Die Kunst des Liebens

Stellt euch vor, Liebe wäre eine Kunst, die man erlernen kann. Schenkt man Erich Fromm Glauben dann kann jeder – an dieser Stelle können diejenigen, die die Hoffnung an die Liebe endgültig aufgegeben haben einmal aufatmen – das Lieben erlernen. Eins sei aber gleich zu Beginn gesagt: Diese Kunst zu erlernen ist kein Zuckerschlecken. Ob es weniger talentierte Liebeskünstler gibt, darüber sind mir keine Informationen bekannt. Gehen wir also vom Idealfall aus: Jeder kann das lieben lernen. Liebe – das scheint ein Thema zu sein, mit dem sich jeder früher oder später rumärgern muss und sich zeitweise so sehr den Kopf darüber zerbricht, dass man nach stundenlanger Grübelei trotzdem nicht schlauer geworden ist. Dass die Liebe sich zur Abwechslung von ihrer unkomplizierten und harmoniebedürftigen Seite zeigt , ist eher eine Seltenheit, oder bin ich zu pessimistisch? Dabei ist das doch entgegen ihres Gemütes, oder nicht?

Die Liebe: So viel schöne Mythen ranken sie um die Liebe, doch sie bringt auch viel Kummer (Foto: Bluetenzauber  / pixelio.de )

Die Liebe: So viel Mythen ranken sie um das Phänomen Liebe, doch sie bringt auch viel Kummer (Foto: Bluetenzauber / pixelio.de )

Sprechen wir von Liebe, gehen wir zumeist wie ganz selbstverständlich von romantischer Liebe zwischen zwei Menschen aus. Ich weiß, ich will nicht wieder ein altes Fass aufrollen. Doch ich muss diese kitschigen Liebes- und Disneyfilme tadeln. Sie tragen eine enorme Schuld an unserer endlosen Suche nach dem richtigen, vollkommenen Partner. Diesen Filmen ist es zu verdanken, dass wir in Sachen Liebe nicht ganz richtig ticken und einge von uns schon wiederholte Male an einem gebrochenen Herzen gelitten haben. Heutzutage sind einige dahinter gekommen, dass diese vorgegaukelten Liebesideale wenig mit der Realität zu tun haben. So viele Menschen, scheinen bei der Suche nach diesem Mr. oder Mrs. Perfect schier zu verzweifeln, an ihrer zwanghaften Suche zu zerbrechen und die Hoffnung fast aufgegeben zu haben, dass sich dort draußen dieser eine Mensch, dieses sagenumwobene Gegenstück zu uns, wie es so lächerlicherweise angepriesen wird, tummelt. Es gibt so viele unterschiedliche Formen der Liebe. Angefangen von der Liebe zu Freunden oder der Familie. Liebesformen die in ihrer Intensivität genauso Anerkennung verdienen. Doch immer scheint die romantische Liebe, den anderen Liebesformen die Show zu stehlen. Wir suchen, der eine weniger verbissen als der andere, nach der „wahren Liebe“, scheinen unser ganzes Leben darauf hinzuarbeiten und wissen doch nie genau, was wir darunter eigentlich verstehen und wo wir danach Ausschau halten müssen.

Wir wollen geliebt werden, gleichzeitig aber auch unseren eigenen Interessen nachgehen und uns selber verwirklichen. Doch passt das alles unter einen Hut? Ist Liebe etwas, das man findet und dann einfach nur nach Gebrauchsanleitung hegen und pflegen muss?  Muss die Liebe zwischen zwei Menschen, nur wie ein junger Welpe etwas Benehmen anerzogen bekommen und ist fortan ein treuer Begleiter, der nicht weiter Ärger macht und an dem man sich tagtäglich erfreut? Ich fürchte so ist es ganz und gar nicht. Und ich glaube, dies ist auch der Grund warum so viele Beziehungen scheitern. Wir machen es uns zu einfach und haben so unglaublich hohe Erwartungen. Erich Fromm scheint mit seiner Vermutung Recht zu behalten. Im Kern wissen nur ganz wenig Menschen, wie man wirklich liebt. Doch kann man uns das zum Vorwurf machen? Wo lernen wir zu lieben? Idealerweise sollte die Familie der erste Ort sein an dem wir uns geborgen und geliebt fühlen und auch lernen andere zu lieben. Das erste Verliebtheitsgefühl ist großartig – keine Frage. Doch wir sind enttäuscht, wenn dieses sich langsam aber sicher verflüchtigt und nur noch einer schönen, fernen Zeit gleicht, an die man sich gerne zurückerinnert. Und wir scheinen nicht zu verstehen, dass eine Beziehung, dass der Weg zu Liebe, mit ungeheuer viel Geduld und Arbeit verbunden ist. Ja, genau ihr habt richtig verstanden. Arbeit und Geduld!

Viele Menschen scheinen naiver Weise zu glauben, dass, wenn sie einmal den richtigen Partner gefunden haben, die Liebe auch beständig erhalten bleibt. Doch an der Liebe zu seinem Lebenspartner muss man tagäglich arbeiten, sich selbst als Person weiterentwickeln, sich im Gedulidgsein üben, dem anderen seinen Freiraum lassen.

Wirkliche Liebe ist ein Projekt, das viel Zeit Anspruch nimmt. Und das gilt für Freundschaften und romantische Zweier-Beziehungen gleichermaßen! Die Mühe und Arbeit sollte ihr aber nicht Scheuen. Denn wer weiß – vielleicht werdet ihr eines Tages zu herausragenden Liebeskünstlern!

Vorschau: Eva widmet sich nächstes Mal dem Thema der Gleichberechtigung in Partnerschaften

Fernbeziehungen – fernes Glück oder nahes Risiko?

Fernbeziehungen – fernes Glück oder nahes Risiko?

Von links: Robert Tessmann, Vanessa R., Stefan S., Nicole Wawro (Fotos: privat)

Eine kurze Autofahrt, eine lange Zugfahrt oder gar eine Reise mit dem Flugzeug – Fernbeziehungen bedeuten mehr Aufwand, um den Partner wiederzusehen. Ein Aufwand, der sich durchaus lohnt. Dennoch sehen sich die Beteiligten neben Sehnsucht und Einsamkeit oft mit Fragen nach Vertrauen und Treue konfrontiert. Wie man dies alles meistern kann und trotz Entfernung eine glückliche Beziehung führt, verraten vier Frauen und Männer mit ihren ganz eigenen Erfahrungen in der Fernbeziehungs-Umfrage.

Regelmäßiger, wenn auch kurzer Kontakt, ist für den Stuttgarter Robert Tessmann das A und O einer funktionierenden Fernbeziehung. Der Kinder- und Jugendheimerzieher ist erst eineinhalb Monate mit seiner Freundin aus Paderborn zusammen und freut sich bei jedem Wiedersehen „auf ihre Stimme, ihre zarte Haut und die sanft geschwungenen Gesichtszüge“. Kennengelernt haben sich die beiden bei einem Berufsausbildungsseminar – und sie lernen sich trotz 400 Kilometer Distanz besser kennen, „indem man über alles redet, und sei es auch nur das Mittagessen“. Schließlich kann der andere nicht am gewohnten Alltag teilhaben. „Fotos anschauen, sich an das letzte Treffen erinnern, eine SMS schreiben oder kurz telefonieren“ sind seine Mittel gegen aufkommende Sehnsucht.

Die 23-Jährige Vanessa R. vertraut ihrer Partnerin trotz der 90 Kilometer zwischen Bad Dürkheim und Mainz voll und ganz: „Wenn man sich nur alle paar Wochen sehen kann, muss man einander vertrauen können“. Fremdgehen ist daher für sie gar kein Thema. Trotz dreijähriger Beziehung telefonieren die Liebenden jeden Tag. Denn die Telefonate und die Vorfreude auf das nächste Treffen helfen der Autorin, die Trennungszeit zu überbrücken.
Dennoch ist sich Vanessa der Nachteile einer Fernbeziehung bewusst: „Nicht jeder ist dafür geschaffen. Man kann sich nicht spontan sehen, wenn es einem schlecht geht, kann man nicht in den Arm genommen werden. Treffen sind immer Wochen im Voraus geplant. Man kann sich nicht immer erreichen, wenn es etwas Wichtiges zu besprechen gibt.“
Selbst der Wechsel von einer Fernbeziehung zu einer normalen kann sich dabei als schwierig erweisen, gibt die Studentin zu bedenken: „Wenn man gewohnt ist, sich nur zeitlich begrenzt zu sehen, ist es vielleicht schwer, jetzt auf engerem Raum zusammen zu sein. Man fühlt sich dann erst einmal bedrängt und in seiner Freiheit beschnitten.“

Auch Stefan S. aus Ainring kennt die Probleme, die dabei aufkommen können: „Die Entfernung erschwert es, sich tiefergehend kennenzulernen. Man kennt die Macken des anderen erst, wenn man länger zusammen wohnt oder sich ständig sieht. Wenn die Beziehung und die Gefühle aber stark genug sind kann man auch das trotz einiger Reibereien meistern“. Auch wenn für den 28-Jährigen IT-Administrator eine Fernbeziehung von 700 Kilometern zwischen Ainring und Berlin kein Dauerzustand ist, hängt für ihn der Erfolg vom gegenseitigen Verständnis beider Partner ab: „Die Chancen einer Beziehung hängen nicht von der Entfernung ab, sondern davon, wie viel jeder bereit ist in die Beziehung zu investieren.“

Erst seit einigen Wochen führt Nicole Wawro mit ihrem Freund eine Kurzzeit-Fernbeziehung zwischen Singapur und Deutschland. Aufgeben kommt für die Studentin aber nicht in Frage: „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“. Ihr Rezept für eine glückliche Fernbeziehung heißt dabei Vertrauen und Kommunikation: „Übertreiben sollte man es bei dem Kontakt aber auch nicht“, da sich der Partner sonst eingeengt und kontrolliert fühlen könnte.
Von einem Tag auf den anderen über 10.000 Kilometer voneinander entfernt, musste sich Wawro erst in die Fernbeziehung einleben: „Es war zunächst ungewohnt, wieder mit so viel Freizeit klarzukommen. Die ersten Tage habe ich mich sehr gelangweilt. Irgendwann habe ich mich dann entschlossen, meinen alten Hobbys nachzugehen Außerdem unternehme ich viel mit Freunden“. So könne das Gefühl von Einsamkeit erst gar nicht aufkommen.
Trotz getrenntem Umfeld und neuen Erlebnissen, die der Partner nicht miterleben kann, sieht die 22-Jährige in einer Fernbeziehung eine Chance „an den Veränderungen teilzuhaben und mit dem anderen mitzuwachsen“. Dies sei das Geheimnis, sich nicht auseinanderzuleben. Falls die Sehnsucht einen übermannen sollte, hat Nicole auch dafür einen Tipp: „Ich habe mal ein Kissen gesehen, das aussah wie ein Oberkörper mit Arm. Man konnte dem Kissen dann ein T-Shirt vom Partner anziehen und dann mit dem Kissen kuscheln. Das ist doch eine lustige, nette Idee“.

Vorschau: Passend zur ungemütlich-kalten Jahreszeit gibt es nächste Woche drei Tipps gegen Schnupfen und Erkältung.

Ergebnisse der Liebeskummerumfrage

Ergebnisse der Liebeskummerumfrage

Diagramm 1: Häufigkeit Liebekummer bei Frauen (violett: sehr oft, grün: häufiger, blau: sehr selten, rot: selten) /Grafik: T. Gartner

Heute präsentiere ich euch endlich die Ergebnisse der Liebeskummerumfrage. Insgesamt 85 Personen zwischen 10 und 50 Jahren haben daran teilgenommen. Aus Platzgründen kann ich leider nicht auf jeden einzelnen Punkt zu sprechen kommen, daher seht ihr nur die Ergebnisse, die in meinen Augen interessant, teilweise sogar überraschend ausgefallen sind. Ziel dieser Präsentation soll sein, dass ihr euch mit der Sichtweise der Mehrheit vergleichen und so möglicherweise Wege finden könnt, die euch den Umgang mit Liebeskummer erleichtern.

 Überraschender Weise haben sowohl Frauen als auch Männer eher selten, nämlich etwa ein- bis zweimal im Jahr Liebekummer. Wie ihr an der nachfolgenden Grafik sehen könnt, geben nur drei der insgesamt 57 befragten Frauen an, alle paar Tage, also sehr oft Liebeskummer zu haben (Diagramm1, violett). 14 Teilnehmerinnen leiden alle paar Wochen (Dia.1, grün), 17 alle paar Jahre (Dia.1, blau), also sehr selten, an Liebeskummer. Die Mehrzahl der Frauen, nämlich 23 Stück, hat demzufolge ein- bis zweimal im Jahr, nach eigener Einschätzung also selten Liebeskummer (Dia.1, rot). Obwohl die Ergebnisse bei den Männern weniger repräsentativ sind, da nur 28 teilgenommen haben, liegt auch hier die Mehrheit mit 14 Stimmen klar bei „ein- bis zweimal im Jahr (selten)“.

 Obwohl, wie eben bewiesen, beide Geschlechter ähnlich oft an Liebeskummer leiden antworteten bei der

Ergebnisse der Liebeskummerumfrage

Digramm 2: Haben Frauen öffters Liebekummer als Männer (blau: nein, rot: ja) / Grafik: T. Gartner

Frage, ob Frauen häufiger Liebekummer haben als Männer, 50 weibliche und 17 männliche Teilnehmer mit „ja“. Nur sieben Frauen beantworteten diese Frage mit „nein“ (Dia.2, blau). Anhand dieses Ergebnisses zeigt sich, dass die Frau auch heutzutage noch als das schwache Geschlecht wahrgenommen wird; eben als die gefühlsbetonte, von Emotionen gelenkte Frau. Die Umfrage beweist nicht das Gegenteil, hebt jedoch den Unterschied zwischen Mann und Frau im Umgang mit seelischem Kummer ein Stück weit auf.

 Des Weiteren lässt sich anhand der Umfrageergebnisse feststellen, dass der Mann längst nicht mehr als das nüchterne, gefühlskalte Geschlecht gesehen werden kann. 16 Männer geben beispielsweise an, dass sie mit ihrem besten Freund beziehungsweise ihrer besten Freundin über Liebeskummer sprechen (Dia.3, blau). 11 Teilnehmer gaben zwar an mit niemandem darüber zu reden (Dia.3, grün) und sogar 13 verdrängen ihren Kummer lieber, dennoch überwiegt die Anzahl derer, die sich jemandem anvertrauen.

Ergebnisse der Liebeskummerumfrage

Diagramm 3: Mit wem reden Männer am ehesten über Liebeskummer? (rot: Familie, grün: mit niemandem, blau: beste(r) FreundIn) / Grafik: T. Gartner

 Besonders eindeutig waren die Ergebnisse im Bezug auf die Frage, ob man jemals zu alt für Liebeskummer sein könnte: 19 Männer und 35 Frauen sind demzufolge der Überzeugung, dass dies nicht möglich ist (Dia.4, rot). Dennoch erstaunte mich, dass trotzdem zwei Frauen und vier Männer vom Gegenteil überzeugt sind (Dia.4, blau).

 An dieser Stelle ein kleiner, persönlicher Einwurf, der sich nicht auf die Umfrage stützt: Meiner Meinung nach ist ein Mensch, da er – egal in welchem Alter – Gefühle hat, (leider?) immer dazu in der Lage, Liebeskummer zu empfinden. Vielleicht ist er oder sie irgendwann einmal glücklich verheiratet. Probleme, Streitigkeiten und Trennungen sind dennoch immer möglich und somit sinkt die Wahrscheinlichkeit Liebekummer zu bekommen eventuell, verschwinden wird sie aber nie ganz.

 Was sagen uns nun die Ergebnisse der Statistiken? Welche Schlüsse können wir daraus ziehen? Schließlich

Ergebnisse der Liebeskummerumfrage

Diagramm 4: Ist man irgendwann zu alt für Liebekummer? (rot: ja, blau: nein) / Grafik: T. Gartner

heißt diese Rubrik ja „Tipps&Tricks“ – irgendein weiser Rat muss also bei dem Ganzen herausspringen. Wir haben gesehen, dass Männer und Frauen doch gar nicht so unterschiedlich ticken wie angenommen. Das kann schon einmal beruhigend wirken. Wie man am besten mit Liebekummer umgeht, schaut man sich am besten bei der Mehrheit der Befragten ab: Verdrängen hilft meist nur vorrübergehend, wichtig ist es, über Probleme zu reden – ob nun mit dem/-r besten Freund/-in, der Schwester, dem Vater oder sonst irgendwem. Reden befreit und man fühlt sich danach zu 100% besser – versprochen!

Vorschau: Nächsten Sonntag gibt es einen kleinen Do-it-yourself-Beitrag von meiner Kulturkritik-Kollegin Lisa. Sie zeigt euch wie man auch als Nähanfänger eine coole Tasche selbst machen kann.