Hessen – Musikmetropole im Herzen Europas

Bekannt ist die Mainmetropole Frankfurt vor allem für ihre Banken und für die Börse. Das in dieser er steifen Umgebung der deutsche Rap seine Geburtsstunde erlebte, ist kaum zu glauben. Doch damit nicht genug: Nicht nur Rap sondern auch Pop-Musik, die auf der ganzen Welt gespielt wird, entsteht seit Jahrzehnten in Frankfurt.

Lichtermeer: Das Frankfurter Nachtleben bringt auch heute noch den ein oder anderen Star hervor. (Foto: V.Wahlig)

Lichtermeer: Das Frankfurter Nachtleben bringt auch heute noch den ein oder anderen Star hervor. (Foto: V.Wahlig)

Das Tor zur Welt ist mit Sicherheit der Frankfurter Flughafen. Von hier aus geht es in die unterschiedlichsten Länder. In Frankfurt entsteht aber auch Weltmusik. Der legendäre Eurodance fand in Frankfurt seine Geburtsstätte. Der Mix aus Techno, Hip Hop und Pop entstand zwischen Technoszene und GI-Kultur der US-Soldaten. Das wohl beste Beispiel für den Eurodance ist Snap!. „The Power“ und „Rhythm is a dancer“ sind heute noch Lieder, die jede Partymenge zum Kochen bringt. Hinter dem Projekt steckten der DJ Michael Münzing und Luca Anziolotti, die zusammen das Offenbacher Label Logic Records gegründet haben. Der Rapper von Snap!, bekannt als Turbo B., war ein ehemaliger US-Soldat und arbeitete lange Zeit als Türsteher im Frankfurter Nachtleben. Auch aus der Feder der Logic Records entstammte der Song „It’s my life“ von Dr. Alban, dem „rappende Zahnarzt“. Eine andere Erfolgsgeschichte ist die von Culture Beat. „Mr Vain“, 1993 Platz 1 der deutschen Charts, wurde vom Darmstädter DJ Thorsten Fenslau zum Welthit gemacht. Auch ein weiteres Eurodance-Projekt entstand im hessischen Bad Homburg. La Bouche mit Frontsängerin Melanie Thornton war ebenso erfolgreich, wie die anderen Eurodance-Gruppen, die in der Mainmetropole entstanden.

Aber nicht nur der Eurodance ist eng verbunden mit Frankfurt. Einer der bekanntesten Musiker und Produzenten ist im Frankfurter Vorort Rödelheim groß geworden. Die Rede ist von Moses Pelham, der in Deutschland vor allem als Produzent von und später durch seinen Streit mit dem Mannheimer Xavier Naidoo bekannt wurde. Musikalisch machte Pelham mit dem Rödelheim Hartreim Projekt (RHP) von sich Reden, durch das er zu einem der erfolgreichsten und bekanntesten Rapper der 90er Jahre wurde. Noch erfolgreicher war er jedoch als Produzent der Frankfurterin Sabrina Setlur. Sie gilt bis heute als eine der bekanntesten Rapperinnen Deutschlands. Ihre erste Singleauskopplung „Du liebst mich nicht“ wurde zum Nr.1 Hit. Pelham produziert mit seinem Musiklabel Pelham Power Productions (3P) auch heute noch zahlreiche Musiker.

Offenbach, nur unweit von Frankfurt entfernt, gehört zugegebener Maßen nicht direkt zur Mainmetropole und ist auch eher durch die Rivalität zur großen Nachbarstadt bekannt, dennoch ist auch Offenbach eine musikalische Talentschmiede.

So ist sie die Heimatstadt des Rappers Aykut Anhan, besser bekannt als Haftbefehl. Einem seiner Songs entsprang sogar das Jugendwort des Jahres 2013: „Babo“. Unter Babo versteht der Rapper eine Respektperson. Gewusst? Babo ist aber auch ein Wort aus dem Manischen, ein Geheimsprache die in Gießen entstand, und bedeutet so viel wie Boss.

Aber Offenbach kann noch internationaler. Das erfolgreiche Duo Milli Vanilli (ja, zugegeben die haben nicht wirklich selbst gesungen, waren aber dennoch erfolgreich) wurde vom Offenbacher Produzenten Frank Farin erschaffen. Mit dem Song „Girl you know it‘s true“ (28 Wochen Platz 1 der Charts) wurde das Discopop-Duo 1988 auf der ganzen Welt berühmt. Wahrscheinlich wäre die erfolgreiche Idee des Produzenten überhaupt nicht aufgeflogen, wenn 1990 bei einem Liveauftritt das Playback nicht hängen geblieben wäre. Farin nahm jedoch nicht nur die CD von Milli Vanilli in Offenbach-Bieber auf, sondern auch die Songs der Retorten-Band Boney M. Die Platten verkauften sich weltweit hunderte Millionen Mal. Anders als bei Milli Vanilli wusste man von Beginn an, dass bei Boney M. niemand wirklich selbst sang, aber das konnte ihren Erfolg nicht mindern. Lieder wie „Daddy Cool“ oder „Sunny“ sind auch heute noch gern gehörte Stimmungsmacher. Farin ist einer der erfolgreichsten Produzenten der 70er und 80er Jahre, so konnte er sogar Stevie Wonder in die Mainmetropolen locken, der seinen Song „I just called to say i love you“ in Farins Studio bei Offenbach aufnahm.

Aber auch heute noch ist Hessen als Talentschmiede bekannt. Nicht zuletzt kommen die Jungs von Milky Chance aus Kassel. Ihre Single „Stolen Dance“ verkaufte die Band 2013 allein in den USA mehr als eine Millionen Mal.  Auf zahlreichen Festivals auf der ganzen Welt treten die Hessen nun auf und sind somit der hessische Exportschlager.

Mehr über Musiker aus Rhein-Necker, Hessen und Rheinland-Pfalz lest ihr natürlich bei uns auf Face2Face.

Giorgio Moroder – DJ-Urgestein

Andere in seinem Alter sind eher auf der Schlagerlinie unterwegs und tanzen zu den Liedern von Helene Fischer oder Andrea Berg, er nicht, denn sein Platz ist hinter dem DJ-Pult. Die Rede ist von Giorgio Moroder.

Giorgio Moroder wurde am 26. April 1940 in St. Ulrich in Gröden, Südtirol, Italien geboren. Er gilt als Erfinder der Synthesizer-Disco-Musik. Bereits mit 19 Jahren ging er auf Tour und reiste mit unterschiedlichen Bands durch ganz Europa. Nach vielen Jahren als Musiker entdeckte der Italiener die Musikproduktion für sich. Im Jahr 1970 brachte er seine neuartigen elektronischen Innovationen auch nach Deutschland. Für die Sängerin Mary Roos produzierte er im Synthesizer-Sound, den Chart-Hit „Arizona Man“. Sieben Jahre später waren seine elektronischen Einflüsse deutlich im Donna Summer Song „I Feel Love“ zu hören. Ein knappes Jahr später zog es den Virtuosen nach Amerika. Hier komponierte er Soundtracks für zahlreiche Hollywood-Filme, wie „12 Uhr nachts – Midnight Express“ und gewann hierfür sogar einen Oscar. Bei der WM 1990 steuerte er den Hit „Un’estate italiana“ bei. 2013 wirkte er zudem beim Daft-Punk Album mit und ist nun bereits seit über 40 Jahren im Musikgeschäft eine feste Größe.

Falls ihr bis jetzt noch nichts von ihm gehört habt, dann spitzt nun die Ohren, denn diesem Sound entkommt ihr diesen Sommer bestimmt nicht.

Suzanne Vegas Song „Tom’s Diner” ist ein echter Ohrwurm, auch wenn er vor mehr als 30 Jahren die Charts eroberte. Dank Britney Spears und Giorgio Moroder wird der Hit im Jahre 2015 eine echte Tanznummer. Aber nicht nur mit dem amerikanischen Popsternchen hat sich das DJ-Urgestein dieses Jahr eingelassen. Für sein neues Album „Déjà Vu“ holte er sich die Stars der Popszene wie Sia, Kylie Minogue und Charli XCX mit in Boot.

Unser Fazit: Ein besonderer Sound, der das Beste vom DJ-Urgestein mit den Größen der Popmusik vereint. Tanzbare Musik, die aber nicht dem Mainstream folgt.

Hier für euch die Trackliste des Albums:

  1. 4 U with Love | Giorgio Moroder
  2. Déjà Vu (feat. Sia) | Giorgio Moroder & Sia Furler
  3. Diamonds (feat. Charli XCX) | Charlotte Aitchison & Jocke Åhlund
  4. Don’t Let Go (feat. Mikky Ekko) | Mikky Ekko & Fraser T Smith
  5. Right Here, Right Now (feat. Kylie Minogue) | Giorgio Moroder, Patrick Jordan-Patrikios, Karen Poole & David Etherington
  6. Tempted (feat. Matthew Koma) | Giorgio Moroder, Matthew Koma, Raney Shockne, Dan Book, Jeeve & Patrick Jordan-Patrikios
  7. 74 Is the New 24 | Giorgio Moroder
  8. Tom’s Diner (feat. Britney Spears) | Suzanne Vega
  9. Wildstar (feat. Foxes)  | Giorgio Moroder, Lousia Rose Allen, Joel Pott, Raney Shockne & Jeeve
  10. Back and Forth (feat. Kelis) | Giorgio Moroder, Kelis Rogers
  11. I Do This for You (feat. Marlene) | Giorgio Moroder, Elof Loelv, Victor Holmberg, Marlene Strand & Oskar Sikow
  12. La Disco | Giorgio Moroder 

Vorschau: Wer Gregor Jonas ist und was seine Musik ausmacht, dass lest ihr nächste Woche.

Vier Schwestern und der Kampf um den ESC

Spätestens seit Lenas „Satellite“ sind auch wir in Deutschland alle ein bisschen Eurovision Songcontest (ESC). Bereits seit über 50 Jahren ist dieser Wettbewerb eines der Highlights der europäischen Musikwelt. Ob Newcomer wie die Siegerin des letzten Jahres, Conchita Wurst, oder alt eingesessene Künstler, wie das schwedische Quartett ABBA – der ESC war und ist schon immer ein anziehendes Ereignis.

Spannend für die deutsche Musikwelt ist der Vorentscheid für die Auswahl des diesjährigen deutschen Vertreters. Seit einigen Jahren haben dabei nicht nur die großen Stars des Business die Möglichkeit für Deutschland anzutreten, auch Newcomer bekommen die Chance im Clubkonzert eine begehrte Wildcard zu ergattern. Am 19. Februar ist es in Hamburg wieder so weit, der Kampf um die Wildcard zum Vorentscheid wird eröffnet. Zehn junge Künstler und Bands werden an diesem Abend gegeneinander antreten, um ihrem Traum von einer Teilnahme am ESC ein Stückchen näher zu kommen. Mit dabei ist auch die Wiesbadener Band „Ason“ und genau mit ihnen waren wir für euch im Interview.

Vorab: Ason, das sind Dorotea (20), Lillie (18), Joella (16) und Mickelina (12). Musik steckt den vier Schwestern im Blut. Das Singen hat ihnen ihre schwedische Mutter, die Sängerin ist, mit auf den Weg gegeben. Ihr Gefühl für Rhythmus haben die Wiesbadenerinnen vom Vater, der Schlagzeuger ist. Neben Schlagzeug spielen die jungen Musikerinnen auch Klavier, Gitarre und Bass. Ihr Song für den ESC heißt „Hey You“ und erzählt die Geschichte von einem Wiedersehen und von gemeinsamen Erinnerungen zweier Personen. Ihre Musik bezeichnen die vier Künstlerinnen generell mit den Worten „New. Free. Sound“.

Musikalisch: Musik liegt den vier Schwestern in den Genen. (Foto: Ason/ Jonathan Gaubatz)

Musikalisch: Musik liegt den vier Schwestern in den Genen. (Foto: Ason/ Jonathan Gaubatz)

Face2Face: „Eure Band heißt Ason. Was bedeutet der Bandname?“

Ason: „Der Name Ason ist eine Abkürzung von unserem Nachnamen Andersson. In   Schweden gibt es viele ähnliche Namen wie Eriksson, Svensson, Pettersson oder eben auch Andersson. Manche Schweden schreiben dann ihren Nachnamen einfach verkürzt auf. Man nimmt den ersten Buchstaben ein Semikolon und dann „son“. Bei uns wäre das dann zum Beispiel A:son. Wir haben jedoch beschlossen das Semikolon einfach wegzulassen.“

Face2Face: „Seit wann macht ihr Musik und wie habt ihr die Liebe zur Musik entwickelt?“

Ason: „Gefühlt: schon immer. Wir sind einfach mit Musik aufgewachsen. Das geht wahrscheinlich nicht anders mit so musikalischen Eltern. Wir haben schon als kleine Kinder gesungen und getanzt. Musik war und ist schon immer Teil unseres Lebens. Mit richtigem Musikunterricht haben wir mit circa sechs Jahren angefangen. Als Ason machen wir jetzt seit etwa eineinhalb Jahren Musik.“

Dorotea: Vor allem kommt die Liebe zur Musik auch vom Hören und Erleben. Ich war schon sehr früh bei den Auftritten meines Vaters dabei und durfte Musik live erleben. Schön ist es, wenn man sieht was Musik bei Menschen auslöst. Wenn man anfängt Musik mit dem Herzen zu fühlen und vor allem zu verstehen, dann kommt alles andere von allein.

Face2Face: „Habt ihr musikalische Vorbilder? Und gibt es Künstler, mit denen ihr gerne zusammenarbeiten würdet?“

Ason: „ Musikalische Vorbilder sind für uns Künstler wie Ed Sheeran, Goythe, The Script, U2, Peter Gabriel, Peter Fox, Sting und noch so einige andere. Und nicht zu vergessen natürlich auch unser Papa. Natürlich würden wir gerne mit unseren musikalischen Vorbildern mal gerne zusammenarbeiten, auch Andreas Bourani, George Ezra, Darwin Deez, Robyn, Kiefer Sutherland, Benedict Cumberbatch oder Martin Freemann würden auf so einer Liste ganz oben stehen.“

Face2Face: „Wie beschreibt ihr eure Musik jemandem, der noch nichts von euch gehört hat?“

Ason: „ Das was wir mit unserer Musik vor allem erreichen wollen, ist das wir etwas in anderen auslösen. Deshalb ist die Musik so wie wir sind – einfach bunt.“

Face2Face: „Für euch steht nun ein ganz besonderes Konzert an. Im Clubkonzert kämpft ihr um eine Wildcard für den ESC Vorentscheid? Wie kam es dazu und vor allem was fühlt ihr dabei?“

Ason: „Wir haben noch am Tag des Anmeldeschlusses unser Video eingereicht. Einige Tage später wurden wir angerufen, mit der Nachricht, dass wir dabei sind Es war ziemlich überraschend. Im Moment sind wir sehr gespannt, denn diese Zeit ist besonders aufregend aber gleichzeitig total schön. Jetzt heißt es erst einmal proben, proben, proben. Aber die Freude auf die nächste Zeit überwiegt.“

Face2Face: „Zu guter Letzt die Frage: wann und wo können wir euch hören? Wann kommt euer Album raus?“

Ason: „Also erst einmal dürft ihr natürlich am 19.Februar um 22 Uhr im Norddeutschen Rundfunk (NDR) mit uns mit fiebern und für uns Voten. Das Album werdet ihr dann hoffentlich bald in den Händen halten. Für dieses Jahr stehen schon einige Termine an. Die findet ihr übrigens immer ganz aktuell auf unserer Facebook-Seite: www.facebook.de/asonband.“

Die Face2Face-Musikredaktion wünscht Ason viel Erfolg beim Kampf um die Wildcard. Auch wenn die Band mit einem kleinen Wermutstropfen in den Ring steigt. Das Mindestalter beim ESC liegt für Teilnehmer bei 16 Jahren. Mickelina, die erst zwölf Jahre alt ist, wird nicht live auf der Bühne stehen können, sondern legendlich beim Auftritt eingeblendet werden.

Neues Jahr – Neue Musik

Das neue Jahr hält nicht nur neue Modetrends, neue Geschichten und neue Lebensentwürfe bereit, sondern auch ganz viel neue Songs und Bands. Eure Face2Face-Musikrubrik hat sich mal umgeschaut und stellt euch diesmal einige Newcomer und noch unbekannte „Alte Hasen“ vor.

Bilderbuch

Es stimmt, der Name lässt eher nicht auf eine Hip-Hop – / Indie-Rock – Band schließen, aber genau diese Art von Musik macht die österreichische Band Bilderbuch. Unbekannte sind sie nicht, immerhin sind sie in ihrer Heimat bereits seit 2005 aktiv im Musikbusiness. Die in Wien lebende Band um Sänger Maurice Ernst überzeugt die Musikwelt Österreichs und räumte zahlreiche Preise in unserem Nachbarland ab. Aber auch eine ganze Reihe deutscher Musiker hören die Platten der Jungs hoch und runter. Ob Farin Urlaub (die Ärzte), die Beatsteaks oder Casper, alle sind sie von der ihrer Musik begeistert. Bei den Beatsteaks spielten sie als Supportakt auf ihrer Tour und auch im Vorprogramm von Casper standen die unkonventionellen Österreicher auf der Bühne.

Nicht nur ihr Sound, sondern auch der Sprechgesang á la Falco (genau, auch er war Österreicher) reißen die Fans mit. Die Texte reichen dabei von Lebensweisheit bis völlig sinnlose Wortaneinanderreihungen. Da die Jungs aus dem Land des Skisports auf Hochdeutsch singen, stehen die Chancen nicht schlecht auch in Deutschland durchzustarten.

Tipp: Die aktuelle Single heißt „OM“ aus dem Album „Schick Schock“.

Kopfhörer auf und die neusten Alben durchgehört (Foto: V.Wahlig)

Kopfhörer auf und die neusten Alben durchgehört. (Foto: V.Wahlig)

Manchmal sind selbst wir überrascht, was die deutsche Musikwelt uns Jahr für Jahr für Schätze offenbart. Ähnlich ist es da bei der nächsten Band, die den Hörer in Traumwelten entführt.

Pentatones

Auch hier klingt der Name mal wieder A-typisch für den zugehörigen Sound. Denn hinter den Pentatones verbirgt sich melancholischer Elektro-Pop aus Leipzig. Einige Musikredakteure beschreiben die Songs der Sachsen als animalisch und regelrecht hypnotisierend. In ihrem Song „The Beast“ verpacken sie inhaltlich auch das Tier in uns allen, jedoch unterlegt mit sanften Klängen, die gar mystisch wirken.

Die Face2Face-Musikrubrik ist sich sicher, diese Klänge werden wir 2015 öfter hören. Immerhin wird das Quartett vom Berliner Musikproduzenten Robot Koch produziert, der uns bereits mit Casper, Marteria und OK Kid musikalisch beschenkt hat.

Tipp: Diesen Monat erscheint ihr Album „Ouroboros“ mit der Single „The Beast“.

Rae Morris

Das England nicht nur Tee, London und die Queen zu bieten hat, wissen wir dank musikalischen Größen wie den Beatles schon etwas länger. Da ist es nicht verwunderlich, dass der Blick 2015 auch wieder in Richtung Grüne Insel geht. Wer in seinem Plattenregal CDs von Florence and The Machine, Luke Sital Singh oder Clean Bandit hat, der kann nun bald eine neue CD dazustellen. Die Rede ist von der aus Blackpool stammenden Rae Morris. Ihre Stimme hörte man erstmals auf dem Album von Clean Bandit. Dieses Jahr macht sich die Engländerin selbstständig. Ende Januar erschien ihr Debütalbum.

Tipp: Das Album „unguarded“ ist voller Pop- und Elektro-Tunes und somit ideal zum Tanzen.

Kwabs

Seinen Namen kennt ihr vielleicht noch nicht, aber seine Stimme ist euch bestimmt schon mal im Radio begegnet. Mit seinem Song „Walk“ macht er eine Ansage an alle, die sich von Äußerlichkeiten leiten lassen. Nicht nur sein Song macht klar, dass man immer sein eigenes Ziel vor Augen haben sollte, auch sein Lebensstil untermauert dies. Er will seine Schwächen zu Stärken machen und dabei ganz gelassen bleiben. Kwabs wird von den Medien als überzeugender Hipster beschrieben, aber er ist mehr. Seinen Sprachfehler (er lispelt) macht er zur Tugend und trifft mit seinen Neo-Soul den aktuellen musikalischen Zeitgeist.

Tipp: Und auch hier könnt ihr euch freuen, das Debütalbum „Wrong Or Right” kommt diesen Monat auf den Markt

Mainstream – Musik ohne Message?

Vor allem im Radio läuft Mainstream-Musik. (Foto: V.Wahlig)

Eintönig: Vor allem im Radio läuft Mainstream-Musik. (Foto: V.Wahlig)

Das ist ja mal wieder voll Mainstream, das neueste Lied in den Charts!“ – diesen Satz habt ihr bestimmt schon mal gehört, wenn ihr gerade beschwingt einen aktuellen Song im Radio gehört habt. Aber was ist eigentlich Mainstream und was soll daran so schlecht sein?

Unter Mainstream (zu Deutsch: Hauptstrom) versteht man den Geschmack, der einem Großteil der Gesellschaft gefällt. Aber bedeutet dies, dass Musik die von einer breiten Masse gehört wird, dann auch inhaltsleer ist?

Die meisten Lieder in den aktuellen Charts drehen sich um Liebe, Tanzen oder Party. Hinzu kommt noch eine Brise von Gute-Laune-Klängen und fertig ist der Song. So singt uns Pharrell Williams gut gelaunt ein „Happy“ (zu Deutsch: glücklich) entgegen und Miley Cyrus scheint nur mit ihrer halbnackten Performance auf einer Abrissbirne noch schockieren zu können. Muss man dann die Frage nach inhaltsleerer Mainstream-Musik klar mit einem Ja beantworten? Ist Gesellschaftskritik in Mainstream-Musik ein Tabuthema?! Ist das Ziel der Musiker wirklich nur schnell reich und berühmt zu werden? Müssen wir uns fragen, ob wir als Hörer lieber die inhaltsleeren Gute-Laune-Lieder kaufen und ob uns der Style des Musikers wichtiger ist, als der Text des Liedes?

Es wäre zu schnell geurteilt, wenn man behauptet, dass die Lieder in den Charts fern von Gesellschaftskritik sind. Unser Anspruch an politischer Beteiligung nimmt zu und so äußern sich auch viele Musiker in ihren Songs zu aktuellen Themen wie Gewalt oder Homophobie. Natürlich handelt nicht jedes Lied in den Charts von solch schwerer Kost. Doch es werden eben auch Gefühle zu den meist diskutierten Themen von Musikern in ihren Songs verarbeitet.

Bestes Beispiel ist der momentan bekannte und erfolgreiche Rapper Mackelmore zusammen mit seinem Produzenten Ryan Lewis. Mit dem Song „Same Love“ (2012) äußerte er sich öffentlich zum Thema Homophobie. „Same Love“ erschien während eines Volksentscheids in Washington zur Legalisierung der Homo-Ehe. Zudem ist Mackelmore ein Beispiel dafür, dass man mit kritischen Liedern die breite Masse für sich gewinnen kann. In 17 verschiedenen Charts konnte sich der Song über mehrere Wochen halten. Außerdem erhielt der Song einen VMA (MTV Video Music Award) für das beste Video mit einer sozialen Botschaft. Nach diesem Preis stieg „Same Love“ nochmals in den Charts auf, da immer mehr Leute den Song kauften.

Mackelmore ist keineswegs ein Einzelfall in der Mainstream-Musik. Pink griff 2006 mit ihrem Song „Dear Mr. President“ den damaligen Präsidenten der USA – George W. Bush an und landete damit in Europa und Kanada Chartplatzierungen. Aber auch deutsche Musiker stehen ihren amerikanischen Kollegen in nichts nach. Xavier Naidoo ist einer von ihnen. Er singt über Ungerechtigkeit, Ausländerfeindlichkeit oder Drogenmissbrauch und ist dabei einer der erfolgreichsten Musiker, der auch die breite Masse für sich begeistern kann.

Schlussendlich lässt sich also sagen, dass Mainstreammusik zwar hauptsächlich gute Laune und Liebe in den Fokus stellt. Aber sie kann eben auch gesellschaftskritisch sein und den Hörer auffordern, über diese Kritik nachzudenken.

Vorschau:     Nächsten Samstag gibt es einen Ausgeh-Tipp für das Rhein-Main-Gebiet.

Modetrends, Musiktrends und Lebensgefühl im Einklang

Mode ist mittlerweile so vielschichtig geworden wie das Leben selbst. Sie wird von vielen Dingen beeinflusst, über die man in diesem Zusammenhang gar nicht nachdenkt. So ist sicherlich bereits einigen aufgefallen, dass die Menschen mit denen man sich beim Feiern umgibt, meist ähnlich gekleidet sind.

Trends werden mittlerweile nicht mehr nur noch von Filmstars oder den großen Modehäusern vorgegeben, sondern teilweise von musikalischen Trends begleitet und zum Teil sogar gelenkt.

Das beste Beispiel hierfür ist die immer populärer werdende Musikrichtung des Elektroswing. Charme und Glanz der Vergangenheit werden hierbei mit aktuellen Beats untermalt. Typisch für den Style dieser Musikrichtung sind Fliege, Hemd, Hosenträger und ein Hut oder eine „Batschkapp“, welche auch als Schiebermütze bekannt ist. Wer das Sortiment der großen Modehäuser ab den Herbstkollektionen verfolgt hat, dürfte über jedes dieser Kleidungsstücke mehrfach gestolpert sein.

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Hallo, hier Trend am Apparat: Hosenträger, Schiebermützen und Anzugschuhe erleben auf der Tanzfläche ihr Comeback (Foto: Obermaier)

In allen spezifischen Clubs, welche sich auf eine Musikrichtung beschränken, ist zu erkennen, dass die Mode mit der Musik einher geht. Lediglich noch in Großraum Diskotheken ist eine tatsächliche Vielfalt gegeben. Während eleganter aufgebaute Elektroclubs meist von Hemden, Anzugschuhen und Stoffhosen geprägt sind, sieht man in einem typischen „Indie Club“ eher Cardigans, Print-Shirts Chinos und Chucks.

Es ist das Lebensgefühl, dass wir nach außen transportieren durch die Kleidung die wir tragen. Es ist das Gefühl, das wir empfinden, bei der Musik, die wir hören.
Deswegen vereinigt sich mittlerweile die äußere Erscheinung immer mehr mit genau diesem Lebensgefühl, dass uns Musikvideos oder die Künstler präsentieren.

Und so, wird auch zukünftig die Mode von vielen Faktoren beeinflusst und neue Musiktrends werden Kleidungskombinationen erneut aufleben oder gar ganz neu erscheinen lassen. Dann wird es jedem selbst überlassen sein, im Gesamtbild der Menschenmenge zu verschwinden, oder durch Highlights als Trendsetter zu erstrahlen.

Vorschau:

„Syn“ – Von der Party zur Musik

Es ist ungefähr zwei Jahre her, als sich Robert und Dario zufällig beim Feiern kennenlernen. Gleich auf derselben Wellenlänge, schließen sie sich zusammen und produzieren dieselben Beats. „Syn“ heißt ihr gemeinsames Projekt und Face2Face stellt euch die beiden Musiker vor.

„Syn“ - Von der Party zur Musik

Wollen Feierlaune machen: „Syn“ (Foto:Karina Birli)

Face2Face: Wie habt ihr euch kennengelernt und wie ist „Syn“ entstanden.
Dario: Wir haben uns vor zwei Jahren im Ludwigshafener Club „Loft“ kennengelernt und dann haben wir angefangen zusammen zu produzieren, also Musik zu machen. Ich habe früher aufgelegt, doch dann haben wir ziemlich schnell beschlossen einen Liveact daraus zu machen.

Face2Face: Wie würdet ihr eure Musik, für Menschen die euch nicht kennen, beschreiben?
Robert: Düster, atmosphärisch, treibend und immer gut zum Feiern.

Face2Face: Wie sieht euer Produktionsablauf aus? Wer hat welche Ideen, wer hat welche Funktion?
Dario: Also die klassische Aufteilung gibt es bei uns gar nicht, wir setzen uns da dran und dann entsteht das Ganze einfach.
Robert: Wir haben die Sachen aufgeteilt an zwei Rechnern, an denen die Synthesizer angeschlossen sind und dabei schraubt jeder erst einmal für sich was zusammen und dann entsteht halt was. Manchmal kommen dann so Momente, in denen man denkt „Ja jetzt ist´s was, daraus machen wir was“ und dann nimmt das alles so seinen Lauf.

Face2Face: Ihr hattet eure eigene Partyreihe im Mannheimer Club „Genesis“. Wie hat das angefangen und wie wird es weitergehen?
Dario: Wir sind durch einen Bekannten, der das schon vorher gemacht hatte, da rein gekommen und wir haben uns dann mit der Partyreihe „Ruhestörung im Quadrat“ angeschlossen. Dabei ging es darum, Newcomer-DJs beziehungsweise Liveacts, wir sind ja auch ein Liveact, zu fördern und vor allem Techno in den Vordergrund zu stellen, weil hier in der Rhein-Neckar-Region nicht wirklich viel an Techno geht. Jetzt sind wir momentan in einer Pause, sind auf der Suche nach einer neuen Location und hoffen dann, dass es wieder erfolgreich weiter geht.

„Syn“ - Von der Party zur Musik

Musik aus der Region: aus Mannheim (Foto:Karina Birli)

Face2Face: Viele kennen den Unterschied zwischen einem DJ und einem Liveact nicht, könntet ihr das kurz näher definieren?
Robert: Ein DJ kauft sich die Musik und mixt sie zusammen beziehungsweise legt sie dann auf. Einen Liveact zeichnet schon mal aus, dass er seine eigene Musik spielt, seine selbst produzierte Musik und die Musik dann wirklich live zusammensetzt oder auch neu arrangiert. So entsteht auch mit jeder Show etwas Neues.
Dario: Ja, wir spielen auch immer unsere Tracks, beziehungsweise sie werden für die Live-Sets erst einmal auseinander gehackt und wie ein Puzzle wieder zusammengesetzt und am Ende ergibt es wieder ein vollständiges Bild. Der DJ macht nur den Mix von verschiedenen Platten.

Face2Face: Haben auch schon andere DJs eure Tracks gespielt?
Dario: Wir waren mal in der „Halle 02“ in Heidelberg und da hat „Kaminski“, er ist ein DJ hier aus der Region, unsere Tracks gespielt. Es ist natürlich immer schön, wenn man in einem Club seinen eigenen Track über eine fette Anlage hört und sieht wie die Leute dazu feiern – das ist so ziemlich das Schönste, was es gibt, dass die Musik auch funktioniert und die Leute sie annehmen.

Face2Face: Jeder Künstler braucht ein wenig Unterstützung in Form einer Plattenfirma oder einer Booking Agentur – wer hilft euch eure Musik zu verbreiten?
Dario: Letzte Woche hatten wir einen Release auf „Plastiq Records“, das ist ein Technolabel. In Zukunft werden wir noch auf „Feierkind Records“ releasen und auf dem Label „Factory Prime Recordings“von „Kaminski“. Wir sind jetzt neu bei einer Booking Agentur. Sie nennt sich „Pier33“ und ist hier in Mannheim ansässig.

Face2Face: Was sind eure Wünsche und Ziele für 2012?
Dario: In erster Linie, dass es weiter geht mit dem Releasen und dass unsere Musik eine größere Reichweite bekommt, mehr Leute uns hören und wir weiterhin so viel wie möglich spielen und ganz viel Spaß daran haben.
Robert: Ja, das ist ganz wichtig: Auf jeden Fall wollen wir nie den Spaß daran verlieren.

Vorschau: Und nächsten Samstag findet ihr in der Musikrubrik einen ausführlichen Bericht über das „Rocco Del Schlacko Festival“.

The first time „Maifeld Derby“ with the Band „Ra ra riot“

The first time „Maifeld Derby“ with the Band „Ra ra riot“

Very intensiv moment: "Ra ra riot" leadsinger Wesley Miles (Photo: Güngör)

The sun was shining on this weekend a year ago. It was warm and sunny, but also dusty day and the atmosphere was great. It was the first time of the „Maifeld Derby“ festival in Mannheim. Face2Face met and talked to the band „Ra ra Riot“. The following week, it will be the second time for this festival to take place. To get you into the mood for this year’s festival, we present you an interview with the indie pop band „Ra ra Riot“.

Face2Face: Your Band exists since 2006. How did you guys meet?
Ra ra riot: We were a sort of „we surround our gituar player“ (laughs). Yeah he was the connection who brought us together as a band. I met him at a house party a few years before the band started, and he met everyone else from different classes and bands, and so he brought us together.

Face2Face: How would you describe your music?
Ra ra riot
: Well, we like to have a lot of fun, we like to play loud but most of the time we´re just trying to make music that makes us happy.

Face2Face: How is it to be on tour? Do you enjoy your musical journey?
Ra ra riot
: Well today was a rough journey (in 2011) because we came from Brighton UK last night, so we got up at six this morning, drove with the ferry and took the ferry through Calais and then drove here. All of this took us maybe nine hours to get here, but most of the time we have fun travelling.

Face2Face: What kind of feeling is it to be on stage and play your own songs ?
Ra ra riot
: It is very special. It’s a great feeling. There is not much to compare it with really. Playing your own music is one of the best feelings you can have, especially for people who want to hear our music, so we’re very lucky and happy that we can do that.

Face2Face: Is there anything that you want to do on stage, that your never did before?
Ra ra riot
: Well I guess it would be fun to make a really huge ramp or something to jump off, something maybe like a trampoline would be fun (laughs).

Face2Face: How does a song need to be to be a good one?
Ra ra riot
: It just has to be something that the writer and performer care about, I guess. A meaningful song but I don’t really know. It’s hard to say, because everyone else has his own opinion.

Face2Face: What are your plans for 2011?
Ra ra riot
: We plan to do more touring and hopefully be in Germany again, maybe start working on the next record and just have fun.

Next week will be the second time of the „Maifeld Derby“ with the Bands „Friska Viljor“, „Blood Red Shoes“, „Frittenbude“ and many many more.

Vorschau: Kommenden Samstag präsentiert die Musikredaktions ein bisschen Klassik für die gemüter.

Music made in Hamburg, Teil 2: Wo bleibt der Charme?

Nachdem ich euch im ersten Artikel einen Überblick über die Entwicklung der Hamburger Musikszene geliefert habe, möchte ich nun einen etwas detaillierteren Blick auf die aktuelle Musikszene werfen.

Hamburg wird unattraktiver – diesen Satz hört und liest man in letzter Zeit immer häufiger. Besonders die jungen Leute zieht es massenweise nach Berlin. Hamburg? Das sei doch nur die kühle Stadt im Norden mit dem Hafen und der Reeperbahn. Mehr gäbe es da doch schon lange nicht mehr zu entdecken.  Kulturell verwahrlost und verwaist, viel zu hohe Mieten und im Nachtleben gäbe es auch nichts Weltbewegendes. Ist da etwas Wahres dran? Hat die zweitgrößte deutsche Stadt wirklich nichts mehr zu bieten? Um darauf Antworten zu finden, habe ich Menschen befragt, die davon wirklich Ahnung haben.

Music made in Hamburg, Teil 2: Wo bleibt der Charme?

Frech, cool, Hamburg: "1000Robota" (Foto: Pressefoto)

Frech, direkt und ultra cool – so präsentiert  sich das Hamburger Post-Punk Trio „1000 Robota“ meist der Öffentlichkeit. Nachdem 2008 ihr Debut-Album „Du Nicht Er Nicht Sie Nicht“ rauskam, wurden sie von der Presse geliebt, gehasst, vergöttert und verpönt. Man mag sie also lieben oder hassen, eines steht definitiv fest: sie verkörpern perfekt die gewisse nordische Lässigkeit, die so oft mit Arroganz verwechselt wird. Ihre Musik ist so simpel und zugleich schweißtreibend aggressiv, während die Texte schon fast eine poetische Betrachtung der Jugendkultur liefern, die in das Feuilleton jeder gehobenen Zeitung passen würden. Wer also könnte besser ein paar Fragen zu Hamburg beantworten als „1000 Robota”? Ich habe die Hamburger Jungs zu ihrer Einstellung gegenüber Hamburg als Heimat- und Musikstadt befragt.

Face2Face: Inwiefern hat euch Hamburg als Musiker geprägt? Denkt ihr, eure Musik wäre anders, wenn ihr in einer anderen Stadt zu Hause wärt?
1000 Robota: Die geografische Gegebenheit beziehungsweise Zwangsläufigkeit hat für unser Schaffen bislang zum Glück keinerlei Relevanz gehabt.

Face2Face: Eure Musik wird oft als eine Art „neue Hamburger Schule“ bezeichnet. Was haltet ihr davon und was haltet ihr von den Bands der „Hamburger Schule“ wie „Tocotronic“,“ die Sterne“ et cetera?
1000 Robota: In diversen Artikeln wurden diese Begrifflichkeiten mehr oder weniger irreführend verwurstet.
Es gibt Künstler und Musiker wie beispielsweise die Band „Tocotronic“, die wir seit jeher sehr schätzen.

Face2Face: Nennt einige eurer Lieblingslocations in Hamburg, um gute, eventuell auch neue – Musik zu entdecken?
1000 Robota: Die Frage ist, wo man heute überhaupt Musik entdeckt. Musik wird heute nicht mehr an Orten entdeckt, jedenfalls sind diese Orte wenn fiktiv und im „Netz“ angesiedelt. Ein Ort in einer Stadt, an dem ein reger Austausch von Musik stattfinden kann, ist eine sehr romantische und wünschenswerte Idee, aber für den trägen Menschenklumpen in der Stadt von heute wohl leider ebenso nostalgisch und ausgeschlossen.

Music made in Hamburg, Teil 2: Wo bleibt der Charme?

Auch echte Hamburger: "Kettcar" (Foto: Pressefoto)

Das Urteil von „1000 Robota“ liest sich eher unschön. Doch es gibt auch Bands, die sich in Hamburg immer noch sehr wohl fühlen und die Ursachen für die kulturelle Misere an den richtigen Orten vermuten. Die bekannte deutsche Band „Kettcar“ ist so eine.
2001 in Hamburg gegründet, hatte sie recht schnell Erfolg mit ihrer ersten Single „Landungsbrücken raus“, die natürlich Hamburg gewidmet ist.  Ob „Kettcar“ nun musikalisch in die „Hamburger Schule“ eingeordnet werden kann oder nicht, ist oftmals umstritten. „Kettcar“ steht vielmehr für Indierock mit tiefgründigen und originellen Texten. Ein Songbook von „Kettcar“ liest sich fast so schön wie ein Gedichtband. Mit ihnen habe ich über die kulturelle Situation in Hamburg gesprochen und noch einige Tipps für den nächsten Hamburg Besuch bekommen.

Face2Face: Welche Musikrichtung repräsentiert Hamburg eurer Meinung nach am besten?
Kettcar: Die Musikrichtung ist egal. „Toctronic“, „Deichkind“, „Fettes Brot“, „Udo Lindenberg“, „Tingvall Trio“, et cetera – um nur einige zu nennen, sind Bands und Musiker, die Hamburg für viele repräsentieren, ohne große musikalische Gemeinsamkeiten zu haben.

Face2Face: Was macht das Hamburger Publikum besonders? Fühlt ihr euch dort bei Konzerten besonders heimisch?
Kettcar: Wir haben als Band in Hamburg sicher einen Heimvorteil. Die Konzerte sind besonders gut besucht und das Publikum ist oft euphorisch. Zudem sind bei diesen Konzerten immer viele Freunde und unsere Familien dabei. Das macht es für uns besonders.

Face2Face: Was haltet ihr von der heutigen Hamburger Kulturszene im Vergleich zu der von vor circa zehn Jahren? Verliert sie an Charme zum Beispiel durch die drohende Schließung des“ Molotow“ (Anm. d. Red.: Das „Molotow“ ist ein Club, mehr dazu: siehe Teil 3)?
Kettcar: Die Stadt wird sehr schnell teurer und enger. Es gibt immer weniger bezahlbare Möglichkeiten, einen Club aufzumachen. Noch können sich viele der (auch international wichtigen) alteingesessenen Clubs halten, aber wie es aussieht, wird die Regierung mit ihrer aktuellen Stadtentwicklungs- und Kulturpolitik die kulturelle Vielfalt dieser Stadt nachhaltig kaputt machen. Das macht uns wütend.

Face2Face: In eurem neuen Song „schrilles, buntes Hamburg“ singt ihr von steigenden Mieten, Yuppies und Touristen. In „Landungsbrücken raus“ singt ihr ein Loblied auf Hamburg. Was liebt und was hasst ihr an Hamburg?
Kettcar: Wir lieben den Hafen, den FC St. Pauli, die vielfältige Musikszene, das Kulturangebot, das Nachtleben, die Nähe der Freunde, die um uns herum in der Nachbarschaft wohnen, die Möglichkeit, alles zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichen zu können, den Elbstrand und vieles mehr. Wir sind unzufrieden mit der Stadtentwicklungspolitik, der Privatisierung öffentlicher Räume, der Kulturförderung, dem Umgang mit Obdachlosen, der Flüchtlingspolitik, der Bedrohung unkommerzieller Freiräume, (zum Beispiel der roten Flora, Anm. d. Red.: die rote Flora ist ein autonomes Zentrum in Hamburg), und vieles mehr.

Face2Face: Was sollte man als Besucher unbedingt mal in Hamburg getan haben?
Kettcar: Eine Hafenrundfahrt, einen Sommertag am Falkensteiner Ufer verbringen, durch den alten Elbtunnel laufen, nach einem HSV Heimspiel aus einer sicheren Ecke zu später Stunde das apokalyptische Treiben auf dem Hans-Albers-Platz beobachten, ein St. Pauli-Heimspiel besuchen, sich mit Freunden zum Sonnenuntergang auf der Terrasse oberhalb der Landungsbrücken treffen, auf der Elbe segeln, auf der Alster paddeln, auf der Alster spazieren gehen, wenn sie zugefroren ist, Konzerte in einem der vielen tollen Clubs und Locations besuchen, zum Beispiel auf dem Dach des „übel und gefährlich“,  im „Störtebeker“, auf einer der Barkassen, et cetera.

Das waren nun zwei sehr verschiedene Meinungen von zwei Hamburger Bands. Im dritten und letzten Artikel meiner „Music made in Hamburg“-Serie kommt  einer der Clubbetreiber vom legendären „Molotow“-Club zu Wort und es gibt meinerseits ein abschließendes Fazit.

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Kettcar

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Vorschau: Nächste Woche gibt es einen ausführlichen Artikel über die Musikmesse in Frankfurt.