Das mulmige Gefühl überwinden

Die Zeit steht niemals still. Die Uhr tickt und nichts bleibt wie es ist. Allein schon die Jahreszeiten zeigen uns, dass alles in Bewegung ist, auch wenn Leuten wie mir ewiger Sommer ganz gut gefiele. Die Jahreszeiten kommen und gehen, wir können uns nicht dagegen wehren.

Wandel: Alles verändert sich, ob wir wollen oder nicht.

Wandel: Alles verändert sich, ob wir wollen oder nicht. (©Norbert Wilke/Pixelio.de)

Genauso ist es mit der ganzen restlichen Welt. Alles bewegt und verändert sich ständig. Egal, ob es uns nun gefällt oder nicht, der Wandel ist da – unsere Umgebung verändert sich, unsere Mitmenschen, auch wir selbst bleiben nicht die gleichen, und sei es nur das pure Altern.

Veränderung ist immer und überall, trotzdem haben wir Menschen Angst vor Neuem. Ich gebe offen zu, dass auch ich bei ungewohnten Dingen ein leichtes Unbehagen spüre. Wenn ich in einer neuen Abteilung arbeiten soll, dann sorge ich mich schon ein wenig, wie es dort sein wird. Werde ich die Aufgaben schaffen? Wird die Arbeit überhaupt interessant? Werde ich mit den neuen Kollegen klar kommen?

Der Mensch neigt zur Kontrollsucht. Alles, was sich unserem Einfluss und unseren Plänen entzieht, verursacht ein Gefühl des Unwohlseins. Es könnte ja sein, dass alles ganz anders wird, als wir uns das erhoffen. Vielleicht haben wir ja die falsche Entscheidung getroffen, vielleicht wäre eine andere Arbeitsstelle besser gewesen – Reue ist eine furchtbares Gefühl.

Auch wenn wir uns gegen Veränderungen entscheiden und doch nicht in der neuen Abteilung anfangen, stattdessen unseren alten Gewohnheiten nachgeben, bleibt nichts beim Alten. Dann kommt in unserer vertrauten Abteilung ein neuer Chef, und schon weht ein ganz anderer Wind.

Besser ist es, aktiv Neues in Angriff zu nehmen, um nicht Opfer der Veränderungen um uns herum zu sein. Klar bedeutet das Überwindung, wir müssen alte Gewohnheiten und das Gefühl von Sicherheit aufgeben. Aber am Ende bleibt uns mehr Kontrolle, als wenn wir bloß tatenlos da säßen.

Wer sagt denn auch, dass Neues immer schlecht sein muss? Möglicherweise entpuppt sich die neue Stelle ja als die Gelegenheit schlechthin und ich kann mein Potenzial viel besser ausschöpfen, mehr aus mir machen. Mehr Geld, mehr Spaß, neue Freunde – alles ist möglich. Doch dafür müssen wir das Risiko eingehen und den Wandel akzeptieren. Ansonsten werden wir nie wissen, was wir hätten schaffen und erreichen können. Am Ende plagt uns dann die Reue: „Hätte ich damals nur die neue Stelle genommen!“

Der Schlüssel zum Erfolg ist Veränderung. In einer Welt, die immer flexibler wird, die immer schneller immer neue Anforderungen parat hält, müssen auch wir flexibel und offen sein. Aller Angst zum Trotz heißt es „auf zu neuen Ufern“.

Auch ich bin jetzt mutig und verändere aktiv mein Leben. Nach fast drei Jahren in der Kolumnen-Redaktion von Face2Face muss ich „Adieu“ sagen. Ich hatte jede Menge Spaß hier in der Redaktion und möchte allen Kollegen, darunter vor allem Eva, der „Kolumnen-Chefin“ und Tatjana unserer Chef-Redakteurin für die tolle Zeit danken. Auch danke an alle Face2Face-Leser, ich werde es vermissen für euch zu schreiben. Doch wie sagte Konfuzius: „Wer ständig glücklich sein will, muss sich oft verändern.“

Vorschau: Warum wollen junge Menschen auf das Schlachtfeld ziehen? Eva wird nächste Woche versuchen, diese Frage zu beantworten, wenn sie der Faszination des Krieges nachgeht.

Loslassen, Ausziehen, Neues entdecken…

Das Leben besteht aus unterschiedlichen Phasen, die jeder von uns irgendwann einmal durchläuft. Phasen, die uns dabei helfen, unsere Persönlichkeit sowie verschiedene Kompetenzen zu entwickeln. Manche nennen es auch Stufen – was an das gleichnamige Gedicht von Hermann Hesse erinnert, in dem daran erinnert wird, den Lebensfluss zu akzeptieren und stets offen für Neues zu sein. Natürlich bringt nicht jede Phase nur schöne Seiten mit sich, man erinnere sich selbst vielleicht an die eigene Pubertät. Da hatte jeder mit Pickeln, dem Stimmbruch und dem ersten Liebeskummer zu kämpfen. Und dennoch hat auch diese Zeit jeden individuell intensiv geprägt und dazu beigetragen, dass wir heute die Menschen sind, die wir sind.

Aber damit endet ja der Entwicklungsprozess nicht auf einmal. Er geht weiter. Immer.

Und plötzlich bemerken wir eine innere Unruhe, ein Gefühl der Sehnsucht, vielleicht sogar Fernweh. Der Gedanke, das Altgewohnte hinter sich zu lassen und zu neuen Ufern aufzubrechen, ist allgegenwärtig und treibt uns an. Zweifel gibt es vielleicht auch – bei den ein oder anderen, aber warum sich davon aufhalten lassen? Das habe ich mich auch gefragt, habe die Gelegenheit, die sich mir geboten hat, beim Schopf gepackt und bin nach Dresden zu einer Freundin gefahren. Da ich an meiner jetzigen Uni nicht den Master machen kann, werde ich also ab nächstem Jahr woanders studieren. Und wieso nicht in einer Stadt, die mir gefällt, die etwas weiter weg von zu Hause liegt, in der es so viel Neues zu entdecken gibt?

Natürlich ist Dresden nicht die einzige Stadt, die auf meiner Liste steht, aber ich muss zugeben, dass ich schwer beeindruckt gewesen bin und mich schon etwas verliebt habe. Da gibt es die Semperoper, den Zwinger, die Prager Straße und natürlich die Frauenkirche. Und noch etliches mehr, was es sich zu erkunden lohnt…
Für mich persönlich steht fest, dass ich mich dort bewerben werde – und der Rest liegt ja ohnehin nicht in meiner Hand. Für mich beginnt ab nächstem Jahr eine neue Lebensphase: raus von zu Hause und rein in ein neues Leben. Selbständiger werden und daran wachsen. Neue Leute kennenlernen und sich alleine zu Recht finden. Ein Stück weit erwachsener werden. Natürlich sind mit diesem Gedanken auch Zweifel verbunden und gewisse Ängste, aber irgendwann wird es Zeit, loszulassen und seinen eigenen Weg zu gehen. Der eine findet ihn früher, der andere eben etwas später – außerdem muss man sich das Ausziehen auch erst einmal leisten können.

Viele Schüler in Rheinland-Pfalz schreiben ja gerade ihre letzten Kursarbeiten vor dem schriftlichen Abitur. Manche wissen schon, was sie danach machen wollen. Andere weniger. Für die einen steht fest, dass sie gleich anfangen wollen zu studieren oder eine Ausbildung zu machen. Für die anderen kommt das erst einmal nicht infrage – da wird erst einmal ein freiwilliges soziales Jahr angestrebt oder Work and Travel. Ganz im Sinne von: loslassen, losreisen und Neues kennenlernen. Und auch wenn immer ein bisschen Mut zu einem solchen Schritt dazugehört, so ist es doch im Nachhinein eine wunderbare Erfahrung, die einen beeinflusst und vielleicht auch zur Entwicklung beigetragen hat.
Und wenn wir die Möglichkeit doch haben, warum sie dann nicht einfach ergreifen?

In diesem Sinn: eine schöne Woche!

Eure Lea

Vorschau: Eva schreibt nächste Woche über die Welt des Tees und warum sie so gerne darin eintaucht.