Endlich und nie wieder – das eigene Haus

Ein Haus voller Kartons: Nach dem Umzug muss erst alles seinen Platz finden (©Rainer Sturm / pixelio.de)

Ein Haus voller Kartons: Nach dem Umzug muss erst alles seinen Platz finden (©Rainer Sturm / pixelio.de)

Seit einigen Wochen lebe ich inmitten von Kartons. Meine frische Wäsche hole ich aus einem Korb, die großen Teller habe ich noch nicht gefunden, zum Schreiben dieses Artikels habe ich mir das Ladegerät meiner Mutter geliehen, weil meines noch verschollen ist, der Laptop zum Glück nicht. Ich bin im Umzug, erraten. Im letzten Monat habe ich eingepackt, aussortiert, renoviert, geplant, gehoben, getragen, abgestellt – und nur das wenigsten wieder ausgepackt. Ab ins Eigenheim dachten mein Mann und ich uns. Heute denken wir: Nie wieder!

Schuld daran mag die magische Zahl drei haben, die sich im Alter meines Mannes an vorderste Stelle geschoben hat und uns demnächst was die Anzahl unseres Nachwuchses betrifft entgegenkommt. Das passende Objekt haben wir nach langem Suchen, der Überlegung zu Bauen und dem Durchstöbern tausender Inserate gefunden. Dann begann ES. Das Verhandeln um den Preis, das Verhandeln mit der Bank, das Verhandeln um Termine, den Druck hier, die Nachfrage da. Jeder meinte etwas anderes zu brauchen und zu wollen, Makler, Verkäufer und Bank, und wir, die wir noch nie ein Haus gekauft hatten, wussten nicht, wer recht hatte. Und Erklärungen gibt es wie Sand am Meer, zur Genüge und in allen möglichen Formen. Schon da schwand unser Enthusiasmus. Die Bürokratie stellte Stolpersteine und eigentlich wollten wir einfach nur in unser Haus.

Stress pur: Der Weg zum eigenen Haus ist lang und voller Stolpersteine (©jelep / pixelio.de)

Stress pur: Der Weg zum eigenen Haus ist lang und voller Stolpersteine (©jelep / pixelio.de)

Im Stress der vergangenen Wochen haben wir beide an Gewicht verloren. Nicht besonders praktisch bei dem ohnehin schon stressigen Beruf meines Mannes und dem achten Schwangerschaftsmonat, der sich nun schon sehr gemächlich dem Ende neigt. Jeden Tag kam ein neues Problem hinzu. Während das Dach neu gemacht wurde, tropfte es bei Regen in mehrere Zimmer, ein Problem an der Heizung ist nicht, wie vorher abgesprochen, behoben wurden, die Küche kommt erst Ende Oktober, die Türen vom neuen Schlafzimmerschrank waren kaputt. Die Liste ließe sich fortsetzten. Manchmal will ich einfach nur wegrennen, mich verkriechen, vorspulen, bis alles überstanden ist. Denn das ist es doch irgendwann, oder?

Gleichzeitig bleibt doch die Gewissheit, einen wichtigen Schritt getan zu haben. Ein Eigenheim ist heute für viele nicht mehr selbstverständlich oder gar erstrebenswert. Gerade jüngere Menschen ziehen die Ungebundenheit einer Mietwohnung vor, berufliche und private Flexibilität rücken dabei in den Vordergrund. Städte- oder gar Länderwechsel sind so kein Problem. Und mal ehrlich, ist so ein eigenes Haus mit Garten nicht in der Kleinstadt nicht furchtbar spießig? Mit Sicherheit ist es auch das. Aber eben genau das bietet es auch: Sicherheit. Wir sind nicht mehr auf Vermieter und deren Meinungen angewiesen. Und kann nicht nach Jahren gekündigt werden und wir müssen etwas Neues suchen, wie ich es schon bei vielen erlebt habe. Statt Miete zahlen wir die nächsten Jahre Darlehen – und eines schönen Tages sind wir damit durch.

Endlich: das eigene Haus bietet Vorteile, die sich lohnen (©lichtkunst.73 / pixelio.de)

Endlich: das eigene Haus bietet Vorteile, die sich lohnen (©lichtkunst.73 / pixelio.de)

Vielleicht schaffe ich es bis dahin auch, die Schränke aufzustellen, das Büro einzurichten und meine neue Leseecke einzuweihen. Vielleicht, ganz so sicher bin ich mir da nicht. Immerhin habe ich einen Kellerraum, in dem irgendwo mein Föhn sein muss, der aber von vorne bis hinten so zugestellt ist, dass ich an nichts mehr rankomme. Einen neuen Föhn zu kaufen wäre da wohl die sinnvollere Variante. Und auf der Matratze schläft es sich eigentlich auch nicht schlecht, wer braucht da schon ein Bettgestell? Endlich haben wir es in die eigenen vier Wände geschafft und noch einmal machen wir die Aktion nicht mit. Nie wieder Miete, nie wieder umziehen, nie wieder Hauskauf – endlich.

Vorschau: Sascha erklärt euch hier nächste Woche, warum unsere Gesellschaft Lügen braucht, um zu funktionieren.

Alles rund ums Wohnen

„Immobilienvermittlung mit Herz“ – das ist der Leitspruch von Annett Schubert. Die 43-jährige Immobilienfachwirtin vermittelt Häuser und Wohnungen im Raum Speyer, gelegentlich aber auch mal in Mannheim, Ludwigshafen und Neustadt. Ihre Tipps für alle, die sich nach den eigenen vier Wänden sehnen, lest ihr im Face2Face-Interview.

Face2Face: Mieten oder kaufen? Was sagen Sie in Anbetracht der aktuellen Lage?
Schubert: Kaufen. Zurzeit sind die Zinsen noch günstig und es lohnt sich, unverbindlich bei einem Finanzberater die eigenen Möglichkeiten durchrechnen zu lassen.

Alles rund ums Wohnen

Mit Herz bei der Sache: Immobilienfachwirtin Annett Schubert (Foto: privat)

Face2Face: „Immobilienvermittlung mit Herz“ ist auf Ihrer Internetseite zu lesen – was bedeutet das für Sie und Ihre Kunden?
Schubert: Für mich bedeutet das achtsamer Umgang mit den Menschen. Die Immobilie ist eine Sache, doch im Mittelpunkt steht der Mensch. Verkäufer hängen oft mit Herz und Seele an ihrer Immobilie. Die Käufer wiederum stehen vor einer Lebensentscheidung. All dies bedarf über die fachliche Kompetenz hinaus noch sehr viel mehr an Verständnis, Einfühlungsvermögen und Menschlichkeit. Und genau das vermissen viele Kunden besonders in unserer Branche. Das Vertrauensverhältnis, das so zwischen mir und dem Käufer entsteht, gibt diesem Sicherheit,  innere Ruhe und Zufriedenheit. Und genau diese Kombination aus Fachwissen und Empathie führt letztlich zum besten Erfolg.

Face2Face: Auf was sollte man selbst als Kunde und Interessent einer Immobilie achten? Ist es ratsam sich immer auf den Makler zu verlassen oder ist auch mal Eigeninitiative gefragt?
Schubert: Achten sollen Sie als Käufer zum Beispiel auf Ihren finanziellen Rahmen, der besser vor Beginn der Suche abgesteckt wird. Außerdem ist zu beachten, welche Renovierungen anstehen. Gegeben falls sollte ein Fachmann hinzugezogen werden.  Bei Eigentumswohnungskauf ist es wichtig, auf Rücklagen und eventuell geplante Aufwendungen für Reparaturen zu achten. Auch die Lage ist entscheidend.
Käufern biete ich ein Immobiliencoaching an, bei dem wir zunächst alle Bedürfnisse und Wünsche heraussuchen und auch die Kompromisse. Bei der Suche sollte man sich nie nur auf einen Makler verlassen, sondern das ganze Suchgebiet im Visier behalten. Beim Kauf ruhig Fachleute des Handwerks hinzuziehen. Makler sind keine Handwerker und selten Bausachverständige. Der Eigentümer allerdings sollte bei Verkauf oder Vermietung nur einen Makler des Vertrauens wählen und ihn seine Arbeit machen lassen. Viele Köche verderben den Brei – so ist es auch beim Verkauf.

Alles rund ums Wohnen

Schlicht: Das Logo der Immobilienvermittlung (Foto: privat)

Face2Face: Ihr Berufsstand wird gelegentlich kritisch beäugt. Denken Sie es gibt unter Ihren Kollegen auch schwarze Schafe und wenn ja, woran erkennt man diese als Kunde?
Schubert: Ja, hier in Deutschland stimmt das leider, dass das Image des Maklers oft eher schlecht ist. Dazu gab es in den letzten Jahren zu viele Menschen, die ohne Ausbildung  einfach ein Maklergewerbe angemeldet haben. Für den Kunden ist es oft schwer zu erkennen, wer Hobbymakler ist oder wer sich zum Beispiel gerade neu auf dem Markt ausprobieren will. Ich empfehle, mehrere Makler anzusprechen und danach erst zu wählen.

Face2Face: Wodurch zeichnet sich im Gegensatz dazu ein wirklich guter Makler aus? Woran kann man ihn erkennen?
Schubert: Ein guter Makler hat bereits Erfahrung, eine fundierte Ausbildung und bildet sich auch regelmäßig weiter. Er hat einen professionellen Internettauftritt und der Kunde sieht auf seiner Homepage, wie der Makler die Immobilien anbietet. Hochwertige Präsentationen in Form von professionellen Fotos, Grundrissen und Beschreibungen, sollten sofort ersichtlich sein. Auch darf die Vorstellung seiner Person nicht fehlen.  Ein guter Makler nimmt sich der Immobilie an und arbeitet nur im Auftrag. Und wenn dass alles zutrifft, ist Ihr Makler dann der, der zu Ihnen passt und bei dem ihr Baugefühl JA sagt.

Face2Face: Was halten Sie von Serien wie „Mieten, kaufen, wohnen“? Realitätsnah oder eher –fern?
Schubert: Ich bin kein Freund der Serie und einige meiner Kunden halten sie für eher realitätsfern.

Face2Face: In welchem Stadtteil Speyers ist es am günstigsten und wo am schönsten zu wohnen?
Schubert: In Speyer ist es überall schön zu wohnen. Am teuersten ist die Region im Oberkämmer. Speyer Nord dagegen wird oft in den Köpfen abgewertet. Leider. Meiner Meinung zu Unrecht, denn auch da gibt es schöne Immobilien. Anschauen lohnt immer. Jede Stadt hat ihre Gebiete, die teurer sind und die, die günstiger sind. Und jeder ist dort zu Hause, wo er sich wohl fühlt. Für mich ist das Speyer.

Face2Face: Ihre Tipps, für alle, die gerade auf der Suche nach einer passenden Immobilie sind:
Schubert: Gut vorbereitet auf den Markt gehen, das heißt genau wissen, was man wirklich will, was man haben muss und was man sich auch leisten kann. Außerdem sollte man Adressen, wie die von Architekten und andere Handwerker schon in der Tasche haben. Raum für Kompromisse lassen und vorher abstecken. Die Finanzierung bei Immobilienkauf kann man schon vorbereitet in Petto haben. Schließlich bei Entscheidungen die berühmte Nacht darüber schlafen – doch wenn es passt: nie zu lange warten.
Mietinteressenten empfehle ich, die gewünschten Papiere – Einkommensnachweise  der letzten drei Monate, Schufa- Auskunft und Mieterselbstauskunft – schon parat zu haben. Wenn dann die Traumwohnung dabei ist, können Sie sofort zuschlagen.

Kontakt:
Postanschrift: Hohenstaufenstr. 11
67346 Speyer
Telefon: 06232/6768701
Homepage: http://www.schubert-immobilien.de/

Vorschau: Nächste Woche gibt´s den fünften Teil meiner Ausgehtippsserie. Ich stelle euch nicht nur eine tolle Location in Schwetzingen vor – es gibt auch etwas zu gewinnen. Lasst euch überraschen!