Hässliche Tiere

Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Die Natur brachte eine Vielzahl von Formen und Farben hervor. Ob man nun ein Tier als schön erachtet oder nicht, ist also einem selbst überlassen. Doch bei den folgenden Tieren werden die meisten sich einig sein, dass eine gewisse Ästhetik hier fehlt. Dies macht die Tiere aber nicht weniger liebenswert.

Nicht leicht zu erkennen: Ein Anglerfisch (Bild:Harald Schottner  / pixelio.de )

Nicht leicht zu erkennen: Ein Anglerfisch (Bild:Harald Schottner / pixelio.de )

In der Tiefsee gibt es kein Licht. Deshalb ist dort Aussehen nicht so wichtig. Der Viperfisch hat Zähne, wie von einer Viper und erdolcht damit seine Beute. Doch noch gefährlicher ist der Tiefsee-Anglerfisch. Dieser hat einen Fortsatz an seinem Kopf, der mit leuchtenden Bakterien gefüllt ist. Sobald sich die Beute nähert, wird sie in einem Happs verschlungen. Von einem Kalmar, der  aussieht, als ob er menschliche Zähne besitze, wurde bisher nur ein Exemplar gefunden.

Ebenfalls im Meer lebt das umgangssprachlich als „seapig“, also Seeschwein, bezeichnete  Tier, welches eigentlich zu den Seegurken gehört. Die Beine, mit denen es auf dem Meeresgrund langsam entlang läuft, um organische Partikel aus dem Schlamm zu filtern, sind eigentlich hydraulische Pumpen.  Der Hechtschleimfisch, welcher im englischen als „frindgehead“ bezeichnet wird, gilt für viele als Vorbild des Aliens aus dem Film „The Predator“. Der 30 cm lange, braune Fisch sieht auf den ersten Blick nicht besonders aus. Er versteckt sich in alten Schneckenhäuschen oder Müll. Doch kommt es zum Kampf zwischen Artgenossen, kommt das weit gespreizte Maul zum Einsatz. Es wird gebissen und mit den Mäulern gerungen.

Doch auch an Land gibt es unglaublich hässliche Tiere. Der Nacktmull lebt in riesigen unterirdischen Bauten in Ostafrika und besitzt kein Fell, sondern nur eine faltige Haut. Für Säugetiere zeigt er ein seltenes staatenbildendes Verhalten, seine Körpertemperatur ist weniger stark reguliert und er besitzt ein stark vermindertes Schmerzempfinden aufgrund einer Mutation.

Das Fingertier, oder Aye-Aye, gehört zu den Lemuren und hat raues struppiges Fell. Das in Madagaskar lebende Tier ist jedoch nachtaktiv und somit nicht leicht zu finden. Der purple pig-nosed Frog besitzt nicht mal eine deutsche Übersetzung. Dieser etwa sieben Zentimeter lange, purpurviolette Frosch hat einen aufgedunsen wirkenden Körper und eine Schweinsnase. Vielleicht ist das auch der Grund, weshalb er fast sein ganzes Leben unterirdisch verbringt. Ein weiteres Amphib ist die Blindwühle, die einem Penis ähnelt und deshalb oft als Trouser snake bezeichnet wird. Sie ist das größte Landlebewesen ohne Lungen, lebt aber auch zu einem großen Teil im Wasser.

Doch auch hässliche Tiere brauchen Liebe. Deshalb gibt es eine Kampagne, die sagt, dass auch diese Tiere Hilfe brauchen, genau so wie jeder Panda. Die UAPS, Ugly Animals Preservation Society, wählte das hässlichste Tier des Jahres 2013. Der Preis ging an den Blobfisch.

Vorschau: Nächsten Monat geht es um böse Tiere, die unmoralische oder verwerfliche Dinge anstellen.

Der Ginkgo Baum

Unsere Rubrik heißt zwar „Tier&Umwelt“, jedoch sollten die Pflanzen nicht vernachlässigt werden. Die Pflanzenwelt hat ebenso Erstaunliches vorzuweisen wie die Tierwelt und bildet mit der Photosynthese die Grundlage für den Stoffkreislauf und somit für die ganze Welt. Der Ginkgo Baum zum Beispiel gilt als lebendes Fossil und wird in der traditionellen chinesischen Medizin gerne eingesetzt.

Unverwechselbar: Das Blätterwerk des Ginkobaums (Foto: Günter Schüttauf  / pixelio.de)

Unverwechselbar: Das Blätterwerk des Ginkobaums (Foto: Günter Schüttauf / pixelio.de)

Der Ginkgo Baum ist der einzige heute noch lebende Vertreter einer Gruppe von Samenpflanzen, die es schon vor 300 Millionen Jahren gab. Wie seine Verwandten, die es nur noch als Fossilien gibt, zeichnet sich der Ginkgo durch gabelig verzweigte Blattadern und fächerförmige Blätter aus. Ein Individuum kann bis zu 40 Meter hoch wachsen und majestätische 1000 Jahre alt oder sogar älter werden.

Der in China heimische Baum fand anfangs als Tempelbaum Verwendung. Ab dem 18. Jahrhundert wurde er als Zierbaum genutzt und weltweit angebaut. Seine gerösteten Samen werden im östlichen Raum noch heute gerne verzehrt.

Sein hohes Alter und seine Resistenz gegenüber Krankheiten, durch Bakterien oder Viren, aber auch Pilzbefall, oder gegenüber Pflanzenfressern, haben zur Mystik beigetragen, die über dem Baum liegt. Die Japaner und Chinesen verehren ihn als lebensverlängernd und kraftspendend und das Erfüllen von Wundern wird ihm nachgesagt. Der gongsun shu, wie der unter Naturschutz stehende Baum noch genannt wird, war Teil vieler daoistisch schamanischer Rituale. Nur Ginkgos und Kakerlaken sollen die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki überlebt haben.

Auch in der westlichen Medizin werden die Inhaltsstoffe der Blätter, wie zum Beispiel die ätherischen Öle, zur Durchblutungsförderung und zur Verbesserung des Gedächtnisses eingesetzt. Die Forschung beschäftigt sich oft mit Extrakten mit den Namen EGb 761 und LI 1370. Viele klinische Studien belegen, dass die Flavonoide und Terpenoide aus dem Ginkoblattextrakt bei der Behandlung von Gefäßstörungen, Demenz, Alzheimer und ADHS helfen.

Der Effekt, den der Baum auf die Welt hatte und noch heute hat, ist enorm. Die Form des Blattes veranlasste sogar Johann Wolfgang von Goethe ein Gedicht zu schreiben, welches seiner Liebe gewidmet war:

„Dieses Baums Blatt, der von Osten
Meinem Garten anvertraut,
Giebt geheimen Sinn zu kosten,
Wie’s den Wissenden erbaut,

Ist es Ein lebendig Wesen,
Das sich in sich selbst getrennt?
Sind es zwei, die sich erlesen,
Daß man sie als Eines kennt?

Solche Frage zu erwidern,
Fand ich wohl den rechten Sinn,
Fühlst du nicht an meinen Liedern,
Daß ich Eins und doppelt bin?“

 

Menschen MUT machen

In einer hektischen Großstadt wie Berlin stellt sich der Verein „Mensch – Umwelt – Tier e.V.“ („MUT“)vor eine besonders anspruchsvollen Aufgabe: Die Mitarbeiter wollen den Menschen mit ihrer Arbeit einen Ausgleich zum Alltag bieten und sie wieder mehr mit Tier und Natur verbinden.

Pferd, Mensch und Natur sind miteinander verbunden: Diezemann bei einem Pferdeprojekt mit Kindern (Foto: Diezemann)

Pferd, Mensch und Natur sind miteinander verbunden: Diezemann bei einem Pferdeprojekt mit Kindern (Foto: Diezemann)

„MUT“ unterstützt 22 Projektpartner bundesweit, mit Schwerpunkt in Berlin, indem er engagierte Bürger animiert, Bauernhöfen, Hospizen oder Seniorenheimen zu helfen. Alexandra Diezemann (42), die Pressesprecherin des Vereins, hat face2face von den sozialen Projekten mit Tier, Mensch und Natur berichtet.

Face2Face: Wie sieht Ihre Vereinsarbeit mit Menschen und Tieren konkret aus?
Alexandra Diezemann: Mit dem Ziel, bestehende Einrichtungen wie Kinderbauernhöfe, Seniorenheime oder Hospize personell und finanziell zu unterstützen, wurde der Verein vor elf Jahren gegründet. Wir stellen uns mit unseren Infoständen vor allem an hoch frequentierte Plätze und wollen die Menschen auf der Straße aufrütteln. Der Verein funktioniert sozusagen als Sprachrohr der sozialen Institutionen, die engagierte Bürger so dringend gebrauchen können. Wir animieren die Bürger zum Helfen. Das können diese, indem sie Mitglied werden, Geld- oder Sachspenden bringen, bei Arbeitseinsätzen in den Einrichtungen helfen oder mit ihrem Tier in den Institutionen den Menschen eine Freude bereiten.

Glücklich mit ihrem Job: Die Pressesprecherin des Vereins, Alexandra Diezemann (Foto: privat)

Glücklich mit ihrem Job: Die Pressesprecherin des Vereins, Alexandra Diezemann (Foto: privat)

Face2Face: Und wie wollen Sie bedürftigen Bürgern helfen?
Diezemann: Wir geben zum Beispiel Tierhaltern Tipps und klären Eltern auf, welche günstigen Freizeitmöglichkeiten es für ihre Kinder gibt. Wir bieten nämlich unter anderem Veranstaltungen auf Kinderbauernhöfen an. Da dürfen die Teilnehmer zum Beispiel helfen, eine Holzhütte oder ein Kaninchenhaus zu bauen, auf dem Dachboden übernachten und mit den Tieren in Kontakt kommen. Für all das müssen sie nicht viel zahlen und kommen mal raus aus der hektischen Stadt.

Face2Face: Wie reagieren die Menschen auf Ihre Einrichtung?
Diezemann: Viele sind von Infoständen natürlich abgeschreckt, aber wir bieten ja tolle Sachen an und das merken die Passanten schnell. Wir wollen sie motivieren, etwas Gutes für sich und ihre Mitmenschen zu tun – dafür sind die meisten offen und nehmen sich ein paar Minuten Zeit. Einige entscheiden sich zu Hause noch, über das Formular in unserem Flyer für vier Euro im Monat Mitglied zu werden. Es gibt aber auch viele, die sich in ihrer Freizeit bei einzelnen Projekten direkt melden und beim Kuchenverkauf helfen, spenden oder sich an Hilfsaktionen beteiligen.

Face2Face: Mit welchen Tieren arbeiten Sie in Ihrem Verein?

Im Auftrag sozialer Institutionen: "MUT" setzt sich seit vielen Jahren für soziale Projekte unter anderem in Kinderbauernhöfen und Seniorenheimen ein (Foto: privat)

Im Auftrag sozialer Institutionen: "MUT" setzt sich seit vielen Jahren für soziale Projekte unter anderem in Kinderbauernhöfen und Seniorenheimen ein (Foto: privat)

Diezemann: Die Tiere, die wir als Verein haben, nämlich zwei Esel, zwei Ziegen, zwei Schafe, Meerschweinchen und Vögel – wohnen auf dem Sonnenhof. Das ist ein Kinderhospiz in Berlin-Pankow, das von der Björn-Schulz Stiftung gegründet wurde. 2003 haben wir da diesen 300 Quadratmeter großen Streichelzoo aufgebaut und dem Hospiz komplett zur Verfügung gestellt. Wir als Verein tragen alle Kosten von der Renovierung bis zu den Tierarztkosten. Der Streichelzoo soll den erkrankten Kindern und deren Familien Freude bereiten und die Verbindung zwischen ihnen und den Nachbar- und befreundeten Kindern herstellen. So fühlen sich die kranken Kinder vielleicht auch weniger ausgegrenzt. Auf dem Hof herrscht nämlich immer ein lustiges, buntes Treiben. Manchmal macht der Kindergarten um die Ecke mal einen Ausflug dorthin oder Schulgruppen besuchen den Sonnenhof. Vor allem aber freitags, beim Eltern- und Geschwistertag, erfreuen sich die Bewohner des Sonnenhofs bei einem Rundgang durch den Streichelzoo.

Face2Face: Welches sind Ihre aktuellen Projekte?
Diezemann: Gerade stehen wir, nach fünf Jahren, wieder vor der Renovierung des Streichelzoos. Wir müssen natürlich gewährleisten, dass die Tiere auf gesundem Sand stehen, deshalb muss dieser jetzt mal wieder erneuert werden. Wir suchen jetzt eine Firma, die uns dafür Sand spendet. Außerdem starten wir einen Aufruf an Mitarbeiter und Bürger, die helfen sollen, den Sand zu erneuern. Das andere Projekt ist momentan die Unterstützung unseres Projektpartners „Therapiehunde Berlin“. Der Verein ermöglicht, dass private Hundebesitzer mit braven Hunden zum Beispiel Senioreneinrichtungen besuchen und die Bewohner mit dem Tier zusammen bringen. Der Verein sucht gerade dringend Nachwuchs und braucht eben vor allem Mitarbeiter, die die Einrichtungen regelmäßig besuchen können, da sich die Bewohner dann auf „ihren“ Hund jede Woche freuen.

Face2Face: Seit wann arbeiten Sie selbst im Verein „MUT“ mit und warum?

Das Spielhaus im Kinderbauernhof Pinke Panke in Berlin Pankow: Gebaut von helfenden Händen aus dem Verein MUT (Foto: privat)

Das Spielhaus im Kinderbauernhof Pinke Panke in Berlin Pankow: Gebaut von helfenden Händen aus dem Verein MUT (Foto: privat)

Diezemann: Ich bin seit Januar 2002 dabei, also seit zehn Jahren. Damals habe ich mich auf eine Anzeige hin gemeldet. Ich war freie Journalistin und wurde direkt für die redaktionelle Betreuung des Vereins beschäftigt. Ich bin sozusagen die Buchstabentante. Ich wollte schon seit meiner Kindheit immer irgendwas mit Tieren und Schreiben machen. Das hat sich jetzt erfüllt. Es ist sehr schön, wenn man weiß, dass man einen Beruf ausübt, bei dem man etwas verändern kann. Wir sind ja immer bemüht, das Leben der Menschen und Tiere positiver zu gestalten und das gibt mir persönlich auf jeden Fall ein befriedigendes Gefühl.