Kann eine Woche ohne Smartphone unseren alltäglichen Stress reduzieren?

Kann eine Woche ohne Smartphone unseren alltäglichen Stress reduzieren?

Das Smartphone als alltägliche Stressursache?
(Foto: JESHOOTScom, pixabay.com)

Durch das Smartphone haben wir im Alltag viele Vorteile. Wir können ständig mit anderen in Kontakt treten, wir können von überall aus online gehen, unsere neusten Erkenntnisse mitteilen und sind zu jeder Zeit erreichbar. Wer kennt das nicht: plötzlich hat man keine Netzverbindung und kann mit dem Smartphone nicht mehr ins Internet oder jemanden erreichen. Da bricht für manch Einen eine Welt zusammen, andere kommen sich einfach verloren vor. Das muss natürlich nicht der Fall sein, aber passiert doch grade in unserer Gesellschaft sehr häufig, da wir uns viel zu sehr auf unser Smartphone verlassen.

Mein Smartphone und ich

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass ich vor allem durch die täglichen Zugfahrten zur Uni oder auf die Arbeit schon sehr an meinem Smartphone hänge. Der Zug kommt nicht? Schnell mal in der App nachschauen, ob er Verspätung hat. Hat jemand vielleicht versucht mich zu erreichen, während ich grade mal eine halbe Stunde nicht auf das Smartphone geschaut habe? Oder hat meine Arbeit mir vielleicht eine wichtige Mail geschickt, die ich noch lesen muss? Schnell mal in den eingegangenen E-Mails oder Nachrichten nachsehen. Das ist schon so etwas wie ein Ritual und ich habe fast ein schlechtes Gewissen, wenn ich an einem freien Tag mal mein Smartphone liegen lasse und ein paar Stunden nicht darauf schaue. Meist habe ich dann, wenn ich wieder nachsehe, ein paar verpasste Nachrichten und fühle mich gleich unbehaglich, weil jemand versucht hat mich zu erreichen, und ich nicht sofort verfügbar war. Denn ich habe schließlich ein Smartphone und wahrscheinlich hat derjenige erwartet, dass ich mich zeitnah melde.

Kann eine Woche ohne Smartphone unseren alltäglichen Stress reduzieren?

Immer erreichbar sein? Klar! Möglich gemacht durch verschiedene Apps auf dem Smartphone (Foto: TeroVesalainen, pixabay.com)

Das sind alles kleine Beispiele, wie mir mein Smartphone durch Nachrichten erheblichen Alltagsstress bereitet, die mir aber vor dem Selbstversuch noch nicht ganz klar waren. Zusätzlich kommen dann noch die Sozialen Netzwerke. Ich bin gar nicht bei Snapchat und nur selten bei Twitter, wenn, dann eher am Laptop. Aber Facebook und Instagram nutze ich vor allem mit dem Smartphone. Um den Selbstversuch auch wirklich durchzuziehen habe ich mich daher entschlossen, maximal eine halbe Stunde pro Tag in Facebook am Laptop zu gehen, da es wichtig für meine Arbeit ist und ich verschiedene Seiten mitbetreue. Instagram habe ich ganz weg gelassen, sowohl auf dem Smartphone als auch auf dem Laptop. Nun habe ich den Selbstversuch gewagt, und mein Smartphone von Montag bis Freitag ausgeschaltet.

Der erste Tag

Den Montag konnte ich zum Glück zuhause verbringen. Es ist mir zu Beginn gar nicht so sehr aufgefallen, dass ich mein Smartphone nicht nutzen konnte. Ich besitze einen „richtigen“ Wecker, und habe daher schon am Sonntagabend das Smartphone ausgeschaltet. Daher hatte ich vorerst auch nicht das Gefühl, dass mir etwas fehlt, da ich erst gar keine neuen Nachrichten vorfinden würde. Im Laufe des Tages erledigte ich einiges für die Uni und war zwar am Laptop. In gewisser Weise war ich also auch erreichbar, allerdings fiel es mir viel leichter, zum Beispiel mein Email-Programm auf dem Laptop nicht so oft zu öffnen, wie auf dem Smartphone. Das hat wahrscheinlich mit der Funktion der Push-Benachrichtigung auf dem Smartphone zu tun, diese habe ich am Laptop nicht und fühlte mich dadurch auch nicht dazu gedrängt, Nachrichten direkt zu beantworten. Ich habe mir einmal am Tag Zeit für die Emails genommen, und diese dann beantwortet. Und zwar alle auf ein Mal, was mir wesentlich weniger Stress bereitet hat, als wenn ich vier oder fünfmal am Tag einzelne Mails mit dem Smartphone beantwortet hätte. So gesehen war der erste Tag in meinen Augen ein voller Erfolg, obwohl ich einen Laptop zur Verfügung hatte.

Der zweite Tag

Am Dienstag wollte ich mich abends mit einer Freundin treffen. Leider hatte ich vergessen, vor dem Selbstversuch Zeit und Ort mit ihr genau auszumachen, daher musste ich doch morgens mein Smartphone einschalten und kurz eine Nachricht schicken. Das hat zum Glück auf Anhieb geklappt und wir konnten uns für abends verabreden. Allerdings kam es mir direkt wie ein Rückschlag vor. Ich bekam in der halben Stunde, in der ich das Smartphone eingeschaltet hatte, direkt neue Nachrichten und E-Mails. Die habe ich dann schnell beantwortet und meine Freunde darauf hingewiesen, dass ich diese Woche am besten über E-Mail oder Facebook erreichbar bin. Das hat den Selbstversuch wahrscheinlich ein bisschen beeinträchtigt, allerdings hatte ich die Hoffnung, dass ich für den Rest der Woche weniger verpasste Anrufe oder Nachrichten haben würde. Das hat mich dann doch wieder entspannt, darum geht es ja beim Selbstversuch. Zum Glück verlief der restliche Tag ohne Smartphone reibungslos.

Der dritte Tag

Kann eine Woche ohne Smartphone unseren alltäglichen Stress reduzieren?

Am Bahnhof ohne Smartphone, und dann hat der Zug Verspätung. Was jetzt? (Foto: Golda, pixabay.com)

Am Mittwoch musste ich arbeiten, daher hatte ich mir die Zugverbindung bereits am Tag vorher abgeschrieben, ganz altmodisch, in meinen Kalender. Leider kam es direkt auf der Hinfahrt zu Schwierigkeiten. Der Zug kam und kam nicht, und erst als ich mir sicher war, dass ich meinen Anschluss verpassen würde, fuhr er endlich in den Bahnhof ein und ich konnte einsteigen. Erst im Zug ist mir klargeworden, dass ich, wenn ich zu dem Zeitpunkt mein Smartphone gehabt hätte, ständig in der App nachgeschaut hätte, wie viel Zeit mir noch zum umsteigen bleiben würde, oder ob ich auf jeden Fall den nächsten Zug nehmen müsste. Stress pur! Ich konnte ja noch nicht mal auf der Arbeit anrufen, und wegen der Verspätung Bescheid geben. So war ich zwar auch ganz schön nervös, aber habe mir irgendwann gesagt, dass es sich jetzt sowieso nicht mehr ändern lässt, und wenn ich zu spät komme, dann ist das eben so. Vielleicht fahre ich das nächste Mal einfach etwas früher los, damit ich noch eine alternative Bahnverbindung habe. Am Ende hatte mein Anschlusszug tatsächlich auch Verspätung, und ich bin sogar noch pünktlich auf der Arbeit gewesen. Das hat mir wieder mal gezeigt, dass die Welt nicht untergeht, wenn wir mal 5 Minuten nicht auf das Smartphone schauen können. In Zukunft überlege ich mir genauer, wann ich wegen verspäteten Zügen in Stress gerate.

Der vierte Tag

Am Donnerstag musste ich Zuhause einiges für die Uni lesen und der Tag verlief daher auch ohne Smartphone ereignislos. Ich hatte mich allerdings erstaunlich schnell daran gewöhnt, auch am Laptop nicht die ganze Zeit bei Facebook online zu sein oder ständig meine Mails abzurufen. An dem Tag ist es mir doch sehr aufgefallen, dass ich viel gelassener bin, wenn ich nicht ständig auf Abruf stehe.

Der fünfte Tag

Gut ich muss schon zugeben, am Freitag war ich ziemlich erleichtert, dass ich nur noch diesen Tag ohne Smartphone überstehen musste. Die Fahrt auf die Arbeit und zurück verlief zum Glück reibungslos und ich hatte auch an mein Buch für die Zeit im Zug gedacht. Mir fiel gar nicht mehr so sehr auf, dass ich mein Smartphone grade nicht dabei hatte. Klar hat es mir insgesamt geholfen, dass das Buch was ich gerade lese sehr spannend ist, und ich hatte ja auch teilweise meinen Laptop zur Verfügung. Trotzdem fühlte ich mich am Ende der Woche schon um einiges entspannter als sonst, vor allem wenn ich von der Arbeit heimgekommen bin.

Am Freitag sind mir auch einige Dinge aufgefallen, die ich sicher mit Smartphone in der Hand nicht bemerkt hätte. Zum Beispiel der Zug mir gegenüber, als ich am Bahngleis wartete, mit der Aufschrift „Kaffeepäuschen“, der damit wohl auf seine kurze Pause hinweisen wollte. Oder wie oft man sich mit dem Smartphone auch einfach nur von den eigenen Gedanken ablenkt. Ich hatte einfach das Gefühl, mit offenen Augen durch die Welt zu laufen. Und auch wenn das jetzt wie ein Klischee klingt, dadurch freue ich mich zum Beispiel grade jetzt viel mehr auf die Vorweihnachtszeit. Ich bemerkte wie in verschiedenen Städten schon die Weihnachtsbeleuchtung und die Weihnachtsmärkte aufgebaut wurden. Ich bin sehr gespannt, ob ich im Dezember mal öfter mein Smartphone zuhause liegen lasse. Ein Gedanke, der mir vor dem Selbstversuch niemals gekommen wäre.

War es das wert?

Alles in allem war der Selbstversuch zum Thema Stressbewältigung meiner Meinung nach ein Erfolg. Ich habe mein Smartphone vor allem in Situationen vermisst, in denen ich andere hätte erreichen müssen. Dann nicht die Möglichkeit zu haben, andere zu erreichen hat mich schon mehr gestresst, als dass man mich nicht erreichen konnte. Allerdings habe ich auch gemerkt, dass es mich wirklich erleichtert hat, Facebook nicht auf meinem Smartphone nutzen zu können, und mir eine bestimmte Zeit des Tages dafür auszusuchen. Auch wenn ich verschiedenes in Facebook zu erledigen hatte konnte ich das über den Laptop viel entspannter machen. Zusätzlich bekam ich nicht den ganzen Tag Benachrichtigungen von Facebook auf meinem Smartphone, die mir, wie ich gemerkt habe, auch viel Stress bereitet haben. Auf Instagram habe ich erstaunlich gut verzichten können. Das ist normalerweise auch eine App, die ich täglich nutze, deren Fehlen mir aber in der Woche kaum aufgefallen ist. Daher gehe ich davon aus, das ich mich die Nutzung von Instagram auf dem Smartphone gar nicht stresst, sie ist eher eine nette Nebenbeschäftigung.

Kann eine Woche ohne Smartphone unseren alltäglichen Stress reduzieren?

Facebook wird jetzt erstmal von meinem Smartphone gelöscht (Foto: FirmBee, pixabay.com)

Am Samstag danach habe ich erst einmal Facebook und meine Email-Apps von meinem Smartphone gelöscht. Es ist definitiv nicht notwendig, immer über so viele verschiedene Kanäle erreichbar zu sein. Seitdem nehme ich mir einfach einmal am Tag Zeit, um die anstehenden Anfragen zu beantworten. Es bereitet mir wesentlich weniger Stress, wenn ich nicht ständig eine neue Mitteilung auf meinem Smartphone angezeigt bekomme. Natürlich kann ich ja weiterhin drauf zugreifen, allerdings unter meinen Bedingungen. Ich finde generell sollte jeder selbst entscheiden was wichtig ist und was man auch mal später machen kann. Man sollte sich nicht dazu gedrängt fühlen, gleich auf alles eingehen zu müssen, was man geschickt bekommt. Das ist es, was ich aus der Woche gelernt habe. Und wenn mich jemand wirklich erreichen wollte, dann hat er oder sie das geschafft, auch ohne Smartphone.

Ich werde in Zukunft mein Smartphone definitiv öfter mal auf Flugmodus schalten. Was ich nicht direkt mitbekomme, stresst mich auch nicht sofort, und wenn es wichtig ist, dann erfahre ich es schon irgendwie. Also kein Stress.

2017 – das Jahr der Fake-News?

KOMMENTAR: Gerade sind wir im Jahr 2017 angekommen. Es steht unter dem Zeichen der Postfaktizität. Was das heißt? Wir sind scheinbar über die Fakten hinausgewachsen. Emotionen sind die neuen Fakten und gefühlte Wahrheiten werden immer mehr salonfähig. Der neue Trend-Begriff „Fake-News“ reiht sich hier verblüffend gut ein, denn der Anglizismus beschreibt eigentlich schlicht: Falschmeldungen. Informationen sollten nach journalistischen Leitsätzen immer geprüft werden, bevor sie an die Öffentlichkeit gehen. Stattdessen ist es heute gängige Praktik – das haben wir nicht nur im vergangenen Jahr vielfach beobachten können – Schlagzeilen einfach voneinander abzuschreiben. Der Spiegel-Redakteur liest die Bild-Zeitung, die Süddeutsche, die FAZ und selbstverständlich auch umgekehrt. Außerdem erwerben alle Massenmedien Datensätze von Nachrichtenagenturen, die sie des Öfteren sogar wortwörtlich übernehmen.

2016 – ein Krisenjahr für die Massenmedien

Stichwort: Lügenpresse, leicht abgewandelt auch Lückenpresse. Überall heißt es: „Wem kann ich denn noch glauben?“ Von „Social Bots“ ist die Rede, die automatische Antworte generieren und von „Trollfabriken“, die im Auftrag des (russischen) Staates Manipulationen im Internet betreiben soll. Das sei gezielte Manipulation, manchmal wird sogar von Propaganda gesprochen: Flüchtlinge würden gegen eine Kirche urinieren, Hillary Clinton leite einen Kinderporno-Ring und es würden Koran-CDs mit Gift umher gehen – je empörender, also emotionalisierender die Nachricht, desto häufiger wird sie geteilt, geliked und besprochen. Prinzipiell war das nie anders: Menschen interessieren sich mehr für Skandale und Pannen als für positive Nachrichten. Deshalb ist der laute Ruf und der Fingerzeig auf die vermeintlichen Fake-News-Macher – zumeist selbsternannte „alternative“ Medien – überaus schädlich. Denn die schlagen schneller zurück, als erwartet. So wurde dieser Tage die Washington Post überführt, die Hacker-Verschwörung von Russland gegen den US-amerikanischen Wahlkampf lediglich behauptet zu haben. Quellen? Keine.

Die Suche nach dem Fehler

Der Fehler liegt doch tatsächlich im System: Menschen machen Nachrichten. Ob diese nun alternativ oder im Sinne des „mainstreams“ von etablierten Medienhäusern stammen – sie werden immer von Menschen gemacht, deren Intentionen nicht immer nur gut sind. Nur eins hat sich geändert: Heute ist es bei weitem einfacher, eine enorme Reichweite zu erzielen, viral zu gehen. Sobald dann der virale Sumpf gelichtet wird, werden nicht nur ein paar Trolle entlarvt, das sind Online-Provokateure, die sich daran erfreuen, wenn ihr Gegenüber überreagiert und die zu diesem Zwecke verbreiteten Falschmeldungen und Scherze, also Hoaxes nicht selten in die Netz-Welt setzen. Das eigentliche Problem sind wir, die Menschen. Menschen wollen Dinge glauben, die ihrer Meinung entsprechen, sie empören sich gerne und sind sensationsgeil. „Jeder darf doch wohl seine eigene Meinung haben, hier gibt es doch immerhin Meinungsfreiheit!“ Diese Ignoranz, die Suche nach Selbstbestätigung und die Schwierigkeit mehr als nur eine Wahrheit anzuerkennen, verhärtet die Fronten. Jeder hat am Ende seine eigene Agenda, seine eigene Wahrheit und eigene Weltverschwörung.

Soziales Engagement – Können wir die Welt (im Kleinen) verbessern?

Angesichts der unzähligen Kriege und Krisen, die auf der Welt wüten, Flüchtlingen, die vor dessen monströsen und unmenschlichen Ausmaßen flüchten, Armut, die für Familien das Überleben schier unmöglich macht, Kindern, die statt zur Schule zu gehen, harte Arbeiten verrichten, Rassismus und Homophobie, die Menschen weltweit diskriminieren und oftmals aus dem gesellschaftlichen Leben ausschließen. Die Welt scheint aus einem Meer von Ungerechtigkeiten zu bestehen.

Viele Menschen fliehen vor den Kriegsumständen im Heimatland : Bei der Rückkehr finden sie oft nichts mehr so vor, wie es war (Foto: ©Katharina Wieland Müller  / pixelio.de)

Viele Menschen fliehen vor den Kriegszuständen im Heimatland : Bei der Rückkehr finden sie oft nichts mehr so vor, wie es war (Foto: ©Katharina Wieland Müller / pixelio.de)

Das regelmäßige Verfolgen der Nachrichten könnte einen schier verzweifeln lassen, wenn uns die Berichterstattung mal wieder mit einer neuen Welle an Katastrophen und Kriegen überflutet und den letzten Funken Optimismus erstickt. Den Glaube an die Menschheit völlig verlieren lässt. Manchmal fühle ich mich machtlos. Frage mich, wie ich etwas ändern kann. Was für eine Ironie steckt dahinter, dass ich mir darüber Gedanken mache, WIE ich helfen kann, während im selben Moment, Menschen um ihr Leben bangen.

Gemeinsam sind wir stärker: Sich zusammen gegen Ungerechtigkeit stark machen! (Foto: © S. Hofschlaeger  / pixelio.de)

Gemeinsam sind wir stärker: Sich zusammen gegen Ungerechtigkeit stark machen! (Foto: © S. Hofschlaeger / pixelio.de)

Jeder Mensch hat die Wahl sich gegen Ungerechtigkeit unterschiedlicher Art einzusetzen, das Problem an der Wurzel zu packen und die Ursachen zu bekämpfen. Leider gibt es viel zu viele Bereiche, in denen unserer Engagement und unserer Aktivismus tagtäglich gefragt wären. Wieso finden wir uns mit so viel Ungerechtigkeit einfach ab? Argumentieren damit, dass es auch schon früher schlimme Kriege gab. Dass wir eben nicht für alle Probleme der Welt aufkommen können. Wir scheinen oftmals zu unterschätzen, was für eine Macht wir eigentlich besitzen. Denn jeder Einzelne von uns kann etwas verändern. Und schließlich muss irgendwo begonnen und angesetzt werden. Gewiss kann sich jeder für etwas stark machen. Doch ich will nicht unzähligen Menschen Unrecht tun, die tagtäglich für etwas kämpfen. Seien es NGOs (Non-Governmental Organization) die weltweit auf Menschenrechtsverletzungen aufmerksam machen, Kundgebungen veranstalten oder Nothilfe in Krisengebieten leisten. Aktivisten die Networking mit unzähligen Länder betreiben, sich so über die Lage in diesen austauschen und solidarisieren.

Wenn Fremde zu Freunde werden: Doch wer definiert überhaupt wer "Fremd" ist? (Foto: Rike/Pixelio)

Wenn Fremde zu Freunde werden: Doch wer definiert überhaupt wer „Fremd“ ist? (Foto: Rike/Pixelio)

Initiativen wie „teachers on the road“ geben Flüchtlingen ehrenamtlich Deutschunterricht, auch „Save me“, eine deutschlandweite Initiative, begleitet Flüchtlinge bei Behördengängen, veranstaltet Kochabende und andere Aktivitäten, um so Flüchtlingen, deren Aufenthalt in den meisten Fällen sowieso ungewiss ist, dabei zu helfen, sich im Alltag zurecht zu finden und trotz der schwierigen Flüchtlingspolitik, nicht in Lethargie zu verfallen. Wieder andere haben sich dem Kampf gegen Rassismus verschrieben.  Manch einer mag glauben, Rassismus – das sei ein Randphänomen geworden und seit Apartheid und den Aufständen in Amerika längst bekämpft. Aber machen wir uns doch bitte nichts vor! In Amerika, im Bundesstaat North Carolina, sind vor einigen Tagen 3 junge amerikanische Muslime erschossen worden.  Der Täter wird weder als Terrorist bezeichnet, noch scheinen die westlichen Medien dem Geschehen viel Aufmerksamkeit zu schenken. Alles „nur“ ein Nachbarschaftsstreit um Parkplätze? So berichten es zu mindestens die Medien. Kaum jemand scheint dahinter zu vermuten, dass ein Motiv des Täters vielleicht Islamhass gewesen sein könnte. Seltsam. Gehen wir einige Monate zurück: Im August 2014 wird in Ferguson, Missouri, ein unbewaffneter schwarzer Jugendliche von einem Polizisten erschossen. Das entfachte in Amerika eine Welle von Unruhen und Protesten und hauchte der Rassismus-Debatte in den USA neues Leben ein. Die schwarze Bevölkerung organisierte sich, hielt Plakate mit dem Slogan „Black Lives Matter“ in die Luft. Rassismus ist im 21. Jahrhundert noch weit davon entfernt, abgeschafft worden zu sein. Aber Rassismus ist durchaus kein Problem Amerikas alleine. Wer sich mehr mit dieser Thematik beschäftigen möchte, sollte einen Blick auf den sehr lesenswerten Blog von der  Aktivistin Emine werfen.

Frauen mit Kopftuch haben in Deutschland mit allerhand Vorurteile zu kämpfen. Bekommen trotz exzellenter Abschlüsse Arbeitsstellen auf Grund ihres Kopftuches, das für viele Ausdruck ihrer Religion ist, verwehrt. In Deutschland wird ein Asylant in Dresden tot aufgefunden. Asylantenheime werden fast regelmäßig mit rassistischen Slogans beschmiert.

Kein Mensch ist illegal: Doch viele scheinen blind und ignorant für die Probleme anderer zu sein Foto: ( © I(ESM)  / pixelio.de )

Kein Mensch ist illegal: Doch viele scheinen blind und ignorant für die Probleme anderer zu sein (Foto:  © (IESM) / pixelio.de )

Wir sollten uns mit Menschen solidarisieren. Gegen solche Diskriminierungen, die im eigenen Land geschehen, aber auch in anderen Teilen der Welt,  aufstehen und unsere Stimme erheben. Es geht uns alle an! Eher unabsichtlich habe ich mich vor allem auf das Thema Rassismus bezogen. Was wohl auch mit einer Bewegung, die sich mittlerweile – Gott sei Dank – aufgelöst hat, zu tun hat und den vielen rassistischen Übergriffen, die ich vermehrt zu hören bekomme, die mich sehr erbosen lassen, zugleich aber auch erschrecken. Wichtig ist, DASS wir etwas tun. Wir sollten nicht gleichgültig gegenüber dem Schicksal anderer, benachteiligter Menschen sein. Jeder Mensch kann nur ein wenig seiner wertvollen Zeit entbehren und zum Beispiel in seinem Umfeld an sozialen Initiativen mitwirken oder aber selbst Projekte auf die Beine stellen. Und wie sollen wir die Welt mitgestalten und verändern, wenn wir nicht in unserem Umfeld beginnen. Vielleicht sogar jetzt sofort!

Vorschau: Eva beschäftigt sich nächste Woche damit, weshalb es so gut tut, sich in Gesellschaft aufzuhalten.

Der beste Hund, der je gelebt hat – und sein Herrchen: Moderator und Journalist Claus Kleber

Der beste Hund, der je gelebt hat – und sein Herrchen: Moderator und Journalist Claus Kleber

Wollte ursprünglich Lufthansa Flugkapitän werden: "heute journal"-Moderator Claus Kleber (Foto: C. Gartner)

Er moderiert eine der bekanntesten Nachrichtensendungen im deutschen Fernsehen, war jahrelang in den USA als Auslandkorrespondent für die ARD tätig und steht für seriöse Berichterstattung: „heute journal“-Moderator Claus Kleber. Mit Face2Face sprach er über seine ersten Gehversuche im Journalismus und gewährte uns sogar ganz private Einblicke.

Face2Face: Können Sie sich noch an Ihren ersten Berufswunsch erinnern?
Kleber: Ich wollte ursprünglich Lufthansa Flugkapitän werden. Das hing vermutlich damit zusammen, dass mein Vater Diplomingenieur war und ich so immer auf technische Berufe getrimmt war. Außerdem wollte ich schon immer gerne viel reisen. Nachdem ich erfahren habe, dass ich eine Brille brauche, hat sich der Traumberuf Pilot aber ganz schnell in Luft aufgelöst.

Face2Face: Wie sind Sie letzten Endes beim Fernsehen gelandet?
Kleber: Journalistisch tätig war ich schon in der Schulzeit – schrieb für die Schülerzeitung und für die Lokalpresse. Ich war mir aber immer bewusst darüber, dass ich auf jeden Fall etwas mit elektronischen Medien machen möchte. Schließlich begann ich eine anfangs befristete Hospitanz beim Südwestfunk, die sich aber schnell zu einer dauerhaften Tätigkeit auswirkte. Dort war ich zuerst als eine Art rasender Reporter in Sachen Landespolitik unterwegs, dann moderierte ich die Sendung „Baden-Württemberg aktuell“ und war bei SWF3 (Anm. d. Red.: das SWF3 entspricht dem heutigen SWR3) als Moderator einer Frühsendung tätig. Erst 1992 wechselte ich dann zum Fernsehen. Das ARD-Studio Washington war eine Art beschützende Werkstatt für mich. „Learning by Doing“ lautete dort die Devise und ich bin auch heute noch sehr dankbar für die große Hilfsbereitschaft, die ich dort erleben durfte. Ein Volontariat habe ich allerdings nie gemacht – wahrscheinlich war ich einfach schon zu lange dabei, als dass da irgendjemand auf die Idee kam danach zu fragen.

Face2Face: Sie moderieren das „heute journal“ nun schon seit neun Jahren. Welche Bedeutung hat die Sendung für Sie?
Kleber: Anfangs, muss ich gestehen, war mir nicht bewusst wie großartig das „heute journal“ ist. Da ich ja eine lange Zeit für die ARD tätig war und mich auch selten in Deutschland aufhielt, empfand ich das „heute journal“ eher als eine bunte und leichte Nachrichtensendung – den Maßstab jedoch waren für mich die „tagesthemen“. Mit dem Antritt des Jobs als Moderator des „heute journals“ lernte ich dann die große Bedeutung des Magazins kennen: Eigene Autoren, die Unabhängigkeit vom übrigen Nachrichtengeleitzug und die Möglichkeit, vor allem als Moderator, viel selbst zu gestalten. Die Moderation des „heute journals“ ist in meinen Augen die ideale Umgebung, wenn man schon nicht die höchste Form des Journalismus, nämlich das Reporterdasein als Korrespondent, praktiziert.

Face2Face: Welche Zielgruppe spricht das „heute journal“ an?
Kleber: Unsere Sendung richtet sich an all diejenigen, die sich für Politik und für die großen Zusammenhänge der Gesellschaft interessieren. Ich glaube, dass sich das „heute journal“ nicht über die Altersgruppe definieren lässt. Wir versuchen jeden Tag eine gute, interessante, verständliche Sendung zu machen. Steve Jobs hat das „I-Phone“ auch nicht für 18-Jährige entwickelt. Qualität findet ihr Publikum überall. Und völliger Unsinn wäre es sich einer bestimmten Altersgruppe anzubiedern: wenn ich mit den Ausdrücken moderieren würde, die ich bei meinen Töchtern aufschnappe, würde ich mich nur lächerlich machen. Moderator und Sendung sollten glaubwürdig sein und sich selbst treu bleiben. Unser Ziel ist es, jeden Abend eine Sendung zu präsentieren, an der keiner vorbeikommt.

Der beste Hund, der je gelebt hat – und sein Herrchen: Moderator und Journalist Claus Kleber

Im Gespräch: Face2Face-Chefredakteurin und "heute journal"-Moderator Claus Kleber (Foto: C. Gartner)

Face2Face: Apropos lächerlich: Was halten Sie von der Parodie auf Ihre Person in der „ProSieben“-Sendung „Switch“? Können Sie darüber lachen?
Kleber: Parodie ist eine sehr schwierige Kunst, wie ich finde. Einige der Sketche bei „Switch“ sind wirklich sehr gelungen. Wie Gundula und ich dargestellt werden, gefällt mir persönlich gut. Besonders interessant finde ich, dass Gundula oft als die Dominantere dargestellt wird, was das ganze Vorurteil von wegen Kleber als Hauptmoderator völlig auf den Kopf stellt.

Face2Face: Sie waren mit kurzer Unterbrechung insgesamt 15 Jahre in den USA tätig. Was hat Ihnen dort am besten gefallen?
Kleber: Besonders beeindruckt an den USA hat mich die Offenheit der Menschen und die gigantische Weite des Landes. Man hat tatsächlich den Eindruck als sei der Himmel dort viel großer als er hier bei uns in Deutschland ist. Das „Projekt Amerika“, aus unterschiedlichen Religionen und Ethnien eine Nation zu formen, fasziniert mich bis heute.

Face2Face: Viele Deutsche kennen nur den seriösen, Anzug-tragenden Moderator einer anspruchsvollen Nachrichtensendung – wie aber sind Sie privat? Haben Sie Haustiere?
Kleber: Bis vor wenigen Monaten hatte ich einen Golden Retriever, der nach unglaublichen 15 Jahren nun leider gestorben ist. Sie hieß Lady und war der beste Hund, der je gelebt hat.

Face2Face: Was sind Ihre Hobbies? Und treiben Sie regelmäßig Sport?
Kleber: Ich versuche dreimal in der Woche auf dem Weg zur Arbeit für jeweils eineinhalb Stunden ins Fitnessstudio zu gehen – meistens schaffe ich es dann aber doch nur zweimal in der Woche. So etwas wie Briefmarkensammeln oder Eisenbahnen zusammenbauen mache ich nicht – nein. Das, was andere Leute in ihrem Hobby finden, nämlich eine interessante Zerstreuung, finde ich in meinem Job.

Face2Face: Was sind Ihre Pläne für 2012?
Kleber: Mein guter Vorsatz für dieses Jahr ist es, meine tägliche Arbeit noch bewusster wahrzunehmen. Der Job wird gern zur Routine, aber ich möchte jede Sendung so vorbereiten und moderieren als wäre es die erste. Außerdem werde ich mich wohl irgendwann entscheiden müssen, was genau ich auf Dauer machen will – vorausgesetzt das ZDF will mich noch ein bisschen behalten: Im Moment mache ich mir darüber aber noch keine großen Gedanken – ich bin rundum zufrieden, mit dem was ich habe und mache. Wie könnte ich das auch nicht sein? Ich arbeite mit einer tollen Redaktion, darf das erfolgreichste deutsche Nachrichtenmagazin moderieren und für meine Dokumentationen rund um die Welt spannende Dinge erleben.

Face2Face: Und zum Abschluss noch die Frage, die wahrscheinlich die gesamte Medienwelt umtreibt: Wie sehen Sie die Zukunft von Print, Radio, TV und Internet?
Kleber: Falls Sie auf das vielerorts prophezeite Verschwinden von Printmedien hinaus wollen: Ich bin mir sehr sicher, dass es auch noch weiterhin Zeitungen geben wird. Den Nachteil beim Internet sehe ich darin, dass dieses nicht auf ein aufgearbeitetes Abbild des Tages ausgerichtet ist. Bei einer Nachrichtensendung wie dem „heute-journal“ bekommt der Konsument ein kompaktes Ergebnis präsentiert, ohne mit Rohinformationen zugemüllt zu werden. Ich denke, dass ein gewogenes Produkt, das reich an verständlicher Information ist, weiter seine Käufer und Zuschauer finden wird. Allerdings muss es auf der Höhe der Zeit bleiben. Wir zeigen inzwischen mit „heute journal plus“ im Internet ein tolles Beispiel dafür. Eine Magazinsendung mit wirklich attraktiven Zusatzangeboten. Dort kann man sich jeden Tag neu umfassend informieren.

Information:
Das „heute journal“ läuft täglich von 21.45 Uhr bis 22.15 Uhr im ZDF. Verpasste Sendungen können unentgeltlich in der ZDF-Mediathek eingesehen werden.

Vorschau: Am Dienstag, 7. Februar berichtet Caro Lobig vom fünfjährigen Jubiläum des Mentorenprogramms „Bis brothers Big Sisters“. Das Kindermitmachfest findet am Samstag, 4. Februar im Stadthaus in Mannheim statt.

Ja, ich altere

Es passiert mir immer öfter. Ich merke, dass ich alt werde. Nicht, weil ich Falten hätte, oder Rheuma, graue Haare. Erscheinungen, die ich zwar kenne, aber nicht unbedingt von mir persönlich. Auch der Ernst des Lebens hat mich noch nicht so wirklich eingeholt. Als Studentin bleiben manche Sorgen einfach fern. Mein Sohn hält mich eher jung, als dass er alt machte. Ohne Reue Zeichentrickfilme, Kinderbücher und mit Wasserfarben klatschen, Kinderlieder trällern und Seifenblasen machen. Nein, das klingt nicht nach alt.

Ja, ich altere

Wer hat den Größten? Digitale Kuchenschlachten machen nicht dick, dafür aber alt (Foto: Obermann)

Was mich erschrickt, eigentlich lächerlich, wenn ich bedenke, dass selbiger Schritt von mir für nächstes Jahr schon lange geplant ist, ist das Heiraten. Präzise: Wenn alte Schulfreunde, Leute von denen ich ewig nichts gehört habe, heiraten. Am Wochenende hatten wir besuch. Zwischen Partywok und „Megamind“ erzählt er uns, ohne mit der Wimper zu zucken, dass eine Bekannte kürzlich geheiratet hat und nun ein Kind erwartet. Das saß. Und es war nicht die erste unheimliche Begegnung in Weiß und Tüll. Schon vor einigen Jahren erfuhren wir, dass ein guter Freund beschlossen hatte, spontan zu heiraten. Wir jedenfalls wussten von nichts und glaubten der Computer wäre kaputt. Der zeigte nämlich ungetrübt beim Facebook-Status „verheiratet“ an. Einfach so, von einem Tag auf den anderen.
Facebook scheint überhaupt der große Hit zu sein, wenn es darum geht, vom Ringtausch zu prahlen. Die Fotos im Profil werden in sepiafarbene Hochzeitsbilder vom teuren Fotografen ersetzt, nach und nach, damit es auch alle erfahren und keiner sich den gestellten Liebesbilden entziehen kann, werden auch die übrigen Hochglanzabzüge digitalisiert und in einem oder mehreren Alben der Internetgemeinde vorgeführt. Ganz schlaue richten für Standesamt und Kirche verschiedene Ordner ein, die dann noch in professionell und selbst geschossen unterteilt werden wollen. Irgendwas wird da auf jeden Fall geschossen, womöglich ja der Twitter-Vogel. Denn Hochzeitswahnsinnige dieser Tage haben ja nicht nur Facebook, sondern mindestens noch Twitter, wenn nicht sogar schon Google+.

Selbige Rüschenliebhaber melden dann auch immer wieder, wie schön alles gewesen sei, die Torte, die Gäste, das Wetter und überhaupt. Hochzeitswettkampf 2.0. Endlich habe ich den ultimativen Grund für Facebook gefunden. Es geht nicht mehr darum, Frauen Noten für ihr Aussehen zu geben, sondern um ganze Vermählungen. Warum noch Einladungen verschicken, wenn alle Welt im Netz teilhaben kann an perfekt sitzenden Frisuren, makellosen Bildern und der Liebe, die durchs World Wide Web schwebt. Kommen bei euch da etwa leise Zweifel an der Perfektion?
Und dann gibt es noch die absoluten Facebook-mit-Hochzeit-überschwemm-Finalistinnen. Die kommen mit den Hochzeitsbildern nicht erst nach der Trauung. Nein, warum auch? Schon Monate vorher geben sie täglich Statusmeldungen ab, wie weit die Planung vorangeht. Eine alte Freundin hatte sogar eine eigene Hochzeits-Website eingerichtet mit Kennenlerngeschichte, Trauzeugenvorstellung, Menuplan. Und das, bevor der Termin offiziell angemeldet war. Jeden Mittag gab es denn Ich-heirate-Countdown mit zwei Zahlen, damit auch wirklich keinem entgehen konnte, wann sie und ihr Liebster sich vor Staat und Kirche das Ja-Wort geben wollten.

Ja, ich altere

Hier kommt die Braut: Das Online-Wettrennen um das schönste Brautkleid hat längst begonnen (Foto: Beutler)

Ja, ich bin auch eine Frau. Ja, ich will auch heiraten. Ja, ich freue mich auch darauf. Aber dem großen Rest der Welt wird das egal sein, warum muss ich ihn dann bis aufs Blut damit konfrontieren? Ich warte nur darauf, bis eine der Spezialistinnen Bilder der Geburt ihres ersten Kindes hochlädt. Oder gleich ein Video. Erklärt es mir, ich brenne darauf: Muss das sein? Ein Bild, dagegen sag ich nichts. Zwei, drei Meldungen, wenn der große Tag vor der Tür steht, meinetwegen. Wir wollen ja schließlich nur einmal heiraten und es ist toll, wunderbar, romantisch, was weiß ich. Aber irgendwie, irgendwo und irgendwann reicht es doch wirklich. Denn dann bekomme ich zumindest das Gefühl, dass alle Welt um mich herum heiratet. Der eine, die andere, die auch noch, die schon wieder oder immer noch, der jetzt auch.
Tja, und dann, dann fühle ich mich alt. Wenn Leute, mit denen ich im Sandkasten gesessen habe plötzlich einen anderen Nachnamen haben. Wenn Freundinnen und Freunde sich auf ewig binden. Wenn auf einmal überall so viele, wichtige Entscheidungen getroffen und Fragen mit „Ja“ beantwortet werden. Das ist der Ernst, ernster wird’s nicht, das macht uns alle auf einen Schlag erwachsen. Nicht nur erwachsen, auch vernünftig und nachdenklich, planend und berechnend. Und irgendwie eben auch alt. Daran kann ich schlecht was ändern und das ist noch viel schlimmer, denn für Falten gibt es Cremé, für Haare Tönung. Alt werden wir trotzdem, jeden Tag ein bisschen mehr. Woran merkt ihr, dass ihr alt werdet?

Vorschau: Nächste Woche berichtet Lea, wie es ist, wenn ihr einfach alles über den Kopf wächst.

Nachrichten – aber wo bleibt das Positive?

Mir wird ganz schwindlig, wenn ich in der letzten Zeit Nachrichten schaue, um zu erfahren, was es Neues in der Welt gibt. Meine gute Laune bekommt einen ordentlichen Dämpfer, als die ersten Bilder aus Libyen und Syrien über den Bildschirm flackern. Was ist nur in unserer Welt los?

 Während in Libyen Ausnahmezustand herrscht, da die Gegner Gadaffis für ein freies Land kämpfen, befinden sich Tausende Syrer zurzeit auf der Flucht in die Türkei. Japan hingegen kämpft mit den Folgen des schwersten Erdbebens in seiner Geschichte: Vor Kurzem wurde bekannt, dass es drei Kernschmelzen gab. Der Radius der evakuierten Zone wurde von 20 km auf 40 km erweitert und nun hat man radioaktives Strontium im Grundwasser gefunden. Die Fassungslosigkeit ob dieser Situation nagt selbst am Zuschauer.

 Griechenland fechtet mühsam seinen eigenen Kampf gegen den finanziellen Staatsruin aus, jedoch ohne großen Erfolg: Die Kreditwürdigkeit des Landes ist weiter herabgestuft worden, trotzdem berät das Europäische Parlament über einen zweiten Rettungsschirm in einer schwindelerregenden Höhe von 120 Milliarden Euro.

 In Australien wurde der Ort Christchurch wieder von einem Erdbeben heimgesucht. Vor 4 Monaten gab es dort schon einmal ein Beben, das 81 Menschen das Leben gekostet hatte. Die Menschen dort müssen nun mit weiteren Nachbeben rechnen.

Und Deutschland? Das ist immer noch beschäftigt mit EHEC, das 36 Menschenlebengefordert hat. Erst heute wurde wieder bekannt, dass ein zweijähriger Junge an den Folgen von EHEC gestorben ist. Kaum gibt es eine Entwarnung, sorgt schon wieder der nächste Fund für Aufruhr. Mittlerweile glaubt man aber, den Übeltäter gefunden zu haben: Sprossen. Allerdings ist bislang unklar, wie die Erreger in den niedersächsischen Betrieb geraten sind. Schlimmer ist jedoch, dass viele der erkrankten Menschen mit Folgeschäden werden leben müssen.

 Die Nachricht, dass Dirk Nowitzki mit seiner Basketball-Mannschaft Dallas Mavericks NBA Champion geworden ist und zudem noch als bester Spieler der Finalserie ausgezeichnet wurde, geht bei den vielen negativen und eher schockierenden Nachrichten beinahe unter. Ich bekomme es zwar mit und ich finde es toll, dass sein jahrelanger Traum nun endlich in Erfüllung geht, aber die anderen Bilder sind immer noch in meinem Kopf.

 Ich weiß nicht, ob es nur mir so geht, aber mittlerweile fürchte ich mich schon ein bisschen vor den Nachrichten aus aller Welt. So viel Leid und Krieg, so viel Elend und Todesnachrichten, so viel Meldungen über irgendwelche Krankheiten, dass sich einem allein bei dem Gedanken schon die Nackenhaare aufstellen. Warum können die Nachrichten denn nicht ab und an auch etwas Positives mit einfließen lassen? Ein Bekannter von mir meinte erst neulich, dass man in den Nachrichten verkünden könnte, wie viele Kinder auf die Welt gekommen seien. Eine schöne Idee …

Ohnehin – warum nur Negatives über die Welt berichten? Warum den Menschen nur dasSchlechte vorhalten? Das muss sich auch der 34-jährige Luca Marcolivio gedacht haben, alser im Februar 2010 die italienische Zeitung „L’Ottimista“, zu Deutsch „Der Optimist“,mitbegründete. Diese Zeitung ist nur so gespickt mit positiven Nachrichten – Gewalt, Sexdelikte, politische Berichterstattungen, all das sucht man hier eher vergebens. Luca Macolivio äußerte in einem Interview, dass die Menschen über das Schlechte, das in der Welt geschieht, ohnehin Bescheid wüssten, deshalb ist es auch nicht wirklich einseitig, nur Positives zu berichten. Bei dieser Zeitung schreiben sechs Journalisten mit, der Hauptsitz liegt in Rom und die Zeitung erscheint online und einmal pro Woche auch als Printausgabe. Sie erfreut sich bereits großer Beliebtheit. Allerdings ist sie noch immer von Spenden abhängig.

 Natürlich ist eine solche Idee nicht neu: Auch in Amerika gibt es solche Zeitungen, wie zum Beispiel die Internetzeitung happynews.com. Ob diese Zeitungen nun besser oder schlechter sind als irgendwelche anderen Zeitungen, muss jeder wohl für sich selbst entscheiden.

 Ich muss allerdings gestehen, dass ich es auch schön finde, nicht nur negative Schlagzeilen zu lesen, sondern auch eine ganz andere Seite der Medaille aufgezeigt zu bekommen. Denn von irgendwelchen Sexskandalen, Plagiatsvorwürfen, Vogelgrippe-Schweinegrippe-EHEC Nachrichten sowie ständigen Unruhen habe ich gerade genug. Und so lese ich – ja, ich gestehe es – auch gerne mal über die schlechten Nachrichten hinweg und versuche mich, ein klein wenig mehr Optimist zu sein. Denn vielleicht hat Luca Marcolivio ja recht, wenn er sagt: „Es gibt das Böse, aber aber man kann es besiegen.“

 In diesem Sinne: Eine schöne Woche!

Eure Lea

Vorschau: Nächste Woche beäugt Eva für euch die Frauen Fußball WM.