Kontroverse Ernährungsmythen- den Fakten auf der Spur

Der Kampf darum, welche Ernährungsform die Gesündeste ist, hält an. Was sollen wir essen und was nicht? Kann man das heutzutage noch wissen? Während wir bereits geklärt haben, dass zu hoher Fleischkonsum ungesund ist, und die Debatte zwischen Veganern und Fleischessern mit Fakten unterlegt haben, bleiben allerdings noch einige weitere Punkte im Raum stehen. Diese nehmen wir uns heute vor.

Kontroverse Ernährungsmythen- den Fakten auf der Spur

Rohkost (Foto: Face2Face)

Einige Veganer gehen nämlich noch einen Schritt weiter. Sie essen nur noch Rohkost. Rohkost-Veganer essen nichts, was über 42°C erwärmt worden ist, da dies Enzyme zerstört. Allerdings brauchen wir zum Verdauen keine Enzyme von außen, da wir Verdauungsenzyme selbst herstellen können. Auch sind die wenigsten Vitamine hitzeempfindlich und beim Kochen verlieren die Vitamine B1, B5, B9, und C nur langsam ihren Wert. Tatsächlich war Kochen sehr wichtig für unsere Vorfahren, weil so unser Essen uns mehr Netto-Energie einbrachte (die Verwertbarkeit der Proteine in Eier steigt zum Beispiel an), Bakterien abgetötet werden konnten und auch Toxine zerstört werden (wie zum Beispiel bei Kartoffeln). Trotzdem besteht natürlich nicht bei allen Lebensmitteln die Notwendigkeit sie zu kochen. Obst und einige Gemüsesorten schmecken unbehandelt hervorragend.

Auch Milch ist in Verruf geraten. Während es früher noch „Milch macht stark“ hieß, heißt es heute, dass man die Finger davon lassen sollte. Das Kalzium in der Milch, so dachte man früher, stärkt die Knochen, doch dies konnte widerlegt werden. Andere Studien vermuten sogar eine Erhöhung der Knochenbrüchigkeit, was allerdings nicht belegt ist. Kritiker warnen also vor Osteoporose. Fest steht, bei erhöhtem Konsum von Milch und Milchprodukten erhöht sich das Risiko von Akne, Diabetes (Typ1) und Krebs (Brust-, Prostata- und Eierstockkrebs). Eine geringe Aufnahme von Milch (ca. 1 Glas pro Tag) wird jedoch weiterhin als gesund angesehen, dank der gesunden Fettsäuren erniedrigt sich das Risiko für Übergewicht, Diabetes (Typ2) und Krebs (Brustkrebs).

Ist man allergisch auf Laktose (Milchzucker) oder Casein (Milchprotein) sollte man Milch meiden. Tatsächlich verlieren alle Säugetiere nach dem Säuglingsalter langsam die Fähigkeit Laktose zu spalten, beziehungsweise das dafür notwendige Enzym (Laktase) zu produzieren. Erst beim Menschen entwickelte sich eine Laktose-Persistenz, eine genetische Mutation, die besonders in höheren geographischen Lagen entstand, weil dem Körper durch die Milch mehr Vitamin D zugeführt wurde. Laktose-Intoleranz findet sich aber noch bei 95 Prozent der Asiaten, 70 Prozent der Afrikaner, 53 Prozent der Südamerikaner und 15 Prozent der Kaukasier.

Auf Gluten sollte, ähnlich wie bei Lactose, nur der achten, der eine Allergie oder Unverträglichkeit – eine Zöliakie – besitzt. Um dies zu erfahren solltet ihr zu einem Arzt gehen, allerdings einem vertrauenswürdigem, da der neue Trend der IgG Allergie Tests ebenfalls falsche Ergebnisse erbringt. Ansonsten ist es vollkommen in Ordnung Gluten zu verspeisen.

Vitamin D befindet sich, wie bereits erwähnt, in Milch, aber auch in Fisch und Sojaprodukten. Eine Unterversorgung steht mit vielen Krankheiten, wie kardiovaskuläre Erkrankungen oder Autoimmunkrankheiten in Verbindung. Doch Vitamin D ist eigentlich kein Vitamin, da unser Körper es selbst herstellen kann: treffen Sonnenstrahlen auf unsere Haut, können Zellen diese Energie zur Herstellung von Vitamin D nutzen. Ein regelmäßiges Sonnenbad nehmen ist also sehr gesund.

Gerade in den nördlichen Graden im Winter kann kein Vitamin D gebildet werden und ob eine zusätzliche Einnahme von Nöten ist, ist Gegenstand einiger Diskussionen. Eigentlich könnte der Mensch sich einen Speicher im Sommer anlegen, den er über den Winter hindurch verbraucht, doch in unseren Gesellschaften ist bei einigen Bürgern die Sonnenexpositionszeit, die Zeit, die sie im Sonnenlicht verbringen, zu gering.

Kontroverse Ernährungsmythen- den Fakten auf der Spur

Die süße Versuchung: Zucker ist in vielen Lebensmitteln (Foto: Face2Face)

Zu viel Zucker ist definitiv ungesund. Und das Problem ist, dass in vielen Produkten im Supermarkt viel Zucker versteckt ist. Von zu viel Verzehr sollte man also absehen. Aspartam, das Süßungsmittel, welches man in Diät-Cola und ähnlichem findet, wird ebenfalls oft als krankmachend und krebserzeugend verunglimpft. Doch bisher gibt es keine Studien oder Befunde, die dies beweisen.

Besonders bei der Ernährung wird oft auf krebserzeugende Wirkungen verwiesen, auch wenn die echten Studien eigentlich nur eine Korrelation gefunden haben. Die Problematik liegt bei der Interpretation der wissenschaftlichen Befunde durch Nachrichtensender und Blogger. Dabei bedeutet eine Korrelation nicht immer einen kausalen Zusammenhang. Auch wird oft in der Umgangssprache von „Chemie“ in unserer Ernährung gesprochen, wenn industriell produzierte Zusätze gemeint sind. Und auch diese Zusätze bedeuten nicht automatisch einen tödlichen „Chemie- Cocktail“.

Um sich gesund zu ernähren, gibt es viele Wege. Es gilt eigentlich nur einige Grundregeln zu beachten. Hierzu sollte Ernährungsexperte David L. Katz zitiert werden: „Esst Gemüse, esst Obst, esst Vollkornprodukte, esst keine Fertigessen, und übertreibt es nicht mit Zucker, Fleisch und Milchprodukten. Das war’s. So einfach ist es.“ und „Einen frühzeitigen Tod stirbt derjenige, der sich schlecht ernährt, keinen Sport treibt, Übergewicht hat und raucht.“

Vorschau: In zwei Wochen gibt es kleine Weltverbesserertipps für den Alltag.

Hilfe, ich bin krebserregend!

Ich frönte wieder einmal der Sinnlosigkeit, indem ich mich durch zahllose Internetforen klickte, die sich mit essentiellen Fragestellungen wie den trockenen Haarspitzen, der Namensgebung von Haustieren oder den fruchtigsten Teesorten bei Rewe beschäftigen. Gerade in solchen Momenten scheint unverhofft eben doch oft zu kommen: Ich entdeckte einen Thread namens „Hilfe, meine Kleidung ist giftig!“, begann mich bereits händereibend auf Debatten über Markenwahn und überteuerte T-Shirts zu freuen, und stieß auf einen Link von Greenpeace. Krebserregende Chemikalien in Zara-Jeans gefunden! Dann ein weiterführender Artikel mit sämtlichen Testergebnissen. Mango! Vero Moda! Ekelhaft!

Hilfe, ich bin krebserregend!

Geht unter die Haut: Krebs bei der Arbeit.
(Foto: Föhr)

Nicht gerade beruhigend wirkt da ein Blick in meinen Kleiderschrank… Hier dürfte mittlerweile mehr Krebs drin sein als in der gesamten Nordsee! Vor gar nicht allzu langer Zeit stand ein Großeinkauf bei Zara an, bei dem ich offenbar meine Gesundheit an der Kasse mit abgegeben habe.

Grandios, da kann man die Sachen wohl so oft waschen, wie man lustig ist – Krebs ist Krebs. Meine Waschmaschine hätte außerdem auch gerne noch ein paar erregerfreie Rohre auf ihre besten Jahre. Schön, dann also weg mit Zara und Co. Einfach mehr essen an den Feiertagen, dann passen die verseuchten Kleider schon irgendwann nicht mehr.

Wenn wir schon beim Thema Mahlzeit sind: Ich hätte nichts gegen ein paar Pommes. Auf einen Besuch in der Frittenbude meines Vertrauens folgt allerdings nackte Verzweiflung. Fritteusen und ihr Fett sind nach neuesten Erkenntnissen nämlich ebenfalls krebserregend. Wenn die sündigen Kartoffelstängel dann auch noch angebrannt sind, kann man gleich Gute Nacht sagen. Einer panischen Mutter und den hysterischen Medien sei Dank habe ich von dieser ungeheuren wissenschaftlichen Errungenschaft überhaupt Wind bekommen. Ich habe mir seither noch ein weiteres aufregendes Hobby zugelegt: Die hypochondrische Recherche weiterer krebserregender Lebensmittel. Milch soll beispielsweise dazu gehören… Oder Leitungswasser. Ganz zu schweigen von jeglichem Fastfood, was mich wiederum mit Übelkeit an meine Pommes Frites zurückdenken lässt.

Puh, auf den Schock erst einmal eine Zigarette draußen vor der Tür. Ich wohne an einer befahrenen Straße mitten in der Stadt – garantiert bis oben hin bedeckt mit Abgasen. Da macht mein eigener Qualm den Kohl wirklich nicht mehr fett. An meinem Glimmstängel ziehend bewege ich mich gegen Abend dann auf die Piste. Vor der ersten Kneipe begegnen mir gleichgesinnte Feierwütige, allesamt mit Fluppe im Mund und eingehüllt in feinste Fell – äh – Krebsparkas, die ich bei meinem letzten Einkauf bei Zara schon ins Auge gefasst hatte.

Ich stelle sie mir vor, wie sie anstelle der Kippen an laktosefreien Schokozigaretten nuckeln, eingekleidet in edle handgenähte Kartoffelsäcke. In den wärmeren Sommermonaten dürfen sie dann die Hüllen fallen lassen und sich zu organisierten Nudistentreffs zusammenschließen. Offenbar war damals in Woodstock ja nur selten von mutierten Krebszellen die Rede. Bis zum Schluss fraglich bliebe dann allerdings, wohin mit den Kartoffeln aus den Kartoffelsäcken.

Eine unbändige Lust auf Pommes überkommt mich. Ich habe die gesunden Vorsätze über Bord geworfen und mache mich frohen Mutes auf den Weg in die Frittenbude. Vielleicht begegnet mir ja unterwegs der ein oder andere Krebs. Alles kann, nichts muss.

Vorschau:  Und nächste Woche geht’s schmierig zu, wenn Kolumnist Sascha sich uns unsere Beziehung zum lieben Öl vornimmt.

Leben mit Laktoseintoleranz

Auf immer mehr Lebensmittelprodukten ist mittlerweile die Aufschrift „laktosefrei“ zu finden. Viele wissen, was sich dahinter verbirgt, andere hingegen zucken mit den Schultern. Wie sieht es denn mit dir aus?
Ungefähr 15-20% der Europäer sind laktoseintolerant, wobei viele Menschen gar nicht wissen, dass sie betroffen sind. Das liegt daran, dass die Symptome sehr unterschiedlich ausfallen und auch recht unspezifisch sind. Während dem einen nach dem Verzehr von Milchspeisen speiübel ist, hat der andere nur leichte Bauchschmerzen oder merkt fast gar nichts. Hier ist zu erwähnen, dass Laktoseintoleranz (auch Lactoseintoleranz) eine Nahrungsmittelunverträglichkeit ist und nicht mit der Kuhmilchallergie verwechselt werden sollte.

Denn bei der Laktoseintoleranz verträgt man den Milchzucker nicht. Die Ursache dafür liegt darin, dass bei laktoseintoleranten Menschen das Enzym Lactase vom Körper entweder unzureichend oder gar nicht produziert wird. So kann die Spaltung von Laktose in die beiden Stoffe Galaktose und Glukose nicht wirklich funktionieren, was dann zu den verschiedenen Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, und so weiter führt.

Mittlerweile gibt es eine Vielzahl verschiedener Laktoseintoleranz-Test, um Gewissheit zu verschaffen. So zum Beispiel der Blutzuckertest oder Belastungstest, mit dem bei mir eine Laktoseintoleranz festgestellt wurde. Bei diesem Test wird in Wasser gelöste Laktose verabreicht und dann alle 30 Minuten eine Blutprobe genommen, um den Glukosegehalt bestimmen zu können. Dieser Test dauert zwischen 2-3 Stunden.

Ist eine Laktoseintoleranz festgestellt worden, müssen die meisten Menschen ihren Ernährungsplan überdenken. Laktosefreie Produkte landen im Einkaufskorb, es wird mehr darauf geachtet, was genau im Restaurant gegessen wird und wovon man besser die Finger lässt. Anfangs war das auch für mich eine Umstellung. Mein Lieblingsessen ist plötzlich unverträglich. Also muss eine Alternative her. Zum Glück reagieren immer mehr Hersteller auf Menschen mit einer Nahrungsmittelunverträglichkeit und bieten dementsprechend Produkte an, die problem- und bedenkenlos gegessen werden können. So ist es kein Problem mehr, sich ein Tiramisu wieder selbst zu zaubern oder eine Pizza mit viel Käse zu belegen. An was sich vielleicht anfangs gewöhnt werden muss, ist, dass die laktosefreien Produkte meistens süßer schmecken.

Eine andere Möglichkeit für viele Betroffene ist das Zuführen der Lactase durch Tabletten. Diese Tabletten oder Kapseln werden vor dem Verzehr von milchhaltigen Speisen zu sich genommen und führen dazu, dass die mit der Nahrung aufgenommene Laktose in ihre Bestandteile zerlegt wird. Allerdings ist auch hier zu sagen, dass das nicht bei allen Menschen funktioniert.

Natürlich fällt es schwer, auf das ein oder andere zu verzichten, aber da es viele leckere Rezepte für laktosefreie Mahlzeiten gibt und auch die Auswahl an laktosefreien Produkten stetig zunimmt, kann ist mit dieser Nahrungsmittelunverträglichkeit ganz gut zu leben.

In diesem Sinne: Eine schöne Woche!

Eure Lea

Vorschau: Eva beschäftigt sich nächste Woche mit der Frage, was eigentlich sexistisch an unserer Sprache ist und ob das wirklich so schlimm ist.