Stylisten, Samples und Shootings

Berlin, der erste August, und mein Praktikum in einer PR-Agentur für Modelabels beginnt. Mir war schnell klar, dass ich Glück hatte mit dem Team. Denn gerade in der Modewelt, ist ein harmonisches Arbeitsklima nicht selbstverständlich und es kann schnell zu Zickereien unter den Mitarbeitern kommen.

Unterteilt ist die Agentur in Showroom und PR-Raum. Die PR-Leute organisieren Events wie zum Beispiel Shoperöffnungen oder Launchpartys und sorgen dafür, wann und an wen Einladungen für Events verschickt werden. Sie korrespondieren mit unseren Kunden, den Designern und sie schreiben sogenannte Reports, das heißt es wird dokumentiert, wie viele Samples, das heißt Kleidungsstücke, an Stylisten und Magazine rausgegangen sind. Unterteilt werden diese Reports wie folgt : Thema –  welche Teile wurden am meisten angefragt? – Magazine – welche Magazine haben angefragt? – und Credits – wo wurden unsere Samples veröffentlicht?

Denn nicht immer ist es selbstverständlich, dass ausgeliehene Samples auch in den Magazinen veröffentlicht werden. Womit wir zu meinem Aufgabenbereich kommen: dem Showroom.

Stylisten, Samples und Shootings

Himmel auf Erden: der Showroom (Foto: Schimpf)

Der Showroom ist sozusagen das Gesicht der Agentur. Hier sind alle unsere Designer vertreten und man fühlt sich wie in einem riesigen, begehbaren Kleiderschrank. Meine Aufgabe ist es, Stylisten und Journalisten zu empfangen, die persönlich vorbeikommen, um für ein Fotoshooting Teile von unseren Designern auszusuchen. Zusammen mit der Showroom-Managerin wird entschieden, welche Samples von welchen Labels an welche Magazine letztendlich verschickt werden dürfen. Bei renommierten Veröffentlichungen kommt diese Frage nicht auf, jedoch bei freien Produktionen von selbstständigen Stylisten, bei denen nicht klar ist, ob wir auch tatsächlich Credits bekommen.

Wenn der Stylist oder Journalist jedoch nicht die Möglichkeit hat, persönlich vorbei zu kommen, ist meine Kreativität gefragt. Mit Hilfe von Moodboards, wodurch visuelle Ideen vermittelt werden können, wird mir mitgeteilt , in welche Richtung das Shooting gehen soll. Welches Thema hat das Shooting? Welche Farben und Materialien bestimmen die Strecke? Werden nur Frauen oder auch Männer geshootet?

Nach diesen Vorgaben erstelle ich dann ein sogenanntes „Shopping“ in unserem System und gebe jedes Teil einzeln darin ein, um später einen gelisteten Überblick zu haben, wenn die Sendung retourniert werden muss. Denn wenn etwas fehlt, ist es wieder meine Aufgabe nachzufragen, ob die Teile noch auf Produktion sind – also, ob sie noch gebraucht werden – oder wann wir mit der Rücksendung rechnen können. Wenn keine Shoppings anstehen, muss ich dafür sorgen, dass der Showroom stets ordentlich ist. Jedes Label muss auf der für den Designer vorgesehenen Stange hängen, nach Farben sortiert sein, und es dürfen keine Männer Samples mit Frauen Samples  verwechselt werden.

Im Saisonwechsel letzten Oktober, also dem Übergang von Herbst/Winter-auf die Frühjahr/Sommer-Kollektion stehen dann die Pressdays an. Hier werden die wichtigsten Journalisten, Stylisten und Blogger aus ganz Deutschland eingeladen, um sich die neuen Kollektionen anzuschauen, zu fotografieren und Vorbestellungen abzugeben. Während dieser Zeit haben wir im Showroom eine Menge zu tun. Die neuen Samples müssen alle nach Name, Saison, Label und Beschreibung in unser System neu eingetragen werden. Danach werden die alten Teile abgehängt und aus unserem System ausgetragen, damit sie wieder zurück zu den Designern geschickt werden können.

Im Januar folgt jetzt die Fashion Week und ich bin schon mehr als gespannt, welche Aufgaben da auf mich zukommen werden!

Vorschau: Nächste Woche erscheint ein Porträt über Modedesigner Karl Lagerfeld.