Wenn plötzlich Funkstille herrscht …

Nichts ahnend fahre ich meinen PC hoch – ja ich bin tatsächlich so altmodisch und schalte meinen Rechner komplett ab. Wie dem auch sei, ich denke mir nichts Böses, mein All-in-One Router-Switch-Modem-Internet-Böxchen ackert auch schon ganz fleißig …

Moment! Da leuchtet ein Lämpchen nicht, das eigentlich leuchten sollte! Ich ahne Schreckliches. Und tatsächlich: Kaum, dass ich

Das Ethernet-Kabel verbindet den heimischen PC mit dem Internet.

Heißer Draht: Über das Ethernet-Kabel gelangen wir ins Internet (©Erich Werner/Pixelio.de)

auf meine Mails zugreifen will, passiert nichts, außer der liebevollen Meldung, dass der Mailserver zur Zeit nicht erreichbar sei.

Nach einer kurzen Analyse der Lage steht fest: „Keine Verbindung zum DSL-Multiplexer“. Das ist überhaupt nicht gut, denn das heißt im Grunde, dass ich keine Verbindung zum Verteiler auf der Straße habe. Unruhig prüfe ich alle Kabel in der Wohnung. Alle Ethernet-Kabel stecken fest in der Buchse? Passt. Am Splitter auch alles in Ordnung? Passt. Das Prozedere wiederholt sich ungefähr vier oder fünf Mal, in panischer Hektik renne ich durch die Wohnung.

Irgendwann steht dann doch fest, dass das Problem eigentlich nicht bei mir liegen kann. So komme ich noch zu meiner Lieblingsbeschäftigung, dem Anruf beim „Support“ meines Internet-Providers.

Warum ist die Melodie in der Warteschleife eigentlich immer so einschläfernd? Egal. Nach 15 Minuten weckt mich jedenfalls ein Berater und nach unglaublichen eineinhalb Minuten Gespräch steht fest: Es liegt tatsächlich nicht an mir. Heureka! – Heureka? So gut ist das in Wirklichkeit gar nicht. Irgendetwas stimmt beim Multiplexer selbst nicht und das heißt erst einmal warten, bis alles repariert ist. Jetzt ist Samstag, vor Montag gibt es also kein Internet.

Ein Wochenende ohne Netz! Man stelle sich das mal vor! Das ist ja Körperverletzung! Dabei müsste ich noch so viel Arbeit erledigen und für alles brauche ich den heißen Draht ins große weite Internet. Recherche für den nächsten Artikel, Mails beantworten, Verkaufskonto beim Online-Händler pflegen, überall Internet.

Da kommt einem schon die Galle hoch. Jetzt geht gar nichts mehr, nur weil beim Provider wieder mal eine Störung vorliegt. Was machen die eigentlich den ganzen Tag?

Server und Verteiler sorgen dafür, dass das Interent funktioniert.

Komplex: Hinter den Kulissen des Internet steckt eine komplizierte Infrastruktur (©Th. Reinhardt/Pixelio.de)

Nach einer Weile kann ich mich wieder etwas sammeln, und wenn ich in Ruhe über die Sache nachdenke, dann wird mir schnell klar: Das mit dem ganzen Internet ist ein wahrhaftiges Wunder. Man stelle sich nur einmal vor, welch gigantische Infrastruktur hinter meinem simplen Einkauf beim Online-Händler steckt, wie komplex die gesamte Technik hinter den schön blinkenden Bildern und Knöpfen aussieht. Zahllose Server, kilometerlange Kabel, ungezählte kaskadierte Verteiler. Da bleibt selbst mir als Informatiker nichts anderes übrig, als auch dem Internetanbieter die ein oder andere Störung zu verzeihen.

Ich muss zugeben, es gibt da noch einen weiteren Grund für meine Gemütsberuhigung, es war nicht nur ein Anflug von übermäßigem Verständnis. Zum Glück bin ich als Fachinformatiker Nerd genug, um einen Internet-Stick fürs Handy-Netz zu besitzen. So geht wenigstens etwas voran, auch wenn die Geschwindigkeit an wachsendes Moos erinnert und der Preis unverschämt ist. Immerhin besser als gar nichts.

Das ist wohl der Preis, den wir zahlen müssen für unsere Abhängigkeit vom Internet.. Egal, ob Online-Einkauf, Zugriff auf das E-Mail-Konto oder die Lektüre des Face2Face-Magazins – ohne Netz nix los heißt es heute Das fällt insbesondere dann auf, wenn mal wieder nichts geht.

Vorschau: Unsere Kolumnistin Eva darf seit Neuestem ein Aquarium ihr Eigen nennen – wie es dazu kam, lest ihr nächste Woche in der Kolumne.

Individualistenmüsli und Orangenabo

Wir sind die sogenannten ‚digital natives‘. Wir posten und liken – und wir shoppen im Internet. Längst kommen viele Güter, die im Netz in virtuelle Einkaufswägen gelegt werden, per Paketdienst nach Hause. Bücher, CDs, Filme, Kleidung, … Und unser Essen?

Individualistenmüsli und Orangenabo

Freie Wahl!? Individuelles Müsli aus dem Netz (© Rainer Sturm/pixelio.de)

Auch Nahrungsmittel können vermehrt im Internet gekauft werden. Bekannt ist mittlerweile Mymuesli.de. Ob zwischen fertig gemischten Sorten, die es in fast keinem Laden zu kaufen gibt (seit Neuestem gibt es mymuesli-Läden), oder eigenen Kreationen mit Zutaten, die kaum in einem ‚normalen‘ Müsli zu finden sind – hier kann der Kunde mehr, als nur wählen. Und durch die Möglichkeit, ein individuelles Müsli zu kreieren, bekommt er eben das Gefühl von Individualität. Er ist nicht mehr einer unter vielen, die alle zum gleichen Produkt im Regal greifen. Nein! Sein Produkt ist einzigartig, wie er selbst. Wie viele andere auf die Idee gekommen sind, gerade diese Zutaten zu mischen, ist dabei nebensächlich. Der Kunde hat gewählt, hat bestimmt und fühlt sich darum auch verstanden. Dass die Zutaten bei Mymueslie dabei aus biologischem Anbau stammen, sorgt dann noch für ein gutes Gewissen.

Der Trick ist mittlerweile weit verbreitet. Mischen kann man bei Green Cup Coffee zwar nicht, aber aus so exklusiven Sorten mit scheinbar unglaublichen Geschmäckern wählen, sodass ein Hauch von Luxus in der Luft liegt. Kaffee, der nach Schokolade oder Vanille schmeckt – und das von Natur aus – klingt einfach ein bisschen besonders. Die gesündere Alternative ist dann der selbstgepresste Orangensaft mit den frischen Orangen von OH!Saft. Monatlich im Abo kommen die Früchte nach Hause, die Saftpresse wird gestellt und los geht’s.

Individualistenmüsli und Orangenabo

Was per Post kommt, muss nur noch zubereitet werden: bei Hello Fresh (Foto: T. Gartner)

Ähnlich funktioniert auch Hello Fresh. Wöchentlich werden hier Lebensmittel samt Rezepte verschickt. Das lange Suchen im Supermarkt ist passé, der ewige Entscheidungskampf um das Abendessen erübrigt sich, gekocht wird, was auf dem Plan steht. Zwischen verschiedenen Kochboxen ist zu wählen, die Zutaten kommen per Post, nur gekocht werden muss noch. Mit der Obstbox ist dann auch für den Hunger zwischendurch gesorgt. Obwohl Naschkatzen vielleicht eher auf knusperreich.de klicken werden – Da gibt es feine Bio-Kekse in den unterschiedlichsten Geschmacksrichtungen. Die Individualisten können ihre eigene Wunschdose kreieren, einfachere Gemüter greifen gleich zur Lieblingssorte.

Vom Orangensaft und Frühstücksmüsli bis zum Vollwert-Abendessen mit Obstzwischenmahlzeit und Keksnachtisch, auch unser Essen kann heute vollständig im Internet bestellt werden. Der Schein von mehr Individualität wird gewahrt, wir können – theoretisch – immer mehr variieren. Wir sind bio und ökologisch, leben gesund und genießen dabei. Klingt irgendwie zu gut, um wahr zu sein. Dafür darf das Bio-Essen aus dem Netz auch mehr kosten und ist nicht wirklich für jeden erschwinglich. Andere könnten bemängeln, dass es gar nicht so ökologisch ist, Nahrungsmittel mit dem Paket-LKW kommen zu lassen, wenn ein Gemüsegeschäft mit Erzeugnissen aus der Region gleich um die Ecke ist. Zu meckern finden wir doch immer etwas, beim Internetessen oder den Produkten aus dem Garten. Wichtig ist am Ende doch nur, dass es schmeckt. Und über Geschmack lässt sich eben nicht streiten. Guten Appetit.

Vorschau: Alexandra schreibt nächste Woche über den ganz normalen haarigen Wahnsinn.