Ein Plädoyer für die Spontanität

Kaffeepause - sich spontan mit der Freundin auf einen Kaffee verabreden, ist immer eine gute Idee! (Foto: Rainer Sturm  / pixelio.de)

Kaffeepause – sich spontan mit der Freundin auf einen Kaffee verabreden und für einen Moment den Alltagsstress hinter sich lassen. Das ist immer eine gute Idee! (Foto: Rainer Sturm / pixelio.de)

Spontanität – das ist etwas Herrliches und eröffnet einem oftmals ganz neue Möglichkeiten. Doch natürlich muss man gewillt sein, sich darauf einzulassen und die Magie der Spontanität schätzen und lieben lernen. In gewisser Weise muss jeder sich auch mit der Ungewissheit anfreunden, dass spontane Vorhaben nicht unbedingt immer so ausgehen, wie jemand sie sich vorher ausgemalt hat. Sie können aber auch zu großartigen und unvergesslichen Erlebnissen und Begegnungen mit tollen Menschen führen, die einem noch lange im Gedächtnis bleiben. Doch einige scheinen mit dem Konzept der Spontanität nicht ganz so gut zurechtzukommen und ihm eher feindselig gegenüber zu stehen. Ich war schon immer geneigt mich spontan mit Freunden auf einen Kaffee zu treffen, wenn mir ganz plötzlich danach war. Oder aber wenn ich gerade etwas in einem Stadtmagazin herumstöberte und zufällig über ein interessantes Konzert oder eine Ausstellung stolperte, griff ich sodann zum Telefonhörer, um eine Freundin oder einen Freund mit meiner bereits bis ins kleinste Details ausgemalten Abendplanung vertraut zu machen.

Unter Zeitdruck - nicht immer bleibt Zeit für Spontanitiät, angesichts vieler Termine und Verpflichtungen (Foto: Bernd Kasper  / pixelio.de)

Unter Zeitdruck – angesichts vieler Termine und Verpflichtungen scheint Spontanität oftmals ein wirklicher Luxus zu sein (Foto: Bernd Kasper / pixelio.de)

Oft werde ich allerdings enttäuscht. Denn nicht alle meine Freunde sind für meine recht kurzfristigen Vorhaben zu begeistern oder haben schlicht und einfach schon eine Verabredung oder einen anderen wichtigen Termin. Natürlich habe auch ich meine Verpflichtungen und sitze nicht den ganzen lieben langen Tag zu Hause und drehe Däumchen. Allerdings vermute ich, dass meine Herangehensweise eine ganz andere, als die, der nicht so spontanen Menschen ist – wenn ich im Voraus weiß, dass die kommende Woche einen freien Tag zulässt, werde ich deshalb nicht zwangsläufig sofort eine Verabredung vereinbaren.

Bei anderen Freunden bemerke ich des Öfteren einen Mechanismus, ja förmlich den Drang, dass schnell alle Tage für die folgenden Wochen mit Terminen im bereits überquellenden Terminplaner gefüllt werden müssen. Eine freigebliebene Spalte im Wochenplan scheint dabei verwunderlicher Weise eine gewisse Panik und Unruhe in Ihnen auszulösen. Wenn ich dann bei der Losvergabe für eine begehrte Verabredung noch einen Hauptreis, nämlich einen einstündigen Kaffeetermin ergattere, der irgendwie noch zwischen am gleichen Tag, stattfindenden Terminen, reingequetscht wird, kann ich mich enorm glücklich schätzen.

Termine über Termine - das kann einem schon mal über den Kopf hinauswachsen (Foto: I-vista  / pixelio.de)

Termine über Termine – das kann einem schon mal über den Kopf hinauswachsen (Foto: I-vista / pixelio.de)

Manch einer würde wohl anmerken wollen, dass Spontanität viel mit Ungebundenheit oder weniger Verpflichtungen zu tun hat. Da ist mit Sicherheit etwas dran. Und auch mit der Berufstätigkeit kann ein jeder nicht mehr tun und lassen, wonach es ihm beliebt. Ich bin Studentin und habe bisher noch keine Kinder, um die ich mich kümmern oder die ich vor der Arbeit noch bei der KiTa vorbeibringen muss. Andere Lebensumstände können einen in der Spontanität einschränken und von einem viel Disziplin und einen meist durchgeplanten Tagesablauf abverlangen. Sonst würden die ganzen Aufgaben und Erledigungen wohl nicht gelingen und einem früher oder später über den Kopf hinaus wachsen. Da bleibt zugegebenermaßen wenig Platz für den Zauber der Spontanität.

Spontan etwas freie Zeit übrig?! Endlich mal wieder Pinsel sowie Farbe aus dem Schrank holen und seiner Kreativität freien Lauf lassen (Foto: www.hamburg-fotos-bilder.de  / pixelio.de)

Spontan etwas freie Zeit übrig?! Endlich mal wieder Pinsel sowie Farbe aus dem Schrank holen und seiner Kreativität freien Lauf lassen (Foto: www.hamburg-fotos-bilder.de / pixelio.de)

Aber vielleicht gibt es auch Menschen, die mehr den Drang nach Spontanität verspüren als andere. Ich werde mich nochmal zu Wort melden, sobald sich meine Lebensumstände drastisch verändert haben sollten – sprich, ich meine eigene Familie gründe. Vielleicht spreche ich dann nicht mehr in den höchsten Tönen von der Spontanität. Vielleicht werde ich dann meine damalige Naivität belächeln. Bis dem aber nicht so ist, gehe ich weiterhin meinem Impuls nach, verreise kurzentschlossen über das Wochenende, versuche Freunde von meinen brillanten Spontaneinfällen zu überzeugen, sie wenn möglich sogar mit meinem Spontanitäts-Fieber anzustecken und schwelge glücklich in meiner bunten Spontanitäts-Luftblase.

Vorschau: Eva geht nächste Woche dem Wahnsinn der Perfektion auf die Spur

Do-It-Yourself-Projekt: Porzellan bemalen

Porzellanmalerei

Aus alt mach neu: Durch eigene Kreationen wird einfaches Geschirr zum Unikat (Foto: Onat)

Ob nun Familienerbstücke, Flohmarkt-Fundstücke oder polterabendreifes Porzellan: Wer noch alle Tassen im Schrank hat, besitzt garantiert Geschirr, das trostlos verstaubt und ausrangiert werden könnte. Die Tipps&Tricks-Redaktion verrät, wie ihr im Handumdrehen – lediglich mit Nagellack und Porzellanfarben gewappnet – euren alten Tellern und Tassen neues Leben einhauchen könnt.

Porzellan bemalen
Zunächst muss das Geschirr gründlich gewaschen und getrocknet werden, um es von Fett- und Staubrückständen zu befreien. Anschließend kann das Gestalten mit den Porzellanfarben direkt beginnen: Sollen große Flächen ausgefüllt werden, eignet sich hierfür vor allem flüssige Porzellanmalfarbe. Für filigrane Muster, Schriftzüge oder Motive verwendet man wiederum Porzellan-Malstifte beziehungsweise –Marker. Damit die eigene Kreation dann für die Ewigkeit hält, sollte das Geschirr nach Anleitung der Porzellanfarbe im Ofen eingebrannt werden. Zwar sind die Kunstwerke dadurch spülmaschinenfest. Zur Schonung sollte jedoch lediglich bei 40 Grad Celsius – oder direkt von Hand – gespült werden.

Do-It-Yourself-Projekt: Porzellan bemalen

Abgepaust: Motive lassen problemlos auf Porzellan übertragen (Foto: Onat)

Motive übertragen
Wollt ihr erst eine Vorlage anfertigen, könnt ihr diese mit einem Bleistift auf Kopier- beziehungsweise Transferpapier aufmalen und auf das Porzellan übertragen. Aber auch mit normalem Papier lässt sich dies bewerkstelligen: Einfach das Motiv mit einem Bleistift auf das Papier zeichnen und – gegebenenfalls mit Klebestreifen fixiert – auf die Tasse anlegen, sodass die unbemalte Seite nach oben zeigt. Nun mit etwas Druck die Rückseite flächig mit dem Bleistift bemalen. So werden die gezeichneten Linien auf die Tasse übertragen und können mit dem Porzellanmalstift nachgezeichnet werden. Hat man sich einmal vermalt, lässt sich die Farbe vor Ablauf der Trockenzeit problemlos entfernen. Beachtet bei euren Vorlagen stets, dass die Motive spiegelverkehrt übertragen werden.

Gerade Linien und Formen
Ein Dreieck lässt sich mit einem Lineal zwar problemlos auf Teller zeichnen. Ist das Geschirr – so wie bei Schüsseln und Tassen – jedoch nicht mehr flächig, muss man sich anderer Hilfsmittel bedienen. Die Lösung heißt in diesem Fall Tesafilm beziehungsweise „Masking Tape“. Mit dem Film einfach geometrische Formen und Linien auf dem Porzellan kleben und mit dem Malstift entlang des Klebebandes die Striche nachzeichnen.

Bunt gemischt: Mit Nagellack lässt sich ein natürlicher Wasserfarben-Effekt erzielen.

Bunt gemischt: Mit Nagellack lässt sich ein natürlicher Wasserfarben-Effekt erzielen (Foto: Onat)

Wasserfarben-Effekt
Mischt man flüssige Porzellanfarben miteinander und verdünnt diese mit Wasser, lässt sich weißes Geschirr mit einigen Spritzern und Klecksen bunt dekorieren. Mit Nagellack lässt sich dabei derselbe Effekt kostengünstiger herstellen: Hierfür eine alte Schüssel – sie sollte groß genug für das zu bemalende Geschirr sein – nehmen und mit warmem Wasser füllen. Nun muss alles schnell gehen, da sich sonst die Farbe am Boden der Schale absetzt: Einige Milliliter der gewünschten Farbe an Nagellack hineingießen und das Porzellan in das Wasser halten. So setzt sich der Nagellack am Geschirr ab und hinterlässt den gewünschten Wasserfarben-Effekt. Dabei lässt sich variieren, ob ihr alle Farben auf einmal anbringt, diese mit einem Zahnstocher vermischt oder das Porzellan nach und nach in die verschiedenen Farben taucht. Auch hier könnt ihr – sollte euch das Ergebnis nicht gefallen – die Farbe problemlos mit einem rauen Schwamm oder Nagellackentferner abwischen.

Vorschau: Nächste Woche fällt bei uns alles ins Wasser: Wir verraten euch, wie ihr Badesalz herstellen könnt.

Malen kann jeder!?

Malen kann jeder. Das weiß schon mein Sohn. Doch er hat in seinen fast fünf Jahren auch schon gelernt, dass malen nicht immer malen ist. „Ich kritzel immer nur“, sagt er dann enttäuscht und lässt Stifte und Pinsel fallen. Frustrierend. Nicht nur für Fünfjährige. Auch mancher Erwachsene fühlt sich überfordert, wenn es ums Selbstmalen geht. Ein Strichmännchen bei den Montagsmalern geht gerade noch, wenn es dann aber komplizierter wird, oder gar eine Leinwand gefüllt werden soll, gibt es großes Zögern. Und Neid auf alle, die scheinbar mühelos Farbe auf Keilrahmen klatschen oder riesige Zeichenblöcke füllen.

Ich selbst male gern hin und wieder ein Acrylbild oder versuche mit dem Bleistift etwas malerisch festzuhalten. Mit viel Selbstkritik und der Hoffnung, dass letztendlich doch noch Übung den Meister macht. Wäre doch schön. Mein Mann dagegen schaut lieber zu. Nicht unbedingt mir, sondern einem anderen, der gar nicht mehr lebt, im Fernsehhimmel aber lebendigt bleibt. Bob Ross, den ich vorher nicht kannte. Und ich war erstaunt mit welcher Leichtigkeit der Kerl Landschaft über Landschaft mit Ölfarben geradezu hinzauberte. Jeder Pinselstrich saß, jeder Farbklecks hatte einen Grund. Und über allem schwebte der Leitsatz „We don’t make mistakes, we have happy accidents“. Noch heute schwirrt er durch das spätabendliche Programm eines Drittsenders und erklärt wie leicht es doch ist zu malen, denn malen kann jeder.

Das wollte ich am eigenen Leibe erfahren. Und nicht nur ich, auch mein Mann, der sich immer für wenig künstlerisch hält, sollte ausprobieren so zu malen, wie sein Kunstidol. Kurzerhand habe ich ihm also zu unserer Hochzeit einen Bob-Ross-Malkurs geschenkt. Und im letzten Dezember haben wir den Gutschein eingelöst, den Versuch gewagt und losgemalt.

Malen kann jeder!?

Noch kein Meisterstück? Der Perfektionist kann immer an sich arbeiten (Foto: Obermann)

Farbe, Leinwand, Pinsel, alles war da, was die Sache ungemein vereinfachte. Immerhin mussten wir die teuren Öl-Farbtuben nicht selbst kaufen, sondern konnten nutzen, was da war. Da die Kurse generell in kleinem Kreis stattfanden, mussten wir auch nicht fürchten auf Gutgeübte zu treffen, die uns beschämend an die Wand malten. Nur wir zwei und die Kursleiterin in einem gemütlichen Räumchen bei Worms. Gut, womöglich war auch Bob Ross’s Geist anwesend, ausschließen kann ich es nicht.

Die erste Aufgabe bestand darin, sich eine Vorlage auszusuchen. Wir blätterten in den Heften mit Bildern des Künstlers, machten gegenseitig Vorschläge und fanden schließlich auch zwei unterschiedliche Landschaften, an denen wir uns probieren wollten. „Das packt ihr“, beruhige und die Leiterin. Bevor wir loslegen konnten, mussten wir die Leinwand dann noch mit einem Trocknungsverzögerer einpinseln. Gleichmäßig, nicht zu dick, keine Stelle vergessen. „Seid vorsichtig. Einmal kamen wir aus der Pause und das ganze Bild war runtergeflossen“, wurden wir gewarnt und wurden unsicher. Von wegen happy accidents.

Endlich ging es los. Zuerst der bunte Hintergrund, der Himmel und die Gewässer. Das sah noch sehr abstrakt aus. Dann wurde es schwieriger. Die Kursleiterin zeigte an einer Probeleinwand die Techniken, mit denen wir die Wolken an den Himmel bekamen und später die Tannenbäume vor den Schatten. Im Prinzip muss dabei von hinten nach vorne gemalt werden. Erst der Hintergrund, dann die Schatten, die eigentliche Objekte, schließlich die Lichteffekte. Und was im Fernseher bei Bob Ross noch ganz einfach aussah wurde trotz sich widerholender Technik ganz schön schwer. Allein die Tannenbäume brauchten mehr Zeit, als wir je gedacht hätten und wir waren froh, dass es am Ende nicht so viele waren, die wir zu malen brauchten.

Malen kann jeder!?

Ein Tag Arbeit: Erstaunlich schnell mit der richtigen Technik (Foto: Obermann)

„Wagerecht halten“, „Nur tupfen“, „Zu viel Farbe“, „Zu wenig Druck“, „Mehr Platz lassen“, „Dichter“, „Frische Farbe“, … die warnenden und helfenden Worte der Kursleiterin begleiteten uns. Immerhin wollten wir trotz aller glücklicher Unfälle ja zwei ansehnliche Bilder mit heimbringen. Den ganzen Tag standen wir vor den Staffeleien und klatschten Ölfarbe an die Leinwand. Eine Mittagspause mit Essen im nahegelegenen Restaurant war eingeplant und am Ende waren wir alle geschafft. Bob Ross Techniken bestechen durch eigentlich einfache Handgriffe, die sich wiederholen. Kritikpunkt mag sein, dass es eben so technisiert ist. Das lässt dem ein oder anderen wenig Raum für individuelle Pinselstriche. Und genaue Vorlagen lassen immer etwas das Gefühl von Malen-nach-Zahlen zurück. Auch für mich war es eine Umstellung, denn mit Acrylfarben male ich eigentlich lieber Abstrakter und intuitiv, nicht so planend und technisch. Mein Mann dagegen liebt klare Vorgaben und Linien. „Meine Wolken sehen viel zu geometrisch aus“, meckerte er schon beim Malen. Aber er blieb dabei und war am Ende stolz wie Oskar.

Unsere Ergebnisse können sich sehen lassen. Am Ende sahen sie gar nicht so abgemalt vom Original aus, sondern wirklich wie ganz eigene Landschaften, mit eigenen Stimmungen, die dann vielleicht doch nur wir so haben malen können. Mein perfektionistischer Mann ist mit seinem zwar nicht ganz zufrieden, plant aber schon den nächsten Malkurs. Es gibt ja noch so viele Landschaften. Und irgendwann klappt es dann auch mit den Tannenbäumen. Eins jeden Fall haben wir gelernt. Malen kann jeder – und mit der richtigen Technik sogar ziemlich gut.

Vorschau: Alexandra lüftet nächste Woche die Symptomatik des Wochenendpendlers.

Traumberufe, Teil 9: Action Painting Künstler

Der Begriff „Künstler“ bezeichnet heutzutage kreative Menschen aus unzähligen Bereichen. Damit aber dieser Rahmen nicht gesprengt wird, gibt es in Deutschland das Künstlersozialversicherungs­gesetz, welches die Berufsbezeichnung anerkennt und näher definiert: „Künstler im Sinne des Ge­setzes ist, wer Musik, darstellende oder bildende Kunst schafft, ausübt oder lehrt. […]“ (§2 KSVG)

Bei Action Painting – auch Aktionsmalerei genannt – handelt es sich um eine moderne Kunstrichtung innerhalb des abstrakten Expressionismus. Entstanden ist diese ab 1950 in den USA und durch Jackson Pollok international bekannt geworden. Die bisher traditionelle Komposition eines Bildaufbaus und die Anwendung komplexer Techniken werden verworfen; stattdessen wird die Farbe grob mit einem Pinsel auf die Leinwand getropft oder gespritzt. Die so entstandenen Werke werden daher auch als „Klecksbilder“ bezeichnet.

Traumberufe, Teil 9: Action Painting Künstler

Künstler aus Leidenschaft: Sascha Gunkel (Foto: privat)

„Kunst ist mein Leben, also eine Leidenschaft“, schwärmt der 29-Jährige Künstler und Lagerist Sascha Gunkel. Seit sechs Jahren übe Gunkel Action Painting aus und sei durch den Film Pollok inspiriert und in den Bann gezogen worden. Von da an stand für ihn fest, dass dies seine Bestimmung sei und demnach stelle die Kunst seine Person als Ganzes dar. Vor allem aber, spiegeln seine Werke seine Seele, Gefühle und die Leidenschaft wider. Durch das viele Lesen von Fachbüchern und dem Experimentieren habe er sich in den ersten Jahren alles selbst beigebracht. „Erst als ich einigermaßen gute Bilder hatte, traf ich mich mit Künstlern“, erinnert sich der 29-Jährige.

Die beste Motivation zum Malen seien starke Emotionen, die durch bestimmte Ereignisse in seinem Umfeld hervorgerufen werden. Des Weiteren benötige er Isolation, Ruhe und Musik – sowohl für die Konzentration als auch für die Entspannung. Die Aussage, dass Kunst für den Stressabbau geeignet ist und zur Selbstfindung stark beiträgt, unterstützt Gunkel. Zudem bestätigt er die oben aufgeführte Definition von Action Painting: „Meine Bilder entstehen zum Teil im Kopf und entwickeln sich während des Malens noch weiter.“ Der Fantasie werde freien Lauf gelassen, unterschiedliche Materialien wie Acryl-, Lack- oder Ölfarben, aber auch Sand oder Steine könnten dabei eingesetzt werden und man sei als Aktionsmaler an keine Techniken gebunden.

Traumberufe, Teil 9: Action Painting Künstler

Ein Action Painting Werk mit dem Titel: Punk is not Dead (Foto: Gunkel)

Der 29-Jährige benutze persönlich lieber Acrylfarben und gelegentlich Lack- oder sogar Sprayfarbe. Die Materialien sind seiner Erfahrung nach in allen Preisklassen erhältlich. Das seine Werke die Familie, Freunde und auch Fremde berührt und erreicht, sei für Gunkel der schönste Moment in seinem Künstlerdasein gewesen. Ebenso die erfolgreichen Ausstellungen, vor allem die erste Einzellausstellung 2011 in Höchst im Odenwald. Das Vorurteil, dass es sich bei dieser Kunstrichtung lediglich um Farbspritzer auf Leinwand handle und jeder ein sogenanntes Drip Painting erstellen könne, würde er gerne beseitigen. Der Unterschied zwischen einem Bild von Jackson Pollok und einer X-beliebigen Person ist, laut Gunkel, wie Tag und Nacht. Daher rate er Anfängern sich mit der Kunstrichtung auseinanderzusetzen, viel darüber zu lesen, seine Techniken stets zu verfeinern und sich insbesondere mit anderen Künstlern auszutauschen. Allerdings betont Gunkel, dass „der beste Tipp, den ich geben kann, ist ‚Learning by Doing‘. Schließlich bekommt man anders seine eigene Handschrift nicht heraus und die ist beim Malen unverzichtbar!“.

Im Gespräch mit dem Künstler wird immer wieder deutlich, dass dies sein Traumberuf ist. Vor allem aber, gesteht er Face2Face auch, dass er derzeit nicht nur von der Kunst alleine leben könne und demnach noch als Lagerist arbeite. Der Erfolg sei vom Geschmack der Menschen abhängig und sicherlich seien auch etwas Glück und gute Kontakte von Nöten. Diese wirken sich auf die Ausstellungen und den Verkauf der Bilder aus.

Traumberufe, Teil 9: Action Painting Künstler

Die Offenbarung der Künstlerseele: Ein Blick auf mein gebrochenes Herz (Foto: Gunkel)

Auf die Frage hin, welche Fähigkeiten Gunkel noch verbessern möchte, zitiert er Salvadori Dali: „Versuche nie Perfektion zu erreichen, du wirst sie nie erreichen.“ Daraus ziehe er die Lehre, dass das Lernen kein Ende habe und er strebe das große Ziel an, „das eine besondere Bild zu malen, welches alles verändern wird.“ Momentan bereite sich der 29-Jährige auf eine kleine Monatsausstellung in Michelstadt im Café Atelier vor. Darüber hinaus folge gegen Ende des Jahres eine größere Ausstellung im Krankenhaus Erbach. Die Anmeldung eines Gewerbes und die Teilnahme beim Kultursommer 2013 im Kreis Odenwald seien ebenfalls in Planung. Als letzten Tipp betont Gunkel, sich der Kunst zu öffnen, denn „Kunst ist Leidenschaft, Kreativität und Spontanität.“

Kontakt:

Sascha Gunkel

E-Mail: sasha.g@gmx.de

Weitere Infos und Bilder findet ihr auf seiner Homepage und auf Facebook!

Vorschau: Nächste Woche geht es weiter mit der Ausgehtippsserie. Dieses Mal wird euch die Soraya Sisha Lounge in Speyer vorgestellt.

„Zodiac – soundful art“, Teil 2

Heute gibt´s den zweiten Teil des „Zodiac – soundful art“-Interviews, in dem ihr mehr über die beiden Künstler und ihren jeweiligen Teil der Projektarbeit erfahrt könnt.

Fragen an Nina Robra:

Face2Face: Die Videos zeigen die Entstehung eines Bildes im Zeitraffer. Wie lange brauchst du tatsächlich für das Zeichnen eines Tierkreiszeichens?
Nina Robra: Die Arbeit ist schon mühsamer als es ein Zeitraffer oder ein Endbild erahnen lässt, aber mit der Zeit kommt da auch eine gewisse Routine ins Spiel. So brauche ich zum Beispiel nur kurze Zeit, um das Bild vor dem geistigen Auge zu haben. Danach kommt aber die Umsetzung, die technisch aufwendiger ist, denn allein der Aufbau des Stativs und das Einstellen der Kamera und deren Winkel nehmen einige Zeit in Anspruch. Sobald aber diese Vorbereitungen getroffen und die Stifte gespitzt sind, muss ich nur noch loslegen. Bislang lag mein Fokus eher auf dem Zeichnen von Portraits, womit ich mich in den letzten Jahren sehr viel befasst habe. So sah ich die Tierkreiszeichen als eine Art neue Herausforderung, von der ich im Nachhinein sagen kann, dass sie mir viel gebracht hat, ich mein Spektrum erweitern und meine zeichnerischen Fähigkeiten testen konnte. Eine willkommene Abwechslung.

Face2Face: Was verwendest du speziell bei diesem Projekt für Zeichenmaterialien?
Nina Robra: Für dieses Projekt habe ich ausschließlich Kohlestifte verwendet (Kohlestifte ohne Fett in Holz gefasst, von Faber Castell). Ich bevorzuge diese Stifte bei fast allen Zeichnungen, denn mit ihnen lässt sich ein guter Schwarz-weiß-Kontrast bilden. Das ist vor allem bei Portraits und realistischen Zeichnungen sehr wichtig.

Face2Face: Arbeitest du gerne mit CODX zusammen? Wenn ja, wieso?
Nina Robra: Ja, denn die Zusammenarbeit mit ihm ist unkompliziert. Man kann gut mit ihm reden, er ist nicht stur und lässt auch andere Meinungen zu. Er verträgt Kritik, aber ist auch nicht zu scheu, um selber Kritik zu üben. Wenn er sich etwas in den Kopf gesetzt hat, egal um was für ein Projekt es sich handelt, dann steckt er all seine Energie da rein. Das finde ich bewundernswert.

Fragen an CODX:

Face2Face: Wie funktioniert so eine Vertonung?
CODX: Die Vertonung basiert auf „die Kunst der Musikproduktion“ und tatsächlicher Studioqualität. Es kommt auch vor, dass einige Instrumente wie z.B. Gitarren oder Bläser direkt (sozusagen von Menschenhand) aufgenommen werden, um z.B. den natürlichen Klang zu betonen und zu bewahren. Letztendlich landet aber alles im Computer, wo es auch arrangiert und gemischt wird. Anschließend wird die Musik zum Video synchronisiert.

Face2Face: Woher nimmst du die Inspiration für jedes Tierkreiszeichen eine andere Vertonung zu entwickeln?
CODX: Da es sich bei dem Projekt auch um ein musikalisches Werk handelt, bestand meine Aufgabe u.a. auch darin zu jedem Tierkreiszeichen ein eigenes Stück zu  komponieren. Es ist auch subjektiv zu sehen und verschiedene Musikstile können wiederum auch etwas anderes beim Hörer auslösen, aber ich habe versucht den Unterton, den Klang der Stimmung so zu wählen und zu halten, dass typische Merkmale jedes Zeichens irgendwo im Ohr des Hörers mitschwingen können. Auch Ninas zeichnerische Umsetzung hat dazu beigetragen. Die Inspiration kann rein musikalisch gesehen aber von überall kommen, das bringt das Dasein eines Künstlers oder kreativen Menschen mit sich. Wenn man „ZODIAC – soundful art“ zum Schluss als Ganzes betrachtet, gibt es klanglich und bildlich einen roten Faden. Hierzu hört ihr euch am besten einmal den Gesamtmix an: http://www.facebook.com/video/video.php?v=1694788737628

Face2Face: Wieso sind die Stücke rein instrumental, also ohne Gesang? Hat das eine bestimmte Bedeutung?
CODX: Ja das hat es und es ist in zwei Worten zu erklären: geringere Ablenkung. Wären die Stücke mit Gesang und Text, dann würde man sich nicht so leicht auf den Entstehungsprozess der Zeichnungen konzentrieren können. So kann man die Kunst des Zeichens betrachten und zugleich klanglich darin versinken. Soundful Art eben…

Kontakt:
Nina Robra: http://ninarobra.blogspot.com
CODX: www.codxtrax.de

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Teil 1 des Interviews findet ihr hier.