahlreiche Preise in unserem Nachbarland ab. Aber auch eine ganze Reihe deutscher Musiker hören die Platten der Jungs hoch und runter. Ob Farin Urlaub (die Ärzte), die Beatsteaks oder Casper, alle sind sie von der ihrer Musik begeistert. Bei den Beatsteaks spielten sie als Supportakt auf ihrer Tour und auch im Vorprogramm von Casper standen die unkonventionellen Österreicher auf der Bühne.

Nicht nur ihr Sound, sondern auch der Sprechgesang á la Falco (genau, auch er war Österreicher) reißen die Fans mit. Die Texte reichen dabei von Lebensweisheit bis völlig sinnlose Wortaneinanderreihungen. Da die Jungs aus dem Land des Skisports auf Hochdeutsch singen, stehen die Chancen nicht schlecht auch in Deutschland durchzustarten.

Tipp: Die aktuelle Single heißt „OM“ aus dem Album „Schick Schock“.

Kopfhörer auf und die neusten Alben durchgehört (Foto: V.Wahlig)

Kopfhörer auf und die neusten Alben durchgehört. (Foto: V.Wahlig)

Manchmal sind selbst wir überrascht, was die deutsche Musikwelt uns Jahr für Jahr für Schätze offenbart. Ähnlich ist es da bei der nächsten Band, die den Hörer in Traumwelten entführt.

Pentatones

Auch hier klingt der Name mal wieder A-typisch für den zugehörigen Sound. Denn hinter den Pentatones verbirgt sich melancholischer Elektro-Pop aus Leipzig. Einige Musikredakteure beschreiben die Songs der Sachsen als animalisch und regelrecht hypnotisierend. In ihrem Song „The Beast“ verpacken sie inhaltlich auch das Tier in uns allen, jedoch unterlegt mit sanften Klängen, die gar mystisch wirken.

Die Face2Face-Musikrubrik ist sich sicher, diese Klänge werden wir 2015 öfter hören. Immerhin wird das Quartett vom Berliner Musikproduzenten Robot Koch produziert, der uns bereits mit Casper, Marteria und OK Kid musikalisch beschenkt hat.

Tipp: Diesen Monat erscheint ihr Album „Ouroboros“ mit der Single „The Beast“.

Rae Morris

Das England nicht nur Tee, London und die Queen zu bieten hat, wissen wir dank musikalischen Größen wie den Beatles schon etwas länger. Da ist es nicht verwunderlich, dass der Blick 2015 auch wieder in Richtung Grüne Insel geht. Wer in seinem Plattenregal CDs von Florence and The Machine, Luke Sital Singh oder Clean Bandit hat, der kann nun bald eine neue CD dazustellen. Die Rede ist von der aus Blackpool stammenden Rae Morris. Ihre Stimme hörte man erstmals auf dem Album von Clean Bandit. Dieses Jahr macht sich die Engländerin selbstständig. Ende Januar erschien ihr Debütalbum.

Tipp: Das Album „unguarded“ ist voller Pop- und Elektro-Tunes und somit ideal zum Tanzen.

Kwabs

Seinen Namen kennt ihr vielleicht noch nicht, aber seine Stimme ist euch bestimmt schon mal im Radio begegnet. Mit seinem Song „Walk“ macht er eine Ansage an alle, die sich von Äußerlichkeiten leiten lassen. Nicht nur sein Song macht klar, dass man immer sein eigenes Ziel vor Augen haben sollte, auch sein Lebensstil untermauert dies. Er will seine Schwächen zu Stärken machen und dabei ganz gelassen bleiben. Kwabs wird von den Medien als überzeugender Hipster beschrieben, aber er ist mehr. Seinen Sprachfehler (er lispelt) macht er zur Tugend und trifft mit seinen Neo-Soul den aktuellen musikalischen Zeitgeist.

Tipp: Und auch hier könnt ihr euch freuen, das Debütalbum „Wrong Or Right” kommt diesen Monat auf den Markt

Artists to watch – Drei Künstler, die ihr im Auge behalten solltet

Künstler, die Ihr im Auge behalten solltet (Foto: L.Holfelder)

Künstler, die Ihr im Auge behalten solltet (Foto: L.Holfelder)

Das Musikbusiness ist ja bekanntlich sehr kurzlebig. Umso wichtiger ist es, Künstler zu beachten, die auf dem schmalen Grad zwischen bekannt und unbekannt wandeln. Talente gibt es viele, aber wirklich gepusht werden eigentlich nur die, die besonders auffallen. Das geht von Lady Gaga, deren Name wirklich Programm ist, mit ihren bunten und verrückten Outfits, bis hin zu Taylor Swift, die sich von der braven Countrysängerin zum männerjagenden Popsternchen entwickelt hat.

Aber nehmen wir ein bisschen Abstand von der Mainstreammusik und schauen lieber auf die noch unbekannten oder gerade aufsteigenden Sterne am Musikhimmel. Wir haben für euch drei Künstler aufgespürt, die man sich im Hinterkopf behalten sollte.

Vielversprechende Geschwisterkombo

Einigen müsste der Name Echosmith schon ein Begriff sein. Die Band um die vier Geschwister Graham, Sydney, Noah und Jamie sind zurzeit beim Fernsehsender VOX mit ihrem Song „Cool Kids“ in den Programmhinweisen zu hören und auch zu sehen. Mit ihrer Musik, die zum Indie-Pop zählt, versuchen die vier Amerikaner, weltweit fußzufassen. Hört man sich „Cool Kids“ an, ist man sofort im Lied mit drin. Und auch die anderen Songs auf dem Album „Talking Dreams“, das dieses Jahr neu releast wird, klingen sehr vielversprechend. Auf dem Youtube-Kanal der Band gibt es ein paar Musikeindrücke zum Reinhören.

Beruhigende Stimme

Der zweite Künstler heißt SoMo. In Deutschland noch unbekannt und auf den ersten Blick auch in Amerika noch eher unscheinbar, ist der 27-jährige Texaner Joseph Anthony Somers-Morales, aus dessen Nachnamen sich sein Künstlername SoMo ableitet. Schaut man aber auf seinen Youtube-Kanal mit fast 700.000 Abonnenten, bietet sich einem eine große Auswahl an gecoverten Liedern sowie eigene Songs. Sein eigener Song „Ride“ platzierte sich im November 2013 sogar in den Billboard Top 100, den amerikanischen Charts. Momentan ist SoMo in Amerika auf Tour und promoted sein Album „SoMo“. Seine Covers weichen meist etwas von den Originalen ab, was sich im ersten Moment ungewöhnlich anhört, covert SoMo doch vornehmlich R&B sowie Hiphop. Seine sogenannten Renditions, also Darbietungen, sind langsamer und ruhiger, seine beruhigende Stimme lässt die gecoverten Songs in einem ganz neuen Licht erscheinen.

Indie-Pop mit tiefer Stimme

Ihr Song „Strong“ war bereits in den deutschen Charts vertreten und auch andere Titel des Albums „If I wait“, aus dem auch „Strong“ ausgekoppelt wurde, sind sehr vielversprechend. Die Musik von London Grammar, einer dreiköpfigen Band aus Großbritannien, lässt sich dem Indie-Pop zuordnen und wirkt eher langsam und ruhig. Die tiefe Stimme der Frontsängerin Hannah Reid verleiht eine beruhigende Wirkung. Weitere veröffentlichte Songs der Band sind „Hey Now“ und „Nightcall“. Es lohnt sich auf jeden Fall, auf der offiziellen Seite der Band vorbeizuschauen.

Diese drei sind nur ein kleiner Auszug der vielen Künstler, die derzeit versuchen im internationalen Musikbusiness Fuß zu fassen. Bleibt zu hoffen, dass sie weiterhin an ihren Träumen festhalten und eines Tages so berühmt sind wie Lady Gaga oder Taylor Swift.

Mit Musik gegen die ganze Welt rebellieren

Mit Musik gegen die ganze Welt rebellieren

Ein Künstler mit dem Drang nach Veränderung: Rustler erschafft Welten.(Foto: NMDK Design und Darko Arts )

„Unterm Strich gibt es auf dieser Welt nur zwei Arten von Menschen. Du hast die Schwätzer und die Macher. Die meisten sind bloß Schwätzer, die können nichts als labern. Aber wenn alles gesagt ist, dann sind es die Macher, die diese Welt verändern. Und wenn sie das tun, verändern sie auch uns.“

Diese Worte stammen vom Tape eines Künstlers aus dem beschaulichen Stuttgart. Es ist die Einleitung in eine durch Musik geschaffene, eigene Welt, die einem die Augen öffnet und in einem satirischen Abschlussdialog endet.

Der Name des Künstlers ist Rustler und nach zwei Jahren harter Arbeit hat er seine Offenbarung herausgebracht. „Das Neuste Testament“ heißt sein Werk.

„Ich will damit ausdrücken, dass eine neue Ära angebrochen ist! Eine Ära, die uns Menschen immer weniger Mensch bleiben lässt, stattdessen darauf abzielt uns im stressüberfluteten Alltag immer mehr wie Maschinen funktionieren zu lassen und sich der Umgebung anzupassen“, erzählt Rustler im Face2Face-Interview, als nach dem Titel gefragt wurde.

„Das Neueste Testament“ ist ein Tape mit einer Länge von 28 Minuten. Es ist ein Stück, das man im gesamten Paket hören und auf sich wirken lassen muss. Uns erwartet kein klassisches HipHop/ Rap Album. Es geht nicht um Sex, Gras und Geld. Die Texte sind sozialkritisch und sprechen sich gegen die Machthaber dieser Welt aus. Unterstrichen werden die Texte von Filmsnippets (Anm. d. Red: Filmsnippets sind Audioausschnitte aus Filme die viele Musiker benutzen um entweder einen roten Faden herzustellen oder um ihre Musik zu untermalen). Rustler beanstandet, dass die Menschen unterdrückt werden, in ihrem Tun, in ihrem Sein. Der Druck auf die Menschen steigt, die ständige Erreichbarkeit macht die Humanität untereinander kaputt.

Im Interview mit Face2Face sagt er unter anderem dazu: „Demnach haben sich auch die wirtschaftlichen Verhältnisse verstärkt verändert und in unflexible Abhängigkeiten zugespitzt. Diese Änderungsprozesse wirken sich damit mehr oder weniger direkt auf unsere Meinungsfreiheit aus. Sei es dem Leistungsdruck geschuldet oder durch den Abbau des Datenschutzes etc. Aber nicht nur Verbote, sondern vor allem falsch vorgelebte Moral- und Wertevorstellungen führen u.a. auch dazu, dass die mediale Verblendung für Regierungen einfach zu gestalten ist, indem man wichtige Informationen bewusst vorenthält oder irreführend in die Öffentlichkeit trägt.“

Das Tape regt einen dazu an sich etwas bewusster mit diesen Situationen auseinander zu setzen. Es zeigt einem eine Lösungsmöglichkeit, einen Weg zu rebellieren, aufzustehen und zu protestieren. Die Musik besteht nicht nur aus typischen HipHop- Beats, sondern auch aus elektronischen Einflüssen – so hört man die Dramatik untermalende Dubsteptöne und auch etwas härteres Drum and Bass ist kurz zu vernehmen. „Das Neueste Testament“ ist ein Kunstwerk in sich.

Und Rustler ist ein Künstler, der die Augen der Menschen mit seinen Texten und seiner Musik öffnen möchte. Am besten beschreibt er das aber immer noch selbst: „So wie auch das Alte oder das Neue Testament einen vergangenen Zeitgeist anprangern und gleichzeitig einen Neuen auszurufen anstrebten, so soll auch dieses Tape dazu beitragen die Menschen offener für unsere aktuellen und täglich präsenten globalen Geschehnisse zu machen und für ein Umdenken zu sensibilisieren. Ich weiß, dass ich allein nur den sterbenden Schwan spielen kann, aber vielleicht kann ich dazu beitragen etwas ins Rollen zu bringen. Vor allem will ich zeigen, dass jeder die Möglichkeit besitzt etwas zu sagen – er muss es nur auch tun.“.

Am besten ihr überzeugt euch selbst von dem genialen Werk des Künstlers. Das Tape „Das Neueste Testament“ findet ihr auf der Künstlerseite auf Facebook.

Vorschau: Und nächste Woche findet ihr an dieser Stelle einen ausgiebigen Bericht über die Elektroszene in Hamburg.

„Musik mache ich eigentlich schon solange ich denken kann…“

„Musik mache ich eigentlich schon solange ich denken kann…“

Multitalent: Moritz „Moe“ Wanger ist Singer/Songwriter, Gitarrist und Produzent (Foto: Hertrampf)

Er ist 18 Jahre jung und hat schon große Pläne: Der Mutterstadter Musiker Moritz Wanger, Künstlername „Moe“. Nachdem er in diesem Jahr sein Abitur abgeschlossen hat, geht´s erst mal für ein Jahr nach Australien. Danach soll ein Musik-Studium oder auch der direkte Einstieg ins Musik-Business folgen. Wie er das schaffen will, erzählte er exklusiv auf Face2Face.

Face2Face: Wie bist du dazu gekommen, Musik zu machen?
Moe: Musik mache ich eigentlich schon solange ich denken kann… Angefangen habe ich als Fünfjähriger mit Klavierspielen, mit Acht hatte ich meine ersten Saxophonstunden und ab 13 kamen Gitarre-Spielen, Singen und Komponieren dazu. In meiner Familie war Musik schon immer eine wichtige Sache – das kommt wahrscheinlich von meinen Großeltern, die beide im Nationaltheater Mannheim Musiker waren.

Face2Face: Wie würdest du deine Musikrichtung beschreiben?
Moe: Das ist schwer zu sagen, da ich für verschiedenen Projekte jeweils auf unterschiedliche Stilrichtungen eingehe. Ich bin offen für fast alles und höre selbst die unterschiedlichsten Genres. Als Singer/ Songwriter würde mich aber im Pop- und Rock-Bereich einordnen.

Face2Face: Was hast du seit deinem Abitur im Frühjahr gemacht? Und wozu die Reise nach Australien?
Moe: Seit dem Abitur habe ich eigentlich nur noch Musik und Praktika gemacht, unter anderem beim Radio und bei Musikproduzenten. Außerdem habe ich viele Lieder geschrieben, aufgenommen und geübt. Ich werde natürlich auch nach Australien eine Gitarre mitnehmen und versuchen dort möglichst viel zu spielen und viele andere Musiker kennen zu lernen.

Face2Face: Was hast du vor, wenn du in einem Jahr aus Australien zurückkommst?
Moe: Ich will mir das Ganze auf jeden Fall noch offen lassen, ob ich Musik studiere, oder einfach so versuche, ins Musikbusiness reinzukommen. Über die Entscheidung, Musik zum Beruf zu machen, habe ich mir lange Zeit Gedanken gemacht, mit sehr vielen Leuten gesprochen, die erfolgreich im Business sind – aber auch mit denen, die es weniger sind – und wie gesagt jede Menge Praktika gemacht. Letztendlich bin ich fest davon überzeugt, dass ich diesen Weg gehen will, über dessen Gefahren und Schwierigkeiten ich mir definitiv bewusst bin. Ich muss es einfach versuchen, sonst würde ich mir das mein Leben lang vorwerfen.

„Musik mache ich eigentlich schon solange ich denken kann…“

Hat Wiedererkennungswert: Das Logo von „Moe Music Production“ (Grafik: Hertrampf)

Face2Face: Was sagen deine Freunde und deine Familie zu dieser Entscheidung?
Moe: Meine Familie macht sich zwar die gleichen Sorgen darüber wie ich, unterstützt mich aber in jeder Hinsicht. Meine Freunde haben mich vor allem bei der Entscheidung unterstützt, indem sie mir immer zugeredet und mir damit Mut gemacht haben.

Face2Face: Hast du ein musikalisches Vorbild?
Moe: Musikalische Vorbilder habe ich jede Menge. Je nachdem, um was es geht, welches Genre, oder welche Art von Musik, habe ich in jeder Richtung jemanden, von dem ich mich inspirieren lasse. Ob Gitarre spielen – einer meiner Lieblingsgitarristen ist John Mayer – Songwriting, Produzieren, Singen oder Komponieren, es gibt immer ein paar Namen, die in ihrem Bereich die Besten sind.
Und genau von denen, versuche ich mir möglichst viel abzugucken, um zu verstehen was sie so besonders macht! Trotzdem sollte man sich nicht zu sehr an ein Vorbild anhängen, weil man sonst anfängt nur eine Kopie davon zu werden. Früher oder später hoffe ich, dass ich meinen eigenen Stil entwickeln kann, der mit Sicherheit einige Elemente meiner verschiedenen Vorbilder in sich trägt. Ich bin immer offen für Neues, weil man in jedem Bereich etwas dazu lernen kann, was einen unglaublich weiter bringt!

Face2Face: Du komponierst, produzierst und singst auch selbst. Was bedeutet Musik für dich?
Moe: Da ich Musik schon mache seitdem ich denken kann, macht sie immer schon einen großen Teil meines Lebens aus. Ich kann ziemlich sicher sagen, dass ich ohne Musik nicht mehr ich selbst wäre – sie gehört quasi zu mir. Ich brauche sie, um mich zu entspannen, mich zu motivieren, um glücklich, oder auch mal um traurig zu sein.
Die Musik hat mir dadurch schon durch viele Lebenssituationen geholfen. Wenn mich zum Beispiel ein Thema beschäftigt hat, habe ich einfach ein Lied darüber geschrieben, und schon wurde mir einiges klarer und es ging mir dabei besser.

„Musik mache ich eigentlich schon solange ich denken kann…“

Es wird spannend: Nächste Woche Dienstag erscheint „Moes“ Musikvideo (Foto: Hertrampf)

Face2Face: Demnächst erscheint ein Musikvideo von und mit dir. Wer hat an der Produktion mitgearbeitet?
Moe: Das Video wird am Dienstag, 10. Juli auf meinem Youtube-Channel zu finden sein! Für diese Produktion habe ich mir gute Musiker aus der Umgebung zusammen gesucht, mit denen ich das Projekt realisieren kann – erstens für die Aufnahme und zweitens natürlich auch für das Video… Gefilmt und geschnitten wurde das Ganze von Friedemann Hertrampf, einem befreundeten Fotografen. Das Script haben wir uns zusammen ausgedacht.

Face2Face: Was möchtest du in den nächsten Wochen, Monaten und Jahren erreichen?
Moe: In den nächsten Wochen und Monaten habe ich vor, einfach weiterhin viel Musik zu machen und meine Online-Präsenz weiter auszubauen. Letzteres gehört meiner Meinung nach für einen „Newcomer “ neben den eigentlichen Fertigkeiten im Zeitalter der digitalen Medien zu den essentiellen Dingen. Wenn es dann nach Australien geht, heißt es da für mich natürlich vor allem erst mal wieder, so viele Leute und vor allem Musiker kennen zu lernen wie möglich. Der Plan für die nächsten Jahre lautet, einfach immer besser zu werden, in dem was ich mache, um dann mit den Größen in der Szene mithalten zu können.

Kontakt
Homepage: moemusicproduction.com
Facebook: facebook.com/moemusicproduction
Email: mail@moemusicproduction.com

Vorschau: Nächste Woche berichtet die Musikredaktion vom „Magnetic Festival“.

Sommergefühle: Newcomerband, Teil 2

Es ist nun Sommer, zumindest im Kalender und passend zu meinem ersten Newcomer-Artikel folgt hier der zweite Teil.

The Late Call (Stockholm): Acoustic, Folk, Pop
Schwedische One-Man-Show ohne Show. Soll heißen, dass “The Late Call” sich auf Gesang und Stimme des Singer-Songwriters Johannes Mayer beschränkt. Natürlich und simpel, wie es die Skandinavier am liebsten haben. Aber trotzdem mit Ausstrahlung und Charme. Akustische, folkige Klänge für einsame Stunden, für verliebte Zweisamkeit oder fürs erste Lagerfeuer im Sommer.

Kontakt: www.myspace.com/thelatecall

Max Prosa (Berlin) : Pop, Singer-Songwriter
Mag sein, dass ich mich zu schnell in schöne Lockenköpfe verliebe, die toll Gitarre spielen. Aber dieser Berliner Bube hat das sehr wohl verdient. Er textet die Songs für die Jugend, für die Midlife Crisis und für alle anderen schrecklich und gleichzeitig so aufregenden Lebenslagen. Er schafft es, einen glauben zu lassen, dass er sich in seinen Songs komplett emotional auslässt und bleibt dabei trotzdem so geheimnisvoll verschlossen. Herr Prosa, Respekt!

Kontakt: www.myspace.com/maxprosa

Moto Boy (Stockholm) : Indie, Rock, Pop
Manch einer wird sich wohl fragen, warum „Moto Boy“ als neue Band hier auftaucht, denn in Schweden ist der junge Herr wohl nicht mehr allzu unbekannt. Vielleicht auch wegen seinem Auftreten auf Konzerten: er scheut sich nämlich absolut gar nicht, auch mal knallroten Lippenstift zur farblich passenden Lederjacke aufzutragen. Eine Art schwedischer David Bowie? Musikalisch absolut nicht. Die Musik klingt mal verträumt-verliebt, mal rockig und mal poppig, auf jeden Fall erst einmal unbeschreiblich. Insofern: los schnell! Anhören!

Kontakt: www.myspace.com/motoboymusic

Eivør Pálsdóttir (Gøta) : Indie, Pop
Huch, wer haucht denn hier so zart zu solch harten, melancholischen Klängen? Das ist die Frau mit dem Namen, den ich gerne vermeide, zu schreiben. Sie kommt von den Färöer Inseln und kann außer singen und tolle Songs schreiben auch noch malen. Ihre Stimme erinnert mich schwer an ihre britische Kollegin „Bat for Lashes“, doch in Europa ist sicherlich genug Platz für zwei Feenmädchen…

Kontakt: www.myspace.com/eivorpalsdottir

Saboteur (Hamburg): Indie Shoegaze
Es gibt noch wahrhaftig gute und vor allem erfrischend neue Musik in der deutschen Musikszene! Und sie kommt leider doch noch sehr aus dem Untergrund, genau genommen aus dem Hamburger Untergrund. Gestatten – „Saboteur“: Melodiös, ohne Schnörkel, kraftvoll. Erinnert stellenweise zwar sehr an 80er Jahre Bands wie „Joy Divison“ oder 90er Jahre Grunge wie „Sonic Youth“, jedoch ohne sich damit einen Stein in den Weg aus dem Untergrund zu legen. Ich glaube, ich bin schon jetzt Fan.

Kontakt: http://www.myspace.com/saboteurrr

Tusq (Hamburg): Indie, Psychedelic, Rock
Das erste, was mir auffällt: deutsch klingen die nicht! Das klingt nach dunklen Industriestädten im Norden Amerikas und Hymnen auf die verlorene Liebe. Ein paar psychedelische Elemente vermischen sich mit vorlauten Gitarren und oft gekrächztem Gesang. Trotzdem haben diese Hamburger Jungs durchaus poppige, fröhliche Songs, die auch zum ausgelassenen Tanzen einheizen. Gute Mischung!

Kontakt: www.myspace.com/tusq

Wolf Parade (Montréal): Indie, Experimental
Dass kanadische Bands sich mit ihren außergewöhnlichen, melodischen Songs schnell in die Herzen eines jeden Musikjournalisten spielen können, haben „Arcade Fire“ ja erst kürzlich bewiesen. „Wolf Parade“ aus Montréal sind auf dem besten Wege es ihren Landsleuten nachzumachen. Ihre Songs sind eine Mischung aus den wildesten Fantasien eines jeden Musikers. Hier wird jede Stimmung vertont, also wird auch für jeden ein Liedchen dabei sein.

Kontakt: www.myspace.com/wolfparade

Young Rebel Set (Stockton on Tees) : Indie, Folk-Rock, Punk
Die Lobeshymnen vom „NME“ haben diese Engländer schon eingesammelt. Sie spielen waschechten Folkrock, der Geschichten aus dem langweiligen Alltag in einer mittelgroßen Provinzstadt erzählt. Wie viele Künstler immer wieder beweisen, machen Melancholie und zu viele Pubbesuche eben doch kreativ. Anhören, Bierchen trinken und mitsingen!

Kontakt: www.myspace.com/youngrebelset

Vorschau: Nächste Woche präsentiert euch Jean-Claude das Interview mit General Levy.

Frühlingsgefühle: Newcomerbands

Es wird Frühling und die Natur erwacht allmählich aus ihrem recht langen Winterschlaf. Auch mein Musikradar ist wieder aus seinem Winterschlaf erwacht und so habe ich Augen und Ohren offen gehalten und auf diversen Internetseiten, Blogs und in Musikzeitschriften gestöbert, um Euch in den nächsten Wochen ein paar interessante Newcomer Bands vorzustellen. Vielleicht ist ja für den ein oder anderen etwas dabei.

”Kristofer Aström” (Göteborg) : Alternative, Acoustic, Punk
So stellt man sich den typischen Schweden vor: blond, Fünftagebart, im Naturlook und die Akustikgitarre plus Bier immer lässig unter‘m Arm. Gott sei Dank singt Kristofer Aström englisch, sodass wir seine schönen Texte verstehen können, die uns von der typisch schwedischen Winterdepression oder von unerwiderter Liebe erzählen. Das alles klingt ein wenig nach Folk, ein wenig nach Country und natürlich nach Indierock. Dabei bleibt er jedoch uneitel und rau genug, dass er absolut gar nicht in die „Mando Diao Schweden-Rock“ Schublade passt. Sehr angenehm, sehr poetisch – für mich sowas wie der schwedische Gisbert zu Knyphausen.

Kontakt: http://www.myspace.com/kastrom
www.kristoferastrom.com

“Boy” (Hamburg/Zürich) : Acoustic, Singer-Songwriter, Pop
Zwei Damen mit wallendem Haar, die aussehen als wären sie einer Märchenwelt entsprungen, um sich endlich die Akustikgitarren zu krallen und deren Klänge mit ihren zarten Stimmen zu paaren. Das Ganze wird dann noch von Streichinstrumenten begleitet und raus kommt dabei etwas ganz Wunderbares: ruhig aber nicht langweilig, verträumt aber nicht kitschig. Die Akustikgitarren werden immer öfter mit E-Gitarren getauscht und dann wird auch mal die Stimme erhoben. So singen und spielen sich die beiden Märchenmädchen in die musikhungrigen Herzen der Großstädter. Und wem die eine Stimme bekannt vorkommt: Valeska Steiner singt die Backing Vocals auf dem aktuellen „Fotos“-Album „Porzellan“.

Kontakt: www.myspace.com/listentoboy

“The Carolines” (London) : Indie
Etwas ganz Klassisches: vier hübsche Briten – natürlich aus London –, die feinsten Indierock spielen. Ohne sich von irgendwelchen Moden wie Elektroeinflüssen oder Synthiepop verwirren zu lassen, schaffen sie es, den Soundtrack zu durchzechten Nächten in Großstädten zu liefern. Die Texte sind keine große Poesie aber die Musik macht durchaus gute Laune, auch wenn ich mich stark an „Eight Legs“ erinnert fühle.

Kontakt: www.myspace.com/thecarolinesband

“The Chap” (London) : Alternative, Rock, Experimental
Diese Band macht gute Laune! Eine Mischung aus Pop, Rock und Dance lässt die Beine zappeln und die experimentellen Elemente lassen jeden Song sehr speziell und eigenartig erscheinen. Dazu kommen die positiven Stimmen der verschiedenen LeadsängerInnen, die eindeutig die Stimmung heben und die Tanzscheu senken. Gerade aufgrund ihrer Tanzbarkeit und positiven Ausstrahlung wurden besonders die Live Auftritte dieser Band immer wieder von der britischen Presse gelobt. Und das soll ja bekanntlich was heißen!

Kontakt: www.myspace.com/thechap
www.thechap.org

“Fuck Art, Let’s Dance” (Hamburg) : Indie, Electronica
Schon wieder eine Elektro-Indie-undsoweiter Band, von denen wahrscheinlich kein Mensch wirklich ein Instrument spielen kann. Halt Stopp – das trifft hier nicht zu! Die Hamburger klingen verdammt cool und tanzbar, genauso wie man es sich auf einer guten Party wünscht. Die monoton, gelangweilte Stimme, die für einen Hamburger extrem britisch klingt, ergänzt sich ganz vorzüglich mit der fröhlichen Musik. „Fuck Art, Let’s Dance“, diesen Namen sollte man sich merken!

Kontakt: www.myspace.com/fuckartlsd

“Go Astronaut” (Hamburg): Indie, Rock, Electronica
Und nochmal nur ein kleiner Schritt entfernt von der eigenen Tür: Diese Hamburger Band bringt die Tanzbeine zum zappeln, die Hände zum Klatschen und die Lippen zum Lächeln. Synthiesounds und Elektroeinflüsse paaren sich hier mit Gitarrenklängen und nettem Gesang vom Jungen von Nebenan. Für gute Tanzmusik muss man also nicht immer über den kleinen oder großen Teich hüpfen!

Kontakt: www.myspace.com/goastronaut


“Kurran and the Wolfnotes”(London) : Indie, Folk

Das ist was ganz Tolles, was diese Londoner Combo hier veranstaltet. Das hört man sofort. Folkrock vom Feinsten mit allem was dazu gehört: Mundharmonika, zupfenden Gitarren und schönem Gesang, bei dem sich ab und zu auch mal die gesamte fünfköpfige Band begeistert beteiligt. Für die männlichen Fans ist sogar auch ausnahmsweise eine hübsche junge Dame dabei.

Kontakt: www.myspace.com/kurranandthewolfnotes

Teil 2 zum Thema Newcomerband findet ihr hier.

Vorschau: Am 19. April spielen “Egotronic” im Mannheimer “Das Zimmer” – Selin wird euch nächsten Samstag davon berichten.

„Applaus für den wohl verschwitztesten Mann des Abends“

„Applaus für den wohl verschwitztesten Mann des Abends“

(Foto: René Pechel)

Noch bevor man die Alte Feuerwache in Mannheim betritt, steht fest, dass es heute Abend nicht einfach wird. „Total Banal“ spielt als erste Band des Abends und hat eine wesentlich schlechtere Ausgangsposition als noch im vergangenen Halbfinale. Noch kommt keine richtige Konzertatmosphäre auf. Doch bereits nach dem zweiten Lied des Abends beginnt das Publikum sich zu bewegen. Anfangs noch etwas verhalten, mit der Zeit aber immer euphorischer.

Die sommerlich-warmen Wetterumstände trugen vermutlich mit dazu bei, das es dem düsteren Gitarrensound der Band „Dirty Age“ sowie „Impact of Flames“ nicht richtig gelang das Publikum zu überzeugen, was wiederum nicht die musikalische Klasse der beiden Bands schmälern soll. Applaus gab es vor allem aus den Reihen der vielen angereisten Metal-Anhänger und der Hard-Rock Liebhabern.

 Die Originalität und die Frische des Improvisations-Sounds der Neustadter Siegerband „Danjo-San & The Mr. Miagi Experience“ waren wohl ausschlaggebend bei der Entscheidung von Jury und Publikum. Bei den Songs „Extraordinär“ und „Rieslingschorle“ begann das Publikum zu tanzen, mitzusingen und so schaffte es die Formation sich im Handumdrehen in die Herzen der Besucher zu swingen.

„Applaus für den wohl verschwitztesten Mann des Abends“

(Foto: René Pechel)

Eine erfrischende Mischung aus Swing, Funk, Soul und Hip Hop – die Siegerband „Danjo-San & The Mr. Miagi Experience“ aus Neustadt/Weinstraße (Foto: René Peschel)

 Um kurz nach 0.20 Uhr ist es soweit: die übereinstimmende Entscheidung von Jury und Zuschauern steht fest: aus über 100 Bewerbern setzte sich die Band aus Speyer zum wohl verdienten dritten Platz durch. „Die Stimmung innerhalb der Band ist nach wie vor super“, sagt „Total Banal“.

 Es ist der Traum und gleichzeitig auch das Ziel von vielen Newcomer-Bands, bei einem Major-Plattenlabel unter Vertag zu stehen. Bei unbeschreiblich vielen bleibt es jedoch nur ein Traum. Anders bei der Speyerer Highschool Pop-Punk Band „Total Banal“ – sie haben das Zeug dazu in den Genuss eines Plattenvertrags zu kommen. Große Bands unterscheiden sich vor allem durch ihren Wiedererkennungswert von unbekannteren Newcomer-Bands.

„Applaus für den wohl verschwitztesten Mann des Abends“

(Foto: René Pechel)

Bei „Total Banal“ ist es nicht nur ihr frischer Humor und die eingängigen Melodien, sondern auch ihre intelligenten Lyrics, die hervorstechen. Letztendlich, so ist zu vermuten, gab die größere Eigenständigkeit, Kreativität und die größere Bühnenerfahrung der Neustädter Hip-Hopper den knappen Ausschlag.

 Aus über 100 Bands aus der Region Rhein-Neckar hat sich in vier Vorrunden jeweils eine Formationen fürs Finale durchgesetzt und durfte sich im Wettbewerb um ein Preisgeld von insgesamt 2000 Euro, das wie folgt unter den Teilnehmern verteilt wurde, erneut präsentieren: der Sieger erhielt 750 Euro, die von der Heinrich-Vetter-Stiftung zur Verfügung gestellt wurden, die Zweitplatzierten 375 Euro, Platz drei 225 Euro und der viertbeste Finalist noch 150 Euro.

Am Ende des Konzerts stellte „Total Banal“-Sänger Jonas Kolbenschlag seine lautstarke Truppe vor und bittet die Zuschauen um „einen Applaus für den wohl verschwitztesten Mann des Abends“: Drummer William Diven.

Mehr zu „Total Banal“ lest ihr im Face2Face-Interview vom 5. März.

Vorschau: Johanna präsentiert euch nächsten Samstag internationale Newcomer-Bands und Songwriter.

Viertes Newcomer-Festival Rhein-Neckar

Am Samstag, 2. April, 21 Uhr stellen vier junge Bands aus der Region in der Mannheimer Feuerwache ihr Können unter Beweis. Wer siegt und wer verliert, entscheidet das Publikum, sowie eine dreiköpfige Jury. Im Rahmen des Newcomer-Festivals Rhein-Neckar finden jährlich insgesamt fünf Konzerte statt. In diesem Jahr mit dabei: Die Hardrockband „Dirty Age“ aus Viernheim, die Mannheimer Metallband „Impact of Flames“, „Danjo-San & The Mr. Miagi Experience“ – eine Gruppe junger Hip-Hop-Musiker aus Neustadt, sowie die Speyrer Pop-Punk-Band „Total Banal“.

 Einlass ist um 20 Uhr. Der Eintrittspreis an der Abendkasse beträgt vier Euro.

Den Bericht zum Festival findet ihr hier.