Eine zweite Chance für Brot und Brötchen

Rund 15% der etwa 82 kg Lebensmittel, die jeder Deutsche im Durchschnitt pro Jahr in die Tonne wirft, sind Backwaren. Das hat 2012 eine Studie der Universität Stuttgart, die vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz gefördert wurde, ergeben. Kein Wunder, denn Backwaren landen in der Regel nach acht oder neun Stunden in den Bäckereien im Müll und werden nur selten zu Tiernahrung verarbeitet. Und das obwohl sie noch genießbar sind. Seit April 2012 bekommen Backwaren vom Vortag im Laden „BrotPosten“ am Frauenlobplatz in Mainz dank Inhaber Abdelmajid Hamdaoui und seiner Frau eine zweite Chance. Wir haben mit ihm über seine Geschäftsidee gesprochen.

Eine zweite Chance für Brot und Brötchen

Gibt Backwaren vom Vortag eine zweite Chance: Abdelmajid Hamdaoui, Inhaber von „BrotPosten“ in Mainz (Foto: S. Holitzner)

Face2Face: Wie ist die Idee zur Gründung von BrotPosten entstanden?

Hamdaoui: Dieses Konzept habe ich 1988 in Heidelberg gesehen. Da war ein Bäcker, der hat jeden Morgen alle seine Retouren von fünf oder sechs Filialen in einer Filiale zwischen 6 und 9 Uhr morgens zum halben Preis oder für weniger verkauft. Ich bin studierter Wirtschaftsinformatiker. Irgendwann habe ich keine Lust mehr auf Büro- und Schreibtischarbeit gehabt und habe zu meiner Frau gesagt: Ich höre jetzt auf. Und sie: Was willst du machen? Ich: Eine Bäckerei, weil es so schön duftet. Mehr ist mir nicht eingefallen. Dann habe ich angefangen zu recherchieren. Es gab damals nur einen ähnlichen Laden in Deutschland, der war in Lehrte in Niedersachsen. Ich bin dorthin gefahren und habe mir das angeguckt. Und dann habe ich losgelegt.

Face2Face: Wieso heißt Ihr Geschäft „BrotPosten“?

Hamdaoui: Es ist ein „Brotrestposten“. „Restposten“ ist ein bisschen negativ aufgeladen, deshalb habe ich „Rest“ weggelassen und es blieb „BrotPosten, lecker und günstig“.

Face2Face: Wie kam es zu diesem Standort?

Hamdaoui: Ich wohne seit 2004 in Mainz. Als ich in Lehrte war, habe ich mich mit dem Inhaber und seiner Frau unterhalten und dann hieß es: Mindestens 20.000 Einwohner, die innerhalb von fünf bis zehn Minuten zu Fuß zu dir kommen könnten, Schulen und noch ein paar andere Geschäfte in der Nähe wären nicht schlecht. Manchmal meint es der Zufall sehr gut mit mir. Ich suchte also nach einem geeigneten Laden, als der Hausmeister gerade ein Zu Vermieten“-Schild an die Tür gehängt hat. Ich habe sofort angerufen.

Face2Face: Woher beziehen Sie die Backwaren?

Hamdaoui: Ich habe mehrere Bäckereien angefragt; einer hat mich ausgelacht und ein anderer sagte, dass er es sich überlegen will und seitdem habe ich ihn nicht mehr angesprochen. Die „Kaiser Biobäckerei“ hat dann sofort zugesagt, genauso wie die „Landbäckerei Mayer“, als sie gehört haben, dass „Kaiser“ mitmacht. Und seitdem funktioniert es einwandfrei. Sie verdienen kein Geld hier, aber sie wollen nicht, dass die Ware, die sie mit Liebe und der ganzen Professionalität gemacht haben, nach acht oder neun Stunden weggeworfen wird.

Face2Face: Das heißt die Bäckereien bekommen gar nichts dafür?

Hamdaoui: Es gibt eine Pauschale, die sie von mir bekommen. Ich bezahle sozusagen den Fahrer bzw. die Stunde, die er braucht, um mit den Backwaren hierher zu kommen.

Face2Face: Wird noch einmal eine Qualitätskontrolle von „BrotPosten“ durchgeführt, bevor die Backwaren in die Auslage kommen?

Hamdaoui: Jeden Morgen nehmen wir jedes Teil in die Hand. Was wir selbst nicht essen würden, kommt weg.

Face2Face: Wie viele Backwaren werden pro Tag in etwa geliefert?

Hamdaoui: Pro Tag 500 bis 600 Stück.

Face2Face: Wie viel wird am Tag ungefähr verkauft?

Hamdaoui: Zwischen 60 und 75% wird auch verkauft.

Eine zweite Chance für Brot und Brötchen

Immer noch genießbar: Brote vom Vortag bei „BrotPosten“ (Foto: S. Holitzner)

Face2Face: Was ist alles im Sortiment?

Hamdaoui: Alles, was ein Bäcker hat, außer belegte Brötchen. Eben alles, was übrig bleibt: Brötchen, alle Sorten Körnerbrötchen, alle Sorten Brot, Teilchen, Kirschkuchen. Was die Bäcker für die Saison backen, kommt auch alles hier rein.

Face2Face: Was kosten ein Brötchen und ein Brot durchschnittlich bei „BrotPosten“?

Hamdaoui: Ein Brot kostet zwischen 1 Euro und 1,50 Euro, je nachdem, wie groß es ist. Körnerbrötchen, Bagel, Brezeln und Croissants kosten 25 Cent. Weiße Brötchen, Kaiserbrötchen und Schrippen kosten 5 Cent und alle Teilchen und Baguettes kosten 60 Cent. Also kann sich hier jeder etwas leisten.

Face2Face: Wie viele Kunden kommen ungefähr pro Tag?

Hamdaoui: So im Durchschnitt 120 Kunden täglich. Samstags und freitags immer noch mehr. Unsere Kunden sind Ärzte, Anwälte, Apotheker, Abteilungsleiter, Rentner, Schüler und Studenten.

Face2Face: Und was wird am meisten von den Kunden gekauft?

Hamdaoui: Bei der Bioware von „Kaiser“ wird jeden Tag zugegriffen. Da bleibt kaum etwas übrig. Die Kunden mögen aber auch die Körnerbrötchen und die Süßteile von „Mayer“.

Face2Face: Was passiert mit den Backwaren, die nicht verkauft werden?

Hamdaoui: Jeden zweiten Tag, das heißt Dienstag, Donnerstag und Samstag, gibt es Foodsharing. Die Foodsharer holen sich dann ab, was übrig bleibt und das verteilen sie weiter. Und dann gibt es noch die Lebensmittelausgabe „Brotkorb“. Die verteilen einmal die Woche unter den Bedürftigen und nehmen auch einiges, was wir nicht ins Regal gestellt haben. Wir geben auch viel kostenlos ab, zum Beispiel, wenn Leute kommen, die ein paar Flüchtlinge mit Kindern kennen. Der „BrotPosten“ ist eben ein Geschäft, das nicht mit dem Verstand, sondern mit dem Herz geführt wird. Es ist schwierig in diesen Zeiten, aber es funktioniert. Und der Rest, der übrig bleibt, wird dann von vier oder fünf Bauern abwechselnd für die Tiere abgeholt.

Der „BrotPosten“ am Frauenlobplatz 1 in Mainz ist dienstags bis freitags von 10 bis 15 Uhr und samstags von 10 bis 14 Uhr geöffnet. Neben dem „BrotPosten“ betreibt Abdelmajid Hamdaoui auch noch einen Unverpackt-Laden in der Kurfürstenstraße 49 in Mainz. Hier ist Montag bis Freitag von 11 bis 19 Uhr und Samstag von 10 bis 14 Uhr geöffnet.

Neuster Trend in den Supermärkten: Plastikmäntelchen – jetzt auch für Fairtrade-Bananen

Die Welt droht im Müll zu ersticken. Wenn unsere „Wegwerfgesellschaft“ so weiterlebt, wird die Menge an Plastikmüll bis 2050 auf zwölf Milliarden Tonnen steigen. Zwar sind Plastiktüten in den Supermärkten nun kostenpflichtig und werden dadurch seltener genutzt, doch den Großteil des Plastikmülls machen die Lebensmittelverpackungen aus. Nicht jeder Müll wird am Ende recycelt, verbrannt oder landet auf einer Mülldeponie. Ein Großteil liegt oder schwimmt irgendwo in der Umwelt. Die Folgen sind fatal: qualvoll verendende Meerestiere, die sich in Netzten verfangen und ertrinken oder das Plastik als Nahrung aufnehmen. Dieses Plastik endet dann letztendlich wieder auf unseren Tellern.

Kaum Produkte ohne Lebensmittelverpackungen

Neuster Trend in den Supermärkten: Plastikmäntelchen – jetzt auch für Fairtrade-Bananen

Doppel und dreifach verpackte Lebensmittel (Foto: M. Boudot)

Beim Einkaufen im Supermarkt findet man kaum noch Produkte, die nicht in Plastik umhüllt sind. Und wenn doch, wird einem dazu die entsprechende Plastiktüte für den Transport angeboten. Lebensmittel werden immer aufwendiger verpackt. Die Plastikhüllen sollen die Lebensmittel schützen und sind zeitgleich sehr hygienisch. Kekse, Teebeutel und Schokolade sind häufig doppelt und dreifach eingepackt. Vor allem auch Obst und Gemüse werden vorverpackt angeboten. Eingeschweißte Gurken, portionierte Äpfel oder Beeren umhüllt von Plastik. Auch Wurst und Käse verursachen durch ihre Verpackungen viel Müll. Früher wurden sie am Stück gekauft, heute findet man Wurst und Käse in wenigen portionierten Scheiben, wodurch das Verpackungsaufkommen etwa verdreifacht wird. Das liegt daran, dass die Haushalte kleiner und auch älter werden. Heutzutage bestehen Haushalte aus ein bis zwei Personen, die wie zum Beispiel Senioren weniger Nahrungsmittel benötigen.

Fairtrade trotz Plastikverpackung

Aber Fairtrade-Bananen in Plastik? Wie passt das zusammen? Claudia Brück vom Verein zur Förderung des Fairen Handels in der Einen Welt (TransFair) erklärt warum das so ist:
Als unabhängige Initiative handelt TransFair nicht selbst mit Waren, sondern vergibt das Fairtrade-Siegel für fair gehandelte Produkte auf der Grundlage von Lizenzverträgen. Auf die Verpackungsgestaltung kann TransFair grundsätzlich nur in Bezug auf die Verwendung des Fairtrade-Siegels Einfluss nehmen.
„Wir erhielten die Rückmeldung aus dem Lebensmitteleinzelhandel, dass die Plastik-Umverpackung für die Bananen notwendig sei“, erzählt Brück. Anscheinend hatten einige Kunden Fairtrade-gekennzeichnete Bananen als „konventionelle“ Bananen abgewogen und an der Kasse vorgelegt und somit entsprechend weniger bezahlt. Allerdings arbeitet TransFair, gemeinsam mit den Importeuren, schon seit einiger Zeit an genau diesem Thema. „Bisher gibt es jedoch noch kein belastbares Bio-Material, das die hohe Feuchtigkeit – denn Bananen schwitzen – und die großen Temperaturunterschiede von 10 – 36°C während der zwei bis drei Wochen langen Reise aus Lateinamerika bis in die deutschen Supermärkte übersteht“, sagt Brück. Immerhin nutzen immer mehr Supermärkte eine Klebebandrolle, um die Bananen einzuwickeln und das produziert deutlich weniger Abfall.

Tipps zur Müllvermeidung

Um in Zukunft Mensch, Tier und Umwelt zu schützen, können im Alltag schon kleine Veränderungen hilfreich sein:

  • Statt von weit hergekommene Lebensmittel zu kaufen, auf lokale und regionale Lebensmittel zurückgreifen, zum Beispiel durch einen Einkauf auf dem Wochenmarkt.
  • Keine Plastik-, sondern Glasflaschen kaufen. Oder sogar noch besser: Leitungswasser trinken. Das ist qualitativ nicht nur genauso gut wie Wasser aus der Flasche – man spart auch bares Geld: 1.000 Liter Leitungswasser kosten gerade mal sechs Euro.
  • Etwas Neues ausprobieren, eine Zero Waste-Woche einlegen, so wie unsere Autorin Tatjana oder mal in einem Unverpacktladen einkaufen gehen.
  • Im Supermarkt bevorzugt lose und Frischware kaufen, statt doppelt und dreifach verpackte Produkte.

 

Hardgainer – So nimmst du zu!

„Ich kann essen was und so viel ich will – und nehme einfach nicht zu!“ – Diese Aussage kennen Bodybuilder, die zu dem Typ Hardgainer gehören, nur zu gut. Denn auch wenn sie täglich mehrmals große Mahlzeiten zu sich nehmen, wertet ihr Stoffwechsel die aufgenommene Nahrung schlecht aus. Die Folgen sind: Sie nehmen schwer an Gewicht und Muskelmasse zu. Worauf sollte der Hardgainer also bei der Auswahl seiner Ernährung achten?

In erster Linie ist es wichtig zu wissen, wie viel Energie pro Tag gebraucht wird. Die Energiebilanz des Sportlers muss also berechnet werden und setzt sich aus zwei Kriterien zusammen:

Hardgainer: Es ist wichtig, sich über den Typ seines Körpers zu informieren (Foto: Privat)

Hardgainer: Es ist wichtig, sich über den Typ seines Körpers zu informieren (Foto: Privat)

Der Grundsatz (GU) kalkuliert wie viel Kalorien der Mensch benötigt, damit seine Körperfunktionen „weiter machen“ können und nicht versagen. Dazu gibt es folgende einfache Formel:

Körpergewicht in Kilogramm x 24 Stunden x 1 Kalorie

Wie viel Kalorien nun tatsächlich durch Sport und Arbeit verbraucht werden, gibt der Leistungsumsatz (LU) an. Dabei unterscheidet man in leichte (ca. 350 kcal/Tag), mittelschwere (ca. 750 kcal/Tag) und schwere Tätigkeit (ca. 1250 kcal/Tag).
Mit der folgenden Rechnung kann man so seinen individuellen Kalorienbedarf berechnen:

GU + LU = Totalumsatz (TU)

Wichtig: Hardgainer sollten 500 kcal zum eben errechneten Totalumsatz addieren, um dauerhafte Gewichtszunahme zu verspüren.

Jedoch sind viele Sportler der Meinung, dass sie sich die 500 kcal überwiegend aus fett- und zuckerhaltige Lebensmittel holen müssen, um zuzunehmen. Diese Denkweise ist falsch, denn diese Lebensmittel führen zwar langfristig zum erhöhten Fettgehalt im Körper, allerdings nicht zu kraftvolle Muskeln und Wohlbefinden. Neben der Fülle an Kalorien sollte deshalb auch auf die Nährstoffdichte der Nahrung geachtet werden.

Was sind also die besten Lebensmittel für diejenigen, die sich bei der Gewichtszunahme schwer tun?

Diese sind eindeutig Rindfleisch, Eier, Geflügel, Vollkornbrot, Vollkornreis, Vollkornnudeln, Obst, Gemüse, kaltgepresste Pflanzenöle, Butter, Nüsse und so weiter. Denn sie bereichern den Körper mit wichtigen Proteinen, gesunden Fetten und nützlichen Kohlenhydraten. Auf Alkohol, Soft Drinks und Fast Food sollte, so gut es geht, verzichtet werden – da sie kaum lebensnotwendige Vitamine liefern und der Gesundheit eher Schaden zufügen statt nutzen.

Und wer sich lieber auf der sicheren Seite bewegen möchte, kann sich auch mit einem qualifizierten Ernährungsexperte beraten und seinen individuellen Ernährungsplan erstellen lassen.

Es ist also kein Nachteil ein Hardgainer zu sein. Der Bodybuilder sollte nur seinen Körper besser kennen und verstehen, um zu wissen was es braucht. Wenn er darauf aufbauend die oben genannten Punkte bei seiner Ernährung beachtet, viel trinkt, intensiv trainiert und sich ausreichend erholt, dann steht seinem Erfolg kraftvolle Muskelmasse aufzubauen nichts mehr im Wege.

Das ist ja so süß – Alltagsdroge Zucker

„Sweets for my sweet“ heißt es in einem Lied älteren Datums von The Drifters, dessen Erfolg sich nicht nur in unzähligen Adaptionen zeigt, sondern auch darin, dass es ein wahrer Ohrwurm ist. Süß, süßer, am süßesten. Wir lieben alles, was mit Zucker veredelt wurde und das Adjektiv selbst ist im Alltagsgebrauch schon ein Synonym für niedlich geworden. Dabei sollten wir es besser wissen, denn unsere Abhängigkeit von der Süße des Lebens kann ganz schön gefährlich werden.

Das ist ja so süß - Alltagsdroge Zucker

Auswegslos? Zucker begleitet uns von Kindesbeinen an (©Simone Hainz / pixelio.de)

Und wirklich, wir sind abhängig, auf süß geprägt, von Natur aus, sozusagen. Schon die Muttermilch schmeckt uns gut, weil sie süß ist, ähnlich wie etwas wässrige Milch mit Honig. Doch wo die Muttermilch auch mal scharfe oder bittere Geschmacksknospen ansprechen kann, je nachdem, was Mama so isst, bleibt industrielle Babymilch immer gleich süß und darum auch lecker. Und weil schon Babys von Süßem nicht nur mehr Trinken, sondern auch wegen der Kohlehydrate satter werden und besser schlafen, ist oft auch schon der erste Getreidebrei gesüßt. Kindergries beispielsweise enthält schon genug Zucker, sodass beim Griesbreikochen eigentlich keiner mehr dazugegeben werden muss. Und auch viele Tees oder Fruchtgetränke für Kinder sind gesüßt.

Kaum Ausweg also in Sicht, oder? Glücklicherweise gibt es auch immer die ungesüßten Alternativen, die zu 100 Prozent aus Frucht bestehen, keine Zuckerzusätze haben und auch frei von Süßungsmittel sind. Die muss der Verbraucher nur erst mal finden und erkennen. Bei Getränken kann das noch einfach sein, denn wo nur Saft draufsteht, darf auch nur Saft drinnen sein. Anders beispielsweise bei Fruchtsaftgetränken. Und dank viel Chemie können auch unsere liebsten Zuckergetränke wie Cola in Zero-Form getrunken werden. Der süße Geschmack ohne Zucker, ein Trick gegen den Körper, und dass das wirklich gesünder ist, als die originale klebrige Brühe, wage ich zu bezweifeln.

Doch Zucker hat nicht nur längst den Babymarkt und die Getränkeabteilung überrollt. Wir finden ihn in fast allen Bereichen unseres Lebens. Im Müsli, im Brot, in Fertiggerichten, in Joghurt, in Wurstwaren, in Käse, die Liste ist endlos. Noch dazu kommt, dass Zucker ja nur die Spitze des Eisberges ist. Zucker ist ein Kohlehydrat, anders gesagt, jedes Kohlehydrat lässt sich zu Zuckerringen, Polysacchariden, zerlegen. Darum schmeckt auch das sauerste Roggenbrot nach langem Kauen süß und aus weichgekochten Kartoffeln lässt sich ohne Mühe eine leckere Nachspeise kreieren.

Das ist ja so süß - Alltagsdroge Zucker

Industriell oder versteckt – Zucker findet sich auch in natürliche Lebensmitteln wie Früchten (© Andrea Damm / pixelio.de)

In seiner Stellung als König der Kohlehydrate liegt auch die Macht des Zuckers. Denn Kohlehydrate sind neben Fett und Eiweiß Grundnährstoff unseres Lebens. Nur haben Fett und Eiweiß gewohnheitsgemäß pur eher wenig Geschmack. Der Zucker zeigt uns also, wo es lang geht, wo wir satt werden, wo wir im kalten Winter und trockenem Sommer genug Nährstoffe bekommen. Gut, wir sind nicht mehr in der Steinzeit, nur unser Körper braucht eben ein bisschen länger, um das zu verstehen. Und weil Lebensmittelkonzerne das schon lange herausgefunden haben, locken sie uns mit der natürlichsten aller Drogen, dem Zucker.

Dass zu viel Zucker aber auch gefährlich werden kann, wissen wir schon lange. Nicht nur die Zahnärzte sehen eine Gefahr in dem süßen Stoff. Zucker macht nicht nur abhängig, er macht hungrig, weil wir immer mehr Zucker wollen, und damit erhöht sich die Gefahr, dass wir unseren Körper mit Übergewicht belasten. Außerdem steigt das Risiko an Diabetes zu erkranken, genauso wie an Herzkrankheiten und anderen Leiden. Zucker, so süß er auch ist, hat es faustdick hinter den Ohren.

Gibt es denn aber überhaupt einen Ausweg aus der Zuckerabhängigkeit? Ja und nein. Wir können ohne Kohlehydrate, also auch ohne Zucker, einfach nicht überleben, aber wir können sie reduzieren. Nicht nur, indem wir unseren Körper mit künstlichen Süßungsmitteln hinters Licht führen, denn allzu viel bringt das leider nicht – wir wollen immer noch mehr Zucker. Nein, da heißt es einfach mal besser auf die Verpackung unseres Essens schauen, Zuckerzusätze vermeiden, den Kaffee schwarz lassen, den Tee pur, Schokolade gegen Obst tauschen, eigentlich das, was wir ohnehin wissen. Das Gute dabei: Je früher wir anfangen, desto leichter wird es. Ein Kind, das mit Obst, statt mit Süßigkeiten aufwächst, sucht den Zuckerflash gar nicht so. Jemand, der auf gesüßte Getränke verzichtet, wird beim Probieren erst mal angeekelt das Gesicht verziehen. „Ihh, ist das süß“. Und wer sich guten Gewissens ernährt, darf eben auch hin und wieder guten Gewissens naschen.

Vorschau: Nächste Woche lest ihr hier was Sascha uns über Hierarchien zu sagen hat.

Slow Food – eine Organisation schützt den Genuss

Slow Food, bekannt auch durch ihr Markenzeichen, die Schnecke. Sie steht, wie der Titel bereits erkennen lässt, für den langsamen Genuss, gleichzeitig aber auch für bewusstes und regionales Essen. Also nix da mit Fast Food & Co., das die meisten Menschen achtlos in sich hinein stopfen. Slow Food ist das Gegenstück davon und setzt sich für den Erhalt der regionalen Küche, deren Produkte und somit auch der regionalen Herstellung ein.

Slow Food – eine Organisation schützt den Genuss

Mehr Slow Food geht fast nicht: eine alte Dame verkauft traditionell hergestellten Käse auf dem Markt in Split (Foto: Lukenda)

Seit einiger Zeit kann man auch beobachten, und das finde ich sehr interessant, dass die Menschen auch wieder zu diesen Werten zurückkehren und sich dies auch etwas kosten lassen. Natürlich kann man auch bei diesem Thema nicht jeden überzeugen. Wer also in seiner Heimatstadt samstags auf den Wochenmarkt geht, kann relativ sicher sein, dass die Produkte, die er/sie dort kauft, regional produziert werden und trägt zu dieser Einstellung etwas bei. Zudem machen Markteinkäufe, zumindest im Sommer, auch viel mehr Spaß als ein Besuch im Supermarkt.

Die Slow Food-Bewegung stammt ursprünglich aus Italien, hat sich nun jedoch in der ganzen Welt verbreitet. Der Slow Food-Gründer, Carlo Petrini, definierte die folgenden drei Grundbegriffe als Maßstab der neuen Gastronomie: Gut, sauber und gerecht. Wenn ein Lokal diese drei Bedingungen nicht erfülle, sei das laut Petrini nicht Slow Food. Nun können wir einmal überlegen, ob diese drei Begriffe auf unsere Lieblingslokale zutreffen. Na, was habt ihr herausgefunden? Dazu sei gesagt, dass man einen leckeren Burger auch nach Slow Food-Maßstäben produzieren kann. Wie wäre es denn die Tage mal mit selbst gemachten Burgern? Schmeckt super, geht einfach!

In Stuttgart findet jährlich im Frühjahr die deutsche Slow-Food-Messe, der „Markt des guten Geschmacks“, statt. Hier finden sich über 400 Aussteller vieler Regionen ein, die Interessierten ihre traditionell hergestellten Produkte anbieten. Es wird probiert, genossen und natürlich auch eingekauft. Der Großteil der Aussteller sind Erzeuger und Lebensmittelhandwerker, die den Kunden persönlich über ihre von eigener Hand und regional hergestellten Produkte, informieren.

Die Produkte, welche nach den Kriterien von Slow Food hergestellt werden, sind keine standardisierten Lebensmittel aus industrieller Massenfertigung. Lohnt es sich da nicht ein paar Cent mehr auszugeben? Ich finde schon, es wird damit ja auch etwas für Produkte und Arbeitsplätze aus der eigenen Region getan. Lohnt es sich nicht diese zu erhalten? Und nein, ich gebe auch kein Vermögen für meinen Einkauf aus. Ich bin aber gerne bereit auch mal ein paar Cent mehr auszugeben für ein einfach gutes und leckeres Essen. Klasse statt Masse wird sich in Zukunft wieder mehr durchsetzen, da bin ich mir sicher. Wir essen dadurch viel bewusster und schätzen somit auch mehr, was wir da auf dem Teller haben.

Bei Produkten, die nach den Qualitätskriterien von Slow Food hergestellt werden, wird nach einer Herstellung nach traditionellen, handwerklichen Methoden verlangt. Das Weglassen fast aller Zusatzstoffe, auf die viele Menschen heutzutage auch mit Unverträglichkeiten oder Allergien reagieren, ist ebenfalls ein Bestandteil dieser Devise. Genauso wie die nachhaltige Schonung der Umwelt. Das ist natürlich keine leichte Aufgabe, aber wie die Slow Food-Bewegung beweist, durchaus machbar – mit viel Liebe zu den Produkten, der Region und den Menschen, die dort leben.

Vorschau: Nächste Woche erzählt Eva uns etwas über die Seite „Blogg dein Buch“ und was genau es damit auf sich hat.

 

Wenn Obst krank macht

Wenn Obst krank macht

Verlockendes Angebot: das gilt leider nicht so sehr für Menschen mit Fructose-Intoleranz (Foto: Koepke)

Überall wird uns heute vorgehalten, wie wir uns gesund ernähren. Viel Obst und Gemüse spielen dabei eine sehr wichtige Rolle. Wer viel davon isst, der ernährt sich gut und gesund. Das habe ich bislang auch stets so gehalten, denn ohne Obst geht es bei mir einfach nicht, vor allem im Sommer. Was gibt es Besseres als frisch gepflückte Kirschen vom Baum meiner Eltern, am liebsten gleiche eine ganze Schüssel voll, oder einem leckeren Obstsalat bei strahlendem Sonnenschein?

Bis ich dann im April die Diagnose Fructose-Intoleranz beziehungsweise Fructose-Malabsorption bekommen habe. Der Ursprung jahrelanger Probleme und Beschwerden, die weder ich noch irgendein Arzt richtig zuordnen konnte. Wie auch? Die Beschwerden sind so zahlreich und ließen sich fast jeder beliebigen anderen Krankheit problemlos zuordnen. Auf eine Unverträglichkeit – egal welcher Art – kommt der Arzt meist erst nach einem sogenannten Wasserstoff-Atemtest.

Bei diesem trinkt man zu Beginn 250 Milliliter Wasser oder, wie bei mir, Pfefferminztee, dem 50 Gramm Fruchtzucker beigemengt wurden – das war schon abartig süß. Danach sollte ich drei Stunden lang alle 30 Minuten 70 Sekunden lang in ein Gerät pusten und mir auftretende Beschwerden notieren. Anhand des Wertes – der bei mir jedem Gipfelstürmer Konkurrenz gemacht hätte – und der Beschwerden, die leider recht früh eingetreten sind, wusste der Arzt dann, ob eine Unverträglichkeit besteht oder nicht, und wie ausgeprägt diese ist. Beim Laktose-Test ist überhaupt nichts passiert. Den Fructose-Test „durfte“ ich dafür sogar schon vorzeitig beenden und musste dann erst einmal auf ein Örtchen rennen. Ab 12 Stunden vor solch einem Test darf man nichts mehr essen und nur noch stilles Wasser trinken, auch die Zähne müssen ungeputzt bleiben.

Heute weiß ich, es spielt sich bei einer Fructose-Malabsorption Folgendes ab:  Fruchtzucker, der zum Beispiel in Obst oder Honig vorkommt, wird im Dünndarm nicht richtig oder vollständig aufgenommen. Deshalb gelangt er in größeren Mengen in den Dickdarm und da entsteht das ganze Dilemma. All die dubiosen Bauchschmerzen, Magenkrämpfe, die Übelkeit, der aufgeblähte Bauch, das Völlegefühl, Aufstoßen, aber auch weitere sehr unangenehme Beschwerden wie Blähungen oder Durchfall und Erbrechen. Das unterscheidet sich bei jedem Betroffenen. Der eine hat „nur“ Bauchschmerzen, der andere das volle Programm. So wie meine Wenigkeit.

Wenn Obst krank macht

Knackige Äpfel: sehen lecker aus, sorgen aber für zahlreiche unangenehme Beschwerden (Foto: Ralf Meilen / pixelio.de)

So unterschiedlich wie die Beschwerden, ist aber auch der Grad der Unverträglichkeit – deswegen wird euch jeder Internet-Ratgeber –  und auch die Ernährungsberaterin raten, eine Diätphase von 2-3 Wochen einzuhalten – die sogenannte „Karenzphase“ –, in der auf jeglichen Fruchtzucker verzichtet werden muss. Danach kann ich wieder anfangen, mit kleineren Mengen Obst zu experimentieren. Mit Fruchtzucker-Verzicht ist aber nicht einfach „nur“ Obst gemeint. Fruchtzucker findet sich in handelsüblichem Zucker, aber auch in allen Säften, Marmeladen, Gelees, Obstkonserven, Trockenfrüchten, Erfrischungsgetränken, Back- und Süßwaren, Eis, Alkohol, Müslimischungen, Fruchtjoghurts und vielem anderem.  Auch in manchen Gemüsesorten, zwar meist als geringer Anteil, aber auch der kann bei einigen Menschen schon Beschwerden auslösen.

Was ich immer noch verwirrend finde, sind die vielen Tabellen zu verträglichen und eher schlecht verträglichen Lebensmitteln, denn auch da gibt es einige Ausnahmefälle. Nehmen wir beispielsweise die Tomate, die in der Regel gut verträglich sein „sollte“. Das ist sie in der Praxis aber bei den wenigsten. Warum, kann mir kein Mensch sagen. Auch nicht die Ernährungsberaterin, bei der ich war. Auch ich habe schon gemerkt, dass Tomaten für mich eher „böse“ sind. Schade. Dann gibt es keinen Tomaten-Mozzarella Salat mehr. Jedenfalls vorerst.

Was ich schon des Öfteren gehört und auch in diversen Kolumnen gelesen habe ist, dass es regelrecht „in“ zu sein scheint, irgendetwas nicht zu vertragen. Es mag sicher Menschen geben, die sich damit besonders machen wollen. Eine Lebensmittelunverträglichkeit ist aber kein Spaß und Menschen, die eine haben, geht es damit oftmals schlecht. Verrückt machen lassen darf man sich damit dennoch nicht, auch, wenn ich schon oft kurz davor war. Vor allem, wenn der Ernährungsberater das eine, diverse Bücher das andere und der Hausarzt wiederrum etwas drittes sagt. Also am besten auf den eigenen Bauch hören, der meldet sich sofort, wenn ihm etwas nicht passt.

Ich rate euch daher bei Beschwerden nicht zu lange mit einem Test zu warten. Es wird euch sehr viel besser gehen mit der Gewissheit, was ihr habt oder auch nicht habt. Auch, wenn ihr erst einmal auf Einiges verzichten müsst. Aber wenn es mir dadurch besser geht, dann ist es mir das wert. Und es heißt ja auch nicht, dass ich nicht mal sündigen darf. Ich werde trotz der Intoleranz immer das Backliesl bleiben, auch wenn ich nicht mehr mit normalem Zucker backen kann, sondern stattdessen Traubenzucker nehmen muss.

Vorschau: Nächste Woche stellen wir euch unsere neue Literaturrubrik vor und erzählen euch, was euch in Zukunft dort so alles erwarten wird.