Level up – Videospiele erobern die Wissenschaft

Eine Uni, die sich für Computer- und Videospiele interessiert – das Traumgebilde eines Gamers? Keineswegs. Die Japanologie der Universität Leipzig hat im Rahmen des Bereiches „Japan im Zeitalter der neuen bzw. digitalen Medien“ die Erforschung japanischer Videospiele zu einem ihrer zentralen Forschungsgebiete gemacht.

Seit mehr als vierzig Jahren haben sich digitale Spiele zu einer der beliebtesten Unterhaltungsmöglichkeiten entwickelt. Nicht nur in Japan sind seine Videospiele populär. Sie üben seither einen starken Einfluss auf die Spielkultur weltweit aus. Man denke nur an die Nintendoklassiker wie Super Mario Bros. oder The Legend of Zelda.

Level up - Videospiele erobern die Wissenschaft

Universität Leipzig Fakultät für Geschichte, Kunst- und Orientwissenschaften Ostasiatisches Institut / Japanologie Juniorprofessor Dr. Martin Roth (Foto: Swen Reichhold / Pressestelle der Universität Leipzig)

Die Japanese Videogames Research Initiative – die Initiative zur Erforschung japanischer Videospiele ist noch sehr jung. Erst 2015 wurde sie von Dr. Martin Roth, dem Leipziger Juniorprofessor für Japanologie, ins Leben gerufen. Schon seine Dissertation schrieb er über die politischen Potentiale japanischer Videospiele. Nun forscht er auf dem Gebiet „Japan im Zeitalter der neuen bzw. digitalen Medien“. Bei seiner Doktorarbeit stieß er auf das Problem, dass viele der japanischen Videospiele hier in Deutschland nicht oder zumindest schwer zugänglich sind. Genauso verhält es sich mit der benötigten Technik. Doch für die ernsthafte wissenschaftliche Beschäftigung ist die unbehinderte Zugänglichkeit unabdingbar. So kam ihm die Idee eine Sammlung der Spiele zu beginnen, um sie für Forschung, Studium und Lehre erreichbar zu machen.

Ein wichtiger erster Schritt zum Traum von einer der größten Sammlung japanischer Videospiele war kürzlich die Schenkung von 4500 Spielen der japanischen CERO – der Computer Entertainment Rating Organization. Sie kümmert sich um die Bewertung von Computer und Videospielen. „Damit war ein guter Anfang für eine solche Sammlung in Leipzig geschaffen, die wir nun erschließen und hoffentlich in Zukunft ausbauen können“, beurteilt Roth die Schenkung. Leider kann er bisher nicht viel über deren Inhalt sagen, da gerade erst damit begonnen wurde, die Kisten zu öffnen. Derzeit besteht die Sammlung außerdem noch aus den Spielen, die Roth im Rahmen eines Seminars für die Studenten angeschafft hatte.

Durch die Initiative sollen Informationen über die Spiele und deren Kultur gesammelt werden. Die Forschungsschwerpunkte liegen dabei in verschiedenen Richtungen. Zum ersten sind das die Inhalte und das Spielgeschehen. Dabei wird vor allem auf die Ausdrucksmöglichkeiten, Kreativität und deren Bedeutung geachtet. Eine zweite Perspektive ist der gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Einfluss, den die Spiele haben.
Weiterhin wird betrachtet, welche Auswirkungen die Globalisierung und die Ausdehnung eines weltweiten Marktes auf die Entwicklungs-, Produktions-, und Konsumbedingungen mit sich bringen.

Level up - Videospiele erobern die Wissenschaft

Noch ist nicht bekannt, welche Schätze man aus CEROs Kisten hervorholen wird (Foto: Martin Roth / Universität Leipzig)

Außerdem beschäftigt sich die Initiative sowohl mit der historischen Bedeutung, wie zum Beispiel dem Verhältnis zwischen der Nachkriegsgeschichte Japans und des Entstehens der Spielekultur, als auch mit den zukünftigen Entwicklungen der Spielkultur.
Zuletzt liegt ein besonderes Augenmerk darauf, wie die japanische Spielkultur von außen betrachtet wird. Dazu kann übrigens jeder beitragen, denn auf der Webseite jGames wird dazu aufgerufen, seine Assoziationen und Erinnerungen an die gefundenen Spiele mitzuteilen.
Die Ergebnisse der Forschungen sollen anschließend der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Doch nicht nur die Forschung interessiert sich für die Spiele. Sie können dazu verwendet werden die Geschichte, Kultur und Sprache Japans besser zu verstehen. Es soll sogar ein eigenes Spiel zum Erlernen des Japanischen entwickelt werden.

Um die Initiative voranzubringen, will Roth mit internationalen Forschern zusammenarbeiten. Workshops und Tagungen sollen den Austausch mit interessierten Organisationen, Spieleherstellern und Forschern unterstützen

Wie genau die Schenkung von CERO aussieht wird sich bald zeigen. Auf dem 1box/week blog wird in Kürze jede Woche über die Funde berichtet. Es bleibt also spannend!

Vorschau: Nächste Woche könnt Ihr hier Elisabeths Nachruf auf Henning Mankell lesen.

Erlebnis Buchkauf – drei preisverdächtige Heidelberger Buchhandlungen

Zum ersten Mal wird am Donnerstag, 17. September der Deutsche Buchhandlungspreis verliehen. Das Ziel der Auszeichnung: Sie soll inhabergeführte Geschäfte gegenüber dem Internethandel und den großen Ketten fördern. Mit von der Partie sind auch drei Heidelberger Buchhandlungen.

„Sie müssen nicht in den Amazonas reisen, wenn es Bücher bei Ihnen um die Ecke gibt.“ – Eine Tafel mit diesem Werbeschriftzug des Diogenes Verlags steht vor der kleinen Bücherstube an der Tiefburg in Handschuhsheim.
Neben Hassbeckers Galerie & Buchhandlung und artes liberales ist sie eine von drei Heidelberger Buchhandlungen, die für den Deutschen Buchhandlungspreis nominiert sind.
Er wird in der kommenden Woche in Frankfurt durch Prof. Monika Grütters, die Staatsministerin für Kultur und Medien, vergeben.
108 Buchhandlungen in ganz Deutschland sind nominiert. Laut der offiziellen Seite des Preises sollen sie alle folgenden Kriterien erfüllen: Sie müssen ein kulturelles Veranstaltungsprogramm bieten, sich für die Lese- beziehungsweise Literaturförderung einsetzen, ein besonderes literarisches Sortiment vertreten und ein innovatives Geschäftsmodell haben. Dabei darf ihr durchschnittlicher Jahresumsatz der letzten drei Jahren eine Million Euro nicht überschritten haben. Der Preis ist in drei Kategorien von Gütesiegeln unterteilt, sodass alle 108 prämiert werden können.

Erlebnis Buchkauf - drei preisverdächtige Heidelberger Buchhandlungen

Eine freundliche Einladung zum Stöbern (© Bücherstube an der Tiefburg)

Die Bücherstube an der Tiefburg setzt sich vor allem für die Leseförderung bei Grundschulkindern ein und bietet ein äußerst vielfältiges Kulturprogramm. Dieses reicht von einer Kinderlesenacht über ein Gartencafé im Sommer bis hin zu Autorenlesungen und Literaturreisen auf den Spuren verschiedener Schriftsteller.
Seit 1982 gibt es die Bücherstube. Sie ist trotz des zweimaligen Umzuges schon seit langem ein fester Bestandteil des kulturellen Lebens in Handschuhsheim. Obwohl sie in 33 Jahren auch um 85 m² gewachsen ist, herrscht hier immer noch eine familiäre Atmosphäre. Im kleinen Hof neben der Buchhandlung befindet sich ein Garten, der teilweise mit Ranken überwachsen ist und mit Cafétischen und Strandkorb bei gutem Wetter dazu einlädt, eine Weile zu verweilen.

„Wir legen besonders großen Wert auf persönliche Beratung und eine enge persönliche Bindung zu unseren Kunden. Es ist wichtig die Kunden zu kennen“, erklärt Regina Kaiser-Götzmann, die Inhaberin der Buchhandlung. Sie findet es gut, dass durch den Preis gezeigt wird, was der Buchhandel leistet. Deshalb hat sie sich für die Bewerbung entschieden.

Die zweite Buchhandlung ist artes liberales am anmutigen Kornmarkt.
Auch sie ist von hier, nicht mehr wegzudenken. Nur aus einem einzigen kleinen Raum bestehend, ist das Sortiment nicht besonders groß, aber sorgfältig ausgewählt. Der

© artes liberales - Buchladen, Heidelberg 2015

Ein Ort zum Schmökern und Verweilen: Die Buchhandlung artes liberales (© artes liberales – Buchladen, Heidelberg 2015)

Schwerpunkt der Buchhandlung liegt auf der Philosophie, aber auch auf mit ihr verbundenen Gebieten wie Dichtung, Künsten und Wissenschaften. Es folgt demnach nicht den aktuellen Bestsellerlisten und Empfehlungen, sondern enthält auch Schriften, die mitunter über 2000 Jahre alt sind. Artes liberales bietet auch ein großes Kulturprogramm und zwar über die zugehörige Organisation artes liberales-universitas. Dazu gehören Kolloquien, Vorträge und Lesungen.
Sehr wichtig ist Clemens Bellut, Inhaber der Buchhandlung, eine einladende Atmosphäre. „Wenn jemand sich den ganzen Tag oder auch nur einige Stunden in den Liegestuhl setzt und ein Buch liest, ist das schon ein großer Gewinn für die Buchhandlung“, erklärt er. Willkommen sei auch immer das persönliche Gespräch. Tatsächlich steht in der Buchhandlung ein Liegestuhl, direkt am Fenster, das weit nach oben geschoben werden kann, sodass man den Eindruck hat, man sitze draußen. Drum herum reichen die Regale bis unter die Decke, doch die großen Fenster sorgen stets für viel Licht.

Hassbeckers Galerie & Buchhandlung in der Haspelgasse ist die dritte der nominierten Heidelberger Buchhandlungen. Inzwischen führt Barbara Schulz die Buchhandlung weiter, die ihr verstorbener Lebensgefährte Egon Hassbecker ursprünglich in Eberbach gegründet hatte.
Die Galerie und die Buchhandlung sind inzwischen untrennbar miteinander verbunden. Das Sortiment wird mit viel persönlichem Interesse ausgewählt und bietet eine große Bandbreite.
Zudem gehört zu der Galerie und der Buchhandlung auch das Museum im Haus Cajeth. Teil des Programms sind unter anderem Lesungen, Buchvorstellungen und natürlich die Ausstellungen des Museums. Sie zeigen Bilder naiver und primitiver Künstler, deren Bilder auch an den Wänden der Buchhandlung zu finden sind. Im ersten Zimmer sind die Wände frei von Regalen geblieben, um Platz für die Bilder zu bieten. Weiter hinten, im verwinkelteren Teil der Buchhandlung, sind die Regale so hoch wie die Räume selbst, das Ambiente erinnert an ein Antiquariat mit heimeliger Atmosphäre.

Wer sich also einmal wieder ein Buch kaufen möchte, sollte in jedem Fall einmal eine der Buchhandlungen ausprobieren. Und wer weiß – vielleicht hat er dann bald ein Buch aus einer der drei besten Buchhandlungen in Deutschland?

Vorschau: Am Freitag den 25. September lest Ihr Vanessas Filmkritik zu Fack ju Göhte 2.

Herz verloren in Bosnien

Nach dem Abitur wollte ich in die weite Welt hinaus. Gelandet bin ich in Bosnien. Rund 1000 Kilometer entfernt von München, in der Stadt Tuzla, deren Name sich vom türkischen Wort Tuz (Salz) ableitet, wovon sich unter der Stadt reichlich verbirgt.

Eine Lehrerin nannte meine Entscheidung damals mutig. Ich stach mit Bosnien auch wirklich aus der Reihe. Work und Travel in Australien stand hoch im Kurs. Vielleicht auch ein Aufenthalt in einem afrikanischen Land. Mit dem Backpack durch Asien. Aber ein Freiwilliges Soziales Jahr in Bosnien? Auf eine solche Idee, war niemand aus meinem Abitur-Jahrgang gekommen. Meiner Lehrerin waren vermutlich sofort die grauenhaften Bilder vom Krieg in den 90-er Jahren durch den Kopf geschossen. Doch dieser war immerhin zu diesem Zeitpunkt (2009) schon 14 Jahre vorbei.

Die Brücke über die Drina - viele alte Brücken sichtet man in Bosnien (Foto: Julian Nitzsche  / pixelio.de)

Die Brücke über die Drina – viele alte Brücken sichtet man in Bosnien (Foto: Julian Nitzsche / pixelio.de)

Meine erste lebhafte Erinnerung an Bosnien ist die Ankunft. Nach einer nicht enden wollenden Busfahrt, kamen wir in den frühen Morgenstunden am Busbahnhof der drittgrößten Stadt Bosniens in Tuzla an. Die Familie, in deren Haus wir im obersten Stockwerk ein Jahr lang wohnen würden, erwartete uns bereits und hievte unser Gepäck in einen VW Golf. Ein Auto, das das bosnische Straßenbild beherrscht. Im Wohnzimmer der Familie wartete Kaffee, frischgebackene Pita und Gemüse aus dem eigenen Garten auf uns. Es duftete verheißungsvoll. Wir waren nervös, müde und gespannt. Die Wärme und Herzlichkeit, die von unseren neuen Nachbarn ausging, erleichterte uns das Eingewöhnen unglaublich. Hier verbrachten wir viele Stunden. Übten uns in unseren ersten bosnischen Sätzen, für welche wir immer großes Lob einkassierten. Wobei unsere bosnischen Sprachkenntnisse ab und an auch lautes Gelächter entfachten, wenn eine von uns einen lustigen Fehler gemacht oder eine für die Region typische Redeweise verwendet hatte. Wie oft bog ich den kleinen Weg zu unserem Haus ein, sah von weiten bereits die Vermieterin oder  eine ihrer Töchter. Und schon war man zum Kaffeetrinken eingeladen. Kaffeetrinken. Das ist in Bosnien eine Zauberformel. Schnell begriffen ich und meine drei Mitbewohnerinnen, die ebenfalls ein FSJ machten, das Kaffeetrinken ein fester Bestandsteil des bosnischen Alltags war.

Kaffee und Rakija:. Ohne Kaffee geht hier gar nichts! (Foto: Mätzke-Hodzic)

Kaffee und Rakija:. Ohne Kaffee geht hier gar nichts! (Foto: Mätzke-Hodzic)

Ich arbeitete ein Jahr lang in einem Tageszentrum für junge Erwachsene mit Behinderungen, genannt Koraci Nade, zu Deutsch, Schritte der Hoffnung. Die Mittagspause war für gewöhnlich erfüllt von den lautstarken Gesprächen meiner durchweg weiblichen Mitarbeiterinnen, die eine Kaffeetasse nach der anderen schlürften. Einmal lehnte ich ab, als mir bereits zum x-ten Mal nachgegossen wurde. Als ich mich rechtfertigte, dass mein kleines Herz so viel Kaffee nicht vertrage, lachten sie – lauthals. Serviert wird der bosnische Kaffee für gewöhnlich in kleinen Tassen. Feingemahlenes Kaffeepulver wird in einem Gefäß (bosnisch dzezva) auf dem Herd kurz erhitzt, bis sich der Kaffeegeruch im ganzen Raum verbreitet, sodann wird kochendes Wasser hinzugegossen und der Kaffee einige Male zum Kochen gebracht, bis oben ein cremig, hellbrauner Schaum entsteht. Ich liebe dieses kleine Kaffeeritual. Heute finde auch ich es total überbewertet, wenn deutsche Freunde entgegnen, dass der Kaffee so stark sei. Mittlerweile trinke ich sogar abends Kaffee. Ganz gewöhnlich in Bosnien. Noch so eine bosnische Eigenheit: Reden. Ein Taxifahrer erklärte mir bei einer Fahrt, dass die Bosnier ein geselliges Völkchen seien und ihnen nie der Gesprächsstoff ausginge. Schweigen sei einfach nicht so ihr Ding. Für meine Arbeitsstelle traf das alle Male zu – es war eine Seltenheit, dass einfach mal Stille herrschte. Und tatsächlich ergaben sich oftmals ganz unerwartete Gespräche und Begegnungen während meines FSJ-Aufenthalts. An der Bushaltestelle. Oder in einer Kneipe. Und ganz plötzlich war man in ein Gespräch verwickelt und hatte nebenher ein paar neue Bekanntschaften gemacht.

Stadtzentrum Tuzla (Foto: Mätzke-Hodzic)

Stadtzentrum Tuzla  – die Stadt mit dem Salz unter der Erde (Foto: Mätzke-Hodzic)

Aber halt stopp. Weshalb genau habe ich mich denn nun in Bosnien verliebt? Des guten Kaffee wegen? Waren die spontanen Begegnungen ausschlaggebend? Eigentlich habe ich das Land erst so wirklich nach meinem Aufenthalt in mein Herz geschlossen. Plötzlich fing ich an mich mit Musik, Filmen und allem was in irgendeiner Weise mit Bosnien zu tun hatte, zu beschäftigen. Aber vielleicht sehnte ich mich da bereits nach dem Land zurück. Und einem besonderen Menschen, den ich dort kennengelernt hatte – meinem jetzigen Mann. Ich hatte mein Herz also sogar in doppelter Weise verloren. Egal wieviel Zeilen mir zur Verfügung stehen – es ist zu wenig um wirklich in Worte zu fassen, was mich an diesem Land begeistert.

Die Stadt Travnik - wo Kirchglocken läuten und der Muezzin zum Gebet aufruft (Foto: Die Brücke über die Drina - viele alte Brücken sichtet man in Bosnien (Foto: Julian Nitzsche  / pixelio.de)

Die Stadt Travnik – osmanisches Erbe wo man hinsieht (Foto: Foto: Julian Nitzsche / pixelio.de)

Komischerweise denke ich, wenn ich über Bosnien spreche, nicht als erstes an Krieg. Auch wenn dieser sichtbare und viele unsichtbare Spuren hinterlassen hat. Mir hat sich jedoch ein Land offenbart, das jenseits von Krieg und Brutalität, existiert. Ein Bild, das man vom diesem Land hier in Deutschland leider nicht vermittelt bekommt. Ich denke an die Landschaft, die von Bergen und türkisblauen Flüssen durchgezogen ist. An die Menschen, die lachen, auch wenn es viel zu beklagen gibt. Ein Land mit den unterschiedlichsten kulturellen Einflüssen, die von der osmanischen Herrschaft, bis zur Österreichischen Monarchie reichen und sich im Essen, in der Architektur und ja, auch in der Mentalität der Menschen wiederspiegeln. Ein Land in dem sich der Ruf des Muezzins mit dem Läuten der Kirchglocken vermischt. Ein Land in dem alte Frauen, mit bunten Kopftüchern, in ihren Fluchkünsten, der Jugend in nichts nachstehen. Und ich muss meiner Lehrerin in einem Punkt recht geben: Ja, meine Entscheidung war durchaus mutig. Aber ich denke, dass jeder Mensch, der sich in ein fremdes Land begibt und versucht sich auf dieses einzulassen, mutig ist. Ob dies nun in Afrika, Asien oder Europa ist – das spielt keine Rolle.

Kunst und Kultur auf dem Fusion Festival 2015

Auf dem ehemaligen Militärflugplatz in der 500-Seelen Gemeinde Lärz bricht die Dämmerung herein. Erst jetzt werden sich die 60.000 Besucher, die jedes Jahr in die mecklenburgische Provinz pilgern, der Vielzahl von Kunstinstallationen gewahr, die ihr volles Potential erst mit Einbruch der Dunkelheit entfalten.

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Das Fusion Festival: Die Eintrittskarte zu Elektronischer Musik, Kunst und Kultur (Foto: Privat)

Zum 18. Male jährte sich Ende Juni dieses Jahres nun die Fusion – ein Musikfestival, das vor allem die Herzen elektronischer Musikliebhaber höher schlagen lässt. Während man auf anderen Musikfestivals den Tag auf den Zeltplätzen verbringt und sich die Zeit mit exzessiven Alkoholkonsum und stupiden Trinkspielen vertreibt, so bietet die Fusion ein attraktives Rundumprogramm. Denn was die wenigsten Nicht-Fusionisten wissen ist, dass das Festival auch ein vielseitiges Kulturprogramm für die Besucher bereithält.

Während eine Kreidetafel vor einem zum Theater umgebauten Flugzeughangar die nächste Vorstellung verkündet, läuft im Kinohangar ein Filmklassiker. Nur ein paar Meter weiter finden Vorträge und Lesungen statt, die sich mit solidarischen Wohnprojekten oder Blogschreibern aus Berlin beschäftigen. Die Fülle an Angeboten ist erstaunlich und so ausgeprägt, dass eine Entscheidung schwer fällt. Jedoch ist man nicht bei allen Programmpunkten passiver Zuschauer. Im Workshop-Hangar kann sich an Graffiti oder Siebdruck versucht werden; an anderer Stelle lernt man tagsüber mit Feuer zu jonglieren und kann das Gelernte bei Nacht zur Schau stellen.

Doch dem nicht genug, finden sich überall auf dem Festivalgelände Kunstinstallationen. Ob feuerspeiende Drachen, riesige, sich bewegende Knospen, die an mit Spitzenstoff bespannten Bäumen hängen oder Dampfmaschinen in den skurrilsten Formen.

Auch die Spielstätten, Essensstände und Chill-Out-Areas sind mit viel Liebe zum Detail gestaltet. Kurzum: Das ganze Festival ist ein einziges Kunstwerk, das sich auf Bildern nicht festhalten lässt. Die Fusion ist ein Spielplatz für Erwachsene, die zu Unrecht auf Drogenkonsum reduziert wird, während es dort so viel mehr zu entdecken gibt.

Geld macht sexy – oder?

Volle Tasche? Ohne Geld sehen wir im Alltag alt aus (© Dr. Klaus Uwe Gerhardt / pixelio.de)

Volle Tasche? Ohne Geld sehen wir im Alltag alt aus (© Dr. Klaus Uwe Gerhardt / pixelio.de)

Mein Geldbeutel ist mal wieder leer. Den letzten Euro hab ich benutzt, um meinen Kindern zwei Brezeln zu kaufen. Und seit die Bankfiliale in unserer Stadt zugemacht hat, heißt das, an Bargeld komm ich nicht mehr so leicht. Dabei ist ein volles Porte­mon­naie doch ein wichtiger Indikator dafür, dass es uns gut geht. Oder etwa nicht? Geld ist schon lange mehr als nur Zahlungsmittel. Seit Jahren wird die These vertreten, Geld sei zu einem neuen Leitmedium erhoben worden. Wer Geld hat, hat Macht und Macht macht sexy. Nach der Devise sieht es noch schlechter aus für Griechenland, als die Medien zugeben.

Dabei komm ich nicht umhin mich gerne an die Szene aus „Star Trek: Zurück in die Gegenwart“ (ja, sowas hab ich tatsächlich schon gesehen – mehr als einmal) zu erinnern, in der Captain Kirk in den neunziger Jahren landet und sein Abendessen nicht bezahlen kann, weil es im dreiundzwanzigsten Jahrhundert kein Geld mehr gibt. Die Idee finde ich ganz reizvoll. Geld abschaffen, durch wissenschaftliche Entdeckungen Hunger, Krankheiten und Energiemangel besiegen. Utopia. Die Realität sieht da ganz anders aus.

Geld macht sexy - sofern wir welches haben (©Lupo / pixelio.de)

Geld macht sexy – sofern wir welches haben (©Lupo / pixelio.de)

Denn Macht macht nicht nur sexy, sie korrumpiert auch. Wer Macht hat, will diese erhalten und möglichst aufbauen, nicht aber sie zugunsten einer gleichberechtigteren Gesellschaft abgeben. Diese Meinung vertritt auch Peter Joseph, amerikanischer Regisseur. 2008 veröffentlichte er im Internet den zweiten Zeitgeist Film Addendum, in dem er die Abschaffung des Geldes als Weg in eine bessere Welt in Aussicht stellt. Das globale Finanzsystem ist hier der Böse, die Banken, die immer reicher werden, gegen die Menschen.

Immerhin ist es doch faszinierend, wie wir uns an den Betrag unseres Bankkontos klammern, der in der natürlichen Welt absolut nichtssagend ist, sondern erst Bedeutung bekommt, weil wir ihm welche zusprechen. Geld ist menschengemacht. Es ist unser Mittel der Kontrolle, wenn wir über die Natur keine haben. Wir können den Tod nicht besiegen, aber wir können uns teure Dinge leisten, das Wetter liegt nicht in unserer Hand, aber unser Auto, unsere Uhr, unsere Schuhe zeigen, dass wir es zu etwas gebracht haben. Zu Geld nämlich. Und wenn wir einsam sind, sorgen ein paar grüne Scheinchen dafür, dass uns die Menschen wieder mögen. Ihr wisst schon: Sexy.

Unser Geld: Kulturgut oder selbstgemachtes Übel (© M. Großmann / pixelio.de)

Unser Geld: Kulturgut oder selbstgemachtes Übel (© M. Großmann / pixelio.de)

Unser ganzes Leben ist doch darauf ausgelegt. Wir lernen, um einen guten Beruf zu finden, der uns viel Geld einbringt, das uns ein Leben voller Annehmlichkeiten ermöglicht. Sind wir darum glücklicher? Glücklicher als ein Mitglied eines indigenen Stammes etwa, das gänzlich ohne Geld auskommt? Oder nur Glücklicher als jemand, der im selben Kulturkreis aufgewachsen ist, aber eben weniger Geld hat? Ihr merkt schon: Geld ist ein sogenanntes Kulturgut. Wir haben uns seine Bürde selbst auferlegt, uns von ihm unterdrücken lassen und selbst dafür gesorgt, dass manche mehr und manche weniger haben. Wenn Menschen auf die Banken und das Finanzsystem schimpfen, denke ich mir nur: Da stecken wir alle mit drin. Und darum müssen wir alle etwas ändern (wollen), damit sich auch wirklich etwas ändert.

Die ersten haben das auch begriffen. Fahrradfahren etwa ist nicht nur deswegen im Kommen, weil auf Kurzstrecken so Benzin gespart und die Umwelt geschützt werden kann, sondern auch, um dem Statussymbol Auto zu entkommen. Dinge gebraucht kaufen oder statt im Hotel auf einer fremden Couch schlafen, Marmelade wieder selbst kochen, nähen, Gemüse anpflanzen. Alles, was zugunsten einer „angenehmen“ Geldwelt verdrängt wurde, lebt wieder neu auf. Und wenn wir es schaffen, diese Gedanken, diese Vorhaben festzuhalten, weiterzugeben, uns loszulösen von der Macht des Geldes, dann wird es diese eben auch verlieren. Wir haben das Geld zu dem gemacht, was es ist. Wir können ihm diese Macht auch wieder nehmen.

Vorschau: Nächste Woche schreibt Anna hier, wie sie sich in Bosnien verliebt hat.

Versteckt und weltbekannt: zwanzig Jahre Club Ebene Eins

Die Ebene Eins: Eine umgebaute Scheune dient dem Kulturverein als Veranstaltungsort (Foto: Club Ebene Eins)

Die Ebene Eins: Eine umgebaute Scheune dient dem Kulturverein als Veranstaltungsort (Foto: Club Ebene Eins)

Versteckt hinter einem großen Hoftor in der Burgstraße in Schifferstadt, einer Einbahnstraße und 30-er Zone, liegt er. In einer umgebauten alten Scheune mit riesigem Garten dahinter, für die Sommerveranstaltungen, nicht wirklich groß, aber mit einer Akustik, die Musiker immer wieder zum Schwärmen verleitet und einer Atmosphäre, die zwischen familiär-gemütlich und faszinierend-künstlerisch ihr Gleichgewicht gefunden hat: Der Club Ebene Eins. Als Kulturverein längst etabliert und rund um die Welt bekannt, sind es vor allem die Einheimischen, die immer wieder überrascht sind, dass sich so ein Kulturgut in ihrer Stadt versteckt. 2015 feiert der Club Ebene Eins nun sein zwanzigjähriges Bestehen.

Am 08.06.1995 gründeten 34 Kulturfreunde den Club, der nach dem Umbauplan des Architekten für den unteren Teil der Scheune „Ebene Eins“ genannt wurde. Zur Eröffnungsvernissage stellte eine 16-jährige Schülerin aus, ein weiterer Schüler spielte Musik. Moritz Weißkopf, heute besser bekannt als Mo Anton, hat gerade das Gibraltar International Song Festival gewonnen. Angefangen hat er vor 20 Jahren im Club Ebene Eins. Noch immer ist die Förderung von jungen Kulturschaffenden ein Herzensanliegen des Vereins. Schüler der Kreismusikschule oder Teilnehmer von Jugend musiziert, junge Gruppen und Künstler, das Alter spielt für den Kulturausschuss des Club Ebene Eins keine Rolle. Talent zählt, die Freude an der Kunst, dass das Herz bei der Sache ist.

Kulturfreunde: Der Vorstand des Club Ebene Eins (Foto: Club Ebene Eins)

Kulturfreunde: Der Vorstand des Club Ebene Eins (Foto: Club Ebene Eins)

Und auch wahre Größen kommen immer wieder gerne zurück in die gemütliche Scheune. Etwa Ack van Rooyen, Jazz-Musiker, Flügelhornist, niederländische Musikgröße. Oder die A cappella Gruppe Viva Voce, die mittlerweile selbst weltweit bekannt sind. Bettina Belitz hat dort im letzten Jahr ihren Roman „Vor uns die Nacht vorgestellt“ im Herbst kam Julia Donaldson mit einem Grüffelo-Theater aus England, der gern gesehene Poetry Slam, der bisweilen zum Lieder Slam umgewandelt wird. Hier gibt es noch reine Lesungen, ohne viel außenrum, hier zählt das Wort. Und wer in die Scheune kommt wird immer von Bildern begrüßt. Die Liste der Künstler ist lang und vielseitig. Abel Robino aus Paris etwa war hier und Lukas Smithey-Eckrich aus den USA, Lotti Adaimi aus dem Libanon und Ulrike Kaiser aus München.

Aber der Club Ebene Eins bietet nicht nur für Aug und Ohr allerlei, sondern lockt auch zum Mitmachen. Ein Trommel-Selbstversuch unter der Leitung von Ashitey Nsotse beispielweise oder zuletzt ein Hörspiel-Workshop, geleitet von Karl Atteln. Und immer wieder gibt es spezielle Kinder-Kulturveranstaltungen. Diesen Herbst kommen die Olchis, jene müllfressende Stinkbande von Erhard Dietl, bei denen ich beim Vorlesen immer hadere, ob ich wirklich will, dass meine Kinder diese Wörter hören – aber sie lieben es.

Weltrekordträger: Künstler Jean-Yves Dousset mit Gisela Atteln vom Club Ebene Eins (Foto: Obermann)

Weltrekordträger: Künstler Jean-Yves Dousset mit Gisela Atteln vom Club Ebene Eins (Foto: Obermann)

Dabei geht es den Verein nicht nur darum, Kunst zu präsentieren und Neues zu zeigen, sondern auch immer wieder darum, Künstler zusammen zu bringen. Musiker und Maler, Maler und Autoren, Autoren und Musiker. Im kleinen Rahmen kann der Club dabei ausprobieren, was auf großer Bühne nur schlecht funktioniert. Improvisationstheater, bei dem das Publikum entscheidet, was als nächstes passiert, oder Jean-Yves Dousset, der nicht nur reimt, sondern den Weltrekord für den schnellsten Scherenschnitt hat, und zur Jubiläumsfeier gezeigt hat, was er kann. Oder wie im vergangenen Jahr ein Festival für das neue Instrument Campanula. Neues, Gewagtes, Innovatives.

„Kunst bleibt nicht stehen“, erklärte Vorstandsmitglied Horst Atteln zur Jubiläumsfeier. Und darum wird es auch immer wieder etwas Neues, Gewagtes und Innovatives geben, was der Club Ebene Eins präsentieren kann. Ein Besuch lohnt sich allemal.

Vorschau: Nächste Woche geht es hier um Kunst und Kultur auf dem Fusion Festival.

Rom, die ewige Stadt – Kolosseum und Petersdom

Bei Nacht: Das Kolosseum in Rom (Foto: Lustig)

Bei Nacht: Das Kolosseum in Rom (Foto: Lustig)

Das Kolosseum. Für einen kurzen Moment vergesse ich, dass es das weltweit größte antike Amphitheater der Welt ist. Gladiatorenkämpfe, inszenierte Seeschlachten, Tierhetzen. Kaum vorstellbar, dass all dies hier vor mehr als 2.000 Jahren stattfand. Warum ist das Kolosseum eigentlich rund? Ganz einfach: Den Gladiatoren sollte nicht die Möglichkeit geboten werden, sich in einer Ecke Schutz zu suchen. Das wäre für das Publikum langweilig und nicht spektakulär genug gewesen.
Im Jahre 313, also rund 250 Jahre später, wurden die Gladiatorenkämpfe von Kaiser Konstantin dann abgeschafft.
Die Tore sind heute für Besucher und Touristen geöffnet. Die Wartezeiten sind meist lang, aber auch bei dieser Sehenswürdigkeit besteht die Möglichkeit, sich vorab ein Online-Ticket zu kaufen (Erwachsene zahlen 12 Euro, Ermäßigte (18-25 Jahre) nur 7,50  Euro) und somit die Schlangen zu umgehen. Wer einmal vor dem imposanten „Colosseo“ steht, wird sich den Eintritt kaum verkneifen können.

La Basilica Papale di San Pietro in Vaticano. Bitte was?! Das ist der volle Name des

In voller Pracht: Der Petersdom (Foto: Lustig)

In voller Pracht: Der Petersdom (Foto: Lustig)

Petersdoms. Der Petersdom bildet den zentralen Platz der Vatikanstadt. Mit einer Höhe von 133m (Zum Vergleich: Die Deutsche Bank Türme in Frankfurt sind jeweils 155m hoch) und  einer Gesamtfläche von 15.000 Quadratmeter bietet das größte Kirchengebäude der Welt Platz für 20.000 Menschen. Tausende Touristen verschlägt es jährlich in die Papstbasilika, die bereits im 16. Jahrhundert erbaut wurde.
Ein einstündiger Spaziergang durch den Petersdom inklusive Eintritt kostet 17,50 Euro und kann ebenfalls vorab online gebucht werden.

Petersdom und Kolosseum: Zwei Sehenswürdigkeiten, die Rom zu recht den Titel „Die ewige Stadt“ verleihen.  Doch natürlich hat Rom noch mehr architektonische Meisterwerke zu bieten, die einen Besuch lohnenswert machen. Weitere „Places to visit“ in Rom stellen wir euch am 19. Mai vor.

Vorschau: Nächste Woche entführen wir euch in den Rheingau.

„Wow, der Junge hat Talent!“ – Der Startschuss des Kölner Künstlers Mike Dargas

Im Jahr 1983 wird in Köln am Rhein ein großartiger Künstler geboren. Mike Dargas. Er selbst bezeichnet sich als Autodidakt und hat schon im Kindesalter mit seinem Talent für Aufsehen gesorgt. Die Liebe zum Detail verhilft ihm bei jedem seiner Werke zur Perfektion. Noch genauer, noch fotorealistischer und jedes Bild mit einer anderen Botschaft. Neben zahlreichen anderen Techniken hat er sich nun auf die Ölmalerei spezialisiert. Vom eigenen Tattoostudio- zum eigenen Atelier. In genau diesem habe ich Mike zum persönlichen Interview getroffen. In lockerer Atmosphäre und umgeben von einzigartiger Kunst.

Ein Ausnahmetalent in der fotorealistischen Ölmalerei: Mike Dargas (Foto: M. Dargas)

Ein Ausnahmetalent in der fotorealistischen Ölmalerei: Mike Dargas (Foto: M. Dargas)

Face2Face: Wie bist du zur Malerei gekommen?

Mike: Im Knast. Nein Quatsch. Eigentlich von klein auf. Ich habe im Kindergarten schon viel gemalt. Anders als die anderen Kinder. Etwas detaillierter und dann hat sich das Talent schon ein bisschen bemerkbar gemacht. Letztendlich habe ich dieses Talent aufgebaut mit Interesse. Im frühen Alter habe ich mich schon viel für Techniken und allgemein Kunst interessiert. Wenn andere auf Bäume geklettert sind, bin ich in Büchereien gefahren und habe mir Kunstbücher angeguckt.

Lädt zum Verweilen und Staunen ein: Die Galerie in schönem Ambiente (Foto: M. Dargas)

Lädt zum Verweilen und Staunen ein: Die Galerie in schönem Ambiente (Foto: A. Götzen)

Face2Face: Wie sah das erste Bild aus, in dem dein Talent sichtbar wurde?

Mike: Auch im Kindergarten. Spezielles Erlebnis: Ein Panoramabild unter Wasser mit Tauchern und Luftblasen. Das mit sechs Jahren. Hier habe ich selbst gemerkt und haben auch alle anderen gesagt: „Wow, der Junge hat Talent!“. Das war der Startschuss.

Face2Face: Ab wann hast du dich entschlossen, das professionell zu machen?

Mike: Ich habe schon als Kind festgelegt, dass ich auf jeden Fall etwas mit Kunst, Handwerk und Kreativität mache und erst einmal alle Techniken und Materialien ausprobiert. Festgelegt auf Ölmalerei habe ich mich erst vor drei Jahren.

Hier entstehen wahre Schätze: Das Atelier des Künstlers in Köln (Foto: M. Dargas)

Hier entstehen wahre Schätze: Das Atelier des Künstlers in Köln (Foto: M. Dargas)

 

Face2Face: Was hältst du von deinen Bildern selbst?

Mike: Da bin ich, wie das Klischee eines typischen Künstlers vorgibt, immer unzufrieden. Jedes Mal, wenn ich meine Bilder anschaue, denke ich: Das geht noch besser. Für mich ist es stets eine neue Herausforderung. Jedes Werk soll noch fotorealistischer werden. Ich versuche, bei jedem neuen Gemälde eine Steigerung zu finden.

Face2Face: Wen möchtest du mit deinen Bildern erreichen?

Mike: Mein Ziel ist es, weltweit bekannt zu werden. Ich möchte mit meinem Talent den Durchbruch schaffen. Da bin ich auch sehr ehrgeizig.

Face2Face: Warum malst du Portraits und keine Landschaften oder ähnliches?

Mike: Eigentlich hätte ich Lust, viele Sachen zu malen, auch Landschaften. Einfach, um das mal gemacht zu haben, aber letztendlich muss man einen Faden finden. Auf Portraits habe ich mich jetzt gefestigt, weil jedes Portrait individuell ist und etwas anderes aussagt. Da ist vielmehr Action und Leben drin.

Natürlich zählen auch Männer zu seinen Modellen: Titel dieses Meisterwerks ist "Seebär" (Foto: M. Dargas)

Natürlich zählen auch Männer zu seinen Modellen: Titel dieses Meisterwerks ist „Seebär“ (Foto: M. Dargas)

Face2Face: Du hattest auch ein eigenes Tattoostudio. Warum hast du das aufgegeben?

Mike: Letztendlich weil ich nicht auf zwei Hochzeiten gleichzeitig tanzen möchte. Tätowieren beansprucht viel Konzentration-, viel Geduld und viel Zeit, die dann für die Malerei fehlt. Und in der Malerei möchte ich erfolgreich sein.

Face2Face: Wer sind die Menschen, die du malst?

Mike: Das sind Modelle, die ich aussuche. Im Moment weibliche. Diese fotografiere ich ab und male das dann von dem Foto auf Großformat. Der exakte Moment ist tatsächlich mit der Kamera so eingefangen. Ich glaube, wenn man das aus dem Kopf schafft, ist man ein Superbrain.

Mike Dargas bei der Arbeit: Ein Exemplar mit Honig als "Rohmaterial" (Foto: M. Dargas)

Mike Dargas bei der Arbeit: Ein Exemplar mit Honig als „Rohmaterial“ und umgesetzt mit dem Pinsel (Foto: M. Dargas)

Face2Face: Woran arbeitest du im Moment?

Mike: Eine Serie, für die ich Honig als Material ausgewählt habe, wobei das eigentlich einen viel tieferen Sinn hat. Das erste Bild daraus war „Ecstasy of Gold“. Ekstase sagt dabei ja alles. Gold steht in dem Zusammenhang nicht für Honig, sondern für das wertvolle Rohmaterial. So hieß auch das nächste Bild „The black Gold“, also das schwarze Öl bezüglich des Rohmaterials. Als Thema also alles, was einen hohen Wert hat. Worum sich Politik und Wirtschaft dreht, nämlich Geld.

Face2Face: Was ist für die Zukunft bezüglich Ausstellungen/Projekte geplant?

Mike: Als nächstes habe ich mehrere Ausstellungen in München, darunter eine Kunstmesse. Außerdem gibt es gerade Angebote aus Amerika. Also muss ich sehen, dass ich mal über den Teich komme. Wie gesagt, Ziel ist es, national und international erfolgreich zu sein. Ich glaube einfach, wenn man sich in Deutschland einsperrt, kommt man nur bis zu einem gewissen Punkt. Sowieso fahren die Amerikaner total auf den fotorealistischen Stil ab und haben irgendwie so ein Faible dafür.

Ich glaube, dass Mike Dargas diesen Punkt sowohl in Deutschland, als auch international noch lange nicht erreicht hat. Diese bescheidene Art und der rheinische Humor, kombiniert mit diesem eindrucksvollen Talent lässt ihm alle Türen der Kunstwelt offenstehen. Wir werden auf jeden Fall noch sehr viel von dem Kölner Künstler hören, beziehungsweise sehen.

Vorschau: Nächste Woche lest ihr hier ein spannendes Interview mit einem jungen, aufstrebenden Filmemacher aus der Region.

„In jedem Teil steckt ein kleines Stückchen Oma oder Opa“ – Designerin Nadine Psotta im Interview

Von Indonesien ins waschechte Schwabenland. Schwabenkind Designerin Nadine Psotta legte einen langen Weg für ihren Modetraum zurück. Bereits mit 12 Jahren entdeckte sie ihre Liebe zur Mode und arbeitete ab diesem Zeitpunkt hart an ihrem Traum. Nach einer Second-Hand-Boutique, Arbeiten für die Filmbranche und die Produktion ihrer ersten Kollektion in Indonesin, ist die Modedesignerin an ihrem großen Traum angekommen und führt nicht nur eine erfolgreiche Modelinie, sondern produziert inzwischen, ganz getreu dem Namen, ausschließlich im Schwabenland.

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Schwabenkind ganz privat: Designerin Nadine Psotta in ihrem Atelier. (© Ilona Schneider)

Face2Face: Wann wusstest du, dass du etwas mit Mode machen möchtest?
Nadine: Ganz genau am 06.07.1989, meinem ersten Tagebucheintrag. An diesem Tag habe ich Modeschöpferin gespielt. Von meinen Eltern habe ich viel Lob bezüglich meines Talents erhalten. Auch wenn dies eher große Elternliebe war, mein Weg ebnete sich damals genau in diesem Moment. Am Abend dieses Tages interviewte ich mich selbst und beendet des Interview mit folgendem Satz: „Und heute ist sie eine ganz bekannte Modeschöpferin“. Jedes mal, wenn ich diesen Satz lese, muss ich schmunzeln – Ich möchte definitiv einmal die Entwürfe von damals mit meinem heutigen Wissen umsetzen.

„In jedem Teil steckt ein kleines Stückchen Oma oder Opa“ – Designerin Nadine Psotta  im Interview

Verspielt und unkonventionell: Schwabenkind-Dirndl mit Blumenschmuck. (© www.lichtformstudios.de)

Face2Face: Dein Modelabel wurde ja nach deinen Großeltern benannt, welche Geschichte steckt da dahinter?
Nadine: Meine Großeltern hießen Karl und Maria. Meine Oma war eine ganz begeisterte Näherin und hat viele Dinge mit mir umgesetzt. Aufgrund ihrer gradlinigen Phantasie, haben wir haben uns zwar immer die Köpfe eingeschlagen, ich konnte mich am Schluss aber immer gut durchsetzen. Wir haben sehr viel zusammen gearbeitet. Meine Oma war auch diejenige, die mir die Liebe zum Nähen und Designen beibrachte. Leider ist sie ein halbes Jahr vor meinem Modedesign Abschluss verstorben. In Anlehnung an meine Oma und meinen Opa habe ich deshalb die Modelinie Karla Maria begonnen, wobei Schwabenkind heute präsenter ist bzw. Karla Maria die Exklusivmarke von Schwabenkind ist.

Face2Face: Neben den Basics und Kindersachen gibt es auch die Kollektionen King Karl und Queen Maria. Wofür stehen diese Kollektionen?
Nadine: King Karl steht für meinen Opa den Karl und Queen Maria für meine Oma Maria.

Face2Face: Wie wird denn dein ganz eigener Stil und damit auch deine Kollektionen beeinflusst?
Nadine: Ich reise sehr viel und schaue mir auch gerne Dokumentationen über andere Länder und Kulturen an. Darüber erhalte ich immer ganz witzige Ideen.

Face2Face: Deine Kollektionen sind ja sehr farbenfroh – welche ist denn deine Lieblingsfarbe?
Nadine: Meine Lieblingsfarbe ist Petrol. Petrol oder Türkis, das sind meine persönlichen Favoriten.

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Ein Traum in Pink: Eines der vielen farbenfrohen Designs von Nadine Psotta. ( © www.lichtformstudios.de)

Face2Face: Was möchtest du mit deinen Designs ausdrücken?
Nadine: Ich möchte zeigen, dass alles was nicht zusammen passt, am Schluss definitiv passend gemacht werden kann. Für meine Phantasie gibt es keine Grenzen und ich vertrete die Meinung, dass Schönheit immer im Auge des Betrachters liegt. Was mich auch immer genervt hat ist, dass wenn ich in einen Kinderladen rein gegangen bin, ich immer so viele Kleidungsstücke gesehen habe, die ich auch so gerne haben wollte, allerdings gab es diese natürlich nie in meiner Größe. Deshalb habe ich beschlossen, dass ich auch solch eine bunte und verrückte Mode machen möchte, allerdings für Erwachsene.

Face2Face: Symbolisieren diese Kollektionen deine Großeltern?
Nadine: In den Kollektionen steckt meistens ein kleines Stück Oma oder Opa. Sei es ein alter Stoff den ich verarbeite oder Rüschen und Knöpfe, die ich noch von meiner Oma geerbt habe.

Face2Face: Deine Kleidungsstücke werden ausschließlich im Schwabenland produziert. Was ist dir daran besonders wichtig?
Nadine: Die Produktion im Schwabenland ist mir auf Grund meiner guten Zusammenarbeit mit meinen Geschäftspartnern Brigitte und Gerhard von der Schwäbischen Alb besonders wichtig. Die hohe Qualität die sie mir bieten, ist einfach unschlagbar. Auch der kurze Anfahrtsweg und der rechtliche Schutz der mir im Inland zusteht, sind grundlegende Kriterien für meine Wahl. Was mir natürlich auch gefällt ist, dass man mich hier versteht, wenn ich „schwätze“, was in Asien generell nicht der Fall war, vor allem wenn ich „gemotzt“ habe.

Face2Face: Soll die Produktion im Schwabenland auch die Marke Schwabenkind symbolisieren?
Nadine: Ich will Schwabenkind definitiv nur noch im Schwabenland produzieren.

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Traditionell und doch verrückt: Das Waldmädchen von Schwabenkind. (© www.lichtformstudios.de)

Face2Face: Wie sieht denn der typische Kunde/die typische Kundin aus, die Schwabenkind kauft?
Nadine: Typische Kunden gibt es bei mir gar nicht. Bei mir kauft wirklich von der kleinen Prinzessin, die von ihrer Mutti etwas bekommt, bis zur Oma mit lila gefärbten Haaren. Das beste Erlebnis war auf einer Messe, als ich von weitem zwei Personen gesehen habe, die komplett in Lack und Leder gekleidet waren. Ich wunderte mich schon wo diese hin möchten, als ich an ihrem Namen erkannte, dass sie Stammkunden von mir waren. Im Endeffekt richtig geile Leute. Ich habe noch nie einen meiner Kunden kennengelernt der mir unsympathisch war.

Face2Face: Was hast du, was andere nicht haben?
Nadine: Ich denke meine Stärke liegt darin, dass ich mich nicht darum schäre was gerade Mode ist. Ich höre auf mein Herz und mache nur die Dinge, die mir Spaß machen. Mein großes Geheimrezept liegt wohl darin, dass es mir nicht darum geht das große Geld zu machen, sondern mich selbst in meiner Arbeit widerzuspiegeln.

Danke Nadine Psotta für den Einblick, dass hinter der Mode nicht nur Trends und schöne Schnitte stecken, sondern auch viel tiefgründige Bedeutung und ganz viel Herz.

http://schwabenkind.com

Vorschau:

Die Kunst ist für mich das Tor zur Freiheit

Berlin-Mitte, in der Nähe des Gendarmenmarkts und der Spreeinsel. Hier lebt und arbeitet die erfolgreiche Künstlerin Kristina Sretkova. Am 10. Juli 1984 wurde sie in Stockholm geboren, wo sie auch die ersten fünf Jahre ihres Lebens verbrachte. Ihre Eltern stammen beide aus Bulgarien. Aufgewachsen ist sie international. Bereits seit 2000 lebt sie in Deutschland. Ihr Abitur legte sie im Leistungskurs Kunst im bekannten Internatsgymnasium Schloss Torgelow ab. Danach absolvierte sie ihr Studium zur Diplom-Mediendesignerin an der Rheinischen Fachhochschule in Köln. Inzwischen lebt und arbeitet sie in Berlin und hat als Künstlerin Ausstellungen auf der ganzen Welt.

Die Kunst ist Kristinas große Leidenschaft, egal in welcher Form. Sie malt mit Herz und Seele. Zur Malerei kam sie schon in ihrer Kindheit. Dabei bevorzugt sie keinen bestimmten Stil und experimentiert viel mit Farbkombinationen. „Malen ist für mich gleichzeitig Meditation und Kreieren“, sagt die 30-Jährige. „Das lässt sich schwer in Worte fassen. Ich glaube, in diesem Sinne ist jeder Mensch ein Künstler.“

Foto: © Kristina Sretkova

Die Kunst ist Kristinas große Leidenschaft.      Foto: © Kristina Sretkova

Kristina Sretkova hatte das große Glück bei bekannten Malern aus verschiedenen Generationen unterrichtet zu werden. Sie lernte während ihres Mediendesign-Studiums an in Köln lernte sie den im Jahr 2010 verstorbenen Maler und Fotografen Sigmar Polke kennen. Seine Malerei wird dem postmodernen Realismus zuzuordnen. Mehr als 400 Arbeiten hatte er Zeit seines Lebens geschaffen. Kristina lässt sich von verschiedenen Künstlern inspirieren. Auch der französische Maler Claude Monet, einer der bedeutendsten Maler des Impressionismus, zählt zu ihren Vorbildern.

Über ihre eigenen Werke sagt sie: „Es kommt alles von innen, als ob ich das schon in einem früheren Leben gemacht hätte.“ Sie erweitert ihre Kunst und experimentiert dabei viel mit Farbkombinationen. Viele Besucher ihrer Ausstellungen sind der Meinung, dass ihre Bilder lebendig wirken und eine sehr spezielle Aura besitzen. Dabei sucht sie sich keine bestimmten Motive aus. „Alles ist eine Frage der Inspiration und der Offenbarung des Geistes“, sagt die junge Künstlerin. Sie möchte dem Betrachter ihrer Bilder Freude, Glauben, Dankbarkeit, Optimismus und die Fähigkeit zu Lieben vermitteln. „Was mich immer wieder fasziniert ist, dass sich viele junge Leute und Kinder von meiner Kunst angesprochen fühlen“, sagt sie mit einem strahlenden Lächeln im Gesicht und fährt fort: „Das beeindruckt mich am meisten!“

Ihre Arbeiten zeigte sie das erste Mal bei einer Gemeinschaftsausstellung in Sofia im Jahr 2009. Nur zwei Jahre später erhielt sie unter 600 Künstlern den ersten Preis für „Abstrakte Malerei“ in Moskau. Kurz darauf hatte sie die Ehre ihre erste Soloausstellung in New York haben zu dürfen. Ihre Werke werden inzwischen weltweit verkauft. Ihre Erfolge sind beeindruckend, doch die Künstlerin wirkt nach wie vor sehr bodenständig und weiß, dass dieser Erfolg nicht nur mit viel Glück, sondern auch mit sehr viel Arbeit und Fleiß verbunden ist. Sie arbeitet sehr konsequent und zielstrebig an ihren Arbeiten. Es gehört neben Kreativität und Talent auch sehr viel Planung und Koordination dazu Ausstellungen weltweit zu organisieren. Sie sagt, sie sei ein Workaholic. Womit sie wohl recht hat, wenn man einen Blick auf ihren straffen Zeitplan wirft: 20 Kunstausstellungen pro Jahr und das weltweit.

Foto: Kristina Sretkova

Kristina Sretkova liebt ihren Beruf. Foto © Kristina Sretkova

Ihre Bilder müssen dafür immer rechtzeitig fertig sein. Sie werden sicher verpackt und in die jeweilige Stadt der Ausstellung verschickt. Flyer und Broschüren müssen erstellt werden und auch vor Ort muss alles organisiert sein. Vor einer Ausstellung hat sie gar keine Freizeit. Urlaub muss sie Monate im Voraus planen.

Kristina lehnt sich in ihrem braunen Pullover an die Wand, streicht sich eine ihrer langen, braunen Strähnen aus dem Gesicht und lächelt. Sie nimmt ihre linke Hand, legt sie wie selbstverständlich auf ihr Herz und sagt mit sanftmütiger Stimme: „Während ich male, fokussiere ich mich auf meine innere Welt und höre dabei auf meine innere Stimme, indem ich meine Intuition, Rhythmus, Intelligenz und Inspiration einsetze. Somit projiziere ich mein inneres Licht auf die Leinwand“, Kristina Sretkova. Sie deutet stolz mit ihrer rechten Hand auf ihr Bild „Elevating III“. „Das Licht sollte hier zum Bild hineinstrahlen und dann wieder herausleuchten.“

Foto: Kristina Sretkova

Kristina vor ihrem Werk „Elevating III“.  Foto © Kristina Sretkova

Dr. Sylke Wunderlich, freiberufliche Kunsthistorikerin und Designwissenschaftlerin, kennt die Berliner Künstlerin. „Kristina malt verschiedene Stufen von Lichtern, tiefe Gewässer und lodernde Feuer. Sie nutzt dabei die Kraft der Elemente und die primären Stärken der Natur. Ihre Bilder spiegeln einerseits sinnliche Momente, aber bringen auch starke Widersprüche zum Ausdruck.“ All das erzielt sie durch verschiedene Farben und Formen. Sie sei spontan, intuitiv und voller Kreativität. Ihre Werke seien spannend und leidenschaftlich, erzählt die Kunsthistorikerin weiter. „Und alles ist voll von starken Emotionen – direkt aus dem Herzen. Sie bringt so ihre künstlerische Freiheit zum Ausdruck“, sagt die 56-jährige gebürtige Leipzigerin über Kristinas Werke.

Website der Künstlerin: http://www.kristina-sretkova.com