Als Straßenmusiker kann ich doch spielen, wo ich will – oder nicht?

„Bei schönem Wetter schnappe ich mir einfach meine Gitarre und stelle mich ein paar Stunden in die Stadt, um Straßenmusik zu machen und mein Gehalt ein bisschen aufzubessern.“ – Was so einfach klingt, ist nicht in jeder deutschen Stadt möglich und ist oft mit bestimmten Regelungen verbunden, die es Straßenmusikern teilweise erheblich erschweren, ihre Musik öffentlich an den Mann beziehungsweise die Frau zu bringen. Wir haben uns für euch schlau gemacht, welche Auflagen es unter anderem in der Rhein-Main-Region gibt und außerdem einen jungen Straßenmusiker nach seinen Erfahrungen und Tipps gefragt.

Sondernutzungserlaubnis nötig

Jede Stadt in Deutschland hat ihre eigenen Bestimmungen im Hinblick auf musikalische Darbietungen auf der Straße. Wer zum Beispiel in Darmstadt an einem öffentlichen Platz musizieren will, darf das generell nur in der Fußgängerzone zwischen 10 und 20 Uhr. Dazu kommt, dass man vorher beim Bürger- und Ordnungsamt einen sogenannten „Antrag auf eine Sondernutzungserlaubnis für Straßenmusik und Straßenkunst in der Fußgängerzone“ stellen und eine Verwaltungsgebühr von fünf Euro pro Tag zahlen muss. Außerdem vergibt die Stadt täglich überhaupt nur fünf Genehmigungen.

Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht?

Als Straßenmusiker kann ich doch spielen, wo ich will – oder nicht?

Auf dem Weg zum nächsten Straßengig: Musiker Johannes Marschall (Foto: S. Holitzner)

Noch komplizierter ist es beispielsweise in München. Bevor man dort Straßenmusik machen kann, muss man sich eine Erlaubnis in der Stadtinformation im Rathaus holen. Und wer so eine bekommen möchte, muss früh aufstehen: Die Stadtinformation erteilt gegen eine Verwaltungsgebühr von zehn Euro nur zehn Lizenzen pro Werktag und die gehen an diejenigen, die zuerst und das heißt ab 8 Uhr vor Ort sind. Ein Straßenmusiker, der zum ersten Mal in München spielen will, muss darüber hinaus zunächst sein Können im Rathaus präsentieren, bevor entschieden wird, ob er auf der Straße zugelassen wird. Weitere kleinteilige Regelungen, wie ein Spielverbot während des Glockenspiels am Marienplatz oder ein Ausschluss bestimmter Instrumente, kommen hinzu. Dieses strenge Reglement hängt damit zusammen, dass viele Geschäftsbetreiber und Anwohner sich von zu viel Straßenmusik gestört fühlen. Da kann es schon einmal vorkommen, dass sich die Musizierenden den einen oder anderen dummen Spruch anhören müssen. Johannes Marschall, der als Nebenerwerb zum Studium seit 2013 häufig mit einem oder zwei Freunden Rock’n’Roll- und Rockabilly-Klassiker aus den 50er Jahren mit Gesang und Gitarren auf der Straße performt, wurde schon öfter mit Sätzen wie „Hey guck mal, da ist Elvis“ konfrontiert. So etwas nimmt er sich allerdings nicht zu Herzen. Er ist der Meinung, dass sich diejenigen, die sich beschweren, erst einmal selbst trauen sollten, vor fremden Leuten auf der Straße zu spielen. Auf Anfeindungen von Anwohnern reagiert er mit dem Hinweis auf die Regelungen der Stadt für Straßenmusiker.

Es geht auch ohne Genehmigung

Solche Beschwerden waren in Wiesbaden der Grund für eine Verschärfung der Vorschriften im Dezember 2017. Dort darf ein Künstler seitdem einen Standort am gleichen Tag kein zweites Mal nutzen und nur noch zwischen 11 und 18 Uhr statt wie bisher zwischen 8 und 20 Uhr musizieren. Im Vergleich zu München ist Wiesbaden aber dennoch bei Straßenmusikern beliebt, weil keine Genehmigungen notwendig sind. Insbesondere Frankfurt schätzt Straßenmusik als kulturelle Bereicherung und belebendes Element, weshalb die Mainmetropole die kreativen Talente eher fördert als ihnen durch viele verwirrende Regelungen Steine in den Weg zu legen. Von Montag bis Samstag dürfen dort die Straßen zwischen 7 und 20 Uhr (von 1. Mai bis 31. August sogar bis 21 Uhr) bespielt werden, wenn nach maximal einer Stunde ein Standortwechsel erfolgt. Zwischen zwei Straßenkonzerten an der gleichen Stelle muss zudem knapp eine Stunde Pause liegen.

Nicht alles ist schlecht an einer Straßenmusikordnung

Als Straßenmusiker kann ich doch spielen, wo ich will – oder nicht?

Voll im Element: Johannes Marschall beim Konzert auf der Straße in Mainz (Foto: J. Marschall)

In Mainz brauchen Straßenmusiker ebenfalls keine Genehmigung, um auf der Straße aufzutreten. Trotzdem gibt es eine Straßenmusikordnung mit verbindlichen Regeln. Diese besagt, dass man genügend Abstand zu öffentlichen Veranstaltungen halten sollte. Des Weiteren ist die Stadt in verschiedene Spielzonen aufgeteilt, die nur an Werktagen zu festgelegten Zeiten für maximal 30 Minuten zum Musizieren genutzt werden dürfen. Johannes, der primär in Mainz Straßenmusik macht, kritisiert, dass sich nicht immer alle Künstler an diese Vorschriften halten. Viele wissen aber auch gar nicht, dass es einen solchen Regelkatalog für Straßenmusiker gibt. Positiv daran findet der 27-Jährige, dass man sich unter den Straßenmusikern nicht direkt in die Quere kommt oder sich sogar gegenseitig die Zuschauer abjagt. Insgesamt sorgt die Verordnung in Mainz für einen fairen Umgang miteinander und damit für einen fairen Wettbewerb.“ Aber solche Regelungen haben auch ihre Schattenseiten: „Wenn man gerade so richtig schön in Fahrt gekommen ist, muss man schon wieder umziehen. Wenn außerdem an bestimmten Tagen viele Straßenmusiker unterwegs sind, kann es schwer werden, den Ort immer gleich im Halbstundentakt zu wechseln, da viele Plätze belegt sind.

Haltet den Dieb!

Unabhängig von den Vorschriften sollte man als Straßenmusiker allgemein aufpassen, dass man nicht Opfer eines Diebstahls wird. Vielfach legen die Künstler einen Gitarrenkoffer oder einen Hut auf die Straße, in den Fußgänger bei Gefallen einen kleinen Obolus werfen können. Johannes hat in Mainz die Erfahrung gemacht, dass ein Mann, der rein äußerlich den Anschein eines Obdachlosen erweckte, mehrmals im Vorrrübergehen versucht hat, Geld aus dem Gitarrenkoffer zu nehmen. Da sie zu dritt musizierten, konnten zwei weiterspielen, während der Dritte den Diebstahl vereitelte, indem er den Mann anschrie und somit verscheuchte.

Wie werde ich ein erfolgreicher Straßenmusiker?

Abgesehen von den Regelungen, welche die Städte Straßenmusikern vorschreiben, gibt es verschiedene Dinge, die laut Johannes alle, die ihre Musik an öffentlichen Plätzen präsentieren wollen, beachten sollten: „Man sollte sein musikalisches Handwerk verstehen. Außerdem sollte man denselben Song nicht zu oft hintereinander spielen. Ich betrachte Straßenmusik auch immer als ein Konzert mit einem gewissen Grad an künstlerischem Anspruch. Außerdem spielt der Ort, an dem man sich auf der Straße aufstellt, eine große Rolle. Wenn man sich eher in die Mitte der Straße als an die Straße stellt, hat man größere Chancen wahrgenommen zu werden – und darum geht es ja auch: präsent sein, die Leute mit seiner Ausstrahlung und Musik fesseln und sich nicht in Seitengassen verstecken.

Straßenmusik = eine Bereicherung?

Neben denjenigen Passanten, denen die Johnny Cash-Coversongs von Johannes ein Lächeln ins Gesicht zaubern, gibt es aber immer noch viele, die Straßenmusik skeptisch beäugen. Der junge Musiker würde sich deshalb wünschen, dass sich Städte und vor allem die Anwohner und Menschen auf der Straße mehr der Straßenmusik öffnen. Er sieht eine lebendige Straßenmusikkultur als große Bereicherung für eine Stadt, denn „was gibt es Schöneres als an einem sonnigen Tag durch die Straßen zu flanieren und dabei gute Straßenmusik zu genießen.“ Andere Länder, wie zum Beispiel Italien, scheinen Straßenmusik offener gegenüberzustehen. So hat es zumindest Johannes erlebt: „Als ich vor zwei Jahren auf Studienfahrt in Neapel war, begannen auf einmal mehrere Straßenmusiker ein Konzert mitten unter den Restaurantgästen auf der Straße. Die haben fast eine Stunde eine Canzone Napoletana nach der anderen geschmettert und alle haben mitgemacht. Ich glaube, so etwas würde in Deutschland nicht so schnell passieren.

Deutschlandkarte für Straßenmusiker

Damit Straßenmusiker auf einen Blick sehen können, ob sie beim öffentlichen Musizieren in den einzelnen Städten Deutschlands mit Einschränkungen rechnen müssen oder erwünscht sind, hat DIE ZEIT im August 2017 eine hilfreiche Karte erstellt. Darin sind zum Beispiel auch Mannheim und Heidelberg zu finden. Etwas kleinere Städte, wie beispielsweise Speyer, sind dort jedoch nicht verzeichnet.

Eine zweite Chance für Brot und Brötchen

Rund 15% der etwa 82 kg Lebensmittel, die jeder Deutsche im Durchschnitt pro Jahr in die Tonne wirft, sind Backwaren. Das hat 2012 eine Studie der Universität Stuttgart, die vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz gefördert wurde, ergeben. Kein Wunder, denn Backwaren landen in der Regel nach acht oder neun Stunden in den Bäckereien im Müll und werden nur selten zu Tiernahrung verarbeitet. Und das obwohl sie noch genießbar sind. Seit April 2012 bekommen Backwaren vom Vortag im Laden „BrotPosten“ am Frauenlobplatz in Mainz dank Inhaber Abdelmajid Hamdaoui und seiner Frau eine zweite Chance. Wir haben mit ihm über seine Geschäftsidee gesprochen.

Eine zweite Chance für Brot und Brötchen

Gibt Backwaren vom Vortag eine zweite Chance: Abdelmajid Hamdaoui, Inhaber von „BrotPosten“ in Mainz (Foto: S. Holitzner)

Face2Face: Wie ist die Idee zur Gründung von BrotPosten entstanden?

Hamdaoui: Dieses Konzept habe ich 1988 in Heidelberg gesehen. Da war ein Bäcker, der hat jeden Morgen alle seine Retouren von fünf oder sechs Filialen in einer Filiale zwischen 6 und 9 Uhr morgens zum halben Preis oder für weniger verkauft. Ich bin studierter Wirtschaftsinformatiker. Irgendwann habe ich keine Lust mehr auf Büro- und Schreibtischarbeit gehabt und habe zu meiner Frau gesagt: Ich höre jetzt auf. Und sie: Was willst du machen? Ich: Eine Bäckerei, weil es so schön duftet. Mehr ist mir nicht eingefallen. Dann habe ich angefangen zu recherchieren. Es gab damals nur einen ähnlichen Laden in Deutschland, der war in Lehrte in Niedersachsen. Ich bin dorthin gefahren und habe mir das angeguckt. Und dann habe ich losgelegt.

Face2Face: Wieso heißt Ihr Geschäft „BrotPosten“?

Hamdaoui: Es ist ein „Brotrestposten“. „Restposten“ ist ein bisschen negativ aufgeladen, deshalb habe ich „Rest“ weggelassen und es blieb „BrotPosten, lecker und günstig“.

Face2Face: Wie kam es zu diesem Standort?

Hamdaoui: Ich wohne seit 2004 in Mainz. Als ich in Lehrte war, habe ich mich mit dem Inhaber und seiner Frau unterhalten und dann hieß es: Mindestens 20.000 Einwohner, die innerhalb von fünf bis zehn Minuten zu Fuß zu dir kommen könnten, Schulen und noch ein paar andere Geschäfte in der Nähe wären nicht schlecht. Manchmal meint es der Zufall sehr gut mit mir. Ich suchte also nach einem geeigneten Laden, als der Hausmeister gerade ein Zu Vermieten“-Schild an die Tür gehängt hat. Ich habe sofort angerufen.

Face2Face: Woher beziehen Sie die Backwaren?

Hamdaoui: Ich habe mehrere Bäckereien angefragt; einer hat mich ausgelacht und ein anderer sagte, dass er es sich überlegen will und seitdem habe ich ihn nicht mehr angesprochen. Die „Kaiser Biobäckerei“ hat dann sofort zugesagt, genauso wie die „Landbäckerei Mayer“, als sie gehört haben, dass „Kaiser“ mitmacht. Und seitdem funktioniert es einwandfrei. Sie verdienen kein Geld hier, aber sie wollen nicht, dass die Ware, die sie mit Liebe und der ganzen Professionalität gemacht haben, nach acht oder neun Stunden weggeworfen wird.

Face2Face: Das heißt die Bäckereien bekommen gar nichts dafür?

Hamdaoui: Es gibt eine Pauschale, die sie von mir bekommen. Ich bezahle sozusagen den Fahrer bzw. die Stunde, die er braucht, um mit den Backwaren hierher zu kommen.

Face2Face: Wird noch einmal eine Qualitätskontrolle von „BrotPosten“ durchgeführt, bevor die Backwaren in die Auslage kommen?

Hamdaoui: Jeden Morgen nehmen wir jedes Teil in die Hand. Was wir selbst nicht essen würden, kommt weg.

Face2Face: Wie viele Backwaren werden pro Tag in etwa geliefert?

Hamdaoui: Pro Tag 500 bis 600 Stück.

Face2Face: Wie viel wird am Tag ungefähr verkauft?

Hamdaoui: Zwischen 60 und 75% wird auch verkauft.

Eine zweite Chance für Brot und Brötchen

Immer noch genießbar: Brote vom Vortag bei „BrotPosten“ (Foto: S. Holitzner)

Face2Face: Was ist alles im Sortiment?

Hamdaoui: Alles, was ein Bäcker hat, außer belegte Brötchen. Eben alles, was übrig bleibt: Brötchen, alle Sorten Körnerbrötchen, alle Sorten Brot, Teilchen, Kirschkuchen. Was die Bäcker für die Saison backen, kommt auch alles hier rein.

Face2Face: Was kosten ein Brötchen und ein Brot durchschnittlich bei „BrotPosten“?

Hamdaoui: Ein Brot kostet zwischen 1 Euro und 1,50 Euro, je nachdem, wie groß es ist. Körnerbrötchen, Bagel, Brezeln und Croissants kosten 25 Cent. Weiße Brötchen, Kaiserbrötchen und Schrippen kosten 5 Cent und alle Teilchen und Baguettes kosten 60 Cent. Also kann sich hier jeder etwas leisten.

Face2Face: Wie viele Kunden kommen ungefähr pro Tag?

Hamdaoui: So im Durchschnitt 120 Kunden täglich. Samstags und freitags immer noch mehr. Unsere Kunden sind Ärzte, Anwälte, Apotheker, Abteilungsleiter, Rentner, Schüler und Studenten.

Face2Face: Und was wird am meisten von den Kunden gekauft?

Hamdaoui: Bei der Bioware von „Kaiser“ wird jeden Tag zugegriffen. Da bleibt kaum etwas übrig. Die Kunden mögen aber auch die Körnerbrötchen und die Süßteile von „Mayer“.

Face2Face: Was passiert mit den Backwaren, die nicht verkauft werden?

Hamdaoui: Jeden zweiten Tag, das heißt Dienstag, Donnerstag und Samstag, gibt es Foodsharing. Die Foodsharer holen sich dann ab, was übrig bleibt und das verteilen sie weiter. Und dann gibt es noch die Lebensmittelausgabe „Brotkorb“. Die verteilen einmal die Woche unter den Bedürftigen und nehmen auch einiges, was wir nicht ins Regal gestellt haben. Wir geben auch viel kostenlos ab, zum Beispiel, wenn Leute kommen, die ein paar Flüchtlinge mit Kindern kennen. Der „BrotPosten“ ist eben ein Geschäft, das nicht mit dem Verstand, sondern mit dem Herz geführt wird. Es ist schwierig in diesen Zeiten, aber es funktioniert. Und der Rest, der übrig bleibt, wird dann von vier oder fünf Bauern abwechselnd für die Tiere abgeholt.

Der „BrotPosten“ am Frauenlobplatz 1 in Mainz ist dienstags bis freitags von 10 bis 15 Uhr und samstags von 10 bis 14 Uhr geöffnet. Neben dem „BrotPosten“ betreibt Abdelmajid Hamdaoui auch noch einen Unverpackt-Laden in der Kurfürstenstraße 49 in Mainz. Hier ist Montag bis Freitag von 11 bis 19 Uhr und Samstag von 10 bis 14 Uhr geöffnet.

Mehr als eine Band – mit Hanne Kah im Studio

Folk mit Einflüssen aus Country, Pop und Rock – das ist die Musikrichtung, die die Band Hanne Kah spielt. In gemütlicher Runde sprach Face2Face mit der aufstrebenden Band aus Mainz, die nach der Frontsängerin Hanne benannt ist. Für uns unterbrachen sie ihre Aufnahmen für ihr erstes Studioalbum, das noch in diesem Jahr herauskommen wird.

Besuch im Studio. Die Band - Mitglieder Niklas Quernheim, Hanne Kah und Patrick Jost (von links) (Foto: V. Wahlig)

Besuch im Studio. Die Band-Mitglieder Niklas Quernheim, Hanne Kah und Patrick Jost (von links) (Foto: V. Wahlig)

Hanne Kah und Band

Zusammengefunden hat die Gruppe um Sängerin Hanne Kah, Gitarrist Patrick Jost, Schlagzeuger Malte Schmidt und Bassist Niklas Quernheim vor etwa sieben Jahren, als Hanne und Patrick sich entschlossen, eine Band zu gründen. Nach zwei Jahren kam der Schlagzeuger Malte dazu. Das jüngste Mitglied der Band – Niklas – ist erst seit knapp sechs Monaten dabei.

Ein Besuch im Studio

Unser Interviewort, das Studio, ist in den letzten Wochen zur Heimat der jungen Band geworden. Für das kommende Album wird hier viel geprobt und aufgenommen. Dabei kommt man um den sogenannten „Studiokoller“ nicht rum. Dann fehlt die Kreativität und Pausen sind angesagt. „Aber das Schöne ist“, so sagt Hanne, „ein Lied beim Wachsen zu erleben“. Und das beginnt bereits beim Schreiben. Hanne schreibt zunächst alleine, bezieht aber die Band ein, so dass das Endprodukt schließlich von allen gemeinsam ist.

Frontfrau, Sängerin und Namensgeberin der Band, Hanne Kah (Foto: V. Wahlig)

Frontfrau, Sängerin und Namensgeberin der Band, Hanne Kah (Foto: V. Wahlig)

Ein aufregender Sommer 2016

Der Titel des Albums ist noch geheim, fest steht aber, dass es im Sommer veröffentlicht wird. Der Sommer steht jedoch nicht nur für ein Album, die Band tourt auch noch durch Europa, Länder wie Großbritannien und Spanien sind dabei. Die Frage, mit welchen drei Worten man das Album umschreiben könnte, stellt sich doch als schwieriger heraus als angenommen. Schließlich finden sich mehr als drei Worte: „Viel Herz, persönlich, eingängig, neue Erfahrungen“, mit dem Ausdruck „Boah“ stimmen aber alle überein. Einordnen kann man die Musik „ein bisschen mit dem Grundsound von Tracy Chapman, vermischt mit Adele, James Bay, einfach den neuen Künstlern“, sagt Hanne.

Andreas Bourani, Axel Prahl und Judith Holofernes

Die Band, die sich mittlerweile als viel mehr als eine Band sieht, hat auch schon mit einigen bekannten Sängern zusammen gespielt. So standen sie mit Andreas Bourani, Axel Prahl und Judith Holofernes und vielen anderen auf der Bühne. Der größte Wunsch wäre jedoch, einmal mit Hannes Idol Brandi Carleil auf der Bühne auftreten zu dürfen.

Ein kleines Abschlusskonzert

Zum Abschluss gab es für Face2Face eine spontane Aufführung ihres Lieds Cards. Wer jetzt Interesse bekommen hat, kann sich bis Sommer gedulden oder aber auf die offizielle Seite der Band schauen.

Vorschau: Nächste Woche berichtet Face2Face über das neue Collab-Album „Collegrove“ von 2 Chainz und Lil Wayne.

Das aktuelle Sportstudio: Von gerissenen Röcken und tieffliegenden Bällen

In Mainz auf dem Lerchenberg fahren insbesondere Samstagabend viele Autos auf das Gelände des ZDFs. Der Fernsehgarten ist live am Sonntagmorgen – dorthin kann es die vielen Gäste also nicht verschlagen. Aber am Samstagabend schlägt die Stunde der Fußballfans und Sportbegeisterten: Denn eine der ältesten Sportsendungen im deutschen Fernsehen, „Das aktuelle Sportstudio“ wird aufgezeichnet.
Seit dem 14. August 1963 flimmern die Moderatoren des ZDFs Samstagsabends über die Bildschirme der Republik, um die interessierten Zuschauer über die Geschehnisse des letzten Sportsamstags und -freitags aufzuklären. Auch wenn die bekannte Bahnhofsuhr im Vorspann der Sendung Aktualität vorspielt, ist die Sendung eine Live-on-Tape-Show. Das heißt die Sendung wird aufgezeichnet und einige Stunden später gesendet.

LICHT!“, „KAMERA!“, „ACTION!“ – so stellt man sich die schillernde Welt von Film und Fernsehen vor. Aufregend, unbekannt und irgendwie wichtig. Doch gerade das aktuelle Sportstudio ist alles andere als abgehoben, nein, es ist erschreckend gewöhnlich und es fühlt sich ziemlich normal an dort im Publikum zu sitzen.

Um 20.45 Uhr beginnt mit einer Begrüßung und der Ansage eines sogenannten „Setrunners“ das kleine Abenteuer beim ZDF. Ein „Setrunner“ ist jemand, der sich um alle Nebenabläufe bei einer Fernsehproduktion kümmert. Er macht alle auf die Spielregeln aufmerksam: große Taschen sind im Studio verboten, genauso wie Essen und Trinken während der Sendung. Fotografieren ist generell erlaubt, auch in der Sendung, wenn man das passende Motiv findet. Nur bitte nicht mit Blitz. Und die Handys sollten wegen der Störgeräusche auch ausgeschaltet werden.

Dann geht es endlich los. Durch zwei große graue Stahltüren, die das Alter der Studios auf dem Lerchenberg erkennen lassen, geht es in das Studio. Vorher muss man aber vorbei an einem Security-Mann, der noch mal die Taschen kontrolliert und weiter zum eigentlichen Kartenabreißer. Die Gänge sind ziemlich eng und es wirkt ein wenig beklemmend, bevor es dann in die heiligen Hallen geht. In die heiligen Hallen, die gar nicht so heilig und groß sind, wie sie im Fernsehen aussehen. Alles ist mehr Schein als Sein, denn das Studio erscheint im realen Leben um einiges kleiner als im Fernsehn. Ungefähr 120 Menschen haben im aktuellen Sportstudio als Zuschauer Platz, verteilt auf zwei Tribünen. Bunt gemischt sitzen hier Jung und Alt. Vornehmlich lassen sich rote FC Bayern München-Trikots erkennen, aber auch BVB und Schalke-Fans sind anwesend. Das aufgeregte Stimmengewirr summt durch die Halle, nur unterbrochen von Ansagen der Crew die so recht niemand versteht. Der Eintritt kostet 15 Euro pro Person, Kinder dürfen erst ab 14 Jahren in Begleitung eines Erwachsenen zur Aufzeichnung kommen.

Kurz vor Beginn der Probe lernen die Zuschauer Robert kennen. Er ist höchstens Mitte zwanzig und BVB-Fan, was zu kleinen Sticheleien von einigen Bayern-Fans führt, die kurz buhen. Aber Robert nimmt das nicht persönlich, er lacht und hebt kurz die Hand zum Gruß. Robert ist Aufnahmeleiter und dafür verantwortlich, dass während der Aufnahme alles wie am Schnürchen läuft. Er sagt zum Beispiel der Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein, wo sie sich wann hinstellen soll und zwischen den einzelnen Moderationen sagt er an, wie lange ein Beitrag (beim Fernsehen sagt man zu einem solchen eingespielten Beitrag auch MAZ) dauert. Die Beitragsdauer variiert zwischen 60 Sekunden und knapp 7 Minuten. Außerdem beginnt Robert mit dem Klatschen, wenn ein Beitrag vorbei ist, um die Zuschauer zu animieren dies ebenfalls zu tun. Er wird also unter anderem fürs Klatschen bezahlt. Ansonsten lernt man als Zuschauer die Moderatoren der Sendung von einer anderen, fast schon lustig-netten Seite kennen. Katrin Müller-Hohenstein zum Beispiel würde man ohne Make-Up und gemachte Haare auf der Straße nicht auf den ersten Blick erkennen. Sie ist zu Späßen aufgelegt und begrüßt die Zuschauer überaus herzlich und freundlich um 21.15 Uhr bei Beginn der Probe. Dann passiert ein kleines Missgeschick: Ihr sehr enger Rock ist auf der Rückseite gerissen. Sie nimmt es mit Humor, bedankt sich bei dem Zuschauer, der sie darauf aufmerksam gemacht hat. Sie sagt zu der Crew: „Ist doch kein Problem, ihr dürft mich nur nicht von hinten filmen!“ Ab 22.15 Uhr wird dann die Sendung aufgezeichnet, aber vorher warnt sie die Zuschauer auf der zweiten Tribüne noch vor der Torwand. Denn wer dort sitzt, sei schon öfter „Opfer“ von tieffliegenden Bällen gewesen.

Drei große Kameras und eine so genannten Stadycam, mit der er sich der Kameramann durch das ganze Studio bewegen kann, zeichnen die ganze Sendung auf. Dazu kommen mehrere hundert Deckenscheinwerfer, große Bildschirme, die die vorher schon aufgezeichneten Beiträge auch im Studio zeigen und Ton- sowie Lichttechniker. Ganz billig ist so eine Aufzeichnung dementsprechend nicht, im Hintergrund sind mindestens 50 Leute für den reibungslosen Ablauf verantwortlich.

Was bleibt von einem aufregenden Abend in einem Fernsehstudio? Es war ein Erlebnis, welches mit gemischten Gefühlen begonnen und positiv abgeschlossen wurde. Der Besuch im aktuellen Sportstudio lohnt sich auf jeden Fall für alle Sportbegeisterten Fernsehenthusiasten, die schon immer mal einen Blick hinter die Kulissen werfen wollten.

Vorschau: Im nächsten Artikel aus der Rubrik Sport gibt es eine Vorschau über die neue Saison der DEL, der deutschen Eishockey Liga.

Studieren heute: Angst, Stress, Burnout?

Studieren heute: Angst, Stress, Burnout?

Studieren im Bachelor beziehungsweise Master: Ute Müller, Laura Ehlenberger, Florian Guldan (Foto: g.gradeneker), Tobias Helling und Kira Gantner (Foto: Das Atelier Mainz) (von links) (übrige Fotos: privat)

Vereinheitlichung der Strukturen der Hochschulbildung in Europa – klingt erst einmal nicht schlecht. Aber was halten Studierende verschiedener Hochschulen und Fachrichtungen ganz konkret vom Bachelor-Master-System? Face2Face hat drei Bachelor- und einen Masterstudenten befragt:

Studieren heute: Angst, Stress, Burnout?

Soll Theorie und Praxis vereinen: Das Bachelor-Master-System (© Gerd Altmann/Carlsberg1988 / pixelio.de)

 „Viele Menschen haben mir gesagt, dass die Studienzeit die schönste Zeit in ihrem Leben war und sie nie mehr so viel frei hatten. Na danke, jetzt hab ich den Salat, denn in meinem Studium sieht die Welt ein bisschen anders aus“, erzählt Ute Müller. Die 21-Jährige studiert zurzeit im vierten Semester Integrative Sozialwissenschaft an der Technischen Universität Kaiserslautern. Für Hobbys oder andere „normale“ und spaßige Dinge fehle ihr oftmals die Zeit, berichtet Müller, ihr Studium beschäftige sie fast rund um die Uhr. Das Bachelor- Master-System habe das Studentenleben ihres Erachtens stark erschwert. Bei ihrem Studiengang könne sie eine Klausur nur zwei Mal wiederholen, danach sei ein Härtefall-Antrag fällig oder das Studium ist sofort beendet. „Die Angst bei einer Klausur zu versagen ist dadurch enorm hoch und wird meines Erachtens zu einer ständigen Belastung“, weiß Müller. Auch die verkürzte Studienzeit sorge neben dem Leistungsdruck für zusätzlichen Zeitdruck – „bei einigen meiner Kommilitonen hat sich der Stress schon negativ auf die Gesundheit ausgewirkt und das kann nun wirklich nicht sein.“
Dennoch liebe sie ihr Studium trotz des ganzen Stresses sehr, so die 21-Jährige. „Es ist das Drumherum, was mein Studium so lohnenswert macht: Die Freunde, die Erfolgserlebnisse, die liebevolle Unterstützung vom Partner oder der Familie, die Möglichkeit das Beste aus sich herauszuholen und seine Zukunft selbst zu gestalten“, fügt sie an.

 Auch Laura Ehlenberger kennt die Beschwerden über den hohen Druck, der durch das Bachelorsystem auf den Studierenden lastet. Die 21-Jährige studiert im fünften Semester Publizistik an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz und weiß zu berichten, dass das heutige Studieren von vielen als „verschult“ wahrgenommen wird. „Die Veranstaltungen sind vorgegeben, sprich, bei der Legung des Stundenplans gibt es keine großen Freiräume“, erzählt sie, „zudem zählen schon zu Beginn des Studiums die einzelnen Noten. Dadurch wird von den Studenten in den Semestern mehr Leistung gefordert.“ Das erinnere viele ein wenig an das Schulsystem in der Oberstufe, so die Bachelor-Studentin, und sei mit dem früheren Studentenleben nicht vergleichbar. Weiterhin kritisiert sie: „Das Studium ist hauptsächlich theoretisch angelegt, was durchaus interessant und eine gute Grundlage ist. Bei den Studieninhalten fehlt mir jedoch ein wenig der Bezug zu realen Arbeitswelt.“
Sie glaube, dass der Bachelor für mehr Leistungsdruck innerhalb des Studiums sorgt. Ein völlig unbeschwertes Studentenleben sei demnach aus ihrer Sicht nicht möglich. Trotzdem ist sie sich sicher: „Wenn man sich die Arbeit und das Lernen aufteilt, ist es machbar, immer noch genügend Freiraum für sich selbst zu haben.“

Studieren heute: Angst, Stress, Burnout?

Massen an Büchern: Graue Realität für Studenten? (Foto: T. Gartner)

 „Von der Schule, wo man noch mehr Unterstützung von Lehrern erhält, zum Studium, wo man ganz auf sich allein gestellt ist, war es eine große Umstellung“, findet Florian Guldan (23). Obwohl er sich am Anfang unschlüssig war, entschied er sich nach der direkten Zusage der Fachhochschule Mainz für ein International Business-Studium. Inzwischen ist er im fünften Semester und mit diversen Exkursionen und einem Praxissemester erfüllt sein Studiengang ganz seine Erwartungen auf die optimale Vorbereitung auf das Berufsleben. Doch auch er sieht Probleme im Bachelor-Master-System: „Es hat das Studium definitiv anstrengender gemacht, da jetzt erst richtiger Leistungsdruck aufkommt.“ Als das Diplom System noch aktiv war, hätten die Studierenden seines Wissens nach je nach Studiengang zum Teil unbefristete Versuche zum Bestehen einer Prüfung gehabt. Beim Bachelor-Master-System habe man drei Versuche – „man setzt sich viel mehr unter Druck, vor allem unter zeitlichen Druck, was sich negativ auf das Lernverhalten auswirkt.“ Auch wenn der 23-Jährige teilweise von 8:15 bis 20:15 Uhr Vorlesungen hat, berichtet er, dass am Anfang des Semesters immer noch „alles recht entspannt“ zugehe. „Je näher jedoch die Prüfungen rücken, desto stressiger wird es“, weiß er, „oft liegt es auch am falschen Timing der Klausurvorbereitung.“ Richtig stressig würde es, wenn Klausuren aus dem letzten Semester wiederholt werden müssen und sich Vorlesungen der beiden Semester überschneiden. Nach Abschluss seines „eher trockenen Studiums“ freut sich Guldan ein weiteres, etwas kreativeres Studium zu beginnen.

Kreativ ist auch Kira Gantner in ihrem Masterstudium. Die 24-Jährige studiert im zweiten Semester Journalismus an der Johannes Gutenberg Universität Mainz. „Ich habe schon als Kind sehr gerne geschrieben, daher war für mich schnell klar, dass ich Journalistin werden will und das geht eben nur über ein Studium“, erzählt sie, „außerdem ist das Studium natürlich eine sehr aufregende Zeit. Diese Erfahrung wollte ich nicht verpassen.“ Dennoch empfinde sie den Leistungsdruck als sehr hoch. „In unserem Studiengang wurden aus über 200 Bewerbern 20 ausgewählt, die alle sehr gut sind“, berichtet die junge Frau, „es kann einen verrückt machen, wenn man das Gefühl bekommt, nicht gut genug zu sein.“ Auch von einigen Kommilitonen habe sie gehört, dass diese gestresst oder einfach unsicher seien, was von ihnen erwartet werde. „Ich habe mir das Studium weniger verschult vorgestellt“, so die Masterstudentin. In andere Fächer hinein zu schnuppern sei neben dem vollen Stundenplan schwierig – „das ist schade!“ Allerdings sieht Gantner auch Vorteile im Bachelor-Master-System: „Es ist einfacher seine Veranstaltungen zu wählen und seinen Stundenplan zu füllen, da im Prinzip das meiste vorgegeben wird.“

 Dass Studieren trotz Bachelor-Master-System Spaß machen kann, findet Tobias Helling. Der 26-Jährige hat seinen Bachelor bereits hinter sich und studiert zurzeit im zweiten Semester Umweltwissenschaften mit Schwerpunkt Biomaterials and Bioenergy auf Master an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. „Der Workload ist ok, Stress gibt es nur bei unorganisierten Gruppenarbeiten“, erzählt er, „und wenn es Spaß macht, ist der Stress eh einfach zu ertragen!“ Da es der erste Jahrgang des Studiengangs ist, laufe es manchmal noch etwas chaotisch ab. Von den anderen höre man oft Beschwerden, vor allem von den Studierenden mit anderen Schwerpunkten, weiß Helling zu berichten. Von den Inhalten habe sich seines Wissens nach mit der Umstellung auf Bachelor und Master nichts geändert. „Was aber etwas cooler ist, ist dass man mit dem Bachelor mehr Wahlmöglichkeiten bezüglich der Studienrichtung hat als mit dem Vordiplom“, findet er.

Vorschau: Nächste Woche erwartet euch im Panorama Teil 2 der Geschwister erzählen-Serie.

 

Mainz wie es lacht und stinkt

Mainz wie es lacht und stinkt

Gute-Laune-Propaganda: So sieht es am Schillerplatz in Mainz jedes Jahr aus (Foto: Föhr)

Da stand ich nun mit meinem vierten Bier in der Hand. Doch das reichte nicht. Ich würde mehr brauchen. Aus den Lautsprechern dröhnte Musik, die man ohne Alkohol nicht wagen würde aufzulegen. Doch bei dieser Gelegenheit grölten, jubelten und schüttelten sich die Leute zum Takt. Auch wenn in dieser Menschenmasse eigentlich überhaupt kein Platz dafür war. Zwischen den vom Text und Rhythmus einfach gehaltenen Liedern wurde Gute-Laune Propaganda unters Volk gebracht.

Nach einer gewissen Zeitspanne, die ausreichte, um den Pegel auf ein angemessenes Level zu bringen, begann die Parade. Wie Panzer rollten die Wagen die Straße entlang. Teils politische Themen sollten satirisch behandelt werden, teils feiern sich die Vereine nur selbst. Vorne an lief die Prinzengarde. Der Prinz und die Prinzessinnen saßen auf dem Wagen wie auf einem hohen Ross. „Helau!“, riefen sie dabei lauthals und schmissen ihre Arme dabei in einer ähnlichen Bewegung in die Luft, wie damals im dritten Reich.

Doch haben wir den Adel nicht abgeschafft? Bildet euch nichts ein. Das Volk jubelt euch nicht zu. Sie wollen nur die milden Gaben, die ihr verteilt. Brot und Spiele. Panem et circenses. Die Menschen finden immer wieder neue Wege, um sich über andere Menschen erheben zu können. Auch außerhalb der Fastnachtszeit sorgen die Karnevalsvereine für sich. Dort werden fernab von den Augen der Bevölkerung Vetternwirtschaft betrieben, illegale Bauvornehmen genehmigt und Geld gemacht.

Mainz wie es lacht und stinkt

Feist und Fett: Der Adel des Umzuges (Foto: Föhr)

Die Narren an diesem Tag sorgten selbst für ihre Zirkusspiele. Verkleidet wie Clowns und ebenso herumhüpfend. Ich selbst war ebenfalls verkleidet. Als Zwerg. Nicht nur wegen des Herdentriebes. Ich hatte ebenfalls so sehr Spaß daran, wie alle anderen. Doch wieso tun wir so etwas? Flüchten wir uns gerne aus unserer eigenen Existenz, weil diese zu langweilig ist? Wünschen wir uns so sehr jemand oder etwas anderes zu sein? Flüchten wir uns deshalb auch in andere Welten, wenn wir einen Film schauen oder ein Buch lesen? Und wenn ja, wieso nutzen wir die Zeit nicht, um unsere eigene Existenz zu bereichern, sodass sie nicht mehr langweilig ist? Trinken die Menschen deshalb an diesem Tag so viel Alkohol? Ich nahm noch einen Schluck von meinem Bacardi Cola.

Meine Begleiterin wurde von einem Lutscher an den Kopf getroffen. Das nahm ich als Anlass zurückzuschießen. Verdutzte Gesichter blickten mich an, als sie von ihren eigenen Zuckerbonbons getroffen wurden. Äxte, Musketen und Kanonen säumten ebenso das unterschwellige Bild der Parade, wie auch die Husaren und die Farben der französischen Revolution auf den Hüten der Fastnachter. Etwas später setzte ich mich in eine Hinterstraße ab. Jede Hauswand war bereits von Urin getränkt. Ich entschied mich meinen eigenen hinzuzufügen.

Die Nacht brach herein. Erinnerungsfetzen. Ich war gefangen zwischen Einbrechern, Bienen, Piraten und Wikingern. Die Musik dröhnte unablässig. Ein Besoffener trat und schlug um sich, weil er sich nicht von seinen Freunden helfen lassen wollte.

Es wurde Zeit für mich zu gehen. Am nächsten Tag sollte wieder die Arbeit kommen. Weit abseits vom Adel. Dann war es vorbei mit der anderen Persönlichkeit. Zurück in die grausame Realität.

„Ich sehe vielleicht nicht so aus, aber ich koche konservativ“ – ein Interview mit Sternekoch Frank Buchholz

Er gilt als „Aufsteiger des Jahres“ auf seinem Gebiet: Frank Buchholz. Mit Face2Face sprach der Sternekoch und Buchautor, der aktuell in seinem Restaurant im Mainzer Stadtteil Gonsenheim die Gaumen seiner Gäste erfreut, über seine persönliche Leibspeise und die Entwicklung der von ihm mitbegründeten Köche-Initiative „Die Jungen Wilden“.

Face2Face: Wie sind Sie auf die Idee gekommen Koch zu werden?
Buchholz: Ich bin in einem Gastronomen-Haushalt groß geworden – die Branche hat mich als Kind schon fasziniert. Als ich mich dann mit 16 für eine Lehre als kaufmännischer Angestellter beworben habe, fand ich keine passende Stelle. Also habe ich zuerst eine Kochlehre gemacht – und siehe da: Es war das Richtige für mich!

Face2Face: Kochen ist ihr Beruf. Wer aber bereitet bei Ihnen daheim das Essen zu? Haben Sie überhaupt noch Lust privat zu kochen?
Buchholz: Ich koche sehr gerne für mich, meine Gäste, Freunde und Familie. Meine Kinder lieben beispielsweise mein Gulasch. Daheim zu kochen ist für mich eine Entspannung. Es ist sehr wichtig, dass man das berufliche und das private Kochen trennen kann. Leider bin ich aber oft zu den normalen Essenszeiten nicht daheim, weil ich arbeiten muss…

Face2Face: Sie haben es gerade selbst angesprochen: Wie bringen Sie Familie und Beruf unter einen Hut?
Buchholz: Ich lege beispielsweise sehr viel Wert auf gemeinsame Urlaube – wir entscheiden auch immer gemeinsam als Familie wohin die Reise gehen soll. Außerdem habe ich eine tolerante Frau, die möchte, dass ich glücklich bin – darüber bin ich sehr froh.

„Ich sehe vielleicht nicht so aus, aber ich koche konservativ“ – ein Interview mit Sternekoch Frank Buchholz

Isst selbst gerne Kaviar, aber auch Currywurst: Sternekoch Frank Buchholz (Foto: Diehl)

Face2Face: Was ist Ihr persönliches Lieblingsgericht?
Buchholz: Das ist eine schwere Frage… Ich esse sehr gerne Kaviar, aber auch eine gute Currywurst weiß ich durchaus zu schätzen. Mein Lieblingsessen ist meist abhängig von meiner Laune. Was ich aber gar nicht mag ist Grünkohl.

Face2Face: Was war das Ausgefallenste, was Sie jemals gekocht haben?
Buchholz: Ich bin ehrlich gesagt nicht sehr kombinierungsfreudig. Auch wenn man mir das vielleicht nicht ansieht, aber ich bin konservativ, was das Kochen betrifft.

Face2Face: Sie waren bereits in Restaurants in Mailand und auf Mallorca tätig. Gibt es Unterschiede zwischen der Küche und den Ansprüchen deutscher Gäste und denen anderer Länder?
Buchholz: In der hohen Kategorie der Restaurants, in denen ich im Ausland gearbeitet habe, gibt es von den Ansprüchen der Gäste her keine wesentlichen Unterschiede. Ich würde jedoch behaupten, dass die deutsche Küche – zumindest in der Zeit, in der ich im Ausland gearbeitet habe – besser war als in anderen Ländern.

Face2Face: Sie sind außerdem in zahlreichen TV-Sendungen zu sehen, beispielsweise beim „ARD Buffet“ und bei der „Promi Kocharena“ auf VOX. Wie gefallen Ihnen solche Auftritte?
Buchholz: Ich fühle mich bei sämtlichen TV-Formaten sehr wohl, weil es um ein Thema geht, das mir am Herzen liegt, nämlich Essen und Trinken. Es ist toll, dass ein Massenmedium wie das Fernsehen dazu genutzt wird, um solch ein Thema zu kommunizieren.

Face2Face: Wer sind „Die Jungen Wilden“?
Buchholz: „Die Jungen Wilden“ sind mittlerweile alte Säcke, die im Kopf jung geblieben sind. Wir haben die Köche-Initiative damals so betitelt, um die jugendliche Neugier im Bezug auf die Küche neu zu interpretieren. „Die Jungen Wilden“ wollen neue Wege gehen und sind sehr kreativ mit einem Hang zu hoher Qualität.

Face2Face: Was sind Ihre Wünsche und Ziele für die Zukunft?
Buchholz: Auf beruflicher Ebene wünsche ich mir, vor allem durch die Unterstützung durch ein tolles Team, weiterhin Erfolg. Privat freue ich mich darauf meine Kinder gesund und glücklich aufwachsen zu sehen.

Kontakt:
Restaurant Buchholz
Klosterstraße 27
55124 Mainz
Tel.: 06131 – 97 12 890
E-Mail: frank@frank-buchholz.de

Tischreservierungen werden angenommen unter: Tel. 06131/9712890

Öffnungszeiten:
Mittwoch bis Sonntag ab 18.00 Uhr

Vorschau: Wie geht es eigentlich hinter den Kulissen der Castingshow „Deutschalnd sucht den Superstar“ zu? Und was macht ein Teilnehmer nachdem er rausgeflogen ist? Das erfahrt ihr nächsten Dienstag exklusiv von Marco Angelini, dem Dritten aus der „Deutschland sucht den Superstar“-Staffel von 2011.

Wenn das Studium immer mehr einem Chaos gleicht – im Blickpunkt: Lehramt

Ich glaube, ich muss mich hier doch mal einem Thema widmen, dass nicht jedem gefallen wird. Aber ich denke, dass es an der Zeit ist, den Mund aufzumachen und darüber auch in der Kolumne etwas zu schreiben. Viele Lehramtsstudenten, welche die Universität Koblenz-Landau besuchen, haben in den letzten Wochen etwas gehört, was bei vielen von ihnen doch das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Deshalb nun auch folgende, vielleicht etwas überspitzen und heftigen Zeilen, um dem sich immer weiter aufbauschenden Chaos die Stirn zu bieten und vielleicht dem ein oder anderen bewusst zu machen, dass es so nicht weitergehen kann…

Als ich mein Studium begann, sah die neue Prüfungsordnung für Lehramtsanwärter fünf Praktika im Bachelor vor, doch da die Schulen dem immensen Studentenansturm nicht wirklich gerecht werden konnten, hat man sich entschlossen, das Ganze wieder etwas abzuspecken. Nicht so schlimm, meint vielleicht der eine, ich sehe das allerdings etwas anders. Denn Praktika sind gerade für angehende Lehrer eine gute Möglichkeit, in den späteren Beruf hineinzuschnuppern und wertvolle Erfahrungen zu sammeln. Und da die ersten beiden Praktika meistens hauptsächlich aus Hospitieren bestehen, dient dies wohl nicht gerade dem Nutzen der Studierenden. Und bei dem ganzen Hin- und Herreformieren der Landesregierung ist bald auch nicht mehr sicher, was gilt.

Damit aber noch nicht genug, denn momentan kursiert ein neues Chaosproblem an der Universität Koblenz-Landau: Es gibt nicht genügend Plätze für Studierende des Schwerpunktes „Förderschule“. Zu viele wollen dies studieren, zu wenig zur Verfügung stehendes Personal. Problem ist, dass jeder Student beim Bachelor- und Mastersystem seinen Schwerpunkt erst im 4. Semester wählen muss. Nun haben sich allein über 110 Studenten der Universität Koblenz-Landau und ein paar aus Trier, Koblenz, Saarbrücken und Mainz für den Förderschulschwerpunkt angemeldet und die Uni vergibt nur insgesamt 60(!) Plätze. Ein Horrorszenario, das seinesgleichen sucht. Denn wer nicht dem gewählten Schwerpunkt zugeteilt wird, wird entweder einem anderen Schwerpunkt zugeteilt, wird ein Wartesemester (oder evtl. auch mehrere) in Kauf nehmen müssen oder aber er wechselt die Uni. Letztes klingt plausibel und leicht, ist es allerdings nicht. Denn Landau ist die einzige Universität in Rheinland-Pfalz und im Saarland, die Förderschullehramt anbietet. „Eine Zumutung und Unverschämtheit“, hat mir zuletzt erst wieder eine Freundin bei einem Telefonat in die Ohren geschrien. Und sie hat Recht! Auch wenn die Studenten bei ihrer Immatrikulation ein Blatt Papier bekommen, auf dem steht, dass es der Universität vorbehalten ist, einen NC nach dem 4. Semester auf einen überfüllten Schwerpunkt zu setzen, so kann es dennoch nicht sein, dass die Universität sich des Problems die ganze Zeit über bewusst ist, aber nichts daran ändert.

Der Universitätspräsident Roman Heiligenthal hat in einem Interview der Rheinpfalz zugegeben, dass es einige Fehler im System gibt und dass man versuche, das in den Griff zu bekommen. Allerdings könne er die Plätze für das Förderschullehramt nicht um das Doppelte erweitern. Er plädiert daher für das Vorgängersystem des jetzigen Bachelor- und Mastermodells, bei dem man seinen Schwerpunkt bereits am Anfang setzte. Dies würde wohl eine Menge Ärger sparen…

Studieren wird also immer mehr zur Zerreißprobe. Werden einem hier keine Steine in den Weg gelegt, kann es sein, dass sie einem an anderer Stelle regelrecht zwischen die Füße geschmissen werden, wo es gar nicht erwartet wird. So werden zum Beispiel die Wartelisten im Fach Französisch für bestimmte Kurse immer länger, den Master für Lehramt an Gymnasien im Fach katholische und evangelische Religion gibt es nun doch nicht, der Bau eines neuen Laborgebäudes der Umweltwissenschaftler steht ebenfalls unter keinem guten Stern und die Probleme, mit denen KLIPS (Anmerkung des Autors: ein Programm der Universität Koblenz-Landau, das der Anmeldung von Veranstaltungen dient) ab und an für Furore sorgt, gehören auch schon irgendwie zum Alltag.

Ständig regnet es irgendwelche neuen Reformen aus Mainz, wenn man in das neue Semester startet. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass es seit meinem Studienbeginn mal nichts von höchster Stelle gegeben hat. Aber anstelle sich die Mühe zu machen und die betreffenden Studenten, deren Alltag das Studium und die damit zusammenhängenden Verpflichtungen hat, zu befragen, fällt den Herrschaften leider nicht ein. Den Bachelor und Master für Gymnasiallehramt in 10 Semestern zu absolvieren, wenn nebenher gleichzeitig noch das Latinum oder Graecum nachzuholen ist, das ist so gut wie unmöglich, wenn ich noch etwas von einem normalen Leben außerhalb der Lernbücher und Vorlesungsräume haben möchte. Die Anforderungen an die Studenten sind gewachsen, der Druck wird immer größer und bei all dem soll man dann noch den Überblick über die sich ständig verändernde Prüfungsordnung behalten.

Studieren kann Spaß machen, da steht außer Frage – und sicher ist nicht jedes Studienfach eine Katastrophe und nicht jede Uni eine Baustelle; ich spreche hier lediglich von den Zuständen, die ich mitbekommen habe. Dass es immer mal Höhen und Tiefen gibt, ist auch mir bewusst. Aber irgendwann will man als Student auch nicht mehr Marionette des politischen Puppentheaters sein. Denn dass es das Chaos gratis zum Studium dazugibt – wie ein Spielzeug beim HappyMeal von McDonalds – steht leider außer Frage…

Eure Lea