Sommeranfang in Frankreich mit Musik zelebriert

Am Donnerstag, den 21. Juni, war der längste Tag im Jahr und somit kalendarischer Sommeranfang. Dieser Tag wird in Frankreich seit 1982 mit dem Fest „La Fête de la Musique“ zelebriert. Amateur-, Berufsmusiker, DJ’s, Performer usw. dürfen in den Städten zum Sommerbeginn honorarfrei auftreten. Nicht nur an jeder Ecke der Fußwege und Plätze ist ein neuer Act zu sehen, sondern auch in den Gärten, Cafés, Restaurants, Kneipen usw. Sogar Balkone oder offene Fenster der Wohnungen werden für das DJ-Pult genutzt.

Was einst in der Hauptstadt Paris begann, wird nun landesweit zelebriert. Und das nicht nur in Frankreich: Viele andere Städte weltweit haben das Konzept der Franzosen übernommen und feiern den Beginn des Sommers mit ordentlich Musik. In Deutschland nehmen bis heute über 50 Städte an dem Fest teil – darunter neben München, die als erste deutsche Stadt mit dabei war, unter anderem auch Berlin, Karlsruhe und Stuttgart.

Die Grundidee des Festes ist es, die regionale Musikszene – egal ob Laien oder Profis – zu motivieren, an diesem Tag honorarfrei aufzutreten. Die Stadt soll – von ca. 18 Uhr bis Mitternacht – voller Musik, Klänge und tanzender, fröhlicher Menschen sein, denen ein kostenfreier Zugang zu allen Konzerten gewährleistet wird.

Sommeranfang in Frankreich mit Musik zelebriert

Groß und Klein ahmen die Tanz-Choreografie beim Zumba nach (Foto: M. Boudot)

Ich habe den Tag des Sommeranfangs mit zwei Freundinnen in Straßburg verbracht, wo das Fest zum 37. Mal stattfand, und dort viele verschiedene musikalische Performances genießen können.

Los ging es mit einer Runde Zumba. Zwei Tänzer gaben verschiedene Schritte vor und forderten ihre Zuschauer zum Mitzumachen auf. Mittanzen durfte jeder – Jung und Alt stellten sich zusammen in verschiedene Reihen und ahmten die Choreografien nach. Das konnten wir uns natürlich nicht entgehen lassen und haben gleich mitgezappelt.

Sommeranfang in Frankreich mit Musik zelebriert

Die Klänge der afrikanischen Trommeln bereiten gute Laune (Foto: M. Boudot)

Gut gelaunt ging es direkt weiter ins Stadtinnere. Auf dem Weg dorthin hielt ich vor einem Garagentor an, vor dem die nächste musikalische Attraktion stattfand. Mit viel Finger- und Taktgefühl auf ihren afrikanischen Trommeln brachte die Musikgruppe den Menschenkreis um sich herum zum Tanzen und Klatschen.

 

 

 

Sommeranfang in Frankreich mit Musik zelebriert

Ein Orchester spielt in einem Innenhof französische Volkslieder (Foto: M. Boudot)

In einem Innenhof legten wir eine kurze Rast in einem kleinen Restaurant ein und genossen ein Gläschen Wein. Dazu spielte dort ein Orchester, das zum Großteil aus Blasinstrumenten bestand, französische Volkslieder. Rund herum standen viele Franzosen, die voller Stolz, nach dem 1 : 0 Sieg gegen Peru bei der diesjährigen Fußball-WM, die Lieder mitträllerten.

 

 

 

Sommeranfang in Frankreich mit Musik zelebriert

DJ Arthur hat sein Mischpult auf einem Balkon aufgebaut (Foto: M. Boudot)

Nach unserer Verschnaufpause waren wir bereit für DJ Arthur. Der junge Musiker hatte sein DJ-Pult einfach auf einem Balkon in einer der Fußgängerzonen aufgebaut. Ein paar Leute feierten mit ihm zusammen über den Köpfen der tanzenden Meute unten auf der Straße. Hierunter befanden sich vor allem junge Leute, die ganz unbeschwert die Techno-Beats von Arthur verwirklichten.

 

 

 

Zum Schluss ließen wir den Tag, so wie es sich für einen Ausflug nach Frankreich gehört, natürlich bei einem leckeren Nutella-Crêpe ausklingen.

Vier Schwestern und der Kampf um den ESC

Spätestens seit Lenas „Satellite“ sind auch wir in Deutschland alle ein bisschen Eurovision Songcontest (ESC). Bereits seit über 50 Jahren ist dieser Wettbewerb eines der Highlights der europäischen Musikwelt. Ob Newcomer wie die Siegerin des letzten Jahres, Conchita Wurst, oder alt eingesessene Künstler, wie das schwedische Quartett ABBA – der ESC war und ist schon immer ein anziehendes Ereignis.

Spannend für die deutsche Musikwelt ist der Vorentscheid für die Auswahl des diesjährigen deutschen Vertreters. Seit einigen Jahren haben dabei nicht nur die großen Stars des Business die Möglichkeit für Deutschland anzutreten, auch Newcomer bekommen die Chance im Clubkonzert eine begehrte Wildcard zu ergattern. Am 19. Februar ist es in Hamburg wieder so weit, der Kampf um die Wildcard zum Vorentscheid wird eröffnet. Zehn junge Künstler und Bands werden an diesem Abend gegeneinander antreten, um ihrem Traum von einer Teilnahme am ESC ein Stückchen näher zu kommen. Mit dabei ist auch die Wiesbadener Band „Ason“ und genau mit ihnen waren wir für euch im Interview.

Vorab: Ason, das sind Dorotea (20), Lillie (18), Joella (16) und Mickelina (12). Musik steckt den vier Schwestern im Blut. Das Singen hat ihnen ihre schwedische Mutter, die Sängerin ist, mit auf den Weg gegeben. Ihr Gefühl für Rhythmus haben die Wiesbadenerinnen vom Vater, der Schlagzeuger ist. Neben Schlagzeug spielen die jungen Musikerinnen auch Klavier, Gitarre und Bass. Ihr Song für den ESC heißt „Hey You“ und erzählt die Geschichte von einem Wiedersehen und von gemeinsamen Erinnerungen zweier Personen. Ihre Musik bezeichnen die vier Künstlerinnen generell mit den Worten „New. Free. Sound“.

Musikalisch: Musik liegt den vier Schwestern in den Genen. (Foto: Ason/ Jonathan Gaubatz)

Musikalisch: Musik liegt den vier Schwestern in den Genen. (Foto: Ason/ Jonathan Gaubatz)

Face2Face: „Eure Band heißt Ason. Was bedeutet der Bandname?“

Ason: „Der Name Ason ist eine Abkürzung von unserem Nachnamen Andersson. In   Schweden gibt es viele ähnliche Namen wie Eriksson, Svensson, Pettersson oder eben auch Andersson. Manche Schweden schreiben dann ihren Nachnamen einfach verkürzt auf. Man nimmt den ersten Buchstaben ein Semikolon und dann „son“. Bei uns wäre das dann zum Beispiel A:son. Wir haben jedoch beschlossen das Semikolon einfach wegzulassen.“

Face2Face: „Seit wann macht ihr Musik und wie habt ihr die Liebe zur Musik entwickelt?“

Ason: „Gefühlt: schon immer. Wir sind einfach mit Musik aufgewachsen. Das geht wahrscheinlich nicht anders mit so musikalischen Eltern. Wir haben schon als kleine Kinder gesungen und getanzt. Musik war und ist schon immer Teil unseres Lebens. Mit richtigem Musikunterricht haben wir mit circa sechs Jahren angefangen. Als Ason machen wir jetzt seit etwa eineinhalb Jahren Musik.“

Dorotea: Vor allem kommt die Liebe zur Musik auch vom Hören und Erleben. Ich war schon sehr früh bei den Auftritten meines Vaters dabei und durfte Musik live erleben. Schön ist es, wenn man sieht was Musik bei Menschen auslöst. Wenn man anfängt Musik mit dem Herzen zu fühlen und vor allem zu verstehen, dann kommt alles andere von allein.

Face2Face: „Habt ihr musikalische Vorbilder? Und gibt es Künstler, mit denen ihr gerne zusammenarbeiten würdet?“

Ason: „ Musikalische Vorbilder sind für uns Künstler wie Ed Sheeran, Goythe, The Script, U2, Peter Gabriel, Peter Fox, Sting und noch so einige andere. Und nicht zu vergessen natürlich auch unser Papa. Natürlich würden wir gerne mit unseren musikalischen Vorbildern mal gerne zusammenarbeiten, auch Andreas Bourani, George Ezra, Darwin Deez, Robyn, Kiefer Sutherland, Benedict Cumberbatch oder Martin Freemann würden auf so einer Liste ganz oben stehen.“

Face2Face: „Wie beschreibt ihr eure Musik jemandem, der noch nichts von euch gehört hat?“

Ason: „ Das was wir mit unserer Musik vor allem erreichen wollen, ist das wir etwas in anderen auslösen. Deshalb ist die Musik so wie wir sind – einfach bunt.“

Face2Face: „Für euch steht nun ein ganz besonderes Konzert an. Im Clubkonzert kämpft ihr um eine Wildcard für den ESC Vorentscheid? Wie kam es dazu und vor allem was fühlt ihr dabei?“

Ason: „Wir haben noch am Tag des Anmeldeschlusses unser Video eingereicht. Einige Tage später wurden wir angerufen, mit der Nachricht, dass wir dabei sind Es war ziemlich überraschend. Im Moment sind wir sehr gespannt, denn diese Zeit ist besonders aufregend aber gleichzeitig total schön. Jetzt heißt es erst einmal proben, proben, proben. Aber die Freude auf die nächste Zeit überwiegt.“

Face2Face: „Zu guter Letzt die Frage: wann und wo können wir euch hören? Wann kommt euer Album raus?“

Ason: „Also erst einmal dürft ihr natürlich am 19.Februar um 22 Uhr im Norddeutschen Rundfunk (NDR) mit uns mit fiebern und für uns Voten. Das Album werdet ihr dann hoffentlich bald in den Händen halten. Für dieses Jahr stehen schon einige Termine an. Die findet ihr übrigens immer ganz aktuell auf unserer Facebook-Seite: www.facebook.de/asonband.“

Die Face2Face-Musikredaktion wünscht Ason viel Erfolg beim Kampf um die Wildcard. Auch wenn die Band mit einem kleinen Wermutstropfen in den Ring steigt. Das Mindestalter beim ESC liegt für Teilnehmer bei 16 Jahren. Mickelina, die erst zwölf Jahre alt ist, wird nicht live auf der Bühne stehen können, sondern legendlich beim Auftritt eingeblendet werden.

Ein neuer Deutschpoet- Interview mit Tim Ferrand

Ein neuer Deutschpoet- Interview mit Tim Ferrand

Authentisch und simpel: so klingt Tim Ferrands Musik. (Foto: Tim Ferrand Facebook)

Die Melancholie von Philipp Poisel, die guten Texte von Bosse und der Charme von Clueso- es scheint als hätte Tim Ferrand aus Mannheim den perfekten Mix für sich entdeckt. Der Singer-Songwriter vereint das Beste der erfolgreichsten Deutschpoeten und ist gerade deshalb so vielseitig und interessant. Doch jegliche Vergleiche sind eigentlich etwas vorschnell, denn was Ferrand eigentlich ausmacht, ist seine Individualität. In seinen Songs kann sich wohl jedermann wiederfinden, denn Ferrand schreibt nicht nur über Dinge wie Liebe und Sehnsucht sondern auch über die eigene Planlosigkeit und eingebildete Kommilitonen. Unsere Face2Face Autorin Johanna Wobbe traf den Sänger und Songwriter zum persönlichen Interview:

Face2Face:Wie lange machst du schon Musik und wie bist zu dazu gekommen?
Tim Ferrand:Ich habe mit zwölf angefangen eigene Texte zu schreiben und mit 15 habe ich dann mit dem Musik machen begonnen. Ein Freund aus der Schulzeit, der schon Musiker war, hat mir etwas vorgespielt auf der Gitarre und das hat mich so fasziniert, dass ich mit ihm am nächsten Tag zum Musikladen gegangen bin und mir eine E-Gitarre mit Verstärker gekauft habe. Dann habe ich aber Privatunterricht genommen, weil man alleine doch nicht so gut klarkommt.

Face2Face:Worum ging es in diesen ersten Texten?
Ferrand:Um Liebe, um Sehnsüchte aber auch um persönliche Zweifel und Dinge aus dem Leben, die einem auffallen und beschäftigen. Es ging aber auch um Gefühle, die jeder Mensch schonmal erlebt hat und womit sich jeder identifizieren kann.

Face2Face:Beschreibe unseren Lesern in deinen eigenen Worten deine Musik.
Ferrand:Die Musik soll es schaffen, in der Gesamtheit trotz den teilweise traurigen, kritischen Texten, Optimismus vermitteln. Der Hörer soll danach positiv in die Zukunft blicken. Die Musik kann die Leute natürlich zum Weinen bringen aber später dann eben auch zum Lachen.

Face2Face:Wie schreibst du deine Songs? Was kommt zuerst, Melodie oder Text?
Ferrand:In den meisten Fällen steht zuerst die Gitarren Linie und danach der Text. Ich finde, dass sich der Text an der Stimmung der Melodie orientieren muss. Zu einer fröhlichen Melodie kann man schlecht eine Ballade schreiben. Es muss also eine Symbiose ergeben. Es kommt aber auch vor, dass zuerst ein Text da ist und man gezielt versucht, dazu eine Melodie zu finden.

Face2Face:Wer oder was inspiriert dich und wieviel Tim Ferrand steckt in deinen Songs?
Ferrand:Fast alles ist ehrliche, authentische Musik. Meistens sind es Dinge, die ich erlebt oder beobachtet habe oder die mich beschäftigen. Inspiration sind eindeutig die Menschen. Mehr braucht man eigentlich nicht, um Musik zu machen. Man braucht die Menschen und ihre Emotionen.  Ich glaube, dass meine Musik auch nur so funktioniert, weil ich genau so da rangehe.

Face2Face:Du warst vor einiger Zeit für ein Auslandssemester in Paris. Hast du dort das savoir-vivre der Franzosen gelernt? Was hast du von dort mitgenommen?
Ferrand:Die Zeit war sicherlich die Beste in meinem Leben. Das savoir vivre habe ich auf jeden Fall mitgenommen, weil die Franzosen lebensfroher und entspannter sind. Man lernt dort auch das Leben intensiver zu genießen, egal ob es ums Feiern, ums Essen oder um Kunst und Kultur geht. Es ist alles allgegenwärtiger, präsenter. Aber das liegt natürlich auch an der Stadt, da das Angebot so groß ist, dass man gar keine andere Wahl hat, als das mitzumachen. Man verfällt in eine Art Trance, weil man andauernd andere Events hat. Es ist also unumgänglich.

Ein neuer Deutschpoet- Interview mit Tim Ferrand

War schon Vorband für Auletta: Tim Ferrand (Foto: Wobbe)

Face2Face:Du hattest bereits eine Band, „Sunday“, bei der du auch Sänger warst. Warum ist es auseinander gegangen?
Ferrand:Wir kamen alle aus anderen Städten und haben studiert oder gearbeitet. Letztlich ist es dann aufgrund der Entfernung auseinander gegangen. Wir hatten einfach keine Zeit mehr und dann ist alles eingeschlafen. Und mein Paris Aufenthalt hat natürlich den Kontakt auch etwas behindert.

Face2Face:Da du aus Mannheim kommst, läge es doch nahe, an der Popakademie zu studieren. Warum nicht?
Ferrand:Ich hab mich damit schon mehrmals befasst und ich denke, dass es mich vielleicht weitergebracht hätte aber gerade bei Singer-Songwriter finde ich, dass man das ganze spontan und einfach halten sollte. Bei der Popakademie wird ja viel Theorie gemacht und es werden einem Werkzeuge geliefert, wie man Songs schreibt, dabei will ich es eigentlich gar nicht perfekt haben. Aber generell finde ich die Popakademie eine gute Sache, gerade für die Stadt Mannheim.

Face2Face:Viele Musiker und Künstler zieht es ja regelrecht schlagartig nach Berlin oder Hamburg. Käme das für dich in Frage? Wenn ja, welche Stadt und warum?
Ferrand:Berlin ist mehr so das Mekka für elektronische Musik, was ich auch durchaus interessant finde, da ich elektronische Musik auch selbst mag. Aber wenn ich mich zwischen den Städten entscheiden müsste, dann wäre es auf jeden Fall Hamburg, weil da noch viel mehr Musik selbst gemacht wird und die Live Szene noch ausgeprägter ist.

Face2Face:Wie stehst du zu den Social Media, die immer intensiver von der Musikbranche verwendet werden?
Ferrand:Sicherlich eine ganz gute Möglichkeit, um auf sich aufmerksam zu machen und Termine etc. bekannt zu geben. Trotzdem ist es bestimmt nicht die Lieblingsbeschäftigung eines Musikers, sich damit auseinanderzusetzen. Wenn ich die Wahl hätte, dass es wieder zugeht wie zu „Alten Zeiten“ dann würde ich mich dafür entscheiden!

Face2Face:Was ist für die Zukunft geplant?
Ferrand:Als nächstes steht ein Fotoshooting an, hoffentlich entsteht dann auch eine Homepage zu meinem Solo Projekt. Wenn das alles steht will ich auch verstärkt an das Song schreiben und ans live auftreten gehen. Und dann auch irgendwann mehr Songs aufnehmen.

Kontakt: www.facebook.com/timferrand

Vorschau: Nächste Woche gibt es hier ein Portrait von Greenchair.

Unser Gewinnspiel läuft außerdem immer noch, zu finden ist es hier.

„Das Glücklichwerden und das Glücklichsein“ – ein Interview mit Singer-Songwriter Axel Bosse

„Das Glücklichwerden und das Glücklichsein“ – ein Interview mit Singer-Songwriter Axel Bosse

Gewohnt lässig: Der deutschsprachige Singer-Songwriter Axel Bosse im Interview mit „Face2Face“ (Foto: Jenowein)

Bekannt wurde er durch Stücke wie „3 Millionen“, „Weit weg“ und „Frankfurt/Oder“. Gerade hat er seine aktuelle Konzert-Tour zum Album „Wartesaal“ in Neubrandenburg beendet. Singer-Songwriter Axel Bosse, der von seiner Band „Bosse“ bei Aufnahmen und Konzerten unterstützt wird, nahm sich die Zeit, um mit Face2Face über seine Karriere, das Lampenfieber bei Live-Auftritten und Routine zu sprechen.

Face2Face: Welches Ereignis hat Sie 2011 am meisten mitgenommen?
Bosse: Mich nimmt immer etwas mit. Mein Leben verläuft in Dekaden. Sicherlich war die Studioarbeit eine krasse Erfahrung – ein nicht einzuschätzendes Gefühlschaos für mich. Wir haben das Album in Köln zu zweit aufgenommen. Die vier Monate Arbeit fühlten sich an wie in einem Männerknast und wir spielten uns gegenseitig die Ping-Pongbälle hin und her – manchmal besser, manchmal schlechter.

Face2Face: Einer Ihrer Höhepunkte war der dritte Platz beim „Bundesvision Songcontest 2011“. Welche Eindrücke haben Sie davon mitgenommen?
Bosse: Im Gegensatz zu Liveauftritten spielt man beim „Bundesvision Songcontest“ halbplayback. Man bereitet sich ganze zwei Wochen auf die besagten drei Minuten und zehn Sekunden vor. Ich hätte nicht gedacht, dass es so viel Arbeit ist. Ich muss das jetzt nicht jede Woche haben. Das schönste an diesem Event waren die netten Bands, die auch aufgetreten sind wie beispielsweise Thees Uhlmann oder Jennifer Rostock. Auf der anschließenden Aftershow-Party waren alle erleichtert, dass es vorbei war.

Face2Face: Bereits 2005 waren Sie als Support-Act bei der „Hurricane Bar“-Tour mit „Mando Diao“ unterwegs, wie haben Sie die Tour wahrgenommen?
Bosse: „Mando Diao“ war damals schon eine große Nummer. Als Vorband spielten wir zusammen mit der amerikanischen Band „Diamond Nights“ in Konzerthallen wie die Berliner „Columbiahalle“ oder den Hamburger „Docks“. Rückblickend waren die Tour-Abende schön und die Tassen wurden immer hoch gehalten. Die Schweden wirkten auf mich sehr sympathisch und keinesfalls arrogant. Tagsüber trugen sie lässige Trainingsanzüge, erst am Abend zwängten sie sich in ihre hautengen Indie-Outfits.

Face2Face: Können Sie rückblickend sagen, dass es die richtige Entscheidung war die Schule abzubrechen und als Musiker Karriere zu machen?
Bosse: Als ich meinen ersten Plattenvertag mit 17 Jahren unterschrieben habe, hatte ich keine Zeit mehr für Schule. Alleine durch meine enormen Fehlzeiten habe ich ein Jahr komplett wiederholt. Mein Plan war nie zu studieren oder sonst einer Arbeit nachzugehen wie der Musik. Für meine Eltern war es gut zu wissen, dass ich die Leidenschaft zur Musik ernst meine. Um über die Runden zu kommen, habe ich in Cafés gearbeitet oder andere Aushilfsjobs angenommen, mit denen ich mich durchgeschlagen habe – zum Taxifahren war ich da noch nicht alt genug.

Face2Face: Und wie ist es bei Ihren Kindern?
Bosse: Bei Kindern ist es meistens so, dass sie etwas komplett anders machen wie ihre Eltern. Vielleicht wird meine Tochter auch keine Musikerin und arbeitet vielleicht dann im Finanzamt und das werde ich auch unterstützen – jeder sollte das machen, was ihn glücklich macht.

Face2Face: Welcher Song erinnert Sie an Ihre Jugend?
Bosse: Zu meiner Zeit fand ich DJs gut, die von „The Police“ den Song „Synchronicity“ auflegten.

Face2Face: Und wie war es für Sie sich selbst zu covern? Haben Sie dadurch eine andere Facette des Songs „Frankfurt/Oder“ kennengelernt?
Bosse: Den Song noch ein Mal selbst zu covern war eine spontane Idee. Ich habe dafür Geld bezahlt, damit ich mein eigenes Lied innerhalb der nächsten Jahre nochmal anderweitig aufnehmen darf – das ist die Maschinerie der Plattenfirmen mit den Lizenzverträgen. Die Aufnahmen wurden immer besser und interessanter, sodass man sich dann für eine Singleauskopplung entschied.

Face2Face: Wie sind Sie auf den Albumtitel „Wartesaal“ gekommen?
Bosse: Mit dem Album-Namen ist es immer so eine Sache. Von den ursprünglich 60 Namen liegt „Wartesaal“ musikalisch in der Mitte des Albums, indem jedes Instrument vorkommt, und textlich bringt es der Refrain auf den Punkt. Hauptsächlich dreht sich das Album um das Glücklichwerden und das Glücklichsein. Wir sitzen im Wartesaal um glücklich zu sein war meine Intention – wenn ich das Wort „Wartesaal“ höre, habe ich tausend Bilder im Kopf.

Face2Face: Sind Sie nach so vielen Live-Auftritten noch nervös oder angespannt?
Bosse: Wenn ich ehrlich bin, dann bin ich überhaupt nicht mehr nervös. Früher konnte ich wegen eines Auftritts oder Interviews nicht schlafen. Zehn Minuten vor dem Auftritt komme ich an einen bestimmten Punkt, der von Adrenalin und Energie gefüllt ist. In gewisser Weise ist es zu einer Art Routine geworden, wie jedem andere Job auch.

Face2Face: Wie allgemein bekannt geht der Verkauf von Tonträgern zurück, welche Art von Musikmedium bevorzugen Sie?
Bosse: Ich gehöre nicht zu den Menschen, die sich CDs kaufen. Wenn ich etwas besonders toll finde, dann kaufe ich mir das Album oder die Single als Vinyl-Schallplatte. Sonst bin ich komplett der MP3-Download-Typ. Ich finde es super entspannt mit Hilfe der App von „Shazam“ mir den Song im „iTunes“-Store zu kaufen.

Face2Face: Was haben Sie sich für die Zukunft vorgenommen?
Bosse: Nach Ende der aktuellen „Wartesaal“-Tour ist vorerst mal Schluss. Bis zum April habe ich mir frei genommen, um Lyriks zu verfassen für das neue Album. Danach bin ich auf kleineren und größeren Festivals zu sehen. Voraussichtlich kommt dann im Frühjahr nächsten Jahres das neue Album.

Kontakt „Bosse“:
http://www.axelbosse.de
http://www.facebook.com/bossemusik
http://www.youtube.com/user/BosseAxel


Vorschau:
Nächste Woche könnt ihr eine Reportage über den Beatboxer „Fii“ lesen, der aus den Casting-Shows „Das Supertalent“ und „X-Factor“ bekannt ist.