Apps und weitere Hilfen für nachhaltigen Lebensmittelkonsum

Die Menschheit lebt über ihre Verhältnisse. Der statistische, ökologische Fußabdruck eines Bürgers der EU oder der USA ist viel zu groß. Doch was tun? Ein wichtiger Schritt wäre es, dass wir Alternativen finden und nachhaltiger konsumieren. Besonders bei den Lebensmitteln tun wir nicht nur der Umwelt, sondern auch uns selbst etwas Gutes. Man muss nur genauer hinschauen.

Ein Schritt, den viele bereits gehen, ist es, Bio-Lebensmittel zu kaufen. Doch auch hier ist Vorsicht geboten. Nicht alles ist, wie es scheint. Auch hier gibt es Schummeleien und Hintertürchen (Bemerkung: Darauf werden wir bald genauer eingehen). Der neue Trend des Food-Sharings ist ebenfalls zu empfehlen. Die Qualitätssiegel, die auf Produkten zu finden sind, wie zum Beispiel bei Fisch, sind ebenfalls ein wichtiger Hinweis für Nachhaltigkeit. Oft entsprechen diese Produkte wenigstens den Mindestanforderungen. Nun gibt es noch weitere Hilfen, die einem das Leben erleichtern sollen.

Der WWF hat dazu einen Einkaufsratgeber. Auch eine App ist bereits vorhanden, die beim Fischkauf zu Rate gezogen werden kann. Der Verein für kontrollierte alternative Tierhaltungsformen (KAT) ist die Kontrollinstanz für die Herkunftssicherung und Rückverfolgung von Eiern aus alternativen Hennenhaltungssystemen in Deutschland und den benachbarten EU-Ländern. Das KAT Siegel hat strenge Auflagen. Doch mehr noch. Anhand der Nummer, die auf jedem Ei zu finden ist, kann jeder herausfinden, wie und wo ein Ei entstanden ist. Diese Nummer kann man online oder per App eingeben und bekommt alle  nötigen Infos dazu, wie auch einige Bilder aus dem Bauernhof.

Andere Apps können ebenfalls hilfreich sein, müssen sie aber nicht. Generelle Vorsicht ist ebenfalls hier geboten. Doch das Internet hilft bei gegenseitigem Erfahrungsaustausch. Weitere Apps, die es lohnen, ausprobiert zu werden sind die Apps von AOK (AOKgenießen für Rezepte und AOKeinkaufen fürs einkaufen). Mit Hilfe der App BIO123 des Barcode Scanners sollen hier sogar Bio-Produkte gescannt und Infos dazu eingeholt werden können. Auch der nächste Bio-Laden soll hier angezeigt werden.

 

Vorschau: In zwei Wochen geht es mit der Tier&Umwelt Rubrik weiter. Wir beleuchten, ob Bio wirklich immer besser ist.

Waldluft statt Parfüm oder: Zeit statt Zeug

Der Duft von frisch gefallenem Laub liegt in der kühle Waldluft: Besser als Parfüm? (Foto: Zeit statt Zeug)

Der Duft von frisch gefallenem Laub liegt in der kühle Waldluft: Besser als Parfüm? (Foto: Zeit statt Zeug)

Der Geruch von frisch gefallenem Laub und Holz liegt in der kühlen Waldluft. Die herbstlichen Farben der Blätter verblassen allmählich zu einem eintönigen Braun. Leise raschelnd bedecken sie den sandigen Weg und dämpfen jeden Schritt. Irgendwo weit entfernt ertönt der Ruf eines Vogels. Über den kahler werdenden Baumwipfeln thront der stahlblaue Himmel. Eine Atmosphäre, so einzigartig und besonders und dann doch wieder so alltäglich, dass wir sie kaum bewusst wahrnehmen. Und dabei würde es sich doch lohnen, das Parfüm einmal gegen frische Waldluft einzutauschen.

Das dachten sich auch die Mitarbeiter der Kreativagentur Scholz & Volkmer und riefen zu Weihnachten 2012 das Projekt „Zeit statt Zeug“ ins Leben, das nicht nur Ideen für eine nachhaltige Konsum- und Freizeitgestaltung liefert, sondern auch die Möglichkeit bietet, besondere Momente mit geliebten Menschen zu teilen.

Zoobesuch statt Stofftier, reparieren statt neu kaufen und Schrank ausmisten statt Shopping sind nur einige der Geschenkideen, die der Besucher der „Zeit statt Zeug“-Website an seine Lieben verschenken kann – ganz unkompliziert und kostenlos.

„Das Thema Nachhaltigkeit liegt uns sehr am Herzen“, erzählt Nanna Beyer, zuständig für den Nachhaltigkeitsbereich bei Scholz & Volkmer, „die Reduzierung des eigenen Konsums tut nicht nur der Umwelt gut, sondern wirkt sich auch positiv auf den Menschen aus. Denn Verzicht ist nicht nur schlecht – er befreit auch.“

Schülerin Sophia hätte Spaß daran: Kochabend statt Kochbuch (Foto: Zeit statt Zeug)

Schülerin Sophia hätte Spaß daran: Kochabend statt Kochbuch (Foto: Zeit statt Zeug)

Tatsache ist: 9 Mio. Kochbücher werden pro Jahr gekauft, 4,5 Mio. davon – also genau die Hälfte – bleiben ungenutzt. Wieso also nicht zum anstehenden Weihnachtsfest mal einen Kochabend statt eines Kochbuches verschenken?

Schülerin Sophia (15) kann sich das gut vorstellen: „Ich koche wirklich gerne, nur leider nicht so oft. Deshalb würde ich mich über einen Kochabend freuen.“ Gemeinsam mit ihren Freunden wäre das auch noch richtig lustig, ist sie sich sicher. Und am Ende würde hoffentlich auch etwas Leckeres dabei rauskommen. Auch gefällt ihr die Idee, einmal selbst Zeit statt Zeug zu verschenken: „Es bedeutet mir viel, mit den Menschen, die mir wichtig sind, etwas Schönes zu unternehmen. Leider geht das im Alltag oft unter, weil einfach nicht genügend Zeit da ist. Wenn man sich allerdings gezielt gemeinsame Zeit schenken würde, dann würde das sicher nicht passieren.“ Außerdem sei eine gemeinsame Unternehmung im Nachhinein wertvoller als etwas Materielles, weil man die Erinnerung immer in sich trägt, findet Sophia.

Auch Beyer bezeichnet Zeit als kostbares Gut – „Zeit ist limitiert und kann daher nur mit einem bewusst ausgewählten Kreis an Personen geteilt werden. Und genau dieses Bewusstsein beim Thema Zeit sollte auch auf den Konsum übertragen werden. Das möchten wir mit dem Projekt erreichen.“ Eine konkrete Zielgruppe gibt es laut Beyer nicht: „Wir versuchen immer, die Gesellschaft im Blick zu haben und wünschen uns, so viele Leute wie möglich zu erreichen. Wir möchte bei den gut Situierten das Bewusstsein für Nachhaltigkeit wecken, aber auch diejenigen ansprechen, die weniger Geld haben und trotzdem etwas Schönes verschenken wollen.“

Und für die Kleinen: Zoo statt Stofftier (Foto: Zeit statt Zeug)

Und für die Kleinen: Zoo statt Stofftier (Foto: Zeit statt Zeug)

Wie zum Beispiel Studentin Patricia (21). „Zeit statt Zeug“ ist für sie die „(fast) perfekte Lösung für das alljährliche Weihnachtsgeschenke-suchen-finden-Problem“, da sie zwar wenig Geld habe, ihren Liebsten zu Weihnachten aber trotzdem etwas ganz besonderes schenken möchte. „Da ich nicht mehr zu Hause wohne, finde ich gemeinsame Zeit besonders wertvoll“, erzählt sie, „als Geschenk für meinen Papa könnte ich mir gut vorstellen, ihm einen Gutschein über gemeinsame Zeit zu schenke, um ihm sein Laptop näher zu bringen. Bei anderen, wie meiner jüngeren Nichte, die erst elf ist, ist es etwas schwieriger, Zeit zu verschenken. Denn in diesem Alter hat man noch so viel Zeit, dass diese nicht viel zählt, da muss ich mir wohl etwas anderes ausdenken.“

„Eine Kleinigkeit an Spielzeug gehört dazu“, findet auch Samantha (25) im Bezug auf ihren vierjährigen Sohn. Zeit mit der Familie zu verbringen, zusammen essen, einfach beisammen sein und sich auszutauschen sei für sie jedoch das Wichtigste – vor allem an Weihnachten: „Drei Tage weg vom Alltag und nur Zeit für Privates haben – die Weihnachtszeit ist besser als Urlaub.“ Neben Spielzeug und einem Hund möchte das Model ihrem Sohn gemeinsame Zeit schenken. „Mein Sohn backt gerne. Deshalb werden wir kurz vor Weihnachten Plätzchen, Kuchen, Muffins und Cupcakes zusammen backen“, berichtet die junge Mutter stolz.

Noch gar keine Ideen, was er zu Weihnachten verschenken kann, hat Sandro (24). Der Jugend- und Heimerzieher bezeichnet sich selbst als „Kurz-vor-knapp-Einkäufer“. Seiner Meinung nach sind materielle Dinge weniger wert. Oft profiliere sich der Schenker auch noch wegen des Geldes, das er investiert hat. „Doch mit ein wenig Zeit und einer tollen Idee kann man jemandem das Gefühl vermitteln, wichtig zu sein“, ist sich Sandro sicher.

Wie wäre es mit: Reparieren statt neu kaufen? (Foto: Zeit statt Zeug)

Wie wäre es mit: Reparieren statt neu kaufen? (Foto: Zeit statt Zeug)

Ideen liefert das Projekt „Zeit statt Zeug“ jede Menge. Und auch die Umsetzung ist kinderleicht: Passendes Geschenk auswählen, den eigenen Namen sowie den Namen desjenigen eingeben, der beschenkt werden soll, zwischen diversen Möglichkeiten eine Gestaltung der Karte wählen, einen Text sowie Datum und Uhrzeit für das Stattfinden des Geschenks eintragen. Zum Schluss noch die E-Mail-Adresse des Empfängers angeben und schon erhält dieser die Karte als Link per E-Mail und kann nun angeben, ob er das Geschenk so annimmt oder aber einen anderen Terminvorschlag machen.

Kurz vor Weihnachten soll das Angebot des „Zeit statt Zeug“-Projektes noch um eine Wunschliste erweitert werden, wie uns Beyer verrät. „Mithilfe der Wunschliste kann ich zum Beispiel jemandem nahelegen, dass ich Hilfe beim Anbringen meiner Gardinenstange brauche. Erfüllt derjenige mir dann den Wunsch, könnte ich ihn im Gegenzug beispielsweise bekochen.“

Egal ob Stricken beibringen statt Pullover, Fußballspielen statt Konsole oder Nackenmassage statt Schal – wer noch auf der Suche nach dem passenden Weihnachtsgeschenk ist, findet bei „Zeit statt Zeug“ jede Menge kreative Anregungen!

Vorschau: Der Berliner Dennis Stephan hat sein erstes Buch „Der Klub der Ungeliebten“ veröffentlicht. Mit Face2Face spricht er offen über sein Erstlingswerk und seine Inspiration.

Primark – faire Mode zu Billigpreisen?

Bekleidung: Modisch, günstig und fair? (©Uwe Wagschal /pixelio.de)

Bekleidung: Modisch, günstig und fair? (©Uwe Wagschal /pixelio.de)

In vielen deutschen Großstädten eröffneten in den vergangen Jahren Filialen des irischen Modelabels Primark. Durch seine extrem niedrigen Preise ist es vor allem bei jüngeren Käufern sehr beliebt. Viele gelangen dabei in einen regelrechten Kaufrausch. An Samstagen stehen die Leute teilweise sogar an bis auf die Straße, um ein Schnäppchen zu ergattern. Seit der Eröffnung der ersten Filiale in Deutschland 2009 fallen Scharen glücklicher Teenager auf, in beiden Händen die großen braunen Papiertüten mit dem Firmenlogo.

Dabei stellen Kritiker natürlich sofort die Frage: Sind menschenfreundliche Betriebsbedingungen und Umweltschutz bei solch geringen Preisen überhaupt möglich?

Primark meint ja. Auf der Homepage des Textildiscounters wird damit geworben, dass sie sich für Umweltverträglichkeit und gute Arbeitsbedingungen in den Produktionsstandorten einsetzen. Dies soll zum Beispiel durch die Verwendung nachhaltiger Baumwolle erreicht werden. Die Produktion der Baumwolle findet in vielen Ländern, wie zum Beispiel in Indien, nur unter erheblichen Einschränkungen für die Umwelt statt. Als Gründe können der enorme Wasserverbrauch und ein hoher Einsatz von Pestiziden genannt werden. Laut Statistischem Bundesamt ergibt sich pro Tonne hergestellter Baumwollfaser im weltweiten Mittel ein Wasserverbrauch von 8.500 Kubikmetern. Durch ein verbessertes Wassermanagement und einem geringeren Pestizideinsatz will Primark, laut eigenen Angaben, ihre Baumwolle auf den Baumwollfarmen nachhaltiger produzieren lassen.

Darüber hinaus ist Primark Mitglied in der Ethnical-Trading-Initiative (ETI) und setzt sich u.a. für höhere Löhne, mehr Rechte für Arbeiterinnen und gegen Kinderarbeit ein.

Einige kritische Stimmen prangern jedoch an, dass der Verkauf von Kleidung mäßiger Qualität zu derart günstigen Preisen eine Art von neuem Wegwerfkult auslösen könnte. So erschien 2012 in der Berliner Zeitung bereits ein Artikel „Kaufen, anziehen, wegwerfen“, der diese Problematik aufzudecken versuchte. So sei nach Angaben des Statistischen Bundesamtes der Anteil des Textilmülls von 2004 bis 2010 von 82.400 bis 100.300 Tonnen angestiegen. Auch habe sich nach Angaben des Fachverbandes für Textilrecycling die Qualität der Altkleider in den letzten Jahren verschlechtert.

Insgesamt lässt sich sagen, dass sich das Unternehmen im internationalen Vergleich mit anderen großen Konzernen gut präsentiert. Es scheint viele gute Ansätze zu haben, um in Sachen Nachhaltigkeit und Menschenfreundlichkeit ein Vorbild zu sein. Die Frage nach der konsequenten Umsetzung dieser Ideale bei diesen niedrigen Preisen bleibt jedoch bestehen.

Vorschau: Nächste Woche erfahrt ihr hier etwas über fossile Arten.

 

Schulkampagne „Fair Future“

Die Aula ist gefüllt mit ungefähr 80 jugendlichen Schülern. Die meisten schauen interessiert nach vorne, nur ein paar Störenfriede gibt es. Der Biologe Stefan Simonis steht vor der Leinwand und spricht zu ihnen. Indem er den Schülern Fragen stellt, sie die Hand heben oder aufstehen lässt, bezieht er alle mit ein. Es geht um ein Thema, das jeden Menschen auf der Welt betrifft. Wie gerecht ist diese Welt? Wie stark beansprucht unsere Konsumgesellschaft die Ressourcen der Erde? Und was können wir tun, um unsere Welt nachhaltig zu verbessern?

Schulkampagne „Fair Future“

Wie zukünftig ist unser Lebensstil? Das Logo des Fair Future Projekts. (c) die Multivision e.V. www.multivision.info www.FairFuture.net

 „Fair Future“ ist eine Schulkampagne, die den Jugendlichen genau diese Fragen beantworten soll und ihnen vermitteln, welche Verantwortung jeder für diese Welt trägt. Mehrere Verbände haben sich dafür zusammengeschlossen, nämlich Multivision, ein Verein für Jugend- und Erwachsenenbildung, der BUND (Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland), Oxfam Deutschland, eine Hilfs- und Entwicklungsorganisation, und das Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie.

Das Projekt machte in vielen Teilen Deutschlands Halt und am 17.10.2012 war es in Speyer in der Burgfeldschule zu Gast. Um 11:30 Uhr war ein Vortrag für jugendliche Schüler aus der Johann-Joachim-Becher-Schule. Doch das war nicht der erste und auch nicht der letzte Vortrag. Bereits zwei Stunden später kamen Schüler aus der sechsten Klasse des Hans-Purrman-Gymnasiums ebenfalls in den Genuss.

Schulkampagne „Fair Future“

Viele Schüler werden erreicht: Die Fünftklässler des Hans-Purrmann- Gymnasiums posieren für Face2Face.  Foto: Föhr

„Man erreicht schon viele Schüler“, sagt Stefan Simonis. Gegenüber Face2Face berichtet er, dass zwar nicht alle Schüler etwas von diesem Tag mitnehmen, jedoch ist sein Werk bereits getan, wenn es nur ein Teil ist. Natürlich könne man kleinere Kinder, wie die Fünftklässler nicht gleich für Klimaschutz und Umweltbewusstsein begeistern, doch gibt es auch andere Gegebenheiten. „Bei dem vorangegangenen Vortrag entwickelte sich danach eine große Diskussion, ich musste gar nichts mehr sagen.“, erklärte Simonis und war erfreut über so viel Anteilnahme.

Ein Vortrag verläuft folgendermaßen: Nachdem Simonis einige einleitende Worte erzählt, klärt er die wichtigen Grundbegriffe, wie Ressourcen und Nachhaltigkeit. Er zeigt, indem er das Publikum mit einbezieht, bildlich, dass ein Viertel der Weltbevölkerung drei Viertel aller Ressourcen verbrauchen. Er erklärt den ökologischen Fußabdruck, als ein Rechenmodell für den Ressourcenverbrauch. Danach folgt ein 47-minütiger Film, der noch genauer auf diesen ökologischen Fußabdruck eingeht und ebenfalls persönliche Schicksale von Menschen aus unterschiedlichen Bereichen der Erde darlegt.

Schulkampagne „Fair Future“

Genaue Erklärung: Biologe Stefan Simonis bringt das Projekt den Schülern näher.  Foto: Föhr

Es wird klar, dass Menschen über ihre Verhältnisse leben. Sie verbrauchen in einem Jahr so viele Ressourcen, dass die Erde ein Jahr und vier Monate braucht, um diese zu produzieren. Würde jeder Mensch so leben wie ein durchschnittlicher Europäer, bräuchte man für die Bereitstellung der Ressourcen drei Planeten. Nachhaltig leben ist hier das Stichwort. Dies bedeutet, dass ein jeder nur so viele Ressourcen verbraucht, wie die Erde nachproduzieren kann. Wenn wir nicht bald handeln, ist es zu spät. Und jeder kann dazu beitragen und seinen persönlichen ökologischen Fußabdruck verringern. Dieser setzt sich aus Ernährung, Wohnen, Mobilität und sonstigem Konsum zusammen. Es ist wichtig, seinen eigenen Lebensstil anzupassen. Dazu gehört weniger tierrische Produkte und stattdessen lokal angebautes Gemüse essen, weniger Auto und mehr Fahrrad fahren, weniger Strom verbrauchen und Zuhause nicht immer die Heizung anlassen.

Nach dem Film machen sich die Jugendlichen sofort auf. Eine rege Diskussion findet hier selbst nicht statt. Doch das Projekt hat seine Wirkung nicht verfehlt. Denn nach diesem Tag sind wohl einige Schüler aufgeklärter als zuvor.

Vorschau: Nächste Woche geht es um den Weltvogelpark Walsrode

 

„Wir sind zu arm, um billig einzukaufen“

Stellungswechsel: Die ehemalige Mode-Designerin Magdalena Schaffrin setzt sich als freie Dozentin und in der Organisation von Veranstaltungen wie dem green showroom für die Salonfähigkeit von nachhaltiger Mode ein. Face2Face traf die sympathische Berlinerin, um mit ihr über Nachhaltigkeit und Mode zu sprechen.

Face2Face: Was bedeutet Nachhaltigkeit für Sie und wieso haben Sie sich nach dem Studium gerade darauf spezialisiert?
Schaffrin: Das ist ein sehr komplexes Thema mit vielen Facetten, die beleuchtet werden müssen. Die Modebranche an sich ist sehr global und man muss die gesamte textile Kette betrachten. Einen großen Bereich stellt beispielsweise der Bio-Bereich mit seinen Bio-Fasern dar. Aber auch Arbeitsbedingungen beim Anbau der Materialien und in den Fabriken darf man nicht außer Acht lassen. Auch wie die Stoffe gefärbt und hergestellt werden und ob beim Design und bei der Vermarktung auf Nachhaltigkeit gesetzt wird, ist von Bedeutung. Ein nachhaltiges Kleidungsstück ist beispielsweise klassisch, zeitlos und hat durch gute Verarbeitung eine lange Lebensdauer. Umfassender betrachtet gehört zur nachhaltigen Mode aber der gesamte Produktzyklus, also auch, wann und wohin diese Stoffe entsorgt werden und was mit den Rohstoffen passiert. Aus dieser Frage ergeben sich zwei weitere Bereiche: Das Recycling verschiedener Materialien und das Upcycling, also das Restaurieren bereits erstellter Moden. Mir war es wichtig, die Geschichte der Mode weiterzugeben. Das textile Wissen geht durch die Industrialisierung immer mehr verloren und traditionelle Muster und Handarbeit geraten in Vergessenheit. Ich möchte ein Stück dazu beitragen, das kulturelle Gut zu erhalten.

Face2Face: Sind die Deutschen auf einem guten Weg, was Nachhaltigkeit betrifft?
Schaffrin: Das wird sehr oft gefragt. Berlin ist eine nachhaltige Stadt und die Deutschen wollen das gerne hören. Und ja, das ist so. Die einzelnen Schwerpunkte haben viel mit der Mentalität zu tun: In Skandinavien, Großbritannien und den Niederlanden ist der Sozialfokus groß, in Frankreich wird eher auf Ethik und den sozialen Gedanken Wert gelegt, was damit zu tun hat, das heute in vielen ehemaligen französischen Kolonien Mode produziert wird. In Deutschland ist Ökologie sehr wichtig, die Deutschen haben Angst vor Pestiziden. Die nachhaltige Mode hat mit der Marke Hess Natur und weiteren Pionieren ihre Wurzeln übrigens in Deutschland.

Face2Face: Viele unserer Leser sind Schüler, Studenten oder Auszubildende. Was halten Sie von der Aussage, dass nachhaltige Mode – eben vor allem für diese Zielgruppe – zu teuer ist?
Schaffrin: Mode ist grundsätzlich zu günstig und spiegelt nicht die Wertschöpfung wider. Wenn man Mode zu fairen Bedingungen tragen will, muss man eben mehr zahlen. Es gibt ja aber auch immer mehr Bestrebungen von Modeketten wie C&A, H&M und Otto, die ökologische Kleidung für wenig Geld verkaufen. Man muss sich außerdem auch nicht komplett nachhaltig kleiden. Nachhaltigkeit fängt schon damit an, weniger zu kaufen und genau darüber nachzudenken, was man wirklich braucht. Auch Qualität spielt eine Rolle. Man muss sich fragen, ob man lieber zehn billige Kleidungsstücke oder ein anständiges kauft. Ich kaufe beispielsweise sehr gerne teure Schuhe und zwar die, die ich wirklich will. Man muss sich manchmal dazu überwinden, viel auszugeben, aber man trägt die Sachen dann viel länger und viel lieber. Wir sollten uns mehr an unseren Großeltern orientieren: Die waren zu arm, um billig einkaufen zu gehen.

Face2Face: Sie haben Ihr eigenes Label aufgegeben und arbeiten jetzt vor allem in der Messeorganisation. Wieso?
Schaffrin: Ich will nachhaltige Mode-Unternehmen unterstützen, wirtschaftlich erfolgreich zu sein und ihnen eine Plattform bieten, auf der Austausch passiert.

Face2Face: Sie arbeiten auch als freie Dozentin an verschiedenen Design-Schulen. Was bedeutet Ihnen das?
Schaffrin: Viel, sehr viel. Ich habe die Studenten der MediaDesign Hochschule Berlin ein ganzes Semester bei der Erarbeitung einer nachhaltigen Kollektion begleitet und finde es spannend, was da gedanklich passiert. Viele der Studenten machen jetzt ihren Bachelor in der Nachhaltigkeit. Es ist schön, wenn man auf einem missionarischen Weg auf offene Ohren stößt.

Face2Face: Die Standortinitiative „Deutschland – Land der Ideen“ hat Sie mit dem Titel „100 Frauen von Morgen“ ausgezeichnet. Was bedeutet Ihnen das?
Schaffrin: Das ist natürlich ein großer Auftrag, den man erfüllen will.

Face2Face: Was sind Ihre persönlichen Lieblingsmaterialien?
Schaffrin: Naturmaterialien, kein Polyester oder Synthetik, wobei ich eine Outdoor-Jacke aus synthetischem Stoff besitze. Ich mag Seide, Leinen, Baumwolle und Ramie sehr gerne.

Vorschau: Zukünftig findet ihr hier auch regelmäßig Tipps für die Männerwelt. Nächste Woche gibt es einen Überblick, was euch in der nächsten Zeit alles erwarten wird. Denkt auch daran, an unserem Gewinnspiel teilzunehmen, das nur noch wenige Stunden, nämlich genau bis heute Nacht, 23.59Uhr läuft.

Mode aus Milch, Bananen & Co. – Der Öko-Trend auf der Überholspur

„Öko-Mode“ – für viele der Inbegriff für Wollsocken und lapprige Leinenhemdchen. Doch seit einigen Jahren geht der Modetrend immer mehr in Richtung nachhaltige, umweltfreundliche Mode und wird durch Star-Designer wie Stella McCartney und Giorgio Armani unterstützt. Da die Verarbeitung von der am häufigsten eingesetzten Faser in der Textilbranche, der Baumwolle, in der Regel mit dem Einsatz von umweltgefährdenden und gesundheitsschädlichen Chemikalien verbunden ist, wird weltweit nach alternativen Materialien geforscht.

Der deutschen Modedesignerin und Diplombiologin Anne Domaske ist diesbezüglich ein Durchbruch gelungen: Mode aus Milch! Zwar gibt es bereits seit 1930 die Möglichkeit die sogenannten Kaseinfasern aus Milch zu gewinnen, jedoch war das bisherige Verfahren extrem ressourcenaufwendig: 20.000 Liter Wasser für ein Kilogramm Fasern. Nun ist es dank Domaske möglich mit nur zwei Liter Wasser die gleiche Menge herzustellen.

Die Basis ist technisches Kasein, Milcheiweiß in Pulverform, das natürlicher Bestandteil und ein Nebenprodukt der Milch ist. Folglich werden keinerlei Lebensmittel durch die „Milchmode“ vernichtet. Zusätzlich hat der Stoff aus Milchfasern eine pflegende, beruhigende Wirkung auf die Haut. Also Wellness und Mode in einem! Da immer mehr Menschen an Allergien leiden, ist die Verwendung einer solchen antibakteriellen und antiallergischen Naturfaser in Textilien auch bezogen auf gesundheitliche Aspekte eine wirkliche Alternative.
Die Gründerin des Modelabels „Madame Chi Chi“ Domaske hat daraufhin ihr zweites Unternehmen gegründet: „Qmilch“ – und gewann bereits zwei Innovationspreise für die Entwicklung dieser ökologischen, chemikalienfreien Produktion.

Mode aus Milch ist jedoch nicht die einzige Möglichkeit „grüne Mode“ herzustellen. Wie das australische Unternehmen „aussieBum“ beweist, eignen sich auch Bananen dafür. Sobald die Bananen von den Bananenpalmen geerntet werden, kann man aus der Rinde des Pflanzenstamms die Fasern herauswaschen. Anschließend wird aus diesen Fasern das Garn gesponnen. Ebenso wie bei den Milchfasern, werden auch bei der Gewinnung von Bananenfasern – auch Bananenseide genannt – keine Lebensmittel vernichtet: Da nach der Ernte die Pflanzen zurückgeschnitten werden müssen, handelt es sich bei der Produktion um Verwertung von Abfall.

Milch, Bananen und – Algen! Das deutsche Unternehmen „Twosquaremeter“ verwendet in seinen Textilien Algenfasern, sogenanntes „Seacell-Jersey“. Die positiven Eigenschaften der Algen übertragen sich auf die Textilien, sodass diese hautschützend, entzündungshemmend und atmungsaktiv sind. Darüber hinaus wird beim Tragen dieser Kleidung Kalzium, Magnesium und Vitamin E an die Haut weitergegeben, was einen Anti-Aging-Effekt hervorruft.

Wer passend zu seiner „grünen Mode“ auch „grünen Schmuck“ tragen will, ist bei „Green Age“ genau richtig: Die beiden gebürtigen Kolumbianer aus Hamburg gründeten in ihrer Heimat dieses Unternehmen und lassen seit dem vor allem von sozioökonomisch benachteiligten Frauen handgefertigten Schmuck unter sehr guten Arbeitsbedingungen und fairen Löhnen in Cali produzieren. Hauptbestandteil ihres Schmucks ist dabei die Tagua-Nuss, auch pflanzliches Elfenbein genannt. Diese Nuss ist ein Palmensamen aus den kolumbianischen Regenwäldern und wird im Laufe der Zeit immer schöner. Als weiteren Bestandteil verwenden die Kolumbianer Orangenschalen in ihren Kollektionen.

Dass die Öko-Mode auch Einzug in die Fashion Weeks erhält, zeigte sich diesen Monat in Berlin. Designern wurden in Berlin gleich mehrere Plattformen für nachhaltige, ökologische Mode geboten:
Die öffentlichen Schauen des Lavera Showfloor fokusierten grüne Mode, die beweist, dass die modische Avantgarde auf Nachhaltigkeit setzt. Wesentliche Kriterien für die Auswahl der Designer waren zum Beispiel regionale Produktion unter sozialen Bedingungen sowie kurze Transportwege, um den CO2-Ausstoß zu verringern. Teilnehmer waren unter anderem das österreichische Modelabel „Göttin des Glücks“ und das britische Unternehmen „Battenberg-Cartwright“.

Auch der „GREENshowroom“, der Luxus und Nachhaltigkeit verbindet, war wieder fester Bestandteil der Berliner Fashion Week. Im luxuriösen Hotel Adlon zeigten Labels, die unter nachhaltigen Aspekten produzieren, ihre aktuellen Kollektionen. Wie jedes Jahr wurden die Teilnehmer ebenfalls nach strengen Richtlinien ausgewählt, so zum Beispiel „edelziege“ und „Muriée“.

Auf der Partnermesse des „GREENshowroom“, der Ethical Fashion Show, bekamen Modelabels die Möglichkeit ihre Street- und Casualwear-Kollektionen einem großen Publikum zu präsentieren. Diese Modelabels sehen Ökologie und Ethik als selbstverständlich an und richten ihre Produktionen dementsprechend aus.

Vorschau: Was alles in den Koffer muss, um modisch durch den Urlaub zu kommen, erfahrt ihr nächsten Donnerstag in der Moderubrik.