Vegetarisch, vegan oder doch „normal“ – Ernährung in der Schwangerschaft

Ein gesundes Kind – Eltern wünschen sich nichts sehnlicher. Aber kann man bei der Ernährung in der Schwangerschaft etwas falsch machen und gibt es vielleicht den einen, richtigen Weg? Das können wir euch leider nicht beantworten – was wir aber können, ist Frauen mit unterschiedlichsten Ernährungsgewohnheiten und -einschränkungen zu ihrer Schwangerschaft zu befragen. Also los!

Kein Salat im Restaurant

Vor zehn Monaten brachte Sophia Hegemann aus Speyer eine gesunde Tochter zur Welt. „Ich habe mich „normal“ ernährt“, sagt die 23-jährige. Am Anfang ihrer Schwangerschaft habe sie sehr darauf geachtet, täglich Obst und Gemüse zu essen. „Gegen Ende der Schwangerschaft gab es aber dann oft auch mal Fast Food, weil die Kilos da dann eh schon drauf waren“, gesteht Sophia. In der Schwangerschaft nahm sie insgesamt 18 Kilo zu. Bei ihren Gelüsten nach Schokolade, Chips und Obst habe sie sich nicht zurückgehalten – „ich bin der Meinung, dass es erlaubt ist, solange es in Maßen ist.“ Um sich und ihr Ungeborenes trotzdem mit allen wichtigen Nährstoffen und Vitaminen zu versorgen, habe sie seit Beginn ihrer Schwangerschaft täglich ein Schwangerschaftsvitaminpräparat eingenommen. Auf rohes Fleisch, rohe Eier verzichtete die junge Mutter komplett. Bei Obst und Gemüse sei sie sogar extrem gewesen: „Ich habe alles immer gut abgewaschen. Im Restaurant habe ich keine Salate gegessen, weil ich nicht wusste, wie sie gewaschen sind.“ Von ihrem Arzt fühlte sie sich in dieser Zeit gut beraten. Er habe ihr empfohlen auf einige Lebensmittel zu verzichten, aber betont, dass die Entscheidung, ob sie seiner Empfehlung folgen wolle, bei ihr liege. „Ansonsten habe ich auch viel gegoogelt, was nicht immer von Vorteil ist, weil man laut Internet eigentlich gar nichts mehr essen dürfte“, sagt Sophia. Durch ihre Internetrecherche habe sie oft Panik bekommen.

Sophias Ernährung in der Schwangerschaft

„Normal“: So beschreibt Sophia ihre Ernährung während der Schwangerschaft (Foto: Hegemann)

Einem niedrigen Eisenwert im Blut gegen Ende der Schwangerschaft wirkte Sophia mit einem eisenhaltigen Getränk und einer eisenreichen Ernährung aus viel Rindfleisch und eisenhaltigem Gemüse entgegen. Eine Ernährung mit Fleisch ist aus ihrer Sicht während der Schwangerschaft von Vorteil, da Fleisch viele wertvolle Nährstoffe enthalte. „Fisch liefert Omega-3 und -6-Fettsäuren. Weil ich leider keinen Fisch vertrage, habe in der Schwangerschaft pflanzliche Kapseln eingenommen“, berichtet sie.

In einer zweiten Schwangerschaft würde sie durchgehend gesund, weniger Süßigkeiten und kleinere Portionen essen. Anderen Schwangeren rät sie: „Ernährt euch ausgewogen und gesund, nehmt zusätzlich Vitaminpräparate zu euch, da ihr heutzutage nicht alle Nährstoffe allein mit der Ernährung aufnehmen könnt. Hört auf euren Körper, er weiß meistens, was er braucht, und esst ruhig genug, denn „das Baby muss ja schließlich was werden“.“    

Nach Lehrbuch Ernährungspyramide

„Ich habe einfach normal weitergegessen wie bisher“, sagt Lisa-Sophie Keiber. Ihr Sohn Noah Emanuel ist inzwischen 20 Monate alt, gesund und altersgerecht entwickelt, wie die 29-Jährige aus Lingenfeld sagt. Fleisch, Fisch, Gemüse, Salat, Obst, Brot, ab und an Süßes – ihr Speiseplan habe „so ziemlich nach Lehrbuch Ernährungspyramide“ ausgesehen. Da sie gerne selbst koche, seien Restaurantbesuche und Lieferservicebestellungen eher selten gewesen. „Ich habe mich auf meinen normalen, gesunden Menschenverstand und sprichwörtlich auf mein Bauchgefühl verlassen“, sagt Lisa-Sophie. Alkohol, medium gebratenes Steak, Sushi, rohe Eier und Rohmilchkäse seien während ihrer Schwangerschaft tabu gewesen. Groß zugenommen habe sie nicht – durch den großen Energieverbrauch beim Stillen und durch das viele Spazierengehen mit Kinderwagen, so Lisa-Sophie, habe sie wenige Wochen nach der Geburt sogar weniger auf die Wage gebracht als vor der Schwangerschaft. „So richtige krasse Gelüste nach zum Beispiel Süßigkeiten oder sauren Gurken hatte ich nicht. Dafür konnte ich Hähnchenfleisch nicht einmal riechen, geschweige denn essen.“, erzählt sie, „ich hatte eher Lust auf kalte Speisen als auf warme. Tomaten gingen auch immer in jeglicher Form. Und jeden Morgen musste unbedingt gefrühstückt werden. Ohne ging nicht.“ Dass man während der Schwangerschaft „für zwei“ essen müsse, halte sie für ein Vorurteil und befürchtet, dass viele Frauen ihre Schwangerschaft als „Ausrede“ nutzen, um so richtig reinzuhauen.

Lisa Sophies Ernährung in der Schwangerschaft
Ganz nach Lehrbuch: Lisa-Sophie ernährte sich während ihrer Schwangerschaft „normal“ (Foto: Thomas Keiber)

Um Neuralrohrdefekten beim Embryo, also Fehlbildungen im Kopf- und Rückenbereich, habe sie bereits ab Kinderwunsch ein Folsäure-Präparat eingenommen. Ansonsten seien ihre Blutwerte während der Schwangerschaft unauffällig gewesen, weshalb sie keine weiteren Nahrungsergänzungsmittel zu sich nahm. „Mein Frauenarzt war sehr lapidar, was das Thema Ernährung angeht“, berichtet sie. „Er sagte, in Deutschland sei alles sauber und geprüft und ich solle ruhig Sushi, Fisch, Käse und so weiter essen. Meiner Meinung nach war das etwas zu locker – mir zumindest fehlten da fundierte Infos. Ich weiß allerdings von Freundinnen, dass deren Ärzte da mehr aufgeklärt haben bzw. strenger waren.“ Neben Arzt und Hebamme als Ansprechpartner, habe sie zusätzlich in Büchern und ein bisschen im Internet nachgelesen.

„Mein gesundes Kind, eine komplikationslose Schwangerschaft und meine eigene Gesundheit bisher haben mir gezeigt, dass meine Ernährungsweise für mich bzw. uns richtig ist, deshalb würde ich bei der nächsten Schwangerschaft auch alles wieder genauso machen“, sagt Lisa-Sophie. Ihr Tipp an alle Schwangeren: „Überlegt selbst mit gesundem Menschenverstand und ernährt euch „ausgewogen“! Hört nicht auf Horrorstorys im Internet oder hysterische Mitschwangere.“

Schoko-Gelüste einer Vegetarierin

„Da ich mich schon seit 19 Jahren vegetarisch ernähre und keine Mangelerscheinungen und auch sonst keine gesundheitlichen Probleme habe, war für mich klar, dass ich auch in der Schwangerschaft dabei bleibe“, erzählt Ramona Dörr. Die 31-Jährige aus Saarwellingen hat am 29. Oktober 2018 ein gesundes Mädchen zur Welt gebracht. Wegen ihrer gewohnten, vegetarischen Ernährungsweise sei es ihr leicht gefallen auf vieles zu verzichten, was man in der Schwangerschaft nicht essen solle, wie rohes Fleisch und rohen Fisch. „Rohmilchkäse und Schimmelkäse habe ich schon vorher nicht gegessen, da musste ich also auch nicht aufpassen“, sagt Ramona. „Das Einzige, was ich während der Schwangerschaft anders gemacht habe, war, darauf zu achten, dass nirgends rohe Eier drin sind wegen der Salmonellengefahr und dass ich Obst und Gemüse immer frisch gewaschen und zubereitet habe wegen der Gefahr von Listerien.“ Ihre Ärztin habe wegen der vegetarischen Ernährungsweise nur darauf hingewiesen, dass sie darauf achten sollte, genügend Eisen zu sich zu nehmen, da der sogenannte HB-Wert in der Schwangerschaft generell eher niedriger werde. Dieser wurde dann auch bei jedem Vorsorgetermin kontrolliert. „Da meine Frauenärztin überhaupt keine Bedenken wegen der vegetarischen Ernährung in der Schwangerschaft hatte, habe ich mich auch an sonst niemanden gewendet und zu dem Thema nur im Internet noch ein bisschen recherchiert“, berichtet Ramona. Das Kombipräparat aus Folsäure, Vitamin B12, Vitamin D3 und Jod, das laut Ramona allen Schwangeren empfohlen wird, habe sie vorsorglich genommen. Einen kurzzeitigen Eisenmangel glich sie mit Tabletten aus. „Ich habe während dieser vier Wochen aber auch verstärkt darauf geachtet, mich gesund zu ernähren“, ergänzt sie. Ausgefallene Gelüste habe sie nicht gehabt – „außer ganz am Anfang: Da hatte ich extrem Lust auf Schokolade, obwohl ich die sonst eher selten esse. Da habe ich meinen Mann sogar extra losgeschickt, welche zu kaufen“, erzählt Ramona schmunzelnd. In der Schwangerschaft habe sie rund neun Kilo zugenommen. Ob sie beim nächsten Mal etwas anders machen würde? „Nein, meine Schwangerschaft ist ja gut verlaufen, ich würde es wieder genauso machen“, sagt sie, „außerdem bin ich davon überzeugt, dass es sogar gesünder sein kann, sich vegetarisch zu ernähren, wenn man ausgewogen isst.“ Aus ihrem Umfeld gab es keine Vorurteile – „die sind ja alle schon jahrelang daran gewöhnt, dass ich Vegetarierin bin“.

Jede Frau müsse selbst wissen, wie sie sich in der Schwangerschaft ernährt, findet Ramona. „Generell würde ich dazu raten, sich zwar zu informieren, sich aber nicht verrückt machen zu lassen.“

Späte Diagnose: Fructoseintoleranz

Obst, Saft, Fruchtjoghurt, Müslimischungen – diese Produkte stehen bei fructoseintoleranten Menschen wie Sabine Kesberger auf der roten Liste. Die 41-jährige Mutter zweier gesunder Söhne (neun und zehn Jahre alt) bemerkte schon bei ihrer ersten Schwangerschaft 2008, dass etwas nicht stimmte. Sie nahm 32 Kilo zu. „Meine Mutter und meine Ärztin haben mir gesagt, ich solle es mir gut gehen lassen – die paar Kilos mehr hätte ich nach der Schwangerschaft schnell wieder weg“, erzählt sie. Durch eine Diät nach der Stillzeit, bei der sie unter anderem den Fruchtzuckerkonsum einschränkte, fühlte sie sich plötzlich wacher und munterer, ihr Hautbild verbesserte sich und ihre Verdauung schien wieder in geregelten Bahnen zu verlaufen. „In der zweiten Schwangerschaft habe ich „nur“ 26 Kilo zugenommen“, sagt Sabine, „bei der Diät, die ich anschließend gemacht habe, habe ich fast völlig auf Obst und Süßigkeiten verzichtet. Beide Ernährungsumstellungen haben mir gezeigt, dass da etwas sein muss, was meinem Magen und meinem Darm Probleme bereitete. Deshalb habe ich mich auf eine lange Suche gemacht. Letztendlich hat es acht Jahre gedauert, bis ich endlich auf die Lösung gekommen bin.“ Erst eine Magenentzündung und fünf Ärzte später stand die Diagnose fest: Fructoseintoleranz.

Vegetarisch, vegan oder doch „normal“ – Ernährung in der Schwangerschaft
Schwanger und fructoseintolerant: Kein Problem, findet Sabine Kesberger (Foto: www.karenzzeit.blog)

Ärzte und auch viele Ernährungsberater seien mit einer Fructoseintoleranz oft völlig überfordert, weiß Sabine. „Dafür ist die Fruchtzuckerunverträglichkeit einfach zu wenig bekannt und vor allen Dingen sehr, sehr individuell“, erklärt sie, „der Grad wie auch die Symptome sind schwer zu definieren. Ein normaler Mensch verträgt ungefähr 30g Fruchtzucker ohne Probleme, danach zeigt er auch fructoseintolerante Beschwerden. Als fructoseintolerant gilt man, wenn man weniger als 10g Fruchtzucker verträgt. Danach ist es der individuelle Grenzwert, den man herausfinden muss, um beschwerdefrei zu leben.“ Auch Alkohol, Gemüse, Knoblauch, Agavendicksaft, Honig und ganz normaler Haushaltszucker enthalten laut Sabine Fructose. „Außerdem gibt es sehr wenige verarbeitete Lebensmittel ohne Fruchtzucker. Zudem werden Fertigprodukte gerne gezielt mit Fructose angereichert, weil diese süßer ist als normaler Haushaltszucker“, sagt die 41-Jährige.

Trotz Verdauungsbeschwerden seien ihre Blutwerte während ihrer beiden Schwangerschaften normal gewesen. „Wer schon vor der Schwangerschaft weiß, dass er fructoseintolerant ist und sich mit der Thematik befasst hat, kennt seinen Körper und weiß, was er verträgt“, meint Sabine. Aus ihrer Sicht sei eine erworbene Fructoseintoleranz nichts Schlechtes für das ungeborene Kind – „eher im Gegenteil!  Die Mutter achtet automatisch auf weniger Zucker und verzichtet auf Fertigprodukte.“ Um Mangelerscheinungen auszuschließen, empfiehlt Sabine fructoseintoleranten Schwangeren, sich regelmäßig beim Arzt untersuchen zu lassen. „Bei einer angeborenen Fructoseintoleranz der Mutter würde ich dazu raten, auch das Kind auf Fructoseintoleranz testen zu lassen. Auch eine Laktoseunverträglichkeit ist nicht ungewöhnlich. Zu wissen, dass ein Kind keinen Milchzucker verträgt, kann schlaflosen Nächten mit Blähungen, Neurodermitis und vielem mehr vorbeugen.“

Das vollständige Interview mit Sabine findet ihr auf ihrem Blog „Karenzzeit nach der Diagnose Fructoseintoleranz“ unter diesem LINK.

Mit Grapefruits und Bananenshakes durch die vegane Schwangerschaft

„Vor sowie während der Schwangerschaft habe ich mich vegan ernährt“, erzählt Nadine Filler. Die 31-Jährige ist Mutter einer gesunden, zweieinhalb Jahre alten Tochter und ist mit ihr und ihrem Mann aktuell auf Weltreise.

Vegetarisch, vegan oder doch „normal“ – Ernährung in der Schwangerschaft
Gesunde Mama, gesunde Tochter – trotz oder wegen der veganen Ernährung in der Schwangerschaft? (Foto: wild & wundervoll)

„In der ersten Hälfte meiner Schwangerschaft war ich sehr geruchsempfindlich und mir wurde schnell übel. Deshalb habe ich nicht so viel gefuttert und immer nur das, was gerade ging. Mal waren das ganz viele Grapefruits, mal nur Bananenshakes“, sagt Nadine. In der zweiten Hälfte der Schwangerschaft habe sie dann deutlich mehr gegessen und so insgesamt etwa zehn Kilo zugenommen. Besonders wichtig war es ihr, alle Nährstoffe zu sich zu nehmen: „Ich habe zum Beispiel versucht, ganz bewusst mehr eisenhaltige Sachen zu essen wie Haferflocken, Linsen, Kichererbsen oder grünes Blattgemüse, das ich dann immer in meine Frühstückshakes getan habe. Zusätzlich habe ich täglich etwas veganes Kräuterblut für Schwangere getrunken. Ich wollte einfach auf Nummer sicher gehen.“ Auch ihre Blutwerte habe sie regelmäßig überprüfen lassen. „Ich musste ziemlich schnell hochdosiertes Vitamin D als Nahrungsergänzungsmittel einnehmen, weil meine Kleine alle meine Vorräte verputzt hatte. Vitamin D hat im Übrigen nichts mit der Ernährungsweise zu tun. Ansonsten habe ich nur Kräuterblut in der zweiten Hälfte der Schwangerschaft getrunken“, erklärt Nadine. Bis zur 38. Schwangerschaftswoche seien ihre Werte immer bestens gewesen, doch dann stellte ihre Hebamme Schilddrüsenprobleme fest. „Weil meine Ärztin in der Frühschwangerschaft eine Untersuchung versäumt hatte, wurde meine Schilddrüse in den ersten Monaten der Schwangerschaft nicht ausreichend versorgt und hat sich ziemlich abgearbeitet.“ Diese Problematik wäre ihr aber auch als schwangere Fleischesserin nicht erspart geblieben, so Nadine. In den letzten Schwangerschaftswochen habe sie dann zusätzlich Jod und Schilddrüsenhormone einnehmen müssen – „zum Glück hatte das aber keine Auswirkungen auf die Gesundheit meiner Tochter. Bis heute hat sie noch nie Antibiotika nehmen müssen, hat selten Fieber und höchstens mal eine Erkältung.“ 

Bezüglich ihrer veganen Ernährungsweise habe sie ihre Ärztin gar nicht beraten – sie habe sich lediglich vergewissert, dass Nadine gut informiert und verantwortungsbewusst sei. „Um ehrlich zu sein, verbreiten viele Ärzte meiner Meinung nach unnötig Angst und falsches Halbwissen, wenn es um Ernährung geht“, findet die junge Mutter, „nur die allerwenigsten Mediziner haben auch nur ansatzweise genügend Kenntnisse über das Thema. Die Gebiete Schulmedizin und Ernährungswissenschaften haben einfach nichts miteinander zu tun, obwohl das natürlich unbedingt nötig wäre.“ Ihre Hebamme sei eine deutlich bessere Ansprechpartnerin zu diesem Thema gewesen, aber eben auch nicht perfekt. „Ich habe mich hauptsächlich bei seriösen Quellen im Internet, zum Beispiel beim Albert-Schweitzer-Institut, und anderen veganen Familien informiert“, sagt Nadine. Aufgrund der hohen Nährstoffdichte in ausgewogenen, frischen, veganen Speisen und der geringen Schadstoffbelastung, da Gifte und Medikamente in Fleisch enthalten sein können, sei die vegane Ernährung für sie in der Schwangerschaft genau richtig gewesen. Bei einer erneuten Schwangerschaft würde sie sofort mehr Jod supplementieren, ansonsten würde sie aber alles machen wie damals. Anderen Schwangeren rät Nadine: „Informiert euch gut und vielseitig. Bitte nicht zu sehr von Ärzten verunsichern lassen und immer auf die eigene Intuition hören. Ihr seid die Experten für euren Körper und euer Baby.“

Ständige Übelkeit „dank“ Laktoseintoleranz

„Als der Arzt mir aufzählte, was ich alles besser nicht mehr essen sollte, dachte ich erst mal Hui, jetzt musst du aber aufpassen“, erzählt Vanessa Palmen aus Neuss. Als die heute 36-Jährige mit ihren Zwillingen schwanger war – im März werden June und Nicolas zwei – wurde bei ihr eine Laktoseintoleranz diagnostiziert. Vanessa erinnert sich: „Zu dem Zeitpunkt, wo bei anderen die erste Übelkeit endlich vorbei ist, ging es bei mir erst richtig los. Weil niemand eine Ahnung hatte, dass es an der Laktose liegen könnte, habe ich sie natürlich auch nicht gemieden. Mir war ständig übel, ich hatte dauernd Durchfall und konnte irgendwann gar nichts mehr essen, weil es entweder oben oder unten sofort wieder rauskam. Deswegen musste ich auch mehrmals ins Krankenhaus, hatte vorzeitige Wehen und bekam meine beiden Kinder acht Wochen zu früh.“ Erst zwei Wochen vor der Entbindung fand der Gastroenterologe heraus, dass Vanessas Darm allergisch auf Laktose reagierte. Auf Anraten ihrer Gynäkologin habe sie während der Schwangerschaft Sushi, Rohwurst, Rohkäse, blutiges Fleisch und flüssiges Ei vom Speiseplan gestrichen. „Weil mein Blutdruck recht hoch war, habe ich auch komplett auf Koffein verzichtet“, erzählt sie, „kein Alkohol versteht sich hoffentlich von selbst. Ich war aber nicht dogmatisch dabei.“ Als die Intoleranz einsetzte und sie dadurch ständig Magen-Darm-Probleme hatte, sei sie froh gewesen, über „alles, was drinblieb“. Einen Arzt hält die Zwillingsmutter zwar für einen guten Ansprechpartner in Sachen Ernährung, wissenschaftlich fit sei er aber oft nicht. Da sie selbst eine medizinische Ausbildung habe, habe sie sich eingelesen – „mittlerweile gibt es so viele schwarze Schafe in diesem Bereich, die einem ihren Detox-Unsinn verkaufen wollen. Ich verlasse mich da lieber auf die Wissenschaft und mich selbst.“ Ihre Blutwerte ließ Vanessa regelmäßig überprüfen. Einen Eisenmangel ab dem sechsten Monat ihrer Schwangerschaft versuchte sie mit vom Arzt verschriebenen Tabletten auszugleichen. „Die habe ich aber nicht vertragen“, berichtet sie, „was dann ging waren eisenhaltige Fruchtsäfte. Da gibt es extra welche für Schwangere. Außerdem habe ich versucht mehr eisenhaltige Gemüsesorten und rotes Fleisch zu essen.“ Eine gute Schwangerschaft als Laktoseintolerante zu haben – ist das überhaupt möglich? „Definitiv ja“, findet Vanessa, „es hat ja nicht jeder so ein Pech wie ich. Wenn man weiß, dass man laktoseintolerant ist und schwanger wird, hat man sogar sehr oft das Glück, dass man in der Schwangerschaft komplett wieder alles essen kann. Das ist ein bekanntes Phänomen. Sollte die Intoleranz jedoch bleiben, sollte man unbedingt auf das Calcium achten, denn gerade in der Schwangerschaft hat man einen erhöhten Bedarf für die Knochenbildung des Kindes.“

Vegetarisch, vegan oder doch „normal“ – Ernährung in der Schwangerschaft
Schwanger und plötzlich laktoseintolerant: Vanessa Palmen mit ihren zwei gesunden Kindern (Foto: Palmen)

In der Schwangerschaft habe Vanessa nur neun Kilo zugenommen, da sie ja kaum etwas bei sich behalten konnte. Anschließend, als die Laktoseintoleranz dann bekannt war und sie wieder etwas essen konnte, kamen dafür weitere 15 Kilogramm dazu. „Mein Körper hat sich nach der langen Durststrecke wohl gedacht: Her damit, jetzt lagere ich für schlechte Zeiten alles ein, was ich kriegen kann.“ Während der Schwangerschaft habe sie eine Zeit lang besonders viel Lust auf Chips gehabt – „die esse ich sonst nie und mag sie eigentlich gar nicht.“ Später in der Schwangerschaft wollte sie dann gerne und oft rote Grütze. „Ich denke, dass der Körper und das Kind einen mit den Gelüsten zum Teil auch auf etwas hinweisen wollen und vielleicht diese Nährstoffe gerade einfach benötigen. Darum finde ich es in Ordnung diesen auch nachzugeben. Hat man natürlich Schwangerschaftsdiabetes und ständig Lust auf ein Kilo Eiscreme, würde ich aber schon die Reißleine ziehen“, sagt Vanessa. Inzwischen hat sie gelernt mit der Laktoseintoleranz zu leben und würde bei einer erneuten Schwangerschaft von Anfang an Laktose wieder komplett meiden. „Meine sonstige Ernährungsweise hat ja scheinbar funktioniert, denn ich habe trotz der schwierigen Schwangerschaft zwei gesunde Kinder mit einem ordentlichen Geburtsgewicht bekommen“, sagt sie. Anderen laktoseintoleranten Schwangeren würde sie raten, entspannt zu bleiben, gut und gesund zu essen und die Werte regelmäßig kontrollieren zu lassen.

„Don´t worry! Very easy!“ – Dank asiatischer Ernährung zum gesunden Körper?

Prolog

Ein guter Journalist ist objektiv. Er recherchiert ein Thema in der Breite und in der Tiefe, bringt alle Fakten auf den Tisch, überlässt es aber dem Leser, sich eine Meinung zu bilden. So habe ich das an der Uni gelernt und auch bei meinen Praktika in diversen Redaktionen. Wer aber mal darauf achtet, merkt schnell, dass es kaum noch objektiven Journalismus gibt – weder in der Zeitung, noch im Fernsehen oder online. Ist ja auch schwierig, denn schon indem man als Journalist ein Thema auswählt, suggeriert man dem Leser wenigstens indirekt, dass es ein wichtiges Thema ist, mit dem er sich doch bitte beschäftigen sollte. Auch das, was am Schluss beim Leser hängenbleiben soll, steht meist schon vor dem Schreiben fest. Da zitiert man eine Studie und lässt eine andere, die etwas Gegenteiliges besagt, einfach weg. Oder man befragt eben nur diesen einen Spezialisten, der mit hoher Wahrscheinlichkeit das sagt, was man sich für die schlussendliche Aussage seines Artikels vorgestellt hat. Bei Face2Face wollen wir genau das vermeiden – auch wenn das ein hohes Maß an Ausdauer erfordert.

Um für den folgenden Artikel unterschiedlichste Ansichten zusammenzustellen, habe ich über zehn potenzielle Interviewpartner – teilweise mehrfach – kontaktiert. Leider sahen sich die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V., die Koordinierungsstelle für Ernährungsberatung des Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum Rheinland-Pfalz, das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft und das Bundeszentrum für Ernährung nicht in der Lage auch nur eine meiner Fragen zum Vergleich zwischen europäischer und asiatischer Ernährung zu beantworten. Während sich die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. noch nicht mit einem solchen Vergleich beschäftigt hat und außerdem „personell unterbesetzt“ ist (Bemerkung am Rande: Meine Anfrage habe ich Ende Januar für eine Veröffentlichung Ende April versendet), hat das Bundeszentrum für Ernährung keinen Experten im Haus, verweist aber immerhin auf eine Professorin an der Uni Kassel. Leider ist die trotz drei Mails und ebenso vielen Anrufen nicht erreichbar.
Glücklicherweise haben sich dann doch noch Interviewpartner gefunden. Das Resümee überlasse ich wie versprochen euch, liebe Leser!

Der Fall Jörg Krebber

Asthma, Allergien, Hepatitis A, B und C, chronische Darmentzündung – mit 25 Jahren gab ihn die Schulmedizin auf. Jörg Krebber, heute 71 Jahre alt, sah nur noch einen Ausweg: Asien. Dort, in einem nepalesischen Kloster nahe der Hauptstadt Katmandu, spricht ein Arzt nach einem Blick auf seine Zunge dann endlich die erlösenden, wenn auch recht überraschenden Worte: „Don´t worry! Very easy!“
Sechs Wochen später: Die Schwellung der Leber, ebenso wie die ständigen Schmerzen sind weg, die Verdauung hat sich normalisiert. Wie ist das möglich? Ist die asiatische Ernährung ausschlaggebend für Krebbers Heilung? Wie steht die europäische Ernährung im Vergleich da?
Drei Experten stehen uns Rede und Antwort: Prof. Dr. Angelika Messner, Leiterin des Chinazentrums an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und Präsidentin des
IASTAM (International Association for the Study of Traditional Asian Medicine), hat an der Peking-Universität studiert und durch zahllose Forschungs- und Lehraufenthalte in Peking, Shanghai und Hangzhou etwa fünf Jahre in Asien verbracht. Prof. Dr. Sigrid Hahn war in der Ernährungsberatung und -bildung tätig und hat seit vier Jahren die Professur Diätetik an der Hochschule Fulda, Fachbereich Oecotrophologie, inne. Und last but not least: Jörg Krebber. Er hat Ayurvedic und Traditionelle Chinesische Medizin studiert. Nach seiner Heilung verbrachte er weitere elf Jahre in Asien – heute unterrichtet er weltweit die Wege der 5-Elemente-Lehre zur Selbstheilung.

Experten für asiatische Ernährung (von links): Prof. Dr. Angelika Messner (Foto: Albert Mäkitalo), Prof. Dr. Sigrid Hahn (Foto: Hahn) und Jörg Krebber (Foto: Krebber)

Experten für asiatische Ernährung (von links): Prof. Dr. Angelika Messner (Foto: Albert Mäkitalo), Prof. Dr. Sigrid Hahn (Foto: Sigrid Hahn) und Jörg Krebber (Foto: Maria Krebber)

Asiatische versus europäische Ernährung – wo liegen die Unterschiede?

„Schon innerhalb von Europa unterscheiden sich die Ernährungsgewohnheiten sehr stark – nicht nur in Bezug auf die bevorzugten Lebensmittel, sondern auch auf die Tageszeiten, zu denen gegessen wird. Asien ist noch viel größer und unterschiedlicher als Europa, so dass es mit Sicherheit nicht die asiatische Ernährungsweise gibt“, sagt Hahn. Auch Messner betont „die großen regionalen
Unterschiede in Asien“. Gegenwärtig fänden auch in den Metropolen asiatischer Länder McDonalds und ähnliche Fast Food-Restaurants Eingang. Allerdings gebe es bekanntenmaßen auch in Europa große Unterschiede hinsichtlich Ernährung und Küche. Messner kann dennoch gewisse „Traditionslinien“ ausmachen: „Im gegenwärtigen europäischen Kontext kann man eine Vorliebe für eisgekühlte Getränke jedweder Art (Alkohol oder gesüßte Soft-Getränke), Kaffee, Brötchen bzw. Müsli zum Frühstück, ausladende Fleischgerichte mit Kohlehydrat-Beilagen und eine Süßspeise als Nachspeise feststellen. Demgegenüber ließe sich in asiatischen Kontexten die Vorliebe für warme Getränke (Heißwasser und/oder Tee), zum Frühstück sowie zu Mittag- und Abendessen Suppen, Gemüse, Nudeln und Reis, sowie verhältnismäßig wenig Fleisch und Fisch ausmachen.“ Vor allem im Zusammenhang mit der Traditionellen Chinesischen Medizin fungieren Lebensmittel in Asien als Teil von Prävention und Therapie, so Messner. Die heilende Wirkung vieler asiatischer Speisen sieht Krebber in der Fermentation. „Wir verdauen, indem unser Darm organische Stoffe mithilfe von Enzymen verarbeitet“, erklärt er, „beim Fermentieren passiert genau das. Wenn die Nahrung, die wir zu uns nehmen, bereits fermentiert ist, wie das bei den Asiaten oft der Fall ist, erleichtert das die Verdauung. Sterben die Enzyme im Darm ab, werden wir krank, können durch fermentierte Speisen aber wieder Enzyme zuführen und uns so selbst heilen. Joghurt und Buttermilch sind beispielsweise das Ergebnis eines Fermentationsprozesses von Milch.“

Können asiatische Ernährungsweisen oder asiatische Medizinansätze heilen?

„Die „moderne“ westliche Medizin trat mit Beginn des 20. Jahrhunderts ihren weltweiten Siegeszug an, zumal sie höchst wirksame Methoden zur Bekämpfung von Tuberkulose und anderen Epidemien bereithielt. Heute hat sich die Situation weltweit dahingehend geändert, dass die so genannten „nicht übertragbaren“ Krankheiten, also Herz-Kreislauf-Krankheiten, Krebs, Diabetes und chronische Atemwegserkrankungen für weitaus mehr Todesfälle sorgen als die „übertragbaren Krankheiten“, erklärt Messner.

Asiatisches Essen ist beliebt - aber kann es auch heilen? (Foto: T. Gartner)

Asiatisches Essen ist beliebt – aber kann es auch heilen? (Foto: T. Gartner)

Weltweit seien gegenwärtig etwa 70% aller Todesfälle auf nicht übertragbare Krankheiten zurück zu führen. Dementsprechend bestehe dringlicher Handlungsbedarf mit Blick auf Lebensstil und Prävention. „Hier können asiatische Medizinsysteme, wie die Traditionelle Chinesische Medizin, einen grundlegenden Beitrag leisten, der nachhaltig und substantiell ist.“ Hahn sieht in diesem Zusammenhang die als typisch asiatisch geltende Ernährungsweise als Teillösung: „Studien zeigen, dass eine pflanzenbetonte, fettarme Ernährungsweise mit einem hohen Anteil an Fisch vor Übergewicht und den damit in Zusammenhang stehenden Erkrankungen wie Diabetes mellitus Typ II und Fettstoffwechselstörungen oder Herzinfarkt schützt. Auch das Karzinomrisiko, also die Wahrscheinlichkeit für Krebserkrankungen an Haut und Schleimhaut, ist reduziert.“

Ist der Fall „Jörg Krebber“ ein Beweis für die Wirksamkeit von asiatischer Ernährung und Medizin?

„Für mich sind Einzelfälle grundsätzlich nicht aussagekräftig“, sagt Hahn. „Um Empfehlungen geben zu können, müssen immer möglichst viele Menschen betrachtet werden, da alles andere auch Zufall sein kann.“ Messner dagegen bezeichnet Krebber als ein „gutes Beispiel für die Wirkungsweise von Ernährung auf die Gesundheit“.

Was können wir aus der „China Study“ schließen?

2004 veröffentlichten T. Colin Campbell, emeritierter Professor für Biochemie an der Cornell University, und sein Sohn Thomas M. Campbell die sogenannte „China Study“. Die Studie wurde im ländlichen China der 1970er und 1980er Jahre durchgeführt. Das Ergebnis: Je geringer der Anteil tierischer Nahrungsmittel an der Ernährung ist, desto gesünder sind die Menschen.
„Die China Study ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie zentral Ernährung für die Aufrechterhaltung und die Wiederherstellung von Gesundheit ist“, sagt Messner. Seine „Power ohne Ende“ verdankt Krebber laut eigener Aussage seiner veganen Ernährung nach alter Ayurveda – diese ist reich an Eiweiß und Fermentationsprodukte. „Die Leute schätzen mich generell 20 Jahre jünger als ich bin. Auch meine fünf Kinder sind so aufgewachsen – völlig problemfrei.“ Kritischer sieht dagegen Hahn die „China Study“ und damit die vegane Ernährung: „Ein völliger Verzicht auf tierische Produkte ist wenig sinnvoll, da einige lebensnotwendige Nährstoffe, allen voran Vitamin B12, nur oder überwiegend in tierischen Produkten vorkommen. Vegane Ernährung ist ohne Supplementation oder die künstliche Anreicherung von Lebensmitteln mit Nährstoffen gesundheitsschädlich. Ich halte vegane Kost für „nicht artgerecht“ für den Menschen, denn wir sind „Omnivore“, also Allesfresser.“ Allerdings würden auch offizielle Stellen, wie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. und das Bundeszentrum für Ernährung eine Erhöhung des Anteiles pflanzlicher Lebensmittel und einen mäßigen Konsum tierischer Lebensmittel empfehlen, so Hahn.

Laktoseintoleranz – Normalität oder Krankheit?

Bauchschmerzen, Blähungen und Durchfall sind typische Symptome einer Laktoseintoleranz. Die Fähigkeit, Milchzucker zu verarbeiten, nimmt genetisch bedingt im Erwachsenenalter ab – Laktoseintoleranz ist also eigentlich der „Normalzustand“, oder? „In Europa hat sich die Mutation, also die Veränderung der Erbinformation, hin zur Verträglichkeit von Milchzucker im Erwachsenenalter sehr schnell durchgesetzt“, sagt Hahn. „Nicht zuletzt, weil hierdurch Milch als sehr gute Proteinquelle zur Verfügung stand. Entsprechend haben sich in Europa Ernährungsgewohnheiten entwickelt, die viel Milch und Milchprodukte enthalten.“ Medizinisch sei eine Laktoseintoleranz keine schwere Erkrankung, da sie durch das Meiden von Milchzucker ohne Folgen behandelt werden könne, so Hahn. Messner sieht die Laktoseintoleranz als Nebenerscheinung des „übermäßigen Konsums von Milchprodukten“ und rät dazu, sie ernst zu nehmen.

Soja – Proteine und Phytoöstrogene

Die Sojabohne ist ebenso wie Fleisch ein hochwertiger Proteinlieferant – da sind sich die drei Experten einig. Wenn es um die Auswirkungen von Soja auf unsere Gesundheit geht, scheiden sich jedoch die Geister: Während Hahn zu Bedenken gibt, dass die in Soja enthaltenen Phytoöstrogene insbesondere bei Frauen in der Menopause problematisch sein können und im Verdacht stehen, Brustkrebs zu fördern, spricht Messner von zahlreichen Studien, die zeigen, dass Frauen in ostasiatischen Kontexten deutlich weniger an Beschwerden in der Menopause leiden. Ist der Verzehr von Sojaprodukten nun schädlich oder förderlich?

Gesund oder voller Phytoöstrogene? Produkte aus Sojabohnen, wie Tempeh, sind häufig in der Kritik (Foto: © Dittrich/tempehmanufaktur)

Gesund oder voller Phytoöstrogene? Produkte aus Sojabohnen, wie Tempeh, sind häufig in der Kritik (Foto: © Dittrich/tempehmanufaktur)

Vielleicht hat Krebber ja des Rätsels Lösung parat: „Bei vielen Studien kommt heraus, dass bestimmte Anteile der Sojabohne für den menschlichen Körper schädlich sind – Tatsache ist aber, dass wir ja nicht die Sojabohne essen, sondern zum Beispiel Tempeh, ein fermentiertes Produkt aus der Sojabohne. Viele der in Studien aufgedeckten, schädlichen Stoffe sind in Tempeh gar nicht enthalten.“ Die Phytoöstrogene, die Hahn zu bedenken gibt, seien auch in anderen Hülsenfrüchten enthalten – ebenso wie in tierischen Produkten, da sie über Futter- bzw. Düngemittel in unsere Nahrung gelangen, so Krebber. So hätten 100g Käse 20-mal mehr Phytoöstrogene als 100g Sojabohnen. „Wichtig ist, dass wir darauf achten, biologisches Tempeh oder Tofu aus nicht genmanipuliertem Soja zu kaufen“, sagt Krebber. Geschmacklich komme es dann noch auf die Zubereitung an. „Viele finden ja, dass Tofu nicht schmeckt, aber die Natur hat keine fertigen Menüs wachsen lassen“, sagt Krebber, „wenn man auf der Wiese in eine Kuh beißt, schmeckt das auch nicht.“

So ernähren sich unsere Experten

„Kein Lebensmittel ist auf die Bedürfnisse des Menschen abgestimmt, somit muss ich möglichst unterschiedliche Lebensmittel zu mir nehmen, um mich ausgewogen zu ernähren“, erklärt Hahn. Ihre Familie esse daher besonders vielseitig, wobei sowohl pflanzliche als auch tierische Lebensmittel einschließlich Fleisch auf dem Speiseplan stehen. Sie koche daher täglich mit frischen Produkten der Saison, „was aber niemals fehlen darf, ist ein schöner Rohkostsalat, da er mir einfach besonders gut schmeckt.“
Was das Frühstück angeht, hat sich Messner den Asiaten angepasst: „Morgens essen wir warm, zum Beispiel Hafer- oder Reisbrei. Gemüse und Obst stehen immer in ausreichendem Maß auf unserem Speiseplan. Außerdem habe ich schon früh gelernt, grünen Tee oder einfach „heißes Wasser“ zu genießen.“
Krebber isst seit 50 Jahren vegan nach alter Ayurveda, also mit reichlich Eiweiß und Fermentationsprodukten, und hat auch seine fünf Kinder so großgezogen. Außerdem achtet er bei seiner Ernährung auf das Verhältnis der fünf Elemente Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser. Die verschiedenen Nahrungsmittel werden dabei den Elementen zugeordnet und ausgeglichen kombiniert. Zum Erdelement gehören beispielsweise alle Wurzelgemüse, wie Karotte oder Sellerie.

Gewinnspiel

Keine Angst (mehr) vor Soja und Lust mal ein typisch asiatisches Lebensmittel auszuprobieren? Wir verlosen handgemachtes, bio-zertifiziertes Tempeh aus Markus Schnappingers Tempehmanufaktur im Wert von 30 Euro inklusive Versand. Tempeh ist eine indonesische Spezialität aus fermentierten Hülsenfrüchten, ist protein- und ballaststoffreich und entfaltet vor allem beim Anbraten sein nussiges Aroma.

Sie tüten gerade euren Gewinn ein: Markus und Stephanie Schnappinger von der Tempehmanufaktur (Foto: © Dittrich/tempehmanufaktur)

Sie tüten gerade euren Gewinn ein: Markus und Stephanie Schnappinger von der Tempehmanufaktur (Foto: © Dittrich/tempehmanufaktur)

Was ihr für die Teilnahme am Gewinnspiel tun müsst: Schreibt bis einschließlich Sonntag, 6. Mai 2018, 23:59 Uhr eine E-Mail an tatjana.gartner@face2face-magazin.de mit dem Betreff „Tempeh“. In der E-Mail sollten euer Vor- und Nachname sowie eure Adresse enthalten sein, da die Tempehmanufaktur das Tempeh per Post an den glücklichen Gewinner senden wird. Verlost wird unter allen Einsendern. Mitarbeiter von Face2Face sowie der Rechtsweg sind von der Verlosung ausgeschlossen. Die Bekanntgabe des Gewinners sowie die Information derjenigen, die leider nicht gewonnen haben, erfolgt spätestens am Dienstag, 8. Mai 2018 via E-Mail.
Wir drücken die Daumen!

Nutzungsbedingungen

§ 1 Gewinnspiel
(1) Das Gewinnspiel wird vom Online-Magazin Face2Face durchgeführt. Den Versand des Gewinns übernimmt die Tempehmanufaktur.

§ 2 Teilnahme
(1) Teilnahmeberechtigt sind alle Spieler in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Hier und im Folgenden schließt die männliche Form die weibliche ein. (2) Eine Person nimmt am Gewinnspiel teil, indem sie eine E-Mail an die von uns angegebene E-Mail-Adresse schreibt und dort ihren Namen und die Adresse bzw. den Namen und die Adresse des möglichen Gewinners hinterlässt. (3) Zur Teilnahme am Gewinnspiel ist unbedingt erforderlich, dass sämtliche Personenangaben der Wahrheit entsprechen. Andernfalls kann ein Ausschluss gemäß § 3 (3) erfolgen. (4) Mitarbeitern von Face2Face ist es nicht gestattet, beim Gewinnspiel teilzunehmen. Ihre Einsendungen können beim Gewinnspiel nicht berücksichtigt werden.

§ 3 Ausschluss vom Gewinnspiel
(1) Bei einem Verstoß gegen diese Teilnahmebedingungen behält sich das Online-Magazin Face2Face das Recht vor, Personen vom Gewinnspiel dauerhaft auszuschließen. (2) Ausgeschlossen werden auch Personen, die sich unerlaubter Hilfsmittel bedienen oder sich anderweitig durch Manipulation Vorteile verschaffen. Gegebenenfalls können in diesen Fällen auch nachträglich Gewinne aberkannt und zurückgefordert werden. (3) Wer unwahre Personenangaben macht, kann des Weiteren vom Gewinnspiel ausgeschlossen werden. (4) Nach Ablauf des Gewinnspielzeitraums können keine weiteren Einsendungen berücksichtigt werden und werden somit gelöscht. (5) Stehen in der E-Mail mehr als die Anzahl der vorgeschriebenen Namen können die Teilnehmer nicht für den möglichen Gewinn berücksichtigt werden. (6) Ebenfalls bei mehrmaliger Einsendung findet ein Ausschluss vom Gewinnspiel statt.

§ 4 Durchführung und Abwicklung
(1) Die Gewinner werden von Face2Face am Tag der Bekanntgabe per E-Mail über ihren Gewinn informiert. (2) Eine Barauszahlung der Gewinne oder eines etwaigen Gewinnersatzes ist in keinem Falle möglich. (3) Der Anspruch auf den Gewinn oder Gewinnersatz kann nicht abgetreten werden. (4) Ist es aus zuvor nicht vorhersehbaren Gründen nicht möglich, dass der Gewinn von der Tempehmanufaktur an den Gewinner versendet wird, hat der Gewinner in diesem Fall keinerlei Anspruch auf Ersatz.

§ 5 Datenschutz
(1) Durch die Teilnahme am Gewinnspiel erklärt sich der Teilnehmer ausdrücklich damit einverstanden, dass Face2Face die dazu erforderlichen Daten für die Dauer des Gewinnspiels speichern darf. Es steht dem Teilnehmer jederzeit frei, per Widerruf unter der angegebenen E-Mail-Adresse die Einwilligung in die Speicherung aufzuheben und somit von der Teilnahme zurückzutreten. (2) Die Teilnehmer erklären sich dazu bereit, dass im Falle eines Gewinnes ihr Name (keine Adresse!) öffentlich bekannt gegeben wird, beispielsweise über soziale Netzwerke oder die offizielle Homepage von Face2Face. (3) Face2Face verpflichtet sich, die gesetzlichen Bestimmungen des Datenschutzes zu beachten und das Fernmeldegeheimnis zu wahren. (4) Nach Beendigung des Gewinnspiels werden alle eingesandten E-Mails wieder gelöscht.

§ 6 Sonstiges
(1) Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. (2) Es ist ausschließlich das Recht der Bundesrepublik Deutschland anwendbar. (3) Sollten einzelne dieser Bestimmungen ungültig sein oder werden, bleibt die Gültigkeit der übrigen Nutzungsbedingungen hiervon unberührt.

Leben mit Laktoseintoleranz

Auf immer mehr Lebensmittelprodukten ist mittlerweile die Aufschrift „laktosefrei“ zu finden. Viele wissen, was sich dahinter verbirgt, andere hingegen zucken mit den Schultern. Wie sieht es denn mit dir aus?
Ungefähr 15-20% der Europäer sind laktoseintolerant, wobei viele Menschen gar nicht wissen, dass sie betroffen sind. Das liegt daran, dass die Symptome sehr unterschiedlich ausfallen und auch recht unspezifisch sind. Während dem einen nach dem Verzehr von Milchspeisen speiübel ist, hat der andere nur leichte Bauchschmerzen oder merkt fast gar nichts. Hier ist zu erwähnen, dass Laktoseintoleranz (auch Lactoseintoleranz) eine Nahrungsmittelunverträglichkeit ist und nicht mit der Kuhmilchallergie verwechselt werden sollte.

Denn bei der Laktoseintoleranz verträgt man den Milchzucker nicht. Die Ursache dafür liegt darin, dass bei laktoseintoleranten Menschen das Enzym Lactase vom Körper entweder unzureichend oder gar nicht produziert wird. So kann die Spaltung von Laktose in die beiden Stoffe Galaktose und Glukose nicht wirklich funktionieren, was dann zu den verschiedenen Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, und so weiter führt.

Mittlerweile gibt es eine Vielzahl verschiedener Laktoseintoleranz-Test, um Gewissheit zu verschaffen. So zum Beispiel der Blutzuckertest oder Belastungstest, mit dem bei mir eine Laktoseintoleranz festgestellt wurde. Bei diesem Test wird in Wasser gelöste Laktose verabreicht und dann alle 30 Minuten eine Blutprobe genommen, um den Glukosegehalt bestimmen zu können. Dieser Test dauert zwischen 2-3 Stunden.

Ist eine Laktoseintoleranz festgestellt worden, müssen die meisten Menschen ihren Ernährungsplan überdenken. Laktosefreie Produkte landen im Einkaufskorb, es wird mehr darauf geachtet, was genau im Restaurant gegessen wird und wovon man besser die Finger lässt. Anfangs war das auch für mich eine Umstellung. Mein Lieblingsessen ist plötzlich unverträglich. Also muss eine Alternative her. Zum Glück reagieren immer mehr Hersteller auf Menschen mit einer Nahrungsmittelunverträglichkeit und bieten dementsprechend Produkte an, die problem- und bedenkenlos gegessen werden können. So ist es kein Problem mehr, sich ein Tiramisu wieder selbst zu zaubern oder eine Pizza mit viel Käse zu belegen. An was sich vielleicht anfangs gewöhnt werden muss, ist, dass die laktosefreien Produkte meistens süßer schmecken.

Eine andere Möglichkeit für viele Betroffene ist das Zuführen der Lactase durch Tabletten. Diese Tabletten oder Kapseln werden vor dem Verzehr von milchhaltigen Speisen zu sich genommen und führen dazu, dass die mit der Nahrung aufgenommene Laktose in ihre Bestandteile zerlegt wird. Allerdings ist auch hier zu sagen, dass das nicht bei allen Menschen funktioniert.

Natürlich fällt es schwer, auf das ein oder andere zu verzichten, aber da es viele leckere Rezepte für laktosefreie Mahlzeiten gibt und auch die Auswahl an laktosefreien Produkten stetig zunimmt, kann ist mit dieser Nahrungsmittelunverträglichkeit ganz gut zu leben.

In diesem Sinne: Eine schöne Woche!

Eure Lea

Vorschau: Eva beschäftigt sich nächste Woche mit der Frage, was eigentlich sexistisch an unserer Sprache ist und ob das wirklich so schlimm ist.

Preview: Oktober 2011

Das Musthave der Herbst- und Wintersaison 2011, Interviews mit der Bestsellerautorin Rebecca Gablé, der Indie- und Britpop-Band „Razorlight“ und Rapper „PatientLee“ – nach einem erfolgreichen und hoffentlich auch für euch, liebe LeserInnen, unterhaltsamem Monat September, hat das Face2Face-Team für Oktober wieder einige interessante Themen und spannende Artikel vorbereitet.

In der FilmKunstKultur-Rubrik wird der Beitrag des Face2Face-Schreibwettbewerb-Gewinners veröffentlicht, die Autorinnen der Kolumne beschäftigen sich mit Themen wie Laktoseintoleranz und Datenschutz in „Facebook“ und in der Moderubrik erwartet euch ein Interview mit dem Fashionblogger von afterdrk.com. Eine Reportage über den „Nachtwandel im Jungbusch“ lest ihr in der Musikrubrik und im Panorama steht „taff“-Moderator Daniel Aminati Face2Face Rede und Antwort. Mehr über das Stuttgarter Volksfest „Wasen“ erfahrt ihr in der Reiserubrik, die Sportredaktion wird vor seinem WM-Titelverteidigungskampf mit Cruiser-Gewicht-Weltmeister Marco Huck sprechen und in der Mensch&Tier-Rubrik gibt es weitere Fakten zum Thema Vegetarismus. Rezepte und Ausgehtipps erwarten euch in der Tipps&Tricks-Rubrik und die Wirtschaft&Politik-Redaktion wird sich wie immer mit dem aktuellen politischen Geschehen befassen.

Laufende Gewinnspiele:
Bis einschließlich Sonntag, 16. Oktober könnt ihr noch eines der zwei handsignierten T-Shirts von „Razorlight“ gewinnen. Mehr Infos dazu findet ihr HIER.
Bis Donnerstag, 6. Oktober habt ihr außerdem noch die Möglichkeit eine von zwei Autogrammkarten von Topmodelgewinnerin Jana Beller zu gewinnen. Mehr Infos gibt´s HIER.

Ihr wollt eure Meinung über Face2Face kundtun? Lob, Kritik und so weiter könnt ihr HIER loswerden.