Von und Für Studierende: Ohne Stress durchs Studium

Prüfungsstress und Koffein

Prüfungsstress: wenn eine Deadline die Nächste jagt. (Foto: J. Feth)

Ich spreche aus eigener Erfahrung, wenn ich sage, dass ein Studium zu einer gewissen Zeit im Jahr mit sehr viel Stress verbunden ist. Meistens fällt dieser Zeitraum in die sogenannte Klausurenphase, in der eine Deadline die nächste jagt und Studierende sich vor Klausuren kaum retten können. Mit Tipps meiner Eltern wie „Fang doch einfach früher an zu lernen“, kann ich schon lange nichts mehr anfangen. Da wir uns nun langsam aber sicher dem neuen Jahr nähern, habe ich mich unter Studierenden mal umgehört und nachgefragt, welche Tipps sie haben, um stressfrei durchs Studium zu kommen. Ein neues Jahr bedeutet ja schließlich auch neue Vorsätze und wer freut sich nicht über ein bisschen weniger Stress während der Prüfungszeit?

Fünf Tipps für weniger Stress im Studium

Tipp Nummer 1: Genug Schlaf

Mit Schlaf während des Studiums, aber vor allem während der Klausurenphase ist das so eine Sache. Manche schaffen es tatsächlich, die von Experten empfohlenen acht Stunden einzuhalten, in denen der Körper Zeit hat seine Energiereserven wieder aufzufüllen. Andere hingegen schlagen sich mit fünf bis sechs Stunden Schlaf durch die Studienzeit. Allerdings ist genau das ein entscheidender Faktor, der in Stresssituationen beachtet werden sollte, um den Körper und auch das Gehirn nicht überzustrapazieren. Ausreichend Schlaf kann gut dabei helfen, das Stresslevel zu senken und für die nötigen Erholungsphasen zu sorgen, die der Mensch vor allem in Dauerstress-Situationen dringend braucht. Wer also von morgens bis abends am Schreibtisch verbringt und wieder einmal viel zu viel Lernstoff in viel zu kurzer Zeit in sein Hirn hämmern muss, sollte darauf achten, die Nacht mit mindestens acht Stunden Schlaf zu füllen.

Tipp Nummer 2: Organisation ist alles

Wenn die Klausur nun immer näher rückt und die Panik den Körper überfällt, ist Organisation der Schlüssel zur Stressreduzierung. Dabei helfen kann beispielsweise ein Arbeitsplan, in dem zu lernende Themen aufgelistet werden und eine Deadline bestimmt wird, bis wann die Themen gelernt sein sollen. Diese Methode unterstützt dabei, sich einen Überblick über die Lage zu verschaffen und die wirren Gedanken im Kopf zu ordnen. Auch Unterlagen sortieren oder To-Do-Listen schreiben kann hilfreich sein, um Struktur in den Lernprozess zu bringen.  Ist im Hirn erstmal Ordnung eingekehrt, ist es auch einfacher sich dem Lernstoff zu widmen und nach und nach die Themen abzuarbeiten. (Nur sollte das Aufräumen nicht zum Prokrastinieren genutzt werden!).
Auch ein ordentlicher Schreibtisch – befreit von jeglichen Störfaktoren wie Smartphones oder anderen elektronischen Geräten – ermöglicht eine stressfreie Lernatmosphäre.

Tipp Nummer 3: Anspannung und Entspannung

So wie ein erholsamer Schlaf in der Nacht dem Körper ermöglicht seine Energiereserven wieder aufzufüllen, ist es für den Körper während stressiger Phasen notwendig, auch einmal zu entspannen. Nach jeder Anspannungsphase sollte daher eine Entspannungsphase folgen. So ist es ratsam, nach ein bis zwei Stunden konzentrierten Lernens eine 20-minütige Pause einzulegen, in der man den Kopf auf andere Gedanken bringt und die Aufmerksamkeit auf etwas völlig anderes lenkt.

Sport, Menschen in Bewegung gegen Stress

In Bewegung: mit Sport gegen den Stress ankämpfen. (Foto: Klicker ( pixelio.de)

Da es unterschiedliche Arten von Menschen gibt, kann diese Entspannungsphase für jeden etwas anderes sein: Sport treiben, spazieren gehen, sich mit Freunden auf einen Kaffee treffen oder einfach nur etwas lesen. Das alles kann dem Körper helfen, sich einem Rhythmus anzupassen und dadurch das Stresslevel zu reduzieren. Wichtig dabei ist: Die Entspannungsphase sollte nicht zu lange dauern, da sonst der Einstieg in die Anspannungsphase erschwert wird.

Tipp Nummer 4: Einfach mal das Handy weg!

In Zeiten von sozialen Netzwerken und fortgeschrittenen Technologien kann auch das Smartphone einen der größten Stressfaktoren in unserem Leben darstellen. Das Gefühl, immer auf dem neusten Stand sein zu müssen oder einfach mal die Bilder durch zu schauen die auf Instagram gerade erscheinen kann in unserem Körper Stress auslösen, selbst wenn wir diese kurze „Auszeit“ nicht als Stress empfinden. Daher gilt: Während der Lernphase einfach mal das Smartphone auf lautlos stellen und außer Sichtweite platzieren. So wird man auch von einem aufleuchtenden Bildschirm nicht abgelenkt oder hat das Bedürfnis, schnell auf ankommende Nachrichten antworten zu müssen.

Ohne den Störfaktor Smartphone ist es besser möglich, sich auf den zu lernenden Stoff zu konzentrieren und ohne Abschweifungen bei einem Thema zu bleiben. Ganz anders sähe es aus, wenn das Smartphone durchgehend dafür sorgen würde, die Aufmerksamkeit auf alles andere zu lenken, nur nicht auf die Prüfungsvorbereitungen.
Dadurch können wir also unser Stresslevel deutlich reduzieren und uns auf eine Sache zu einem Zeitpunkt fokussieren. Pausen können dann dazu dienen, das Bedürfnis nach Neuigkeiten zu stillen oder den neuesten Trend auf Instagram, Twitter und Co. zu verfolgen.
Wer wissen will wie es sich eine Woche ohne Smartphone lebt und ob das unser Leben wirklich stressfreier macht, der kann hier mal vorbeischauen.

Tipp Nummer 5: Sport oder Meditation

Bereits zuvor wurde erwähnt, dass auf Anspannungsphasen auch Entspannungsphasen folgen sollten. Für viele Menschen ist daher Sport ein besonders guter Weg, den Kopf frei zu bekommen und für eine Weile abzuschalten. Des Weiteren wird durch Bewegung der Kreislauf angeregt und das Gehirn mit Sauerstoff versorgt. Dadurch lässt es sich nach einer kurzen Sporteinheit konzentrierter und fokussierter arbeiten, was auch den Stressfaktor lindert.

Auch das Meditieren kann eine stressreduzierende Wirkung auf den Körper haben. Durch Videos aus dem Internet ist es auf einfachstem Weg möglich zu lernen, wie man seine Atmung kontrollieren kann und sich seines Körpers bewusst wird. Besonders zwischen Lerneinheiten können ohne großen Aufwand Übungen eingelegt werden, die dem Körper auf eine spezielle Art und Weise helfen, sich zu entspannen. Mehr über das Thema Meditieren lest ihr hier.

Bloß keinen Stress!
Alles in allem kann Stress unterschiedlich bekämpft oder reduziert werden. Die hier aufgeführten Tipps stellen lediglich eine kleine Auswahl aus unzähligen Möglichkeiten dar, die anwendbar sind, aber nicht für jeden Typ geeignet sein müssen. Letztendlich ist es wohl doch besser den altbekannten Rat anzunehmen und rechtzeitig und früh genug anzufangen, für die Prüfungen zu lernen. Und wer diese Weisheit vor der nächsten Prüfungsphase wieder einmal nicht beherzigt hat, der sei beruhigt: An den meisten Universitäten gibt es einen Zweit- oder Drittversuch für Prüfungen, in denen man im ersten Durchgang durchgefallen ist. Also bloß keinen Stress, der nächste Versuch wird hoffentlich besser!

30 Tage meditieren – ein Selbstversuch

Beginnen möchte ich mit einem Zitat des buddhistischen Mönches, Schriftstellers und Lyrikers Thich Nhat Hanh aus seinem Buch „Jeden Augenblick genießen“:

 

Während ich einatme, bin ich mir bewusst:
Ich atme ein.
Während ich ausatme, bin ich mir bewusst:
Ich atme aus.

Während ich einatme, spüre ich:
Mein Einatmen wird tiefer.
Während ich ausatme, spüre ich:
Mein Ausatmen wird länger.

Während ich einatme, beruhige ich mich.
Während ich ausatme, fühle ich mich erleichtert.

Während ich einatme, lächle ich.
Während ich ausatme, lasse ich los.

Während ich einatme, verweile ich
im gegenwärtigen Augenblick.
Während ich ausatme, fühle ich:
dies ist ein wundervoller Augenblick.

 

Die Effekte von regelmäßigem Meditieren

Sich ganz auf seinen Atem konzentrieren, tief- ein und ausatmen – dies soll Stress reduzieren und zum Beispiel vor einer Prüfungssituation beruhigen. Meditieren kann helfen langfristig besser mit Stress und schwierigen Emotionen umzugehen.  Der amerikanische Wissenschaftler und Autor Joe Dispenza geht in seinem Buch „Du bist das Placebo“ darauf ein, dass Meditation sogar die Hirnstruktur verändert, sodass Ängste überwunden werden können. Die Hirnforschung arbeitet seit Jahrzehnten daran, die Effekte der Meditation mittels Studien sowie Hirn-Scans auf den Grund zu gehen.

30 Tage meditieren - ein Selbstversuch

Meditieren: Ein Mittel zur Stressbewältigung? (Foto: T. Gartner)

Aber wenn wir auf die Wissenschaft warten, warten wir vermutlich lange. Deshalb habe ich einen Selbstversuch gestartet:  30 Tage lang habe ich mich am Meditieren versucht und möchte meine Erfahrungen nun mit euch teilen.

Woche 1

Für die erste Woche habe ich mir vorgenommen zweimal am Tag – jeweils morgens und abends – für fünf bis zehn Minuten die gängige Sitzmeditation (Zazen) aus dem Zen-Buddhismus auszuprobieren. Ich benutzte hierfür eine Meditationsapp mit integriertem Timer, die mittels Klanggeräuschen den Anfang und das Ende der Meditation signalisiert sowie jedes Sitzen einspeichert.

30 Tage meditieren - ein Selbstversuch

Die richtige Sitzhaltung: Bequem und stabil meditieren. (Foto: ©Raab, pixelio.de)

Zu Beginn jeder Meditation rollte ich meine Yoga-Matte aus und legte das Meditationskissen darauf. Wichtig ist, dass beim Sitzen eine bequeme, gerade sowie stabile Haltung eingenommen wird. Ich habe mir zusätzlich noch ein Räucherstäbchen oder eine Kerze angezündet. Das hat für mich den Effekt der Entspannung verstärkt und ist – gerade am Abend – sehr angenehm. In den ersten Minuten habe ich mich ganz auf meinen Atem konzentriert, also tief ein- und ausgeatmet und versucht, ganz im Hier und Jetzt zu sein. Natürlich kamen nach den ersten Sekunden verschiedenste Gedanken auf. Entweder ich dachte an meine heutigen Tagesaufgaben (am Morgen) oder reflektierte kurz den Tag (am Abend). Hin und wieder kamen auch vergangene Ereignisse auf. Nicht nur Gedanken spielen beim Meditieren eine Rolle, sondern auch Emotionen. Wenn wir uns einmal nicht ablenken lassen, sei es durch unser Smartphone, den Fernseher oder auch Musik, kommt alles hoch, was wir sonst verdrängen. Deswegen kann es am Anfang der Meditation sehr überraschend sein, was da noch im Verborgenen schlummert.
Es ist wichtig, dass ihr die aufkommenden Gedanken und Gefühle nicht bewertet, sondern einfach nur beobachtet, was in euch vorgeht.

Loslassen von Gedanken und Emotionen

Eine gute Methode sowohl mit Gedanken, als auch mit Emotionen umzugehen, ist das Loslassen. Wenn ein störender Gedanke aufgetaucht ist, versuchte ich ihm nicht zu folgen und mich auf diese „Gedankenkette“ erst gar nicht einzulassen, sprich: einfach weiter atmen. Das klingt einfacher als es ist. Oftmals, gerade am Anfang, bin ich automatisch den aufkommenden Gedanken gefolgt und habe mich dann selbst geärgert, dass ich komplett rausgekommen bin. Gedanken gehören genauso zum Meditieren dazu wie das Loslassen und die erneute Fokussierung auf den Atem. Ihr könnt aber auch eine Art „Meditationstagebuch“ führen, sodass ihr wichtige Gedanken im Nachgang immer noch verfolgen und bearbeiten könnt. Schließlich kann es passieren, dass Gedanken, die doch ganz nützlich sind, nach der Meditation in Vergessenheit geraten und mit Hilfe eines „Meditationstagebuchs“ kann dies vermieden werden.

Es ist mir auch nicht jeden Tag gelungen den genannten Zeitraum von fast zehn Minuten durchzuhalten. Manchmal war ich so abgelenkt von meinen Gedanken oder zu angespannt, dass ich mich einfach nicht durchgehend auf die Meditation konzentrieren konnte. Aber schon wenige Minuten haben ihren Effekt und sollten nicht unterschätzt werden.

Woche 2 und 3

Während der zweiten Woche nahm ich mir vor, noch etwas länger, nämlich 15 Minuten zu meditieren. Für mich war es fast schon entspannter, wenn ich wusste, dass ich mehr Zeit zum Meditieren habe. Denn an manchen Tagen konnte ich mich nicht so schnell auf die Meditation einlassen und brauchte allein dafür schon einige Minuten. Mir fiel es wesentlich leichter zu beginnen, als während der ersten Tage und gegen Ende der zweiten Woche gewann mein Selbstversuch schon etwas mehr an Routine.

Die dritte Woche brachte schon erste Veränderungen mit sich. Durch die Meditation wird das Mitgefühl für sich, andere Menschen und allgemein die ganze Welt verstärkt. Das nahm ich auch an mir wahr. Allgemein fühlte ich mich zu der Zeit sehr verbunden mit der Welt und spürte eine tiefe Dankbarkeit, die an nichts Spezielles gebunden war. Durch die Achtsamkeit verlängert sich der Tag gefühlt, da man nicht von einem Gedanken zum nächsten springt.

Woche 4

Das Mitgefühl verstärkte sich in der vierten Woche noch mehr. Manchmal konnte ich selbst nicht verstehen, wieso ich keinem Menschen lange böse sein konnte. Anscheinend entwickelte ich gewissermaßen Verständnis für manche Verhaltensweisen. Das soll nicht heißen, dass ich vorher nicht auch empathisch war, sondern, dass sich mit Hilfe des Meditierens eine andere Art der Empathie entwickelte, die noch tiefgreifender war.
Was mich jedoch am meisten überraschte an diesem „Experiment“ war etwas, womit ich überhaupt nicht gerechnet hatte. Normalerweise plagen mich während der Periode starke Schmerzen und ich bin sehr erschöpft und wenig leistungsfähig. Doch dieses Mal nahm ich viel weniger Schmerzen wahr und fühlte mich allgemein entspannter, besser sowie wesentlich leistungsfähiger im Alltag. Und das Einzige, das ich in dieser Zeit an meinem Alltag verändert habe, war das regelmäßige Meditieren.

Fazit meines Selbstversuches

Was nehme ich aus diesen 30 Tagen meditieren mit? Mir ist klar geworden, dass ich erst am Anfang meiner Reise stehe. Denn wirklich dauerhafte Effekte erreicht man nicht nach 30 Tagen, sondern nach monatelanger, wenn nicht sogar jahrelanger Praxis. Mich überraschte am meisten das tiefe Mitgefühl. Das erleichtert mir das Zusammenleben und Kommunizieren mit Mitmenschen sehr.
Wenn ich morgens meditiere, dann bin ich den Tag über produktiver und fokussierter. Je nachdem welche Aufgaben ich gerade bearbeite, lasse ich mich hin und wieder gerne ablenken. Doch durch die achtsame Praxis am Morgen fällt mir der Fokus auf meine Aufgaben leichter. Am Abend hilft mir das Meditieren vom Tag zu entspannen, alle Gedanken und Emotionen loszulassen, und so besser ein- und durchschlafen zu können. Weiterhin hat sich meine Kreativität gesteigert, da mir während der Meditation Lösungen für Alltagsprobleme oder Ideen eingefallen sind.
Ich konnte auch eine gewisse Erfolgskurve beobachten, denn am Anfang meines Selbstversuches fiel es mir sehr schwer auch nur fünf Minuten wirklich fokussiert auf meinen Atem zu achten. Je öfter ich meditierte, desto länger „hielt ich durch.“

Insgesamt waren die 30 Tage meditieren nur der Beginn meiner Meditationspraxis, die ich in den folgenden Monaten weiter ausbauen werde. Ich kann es nur jedem empfehlen, sich dieser simplen Entspannungsmethode hinzuwenden. Durch die Aufbereitung von belastenden Gedanken, Emotionen sowie Lebensmomenten kann Meditieren durchaus zur Stressbewältigung eingesetzt werden.
Als kleine, aber sehr wichtige Anmerkungen ist noch zu erwähnen, dass Menschen, die sich in psychotherapeutischer Behandlung befinden niemals ohne Absprache mit ihrem Therapeuten meditieren sollten. Denn, wie schon erwähnt, können verdrängte Emotionen hochkommen, die das Leiden kurzfristig verstärken können.

Yoga – die Medizin gegen Stress?

In unserer heutigen Gesellschaft und vor allem im Berufsleben wird der Alltag immer stressiger. Viele Arbeitgeber verlangen von ihren Angestellten, dass sie immer schneller, effizienter und produktiver arbeiten. Eben weil die Konkurrenz immer stärker wird. Je mehr Einnahmen erzielt werden können, desto besser, lautet die Devise. Dabei vergessen sich viele oftmals selbst, wenn sie Überstunden machen oder auf den wohl verdienten Urlaub verzichten. Aber vielleicht lässt sich dieses Problem doch noch lösen – mit Yoga.

Im indischen Sanskrit bedeutet Yoga Einheit und Harmonie. Mithilfe von Yoga werden Körper, Geist und Seele in Einklang gebracht, indem viele Techniken wie zum Beispiel Körper- und Atemübungen, Tiefenentspannung und Meditation darauf abzielen.

Entspannung pur: Die Meditation hilft dem Ausübenden seine innere Ruhe zu finden - auch im Alltag. (Foto: V.Kalra)

Entspannung pur: Die Meditation hilft dem Ausübenden seine innere Ruhe zu finden – auch im Alltag. (Foto: V.Kalra)

Auch die Friseurin Jana, 27, hat Yoga für sich entdeckt und schwört darauf: „Freitag ist für mich der Tag der Entspannung. Nach der Arbeit fahre ich direkt zum Yoga-Kurs. Habe es noch nie ausfallen lassen, weil ich das einfach brauche. Ich bin viel gelassener als vorher, glücklicher und mich bringt nichts mehr so schnell aus dem Gleichgewicht.“

Tatsächlich verbessert Yoga die Gesundheit eines Menschen: Es vermindert Stress und Rückenschmerzen, reguliert den Hormonhaushalt und stärkt das Herz. Laut Focus Online bestätigt dies auch eine Studie des American College of Sports. Die Forscher stellten fest: Patienten, die unter Bluthochdruck und Depression leiden oder asthma- oder herzkrank sind, und mindestens pro Woche 2,5 Stunden Yoga ausübten, spürten eine deutliche Verbesserung ihrer Krankheit.

Aber auch nur wenn die verschiedenen Techniken richtig ausgeübt werden, kann Yoga helfen. Sonst droht Verletzungsgefahr. Also bloß keinen gedanklichen Wettbewerb mit den anderen Teilnehmern im Kurs beginnen. So nach dem Motto: Was meine Nachbarin schafft, das kann ich auch!

„Den Fehler, den ich anfangs immer gemacht habe, war, dass ich die Übungen zu schnell gemacht habe, um als Erste damit fertig zu sein. Ich wollte mich mit den anderen messen. Daher hatte ich mir eine Zerrung und Krämpfe eingeholt. Nun mache ich die Übungen in meinem Tempo und achte währenddessen nur auf mich. Seitdem habe ich keine Probleme mehr- “, gibt Jana zu erkennen.

Wer sich also nicht sicher ist, wo die eigenen Grenzen bei den jeweiligen Übungen liegen, sollte die Warnsignale des eigenen Körpers immer beachten, um seiner Gesundheit nicht zu schaden.

Es gibt einige Optionen, um sich Yoga anzueignen: in Einführungsseminaren oder in einer Lehrerausbildung.

Denn egal ob Kind, Erwachsene oder Senioren – jeder kann Yoga ausüben. Sogar Erkrankte. Je nach Zustand des Körpers können die Übungen nämlich so angepasst werden, dass sie für den Praktizierenden machbar und angenehm sind.

Das Gute an diesem Sport ist, dass er sich optimal in den Alltag integrieren lässt. Kombiniert einfach einmal pro Woche die Yoga-Stunde mit einfachen Entspannungsübungen, um so die ersten positiven Effekten zu spüren. Mit anderen Worten: Mehr Passion. Neue Lebenskraft. Neues Selbstbewusstsein. Menschen, die schon über Jahre hinweg Yoga praktizieren, erfahren nach eigener Aussage sogar besseres Gespür, Innovation und Verantwortung. Mit Yoga könnt ihr also weit mehr erreichen als nur Stress abzubauen.

Konzentrier‘ dich! – Auf der Suche nach der einfachen Konzentration

Ich stelle fest, dass ich es nicht einmal schaffe, an diesem Text hier zu arbeiten, ohne von allen Seiten abgelenkt zu werden. Hier die Musik aus den Laptop-Boxen, da die rauschende Heizung… Zudem locken Facebook, Handy und Festnetztelefon. Moment, wollte ich nicht eben noch einen Tee aufsetzen?

Wenn man schon beim bloßen Schreiben am Computer nicht mehr monogam sein kann, wie sollte das dann, im größeren Kontext betrachtet, ausgerechnet im Alltag funktionieren? Liebesbeziehungen scheitern am Hang zur Polygamie, am Seitensprung nach links oder rechts, Klausuren werden aus mangelnder Konzentration heraus mit Flüchtigkeitsfehlern gespickt und überhaupt reicht uns, den von überall her Beschallten und Bestrahlten, ein einziger Fixpunkt schon lange nicht mehr aus. Um zur Ruhe zu kommen, benötigen wir Inselurlaube oder Bibliotheken – und selbst dort kann niemand garantieren, dass nicht zufällig ein Küstenwächter beziehungsweise ein röchelnd hustender Kommilitone unsere Aufmerksamkeit auf sich und vom wesentlichen fort zieht.

Konzentrier‘ dich! – Auf der Suche nach der einfachen Konzentration

Die Energien fließen lassen: Ich bin ganz bei mir. (Foto: T. Gartner)

Konzentration – der Begriff kommt aus dem Lateinischen und ist zusammengesetzt aus con, was soviel heißt wie mit und centrum, zu Deutsch: Mitte. Folglich scheint mit Konzentration ein Zusammenfinden in der Mitte, optimalerweise in der eigenen, gemeint zu sein. Die besonnenen Kampfkünstler und fernöstlichen Yoga-Meister wussten schon, wovon sie da redeten: Im eigenen Körper angelangen, sein Zentrum finden, nichts als seinem Atmen lauschen und all‘ sowas. Im Selbstverteidigungskurs haben sie uns jedenfalls erzählt, der innere „Kern“ und damit der Schlüssel zur völligen Fokussierung befände sich irgendwo unterhalb des Bauchnabels. Falls hier meine mir bisweilen zu häufig abhanden kommende Konzentration gefangen gehalten wird, so will ich mich einer Darmspülung unterziehen und sehen, ob wenigstens auf diese Weise etwas mehr davon freigegeben würde.

Doch da ich nach zwei Yogastunden das Handtuch beziehungsweise die Matte geworfen habe, werden wir wohl niemals erfahren, was dieser sogenannte Kern eigentlich davon hat, sich meine hochgeschätzte Konzentration einzuverleiben. Kürzlich überkam mich allerdings noch einmal der unbändige Drang, meinem Defizit final den Kampf anzusagen. Die Waffe hieß Meditation. Radikales Vor-sich-hinatmen, Daumen und Zeigefinger zusammengeführt, denn so hat auch der dicke Buddha schon lange vor mir seinen inneren Konzentrations-Schweinehund besiegt. Mir sind unterdessen jedoch abermals wirre Gedanken durch den Kopf geschossen, Schritte im Treppenflur haben mich verleitet und so scheiterte die Mission nach nicht einmal fünf Minuten mit im Schneidersitz eingeschlafenen Beinen.

Während ich diesen Text hier zu beenden versucht habe, sind übrigens zwei Tage verflogen und unzählige SMS ein-und ausgegangen. Es ist mir weder gelungen, mich zu konzentrieren noch einen einzigen Lösungsansatz zu formulieren, der jenseits von kaltem Entzug für alle an Multimedia-Sucht Erkrankten liegt.  Ich halte das Mantra meiner alten Yogalehrerin auf jeden Fall weiterhin griffbereit und zünde mir auf meiner Suche (nach ihrer Nummer) erst einmal ein paar Räucherstäbchen an.

Vorschau:  In der nächsten Woche geht Kolumnist Sascha dem Geheimnis des „Gedankenlesens“ auf den Grund.