Der Mann mit dem Mantel

Der Mann mit dem Mantel

Der Mann mit dem Mantel: die Geschichte der Nächstenliebe (© Dieter Schütz / pixelio.de)

Der November naht und mit ihm das Fest der Nächstenliebe. Nein, ich habe mich nicht vertan und Weihnachten nach vorne datiert. Zwischen dem amerikanischen Geisterfest, Allerheiligen und der Adventszeit liegt ein Festtag, den manche von uns schon wieder vergessen haben, obwohl fast jeder ihn eigentlich kennt. Vielleicht, weil er kein Feiertag ist. Ich spreche vom 11.11, an dem nicht nur die sogenannte fünfte Jahreszeit beginnt, sondern Tausende jährlich eines Mannes gedenken, der Nächstenliebe vorgelebt hat. Dem Mann mit dem Mantel, dem Reiter und Soldat. Der Martinstag ist dennoch vielen aus dem Gedächtnis verschwunden, sofern sie Kindergarten und Grundschule hinter sich gelassen haben und keine Kinder haben, die in dem betreffenden Alter sind.

Der Mann mit dem Mantel

Laterne, Laterne – der heilige Martin steht für mehr als Lichterfeste (© S. Hofschlaeger / pixelio.de)

Dabei wird mit dem Lichterfest, den Laternenumzügen, zu denen die Kinder „Laterne, Laterne“ singen und immer wieder der gleichen Geschichte zusehen, eigentlich die Todesfeier des heiligen Martin nachgeahmt, zu der es eine Lichterprozession gab. Und selbst die Kinder kennen meist nur die berühmteste Geschichte vom Mann im roten Mantel. Die ist aber, um alle Zweifel aus der Welt zu schaffen, tatsächlich mehr mit Nächstenliebe erfüllt, als die Geschichte von Jesu Geburt. Dem verzweifelten Paar, dem einfachen Mann und der hochschwangeren Frau wurde, so die Überlieferung stimmt, immerhin jede Tür vor der Nase zugeschlagen, sodass sie zuletzt in einem Stall unterkriechen mussten. Wenig Nächstenliebe, wenn ihr mich fragt. Martin aber, so sagt es die bekannte Überlieferung, hat im eisigen Winter seinen Mantel mit einem Bettler geteilt und den so vorm Erfrieren gerettet.

Gut, das allein ist wohl noch kein Grund für ein jährliches Gedenken, aber zeugt von der Nächstenliebe des einfachen Soldaten, denn das war Martin schon früh. Und obgleich er sich auch früh zum Christentum bekannte und die Armee verlassen wollte, konnte er das erst, als seine Dienstzeit beendet war. Danach wurde der religiöse Mann Bischof von Tours, gründete Pfarreien, versuchte dabei aber stets asketisch zu leben und seine Position nicht auszunutzen, wie es manch anderer tat. Als Nothelfer war er bekannt und Wundertäter, selbst als Totenerwecker soll er sich gezeigt haben. Nachdem er dem Bettler die Mantelhälfte gegeben hatte, soll Christus ihm erschienen sein mit den schönen Worten: „Was ihr an einem der Geringsten getagt habt, das habt ihr an mir getan“. Und ist dieser Spruch allein nicht Grund genug, mal darüber nachzudenken, etwas Uneigennütziges zu tun, etwas voll von Nächstenliebe?

Der Mann mit dem Mantel

Arme Gans: gebraten aus Rache (© Harry Hautumm / pixelio.de)

Der andere Brauch aber, den einige am Martinstag begehen, klingt schon sehr nach Rache. Die Martinsgans wird deswegen im Ofen gebraten und serviert, weil Martin eigentlich kein Bischof sein wollte. Er hatte sich vor seinen Anhänger nirgendwo anders versteckt als in einem Gänsestall und die schnatternde Schar verriet ihn schließlich. Grund genug für einen Schmaus? Eigentlich den Gänsen gegenüber ziemlich unfair, die wenig für ihre Artgenossen und angeborene Schnatterhaftigkeit können. Noch dazu wäre Martin sonst kaum Martin von Tours geworden.

Diese Figur, die wir im Kindergarten kennengelernt und danach meist einfach wieder vergessen haben, hat es auf jeden Fall verdient, dass wir etwas mehr mit ihr in Verbindung bringen, als selbstgebastelte Laternen, einen halben Mantel und gebratene Gänse. Martin lebte Nächstenliebe vor, statt sie nur zu predigen. Und heute sollte sein Andenken mehr sein, als das des ominösen Manns mit dem Mantel. Wenigstens einmal im Jahr, am 11.11., am Fest der Nächstenliebe.

Vorschau: Nächste Woche schreibt Sascha für euch über den Mond und seinen Einfluss auf unser tägliches Leben.

Die Laterne des Aristoteles – Anatomie in der Antike

Die Laterne des Aristoteles – Anatomie in der Antike

Stachelig: Ein Seeigel in freier Natur (Foto: Tino / pixelio.de)

Einer der bekanntesten Philosophen der Geschichte war Aristoteles. Doch auch viele Wissenschaften hat der antike Grieche revolutioniert oder erst ins Leben gerufen. In der Biologie hat er grundlegende Arbeit geleistet indem er viele Lebewesen beschrieben und klassifiziert hat. Durch die Sezierungen vieler Tiere hat er so eine erste biologische Taxonomie, also ein Klassifikationsschema der Biologie, vorgenommen. Noch heute ist die Laterne des Aristoteles, welche man bei dem Seeigel findet, nach ihm benannt.

Der Seeigel, die Seegurke und der Seestern sind drei Tierklassen der Echinodermata, auch Stachelhäuter genannt. Diese sind wiederrum neben den Wirbeltieren die wichtigsten Vertreter der Deuterostomia, der Neumünder. Eines der auffälligsten Merkmale der Stachelhäuter ist die Pentamerie (zu deutsch: Fünfstrahligkeit): In ihrer erwachsenen Form, nicht aber in der Larvenform, hat ihr Körper fünf Symmetrieachsen. Die Seesterne haben fünf Arme, manchmal aber auch eine Vervielfachung von fünf. Der Mund der meisten Stachelhäuter befindet sich auf der zum Boden gewandten Seite, der After auf der vom Boden Abgewandten. In vielen Ländern stellen sie eine Delikatesse dar.

Die Laterne des Aristoteles – Anatomie in der Antike

Blick auf die Mundwerkzeuge: Ein Seeigel hinter der Scheibe (Foto: Cornerstone / pixelio.de)

Auf dem Kalkskelett der wirbellosen Tiere befinden sich die namensgebenden Stacheln. Diese können in vielen Formen ausgeprägt sein. So sind beim Seestern diese hohlen gelenkigen Formen nur schwach ausgebildet, manche umgebildet und besetzt mit Sinnesorganen, um Licht wahrzunehmen. Der Seeigel hat dagegen stark ausgeprägte Stacheln, die ihm zur Verteidigung nutzen. Manche Arten können sogar beim Stechen ein Gift abgeben.

Die Laterne des Aristoteles – Anatomie in der Antike

Eigenhändig seziert: Die Laterne des Aristoteles (Foto: Föhr)

Als Laterne des Aristoteles bezeichnet man den Kieferapparat des Seeigels. Ebenfalls mit fünf symmetrischen Teilen befindet er sich am Mund versteckt im Kalkskelett des Tieres. Aristoteles beschreibt ihn folgendermaßen: „Tatsächlich ist der Kauapparat des Seeigels von einem zum anderen Ende mit dem Körper verbunden, aber das äußere Erscheinungsbild ist nicht so, sondern sieht aus wie eine Laterne mit herumgelagerter Haut.“ Mithilfe der fünf Zähne und der Muskulatur, die an den Kiefer ansetzt, kann der Seeigel seine Nahrung zerkleinern. Manche Arten können sich sogar damit in das Gestein fressen. Insgesamt sind 40 Skelettteile nötig um dieses komplizierte Konstrukt zu bilden.

Jeder, der beim Baden im Urlaub schon mal in einen Seeigel getreten ist, weiß wie schmerzhaft es sein kann einen Stachel wieder zu entfernen. Oft führt dies auch zu Entzündungen. Doch man darf diesen Tieren nicht böse sein: Sie leben nun einmal ebenfalls in diesem flachen Wasser und wollen sich nur verteidigen.

Vorschau: Nächste Woche erklärt uns Ines wie Panda-Kot als Kraftstoff verwendet wird.