Vom Fernsehen auf die Festivalbühne – Wiesbaden feiert deutsche Fernsehkrimis

Krimis sind nicht nur im Buchformat ein beliebtes Genre. Verschiedene deutsche Fernsehkrimis, wie zum Beispiel „Ein Fall für zwei“, „Der Kriminalist“, „Tatort“ oder „Polizeiruf 110“, locken von Freitag bis Sonntag Millionen von Zuschauern vor die Bildschirme. In Wiesbaden gibt es ein eigenes Festival dafür und das findet vom 12. bis zum 17. März 2019 schon zum 15. Mal statt. Das Deutsche FernsehKrimi-Festival ist eine Veranstaltung des Kulturamtes der Landeshauptstadt Wiesbaden und wird vom Hessischen Rundfunk und der HessenFilm und Medien GmbH unterstützt. Im Rahmen des Festivals wird jedes Jahr auch der Deutsche FernsehKrimi-Preis verliehen. Sender und Produktionsfirmen können dafür noch bis Anfang November ihre aktuellen deutschen Krimiproduktionen einreichen. Die zehn besten Krimis werden dann nächstes Jahr auf dem Festival gezeigt. Abgesehen von den verschiedenen Krimis, die dort präsentiert werden, gibt es noch einen Fernsehkrimi-Drehbuchwettbewerb für Nachwuchsautoren sowie Diskussionen, Gespräche und Lesungen mit Filmschaffenden.

Vom Fernsehen auf die Festivalbühne – Wiesbaden feiert deutsche Fernsehkrimis

Verantwortlich für das Deutsche FernsehKrimi-Festival: Leiterin Cathrin Ehrlich (Foto: Barbara Dietl)

Wir haben mit Leiterin Cathrin Ehrlich über deutsche Fernsehkrimis und das Deutsche FernsehKrimi-Festival gesprochen.

Face2Face: Wie kam es zur Gründung des Deutschen FernsehKrimi-Festivals in Wiesbaden?

Ehrlich: Man hat mir erzählt, dass Liane Jessen (Fernsehfilmchefin des Hessischen Rundfunks), ihr damaliger Mann und die damalige Kulturdezernentin aus Wiesbaden, Rita Thies, diese schöne Idee bei einem oder auch zwei Gläschen Wein entwickelt haben.

Face2Face: Wieso wurde Wiesbaden als Veranstaltungsort ausgewählt?

Ehrlich: Rita Thies hat an der Idee festgehalten und ermöglicht, dass das Festival in Wiesbaden Fuß fassen konnte.

Face2Face: An welchen Orten im Rhein-Main-Gebiet werden die meisten Fernsehkrimis gedreht?

Ehrlich: Ich denke in Frankfurt, Wiesbaden und Offenbach.

Face2Face: Was ist das Besondere an deutschen Fernsehkrimis, dass es dafür ein eigenes Festival gibt?

Ehrlich: Die hohe Qualität, was z. B. Drehbuch, Regie, Kamera und DarstellerInnen betrifft.

Face2Face: Welche Themen sind derzeit in deutschen Fernsehkrimis am beliebtesten bei Filmemachern?

Ehrlich: Das wechselt natürlich ständig. Im letzten Jahr war das Thema Kindesmissbrauch und Kindesentführung sehr „beliebt“, aber auch die Themen Banden- und Cyberkriminalität und Fälle von rechtsextremem Terror waren häufig zu finden.

Face2Face: Was zeichnet das Deutsche FernsehKrimi-Festival aus?

Ehrlich: Es gibt sehr sehr viele Fernsehkrimis im deutschsprachigen Fernsehen, zu viele. Das Deutsche FernsehKrimi-Festival widmet sich dem anspruchs- und qualitätsvollen Fernsehkrimi.

Face2Face: Wofür sind Sie als Leiterin des FernsehKrimi-Festivals zuständig?

Ehrlich: Tja, eigentlich für alles: die Teamzusammenstellung, das Programm, die Gäste, die Finanzierung, Presse und Marketing und organisatorische Dinge wie Catering, Reisen und Hotel. Glücklicherweise habe ich ein wundervolles Team und dies schon seit Jahren. Es nimmt mir inzwischen die meiste Arbeit ab, hat großartige eigene Ideen und immer eine große Portion Humor, was mir sehr wichtig ist.

Face2Face: Auf dem Festival wird jährlich der Deutsche FernsehKrimi-Preis verliehen. Welche Fernsehkrimis haben eine Chance auf den Preis bzw. nach welchen Kriterien wird ausgewählt?

Ehrlich: Auch hier wird nach Qualität und Anspruch gesucht. Und wenn eine Produktion etwas Neues, Experimentelles wagt. Pro Jahr gibt es in etwa 60 Einreichungen dafür.

Face2Face: Wer sitzt in der Jury, die über die Vergabe des Preises entscheidet?

Ehrlich: Ich versuche immer eine heterogene Gruppe aus „Fachleuten“, wie SchaupielerInnen, RegisseurInnen, AutorInnen etc., aus der Branche zusammenzusetzen. Gerne fragen wir auch ehemalige PreisträgerInnen an. Dann suchen wir aber auch „Branchenfremde“. Diesmal wird zum Beispiel ein Strafverteidiger aus Frankfurt dabei sein. Fest gesetzt ist die oder der Krimistipendiat(in) der Stadt Wiesbaden. Das war beim letzten Mal Volker Kutscher und ist jetzt Zoë Beck.

Vom Fernsehen auf die Festivalbühne – Wiesbaden feiert deutsche Fernsehkrimis

Keine einfache Aufgabe: die fünfköpfige Jury, die 2018 über die Vergabe des Deutschen FernsehKrimi-Preises entschieden hat, v.l.n.r. Hanna Doose, Dennenesch Zoudé, Alexander Schubert, [Moderatorin Bärbel Schäfer], Roswitha Ester und Volker Kutscher (Foto: Martin Ohnesorge)

Face2Face: Welche Fernsehkrimis haben 2018 gewonnen?

Ehrlich: In der Jury waren Regisseurin und Drehbuchautorin Hanna Doose, Produzentin Roswitha Ester, Schriftsteller Volker Kutscher, Schauspieler Alexander Schubert und Schauspielerin Dennenesch Zoudé. Sie haben über die Preisvergabe entschieden. Den Hauptpreis hat „Tatort: Stau“ (SWR) von Dietrich Brüggemann (Regie, Buch) und Daniel Bickermann (Buch) gewonnen. Außerdem gab es Sonderpreise für herausragende Einzelleistungen: Petra Schmidt-Schaller wurde als beste Darstellerin für „Keine zweite Chance“ (Sat.1), Heino Ferch als bester Darsteller für „Ein Kind wird gesucht“ (ZDF/Arte) und Hans-Christian Schmid für die Gesamtleistung (Regie, Buch, Produktion) in „Das Verschwinden“ (BR/ARD Degeto/NDR/SWR) ausgezeichnet. Der Publikumspreis ging an „Ein Kind wird gesucht“.

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Strahlende Gesichter: die Preisträger des Deutschen FernsehKrimi-Festivals 2018 (Foto: Martin Ohnesorge)

Face2Face: 2019 wird außerdem zum dritten Mal Deutschlands spannendster Fernsehkrimi- Drehbuchnachwuchs gesucht. Was hat es damit im Detail auf sich?

Ehrlich: Wir suchen unverfilmte Krimi-Drehbuchstoffe talentierter und kreativer Nachwuchs-Drehbuchautorinnen und -Drehbuchautoren, die ideenreich unterhalten, fesseln und mitfiebern lassen. Eine fachkundige Jury wählt aus allen Einreichungen vier vielversprechende Vorschläge aus, die dem Publikum während der Festivalwoche im Rahmen einer Lesung vorgestellt werden. Die Gewinnerin oder der Gewinner wird bei der Preisverleihung des Festivals bekannt gegeben und erhält die Chance, unter professioneller Betreuung den Drehbuchstoff vom Exposé bis zum Treatment weiterzuentwickeln und vor Fachpublikum zu pitchen.

Face2Face: Wieso kam es 2017 zu dem Entschluss, erstmals einen Drehbuchwettbewerb für Nachwuchsautoren zu veranstalten?

Ehrlich: Ich hatte diese Idee. Drehbuchautoren fristen häufig ein Schattendasein. Es gab sogar Preisverleihungen, bei denen sie gar nicht eingeladen waren. Dabei ist das Drehbuch doch das Wichtigste für einen guten Film bzw. guten Krimi. Wir wollen deswegen die Drehbuchautoren hervorheben und junge Menschen fördern. Ich habe die Idee vor vier Jahren bei Herrn Mendig von der HessenFilm und Medien GmbH vorgetragen und er hat uns sofort seine Unterstützung zugesagt.

Vom Fernsehen auf die Festivalbühne – Wiesbaden feiert deutsche Fernsehkrimis

Vertieft in ein Nachwuchskrimi-Drehbuch: Synchronsprecher und Schauspieler Max Felder bei der Lesung auf dem Deutschen FernsehKrimi-Festival 2018 (Foto: S. Holitzner)

Face2Face: 2018 wurden die vier vielversprechendsten Nachwuchskrimi-Drehbücher dem Publikum während der Festivalwoche im Rahmen einer Live-Lesung von Synchronsprecher und Schauspieler Max Felder vorgestellt. Wie und nach welchen Kriterien wählen Sie aus, wer diese Live-Lesung machen darf?

Ehrlich: Auch hier entscheiden wir gemeinsam. Max Felder hatten wir ausgesucht, weil er als Schauspieler und Synchronsprecher einfach sehr gut vortragen kann und er vielen bekannt ist.

Face2Face: Was waren die Highlights des Deutschen FernsehKrimi-Festivals der letzten drei Jahre?

Ehrlich: Das sind immer wieder unsere Filmgäste und die Gespräche mit ihnen. Wir konnten zum Beispiel Ulrich Tukur, Senta Berger, Hannelore Hoger, Heino Ferch oder Desirée Nosbusch beim Festival begrüßen. Das war jedes Mal ein Highlight.

Face2Face: Welche Veranstaltungen sind bereits jetzt für das Deutsche FernsehKrimi-Festival 2019 geplant?

Ehrlich: Wir werden wieder zehn spannende, tolle Krimis zeigen und prominente und interessante Filmgäste zu Gast haben. Außerdem gibt es einen Serien- und einen Dokutag und wir planen eine größere Ausstellung.

Face2Face: Ist schon bekannt, welche Schauspielerinnen und Schauspieler 2019 vor Ort sein werden?

Ehrlich: Bisher nicht, da die Filme für den Wettbewerb noch nicht ausgewählt wurden, weil die Jurysitzung erst Mitte Dezember ist, und auch die JurorInnen noch nicht zugesagt haben.

Face2Face: Was kostet der Eintritt für die Veranstaltungen 2019?


Ehrlich: Zwischen 7 und 9 Euro. Eventuell wird es im nächsten Jahr einen Festivalpass geben.

Face2Face: Haben Sie selbst einen Lieblingsfernsehkrimi?

Ehrlich: Ich finde immer wieder einen neuen Liebling. Ich mag eher kleine, kluge Krimi- Geschichten mit überraschenden Wendungen. Ich mag eher nicht, wenn zu viel Brutalität gezeigt wird.

Mehr Infos zum Deutschen FernsehKrimi-Festival gibt es auf der Homepage oder der Facebookseite der Veranstaltung.

Erlebnis Buchkauf – drei preisverdächtige Heidelberger Buchhandlungen

Zum ersten Mal wird am Donnerstag, 17. September der Deutsche Buchhandlungspreis verliehen. Das Ziel der Auszeichnung: Sie soll inhabergeführte Geschäfte gegenüber dem Internethandel und den großen Ketten fördern. Mit von der Partie sind auch drei Heidelberger Buchhandlungen.

„Sie müssen nicht in den Amazonas reisen, wenn es Bücher bei Ihnen um die Ecke gibt.“ – Eine Tafel mit diesem Werbeschriftzug des Diogenes Verlags steht vor der kleinen Bücherstube an der Tiefburg in Handschuhsheim.
Neben Hassbeckers Galerie & Buchhandlung und artes liberales ist sie eine von drei Heidelberger Buchhandlungen, die für den Deutschen Buchhandlungspreis nominiert sind.
Er wird in der kommenden Woche in Frankfurt durch Prof. Monika Grütters, die Staatsministerin für Kultur und Medien, vergeben.
108 Buchhandlungen in ganz Deutschland sind nominiert. Laut der offiziellen Seite des Preises sollen sie alle folgenden Kriterien erfüllen: Sie müssen ein kulturelles Veranstaltungsprogramm bieten, sich für die Lese- beziehungsweise Literaturförderung einsetzen, ein besonderes literarisches Sortiment vertreten und ein innovatives Geschäftsmodell haben. Dabei darf ihr durchschnittlicher Jahresumsatz der letzten drei Jahren eine Million Euro nicht überschritten haben. Der Preis ist in drei Kategorien von Gütesiegeln unterteilt, sodass alle 108 prämiert werden können.

Erlebnis Buchkauf - drei preisverdächtige Heidelberger Buchhandlungen

Eine freundliche Einladung zum Stöbern (© Bücherstube an der Tiefburg)

Die Bücherstube an der Tiefburg setzt sich vor allem für die Leseförderung bei Grundschulkindern ein und bietet ein äußerst vielfältiges Kulturprogramm. Dieses reicht von einer Kinderlesenacht über ein Gartencafé im Sommer bis hin zu Autorenlesungen und Literaturreisen auf den Spuren verschiedener Schriftsteller.
Seit 1982 gibt es die Bücherstube. Sie ist trotz des zweimaligen Umzuges schon seit langem ein fester Bestandteil des kulturellen Lebens in Handschuhsheim. Obwohl sie in 33 Jahren auch um 85 m² gewachsen ist, herrscht hier immer noch eine familiäre Atmosphäre. Im kleinen Hof neben der Buchhandlung befindet sich ein Garten, der teilweise mit Ranken überwachsen ist und mit Cafétischen und Strandkorb bei gutem Wetter dazu einlädt, eine Weile zu verweilen.

„Wir legen besonders großen Wert auf persönliche Beratung und eine enge persönliche Bindung zu unseren Kunden. Es ist wichtig die Kunden zu kennen“, erklärt Regina Kaiser-Götzmann, die Inhaberin der Buchhandlung. Sie findet es gut, dass durch den Preis gezeigt wird, was der Buchhandel leistet. Deshalb hat sie sich für die Bewerbung entschieden.

Die zweite Buchhandlung ist artes liberales am anmutigen Kornmarkt.
Auch sie ist von hier, nicht mehr wegzudenken. Nur aus einem einzigen kleinen Raum bestehend, ist das Sortiment nicht besonders groß, aber sorgfältig ausgewählt. Der

© artes liberales - Buchladen, Heidelberg 2015

Ein Ort zum Schmökern und Verweilen: Die Buchhandlung artes liberales (© artes liberales – Buchladen, Heidelberg 2015)

Schwerpunkt der Buchhandlung liegt auf der Philosophie, aber auch auf mit ihr verbundenen Gebieten wie Dichtung, Künsten und Wissenschaften. Es folgt demnach nicht den aktuellen Bestsellerlisten und Empfehlungen, sondern enthält auch Schriften, die mitunter über 2000 Jahre alt sind. Artes liberales bietet auch ein großes Kulturprogramm und zwar über die zugehörige Organisation artes liberales-universitas. Dazu gehören Kolloquien, Vorträge und Lesungen.
Sehr wichtig ist Clemens Bellut, Inhaber der Buchhandlung, eine einladende Atmosphäre. „Wenn jemand sich den ganzen Tag oder auch nur einige Stunden in den Liegestuhl setzt und ein Buch liest, ist das schon ein großer Gewinn für die Buchhandlung“, erklärt er. Willkommen sei auch immer das persönliche Gespräch. Tatsächlich steht in der Buchhandlung ein Liegestuhl, direkt am Fenster, das weit nach oben geschoben werden kann, sodass man den Eindruck hat, man sitze draußen. Drum herum reichen die Regale bis unter die Decke, doch die großen Fenster sorgen stets für viel Licht.

Hassbeckers Galerie & Buchhandlung in der Haspelgasse ist die dritte der nominierten Heidelberger Buchhandlungen. Inzwischen führt Barbara Schulz die Buchhandlung weiter, die ihr verstorbener Lebensgefährte Egon Hassbecker ursprünglich in Eberbach gegründet hatte.
Die Galerie und die Buchhandlung sind inzwischen untrennbar miteinander verbunden. Das Sortiment wird mit viel persönlichem Interesse ausgewählt und bietet eine große Bandbreite.
Zudem gehört zu der Galerie und der Buchhandlung auch das Museum im Haus Cajeth. Teil des Programms sind unter anderem Lesungen, Buchvorstellungen und natürlich die Ausstellungen des Museums. Sie zeigen Bilder naiver und primitiver Künstler, deren Bilder auch an den Wänden der Buchhandlung zu finden sind. Im ersten Zimmer sind die Wände frei von Regalen geblieben, um Platz für die Bilder zu bieten. Weiter hinten, im verwinkelteren Teil der Buchhandlung, sind die Regale so hoch wie die Räume selbst, das Ambiente erinnert an ein Antiquariat mit heimeliger Atmosphäre.

Wer sich also einmal wieder ein Buch kaufen möchte, sollte in jedem Fall einmal eine der Buchhandlungen ausprobieren. Und wer weiß – vielleicht hat er dann bald ein Buch aus einer der drei besten Buchhandlungen in Deutschland?

Vorschau: Am Freitag den 25. September lest Ihr Vanessas Filmkritik zu Fack ju Göhte 2.

Schreiben und Lesen

Wart ihr schon einmal auf einer Lesung? Einer solchen, auf der der Autor vorne auf einem gemütlichen Stuhl saß, aus seinem Buch vorlas und ihr auf euren Sitzen still zugehört habt, in Gedanken der Geschichte folgen? Vielleicht habt ihr auch schon auf der ein oder anderen Buchmesse gelauscht, habt mit Schule oder im Studium selbst etwas Derartiges besucht. Doch unterm Strich sind es immer weniger Leute, die auf eine Lesung gehen. Darum hieß es, als ich eine Lesung in der Stadtbücherei halten wollte, auch erst mal: Nur unter bestimmten Voraussetzungen.

Schreiben und Lesen

Tropfen der Seele - mein Gedichtband (Foto: Obermann)

Eine Lesung halten wollte ich schon 2009, als im März mein Gedichtband „Seelentropfen – 100 Gedichte“ erschienen war. Gedichte von meinen Anfängen mit der Lyrik, als ich zwölf war, bis zu meinen aktuellsten waren dabei, hübsch unterteilt. Und ich war mächtig stolz, mich nun Autorin nennen zu können. Gelesen habe ich auch. In Kindergärten und Altenheimen bis ich meine erste Lesung hatte – im Frühjahr 2010 – allerdings nicht in der Bücherei. Damals las ich in Schifferstadt im „Schreiwerhaisl“, das einem kleinen Verlag zugehörig ist und fast jedes Wochenende eine kleine Lesung organisiert.
Im Frühjahr 2010 allerdings, vor allem im frühen Frühjahr, vielleicht erinnert ihr euch noch, schneite es wie verrückt. Es schneite und fror und war unerbittlich kalt, sodass ich zwar gesund vorne auf dem gemütlichen Stuhl saß, 90 Prozent der angemeldeten Zuhörer aber mit Angina im Bett lag. Schöner Mist. Ich schreib weiter, veröffentlichte Geschichten und Gedichte in Sammlungen und wartete.

Als im Herbst 2011 mein Kinderbuch „In Mamas Bauch“ beim Noel-Verlag erschien, wagte ich einen zweiten Versuch in der Stadtbücherei. Und wieder: Nur unter bestimmten Voraussetzungen. Und nicht für „In Mamas Bauch“. Das Buch sei viel zu speziell. Gekauft haben sie es trotzdem. Aber statt einer Buchvorstellung sehe ich nun einem Autorenabend am Donnerstag entgegen. Ein Rundumblick sollte es sein, mit Gedichten und Geschichten, Auszügen und Ausblicken. Ich schrieb, wählte aus und drehte die Werbetrommel. Dutzende haben gesagt, sie wollen kommen, nur ihre Karten haben sie noch nicht gekauft. In mir reift die Unruhe, dass ihnen allen im letzten Moment etwas dazwischen kommt. So wie das immer ist. Dabei wird eben nicht nur gelesen.

Schreiben und Lesen

Multimedial - 'reine' Lesungen kommen nicht an (Foto: Obermann)

Die Voraussetzung für meine Lesung war nämlich, dass ich nicht einfach nur auf meinem gemütlichen Stuhl sitze. Das würde nicht gefallen, meinte die Leiterin der Bücherei. Also war ich kreativ, habe gemalt, photografiert, musiziert, alles Dinge, die mit der Schreiberei so gar nicht zu tun haben scheinen. Doch jedes Bild ist abgestimmt auf eine Geschichte oder ein Gedicht für meine Lesung, selbstgemachte Toneffekte sollen die Geschichten unterstützen. Bleibt nur noch zu hoffen, dass es auch wirkt.
Dabei ist es gar nicht so einfach, sich vor ein Publikum zu setzten und zu lesen. Am Abend, wenn ich meinem Sohn eine Geschichte vorlese, oder erzähle macht es immerhin nichts, wenn ich mal ein Wort übersehe, wenn ich ins Stocken komme, oder Husten muss. Denn ausgerechnet ein paar Tage vor dem großen Abend hat mich – wie könnte es anders sein – eine Erkältung heimgesucht. Der Weg ist steinig. Glücklicherweise kann ich die Huster in eine meiner Geschichten sogar einbauen.

Und dann werde ich da sitzen, vor Menschen, die mir zuhören wollen, die von mir in meine Geschichten und Gedichte geführt werden wollen. Ich werde gewogen, geprüft und im schlimmsten Fall für nicht gut genug befunden. Alle Wörter wären umsonst gesagt. Nur aufhören könnte ich trotzdem nicht. Kennt ihr das? Selbst, wenn jemand glaubt, ihr wärt nicht gut in einer Sache, wollt ihr weitermachen. Bestimmt habe ich noch einiges zu lernen, aber noch viel mehr zu schreiben. Ich schreibe im Zug, in Pausen, im Bett, am PC, für meine Homepage, meinen Blog und natürlich für Face2Face. So gesehen bin ich fast gelassen. Die Lesung wird kommen und ich darf meine Texte lesen. Niemand wird mich aufhalten, weiterzuschreiben. Und eine nächste Lesung gibt es bestimmt. Immerhin ist die nächste Veröffentlichung einer meiner Geschichten bereits feste Sache.

Vorschau: Nächste Woche berichte ich von Weihnachtsbäckern, Weichnachtsteigschleckern und Weihnachtsgebäckversteckern.